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Full text of "Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 8 (1886)"

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IN COMMEMORATION OF THE VISIT OF 
HIS ROYAL HIGHNESS 

PRINCE HENRY OF PRUSSIA 

MARCH SIXTH, 13<>2 

ON BEHALF OF HIS MAJESTY 

THE GERMAN EMPEROR 



tpRESENTEDBY ARCHIBALD 'CART COOLIDGE PH.IT l 

AS SISTANT PROFE SSOR OF HISTORY 





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ZEITSCHRIFT 



DES 



AACHENER GESCHICHTSVEREINS 



IM AUBTRAG DER WISSENSCHAFTLICHEN KOMMSSION 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

RICHARD PICK, 

ARCHIVAR DER STADT AACHEN. 



ACHTEE BAND. 

(mit zwei tafeln und einer karte.) 




AACHEN. 

IN KOMMISSION BEI BENRATH & VOGELGESANG. 

1886. 



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HARVARD COUEGE LIBRARY 
DEC 6 . 1905 



HOHENZOLLERN COLLECTION 
GIFT OF A. C. COOLIDGE 




Dublette 



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Inhalt. 

1. Die Grafen von Harscamp. Von A. vonReumont 1 

2. Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. Von C. Rhoen. (Mit 

zwei Tafeln.) 

I. Die noch vorhandenen Theile der Pfalzkapelle 15 

II. Nicht mehr vorhandene Theile der Pfalzkapelle 37 

IH. Veranderungen im Innern der Pfalzkapelle f« 43 

IV. Die Bronzearbeiten und Mosaiken der Pfalzkapelle 52 

V. Die Saulen 64 

VI. "Weitere zur Pfalzkapelle gehorige Gebaude ........ 72 

VH. Die Baumeister der Pfalzkapelle . 93 

3. Das alte Wegenetz zwischen Koln, Iimburg, Mastricht und Bavai, mit 

besonderer Beriicksichtigung o\er Aachener . Gegend. /Von C. von 

Veith. (Mit einer Karte.)' ./'. 97 

4. Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu Roermond. Von E. vonOidtman 125 

5. Zur Sage iiber die Entstehung des ; Lousbergs. Von A. Curtius . . 148 

6. Aachener Sprichworter und Redensarten. • Von ; M. Schollen . . . 158 

7. Zur Geschichte der Herrschaft Schonau und i^rbr ?esitzer bis auf Diet- 

rich von Milendonck. Von E. von Oidtman 209 

8. Aus dem Aachener Stadtarchiv. Von R. Pick. 

I. Verpflichtungsurkunden stadtischer Beamten 218 

9. Ferdinand Nolten. Von J. Becker 256 

10. Kleinere Mittheilungen : 

1. Die Porphyrsaulen am Hochaltar des Aachener Munsters. Von 

A. von Reumont 267 

2. Zur Kenntniss des Aachener Ottonenkodex.' Von Th. Frimmel 268 

3. Aachener Urkunden aus dem Dortmunder Stadtarchiv. Von 

J. Hansen 270 

4. Zu Caesars Bericht iiber die Vergiftung des Eburonenkonigs Ca- 
tuvolcus. Von E. Pauls 275 

5. Zur Geschichte des Aachener Ministers. Von R. Pick. . . . 277 

6. Eine Aachener Erbverpachtungs-Anzeige um 1500. Von R. Pick 279 



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IV Inhalt. 

7. Zur Geschichte des Pfarrdorfs Miindt. Von R. Pick . . . . 280 

8. Die Gebuhren des Aachener Scharfrichters um 1700. Von R. Pick 286 

11. Iiteratur: 

1. H. F. Macco, Beitrage zur Geschichte und Genealogie rheinischer 
Adelsfamilien. Angezeigt von E. vonOidtman 287 

2. H. H. Koch, Ueber Handel und Industrie in den Rheinlanden mit 
besonderer Beriicksichtigung der Gegend von Eschweiler. Ge- 
schichte der Stadt Eschweiler IV. Theil. V. Theil (Schluss) : Ge- 
meindeverfassung. Angezeigt von E. Pauls 294 

3. St. Beissel S. J., Die Bilder der Handschrift des Kaisers Otto im 
Minister zu Aachen in XXXTTI unveranderlichen Iichtdrucktafeln. 
Angezeigt von A. Schnutgen 29& 

4. Aus Zeitschriften. Von H. Loersch und R. Pick .... 310 

5. Notiz, F. Blondels Schrift iiber die Aachener und Burtscheider 
Thermen betreffend 315 

12. Fragen 316 

13. Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1885/86 31 £ 

14. Nachrichten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins: 

1. Johann Jakob Michel. Von H. Loersch 323- 

2. Dr. Heinrich Hahn. Von H. Loersch 324 

3. Professor Dr. Arnold Forster. Von E. Pauls 326 

4. Johann Joseph Blum. Von R. Pick 328 

15. Verzeichniss der Mitglieder 331 

16. Verzeichniss der Vereine, Gesellschaften, Anstalten und Redaktionen, 

mit welchen der Aachener Geschichtsverein in Schriftenaustausch 
steht 350 



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Die Grafen von Harscamp, 

Von A. von Reumont. 

Zwei Stadte nennen mit dankbarer Gesinnung den Namen der 
Harscamp. Das belgische Namur hat sie einst zu seinen vornehmen 
Btirgern gezahlt und ihnen unter den Ersten die Forderung einer 
Industrie gedankt, welche heute noch zu den ergiebigsten des von 
Maas und Sambre durchstroniten Landes gehort. Eine grosse 
wohlthatige Anstalt, die ihren Namen tragt, zeugt von der Heimaths- 
liebe einer Faniilie, deren Letzte ihrem christlichen Sinne und 
ihrer Nachstenliebe ein glanzendes Denkmal gestiftet hat. Aachen, 
welches in dieser Frau eine fromme Tochter ehrt, verdankt der- 
selben eine seiner schonsten biirgerlichen Stiftungen, die in der 
Gegenwart und fiir alle Zukunft tausendfachen Segen verbreitet 
und den Dank spater Nachkommen auf ihrem Haupte sammelt. 
Auch die grossen und verdienten Geschlechter verfallen dem Loose 
der Verganglichkeit. Aber sie konnen nicht schoner enden, als 
die Harscamp geendet haben. 

Die Heimath der Familie ist Geldern. In der ersten Halfte des 
16. Jahrhunderts begegnen wir einem Heinrich von Harscamp, dessen 
Sohn Servatius Karl V. diente und in zwei an ihn gerichteten 
Schreiben der Statthalterin der Niederlande, Konigin Maria von 
Ungarn, und des Kaisers aus den Jahren 1542 und 1544, in welchen 
er als Befehlshaber einer Reiterkompagnie im Herzogthum Jiilich 
beschaftigt war, noble und gentilhomme genannt wird. Sein Sohn 
Lambert oder Liebert diente gleichfalls im Heere Konig Philipps II. 
und starb 1576. Yon seinen Sohnen war der eine mit Namen Ernst 
Malteserritter und fiel bei der Belagerung von Gran in Ungarn, 
zwei andere, Kornelis und Hendrik, wurden, wie es heisst, bei der 
Losreissung der nordlichen Niederlande von Spanien im jugendlichen 
Alter durch den Vater nach Namur gesandt, wo der zweite von 
ihnen die nachmals reich und beruhmt gewordene Familie griin- 



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2 A. von Reumont 

dete *. Der alteste Sohn Winand scheint sich nach Westfalen 
gewandt zu haben, wo sein Sohn Reiner im furstbischoflich Miinster- 
schen Kriegsdienst vorkommt. Dessen altester Sohn Johann Hein- 
rich heirathete 1665 in Koln Ida Sophie von Holtz zu Fremersdorf, 
und beide machten ihr Testament im J. 1689. Ihr altester Sohn 
Jakob Heinrich, Herr von Welkenhausen, wurde Geheimrath und 
Kommandirender der Pfalz-Neuburgischen Truppen, Grosskreuz des 
St. Michaelsordens und Kommandant von Diisseldorf und Amberg. 
Im J. 1711 heirathete er in Mannheim Maria Anna Elisabeth Freiin 
von Rolshausen und starb 1749. Er fuhrte den Titel eines Grafen 
von Harscamp, der ihm wahrscheinlich wahrend einer Reichsvakanz 
durch den Kurfiirsten verliehen worden war. Sein Sohn Franz Peter 
Leopold war ebenfalls Kommandirender der pfalzischen Truppen 
und starb 1766, als letzter mannlicher Sprosse dieses altern pro- 
testantischen Zweiges der Familie. Von den beiden Brudern, welche 
nach Namur gelangten und dort Biirgerrecht erwarben, stiftete der 
altere, Kornelis, eine Linie, welche urn die Mitte des 17. Jahrhun- 
derts in gedachter Stadt ausstarb. Ihre Verhaltnisse scheinen nicht 
glanzend gewesen zu sein, denn Johann Harscamp, der Letzte 
derselben, wird als Apotheker bezeichnet. 

Die Nachkommen Hendrik Harscamps stiegen zu bedeutendem 
Vermogen und Nobilitat auf. Im J. 1597 wird er zuerst als 
Burger und Kaufmann von Namur genannt und findet sich im 
Herbste 1611 als Theilnehmer an einer Gesellschaft von Eigen- 
thumern von Eisenbergwerken, bekanntlich einem der bedeutenden 
Industriezweige der genannten Stadt und Umgebung. In einer 
Eingabe an die Regenten der spanischen Niederlande, Albert und 
Isabella, vom J. 1617 stellen sie vor, wie sie seit langerer Zeit in 



*) Herr Dr. Stanislaus Bormans, fruher Staatsarchivar zu Namur, 
heuteKurator der Universitat Liittich, hat unter dem Titel : La familie d'Harscamp 
g^nealogie historique (Namur 1877, 82 S. gr. 8°, beaonders abgedruckt aus Bd. 
XIV der Annales de la Socie'te' arche'ologique de Namur) eine Arbeit herausgege- 
ben, welche die historischen und genealogischen Nach rich ten iiber die Familie 
zusammenstellt. Nicht alle Punkte der Geschichte sind gesi chert, ungeachtet 
der sorgfaltigen und fleissigen Arbeit. Naturlich sind dieselben, sowie die 
Nachrichten iiber Besitz- und Lehnsverhiiltnisse meist fiir unsere Zwecke 
nicht von Belang; die allgemeine Geschichte der Familie ergibt sich aus der 
nachfolgenden grosstentheils auf derselben beruhenden Darstellung. Der 
Familienname findet sich in den altern Namur'schen Urkunden als Herscamp, 
Her8campen, Harschamp, Harskampe u. s. w., nirgend als Harscamps; bis gegen 
1630 meist ohne de. 



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Die Grafen von Harscamp. 3 

der Grafschaft von Nainur mit bedeutenden Kosten und an ver- 
schiedenen Orten Nachgrabungen veranstaltet haben, urn Eisenerz 
zu gewinnen, worauf ein Diplom der Regierenden vom 19. Dezember 
genannten Jahres die Bittsteller ermachtigt, an alien Orten besagter 
Grafschaft, wo nicht schon dureh Verleihung ahnlicher Art verfiigt 
worden ist, Bergwerksarbeiten zum Behuf der Gewinnung von Eisen 
und Kupfererz, Alaun und Steinkohle und Anderm zu unternehmen, 
unter Erlegung der gewohnlichen Abgaben. Das Gebiet, wo Hendrik 
Harscamp und seine Genossen ihre Miihlen batten, war das von 
Rivi&re zwischen Namur und Dinant, wo ein starker Bach ihre 
Industrie begiinstigte. Bald aber legten sie auch an andern Orten 
Eisenhammer an, und im J. 1619 erhielt ersterer von den Erzherzogen 
die Erlaubniss, zu Chaveau bei Godinne in derselben Gegend eine 
Miihle zu erbauen, welche zum Giessen und Bohren von Gesehutzen, 
Musketen und Hakenbuchsen, sowie zur Fabrikation von Stahlwaffen 
dienen sollte. Im nachfolgenden Jahre wandten er und seine Ge- 
nossen sich von Neuem an die Regierung, urn derselben darzu- 
stellen, wie „sie durch Reisen und Korrespondenz darauf aufmerksam 
gemacht worden seien, dass in England seit mehrern Jahren die 
KuDSt entdeckt worden sei, eiserne Geschutze verschiedenen Kalibers 
zu giessen, mit denen nach Spanien, Italien, Frankreich und andern 
Landern ergiebiger Handel getrieben werde. Da nun ihr Land so 
reiches und gutes Material darbiete, konnten sie durch ihren Fleiss 
diese Kunst einfuhren und somit gleiches Geschiitz liefern, was bis 
jetzt nicht geschehen sei." Durch ein Diplom vom 16. Februar 1620 
erhielten sie das Privilegium, zwolf Jahre lang mit Ausschluss 
aller Konkurrenz gegossene Geschutze jeden Kalibers zu liefern, 
unter der Bedingung einer bestimmten Abgabe und der Versorgung 
des Landes mit diesem Artikel, wahrend liber diesen Bedarf hinaus 
der Verkauf ihnen freistehen sollte. 

Hendrik Harscamp kann als der Begriinder dieser Industrie 
in der Provinz Namur gelten. Es war die Zeit, in welcher die 
Metallurgie in Schweden durch Lutticher und Namurer unter Lei- 
tung des Louis de Geers ihren Anfang nahm und die industrielle 
Wohlfahrt jenes Landes begriinden half. Aber auch zu dem Wohl- 
stand der eigenen Familie legte Hendrik Harscamp den Grund. 
Konig Philipp IV. ubertrug ihm das Amt eines Proviantmeisters 
der in Belgien stationirenden spanischen Truppen. Seine zweite 
Gattin Jeanne Moniot aus einer in der Eisenindustrie bekannten 
Familie war im J. 1626 Wittwe, sein Sohn Yincenz, geboren 1597, 

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4 A. von Reumont 

gelangte zu grossem Reichthum und Ansehen. Von 1634 bis 1678 
war er Schoffe seiner Vaterstadt, im J. 1647 wurde er zum kaiser- 
lichen Rath nnd Generalempfanger der Grafschaft Namur ernannt. 
Im J. 1651 erfolgte die Erneuerung seines Adels durch Konig 
Philipp IV., der ihm im folgenden Jahre die Ritterwurde verlieh. 
Durch ein Patent vom April 1653 wurde seine Besitzung zu 
Bossim6 bei Namur zu einer Lehnsherrschaft erhoben, wahrend die 
Proviantmeisterstelle ihm erhalten blieb. Er starb im J. 1678. Sein 
Sohn Hendrik, geboren gegen 1621, erlangte von gedachtem Ko- 
nige im J. 1646 das Eigenthum der Waldungen von La Marli£re 
zwischen der Sambre und der Maas, zum Preise von 165 000 Gulden 
als freies und ritterliches Lehen, in Anerkennung der bedeutenden 
Lieferungen, welche sein Vater und er selber der spanischen Krone 
an Pulver, Waffen, Kugeln und alien Arten Munition wahrend der 
letzten Jahre geleistet hatten. Im J. 1658 wurde er durch die 
Pranzosen getodtet, wahrend er mit andern Offizieren in der Aus- 
tibung seiner Amtspflichten begriffen war. Sein jungerer Bruder 
Pontian wurde im J. 1658 zum Rath und Generalempfanger 
Sr. Majestat in der Grafschaft Namur und spater zum Aufseher 
der Finanzen und Domanen in der Provinz Luxemburg ernannt. 
Im Dezember 1675 erhob ein konigliches Dekret seine Besitzungen 
von Bossime, Marliore und Lustin unter dem Titel Harscamp zu 
einer Baronie mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit. Er starb 1678. 
Von seiner zweiten Gemahlin Anna Katharina Hovyne, Tochter des 
Prasidenten des Geheimen Raths, hatte er mehrere Kinder, von 
denen Karl Franz, geboren gegen 1669, ihm nachfolgte. Mitglied 
des Adelsstandes von Namur und Deputirter desselben wurde er 
zum s tell vertre ten den Gouverneur der Grafschaft ernannt und hei- 
rathete im J. 1711 Marie Isabelle von Argenteau, der Familie ent- 
stammt, welche sich spater mit derjenigen der Mercy vereinigte. Bei 
dem Heirathskontrakt wurden sieben grosse Diamanten und ein mit 
einer Diamantkrone geschmucktes Portrat des Kurfiirsten von Trier, 
ein Geschenk desselben, als Fideikommiss zu der Baronie Harscamp 
gehorig, von den ubrigen Giitern ausgenommen. Da die Kinder aus 
dieser Ehe sammtlich den graflichen Titel trugen, ein betreffendes 
Diplom sich aber nicht wfindet, so muss man annehmen, dass 
die Namurer Linie an der der altern gemachten Verleihung theilnahm. 
Aus der Ehe Karl Franz' entsprossen fiinf Kinder. Der alteste 
Sohn Karl Anton trat in den Kriegsdienst und wurde Hauptmann 
im Infanterieregiment Mercy. Als sein Vater im J. 1736 starb, 



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Die Grafen von Harscamp. 5 

iibertrug ihm Kaiser Karl VI. dessen Amt als stellvertretender Gou- 
verneur von Naipnr, welches einstweilen durch den Baron von 
Neverl6e verwaltet wurde. Im August 1744 entsagte Karl Anton 
der Welt, indem er in den Cistercienserorden trat, in der Abtei 
St. Marienbrunn zu Saar in Mahren, in der Olniutzer Diozese 
(Janauschek, Origines Cistercienses, tom. I, p. 248). DieBesitzun- 
gen der Familie gingen auf den zweiten Sohn Karl Joseph liber, 
der im J. 1747 als Hauptmann im Regiment Mercy getodtet wurde. 
Der dritte Sohn Heinrich, geboren 1716, trat gleich seinen Briidern 
in den Kriegsdienst und fiel am 10. April 1741 im ersten Waffen- 
gang Friedrichs des Grossen mit Oesterreich, in der Schlacht von 
Molwitz im ersten schlesischen Kriege. Die Schwester Maria Theresia 
Isabella, geboren zu Namur am 17. November 1712, heirathete am 
18. Februar 1743 in der St. Johanneskirche von Namur Heinrich 
Georg Freiherrn von Blumenthal, Rittmeister, dann Major in der 
Kompagnie Dumoulin im Dienste Friedrichs des Grossen, Sohn des 
Staatsministers Adam Ludwig von Blumenthal und der Sophie 
Esther von Hoyrn. Die Mitgift der Braut betrug 50000 spanische 
Thaler, und wurde durch spatere Betheiligung an dem Yermogen 
der Briider gemehrt. Frau von Blumenthal wurde Obersthof- 
meisterin der Prinzessin Heinrich von Preussen, Wilhelmine von 
Hessen-Kassel, Schwagerin Friedrichs des Grossen (f 1808), und 
bewahrte sich durch ihre Wohlthatigkeit als Schwester der Letzten 
ihrer Familie. Sie trug durch bedeutende Spenden zum Bau der 
St. Hedwigskirche in Berlin bei, in welcher sie nach ihrem am 
26. April 1782 erfolgten Tode beigesetzt wurde, und wo folgende 
Grabschrift, die einzige in diesem Gotteshause, an sie erinnert. 

„ICI REPOSEXT LES CENDRES DE MaRIE Th£r&SE ISABELLE, COMTESSE 

d 'Harscamp, Douairiere de Mr. Hexri George Baron de Blumen- 
thal, Grande-Maitresse de la Cour de S. A. R. Madame la Prin- 
cesse, fipousE de S. A. R. Mr. le Prince Henri de Prusse, Frere 
du Roi. Nee a Namur le xv novembre mdccxii. D£c£d£e a Berlin 
le xxvi d'Avril mdcclxxxii. 

Elle contribua g£nereusement a l'ornement de ce temple sans 

OUBUER LES PAUVRES, QUI SONT LES TEMPLES VIVANS DU SEIGNEUR; CAR 
ELLE EMPLOYA EN BIENFAITS LES RICHESSES, QU'ELLE POSSEDAIT. ElLE 
SUT PRATIQUER a LA COUR TOUTES LES VERTUS CHR^TIENNES, PARCEQUE SA 

pi£t£ PARTAIT du FOND de son coeur. Ses qualit^s personnelles la 

RENDIRENT CHERE a TOUS CEUX QUI LA CONNURENT. Sa CONDUITE A SERVI 
D'EXEMPLE ET DE MODELE. SON SOUVENUl ET L'ESP^RANCE DE LA REVOIR 



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6 A. von Reumont 

DANS LE S&JOUR DES BIENHEUREUX FAIT MAINTENANT LA SEULE CONSOLA- 
TION DE SES AMIS QUI LA PLEURENT." 

Ueber dieser Gedenktafel befindet sich ein Medallion mit dem 
Brustbild der Verstorbenen in Marmor, daneben je eine Urne. 

Der vierte und jungste Sohn des Grafen Karl Franz, am 
15. Mai 1717 geboren und in der St. Michaelspfarre zu Namur 
getauft, wo der gleichnamige Baron von Spontin und Ang61ique 
von Harscamp, Vicomtesse d'Elz6e, Gevatter standen, war vom Ge- 
schick dazu bestimmt, das Gesammtvermogen der Familie zu 
vereinigen und als Letzter derselben zu sterben. Die Ver- 
anstaltungen, welche er in jungen Jahren mit seinen Briidern 
durch Verzichtleistungen traf, wurden durch den Monchstand 
des altesten und den Tod der andern hinfallig, und beinahe 
plotzlich fand er sich im Jahre 1747 im Besitz der grossen 
Reichthumer, welche ausser den Lehen und den Allodialgutern 
in der Grafschaft Namur und benachbarten Provinzen, in bedeu- 
tenden Liegenschaften in Ungarn bestanden. Pontian war damals 
Dragoner-Bittmeister im kaiserlichen Dienst und dreissigjahrig, als 
er ein Ehebundniss einging, welches ebenso unerwartet war wie 
sein Keichthum, aber zu dem Gliick seines spatern Lebens ebenso 
wie zu dem unverwelklichen Glanz des Namens seiner Familie 
gefuhrt hat. Leider sind wir uber die Umstande dieser Heirath 
sehr wenig unterrichtet. Maria Isabella Brunelle stammte aus 
einer Aachener burgerlichen Familie und war als Tochter von 
Hermann Brunelle und Maria Johanna Tilmans am 3. September 
1724 zu Aachen geboren und in der Taufkapelle des Mtinsters, wo 
damals alle Kinder der Stadt das h. Sakrament empfingen, getauft 
worden. Ihr Grossvater Jakob Brunelle hatte am 8. Januar 1680 
Isabella van Gtilpen geheirathet, woher der Taufname, welbher in 
Aachen nicht hau%, in Belgien und so auch in der Harscamp'schen 
Familie von der Infantin Donna Isabella her um so ofter vorkommt. 
Die Familie wohnte in der Konigstrasse, wo man noch im Jahre 
1806 das mit Nummer 106 bezeichnete Wohnhaus zeigte. Umgebaut 
tragt es jetzt die Nummer 47 und eine vom Yerschonerungsverein 
errichtete Marmortafel mit der Inschrift: 

Geburtsstatte 

DER GRAFINN VON HaRSCAMP 

Geb. 3. Sept. 1724 

f 8. Mai 1805 

Urheberinn vieler MILDEN 

Stiftungen fur Diese Stadt. 



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Die Grafen von Harscamp. 7 

Ueber die Jugend Isabella Brunelle's weiss man ebenso wie 
iiber die Stellung des Vaters nichts Gewisses. Sie soil in einem 
Edukatorium in Liittich erzogen worden sein, was auch durch ihre 
vollkomniene Beherrschung der franzosischen Sprache bestatigt zu 
werden scheint. Wann und wo sie mit dem Grafen Harscamp 
bekannt wurde, ist ungewiss. Er soil im Aachener Bade eine Kur 
gebraucht und sie dort gesehen haben ; Andere machen sie zu seiner 
Hausverwalterin, was jedoch nicht recht stimmen will, da die Hars- 
camp kein Haus in Aachen besassen, Isabella somit sick in Namur 
befunden haben musste *. In meiner Kindheit ging die Sage, Graf 
Harscamp habe das junge Madchen bei hauslicher Arbeit gesehen 
und sei durch ihre Schonheit und ihren Anstand uberrascht worden. 
Wie dem immer sein nioge, allmahlich reifte in dem kaum dreissig- 
jahrigen Grafen der Entschluss, die Biirgerstochter zu heirathen, 
ein Entschluss, der in jener Zeit mehr noch als heutzutage iiber- 
raschend war und bei dem Range der Familie auch Verlegenheiten 
hatte veranlassen mogen. Der Umstand, dass Graf Harscamp 
ausserhalb Belgiens grosse Besitzungen durch den Tod seiner Briider 
erlangt hatte, bot ein Auskunftsmittel dar, welches von dem Paar 
benutzt wurde. 

Die Heirath des Grafen Harscamp mit Maria Isabella Brunelle 
fand am 3. September 1748 zu Kniesen (Gnezda) in der ungarischen 
Grafschaft Zips, nicht weit von der galizischen Grenze, statt. Die 



*) Nach Bo r mans machte Maria Johanna Brunelle ihr Testament zu 
Leutschau in Ungara am 10. September 1789 in einem der Grafin Harscamp 
gehorenden Hause, dessen Niessbrauoh diese ihrer Mutter tiberlassen hatte. Ich 
gestehe, dass die Jahreszahl in mir einigen Zweifel weckt. — Der Stammbaum 
der Familie Brunelle ist, nach Mittheilungen des Herrn Landgerichtsraths 
Jos. Emundt8in Aachen, des Sohnes der Johanna Brunelle, verehelichten 
Emundts, wie folgt: 

Jakob Brunelle h. 8. Januar 1680 Isabella van Giilpen. 

Hermann Brunelle h. Maria Frambach Brunelle h. Maria 

Johanna Tilmans. Schleiden. 



Maria Isabella Adelheid Daniel Brunelle 

Grafin v. Harscamp. Baronin v. Mechtel. h. Maria Josepha Crombach. 

i 

Franz Brunelle 
h. Maria Katharina Joerres. 



Adolf. Joseph Johanna 

als Kapuziner h. Franz Edmund Emundts. 
Pater Bruno. 



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8 A. von Reumont 

Braut stand in ihreni vierundzwanzigsten Jahre, der Graf war 
sieben Jahre alter. XJeber die Lebensweise nnd den Aufenthalt 
des Ehepaars in den ersten Jahren nach ihrer Verheirathung ist 
nichts bekannt. Man weiss nur, dass sie urn das Jahr 1753 viel 
mit dem General Grafen von Mercy Argenteau verkehrten, welcher 
damals zu Hogyesz in der Grafschaft Eisenburg, nicht weit von 
der steierischen Grenze, lebte, welche spater von ihm an die Grafen 
Aponyi verkauft wurde. Die Grafin kaufte in dem benachbarten 
Polen eine Herrschaft ftir ihre Eltern und vermittelte die Heirath 
ihrer Schwester Adelheid mit einem polnischen Obersten, Namens 
van Mechtel. Wahrend ihrer Entfernnng von Belgien wurden zwei 
Kirchen daselbst von ihr wiederhergestellt nnd das Schloss von 
Noirmont gebaut. Im Sommer 1751 gebar Isabella einen Sohn 
Wenzel Stanislaus, der am 29. August zu Chomranice in Galizien 
getauft wurde, und zwei Jahre spater einen zweiten Sohn Franz 
Joseph, der in Leutschau die Taufe empfing. Die Knaben waren 
zwolf und zehn Jahre alt, als die Pockenkrankheit ihreni Leben 
im Yerlauf weniger Tage ein Ende machte. Eine im Jahre 1759 
geborene Tochter starb im Alter von sechs Jahren. Diese schweren 
Ungllicksfalle scheinen dem Paare den fernern Aufenthalt in Ungarn 
verleidet zu haben, und sie kehrten nach der belgischen Heimath 
zurlick, wo sie Schloss Fernelmont in der Provinz Namur zu ihrem 
Wohnsitz wahlten. Hier kntipften sie mit dem zahlreichen Adel 
des Landes, der damals noch viel auf seinen Schlossern verkehrte, 
mit den Mercy, Hemricourt, Looz, Beaufort-Spontin, Trazegnies, 
d'Elz6e, de Croix, Stassart, de Namur, d'Arschot, de Villers u. A., 
die grossentheils ihre Yerwandten waren, intime Beziehungen an 
und lebten mit dem Geprange und Glanze, welche ihrer Stellung 
und ihrem Yermogen entsprachen. Unter den Papieren des Nach- 
lasses der Grafin findet sich ein Yerzeichniss ihrer Toilettegegen- 
stande, nicht weniger als dreiundsiebzig Boben, zum Theil von 
Gold- und Silberstoff, von Moire, indischer Mousseline, Gros de 
Tours, mit Silber- und farbiger Seidenstickerei, Spitzen und Anderm. 
Ein Halsband mit Medaillon, aus zweiundneunzig grossen Diamanten 
bestehend, welches uber 17 000 Lutticher Gulden gekostet hatte, 
eine Menge Juwelen und Ringe werden mit aufgefuhrt und zeugen 
von der Pracht des damaligen Lebens und dem Glanz der Familie. 
Ein Solitar, ein Geschenk des Grafen von Mercy an Graf Harscamp, 
wurde in Wien im Jahre 1800 um den Preis von 12 500 Gulden 
an Kaiser Franz verkauft. 



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Die Graf en von Harscamp. 9 

Alle Nachrichten iiber die Grafin Harscamp stimmen darin 
iiberein, dass sie nicht bloss eine sehr schone, sondern auch, abge- 
sehen von ihrem lebendigen Wohlthatigkeitssinn, in geistiger Be- 
ziehung eine ausgezeichnete und merkwiirdige Frau war. In der 
aussern Erscheinung soil sie mit der Kaiserin Maria Theresia grosse 
Aehnlichkeit gehabt und in hohein Grade Majestat mit Anmuth 
verbunden haben. Ihre Stellung kann, namentlich anfangs, in einer 
vornehmen Familie keine leichte gewesen sein, wobei ihr allerdings 
za Statten kam, dass ihr Gemahl mit Ausnahme der in Berlin 
lebenden Schwester, die vermoge ihrer Heirath in ganz andere Be- 
ziehungen gerieth, keine nahen Angehorigen hatte. Sie scheint 
auch bald alle Schwierigkeiten dieser Art besiegt zu haben. Schon 
in Ungarn bestand ihre Geseilschaft meist aus Personen hohern 
Standes, was spater auch in der Heimath der Fall war. Man weiss, 
wie zahlreich und hochstrebend die belgische Aristokratie von jeher 
gewesen ist, deren Privilegien damals, von Revolution und Fremd- 
herrschaft noch unberiihrt, an die unnahbare spanische Grandezza 
hinanreichten. Wenn man die Nachrichten liber die Famiiien durch- 
sieht, mit denen die Grafin Harscamp fortwahrend verkehrte, so 
findet man sich inmitten der Namen altester und beruhmtester 
Geschlechter des Landes, die in den ruhig gewordenen Tagen der 
osterreichischen Herrschaft den Glanz der Epoche spanischer Guber- 
natoren unter giinstigern Besitzverhaltnissen aufrecht erhielten und 
den Hof der Erzherzogin Maria Elisabeth, Karls VI. Schwester, 
sowie spater den des Prinzen Karl von Lothringen und der Erz- 
herzogin Maria Anna, endlich den des Herzogs Albert von Sachsen- 
Teschen und der Tochter Maria Theresia's zierten. Die alte Kon- 
stitution der Landschaften brachte vieles Geprange mit, was eine 
spatere Zeit abgeschaflft hat, denn die einzelnen Theile der Nieder- 
lande glichen noch vielmehr besondern Staaten als den Provin- 
zen einer Monarchie, und die Verbindung mit Oesterreich zog 
viele Mitglieder der Aristokratie in den kaiseiiichen Hof- und 
Militardienst, wovon noch im heutigen Oesterreich zahlreiche aus 
Belgien stammende Famiiien zeugen. Mit diesem Adel hat die 
Aachener Btirgerstochter wie mit Ihresgleichen verkehrt, ist von 
demselben in gleicher Weise aufgenommen und behandelt worden, 
hat ihrer Stellung immer Ehre gemacht, und inmitten alien Glanzes 
sich durftiger Yerwandten nicht geschamt und fur dieselben wie 
fiir die nothleidende Menschheit iiberhaupt mildthatigen Sinn und 
offene Hand bewahrt und auf die grossartigste Weise bethatigt. 



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10 A. von Reumont 

Die ruhigen Zeiten waren (lurch die brabantisehe Revolution 
einen Augenblick unterbrochen worden, welche nur das Vorspiel 
zu ernsteru und schliinmern Dingen war. Wie in den friihern 
Kampfen zwischen Frankreich und Spanien wurde auch diesmal 
Belgien das erste Opfer der grossen Umwalzung. Die Schlacht 
von Jemappes, 7. November 1792, ftihrte zur Ueberfluthung des 
Landes durch die Franzosen, und wenn der Sieg des Erzherzogs 
Karl bei Neerwinden im folgenden Jahre die alten Zustande wieder- 
herstellte, so entschied die Schlacht bei Fleurus, 26. Juni 1794, die 
franzosische Wiedereroberung Belgiens, das bald darauf in Frankreich 
einverleibt wurde. 

Es stimrat schlecht mit den Familien-Traditionen und den 
alten Dienstverhaltnissen des Grafen von Harscamp, dass dieser im 
Jahre 1792 die Emissare der franzosischen Eepublik entgegen- 
kommend empfing und im Januar folgenden Jahres in der Genieinde- 
versammlung von Noville-les-bois, wozu Fernelmont gehorte, auf 
Freiheit und Gleichheit der Burger den Eid leistete. Am 1. Mai 
1794 starb er zu Fernelmont in seinem siebenundsiebzigsten Lebens- 
jahre. In seinem letzten Willen vom Jahre 1787 liess er seiner 
Gemahlin alle wahrend ihrer Heinith gemachten Erwerbungen, sein 
Haus zu Namur und die Herrschaft von Montigny an der Maas, 
die aber im Verlauf eines Jahres zu ihrem Besten verkauft werden 
sollte. Die iibrigen Legate beriicksichtigten den Grafen Mercy 
Argenteau, kaiserlichen Botschafter am franzosischen Hofe, den 
Grafen von Groesbeck und andere Verwandte, Legate, die mit einer 
Menge von Renten, namentlich ftir die Armen von Namur und der 
Umgebung, belastet wurden. 

Fernelmont war der Lieblingsaufenthalt der Grafin von Hars- 
camp, aber sie verliess das Schloss fast unmittelbar nach dem Tode 
ihres Gemahls und hat es nicht wieder gesehen. In Belgien nahm 
die alte Zeit ein rasches Ende. Die Grafin verliess das Land am 
1. Juni 1794, nicht lange darauf wurde es von den Franzosen 
besetzt und im folgenden Jahre mit Frankreich vereinigt, wobei 
die Gesetze liber die Ausgewanderten Geltung erhielten. Die 
Grafin erlangte die Erlaubniss zur Riickkehr, aber eine schwere 
Krankheit hinderte sie, den festgesetzten Termin zu benutzen, und ihr 
Name wurde auf die Liste der Emigrirten gesetzt. Die nachst- 
folgenden Jahre waren ftir sie eine Zeit der TJngewissheit und 
Unruhe. Sie lebte anfangs zu Miltenberg am Main, wohin mehrere 
der Verwandten ihres Mannes sich begeben hatten, dann zu Ansbach, 



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Die Grafen von Harscamp. 11 

wo sie zwei Jahre blieb. Im Friihling 1797 erlangte sie die 
provisorische Loschung ihres Namens auf der Liste der Ausgewan- 
derten und brachte ein paar Monate auf dera Lande in Belgien 
zu, von wo eine neue Massregel des Direktoriums sie wieder ver- 
trieb. Zuerst in Sittard, dann in Miilheim am Rhein, endlich in 
Koln gerieth sie in die grosste pekuniare Verlegenheit, so dass sie 
sich endlich entschloss, sich nach Ungarn zu begeben, um die Ein- 
kiinfte ihrer dortigen Giiter fliissig zu machen. Im Jahre 1799 
finden wir sie zuerst in einem galizischen Dorfe bei Neu-Sandec, 
dann zu Tarnow, wo Rechtsstreitigkeiten sie bis zum Sommer 1800 
festhielten. Unterdessen war infolge der Verwendung von Freunden 
und Angehorigen ihr Name aus der Emigrantenliste gestrichen und 
der Sequester ihrer Giiter aufgehoben worden. Sie befand sich 
auf der Ruckkehr nach ihrer Heimath in Frankfurt, wo sie lange 
krank lag und langte erst im November in Luttich an, wo sie den 
Eid auf die Konstitution leistete. Nach Namur heimgekehrt, bezog 
sie ihr Hotel auf dem March6 de 1'Ange, wo sie im Yerkehr mit 
den Mitgliedern ihrer Familie und andern Personen von Rang und 
geselliger Auszeichnung ihrer alten Stellung gemass lebte. Schon 
seit ihrer Ruckkehr aus Ungarn scheint ihr Gemahl ihr die Ver- 
waltung seiner Giiter anvertraut zu haben, und aus den spatern 
Jahren ist eine weifclaufige Korrespondenz zwischen ihr und ihren 
Geschaftsleuten vorhanden, die in der Hospizverwaltung zu Namur 
aufbewahrt wird. Die Stiicke sind mit Bemerkungen von ihrer 
Hand iiber den Inhalt versehen und von den Entwiirfen ihrer 
Antworten begleitet. Alle Vermogenssachen scheinen durch ihre 
Hand gegangen zu sein, und ihre Ordnungsliebe und Sorgfalt ist 
uberall ersichtlich. 

Am 20. Januar 1805 machte sie zu Wasseige ihr Testament. 
Schon mehrere Jahre vor dem Tode ihres Gemahls hatte sie im 
Schlosse zu Fernelmont ein ahnliches aufgesetzt, in welchem sie 
fur arme Madchen in Namur und Aachen verschiedene Stiftungen 
machte. In letzterm heisst es, wie folgt: „Wir bitten instandigst 
unsern geliebten Gemahl, nicht die Armen und Ungliicklichen aus 
den Augen zu verlieren, die er mit dem ihm gehorenden Theile 
der Erwerbungen zu unterstutzen uns versprochen hat. Wir wiirden 
ihm unserseits durch grossere Yermachtnisse ein Beispiel gegeben 
haben, wenn wir nicht unter unsern Verwandten Bediirftigen unter die 
Arme zu greifen hatten. Wir geben uns also der Hoffnung hin, dass 
er an seiner frommen Absicht nichts andern werde und dass der 



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12 A. von Reumont 

lebendige Antheil, den wir daran nehnien, ihm gegenwartig sein 
wird, namentlich aber dass die Erinnerung an die grosse Zartlich- 
keit, mit welcher wir ihn jederzeit geliebt haben, und die voll- 
kommene Unterwiirfigkeit unter sein en Willen nicht aus seinem 
Gedachtniss schwinden werden." Schon am 22. Dezember 1794 
fugte sie zu Miltenberg am Main diesem Testament ein Kodizill 
zu, wodurch sie erklart, dass der Betrag ihrer Einktinfte zur Zeit 
so gesteigert ist, dass sie die beabsichtigten Stiftungen fiir Aachen 
schon stipuliren kann. Diese sind dann auch im Wesentlichen 
von der Art, wie sie in dem definitiven Testament von 1805 
erscheinen. 

Am 8. Mai letztgenannten Jahres starb die Grafin von Hars- 
camp plotzlich zu JSamur in ihrem einundachtzigsten Lebensjahre. 
Sie wurde zu Noville-les-bois neben ihrem Gemahl beigesetzt. An 
demselben Tage im folgenden Jahre hielt der Kanonikus de Gau- 
sargues im Aachener Dom ihre Leichenrede, welche mit Bewilli- 
gung des Bischofs Marc Anton Berdollet daselbst und spater wie- 
derholt gedruckt wurde. 

Namur und Aachen sind die beiden Stadte, welche durch das 
Testament der Grafin Harscamp bedacht wurden. 

In ersterer Stadt bestimmte sie das Hotel von Harscamp auf 
dem Marche de TAnge zur Grtindung eines grossen Hospizes fiir 
Arme aus braven, aber heruntergekommenen Familien, unter der 
Bedingung, dass die mannlichen Nachkommen von Yerwandten 
ihres verstorbenen Gemahls zur Vergebung der Stellen befugt sein 
sollten. Da sich bei naherer Erwagung fand, dass das erwahnte 
Hotel nicht die Erfordernisse darbot, welche bei einer solchen An- 
stalt in Betracht komnien mussten, so fand man sich genothigt, sich 
nach einer andern Lokalitiit umzusehen. Nach einiger Zeit ergab 
sich eine giinstige Gelegenheit. Im J. 1797 war das Kloster der 
Minderbruder von der strengen Observanz (Eekollekten) als Natio- 
nalgut verkauft worden und sollte mitsammt der Kirche fiir andere 
Zwecke verwendet werden, als es im Namen der noch lebenden 
Mitglieder der Gemeinschaft zum Preisevon 150000 Franken zurlick- 
gekauft wurde. Dies bedeutonde Eigenthum wurde der stadtischen 
Hospizkommission gegen bestimmte Renten fiir die Priester und 
Laien des aufgehobenen Or dens zur Grtindung des Hospizes angebo- 
ten und gerne entgegengenommen, so dass es mit Bewilligung Kaiser 
Napoleons im J. 1807 an die Harscamp'sche Stiftung iiberging. 
Am 1. Oktober 1812 wurde das Hospiz inaugurirt, welches gegen- 



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Die Grafen von Harscamp. 13 

wartig unter der Leitimg der Soeurs de la charit6 de Naniur steht 
und in immer steigendem Masse seine wohlthatige Wirksamkeit 
ausiibt. Die Zahl der aufgenommenen Armen betrug anfangs achtzig, 
heute ist sie auf zweihundertvierzig gestiegen, mit einem Grund- 
kapital von beilaufig drei Millionen Pranken. Am 15. Mai 1872 wurde 
die Statue der Grafin Maria Isabella von der Hand des Bildhauers 
Guillaume Geefs in dem Garten der Anstalt errichtet. Sie ist in 
dem Kostiim der Zeit Ludwigs XY. dargestellt und halt in der 
Linken ihr Testament. Auf den vier Seiten des Postaments liest 
man folgende Inschriften: 

• ISABELLE BRUNELLE 
COMTESSE d'HaRSCAMPS 
FONDATRICE 
DE L'HOSPICE d'HaRSCAMPS 

29 Janvier 1805 

N£e a Aix-la-Chapelle 
le 3 Septembre 1724 

D£c£d£e a Namur 
le 8 Mai 1805 

Emofi le 15 Mai 1872. 



In der Gedachtnissrede, welche der Senator Baron von Woelmont 
im Namen des Familienraths hielt, heisst es: „Auch heute noch, 
nachdeni fast drei Viortel des Jahrhunderts verflossen sind, segnen 
und verehren die Repriisentanten der Familie Harscamp das An- 
denken Isabellens, weil sie ihrer Frommigkeit das kostbarste Erbe 
verdanken, das der Verleihung zahlreicher Wohlthaten. u 

Auch Aachen segnet das Andenken der Grafin, welche nicht 
ihre Familie allein, sondern die Stadt mit der Stiftung reicher Legate 
bedachte. Fur die Angehorigen der Brunelle und deren verschwa- 
gerte Verwandte hatte sie bereits ausgiebig gesorgt und im Minister 
und ihrer alten Pfarrkirche von St. Jakob fiir ihr Seelenheil Stif- 
tungen angeordnet und fiir Brodvertheilungen an die Bedurftigen 
Sorge getragen. Ihr Andenken wird aber vor Allem durch die 
grossen Legate bewahrt werden, welche sie zur Vertheilung an die 
Hausarmen, zur Unterstiitzung von verschamtcn Bedurftigen aus 
vormals wohlhabendern Stiinden, endlich aber zur Erziehung von 
jungen Madchen und Knaben braver unbemittelter Leute bestimmte. 
Die Renten wurden anfangs durch die Hospizkommission von 



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14 A. von Re u m on t, Die Grafen von Harscamp. 

Namur ausgezahlt, bis im J. 1824 das Kapitalvermogen der Fun- 
dation durch den schon gen aim ten zeitigen Prases der Aachener 
Armenkommission, Staatsprokurator Franz Edmund Emundts, zum 
Zweck der Anlage in Aachen von der Namurer Yerwaltung erlangt 
wurde. Dies Kapitalvermogen belauft sich gegenwartig auf 690 789 
Mark, und hat infolge vortheilhafterer Anlage die Vermehrung der 
Stipendien gegen fruher aus dem Ueberschuss der Revenuen ge- 
stattet *. 

Das Testament der Grafin Harscamp verdient in reichem Masse 
alles Lob, welches die Dankbarkeit ihrer Mitburger ihm gezollt hat. 
Nicht bloss die Linderung vorhandenen Elends bezweckt es, die 
Anlasse der Armuth sucht es zu entfernen, durch bessere Erzie- 
hung der weiblichen Jugend, durch hohere Bildung die Klasse der 
wenig Bemittelten zu heben, indem es den Lernbegierigen die 
Mittel des Unterrichts und so die Moglichkeit des Aufsteigens 
zu einem hohern gesellschaftlichen Kreise bietet. Achtzig Jahre 
sincl seit diesen Stiftungen verflossen, und wer berechnet heute 
die Fiille des Segens, die sie verbreitet haben, durch Ermoglichung 
und Yerallgemeinerung wissenschaftlicher Bildung inmitten von 
Standen, denen eine solche nur durch den erleuchteten Wohlthatig- 
keitssinn und die grossartige Vorsorge einer aus dem Biirgerstande 
hervorgegangenen, in jeder Beziehung ausgezeichneten Frau ge- 
boten worden ist? Mit Fug und Recht ist der Name Harscamp 
in Aachen einer der popularsten geblieben. Man hat ihn einer 
Strasse gegeben, und wenn die Letzte, die ihn getragen, immer 
noch eines Monuments entbehrt, dessen Errichtung einmal beab- 
sichtigt worden ist, so hat die Dankbarkeit der Burger ihr ein 
solches langst in den Herzen gestiftet. 



J ) Salm, Historische Darstellung des Armenwesens der Stadt Aachen 
(Aachen 1870) S. 146 — 152. Schon die unleugbaren Verdienste Emundts' 
um die Harscamp'schen Stiftungen, welche unter seiner Verwaltung neuen 
Aufschwung nahmen, hiitten ihm einen andern Dank sichern sollen, als die 
sturmbewegten Miirztage des J. 1848, welche seiner Thatigkeit als Oberbur- 
germeister ein Ende machten, ihm gebracht haben. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen 1 , 

Von C. Rhoen. 

(Mit zwei Tafeln.) 

I. Die noch vorhandenen Tlieile der Pfalzkapelle. 

Am Fusse des sudlichen Abhangs des Markthugels, liber den 
Bauresten romischer Bader, wurde die karolingische Pfalzkapelle 
oder, wie Einhard sie nennt, die basilica sanctae dei genitricis 
errichtet. Nach a Beeck, Noppius, Meyer u. A. sollen die Arbeiten 
an derselben im J. 796 begonnen und die Kapelle im J. 804 
eingeweibt worden sein. Nach dem Munch von St. Gallen scjieint 
es dagegen, dass der Bau bereits urn 796 im Wesentlichen vollendet 
war, wahrend Alkuin in seinem 67. Brief im J. 797 von der 
nahen Vollendung und in seinem 69. an Karl d. Gr. gerichteten 
Brief von der Aufstellung der Saulen im Innern der Kapelle 
spricht 2 . 



*) A n m. d. R e d. Die Red. hat die schon vor langerer Zeit eingereichte 
Abhandlung unverandert zum Abdruck bringen zu sollen geglaubt, obgleich 
sie den Ansichten des Hrn. Verf. nicht in alien Punkten zustimmt. Nur in 
Bezug auf einige Einzelheiten — nicht gerade die bedeutsamsten — ist eine 
gegentheilige Meinung in Anmerkungen ausdriicklich hervorgehoben. 

2 ) Anm. d. Red. Der Zeitpunkt des Beginns wie der der Vollendung 
des Baus der Pfalzkapelle ist vollig ungewiss, beide werden wahrscbeinlich 
in das letzte Dezennium des 8. Jahrhunderts fallen, die Vollendung in dessen 
letzte Jahre. Entscheidend diirften hier die Aeusserungen Alkuins in zwei 
Briefen sein. In dem einen vom Marz 798 (Jaffe, Mon. Alcuiniana, p. 413, 
no. 98= no. 67 bei Fro ben) ist nur eine Anspielung durch Benutzung eines 
Bibelspruchs enthalten: ,,et templum sapientissimi Salauionis arte deo con- 
struitur*' — von einer nahen Vollendung, wie Haagen, Gesch. Achens von 
seinen Anfangen bis zum Ausgange des sachs. Kaiserhauses S. 54, Anm. 1 
meint, ist keine Rede. Die entscheidende Stelle in dem andern, gegen den 
18. Juli 798 geschriebenen Brief lautet bei Jaffe p. 425, no. 100 = no. 69 bei 
F r o b e n : „Fuit quoque nobis sermo de columnis, quae in opere pulcherrimo 
et mirabili ecclesiae, quam vestra dictavit sapientia, statutae sunt." Hier ist 



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16 C. Rhoen 

A. Das Innere. 

1. Das Oktogon. Die Pfalzkapelle, in ihren Haupttheilen noch 
fast vollstandig bestehend, ist von alien noch vorhandenen karo- 
lingischen Gebauden bei Weitem das besterhaltene. Sie bildet einen 
Centralbau, dessen innerer achteckig angelegter Theil eine lichte Weite 
von 14,45 m, einscbliesslich der dazu gehorenden Tragpfeiler (Fig. 
1, 1 bis VIII) jedoch 16,60 m Durchmesser bat 1 . Dieser Centralbau 
erbebt sich im Lichten bis unter den Scheitelpunkt der ibn uber- 
spannenden acbtseitigen Kuppel zu einer Hohe von 31 m. An ibn an- 
lehnend, umscbliesst denselfyen ein Eundscbiff (a bis q), dessen Breite 
im Lichten 6,50 m, einscbliesslich der aussern Mauern 8,20 m be- 
tragt. Dieses Eundscbiff ist zweigeschossig; seine aussere Mauer bildet 
ein Sechszehneck, wovon aclit Seiten dem innern achteckigen Ban 
der Pfalzkapelle parallel laufen, die acht iibrigen aber den Ecken 
des innern Baus entsprechen. An die innern Seiten der Mauern 
des Eundschiffs anlehnend, stehen 16 Pfeiler (Fig 1, 1 bis 16), 
die den Gurtbogen zur Widerlage dienen, welche die das Eund- 
schiff iiberdeckenden Gewolbe tragen. Zwischen den Pfeilern 
befinden sich die Fenster. An dieses Eundschiff schliesst sich 
westlich eine Yorhalle (E) an, die holier hinauf zu einem Thurm- 
bau sich gestaltet; der Ostseite war ehedem der ebenfalls zwei- 
geschossige Chor (S) angebaut. Die beiden Geschosse des Eundschiffs 



doch ein gewisses Fertigsein vorauszusetzen. Der Brief des Papstes Hadrian 
I. (Jaffe, Mon. Carolina p. 268, no. 89) fiber die Mosaiken und Marmorstiicke 
von Ravenna ist nicht entscheidend, da er zwischen den Jahren 781 und 791 
nicht genauer einzuordnen ist, Nur das Chron. Moiss. (Mon. Germ. SS. I, 
p. 303) sagt zum J. 79G: „atque ibi fabrieavit ecclesiam mirae magnitudinis" 
(vgl. Muhlbacher, Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern Nr. 
325 a). Dass Papst Leo 111. die Kirche 805 (nicht 804) geweiht habe, wird 
erst in den spiiten Ann. Tielenses (Mon. Germ. SS. XXIV, p. 22) berichtet 
(vgl. Jaffe, Keg. pontificum, ed. 2, t. I, p. 312 und Muhlbacher a. a. O. 
Nr. 401 f). Dafiir spricbt aber die feste Aachener Tradition und eine Urkunde 
des Papstes Hadrian IV. vom J. 1157 (Quix, Cod. dipl. Aquensis no. 44, p. 32). 
Vgl. iiberhaupt Abel- Sims on, Jahrb. des friinkischen Reichs unter Karl 
d. Gr. II, S. 557 ff. und 319, Anm. 5. 

*) Auf den beigegebenen Tafeln bedeuten die in dunkler Farbe ange- 
legten Theile die noch iiber der Erde bestehenden, die in lichterer Farbe 
die durch Fundamente und andere Andeutungen nachgewiesenen, und die 
weiss gelassenen Theile die muthmasslichen karolingischen Bauten. Die neuern 
Anbauten des Miinsters sind durch punktirte Linien angedeutet. Die Fig. 
1 bis 3 befinden sich auf Taf. I, alle iibrigen auf Taf. II. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 17 

stehen mit dem Centralbau durch grosse Bogenoffnungen in Ver- 
bindung. 

Die acht Seiten (A bis H) des innern Oktogonraums sind von 
gleicher Form. Der untere, im Erdgeschoss befindliche Bogen einer 
jeden Seite, von sehr schonem Verhaltniss, in welchem sich Kraft 
und Euhe zugleich aussprechen, ist etwas iiberhoht oder, technisch 
ausgedriickt, gestelzt. Das den Bogenanfang bezeichnende Kampfer- 
gesims (Fig. 6, 35), welches in Fig. 8 vergrossert dargestellt ist, 
geht urn die Pfeiler des Oktogons (Fig. 1, I bis VIII) und die 
daran anstossenden des Eundschiffs (Fig. 1, 17 bis 32), sowie um die 
Mauerpfeiler des letztern (1 bis 16) herum und hat noch jetzt die 
alte Form und das ursprungliche Profil. Die Bogenpfeiler (Fig. 1, 
I bis YIII und 1 bis 16) scheinen urspriinglich ohne Plinthe ge- 
wesen zu sein ; auch fehlt den Bogen die Archivolte. Das oberhalb 
dieser Bogen befindliche Kranzgesims (in Fig. 9 vergrossert ge- 
zeichnet), dessen Form ebenfalls noch die ursprungliche ist, deutet 
mit seiner Oberkante die Hohe des Fussbodens des obern Geschosses 
des Rundschiffs an. Auf dieses Kranzgesims ansetzend, erhob 
sich 'in schlanker Form die Arkade, die das obere Geschoss des 
Eundschiffs mit dem Centralbau verband, und deren acht Bogen- 
offnungen mit je vier Saulen korinthischer Ordnung geschmuckt 
waren. In jedem der Bogen dieser Arkade befindet sich am Fusse 
desselben ein bronzenes Gelander, woruber spater berichtet werden 
soil. Von den die Oeffnungen schmiickenden Saulen standen die 
zwei untern je auf einem viereckigen, auf dem Fussboden ruhenden 
Sockel (Fig. 5, 1). Die Kapitale (3) der Saulen waren aus weissem, 
die Schafte (4) aus buntem Marmor oder Granit gefertigt. Unmit- 
telbar auf der Deckplatte der Kapitale ruhte ein wurfelformiger 
Aufsatz (5), auf welchem drei Bogen (6) ansetzten. Die Widerlager 
der beiden aussern dieser Bogen liegen in den Hauptpfeilern des 
Oktogons. Oberhalb der Bogen und von ihnen getragen, zog sich 
ein Gesims (9) hin (in Fig. 14 vergrossert), das, von einem Haupt- 
pfeiler zum andern reichend, gleichsam den Abschluss des Gebalks 
der untern Saulenstellung bildete. Auf diesem Gesims standen, in 
der Axe der untern grossern, zwei obere kleinere Saulen (10), von 
welchen ebenfalls die Kapitale auy weissem, die Schafte aus bun- 
tem Marmor bezw. Granit gefertigt waren. Das Kapital einer jeden 
dieser obern Saulen trug einen wurfelformigen Aufsatz (11), ver- 
mittelst dessen es sich mit einer abgeschragten Seite an die sich 
dicht iiber die Saulenkapitale hinziehende innere Laibung eines 



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18 . C. Rhoen 

unter dem Arkadenbogen sich abhebenden Gurtbogens anschloss. 
Dieser Gurtbogen hat den gleichen Durchmesser wie der Arkaden- 
bogen, ist jedoch um 0,16 m weniger hoch als dieser. Der Anfang 
des Gurtbogens ist dureh eine Art Kampfer angedeutet, welcher 
im Ansatz die Breite des sich abhebenden Gurtbogens hat. Ueber 
diese in den Arkadenbogen ehemals stehenden, sowie noch andere 
Saulen wird spater ebenfalls ausftihrlicher berichtet werden. 

Oberhalb eines jeden der acht Arkadenbogen befindet sich ein 
im Bundbogen tiberdecktes Fenster (12). In der Hohe, wo der 
Bogen dieser Fenster beginnt, liegt auch der Anfang der achtseiti- 
gen Kuppel des Centralbaus, und zwar so, dass die Fensterbogen 
in die innere Flache des Kuppelgewolbes einschneiden. Dicht ober- 
halb der Fenster liegt ein kleines, nach unten abgesohragtes 
Gesims oder besser eine Leiste (Fig. 5, 13, Fig. 6, 19), die schein- 
bar den Anfang des Kuppelgewolbes angibt, welches in Wirklich- 
keit jedoch, wie bemerkt, in der Hohe des Fensterbogen-Anfangs 
beginnt. Diese Leiste, welche sich in derselben Hohe und Form 
im Aeussern um das Mauerwerk des Tambours und der dasselbe 
gegen den Kuppel druck verstarkenden Strebepfeiler hinzieht, bildet 
eine durch die ganze Dicke der Mauer hindurchreichende Schicht 
in Haustein. Die innere Form der Kuppel ist die des iiberhohten 
Bundbogens; wahrend der Badius der innern Gewolbeflachen am 
Anfang der Kuppel nur 7,23 m aufweist, betragt die lichte Hohe 
derselben 7,76 m. Die nach oben hin spitz auslaufenden acht 
Felder oder Gewolbeflachen tragen als Abschluss den durchlochten 
Schlussstein. 

2. Das Erdgeschoss des Bundschiffs. Durch seine 
aussere sechszehneckige Form bildet das Bundschiff im Innern 
abwechselnd acht quadratische und acht dreieckige Baume (Fig. 1, 
a bis q), welche Baumtheilung durch die daselbst angebrachten, 
von den Hauptpfeilern zu den Umfassungsmauern reichenden Gurt- 
bogen (1 bis 32) zu klarem Ausdruck gebracht ist. Die Gurtbogen 
bezeichnen ihren Anfang durch das oben erwahnte, die ganze 
Pfeilergruppe umschliessende Kampfergesims (Fig. 6, 35), welches 
sich auch in derselben Form bei den an den aussern Mauern 
stehenden Gurtbogenpfeilern vorfindet. Die Gurtbogen sind uber- 
hoht oder gestelzt, d. h. zwischen dem Kampfer und dem eigent- 
lichen Anfang des Bogens befindet sich noch eine gerade Linie, 
die in den Bogenanfang auslauft. Zwischen den Gurtbogen span- 
nen sich die Kreuzgewolbe (Fig. 1, a bis q). Nach romischer Art 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 19 

ausgefiihrt, entbehren diese Gewolbe der Rippen; die viereckigen 
Gewolbefelder sind als einfach sich durchschneidende Tonnen- 
gewolbe gebildet. Bei den dreieckigen Gewolben ist das Prinzip 
der Wolbung ein gleiches, nur dass hier dem Bogen immer der 
Pfeiler gegeniibersteht, wodurch drei Gewolbefelder gebildet wer- 
den, die, von der Mauer und den Gurtbogen ausgehend, in der 
Mitte des Gewolbefelds sich vereinigen. Ziemlich hoch iiber dem 
Fussboden befinden sich die im Rundbogen iiberdeckten Fenster 
(33 bis 42). In dem zwischen dem nordlichen und nordostlichen 
quadratischen Raum liegenden Dreieck befindet sich noch eine 
urspriingliche Thur (43), dieehemals zu einem an dieselbe anstossen- 
den gewolbten Gang (T) fuhrte. Sie wird noch jetzt als Eingangs- 
thiir benutzt. An der Siidostseite des Rundschiffs ist ebenfalls eine 
solche, jetzt zugemauerte Thiir (44), die den Zugang zu den 
ehemals an der Siidseite der Pfalzkapelle gelegenen Gebaulich- 
keiten bildete. 

3. Das Obergeschoss des Rundschiffs. Das obere Ge- 
schoss des Rundschiffs ist in der Anordnung des Grundrisses dem 
untern gleich, nur mit dem Unterschied, dass die Umfassungsmauern, 
welche im untern Geschoss in jedem Feld eine gerade Linie bil- 
den, hier nischenformig abgerundet sind. In diesen Rundungen 
befinden sich die im Halbkreisbogen Iiberdeckten Fenster (Fig. 2, 
1 bis 10). Die Gurtbogen stehen mit dem Lichten ihrer Wider- 
lagspfeiler genau liber denjenigen des Erdgeschosses und haben 
demnach gleiche Spannweiten; die Kampfer derselben (in Fig. 16 
vergrossert) gehen jedoch nichtum die Pfeilerbundel herum, sondern 
haben nur die Breite der Gurtbogen und sind mit den Stirn- 
mauern der letztern glatt abgeschnitten. Die oberhalb der Gurt- 
bogen sich noch erhebenden Mauern (Fig. 6, 14) dienen als Wider- 
lager der dies Geschoss iiberspannenden Tonnengewi)lbe. Diese 
Gewolbe zeigen das Eigenthumliche, dass ihre Axen nicht horizontal 
sind, sondern von den Umfassungsmauern bis zum Centralbau 
um 2,50 m aufsteigen. Die Gewolbe liber den quadratischen Fel- 
dern bilden an den Umfassungsmauern einen etwas gednickten 
Bogen; an der Seite, die an das Oktogon anstosst, sind sie stark 
gestelzt und schliessen sich daselbst der innern Laibung des obern 
Oktogonbogens, mit welchem sie konzentrisch sind, an. Die Ge- 
wolbe iiber den dreieckigen Feldern, ebenfalls an die Umfassungs- 
mauern mit gedriicktem Bogen ansetzend, laufen, in der namlichen 
Weise ansteigend, an dem Oktogon in einer Spitze aus. Durch 

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20 C. Rhoen 

diese sinnreiche Anordnung schrag aufsteigender Gewolbe erreichte 
der Baumeister in ausserst praktischer "Weise den Zweck, dem 
Gewolbeschub der Kuppel einen wirksamen Gegendruck zu geben, 
wahrend er andererseits fur die malerische Ausstattung der untern 
Gewolbeflachen, vom Oktogon aus gesehen, die beste Lage darbot. 
Um die Umfassungsmauer raehr zu befahigen, dem Druck der 
Gewolbe Widerstand zu leisten, legte der Baumeister an der Rundung 
der Mauernische vorbei einen Blindbogen (Fig. 6, 16), gegen wel- 
chen die schragliegenden Gewolbe anstossen. Die Pfeiltiefe der 
Nische betragt nun ebenso viel, als durch die schrage Ansteigung 
der Tonnengewolbe der Radius der letztern aus der lothrechten 
Linie fallt. Durch diese Anordnung wurde der Zweck erreicht, 
den schragen Gewolben eine rechtwinkelige Stirnmauer geben zu 
konnen, ohne dass diese in die Umfassungsmauern selbst einzutreten 
brauchte. Audi wirkte der Schub der Gewolbe bei Anwendung 
eines geraden Schildbogens regelmassiger, und bei Anwendung 
eines rechtwinkeligen Abschnitts der Tonnengewolbe bot die Kon- 
struktion eine grossere Soliditat. Die gegen Osten und Westen an 
das Oktogon anstossenden quadratischen Gewolbe (Pig. 2, h und q) 
liegen horizontal, eine Anordnung, welche durch die Konstruktion 
des Chors und der obern Vorhalle aus asthetischen Rucksichten 
bedingt wurde. Unmittelbar iiber den horizontal und schrag 
liegenden Gewolben und in gleicher Ansteigung mit den letztern 
liegt, ans Oktogon sich anlehnend, das Dach des Rundschiffs. 

In den Dreiecken e und 1 befindet sich je eine ursprungliche 
Thuroffnung (1 1 und 12) genau oberhalb der beiden bereits erwahnten, 
ebenfalls ursprunglichen im Erdgeschoss (Fig. 1, 43 und 44). Die 
ehemals in diesen Thuroffnungen wie in denen des Erdgeschosses 
befindlichen bronzenen Thurflugel waren nur vom Innern der Kirche 
aus verschliessbar. Ihr Verschluss geschah durch einen Holzbalken, 
welcher quer vor den Thurflugeln in das Mauerwerk der Thiir- 
laibung eingespannt wurde. Beim Oeffnen der Thurflugel wurde 
der Balken in ein in der Thurlaibung ausgespartes Loch von der 
Lange und dem Querschnitt des Balkens zuriickgeschoben. Durch 
diese Art des Verschlusses war es unmoglich, die Thur anders als 
vom Innern der Kirche aus zu offnen und zu schliessen. Die 
Thiirgewande der Pfalzkapelle stehen nach aussen hin mit dem 
Mauerwerk in einer Flache und sind ohne alle Profilirung. Die Ab- 
deckung der Thuroffnung bildet ein flacher Sturz, der, aus einem 
einzigen Stein bestehend, durch die ganze Dicke der Mauer reicht 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 21 

In der Thtirschwelle sowohl wie im Sturz befinden sich noch die 
Locher, in welchen sich ehemals die Thiirzapfen drehten. Bei deni 
Wiedereinsetzen der bronzenen Thiirflugel in die alten Oeffnungen 
sind diese Zapfenlocher wieder benutzt worden. Letztere waren 
durch Buchsen aus Bronze ausgefiittert. Oberhalb des Thiirsturzes 
ist, ganz durch die Slauerdicke reichend, ein halbkreisformiger 
Entlastungsbogen gespannt, dessen Wolbsteine abwechselnd aus 
hellern und dunklern Steinsorten hergestellt sind. Diese Ent- 
lastungsbogen wurden mit Bruchsteinen zugemauert. 

4. Die Vorhalle. Die der Umfassungsmauer des Rund- 
schiffs an der Westseite sich anschliessende Vorhalle (Fig. 1, B) 
des Erdgeschosses von 8,84 m lichter Lange und 6,26 m lichter 
Breite war ehemals mit dem Erdgeschoss des Rundschiffs durch 
ein Doppelthor (45) von 2,65 m Breite und 3,84 m Hohe, von 
welchem spater die Rede sein wird, verbunden. An der Stelle, wo 
dies Thor stand, geht man jetzt, uni von der Vorhalle in das Erd- 
geschoss des Miinsters zu gelangen, drei Stufen hinab; eine Ein- 
richtung, die nicht bei dem Bau der Pfalzkapelle, sondern erst 
spater getroffen wurde. Die Vorhalle ist im Rundbogen iiberwolbt, 
ohne Kampfer oder Leiste schliesst sich das Gewolbe unmittelbar 
an die Seiten- oder Widerlagsmauern an. Nach aussen hin befand 
sich an dieser Vorhalle kein Abschluss; es trat daselbst das Ge- 
wolbe frei in einer an der Westseite des Vorhallenanbaus befind- 
lichen grossen Nische (Fig. 1, 49, 50, 51) aus. 

Ueber dieser untern Vorhalle befand sich im Obergeschoss 
ebenfalls eine Art Vorhalle (Fig. 2, R) von 6,93 m lichter Lange 
und 6,46 m lichter Weite. Mit dem westlichen quadratischen Felde 
(q) des obern Geschosses des Rundschiffs, dessen Gewolbeaxe behufs 
bessern Anschlusses an diese Vorhalle horizontal gelegt worden, 
steht dieselbe durch eine Oeffnung von 4,91 m Breite und 10,25 m 
Hohe, die mit einem Rundbogen tlberspannt ist, in Verbindung. 
Diese Oeffnung, von ziemlich gleichen Dimensionen wie die zwischen 
dem Oktogon und Rundschiff im obern Geschoss, war friiher durch 
einen Abschluss, dessen nahere Anordnung wir spater behandeln 
werden, vom Rundschiff getrennt. Die obere Vorhalle wird durch 
ein Tonnengewolbe iiberdeckt, dessen Axe in der Richtung von 
Westen nach Osten liegt. Der Scheitel dieses Gewolbes hat vom 
Belag aus im Lichten eine Hohe von 12,75 m; die Bogenflucht 
desselben ist indessen nicht konzentrisch mit der Verbindungs- 
offnung zwischen diesem Raum und der Rundschiff- Abtheilung (q), 



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22 C. Rhoen 

soiidern liegt noch 2,35 m hdher als die letztere. Die gegen 
Westeii befindliche Abscklussraauer (Fig. 2, 13, 14) ist wie die 
der quadratischen und dreieckigen Felder des Obergeschosses des 
Rundschiffs nischenformig angelegt, in der Riickwand der Nische 
befindet sich ein grosses, im Rundbogen uberspanntes Fenster 
(15, 16) von 3,75 m lichter Breite und 7,40 m lichter Hohe. Der 
Slittelpunkt des Fensterbogens ist gleichsam der der Bogen sowohl 
der Nische in der Vorhalle, wie auch der aussen an der Vorhalle 
angebrachten grossen Nische (Fig. 1, 49, 50, 51). In den Ecken, wo 
die innere Nische aufhort, befinden sich Pilasterpfeiler (17, 18), 
w r elche einen rings um die Nische gehenden Blindbogen (Fig. 5, 14) 
tragen. Diese Pilasterpfeiler sind mit einer attikisirenden Basis 
(Fig. 5, 15, in Fig. 13 vergrossert dargestellt) und einem Kampfer 
(16, in Fig. 15 vergrossert) von ahnlicher Form wie die der 
untern Bogen im Oktogon geschmiickt. In den Seitenmauern dieses 
Raums befinden sich Thtiroffnungen (Fig. 2, 19, 20), durch welche 
der direkte Zugang zu den Treppen vermittelt wird. Beide Thiiren 
sind mit Rundbogen iiberdeckt, welche aus abwechselnd hellern 
und dunklern Bogensteinen bestehen. Die ehemals in diesen 
Oeffnungen befindlichen Thurfliigel konnten nur von den Wendel- 
treppen aus geoffnet werden. 

5. Die Seitengewolbe. Yon der an der nordlichen Seite. 
der obern Vorhalle befindlichen, zur Wendeltreppe fiihrenden Thiir- 
offnung (Fig. 2, 19) aus gelangt man, nach links abbiegend, durch 
einen kurzen Gang (s) in ein kleines Gemach (T) von 2,61 m Lange 
und 1,91 m Breite. Dasselbe ist im Halbkreisbogen uberwolbt, 
dessen Axe von Siiden nach Norden gerichtet ist. Die nach 
Westen diesen Raum abschliessende Mauer, in welcher zwei kleine, 
durch einen kurzen dickeri kannelirten Pfeiler getrennte Fenster 
(20) sich befinden, wird von einem jetzt zugemauerten, ehemals 
aber offenen Stichbogen (Fig. 3, 1) getragen, der von aussen 
noch sichtbar ist. Dieser Stichbogen ruht mit seinen Anfangen 
einerseits gegen das Mauerwerk der Vorhalle, andererseits gegen 
das an der Nordseite des Ministers befindliche, aus karolingischer 
Zeit horruhrende Pfeilermauerwerk. Die aussere Flache des Stich- 
bogens liegt mit der Westfa9ade der Vorhalle in einer Flache. 
Der jetzt in diesem Gemach befindliche Bretter-Fussboden, auf 
leichten Balken liegend, ist offenbar aus spaterer Zeit. Urspriing- 
lich war an der Stelle ein hoher, vom Fussboden bis unter das 
erwahnte Gewolbe reichender Raum, dessen Zweck noch unbekannt 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 23 

ist. Von der nordlichen Wendeltreppe aus fiihrt, noch bevor man 
das Obergeschoss erreicht, zu demselben eine Thiir. Ehemals war 
dieser Raum nach der West- und Nordseite hin offen; nach der 
erstern Seite hin wurde er durch spateres Fiillmauerwerk, nach der 
letztern hin durch dq,s Mauerwerk der Kreuzkapelle gesehlossen. 

Dieser Raum ist augenseheinlich nicht gleichzeitig mit dem 
Vorhallenbau aufgefiihrt, da der Pfeiler Fig. 2, 21 nicht mit dem 
Mauerwerk des Treppenbaus verbunden ist ; zwischen diesem Pfeiler 
und dem Mauerwerk des Treppenthurms ist vielmehr noch der 
Bewurf sichtbar, womit letzteres bedeckt war. Auch ist die aussere 
Flache des iiber dem erwahnten Stichbogen befindlichen Mauerwerks 
nicht mit jenem der Vorhalle im Verband gemauert. Wenn auch 
das Mauerwerk dieses Raums noch karolingischen Ursprung ver- 
rath, so weisen doch die erwahnten Zeichen darauf hin, dass es 
spater als der Vorhallenbau ausgefiihrt ist. 

6. Die Treppen. In den einspringenden Ecken zwischen 
der Vorhalle und dem Rundschiff befinden sich die beiden Wen- 
deltreppen (Fig. 1, U, V). Die im Aeussern als runder Vorbau 
hervortretenden Treppenmauern umschliessen je einen, auch theils 
von den Mauern der Vorhalle und des Rundschiffs begrenzten, im 
Innern runden Treppenraum von 3,87 m lichtem Durchmesser, 
welcher die Treppe selbst nebst der 1,38 m starken runden Spindel 
(46 und 47) enthalt. Diese Wendeltreppen fuhren in erster Reihe 
zum obern Geschoss des Rundschiffs und auch durch je einen 
Nebenarm (Fig. 2, r, 22) zum obern Geschoss der Vorhalle. In 
ununterbrochener Flucht setzen sich jedoch die Treppen weiter fort 
bis zu dem liber der obern Vorhalle befindlichen Thurmgelass, in 
welchem sie an der Nord- und Siidseite mit voller Thurhohe aus- 
mlinden. Auf dieser Hohe ist das Treppenhaus durch ein Kuppel- 
gewolbe iiberdeckt. Zur Beleuchtung des innern Treppenraums 
war auf jedem Rundgang der Stufen eine Lichtoffnung (Fig. 1 , 48, 
Fig. 2, 23) angebracht, welche, im Aeussern schmal angelegt, sich 
nach dem Innern zu bedeutend erweiterte. Die breiten niedrigen 
Stufen dieser Treppenanlagen entsprechen dem Charakter der 
romischen Treppen. 

Von der sudliehen Wendeltreppe aus fiihrt, in der Hohe des 
Fussbodens der obern Vorhalle, ein kurzer Gang (Fig. 2, t), der eine 
nur aus fiinf Stufen bestehende Stiege enthalt, zu der am obern 
Ende sich befindenden Thiir (v), liber welche wir spater Einiges 
mittheilen werden. Im nordlichen Treppenthurm, und zwar an der 



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24 C. Rhoen 

Westseite unterhalb des Seitengewolbes, dicht neben der Vorhalle, 
befindet sich gleichfalls eine nach aussen ftihrende Thiiroffnung 
(Fig. 3, W), die augenscheinlich gleichzeitig mit der Pfalzkapelle 
angelegt wurde. Au ihr deutet keinerlei Vorrichtung darauf hin, 
dass sie urspriinglich mit einem Verschluss versehen gewesen 
sei. Wozu sie gedient hat, ist bisher nicht aufgeklart. 

B. Das Aeussere. 

1. Das Rundschiff. Obgleich durch die mehrfaehen spatern 
Anbauten an der Pfalzkapelle die urspriinglicheri aussern Mauern 
des Sechszehnecks grosstentheils verdeckt warden, so lassen doch 
die verschiedenen noch freistehenden Stellen die Arehitektur derr 
selben genugsani erkennen. Solche Stellen befinden sich an der 
Slid-, der Nordost- und der Nordseite. Ohne Sockel und Pfeiler 
erheben sich die Mauern, von der Erde bis zum Dachgesims in 
einer Flache durchgehend, nur durch die Oeffnungen der Fenster 
des Erd- und des obern Geschosses durchbrochen. Keine Eck-, noch 
sonstigen Pfeiler unterbrechen diese Flachen, die, in Bruchstein 
gemauert, durch unregelmassig eingesetzte behauene Blausteine ein 
noch unschoneres Ansehen erhalten. Die im Rundbogen uberdeckten 
Fensterofihungen mit ihren unprofilirten Einfassungen stehen mit 
dem aussern Mauerwerk in einer Flache. Die Mauern selbst sind 
mit dem Dachgesims (Fig. 4, 1) abgedeckt, welches in den Haupt- 
gliedern aus Karnies und Hangeplatte besteht, unter der sich ein- 
fache Konsolen befinden (in Fig. 17 vergrossert). Von der Dach- 
leiste aus lehnt sich ans Oktogon das in Blei gedeckte Dach. 

2. Das Oktogon. Ueber dem Dach des Rundschiffs erhebt 
sich der obere Theil des Oktogons mit seinen acht Seiten, in deren 
jeder sich ein Fenster befindet. Diese Fenster, von 1,63 m Breite 
und 3,33 m Hohe, sind im Rundbogen uberdeckt. Fast dicht an 
den Ecken, wo die Mauerflachen aneinander stossen, erheben sich 
strebepfeilerartige Pilaster, die in ihrer Grundrisslage genau den in 
den beiden Geschossen befindlichen, an den Tragpfeilern des Okto- 
gons stehenden Bogenpfeilern entsprechen. Diese Pilaster dienen 
abgesehen von dem asthetischen Zweck dazu, das Mauerwerk des 
Tambours des Oktogons gegen den Schub der Kuppel zu verstarken ; 
der unterste Theil der Pfeiler springt gegen die aufgehende vordere 
Flache etwas vor und dient dem Pilaster gleichsam als Plinthe. 
Hierauf erhebt sich der Pfeiler bis auf etwa 1 m unter dem das 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 25 

Oktogon ringsum umschliessenden Gesims (Fig. 6, 15). Als Ab- 
schluss der Pfeiler dienen aus dichtem Oolithstein gehauene, 
viereckige, eigenthiimlich geformte Kapitale, augenscheinlich von 
einem altern Bauwerk herriihrend. Etwa 0,70 m oberhalb des 
Fensterbogens umzieht das Oktogon eine ziemlich stark vortretende, 
oben abgeschragte Leiste (16), die auch um die Pfeiler herum- 
lauft und sie profilirt. Es ist dies die oben erwahnte Leiste, welche 
in einer Hausteinschicht durch die Mauerdicke hindurchgeht und 
im Innern den scheinbaren Anfang der Kuppel andeutet. Etwas 
oberhalb der Leiste ist das Mauerwerk des Tambours zuriick- 
gezogen und erhebt sich von dieser Stelle ab noch 1,88 m bis 
zur Leiste 15. Diese letztere ist mehrfach als Theil der ehemaligen 
Dachleiste des Oktogons angesehen worden, eina Jleinung, der wir 
nicht beitreten konnen. Als Abschluss des ganzen Gebaudes wiirde 
sie der schweren, rnit Konsolen versehenen Dachleiste des Rund- 
schiffs gegeniiber sich als unbedeutend verhalten haben. Aber auch 
weitere Grunde bestimmeu zur Annahme, dass sie eben nur eine 
Verzierungsleiste gewesen. Es befindet sich namlich oberhalb der- 
selben noch karolingisches Mauerwerk (17) bis zu einer Hohe von 
etwa 0,65 m. Hatte sie fruher als Abschluss des Gebaudes, d. h. 
als Dachleiste gedient, weshalb wiirde dann noch dieses Mauerwerk 
daruber ausgefiihrt worden sein? Hatte sie ferner, selbst noch mit 
einem Abschlusskarnies versehen, als Dachleiste gedient, so wiirde 
durch die Hohenlage des Kuppelgewolbes das Dach des Oktogons 
eine solche Steilheit erhalten habon, dass es keineswegs in seiner 
Form mit dem des Rundschiffs, sowie mit den flachen Dachern der 
Ravennatischen Kirchen, welche letztere doch der Pfalzkapelle als 
Vorbild gedient haben, in Uebereinstimmung hatte gebracht werden 
konnen. Auch wiirde, falls diese Leiste die Dachleiste gebildet 
hatte, eine Hintermauerung des Gewolbes, die fur die Erhaltung des 
letztern von grosser Wichtigkeit ist, nicht haben stattfinden konnen, 
da die betreffende Leiste eben in der Hohe liegt, wo die Innen- 
flache der Tambourmauer die Riickflache des Kuppelgewolbes beriihrt. 
Vergleicht man die Durchschnitte der Kirche S. Vitale und 
des Baptisteriums zu Ravenna, so findet man die Kuppel noch 
ringsum mit ausserm Mauerwerk umgeben, welches sich so hoch 
erhebt, dass ein flaches Dach daruber errichtet werden kann, ohne 
die Sparren der Oberflache des Kuppelgewolbes so nahe zu bringen, 
dass eine Verbindung zwischen dem untern Theil des Dachboden- 
raums und dem obern nicht hatte stattfinden konnen. Auch ist 



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26 C. Rhoen 

der Abschluss der Kirche S. Constanza bei Born, sowie mehrerer 
anderer Kirchen ahnlich konstruirt. 

Nach dem oben Angefuhrten glauben wir annehmen zu diirfen, 
dass ehemals die Dachleiste hoher gelegen, als die Leiste 15 und 
sich in Uebereinstimmung mit der des Bundschiffs in grosserer Aus- 
ladung und Hohe vorgefunden habe. Wir haben daher die Er- 
ganzung des obern Theils des Oktogons in diesem Sinne und in 
Uebereinstimmung mit der Architektur in der Zeichnung (Fig. 3, 
4 und 5) angedeutet. 

3. Die Vorhalle. Der thurmartig errichtete Vorhallenbau 
an der Westseite des Rundschiffs verdient seiner eigenthiimlichen 
Anlage wegen nahere Betrachtung. Was besonders daran ins Auge 
fallt, ist eine am Fussboden anfangende, hohe, im Rticken flach- 
konkave, rundbogige Nische (Fig. 1, 49, 50, 51) von etwas grosserer 
Breite, als die innere Lichtweite der untern Vorhalle. Die Breite 
dieser Nische betriigt 7,85 m, die Hohe 19,60 m. Sie ist in Hau- 
steinen verschiedener Sorte eingefasst, der Bogen besteht eben- 
falls aus Hausteinen. Zur Erde mundet darin die offene Vor- 
halle, deren aussere Bogensteinmauer der Bundling der Bitck- 
wand der Nische folgt. Fast konzentrisch mit dem Bogen der 
letztern ist das bei der Beschreibung des Innern erwahnte, auf 
dem obern Geschoss der Vorhalle befindliche grosse Fenster 
(Fig. 2, 15, 16). In der Hohe des Bogenanfangs der Nische befand 
sich ein den Thurm mit Ausnahme der Buckwand der Nische uin- 
ziehendes Kampfergesims (Fig. 3, 2, 3), von welchem sich noch Beste 
an dem nordlichen Treppenthurm vorfinden. Dieses Gesims lag in 
der Hohe des Dachgesimses des Bundschiffs, an welches es, nachdem 
es die Bundling der Treppenthurme ebenfalls umfasst, anstiess. 
Von dem den untern Theil dieses Bauwerks abdeckenden urspriing- 
lichen Abschlussgesims ist ausser zwei beschadigten Besten an der 
Ostseite nichts mehr vorhanden. Diese Beste (Fig. 18 vergrossert 
dargestellt), welche eine Hohe von etwa 0,25 m aufweisen und 
augenscheiniich den untern Theil des Gesimses bildeten, bestehen 
hauptsachlich aus einem Karnies, welcher eine mit kleinen Zahn- 
schnitten versehene Deckplatte tragt; unter dem Karnies befindet 
sich noch ein kleiner Bundstab, der auf einer Hohlkehle liegt. 
Der obere Theil des Gesimses wird wohl aus Hangeplatte und Ab- 
schlusskarnies bestanden haben. Der oberhalb desselben in der 
Zeichnung angedeutete Glockenthurm ist von uns im Sinne der 
Architektur erganzt worden. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 27 

4. Die Treppenthurme. Die Treppenthiirme sind sowohl 
mit dem Mauerwerk des Vorhallenthurms vvie init dem des Rundschiffs 
im Verband ausgefiihrt. Gleich dem letztem erheben sie sich von 
der Erde ohne Pfeiler und ohne Sockel. Die oben beprochene 
Leiste (Fig. 3, 2, 3), welche in der Hohe des Bogenanfangs der 
grossen Nische des Vorhallenbaus liegt und ihn umfasst, setzt sich, 
wie bemerkt, aueh an den Treppenthiirmen fort und stosst dann an 
das Dachgesims des Rundschiffs, welches in der namlichen Hohe 
liegt. Hoher als diese Leiste greifen die Treppenthurme oberhalb 
der Mauern des Rundschiffs in der ganzen Starke der letztern 
liber und erhalten daher an der der Kirche zugekehrten Seite eine 
plane Seite. Hierdurch bilden die Treppenthiirme mit der ostlichen 
Umfassungsmauer des Vorhallenthurms eine in drei Flachen ge- 
brochene Ansicht, wobei zu bemerken ist, dass die mittlere Flache, 
die des Vorhallenthurms, um 0,70 m den Treppenthiirmen vorliegt. 
Das Abschlussgesims des untern Theils des Vorhallenthurms war 
auch das der Treppenthurme, da letztere sich bis zu dieser Hohe 
erhoben. Da dies Gesims der Grundrissform der Vorhalle und der 
Treppenthurme in dieser Hohe folgte, letztere aber an der Ostseite 
Ecken bildeten, war auch das Dach derselben nur in der Rundung 
kegelformig und fiel nach der Seite der Kirche hin an der da- 
selbst befindlichen geraden Flache walraformig ab. Von den zur 
Erleuchtung des Innern des Treppenhauses angebrachten Licht- 
scharten befindet sich in jedeni Rundgang der Wendelstiegen eine, 
und zwar so angebracht, dass dieselben, von aussen gesehen, fast 
genau iibereinander stehen. Im siidlichen Treppenthurm, dicht 
neben der Vorhalle, ist auch im Aeussern die Thiir sichtbar, zu 
welcher im Innern die kleine Stiege (Fig. 2, v) fuhrt. Nordlich 
neben der Vorhalle, jedoch in gleicher Mauerflucht mit ihrer West- 
seite, in der Hohe des Fussbodens des Obergeschosses, ist der flache 
Stichbogen (Fig. 3, 1) sichtbar, welcher die westliche Mauer des 
vorhin erwahnten, von der obern Vorhalle zuganglichen Gemachs 
(Fig. 2, T) tragt. 

C. Die Technik. 

1. Die Konstruktion. Die Anlage der Pfalzkapelle in 
konstruktiver Beziehung ist im Allgemeinen eine gut durchdachte, 
was jedoch nicht ausschliesst, dass bei der Ausfiihrung zu technischen 
Hiilfsmitteln, die eigentlich der Architektur fernbleiben sollten, 



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28 C. Rhoen 

Zuflucht genommen wurde. Die vorzuglich gute Erhaltung des 
Bauwerks ist seiner sorgfaltigen Ausftihrung zu verdanken. Die 
grosse Standhaftigkeit des Mauerwerks am Oktogon ist den starken 
Fundanientmauern, die unter den Bogenofifnungen des Erdgeschosses 
ununterbrochen durchgehen und gleichsam in der Erde ein undurch- 
brochenes Oktogon bilden, zum grossen Theil mit zuzuschreiben. Die 
Konstruktionstheile wie Pfeiler, Bogen, Gewolbe u. s. w. sind sammt- 
lich in Haustein ausgefiihrt, wahrend Bruchsteinmauerwerk nur 
zu den Umfassungsmauern und Ausfiillungen angewandt ist. Die 
als Widerlager dienenden Mauerpfeiler weisen in den Rundschiffen 
eine mehr als hinreichende Starke auf, um dem auf sie wirkenden 
Gewolbedruck Widerstand zu leisten; da dieser Widerstand durch 
die 1,50 m starken Umfassungsmauern wesentlich erhoht wird, 
hatte es der Anbringung von Ringankern oder Ketten, wie sie 
sich in verschiedenen Hohen in den Umfassungsmauern des Rund- 
schiffs befinden, nicht bedurft. Besonders verdient die bereits er- 
wahnte Anordnung der schragen Gewolbe des obern Rundschiffs 
Erwahnung, eine durchaus praktische Anordnung, deren Vorbild 
in der Sophienkirche zu Konstantinopel zu finden ist. Nicht nur 
wird hierdurch dem Druck der Kuppel kriiftig entgegengewirkt, 
sondern auch der Bau dahin disponirt, dass ohne Raumverlust das 
Dach des Rundschiffs in einer dem Auge gefalligen und durchaus 
konstruktiven Weise angebracht werden konnte. Nicht im gleichen 
Masse kriiftig wie fiir die Gewolbe der Rundschiffe sind die Wider- 
standsmomente fiir den Kuppeldruck getroflfen. Ausser der nur 1,02 m 
starken Mauer des Kuppeltambours sind bloss die im Aeussern 
an diese Mauer angelehnten Pfeiler architektonisch verwandt wor- 
den. Von dem Anfang der Kuppel, der, wie erwahnt, in der nam- 
lichen Hohe liegt wie der des Bogens der Fenster im Oktogon 
(Fig. 6, 18), bis zu der im Innern sich oberhalb dieser Fenster 
befindlichen Leiste (19), die scheinbar den Anfang der Kuppel 
angibt, hat man die Mauersteine noch mit horizontalen Fugen ver- 
mauert und sie der Wolbungslinie der Kuppel entsprechend vor- 
gekragt. Erst oberhalb der erwahnten Leiste (19), deren obere 
Flache nach dem Centrum der Kuppel weisend gehauen ist, wurde 
mit der eigentlichen Wolbung begonnen. Um jedoch den Druck 
der Kuppel bei ihren schwachen Widerlagern aufzuheben, mussten 
noch weitere kunstliche Hlilfsmittel angewandt werden. Man legte 
daher um den untern Theil des Kuppelmauerwerks ein starkes 
Ringankersystem, dessen Eisenstabe (Fig. 6, 20, 21, 22) das Aus- 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 29 

weichen der Tambourmauern zu verhindern hatten. Durch die 
Ueberhohung der Kuppel hatte man zu erkennen gegeben, dass 
man bei der Ausfiihruug des Baus anstrebte, den Druek des Ge- 
wolbes auf die Seitenmauern inoglichst zu verringern. In der 
Konstruktion der Vorhalle, welche bedeutend einfacher als die der 
Kirche, ist der Druck der Gewolbe in den beiden Geschossen 
einfach durch die Starke der Widerlager ohne Anwendung ander- 
weitiger erkennbarer Nebenkonstruktion aufgehoben. 

2. Die Mauern. Die aussern Mauern des Rundschiffs sind 
im Allgemeinen kunst- und schmucklos, in der romischen Bau- 
technik, modo Romano, wie Einhard sie nennt 1 , ausgefiihrt. Die 
hierzu gebrauchten Steine, grosstentheils lange und wenig hohe 
Stucke Grauwacke, sind in starken Mortelfugen in romischer Manier 
vermauert. In der aussern Flache dieser Mauern sind vielfach 
behauene blaue Kalksteine regellos, an einigen Stellen schichtenweise 
verwandt, die durch ihre Farbe sich von den tibrigen auffallend 
unterscheiden. So liegt eine Schicht solcher Hausteine verschie- 
dener Steinsorten in der Hohe des Fussbodens des obern Rund- 
schiffs, die als Abschluss des Mauerwerks des untern Rundschiffs 
zu dienen scheint. Die Kanten des Sechszehnecks sind ebenfalls, 
wenn auch in etwas unregelmassiger Weise, in Haustein aufgefiihrt 
Auch die Fenstereinfassungen sind in Haustein und aus niehrern 
Stiicken von ungleicher Grosse zusammengesetzt Diese Einfassun- 
gen entbehren der Profilirung und liegen mit dem iibrigen Mauer- 
werk in gleicher Flucht; die Laibung ist rechtwinkelig ohne 
Schragung. Das die Mauern des Rundschiffs abdeckende Kranz- 
gesims, ebenfalls aus Haustein, zeigt als obere Glieder Karnies 
und Hangeplatte, welche letztere von Konsolen getragen ist. Unter 
den Konsolen sind als kleinere Glieder noch zwei Flattchen an- 
gebracht. 

Das Mauerwerk des Oktogons ist ebenfalls aus Bruchsteinen 
hergestellt, an demselben sind nur die scharfen Kanten der acht 
Ecken nebst den an diesen stehenden Pfeilern von Haustein. Aus 
letzterm Material sind auch die Fenstereinfassungen, sovvie die in 
ihren Abmessungen klein gegriffene Dachleiste gefertigt. Wenn- 
gleich aus dem namlichen Material errichtet wie die Mauern des 
Rundschiffs, zeigen doch die Mauern des Oktogons eine bessere, 
exaktere Ausfiihruug. 



l ) Vgl. Nassauische Annalen fur Alterthumskunde und Geschichtsforschung 
XII, S. 298 und XIII, S. 109. 



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30 C. Rhoen 

Die Ausfuhrung der innern Theile der Pfalzkapelle zeugt von 
einer bessern Teehnik als die des Aeussern. Die zu den Pfeilern 
und Bogen verwandten Hausteine sind sehr regelmassig und exakt 
verarbeitet und versetzt, so dass die Fugen genau auf einander 
passen. Eigenthumlicherweise ist an den grossern Bogen wie an 
denen der Arkade des Oktogons, den Gurtbogen, dem Bogen der 
grossen Nische an der Westseite der Vorhalle in der Mitte eine 
grossere Gewolbestarke genommen als an den Bogenanfangen ; ja 
wir finden, dass die obern Bogen des Oktogons, sowie der der 
erwahnten Nische noch im mittlern Theil mit einem zweiten Bogen 
entlastet sind, der 2 /s bis zu 8 /4 der lichten Bogenweite in der 
Lange einniramt. An den kleinern Fenster- oder Thurbogen ist 
eine Verstarkung nicbt angebracht, und die Wolbsteine derselben 
sind von ungleicber Hohe. Wenn auch in technischer Hinsicht das 
aussere Mauerwerk keinen Werth beanspruchen kann, so ist doch 
das innere von tiichtiger und gediegener Ausfuhrung und fiir die 
damalige Zeit als eine meisterhafte Arbeit zu bezeichnen, die den 
Baugewerben zu einer Ausbildung verholfen hat, welche den unter 
Ludwig d. Fr. hierselbst errichteten Bauten zu Gute kam. 

3. Die K up pel. Mit besonderer Sorgfalt ist das Mauerwerk 
der Kuppel ausgefuhrt. Wie bei den byzantinischen Vorbildern 
derselben schneiden auch hier die Fensterbogen mit ihrem vollen 
Halbkreis in die Rundung der Kuppelwolbung hinein, wodurch der 
Anfang derselben holier zu liegen scheint, als es in Wirklichkeit 
der Fall ist. Die bereits S. 18 erwahnte Ueberhohung der innern 
Kuppellinie liber den Halbkreis, welche etwa 0,53 m betriigt, 
scheint indessen eine Zuthat des karolingischen Werknieisters 
zu sein. Bis zu der erwahnten Leiste (Fig. 6, 19), die sich im 
Innern der Kuppel und am Aeussern des Mauerwerks rings um 
die Kuppel herumgehend zeigt, liegen, wie oben bemerkt, die 
Schichten des Mauerwerks der Kuppel noch horizontal und 
sind immer mehr und mehr der Wolbungslinie der Kuppel ent- 
sprechend vorgekragt. Erst von da ab gehen sowohl die Lager- als 
die Stossfugen central. Der technische Vortheil dieser Konstruk- 
tion, welche in spaterer Zeit bei Ausfuhrung gothischer Gewolbe 
eine ausgedehnte Anwendung fand, besteht in Verminderung der 
Spannung der Kuppel und in Verstarkung der Widerlager der- 
selben. Die Hintermauerung des Kuppelgewolbes ist bis etwa zur 
Halfte der vertikalen Hohe aufgefuhrt; von da ab bis zum Schluss 
hat das Gewolbe eine Starke von 0,86 m. An den einspringenden 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 31 

Ecken der acht innern Kuppelfelder befindet sich keine Fuge, son- 
dern der Steinverband geht einfach durch, und die Steine sind nach 
dem Umbiegen hergerichtet. In jedem der acht Kuppelfelder be- 
fanden sich zwei Locher von 0,22 m Durchmesser, die mit einer 
eisernen Biichse ausgefuttert waren. Vom Scheitel der Kuppel war 
das obere dieser Locher etwa 3,50 m, das nntere etwa 7 m ent- 
fernt. Auch der Schlussstein ist durchlocht; derselbe erhebt sich 
noch 0,35 m liber die Oberfliiche des Kuppelmauerwerks. Es ist 
augenscheinlich, dass diese Locher ebensowohl dazu gedient haben, 
mit einem Fahrstuhlapparat eine etwaige Untersuchung der innern 
Flache der Kuppel zu bewerkstelligen, wie auch bei festlichen 
Gelegenheiten das Oktogon mit Guirlanden u. s. w. zu schmiicken. 
Auch mogen sie dazu benutzt worden sein, Lampen oder Lichter- 
kronen im Raum des Oktogons aufzuhangen. 

Die Werksteine der Kuppel sind aus Jura-Oolith gehauen. Die 
Bearbeitung derselben ist mit solcher Genauigkeit ausgefuhrt, dass 
sowohl die Stoss- wie die Lagerfugen die Starke von 4 mm nicht 
tiberschreiten. Die Versetzung der Werksteine ist dem entsprechend 
mit ausserordentlicher Sorgfalt ausgefuhrt. 

4. DieVerankerung. Zur Sicherung der Konstruktion 
der Pfalzkapelle hatte man es fiir noting erachtet, an verschiedenen 
Stellen Ankersysteme anzubringen, die, gleichsam einen Reifen von 
Eisen bildend, das Gebaude ganz oder theilweise umfassten. Die 
hierzu verwandten Eisenstabe hatten einen quadratischen Querschnitt 
von 5 bis 9 cm Seitenliinge. Die einzelnen Ankerstabe waren zum 
kleinern Theil durch Haken, welche in Oesen griffen, zusammen 
verbunden, grosserntheils aber durch am Ende derselben angebrachte 
Schlitze. Bei Anwendung der letztern Art war am Ende der einen 
Stange ein sog. Doppelschlitz angebracht, wahrend am Ende der 
andern nur ein einfacher sich befand. Letzterer wurde in den 
Doppelschlitz geschoben und die Verbindung der beiden Stangen 
vermittelst eines durch die Schlitze gesteckten eisernen Keils her- 
gestellt. Letztere Verbindung der Eisenstabe hatte den technischen 
Vortheil, dass durch das Eintreiben der Keile der Ankerring 
starker angezogen werden konnte. Welche Sorgfalt man auf die 
letztere Verbindungsart legte, beweist, dass sie durch eine ura- 
gegossene schwere Bleinmhiillung besonders geschtitzt wurde. Die 
in dieser Weise verbundenen einzelnen Ankerstabe bildeten 
sonach eine Ankerkette ohne Ende, welche an der fiir sie be- 
stimmten Stelle zur Verwendung kam. Wo nicht bestimmte Umstande 



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32 C. Rhoen 

es anders erheischten, lagen diese Ankerketten fast mitten in der 
Mauer. 

Eine solche Ankerkette befand sich in der Hohe der Kampfer 
der Bogen im Erdgeschoss des Oktogons (Fig. 6, 23). Die acht 
einzelnen Stangen dieser Kette, im Innern der Pfeiler durch Selilitze 
verbunden, waren in den Bogenoflfnungen sichtbar. Zur Verzierung 
der Stangen, auch urn ihnen ein Motiv zu geben, war auf densel- 
ben eine Reihe von Leuchteraufsatzen angebracht, auf welchen bei 
festlichen Gelegenheiten Kerzen aufgestellt und angeziindet wurden. 
Wir erinnern uns, ein Oelgemalde gesehen zu haben, welches, aus 
dem Anfang *des 17. Jahrhunderts herriihrend, das Innere desMiin- 
sters darstellte, und diese Ankerstabe mit den darauf gestellten 
Lichteraufsatzen zeigte. Noppius berichtet 1 , dass an Festtagen im 
Miinster 442 Wachslichter brannten, von denen ein Theil an dieser 
Stelle gestanden haben mag. Ob in der Umfassungsmauer des 
Sechszehnecks im Erdgeschoss Ankerketten angebracht sind, ist uns 
unbekannt; doch liegt die Vermuthung nahe, dass dies der Fall 
ist. Ein besonders schwerer Anker von etwa 9 cm Querschnitt 
lag etwa 0,50 m oberhalb des Hauptportals zwischen der Vorhalle 
und dem Rundschiff (Fig. 5, 25). Die Hohenlage dieses Ankers 
lasst jedoch nicht annehmen, dass er ringsum das Rundschiff um- 
fasste; er wird jedenfalls nur zur Verstiirkung des untern Theils 
des Vorhallen- bezw. Thurmbaus gedient haben. Auf dem obern 
Geschoss des Rundschiffs in der Umfassungsmauer, auf einer Hohe 
von etwa 2 m iiber dem Fussboden (Fig. 6, 24), liegt sowohl in der 
nordlichen als sudliehen Mauer eine Ankerkette, die vom Chor 
bis zur Vorhalle reichte und an den Endpunkten ihren Abschluss 
durch verborgene Ankerschlussel fand. Durch das in spaterer 
Zeit ausgefuhrte Einbrechen der Thtiroffnungen, die zur Gallerie 
der Kreuzkapelle, der Musikkammer und der Ungarischen Kapelle 
fiihren, ist die Kette unterbrochen worden. Ebenfalls auf dem 
obern Rundschiff in der Umfassungsmauer des Sechszehnecks, und 
zwar 5,80 m iiber den Fussboden, liegen Theile einer Ankerkette, die 
das ganze Rundschiff umspannte (25). An den Stellen, wo der Chor 
und die Vorhalle an das obere Rundschiff angebaut waren, lag die- 
selbe in dem Mauerwerk oberhalb der kleinen Bogen (Fig. 5, 17), 
die von den darunter stehenden Saulen getragen wurden. Ein Theil 
dieser Ankerkette ist noch jetzt in der grossen Bogenoflfnung zwi- 
schen der obern Vorhalle und dem Rundschiff sichtbar. Durch die 



x ) Aacher Chronick (Ausgabe von 1632) Th. I, S. 26. 



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Die Kapelle der karolingiscben Pfalz zu Aachen. 33 

Anlage des neuen Chore ist auch sie unterbrochen worden. Wahr- 
scheinlich befindet sich in der Umfassungsmauer dieses Geschosses 
innerhalb des Kranzgesimses, da wo der Schub der schragen Gewolbe 
auf die Mauer wirkt, ebenfalls eine Ankerkette. Drei weitere 
Ankerketten, ringsum das Mauerwerk der Kuppel umschliessend, 
liegen am Anfang des Kuppelgewolbes (Fig. 6, 20, 21, 22). Von 
ihnen liegt eine (20) in der Hohe der oberhalb der Fenster des 
Tambours sich herumziehenden Leiste. Sie befindet sich nur etwa 
0,20 m von der Aussenflache des Tambourmauerwerks einwarts 
und dient sonach als wirksamer Halt gegen den Schub des Kup- 
pelgewolbes. Von den beiden iibrigen Ankern (21, 22) liegt der 
untere etwa 1 m und der obere etwa 1,70 m hoher als die mehr- 
fach erwahnte Leiste. Beide liegen dicht der Aussenflache des 
Kuppelgewolbes an, letzteres fest umschliessend. 

Sonstige Ankerketten sind bei den Kestaurationsarbeiten weder 
am Centralbau noch an der Vorhalle und den Treppenthurmen 
aufgefunden worden. Moglich ist aber immerhin, dass sich bisher 
nicht bemerkte Ankerketten noch irgendwo an dem Gebftude vor- 
finden. 

Es lasst sich nicht verkennen, dass, wenn auch das Anbringen 
von Ankerketten im Erd- und Obergeschoss der Pfalzkapelle keine 
absolute Nothwendigkeit war, dieselben doch als eine wesentliche 
Kraftigung des Gebaudes zu betrachten sind. Das als Widerlager 
dienende Mauerwerk des Tambours wiirde jedenfalls ohne Anker- 
kette sich zu schwach erwiesen haben, um dem Druck des Kuppel- 
gewolbes zu widerstehen; ob man aber durch das Anbringen von 
drei Ankerreihen nicht in der Vorsicht etwas weit gegangen ist, 
mag dahingestellt bleiben. 

5. D i e B a u s t e i n e. Das Romerreich war nach alien Richtungen 
von einer grossen Anzahl schoner und guter Heerstrassen durch- 
schnitten, die dem Fortschaffen grosserer Lasten die moglichste 
Erleichterung gewahrten. Diese Strassen wurden daher auch von 
den Romern in ausgiebigster Weise benutzt, um bei ihren Bauten 
sich die mannigfaltigsten Steinsorten, selbst aus weit entlegenen 
Gegenden, zu verschaffen. So sind auch bei den hiesigen Thermen 
verschiedene Steinsorten verwandt worden, deren Ursprung fern 
vom Ort ihrer Verwendung zu suchen ist. Als nun die Thermen, 
nachdem sie von den Romern verlassen, durch die Hunnen zerstort 
worden waren, blieben sie in ihrem Schutt liegen bis zu der Zeit, 
wo die Franken unter dem Konigsgeschlecht der Merovinger sich 



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34 C. Rhoen 

in hiesiger Gegend niederliessen. Diese benutzten die Thermenruinen 
als nahegelegene und willkommene Steinbriiche, und erbauten aus 
dem vorgefundenen Material an hiesiger Stelle eine Pfalz oder 
einen Konigshof. Trotz der grossartigen Bauten, die sie zu diesem 
Zweck errichteten, blieben in den Kuinen noch Bausteine genug 
tibrig, dass Karl d. Gr. nicht allein die Pfalz weiter ausbauen und 
vergrossern \ sondern auch noch die Kapelle aus ihnen errichten 
konnte. 

Unter diesen Umstanden konnte es Karl d. Gr. nicht darum zu 
thun sein, Bausteine aus weiter Ferae herbeizuschaffen, zumal die von 
den Romern geschaffenen Nebenheerstrassen meistentheils zerfallen 
waren. Er verwandte daher das an den Thermen noch vorfindliche 
Baumaterial zumeist am Innern der von ihm errichteten Bauten, 
nahm jedoch zur aussern Verkleidung des Mauerwerks noch unge- 
brauchte Bruchsteine (Grauwacke), die wahrscheinlich aus der Nahe 
von Moresnet herriihren. Die iibrigen Bausteine wie Gneis aus 
Heppenheim an der Bergstrasse, Drachenfelser und Stenzelberger 
Trachyt, rheinischer Tuff, rother grobkorniger Sandstein vom Neckar 
oder aus der Saarbriicker Gegend, Namurer Blaustein, sog. petit 
granit, poroser und dichter Oolith 2 und roche de Lorraine aus der 
Gegend von Yerdun, weisser, dem savonni&re ahnlicher Kalkstein, 
Blaustein aus Cornelimunster und Raeren und andere mehr, die 
an der hiesigen Pfalzkapelle verwandt wurden, sind als aus den 
Buinen der hiesigen Thermen hergenommen zu betrachten. 

Die Annahme, diese fremden Steine seien den hiesigen Kuinen 
entnommen, findet darin ihre Begnindung, dass vielen derselben 
noch romischer Mortel anhaftet, ferner dass an ihnen Klammer- 
locher und andere Zeichen vorhanden waren, die mit der Stelle, 
wo sie am Miinster aufgefunden wurden, in keiner Beziehung standen. 
Auch sind Steine mit romischen Inschriften und Ziegel mit dem 



*) A n m. d. Red. Die Ansicht, dass Karl d. Gr. die Aachener Pfalz bloss 
erweitert oder ausgebaut habe, ist irrig. Einhard (Vita Kar. M. cap. 22) 
sagt ausdrucklich : Aquisgrani regiam extruxit, d. h. er baute in Aachen 
eine Pfalz. Vgl. auch das Chron. Moiss. ad a. 796. Damit ist natiirlich nicht 
ausgeschlossen, dass bei dem Neubau die Fundamente und das Baumaterial 
eines altera Gebaudes mit verwandt worden sein k6nnen. 

2 ) Hierzu stimmt die Notiz des Chron. Virdun. ad a. 778 bei Bouquet, 
Script, rer. franc. V, p, 373. Auch Noggerath erkannte in dem von Prof. 
Bock aufgefundenen Theil eines Saulenaufsatzes den bei Verdun brechenden 
Jura-Oolith (vgl. C. P. Bock, Geschichtliche Darstellung des Aachener Rath- 
hauses S» 16, Anm. 3). 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 35 

Stempel der 30. Legion daselbst mit vermauert worden l . Zu Karls 
d. Gr. Zeit wiirde das Herbeischaffen eirier solchen Menge Bau- 
steine aus den meist entfernten Gegenden, aus welchen sie her- 
stammen, der unfahrbaren Strassen wegen fast unmoglich gewesen 
sein. Die Saulen und andere Kunstgegenstande, die Karl aus 
Italien herbeifiihren liess, kommen wegen ihres geringen Umfangs 
im Vergleich mit der iibrigen Masse von Baumaterialien nieht 
in Betracht. Auch waren die aus Italien nach Deutschland 
fiihrenden Romerstrassen als Hauptverkehrsadern zwischen diesen 
in lebhaften Beziehungen stehenden Reichen in besserm Zustand 
erhalten, als die nach andern Gegenden fiihrenden Nebenstrassen. 
Es durfte daher die Annahme, dass die Bausteine des Ministers 
den hiesigen romischen Thermen entnommen seien, als eine richtige 
zu betrachten sein 2 . 

6. Der Mortel. Vollig ubereinstinimend mit der romischen 
Bauweise, wurden die Bruchsteine in einer starken Schicht Mortel 
vermauert, welcher aus gut gebranntem und geloschtem Kalk, mit 
scharfem Flusssand, kleinen Quarzstiicken und klein zerstossenen 
Ziegelbrocken vermischt, bestand und gut durchgearbeitet wurde. 
Zum Versetzen der Hausteine wurde der Mortel ohne Zusatz von 
Quarzstiickchen verwandt, da letztere das dichte Anschliessen der 
Lagerflachen der Steine verhindert haben wurden. Ein solcher 
Mortel ist auch bei dem Bau der Kuppel verwandt. Durch die sehr 
sorgfaltige Zubereitung und die Giite der dazu gebrauchten Mate- 
rialien ist der Mortel so hart geworden, dass er mancher an der 
Pfalzkapelle verwandten Steinart an Festigkeit nicht nachsteht. 

7. Das Ansetzen. Die Anlage des Grundrisses beim Beginn 
der Ausfuhrung des Gebaudes, das sog. Ansetzen, ist im Allgemeinen 
nicht mit besonderer Genauigkeit ausgefuhrt worden. Nicht allein 
das Oktogon weist in seinem nordsfidlichen Durchmesser gegen den 



*) Neuerdings sind in der NMhe des Munsters auch Flachziegel mit dem 
Stempel der 10. Legion aufgefunden worden. 

■) Anm. d. Red. Wir vermfigen der Ansicht des Herrn Verf. uber die 
Herkunft des am Munster verwandten Baumaterials nicht beizutreten, sind 
vielmehr der Meinung, dass es grosstentheils von auswarts herbeigeschaift 
worden ist. Eine Begrundung unserer abweichenden Auflfassung wiirde hier 
zu weit fiihren ; bemerkt sei nur, dass die romischen Strassen, welche den 
Verkehr zwischen Aachen und den grossern St&dten Deutschlands vermittelten, 
zur Zeit Karls d. Gr. keineswegs schon so verfallen sein konnten, wie der 
Herr Verf. es sich vorstellt. 

3* 



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36 C. Rhoen 

westostlichen Differenzen auf, sondern auch fast alle Pfeiler, die 
freistehenden sowohl wie die an die Umfassungsmauern anlehnenden, 
sind grosstentheils unter sich ungleich. Yon den Bogen sind es 
nur die Gurtbogen des Rundschiffs, die eine ertragliche Ueberein- 
stimmung zeigen; von den iibrigen sind nur wenige, die in ent- 
sprechender Stellung stehen, libereinstimmend. Die Unifassungs- 
mauern stehen im untern Geschoss an der Nordseite weiter von 
der Langenaxe des Oktogons entfernt wie die an der Sudseite, 
wahrend dies im obern Geschoss umgekehrt der Fall ist; selbst 
die Umfassungsmauern weisen Unterschiede in ihrer Starke auf. 
Besonders ist beziiglich der parallelen Stellung der einzelnen 
Glieder des Gebaudes verstossen. Nur wenige der Seiten der 
quadratischen Felder des untern und obern Rundschiffs sind parallel, 
ineist sind sie an derSeite, welche der Umfassungsmauer zunachst 
liegt, breiter als am Oktogon. Durch die Unregelmassigkeit der 
Yorspriinge der Pfeiler an der Umfassungsmauer im obern Ge- 
schoss des Rundschiffs liegen die Centren der nischenformigen 
Rundungen daselbst nur in wenigen Fallen in den Axen der quadra- 
tischen und dreieckigen Felder, weil die Rundungen, nach der 
Schablone angesetzt und gemauert, von unrichtigen Punkten aus- 
gehend, die Centren nothwendig verschieben mussten. Die Mauern 
der Vorhallen stehen an der Westseite weiter von einander entfernt 
als an der Ostseite. Auch der Aufriss zeigt mehrfache Unregel- 
massigkeiten. Nur wenige aussere Kanten des Sechszehnecks bilden 
eine lothrechte Linie, auch sind die Fenster in ihren Hohenlagen 
und Dimensionen von einander verschieden, anderer Unregelmassig- 
keiten nicht zu gedenken. Indessen darf man bei Gebaulichkeiten aus 
so friiher Zeit in Deutschland eine solche Genauigkeit in der An- 
lage, wie die Jetztzeit sie zu leisten vermag, nicht beanspruchen. 
Die Unzuverlasslichkeit der Messinstrumente jener Zeit, der Mangel 
an Winkelmasswerkzeugen, wie sie an einem Bau gleich der Pfalz- 
kapelle durchaus erforderlich sind, verbieten uns, einen Tadel iiber 
die Ausfiihrung auszusprechen, da man anerkennen muss, dass in 
der Pfalzkapelle ein Bau errichtet wurde, der an Schwierigkeit in 
der technischen Ausfiihrung alle Iibrigen Bauten der damaligen 
Zeit in Deutschland bei Weitem hinter sich zuriickliess. 

8. Das Dach. Das Dach der Pfalzkapelle war mit gegossenen 
Bleiziegeln abgedeckt. Einhard berichtet namlich in seinen Annalen 
zum Jahr 829, dass einige Tage vor Ostern in der Nacht wieder- 
holt ein Erdbeben verspiirt worden, und sich dabei ein so heftiger 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 37 

Sturmwind erhoben habe, dass nicht nur die Wohnungen gelitten, 
sondern auch das mit Bleiziegeln (tegulis plumbeis) gedeckte Dach 
der Pfalzkapelle, von einem grossen Theil seiner Bedachung entblosst 
worden sei. Diese Bleiziegel, welche sick in der Art wie unsere 
flachen Dachziegel in Nuthen auf einander legten, waren in Formen 
gegossen. Sie wurden mit Nageln auf die unterliegende Bretter- 
verschalung befestigt. Aus Bronze gegossene Dachziegel, welche 
den an der Pfalzkapelle verwandten in der Form ahnlich gewesen 
sein mogen, sind in Rom mehrfach aufgefunden worden. 

II. Nicht mehr vorhandene Theile der Pfalzkapelle. 

Der grosse Zeitraum von fast 1100 Jahren, der uns von der 
Zeit der Erbauung der Pfalzkapelle trennt, hat manche Theile 
dieses Bauwerks theils der Baufalligkeit, theils der Erneuerungs- 
sucht zum Opfer fallen lassen. Was Zeit und Elemente verschonten, 
fand in den verschiedenen Kunstbestrebungen der spatern Neuerer 
seinen Untergang. Nicht allein der karolingische Chor wurde 
unnothigerweise entfernt, sondern auch andere Annexbauten, die 
spater meist Gebauden aus der gothischen Bauzeit den Platz raumen 
mussten, wurden abgetragen. Ton einigen der abgetragenen Bauten 
besiteen wir jedoch ziemlich genaue Kunde, die durch Ausgrabungen 
und andere Auffindungen erlangt wurde. So haben uns die im 
Jahre 1861 unter der Leitung des Stadtbaumeisters Ark vorge- 
nommenen Ausgrabungen, welche auf Veranlassung Konig Friedrich 
Wilhelms IV. stattfanden, iiber die Grundrissform des karolingischen 
Chors (Fig. 1, S) die sichersten Aufschlusse gegeben. Diese wurden 
durch ein auf dem Karlsschrein im hiesigen Domschatz befindliches 
Relief aus dem Jahre 1215, das Minister zur damaligen Zeit vor- 
stellend, in vollem Mass bestatigt. Wenn letzteres auch in ver- 
schiedenen Theilen Ungenauigkeiten aufweist, so gibt es doch auch 
andererseits schatzbare Andeutungen tiber die zur Zeit seiner An- 
fertigung vorhandenen Formen der alten Pfalzkapelle, Andeutungen, 
die um so mehr zu schatzen sind, als keine sonstigen Abbildungen 
aus so alter Zeit sich mehr vorfinden. Die im Jahre 1867 an der 
Nordseite des Miinsteroktogons in der St. Hubertuskapelle vorge- 
nommenen Aufgrabungen zeigten die Fundamente eines ehemaligen 
Anbaus (T). Mit diesen Auffindungen stehen solche in der mit 
dem obern Geschoss des Rundschiffs in gleicher Hohe liegenden 
Karlskapelle in Yerbindung. Auf der dieser Kapelle zugekehrten 



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38 C. Rhoen 

Flache des Mauerwerks des obern Geschosses des Rundschiffs (Fig. 
2, 25, 26) zeigten sich nach Abnahme der alten Pliesterung die 
Spuren eines ehemals an das Mauerwerk anstossenden Gewolbes 
nebst solchen eines dariiber gelegenen Dachs, deren Dimensionen 
mit denen der hier aufgefundenen Fundamente vollig iibereinstimmten 
und einen friihern zweigeschossigen Bau (Fig. 2, U) an dieser Stelle 
aufs Bestimmteste nachwiesen. Fiir das ehemalige Vorhandensein 
eines Anbaus spricht noch die in der Mauer des Sechszehnecks 
befindliehe Thiir aus karolingischer Zeit. Wenn auch ein solch 
positiver Naehweis eines Gebaudes an der Siidseite des Rundschiffs 
wegen der jetzt hier befindlichen St. Annakapelle nicht erbracht 
werden kann, so ist doeh nicht zu bezweifeln, dass ein zur karo- 
lingischen Zeit errichtetes Gebaude dort gestanden hat, indem sich 
daselbst auch eine ahnliche Thiir (Fig. 2, 12) befindet wie an der 
Nordseite (11). Ebenso verhalt es sich mit anderweitigen Anlagen 
im Innern und Aeussern des Munsters, deren Spuren ihre fruhere 
Existenz ausser Frage stellen ; wir werden spater auf diese Anlagen 
zurlickkommen. 

1. Der Chor. Der alte karolingische Chor (Fig. 1, 52, 53, 
54, 55) war wie das Rundschiff zweigeschossig. Dies lasst sich 
nicht bloss aus den zwei Geschossen des Rundschiffs herleiten, 
sondern stimmt auch mit dem vorerwahnten Relief des Munsters 
iiberein. Der Breite nach sich an den an der Ostseite befindlichen 
innern viereckigen Raum des Rundschiffs anschliessend, hatte der- 
selbe von der Vorderkante des gegen die Umfassungsmauer des 
Rundschiffs anstehenden Pfeilers (Fig. 1, 52, 55) eine lichte Tiefe 
von 5,38 m, wobei die Umfassungsmauern eine Starke von 1,70 m 
aufwiesen. In der gegen Osten gerichteten Abschlussmauer war, 
wie das erwahnte Relief andeutet, ein Fenster angebracht, welches 
analog den Fenstern des Rundschiffs im Halbkreis iiberdeckt war, 
dagegen wiesen die Seitenmauern keine Fenster auf. Die Decke 
des Erdgeschosses war wahrscheinlich im Kreuzgewolbe hergestellt, 
das in seiner Form und Lage denen der quadratischen Raume des 
Rundschiffs im Erdgeschoss entsprach. Das obere Geschoss des 
Chors (Fig. 2, 27, 28, 29, 30) war mit einem horizontal liegenden 
Tonnengewolbe iiberdeckt, dessen Widerlager die Seitenmauern bil- 
deten. Zwischen dem Chorausbau und dem Rundschiff haben wir 
uns eine Saulenstellung (27, 30) zu denken, die aus vier, je paar- 
weise iiber einander stehenden Saulen bestand, wie wir sie in den 
obern Bogen des Oktogons sehen. Fiir diese Annahme ist um so 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 39 

mehr Grund vorhanden, als eine entsprechende Anlage, wie wir 
spater nachweisen werden, auch zwischen dem Rundschiff und der 
obern Vorhalle stand. Neben den Saulen traten aus der Wand 
Pilaster (27, 30) hervor, an denen die Schenkel der beiden aussern 
kleinen Bogen aufstanden, die das Mittelgesims trugen, auf welchem 
die beiden obern Saulen ruhten. In der Grundrissanlage scheint 
das obere Geschoss des Chors Aehnlichkeit mit dem der Vorhalle 
gehabt zu haben, da die Uebereinstimmung der Disposition darauf 
schliessen lasst. Wir haben uns daher die Kuckwand desselben 
analog der der Vorhalle zu denken, die eine flache Nische zeigt, 
in welcher sich ein im Rundbogen iiberdecktes Fenster befand. 
Dieses Fenster ist auch in dem erwahnten Relief dargestellt. In 
den Ecken (28, 29) werden sich ahnliche Pilaster befunden haben, 
wie wir sie in der obern Vorhalle (17 und 18) finden, und 
welche einen Bogen trugen, der der Riickwand einen asthetischen 
Anschluss an das den Raum iiberspannende Gewolbe zu geben be- 
stimmt war. 

Es wurde oben bemerkt, dass das ostliche Gewolbe (Fig. 2, h) 
im Obergeschoss des Rundschiffs abweichend von den andern 
Gewolben horizontal angelegt ist. Dies geschah deshalb, damit dem 
Chor im obern Geschoss eine ansehnlichere und passendere Hohe 
gegeben werden konnte und die Ueberwolbung des Chorraums sich 
dem ostlichen Gewolbe des Rundschiffs organischer anzuschliessen 
vermochte. In asthetischer Hinsicht wirkte diese Anordnung auch 
im Aeussern besser, da dadurch der Baumeister befahigt wurde, 
das Dachgesims des Rundschiffs auch in gleicher Hohe um den 
Chor herumgehen zu lassen, wodurch dem ganzen Bauwerk ein 
einheitlicher Charakter gegeben wurde. Ueber der ostlichen Abschluss- 
mauer des Chorbaus stand ein mit einem Fenster versehener flacher 
Giebel, dessen Spitze bis zur Hohe des Dachfirstes des Rundschiffs 
reichte, es lag daher der First des Chordachs mit dem des Rund- 
schiffs in gleicher Hohe. Die Verlangerung des Chordachs, uber 
das ostliche Quadrat des Rundschiffs hinweggehend, schnitt in das 
Dach des letztern ein. Auf der Spitze des Chorgiebels stand, dem 
erwahnten Relief zufolge, ein machtiges Kreuz. 

2. Der Zwischenbau. Die im Jahre 1867 an der Nord- 
seite des Mtinsters stattgehabten Ausgrabungen legten Fundamente 
karolingischen Ursprungs bloss, die bis tief unter den Fussboden 
des Erdgeschosses des Mtinsters hinabreichten. Diese Fundamente 
wiesen auf fruher vorhandene Bauwerke hin, unter welchen auch 



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40 C. Rhoen 

ein etwa 3,50 m breiter gewolbter Korridor (Pig. 1, 56, 57, 58, 
59) sich befand, dessen Langenaxe mit der der Pfalzkapelle parallel 
lief 1 . Der Korridor war mit der Pfalzkapelle durch einen etwa 
3,80 m langen und im Mittel ebenso breiten Bau (T) verbunden, 
dessen Grundrissform ein unregelmassiges Viereck bildete. Dieser 
Bautheil lag im Innern der jetzigen Karlskapelle. Die aufgefun- 
denen Fundamente desselben wiesen eine ungleiche Starke auf; 
die nach Osten hin liegenden hatten eine Breite von 1,81 m, wah- 
rend die westlichen nur eine solche von 1,07 m zeigten. Die Unter- 
kante lag etwa 2 m unter dem Fussboden der Karlskapelle. Auf 
der halben Tiefe dieser Fundamente befand sich zu beiden Seiten 
je ein Mauerabsatz, wodurch der untere Theil urn etwa 0,30 m 
gegen den obern verstarkt war. Um zu diesem Gebaude und dem 
daran liegenden Korridor (56, 57, 58, 59) von der Pfalzkapelle aus 
zu gelangen, wurden offenbar die noch vorhandenen urspriinglichen 
Thiiren (Fig. 1, 43 und Fig. 2, 11) angelegt. 

Das ehemals iiber diesem Fundament stehende Gebaude war 
zweigeschossig. Hierzu gibt die erwahnte Thiir des obern Rund- 
schiffs (Fig. 2, 11) eine nicht zu bezweifelnde Andeutung, und ein 
weiterer Beweis hierfur geht aus Folgendem hervor. Als in dem 
obern Geschoss der jetzigen Karlskapelle die auf der aussern Flache 
der Mauer des Kundschiffs (25, 26) befindliche alte Pliesterung 
behufs ihrer Erneuerung entfernt worden, fand sich auf dieser 
Mauerflache ganz deutlich das Profil des ehemals den obern Ranm 
des Zwischenbaus (U) uberspannenden Tonnengewolbes nebst dessen 
Widerlagsmauern und Dach abgezeichnet. Die Stelle, wo ehemals 
das Mauerwerk des betrefifenden Gebaudes an die Mauer des Kund- 
schiffs anstiess, war durch die dunklere Farbe der Mauersteine leicht 
erkennbar. Auf der Linie der innern Bogenflucht fanden sich noch 
Reste von Kalk, von der Pliesterung des friihern Tonnengewolbes 
herriihrend. Fast noch deutlicher war die Dachneigung zu erkennen, 
da der Linie entlang, wo sie sich dem Mauerwerk des Rundschiffs 
anschloss, sich noch die Kalkstreichung zeigte, womit das Dach 
gegen die Mauer gedichtet war. Die lichte Hohe bis unter den 
Scheitel des Gewolbes betrug 5,25 m, die Hohe bis zum Dachfirst 
6,67 m, von dem Fussboden der Karlskapelle aus gemessen. Die 
genaue Breite konnte nicht direkt gemessen werden, da jetzt vor 
dem einen Widerlager die Mauer der Karlskapelle angebaut ist. 



*) Ueber diesen Korridor werden wir im Folgenden N&heres mittheilen. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 41 

Durch die aufgefundenen Fundamente des Gebaudes ist die Tiefe 
desselben auf 3,80 m festzustellen. Ofifenbar diente der Raum als 
Durchgang zu dem Korridor (Fig. 2, 27, 28, 29, 30). 

Eine gleiche Thiir wie die zu dem erwahnten Rauni, jetzt zur 
Karlskapelle fiihrende finden wir an der Siidostseite des obern 
Geschosses • (Fig. 2, 12), wo sie zur jetzigen Annakapelle, und im 
Erdgeschoss (Fig. 1, 44), wo sie zur Sakristei fiihrt. Wenn aueh 
an der Siidseite des Mtinsters nicht so evidente Andeutungen eines 
fruher hier befindlichen Gebaudes vorgefunden wurden wie in 
der Karlskapelle, so ist man doch nichtsdestoweniger berechtigt, 
daselbst ebenfalls einen solchen Anbau anzunehmen, da die in den 
beiden Geschossen befindlichen Thuren direkt darauf hinweisen. 
Es ist zu bedauern, dass bei der Erneuerung der Pliesterung der 
Annakapelle nicht die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt hingelenkt 
wurde, da man annehmen muss, dass jedenfalls Spuren friiherer 
Gebaulichkeiten an der Aussenseite der Umfassungsmauer des obern 
RundschiflFs, ahnlich wie in der Karlskapelle, sich vorgefunden 
haben wurden. Welcher Art das hier gelegene Gebaude gewesen, 
ist bis jetzt nicht genau festgestellt ; es ist jedoch anzunehmen, dass 
entweder der Lateran oder die Wohnung des Pontifex, von welchen 
Gebauden spater die Rede sein wird, sich hier der Pfalzkapelle 
anschlossen. Ein besonderes Gebaude, welches als Sakristei diente, 
ist an der Pfalzkapelle nicht nachzuweisen, wahrscheinlich wurden 
die Raume Fig. 1, e, f, g und i hierzu benutzt, ahnlich wie noch 
jetzt in der Kirche S. Saba bei Rom ein durch Schranken abge- 
schlossener Raum die Sakristei ersetzt. 

3. Der Glockenthurm. Oben wurde bemerkt, dass die 
Stiege des Treppenthurms mit voller Thurhohe in ein oberhalb der 
obern Vorhalle befindliches Gelass einmundete. Es muss demselben 
eine gewisse Wichtigkeit beigelegt worden sein, da man die beiden 
Thurmtreppen bis zu ihm hinauffiihrte. Die Lage dieses Gelasses 
veranlasst uns, anzunehmen, dass darin ehemals die Glocken der 
Pfalzkapelle aufgehangt waren. Der Monch von St. Gallen l , welcher 
im 10. Jahrhundert das Leben Karls d. Gr. beschrieb, erzahlt, dass 
ein Meister, der in Erz- und Glasarbeiten Alle tibertraf, den Auf- 
trag hatte, flir die Pfalzkapelle eine Glocke zu giessen. Von dem 
ihm hierzu libergebenen Material hatte er sich das edlere Metall 
angeeignet und das schlechtere flir den Guss verwandt. Nachdem 



l ) Gesta Karoli I, cap. 29; Jaffd, Mon. Carolina p. 660. 



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42 C. Rhoen 

die fertige Glocke auf Anordnung des Kaisers in dem Glockenthurm 
aufgehangt war, fand man, dass der Kloppel in derselben sich nicht 
bewegte. Der Meister, herbeigerufen, urn diesem Uebelstand ab- 
zuhelfen, wurde, nachdem er mehrfach versucht hatte, die Glocke 
zu lauten, durch den sich aus derselben auslosenden Kloppel derart 
getroffen, dass er sofort seinen Geist aufgab. 

Diese Erzahlung des Monchs von St. Gallen sagt ausdriicklich, 
dass die Glocke auf Anordnung des Kaisers in dem Glockenthurm 
aufgehangt wurde. Die Uebereinstimmung des VorhaJlenthurms mit 
den Glockenthurmen anderer Kirchen in Bezug auf ihre bauliche 
Anlage lasst uns annehmen, dass der Vorhallenthurm in seinem 
obern Theil zum Glockenthurm verwandt wurde. Bei der Wichtig- 
keit, die man den Glocken zur karolingischen Zeit beilegte, ist es 
erklarlich, dass man die beiden Treppenstiegen bis zu dem Glocken- 
raum hinfiihrte. A Is sog. Schallfenster diente nur die an der West- 
seite angebrachte Oeffnung. Die ostliche Mauer des im Jahre 1881 
abgetragenen Glockenthurms, die noch theilweise aus der karo- 
lingischen Zeit herruhrte, wies keine Oeffnung nach, die zu einem 
Schallfenster gedient haben konnte. Ob sich deren in der nord-' 
lichen und siidlichen Thurmmauer befunden haben, ist nicht mehr 
zu bestimmen. 

In der ostlichen Mauer, fast in der Mitte derselben, lag die 
Thur (Fig. 5, 18) zu der Treppe, welche zum Dachraum hinfiihrte, 
der sich oberhalb des Glockenraums befand. Thur und Treppe sind 
beim Abbruch des um 1450 errichteten Glockenhauses, dessen 
ostlicher Abschluss durch die karolingische Mauer gebildet wurde, 
im Jahre 1881 aufgefunden worden. Die in der Mauerdicke 
liegende Treppe, unweit der Thur beginnend, schwenkte sich, 
an der nordostlichen Ecke angekommen, sofort nach links, aus der 
ostlichen Mauer in die nordliche ubergehend. An der aus dem 
nordlichen Treppenthurm in den Glockenraum fiihrenden Thur 
(Fig. 5, 19) angelangt, hatte sie bereits an Steigung soviel gewonnen, 
dass sie liber diese Thiir hinweg zum obern Dachraum hinansteigen 
konnte. Weiter nach oben, ihrem Austritt nahe, muss sie der 
schragen Dachflache wegen sich nach links gewandt haben, um 
ihren Austritt zu finden. 

Diese Thurmanlage bedingte ein nach vier Seiten hin abfallendes 
Zeltdach, wie es zur karolingischen Zeit gewohnlich war. Es diirfte 
anzunehmen sein, dass die Spitze dieses Dachs mit einer Kugel, 
auf welcher ein Kreuz stand, ihren Abschluss gefunden hat. Das 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 43 

mehrfach erwahnte Relief des Karlsschreins zeigt uns eine andere 
Form des Glockenthurm-Dachs. Auf demselben ist die Thurmform 
des romanischen Stils genau erkennbar. Die vier Umfassungsmauern 
tragen jede ein Giebeldreieck, dessen Spitze eine Kugel ziert. Auch 
das in nicht sehr steilem Winkel gezeichnete Dach tragt eine Kugel 
als Abschluss. Hiernach ist anzunehmen, dass im Jahre 1215, der 
Zeit der Anfertigung des Reliefs, am Oberbau des Vorhallenthurms 
bereits eine Veranderung vorgenommen worden war. Wahrschein- 
lich ist diese Veranderung in Folge des Brandes, der 1146 Stadt 
und Munster heimsuchte, eingetreten. Ist diese Annahme richtig, 
so wurde der Brand das Dachwerk des Oktogons verschont haben, 
da es auf dem erwahnten Relief noch in seiner ursprtinglichen 
Form angedeutet ist. Es diirfte daher die bisherige Annahme, dass 
die acht Giebel, welche den obern Theil des Oktogons schmucken, 
von dem im Nekrolog der Miinsterkirche * erwahnten Wibertus 
erbaut seien, als eine irrige anzusehen sein, da das Relief, welches 
doch ofifenbar die Gestalt des Miinsters zur Zeit seiner Anfertigung 
darstelit, diese Giebel nicht zeigt. Die im Nekrolog erwahnten 
Erneuerungen wurden sich daher bloss auf den Glockenthurm 
beschranken. 

HI. Veranderungen im Innern der Pfalzkapelle. 

Die Pfalzkapelle diente seit ihrem Entstehen den Bewohnern 
der Pfalz und des anstossenden Fleckens als Pfarrkirche, ja sie 
blieb auch die alleinige Pfarrkirche fur die ganze Stadt bis zum 
Anfang des 14. Jahrhunderts 2 . Die rasche Vermehrung der Bevol- 
kerung des zur Stadt herangewachsenen Fleckens verursachte 
bauliche Veranderungen im Innern der Kirche, die dazu dienten, 
den Glaubigen mehr Raum zur Beiwohnung des Gottesdienstes zu 
verschaffen. Auch die in der ehemaligen Pfalzkapelle abzuhaltenden 
Kronungen der Konige mogen zur Vornahme dieser Veranderungen 
beigetragen haben. Die Kronungen erheischten, dass in dem Raum, 
in welchem sie vollzogen wurden, eine moglichst grosse Menge 
Volks anwesend sein konnte. 

1. Die Schranken. Die urspriingliche Bestimmung der Pfalz- 
kapelle war also zunachst, den Bewohnern von Pfalz und Flecken 



') Quix, Necrologium ecclesiae B. M. V. Aquensis p. 18. 
2 ) Quix, Gesch. der St. Peter-Pfarrkirche S. 7. 



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44 C. Rhoen 

Gelegenheit zu geben, ihre religiosen Bediirfnisse zu befriedigen. 
Karl d. Gr. setzte Geistliche an derselben ein, die klosterlich unter 
einem Abt nach der Benediktinerregel lebten. Ihren Gottesdienst 
hielten sie im Innern des Oktogons ab. In andern Klosterkirchen 
wurde von den Geistlichen der Gottesdienst meist im Chor abge- 
halten; da letzterer jedoch hier zu klein war, wurde das mehr 
Raum bietende Oktogon hierfiir geeigneter befunden. Urn wahrend 
des Gottesdienstes aber jede Storung zu vermeiden und das an- 
wesende Yolk vom Innern des Oktogons abzuhalten, war dieses, wie 
man es noch jetzt am Chor vieler Dom- und Stiftskirchen sieht, 
durch Schranken abgeschlossen. Diese Schranken reichten in der 
Pfalzkapelle von Pfeiler zu Pfeiler (Fig. 1, 60 bis 60) des Oktogons. 
Zu dieser Annahme berechtigen uns die in diesen Pfeilern noch 
zum grossen Theil vorhandenen, jetzt mit Hausteinen zugemauerten 
Schlitze, welche offenbar das einstige Vorhandensein dieser Schranken 
nachweisen. Wenn auch nicht jeder Pfeiler mehr den Schlitz, in 
welchem ehemals die Schranke angebracht war, deutlich nachweist, 
so ist doch bei der grossen Anzahl der noch nachweisbaren Schlitze 
mit Gewissheit anzunehmen, dass diese Schranken um das ganze 
Oktogon herum gestanden haben K Durch die im Laufe der Jahr- 
hunderte geschehenen mehrfachen Erneuerungen und Ausbesserungen 
der Pfeiler des Oktogons erklart es sich leicht, dass an einigen 
derselben die Schlitze verwischt worden; an vielen jedoch sind sie 
noch leicht erkennbar. Den vorhandenen Spuren zufolge hatten 
diese Schranken eine Hohe von etwa 1,75 m und eine Starke von 
0,20 m. Ob sie in Marmor und in durchbrochener Arbeit, wie 
man solche noch jetzt in S. Apollinare in classe und der Kathe- 
drale 2 in Ravenna, in S. Clemen te in Rom und in vielen andern 
Kirchen Italiens sieht, oder nur einfach aus Stein hergestellt waren, 
diirfte schwerlich mehr zu ermitteln sein. Es muss angenommen 
werden, dass hier wie in den andern Kirchen sich in einzelnen 
Schranken Thiiren befanden, durch welche die Verbindung des Okto- 



') Noch jetzt ist in dor Kirche S. Clemente in Rom der im Mittel- 
schiff liegende Chor, in welchem die Akolythen, die niedere Geiatlichkeit 
und die Sanger sich aufhalten, mit einer solchen Schranke von dem fur die 
Laien bestimmten Raum abgetrennt. Ebenso in S. Maria in Cosmedin, S. 
Giorgio in Velabro und in andern alten Kirchen Roms. 

2 ) In den Grundzugen der Zeichnung stimmen die letztern Schranken 
in autfallender Weise mit einem Bronzegitterpaar des Obergeschosses im 
hiesigen Minister iiberein. 



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Die Kapelle. der karolingischen Pfalz zu Aachen. 45 

gons mit dem Rundschiff vermittelt wurde. Eine solcke Thiir 
(Fig. 1, 61) muss in der westlichen Schranke gewesen sein, da bei 
der Kronung der Konig, nachdem er von der Geistlichkeit empfangen 
worden, direkt zum Chor der Pfalzkapelle gefuhrt wurde. Die in 
der ostKchen Schranke befindliche Thiir, welche den Akolythenchor 
mit dem Hauptchor verband, hiess die heilige Thiir. 

Ausser den das Oktogon umgebenden Schranken waren auch 
solche zur Absperrung einzelner Theile des Rundschiffs im Erd- 
geschoss angebracht. So stand eine Schranke von dem ersten 
Tragpfeiler (Fig. 1, 1) des Oktogons bis zu dem gegeniiberstehenden 
Wandpfeiler (2) und ebenfalls eine solche von dem Pfeiler III, 21 
bis zu dem entsprechenden Wandpfeiler 5. Die Schlitze dieser Schran- 
ken sind, wenngleich zugemauert, noch leicht erkennbar. Durch 
diese Anordnung wurde das nordwestliche und nordliche Quadrat 
nebst dem dazwischen liegenden Dreieck von dem iibrigen Theil 
des Rundschiffs abgetrennt. Auch befand sich zwischen dem Trag- 
pfeiler V, 26 und dem gegeniiberstehenden Mauerpfeiler 10 eine 
Schranke, wodurch das vor dem Chor liegende ostliche Quadrat 
nebst dem daneben siidwarts gelegenen Dreieck abgeschieden wurde. 
Da ein Raum, der als Sakristei diente, bei der Pfalzkapelle nir- 
gend nachzuweisen ist, so ist anzunehmen, dass der Theil des 
Rundschiffs zwischen der letzterwahnten Schranke (26, 10) bis zu 
der 21, 5 als solche diente und nur von Geistlichen betreten 
wurde. Hierdurch erklart sich auch die Nothwendigkeit des friiher 
erwahnten, nordlich von der Pfalzkapelle befindlichen Gangs (Fig. 
1, W). Derselbe war offenbar bestimmt, die Verbindung zwischen 
den Wohnungen der Geistlichkeit zunachst mit der Sakristei und 
dann mit dem Innern des Oktogons, woselbst die Geistlichen ihre 
Tagzeiten abhielten, herzustellen. 

Als die Zeit, in welcher die Schranken aus der Kirche ent- 
fernt wurden, ist wahrscheinlich dor Anfang des 15. Jahrhunderts 
zu erachten, da nach Fertigstellung des neuen Chors die Sitze der 
Geistlichkeit dorthin verlegt wurden, so dass das Oktogon den 
Laien iiberlassen werden konnte. 

2. Der Chorraum. Da ftir die grossern kirchlichen 
Ceremonien, besonders aber bei KrOnungen, der dem Rundschiff 
angebaute Chor zu wenig Raum geboten haben dttrfte, so ist 
wahrscheinlich, dass das Ostliche Quadrat zum Chorraum zugezogen 
worden ist. Zu dieser Annahme berechtigt uns auch ferner noch 
die Notiz, dass Otto III. mitten im alten Chor in einem 2,50 m 



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46 C. Rhoen 

langen Sarkophag beigesetzt wurde \ Wenn nun ftir den Chor 
bloss der vor dem Rundschiff angebaute Theil (Fig. 1, 52, 53, 54, 
55) gemeint gewesen ware, so h&tte der Altar nebst dem ftir die 
kirchlichen Ceremonien erforderlichen Raum nur eine Tiefe von 
2,10 m haben ktfnnen. Ein solch geringer Raum wiirde ftir den 
gewfthnlichen Gottesdienst sogar sich als fast zu klein erwiesen 
haben. Ferner wurde noch der 1215 fertig gewordene Karls- 
schrein, welcher die Gebeine dieses Kaisers enthalt, tiber dem 
Grabe Ottos III. aufgestellt 2 , was den Raum noch weiter beengt 
haben wttrde. Anders verhalt es sich, wenn wir annehmen, dass 
das Ostliche Quadrat zum Chorraum gezogen wurde. Es bot als- 
dann letzteres, trotz der Aufstellung des Karlsschreins tiber dem 
Grabe Ottos III. (welches in diesem Falle als im Ostlichen Quadrat 
liegend anzunehmen ist), hinreichend Raum, um auch die grOssern 
kirchlichen Ceremonien unbeengt vollziehen zu ktanen. Da das 
Gstliche Quadrat des Rundschiffs ohnehin zum Gebrauch der Geist- 
lichkeit diente, mOchte gegen diese Annahme eine Einwendung 
um so weniger begrttndet werden kftnnen 3 . 

3. Die Wolfsthur. An der Stelle (Fig. 1, 45), wo die 
Vorhalle sich dem Rundschiff anschliesst und man jetzt einige 
Stufen hinabsteigt, um aus jener ins Innere des Mtinsters zu 
gelangen, befand sich frtiher ein Abschlussthor von 2,60 m lichter 
Breite und 3,81 m lichter Hohe. Als Verschluss dienten hier 
die jetzt in dem der Vorhalle vorgebauten Portal befindlichen 
bronzenen Thorfltigel. Nachdem man letztere von dieser Stelle 
entfernt hatte, wurde die Thoreinfassung fortgenommen und die 
Oeffnung erbreitert, die steinerne Thorschwelle aber in der Erde 
liegen gelassen. Dieselbe wurde zu verschiedenen Malen theil- 
weise entblosst, und zwar der linke nftrdliche Theil 1868, der 
rechte stidliche 1878. Die blossgelegten Theile zeigten die charak- 
teristischen Merkmale und Profile der karolingischen Bauzeit. 
An den beiden Enden der Schwelle sind die Ansatzstticke ftir 
die darauf zu setzende Thoreinfassung nebst Profil der letztern 



*) Ha age n, Geschichte Achens I, S. 88. 

2 ) Haagen a. a. 0. I, S. 88. 

8 ) Bei den 1861 vorgenommenen Ausgrabungen, deren Ergebnisse in einen 
besondern Plan eingezeichnet wurden, fand man fa9t mitten im ostlichen 
Quadrat des Rundschiffs eine mit Mauerwerk umfasste Vertiefung. Nicht 
unwahrscheinlich ist, dass dieses Mauerwerk zum ehemaligen Grab Ottos III. 
gehSrt hat. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 4? 

noch vorhanden; sie erheben sich etwa 0,16 m tiber die Schwelle 
und sind mit ihr aus einem Stein gehauen. Auch zeigt die 
Schwelle noch die Locher, in denen sich die in Bronze gefertigten 
Biichsen befanden, worin sich die Thorangeln drehten. Das Profil 
der Thoreinfassung (Fig. 7 vergrtfssert dargestellt) bestaud, der 
Lichtflffnung des Thors zun&chst, aus einer Platte von 0,20 m 
Breite, woran sich ein schOn geschwungener Karnies von 0,17 m 
anschloss. Als tussores Glied am Karnies diente eine Platte von 
0,16 m Breite, in welcher eine Vertiefung von 0,08 m Breite 
und 0,01 m Tiefe eingehauen war. Moglicherweise diente letztere 
zur Aufnahme eines Mosaiks. Bei der angegebenen Anlage und 
Dimension muss dieses Thor von kr&ftiger Wirkung gewesen sein. 
Da in der Thorschwelle sich kein Loch befand, das frtiher einen 
Riegel h&tte aufnehmen kOnnen, so ist zu vermuthen, dass die 
Thorflttgel, wie oben S. 20 angedeutet, durch einen holzernen 
Querbalken verschlossen wurden. 

Oberhalb des Thors, nach der Seite der Vorhalle hin, befand 
sich im 17. Jahrhundert in einem Paneel mit grossen goldenen 
Buchstaben eingehauen die Inschrift: 

SANCTISSIMUM TEMPLUM VIRGINIA MARIAE DEVOTE MEMENTO INGREDl 1 . 

Diese Thtir wurde schon von Alters her die Wolfsthttr genannt, 
weil vor und dicht an derselben in der Vorhalle das sp&ter 
draussen aufgestellte Erzbild des Wolfs auf einem Postament stand. 

4. Die Abtrennung der Vorhalle vom Rundschiff 
im obern Geschoss. Die Vorhalle im obern Geschoss war 
ehedem nicht wie jetzt mit dem Rundschiff zusammenhangend, 
sondern durch einen Abschluss davon getrennt. Wie dieser be- 
schaffen war, ist, da sich daselbst Andeutungen vorfinden, die 
scheinbar schwer in Einklang zu bringen sind, nicht recht klar- 
gestellt. Es kOnnen hier zweiArten von Abschluss angenommen 
worden, wovon die eine durch eine Saulenstellung, die andere 
durch eine Thttranlage — wobei jedoch die letztere im obern 
Theil der erstern sich anschliessend — bewerkstelligt worden ware. 

Noppius sagt 2 , dass zwischen dem K5nigsstuhl und dem 
Glockenhaus, der Vorhalle, zwei rOthliche Saulen standen, die 
etwas grosser gewesen wie die andern. Die Angabe ist voll- 
kommen rich tig; diese Saulen befanden sich daselbst, bis sie 1794 



*) Noppius, Aacher Chronick Th. I, S. 20. 
2 ) Ebendaselbst. 



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4S C. fthoen 

durch dio Franzosen geraubt wurden. Noch jetzt zeigen sick an 
dieser Stelle zwei Ans&tze von kleinen Bogen, welche eine vor- 
mals dort vorhandene Reihe von drei kleinon Bogen andeuten 
wie die in den obern Bogen des Oktogons. Auch von dem diese 
Bogen abdeckenden Gesims bofinden sich noch die Ansatze an 
beiden Seiten im Mauerwerk der BogenOffnung zwischen Rund- 
schiff und Vorhalle ; dass auf diesem Gesims zwei kleinere S&ulen 
standen, die ebenso in die BogenOffnung eingepasst waren wie 
die in den obern Bogen des Oktogons, wird dadurch best&tigt, 
dass in der Bogensoffite noch die Stelle angedeutet ist, wo die 
schragen Wtirfel tlber dem Kapitiil dieser Saulen sich diesem 
Bogen anschlossen. Diese erstero Art des Abschlusses wiirde 
sich demnach so gestaltet haben wie der obere Bogen im 
Oktogon. 

Anders dtirfte sich die zweite Art des Abschlusses dargestellt 
haben, welche aus don im Mttnster aufgefundenen Bautheilen zu 
rekonstruiren sein wiirde. Im Fussboden in der Bogenttffnung 
zwischen Rundschiff (Fig. 1, q) und Vorhalle (Fig. 2, R) liegt noch 
jetzt zwischen den Pfeilern 31 und 32 eine 0,86 m breite Thiir- 
schwello, aus drei Stiicken roche de Lorraine-Stein bestehend, 
die unzweifelhaft aus karolingischer Zeit herrlihrt. Ebenso wie 
die gerade unter ihr liegende Schwelle der Wolfsthtir zeigt sie 
noch die Ansatze, auf welchen ehemals die Thiireinfassung gestan- 
den. Diese Ansatze von 0,08 m Hohe bostimmen die lichte Breite 
der ehemaligen Thiir auf 2,05 m. Auch befinden sich in der 
Schwelle dicht neben diesen Ans&tzen noch die Lftcher, in wel- 
chen ehemals die Thtirangeln standen; in der Mitte derselben 
ist gleichfalls noch das Loch erkennbar, welches bei Schliessung 
der Thtir den Riegel aufzunehmen hatte. Diese Schwelle setzt 
nothwendig voraus, dass hier eine zweiflugelige Thtir vorhanden 
war, welche die Verbindung der Vorhalle mit dem Rundschiff 
vermittelte. 

Bei Erorterung der. Frage, wie der Abschluss der Vorhalle 
von dem Rundschiff ursprtinglich angelegt war, darf weder 
die von Noppius gegebene Notiz tiber die dort zu seiner Zeit 
stehenden Saulen, noch die daselbst liegende Thiirschwelle ausser 
Acht gelassen werden. Die Anlage der ersten Art findet ihr 
Ebenbild in den Saulenstellungen der obern Bogen im Oktogon; 
von der zweiten wollen wir versuchen, eine Beschreibung zu geben. 
Die erwahnten an den Enden der Thtirschwelle befindlicheu An- 



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Die Kapelle der karoUngischen Pfalz zu Aachen. 49 

satze weisen auf eine Thtireinfassung kin, die wiederum eino 
Oberschwelle bedingte. Auf dieser Oberschwelle standen zwei 
kurze Saulen, welche die vorhin erwaknten drei kleinen Bogen 
stiitzten. Auf dem die Bogen abdeckenden Gesims standen die 
kleinern obern Saulen, aknlick wie in den Bogen des Oktogons. 
Der nock zwischen der Thtireinfassung und dem Bogenpfeiler 
befindliche Raum war entweder mit Mauerwerk ausgeftillt oder 
mit zwei Gittern besetzt, zu deren Befestigung an den Bogen- 
pfeilern die nock vorkandenen Locker gekauen sein dtirften. 

Legen wir der Hoke der daselbst ekemals befindlicben Tktir 
nebst deren Einfassung das Verkaltniss zu Grunde, welckes die 
im Erdgesckoss stekende Wolfstkttr aufweist, so ergibt sick aus 
der Breite von 2,05 m eine H5ke von 2,95 m fur die Tktir und 
eine Breite von 0,40 m ftir die Einfassung oder die Obersckwelle 
derselben. Nimmt man die beiden angegebenen Hokenmasse, 
ferner die auf der Obersckwelle stekende Saulenbasis mit der 
Plintbe zu 0,15 m und die H5ke des Kapitals nebst darauf steben- 
dem Wtirfel gleick der der untern Saulen im Oktogon zu 0,68 m 
an, so feklt an der zwiscken der Tktirsckwelle und den dartiber 
bervortretenden Ansatzen der kleinen Bogen befindlicben Hoke 
von 5,32 m nock eine Hake von 1,14 m, welcke von den beiden 
Saulenscbaften eingenommen wurde. Zwei Saulensckafte, welcke 
diese letztere Hftko aufweisen, steken jetzt als Prellsteine vor 
der Tktir der Eeuerwekrkaserne in der B endstrasse zu Burtsckeid. 
Diese Saulensckafte befanden sick frtiker vor der Aufgangstreppe 
des abteilicken Klosters in Burtsckeid, von wo sie, als letzteres 
Eigentkum der Gemeinde wurde, an die Feuerwekrkaserne ver- 
setzt wurden. Das zu diesen Saulensckaften verwandte Material 
bestekt an der einen aus edlem, an der andern aus grauem Granit 
und weist Uebereinstimmung mit den Saulen des Mtinsters nacb, 
was durck den gleicken Durckmesser bestatigt wird 1 . 

l ) Es ist m5glich, dass diese Saulen, vielleicht auch noch andere, durch 
Vermittelung des Burgermeisters Gerhard Chorus nach Burtscheid gekommen 
sind. Zur namlichen Zeit, als in Aachen der Miinsterchor errichtet wurde, 
bauten die Nonnen in Burtscheid eine neue Klosterkirche. Chorus interessirte 
sich lebhaft fur den Bau dieser Kirche, welcher er auch eine Schenkung 
machte, deren sehr schon geschriebene und mit Miniaturen verzierte Urkunde 
sich jetzt im Staatsarchiv zu Diisseldorf befinden soil. Die Veranderungen, 
die unmittelbar nach Fertigstellung des Chorbaus im Minister vorgenommen 
wurden, und der Umstand, dass die Form der an tiken Saulen in die gothische 
Architektur nicht recht passte, werden. wohl ihre Uebertragung nach Burt- 
scheid mit veranlasst haben. 



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50 C. Rhoen 

Nach dem Gesagten dtirfte wohl keinem Zweifel unterliegen, 
dass ursprtinglich eine Thtir, etwa wie die oben angegebene, sich 
an der bezeichneten Stelle befand. Ware diese Stelle von vorn- 
herein zur Aufnahmo von untern Saulen bestimmt gewesen, so 
wlirde man daselbst keine Thtlrschwelle gelegt haben, deren Licht- 
weite von 2,05 m mit dem Zwischenraum von 1,30 m, der sich 
zwischen den daselbst stehenden Siiulen befand, nicht in Einklang 
gebracht werden kann. Ein Hinbringen der erw&hnten Thiir- 
schwelle an die jetzige Stelle, nachdem die Franzosen die daselbst 
stehenden Saulen fortgenommen hatten, ist nicht anzunehmen, 
da zu joner Zeit diese Form von Thttrschwellen langst nicht mehr 
gobr&uchlich war, auch das Material derselben von einer Art ist, 
von welcher sich damals schwerlich noch solche Reste vorgofunden 
haben wiirden. 

Fragt man nun, wie das durch die Thiirschwelle gebotene 
Zeugniss mit der von Noppius tiber die ehemals daselbst stehen- 
den Saulen gegebenen Notiz im Einklang zu bringon sei, so kommt 
hierbei die sp&tero Baugeschichte des Mtinsters in Betracht. Als 
zu Anfang des 15. Jahrhunderts der grosse Chor vollendet war, 
fanden im Innern der Kirche vielfache bauliche Um&nderungen 
zur Erzielung grftssern Raums statt. Es bestand damals noch die 
karolingische Choranlage, welche dem Anschluss des Oktogons an 
den nouen Chor im Wege stand und die Durchsicht aus dem 
erstern zum letztern vorhinderte. Um diesen Anschluss und die 
Durchsicht herzustellen, wurde die karolingische Choranlage ab- 
getragen und an der Stelle derselben ein neuer, kleiner Chor im 
gothischen Stil errichtet. Wie oben S. 38 angedeutot, befand sich 
zwischen dem Rundschiff und diesem Chor eine Saulenstellung, 
ahnlich der in den obern Bogen des Oktogons. Da diese eben- 
falls von ihrer Stelle entfernt werden musste, so ist anzunehmen, 
dass man das untere Saulenpaar derselben seiner SchQnheit wegen 
zwischen der Vorhalle und dem Rundschiff aufstellte und dadurch 
diese beidon Raume gegenseitig zuganglich machte. In dieser 
Stellung sind sie nun bis zu ihrer Wegnahme durch die Fran- 
zosen verblieben und von Noppius erwahnt. 

5. Die Fenster. Zur karolingischen Zeit kannte man die 
Kunst nicht, grosse Fensterscheiben zu giessen oder zu blasen. 
Es konnten daher keine mit grossen Glasscheiben versehene Fenster 
hergestellt werden, und man musste sich damit begntigen, in don 
grossern FensterOffnungen Rahmen einzusetzen, welche mehrere 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 51 

Sprossen in Unterabtheilungen schieden, die mit gegossenen 
kleinern Glasscheiben ausgefftllt waren. Um nicht zuviel Licht 
durch diese Sprossen zu verlieren, kam man auf den Gedanken, 
die Rahmen selbst von nicht ganz opakem Material anzufertigen. 
In Roni hatte man schon frtiher zu durchscheinenden Stoinarten 
wie Alabaster und weissem Marmor gegriffen, um Fensterrahmen 
daraus zu fertigen. In der Kirche S. Lorenzo fuori le mura 
sind noch zwei solcher Rahmen vorhanden, die sich durch ihre 
Einfachheit auszeichnen. Der eine besteht aus vier auf einander 
gesetzten Platten von weissem Marmor, deren jede mit 6 runden 
Lftchern versehen ist ? in welche die Glasscheibchen eingesetzt 
sind. Der andere ist ays ebenso vielon auf einander gesetzten 
Platten gobildet, deren jede 38 kleine quadratische Locher ent- 
halt, in welchen jodoch kein Glas gewesen zu sein scheint. In 
S. Martino ai monti in Rom befindet sich ein ahnliehes Fenster, 
in welchem die Sprossen skulptirte Bandverschlingungen bilden. 
Ein besonders interessantes Fenster dieser Art hat sich in Ra- 
venna erhalten. Netzartige Yerschlingungen, von aussen mit Bild- 
hauerarbeit geschmttckt, bilden die Sprossen desselben, an deren 
innern Seiten sich die Falzen befinden, in die das Glas ein- 
gesetzt wurde. Dieser letztere Rahmen rtthrt aus dem 5. Jahr- 
hundert her. 

Die Fensterrahmen wurden von aussen in die dazu gemauerten 
Oeffnungen eingesetzt, zu welchem Zweck die aussern Fenster- 
laibungen grosser als die innern angelegt wurden. 

Dass die Fensterrahmen der Aachener Pfalzkapelle nach dem 
namlichen Prinzip gefertigt waren, unterliegt wohl keinem Zweifel; 
ob sie jedoch aus Marmor bestanden, ist ungewiss. Wir mOchten 
eher annehmen, dass man sie aus Eichenholz hergestellt hat. 
Dass sie jedoch in gleicher Weise wie bei den oben erwahnten 
Fenstern von aussen eingesetzt waren, weist die Anlage der 
FensterOffnungen im Mauerwerk des Miinsters nach, deren ausserer 
Theil grosser wie der innere ist und an der Stelle, die zur Auf- 
nahme des Rahmens bestimmt ist, einen Vorsprung bildet. 

Bereits im 7. Jahrhundert waren Glasfenster in Gebrauch, 
deren Scheiben aus farbigom Glas bestanden. Jede dieser 
Scheiben war jedoch einfarbig; durch die Zusammenstollung von 
Scheiben verschiedener Farbe wurden Figuren gebildet. Wir 
haben Grund anzunehmen, dass auch an der Aachener Pfalz- 
kapelle die Fensterrahmen solche farbige Scheiben enthielten, 

4* 



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52 C. Rhoen 

die durck ihr buntes Licht das Innere derselben belebten. Der mit 
der Leitung des Baus beauftragte Werkmeister wird gewiss nicht 
unterlassen haben, mit dem Sckftnston, was es zu jener Zeit gab, 
die Lieblingskapelle des grossen Kaisers zu sckniticken, zumal 
ihm hierftir in Italien Vorbilder genug zur Ansicht standen. 



IV. Die Bronzearbeiten and Mosaiken der Pfalzkapelle. 

A. Die Bronzearbeiten. 

Einhard sagt \ dass Karl d. Gr. seine Pfalzkapelle mit Tktiren 
und Gittern von gediegenem Erz sckmtic^te, dass er auch Saulen 
von Rom und Ravenna zu dem Bau herbeisckaffen liess, weil sie 
anderswo nicbt zu kaben waren. So viel aucb von den durck 
Karl d. Gr. nack Aacken gebracbten Kunstwerken im Laufe der 
Zeiten abbanden gekommen sein mag, so sind dock, wie es 
sckeint, die grossern Bronzekunstwerke, vielleickt nur mit Aus- 
nakme von zwei Doppeltkiiren, nock alle vorkanden. Zusammen- 
genommen bilden sie einen Scbatz von Bronzearbeiten sekens- 
wertkester Art, wie er nur selten seines Gleicken findet. Von 
diesen Bronzen steken zwei Tkttren nickt mekr an ikrer 
urspriinglicken Stelle, dagegen ist anzunekmen, dass die Gitter 
sick nock da befinden, wo sie ursprtinglick bei dem Bau gesetzt 
wordon sind. 

1. Die Tktiren. Im Innern der Pfalzkapelle befanden sick 
vier kleinere Doppeltktiren, ein grosses und ein kleineres Doppel- 
tkor. Von den kleinern Doppeltktiren ist eine abkanden gekom- 
men, ebenso das kleinere Doppeltkor, so dass jetzt nur nock drei 
Tktirfltigelpaare und zwei Tkorfltigel vorkanden sind. Es sind 
oben die Oeffnungen angegeben, in welcben sick die Tktiren be- 
fanden. Von denselben standen, wie bereits bemerkt, zwei im 
Erdgescboss, die eine an der Nordseite in der Umfassungsmauer 
am Dreieck Fig. 1, e, an der Stelle 43 ; sie ftikrte zu dem Raum T, 
die andere, an der Stidseite am Dreieck 1 bei 44 stebend, ftikrte 
zu den spater zu bespreckenden Gebaulicbkeiten an der Stidseite. 
Die beiden andern Tktiren standen auf dem obern Rundsckiff 
genau tiber den untern, die eine nordw&rts am Dreieck Fig. 2, 1, 
an der Stelle 11; sie ftikrte zum Raum U, die andere an der 



*) Vita Karoli M. cap. 26. 

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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 53 

Sttdseite am Dreieck 1, an der Stelle 12, ftihrte zuin Obergeschoss 
der sttdw&rts angebauten Raume. Das grftssere Thor stand im Erd- 
geschoss zwischen der Vorhalle (Fig. 1, R) und dem westlichen 
Quadrat (q) an der Stelle 45; das kleinere zwischen der obern Vor- 
halle (Pig. 2, R) und dem westlichen Quadrat des Rundschiffs (q) 
an der Stelle 33. 

Die sechs einzelnen Thtirfltigel der drei noch vorhandonen 
Fltigelpaare sind unter sich abgesehen von kleinen Unregel- 
massigkeiten gleich. Jedes Paar bildet eine Thfir von 1,41 m 
Breite und 2,36 m Hohe. Jeder der beiden Thtirflttgel ist der 
Hohe nach in drei Feldor oder Paneele eingetheilt, wovon das 
mittlere mit 1,03 m H5he und 0,47 m Breite das hOchste ist. 
Das obere und untere Paneel bilden Quadrate von 0,47 m Seiten- 
lange. Diese drei Paneele stossen mit ihren Einfassungen an- 
einander und sind nur durch einen Perlenstab getrennt; sie werden 
wieder durch eine sie umschliessende Loiste eingerahmt. 

Das Hauptglied der Paneeleinfassung bildet ein Karnies, 
welcher mit vierlappigen stilisirten Blattern verziert ist; zwischen 
den lotztern befindet sich ein kleiner Knauf. An den Karnies 
schliesst sich nach aussen ein zweifacher und nach innen ein 
einfacher Perlenstab an. Die beiden aussern Perlenstabe sind 
durch einen flachen Rundstab getrennt. Im mittlern Paneel 
befindet sich ein schoner stilisirter Lftwenkopf, um welchen kreis- 
ftrmig herum auf flachem Grunde eine leichte Blattverzierung 
lauft. Dieser Lowenkopf trug im Maul einen Klopfer oder einen 
Ring, der jedoch an keinem Thtirfltigel mehr vorhanden ist. Die 
LOwenkQpfe sind nicht mit den Thttrflttgeln in einem Stttck 
gegossen, sondern darauf festgenietet ; auch sind sie von anderer 
Bronzelegirung als die Thtirflttgel. 

2. Das Thor. Die beiden Thorflttgel, im Erdgeschoss an der 
Stelle Fig. 1, 45 stehend, zusammen 2,68 m breit und 3,87 m hoch, 
sind in ahnlicher Weise ausgeftthrt wie die kleinern Thtirfltigel. 
Die bodeutend grftssere Breite und Hohe indessen bedingte eine 
andere Eintheilung der Paneele. In jedem Thorfltlgol befinden 
sich hier acht derselben, je zwei in der Breite und vier in der 
Hflhe, alle von gleicher Gr5sse, von 0,40 m Breite und 0,72 m 
Hohe. Auch an diesen Thorfltigeln stehen die Paneeleinfassungen 
fast dicht aneinander, und sammtliche Paneele eines jeden Flugels 
sind noch durch eine besondere Leiste eingefasst. Die Fttllung 
der Paneele liegt gegen das Rahmstttck um l 1 /* cm zurtick, die 



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to 



54 C. Rhoen 

Einfassungsloiste besteht nicht aus einem Hauptglied, dem sich 
andere untergeordnete anschliessen, sondern aus einer Aneinander- 
reihung von verschiedenen kleinern, fast flachen Gliedern, wovon 
die am meisten auffalligen ein ebauchirtes hohles Blatt, an das 
sich an jeder Seite ein Perlenstab anreiht, darstellen. Das Haupt- 
glied der aussern, die sammtlichen acht Paneele des Fliigels 
umschliessenden Einfassung bilden flache, aneinander gereihte 
Schlangeneier. Mitten im zweiten Paneel, von unten gerechnet, 
welches zunachst der Thormitte liegt, ist ebonfalls ein Lowenkopf 
angebracht, der jedoch nach einem andern grossern Modell als 
die der Thtirflugel gegossen ist. Auch ist dieser Lowenkopf von 
anderer Legirung und mit eisernen Stiften aufgenietet. 

Sowohl die Modellir- wie die Giesserarbeiten an diesen Thtir- 
und Thorfliigeln sind im Allgemeiuen unkorrekt ausgeftthrt; am 
Thor noch mehr als an den Thttren. Die Einfassung der Paneele 
ist an mehrern Stellen verbogen und das Fiillsttick vielfach un- 
gleich. Die ohne Verzierung gebliebene innere Seite biotet eine 
ziemlich rauhe Flache dar. Die asthetische Auffassung der Ver- 
zierungen zeugt von geringem Geschmack des Yerf ertigers ; da- 
gegen sind die LOwenkQpfe sehr schQn stilisirt und tiichtige 
Arbeiten, die das Kunstverstandniss des Modelleurs beweisen. 

3. Die Gitter. Die acht Bronzegitter, welcho auf dem obern 
Geschoss des Rundschiffs zwischen den Tragpfeilern (Fig. 2, 
I bis VIII) des Oktogons stehen und von einem dieser Pfeiler bis 
zum andern reichen, haben als Hauptform die eines Rahmens von 
3,92 m L&nge und 1,25 m H(3he. Ihrer Ausfuhrung nach bilden 
sie vier verschiedene Paare gloicher Stiicke, die in ihrer Auf- 
stellung einander gegeniiber stehen, so dass beispielsweise das 
eine Stuck im nordwestlichen Bogen (Fig. 2, 1, II) und das andere 
im stidGstlichen (V, VI) steht. Drei Paare sind in je vier Ab- 
theilungen eingetheilt; das vierte Paar, das ostliche und westliche 
Gitter enthaltend, macht hiervon eine Ausnahme. Das erstere 
ist in drei, das letztere jedoch in vier Abtheilungen eingetheilt, 
dieses l&sst in der Mitte noch eine ThtirSffnung von 0,66 m 
Lichtweite frei. Am Fusse dieser Thuroffnung geht der untere 
Einfassungsrahmen durch, so dass beido Seitentheile des Gitters 
doch aus einem Stuck bestehen und zusammen aus einem Guss 
hergestellt sind. Zwei Paare, in den Bogen A, B und E, F stehend, 
sind durch korinthische Pilaster, die das obere Rahmstiick tragen, 
in ihre Hauptfeldor abgotheilt; an den boiden andern Paaron 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 55 

jedoch bilden Rahmstticke, lihnlich den obern und untern, die 
Yortikaltheilung. Die Hauptabtheilungen der Gitter sind wieder 
durch Stabwerk in kleine Droi-, Vier- und Fiinfecke abgetheilt. 
Sechs Gitter, an der Nordost, Nord- und Nordwest-, sowie an der 
Stidost-, Slid- und Stldwestseite sind in Vollguss, die Rahmen 
des ostlichen und westlichen Gitters jedoch in Hohlguss und 
durchbrochen gefertigt; an den letztern ist nur das Stabwerk, 
welches das Gitter in kleinere Dreiecke theilt, massiv. 

Die Ornamentation dieser Gitter ist theils der Architektur, 
theils der Pflanzenwelt entnommen. Die die Hauptabtheilungen in 
den nordwestlichen und sudftstlichen Gittern bildenden Pilaster 
sind vollstandig architektonisch gehalten und kannelirt, wahrend in 
den Pilastern der nordtfstlichen und stidwestlichen Gitter, statt 
der Kannelirung, sich abwechselud Rundstabe und Hohlkehlen 
nebeneinander gestellt befinden, die den architektonischen Formen 
nicht entsprechen. An zwei Gittern, deren oberes Rahmstltck von 
Pilastern getragen wird, ist dieses durch ein feines Rankenorna- 
ment verziort. Die Durchkrouzung des kleinern Stabwerks ist 
an einigen Gittern mit aufgelegten Blumen geschmtickt, wahrend 
an andern die sich kreuzenden Stabe an Ringe anstossen. Diese 
Ringe tragen eine Verzierung von aufgelegten Blumen. In der 
Dekoration ist mehr das pflanzliche als das architektonische 
Element vertreten. Obgleich diese Gitter einige kleinere tech- 
nische Mangel aufwoisen, tragen sie doch ein vollstandig aus- 
gesprochenes kunstlerisches Gepr&ge. 

Es entsteht die Frage, ob diese Thttrflttgel und Gitter, wie 
bisher angenommen wurde, zu Karls d. Gr. Zeit eigens fiLr die 
Pfalzkapelle gefertigt worden seien? Wir glauben diese Frage, 
besonders was die Gitter botrifft, verneinon zu mtissen. Zur Be- 
grttndung sei zuerst angeftthrt, dass die Thttr- und Thorfltigel 
augenscheinlich auf einom niedrigern Standpunkt der Kunst und 
Technik stehen als die Gitter. Der mittelmassige Guss der erstern 
Erzgebilde bozeugt, dass sie nicht aus einer und derselben Werk- 
statt mit den Gittern hervorgegangen sind. Wenn auch die 
Thtirfltigel selbst eigens fur die Pfalzkapelle hergostellt sein 
mOgen, so sind doch die LOwenkopfe derselben von anderer, 
geschickterer Hand mehr im antiken Geist modellirt und weisen 
ein bodeutend grftsseres Kunstverstandniss des Modelleurs auf, 
als os bei demjenigen, welcher die Thtirfliigel fertigte, vorhanden 
war. Es durfte ja einem Giesser nicht schwer fallen, die Thtir- 



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56 C. Rhoen 

fltigel mit den LOwenkOpfen zugleich aus einem Guss herzu- 
stellen. Damit soil aber nicht gesagt sein, dass die Thttrflttgel 
doch zu Karls d. Gr. Zeit selbst mit Benutzung antiker Motive 
ftir die Pfalzkapelle gegossen worden seien, sondern nur die 
MOglichkeit unbestritten bleiben, dass sie aus dieser Zeit her- 
rtihren k5nnen. Es mag zugegeben werden, dass, wenn man den 
Glockenguss zur Zeit Karls d. Gr. in Deutschland betrieb *, dann 
mOglicherweise auch die Thuren hierselbst gefertigt werden 
konnten. 

Anders jedoch verhalt es sich mit den Gittorn. Diese 
stammen entschieden nicht aus der karolingischen Zeit. Die 
Ornamentation, sowie die Bronzelegirung weisen auf eine friihere 
Kunstperiode, etwa die der Mitte des 5. Jahrhunderts hin. In 
der Kirche S. Apollinare nuovo in Ravenna befinden sich Gitter, 
die sich don Aachenern in der Zeichnung vollst&ndig anschliessen. 
Auch in den Kaiserpal&sten auf dem Palatin in Rom befindet sich 
ein Marmorgitter, welches mit den hiesigen nahe Verwandtschaft 
zeigt. Nicht allein die &sthetische Form der Gitter spricht gegen 
sp&tere Entstehung, sondern auch die Technik, welche einen hohen 
Grad der Kunstfertigkeit voraussetzt. Die Kunst des Hohlgusses 
war zur Zeit Karls d. Gr. nicht mehr bekannt oder noch nicht 
bekannt, besonders wenn dieselbe mit dem Guss von durch- 
brochener Arbeit verbunden war. Die Schwierigkeit, eine solche 
Arbeit zu fertigen, war gegen Ende des 8. Jahrhunderts, zu 
welcher Zeit nicht bloss in Deutschland, sondern auch allerorts 
die Kunst auf sehr niedriger Stufe stand, noch nicht tiberwunden. 
Es besteht unseres Wissens aus dieser Zeit keino anderweitige 
Bronzearbeit, welche mit dem 5stlichen und westlichen Gitter in 
Bezug auf Kunst und Technik in Parallele gestellt werden kOnnte. 
Wir k5nnen daher die Gitter als aus der Zeit Karls d. Gr. her- 
rtihrend nicht erachten 2 . 

Die jetzige BeschafFenheit der Gitter zeigt ferner, dass sie 
nicht immer an der gegenwartigen Stelle gestanden haben. Bei 



l ) Vgl. S. 41, Anm. 1. 

*) Anm. d. Red. Die gegentheilige Ansicht, wonach Gitter und Thuren 
Erzeugnisse der karolingischen Metallwerkstatte in Aachen sein sollen, hat 
neuerdings E. aus'm Weerth in den Bonner Jahrbuchern LXXVIII, S. 156 
ff. eingehend begriindet. Vgl. auch desselben Verf. Kunstdenkmaler des 
christl. Mittelalters II, Text S. 23, und Schnaase, Kunstgeschichte, 2. Aufl. 
Ill, S. 626. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 57 

n&herer Betrachtung finden wir, dass an mohrern das Stabwerk, 
welches die kleinern Oeffnungen bildet, durch die Gewohnheit 
der Kirchenbesucher, den Fuss in die untern Oeffnungen zu 
setzen, abgenutzt ist. An mehrern Gittorn, besonders aber am 
westlichen, zeigt sich, dass eine Abnutzung an beiden Seiten 
des Gitters stattgefunden hat. Da nun von der Seite des Okto- 
gons her unmOglich eine Abnutzung hat stattfinden konnen, weil 
von da aus ein h&ufiger Zutritt zu den Gittern unthunlich war, 
auch eine Umwendung der Gitter seit ihrer Einsetzung zur Zeit 
Karls d. Gr., weil keine Veranlassung dazu vorhanden war, nicht 
hat stattfinden kOnnen, so ergibt sich daraus, dass diese Gitter 
frtiher an einer andern Stelle gestanden haben mtissen, wo die 
jetzt dem Oktogon zugewandte Seite damals dem Publikum znge- 
kebrt war. Dieser Umstand diirfte als fernerer Beweis dafiir an- 
zusehen sein, dass die Gitter nicht ftir Aachen gefertigt, sondern 
mit andern Kunstgegonst&nden von anderw&rts hierher gebracht 
worden sind. 

Man hat die in dem wostlichen Gitter befindliche ThtirOffnung 
dahin gedeutet, als ob sie angelegt worden sei, um bei den KOnigs- 
krOnungen als Zugang zum Kronungsstuhl zu dienen. Es ist 
verschiedentlich angegeben worden, dass bei Krftnungen vom Erd- 
geschoss des Oktogons aus eine holzerne Treppe zu dieser Thiir 
ftthrte, und dor Konig hier hinaufstiog, um sich auf den Krflnungs- 
stuhl zu setzen. Wahrend nun einersoits die Meinung ausge- 
sprochen wurde, diese Treppe habe in gerader Linie vom Altar 
zur ThttrOffnung geftlhrt \ hielt man andererseits dafiir, dass man 
sich eine Treppe in zwei Arnien, rechts und links ans Mauerwork 
des Oktogons anlehnend, zu denken habe 2 . Es scheint, dass man 
sich bei Kundgebung dieser verschiedenen Ansichten kein Bild 
von den Unzutr&glichkeiten gemacht hat, welche mne solche 
Einrichtung im Gefolge haben musste, da ein breiter Troppen- 
einbau zu der Zeit, wo man des Raums des Oktogons am meisten 
bedurfte, letztern in bedeutender Weise verengt haben wttrde. 
Es ist weder in irgend einem Kranungsceromoniel, noch in einer 
Beschreibung einer KrOnung, welche letztere oft bis ins kleinste 
Detail gingen, von der Anlage einer solchen Treppe die Rede. 



*) Mertens, Allg. Bauzeitung, Jahrg. 1840, S. 150. 
a )E. aus'm Weerth, Kunstdenkmaler des christl. Mittelalters II, 
Text S. 75. 



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58 C. Rhoen 

Bei der KrOnung Ottos I., die Widukind * boschrieben hat, wird 
ausdriicklich gesagt, dass der Kaiser sich die Wendeltreppe 
(cochleae) hinauf zum KrQnungsstuhl begeben habe. Es muss 
schliesslich bemerkt werden, dass zur Zeit, als Karl d. Gr. die 
Gitter aufstellen Hess, ein Ceremoniol bezliglich zuktinftiger Kr(5- 
nungen noch nicht festgestellt war, und die Pfalzkapelle erst 
von Otto I. an als Kronungskirche diente. 

4. Der Wolf. Das bis vor Kurzem neben dem westlichen 
Eingang des Mtinsters auf einem modernen Postanient stehende, 
jetzt im Gewahrsam des Stiftskapitels befindliche Erzbild einer 
Wftlfin oder Barin ist offenbar eine romische Arbeit. Wann dies 
Gusswerk nach Aachen gekommen, ist unbekannt, wahrscheinlich 
ist es mit den tibrigen Kunstvverken aus Italien hierher gebracht 
worden. Vor Errichtung des jetzigen westlichen Abschlussportals 
an der Vorhalle, die bekanntlich gegen Ende des vorigen Jahr- 
hunderts stattfand, stand dieses Erzbild in der Vorhalle rechts 
vom Eingang an der Mauer ; ihm gegenuber, auf der andern Seite, 
der sog. Pinienapfel. Die Aufstellung des Wolfs an dieser Stelle 
muss wohl vor sehr langer Zeit geschehon sein, da Noppius 2 
bereits das westliche Thor als „Wolfsthtir" bezeichnet 3 . 

B. Die Mosaiken. 

In der Aufzahlung, die Einhard von den Kunstvverken gibt, 
welche Karl d. Gr. aus Italien nach Aachen brachte, geschieht 
von Mosaiken keine Erwabnung. Es ist uns jedoch ein Schreiben 
des Papstes Hadrian erhalten, in welchem er Karl d. Gr. die Er- 
laubniss gibt, von dem Palast zu Ravenna Marmor und Mosaiken 
beliebig zu entnehmen, um seinen Palast damit zu schmttcken. 
Nach den Gesta Trevirorum I, p. 81 soil Karl d. Gr. viele Werke 



*) Widukindi res gest. Saxon, lib. II, ad a. 936. [Vgl. Kopke- 
Dunimler, Jahrbiicher der deutschen Geschichte, Kaiser Otto der Grosse, 
S. 37. D. Red.] 

2 ) Aacher Chronick Th. 1, S. 20. 

3 ) Anm. d. Red. Eine Erwahnung des Wolfs enthalt bereits eine Ur- 
kunde vom 2. Januar 1424 (Quix, Hist. Beschreibung der Miinsterkirche 
S. 148): ,,Jnd van dem wolffe herup* 1 (nach dem Fischmarkt zu), 
„asverre die plaisse gewyet is, sal bliven, alst van alders her geweest hait, 
den burgeren ind burgersen yre erlfgraven dae zo behalden." Zur Deutung 
des Wolfs und des Pinienapfels vgl. Moor ens ansprechende Vermuthung in 
den Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein VIII, S. 230 und XIII. XIV, S. 276. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 59 

von Marmor, sowie auch Mosaiken von Trier, wahrscheinlich aus 
dem Kaiserpalast und den Badern daselbst, entnommen haben. 
Diese Mittheilung hat in sofern Wahrscheinlichkeit fiir sich, als 
die genannten Gebaude zur Zeit des Kaisers bereits in Verfall 
gerathen waren, Karl aber fiir diese Kunstwerke in seiner Pfalz 
und Kirche vortrefflichp Verwendung hatte. Die grOssere Nahe 
Triers im Verhaltniss zu Italien wird auch wohl ein Beweggrund 
fiir die dortige Entnahme dersolben gewesen sein. Dass die in 
Aachen verwandten Mosaiken von altern Gebauden entnommen 
und nicht eigens fiir die Pfalzkapelle angefertigt wurden, ist 
dadurch nachgewiesen, dass an sehr vielen Pasten aus den altern 
Mosaiken des Munsters sich zweierlei Kitt befand, wovon der 
untere von dem Gebaude herriihrte, woran diese Pasten zuerst 
verwandt waren, w&hrend der obere von der Kuppel der Pfalz- 
kapelle herstammte. 

Die altern Geschichtschreiber Aachens, a Beeck (Uebersetzung 
von Kantzeler S. 78), Noppius (Aacher Chronick Th. I, S. 25) und 
Blondel (Thermarum Aquisgranensium et Porcetanarum elucidatio, 
Ausg. von 1688, p. 8) borichten iibereinstimmend, dass ausser 
den Mosaiken in der Kuppel sich noch Reste von solchen an dem 
GewQlbe der Vorhallo und besonders in den Fensterlaibungen 
befanden. Die Mittheilung, dass auch die Fensterlaibungen mit 
Mosaiken geziert waren, diirfte das ehemalige Bestehen von sol- 
chen in dem Tambour der Kuppel voraussetzen. Die daselbst 
mit Mosaikbildern bedeckte Flache kann jedoch nur die gewesen 
sein, welche sich oberhalb der Bogen des obern Rundschiffs, und 
zwar von doren Kampfern ab bis zur Kuppelleiste, bofindet. Nur 
durch das , Anbringen von Mosaiken im Innern dos Oktogons 
konnten die der Fensterlaibungen durch Anschluss an erstere 
geniigende Motive erhalten. Die Uebereinstimmung in der Be- 
handlung der innern Mauerflachen des Tambours mit der der 
Kuppel verleiht dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit. Beide 
Flachen waren in gleicher Weise durch einen gelblichen Mortel 
ausgefugt, worauf der Kitt haftete, in welchen die Mosaikpasten 
eingesetzt waren. Welchen Schmuck der iibrige Theil der innern 
Flachen des Oktogons darbot, entzieht sich bis jetzt unserm 
Wissen. Die Annahme, das Innere des Oktogons und besonders 
die Pfeiler seien mit Marmortafeln bekleidet gewesen, kann nicht 
begriindet werden, da beim Abhauen der friiher auf den Wanden 
und Pfeilern befindlichen Pliesterung und Stuckaturarbeiten im 



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60 C. Rhoen 

J. 1868 keine Spuren von Metallhaken, womit solche Platten noth- 
wendig an der Mauer befestigt gewosen sein mussten, zu Tage 
traten. Auch wtirden solche Platten, auf den Wand- und Pfeiler- 
flachen angebracht, die untern feinen Gliederungen der Gesimse 
und Kampfer verdeckt haben. Diese Profile hatten mit Rticksicht 
auf die Dicke der anzubringenden Platten gehauen werden mtissen, 
wovon jedoch nirgends eine Andeutung zu sehen ist. Eine solche 
Marmorverkleidung wtirde an sich der Dekorationsweise der karo- 
lingischen Zeit nicht ontgegen gewesen sein. 

Die Mauerflachen dos untern und obern Rundschiffs scheinen 
ursprilnglich koinen Mosaikschmuck erhalten zu haben. Wir ent- 
nehmen dies aus dem von einem unbekannten Verfasser geschrie- 
benen Leben des Liitticher Bischofs Balderich, worin gesagt wird, 
class, von Otto III. aus Italien nach Aachen gerufen, der MOnch 
und Maler Johannes die dortige Kirche mit Malerei geschmtickt 
habe. Von dioser Malerei sind noch Ueberreste in der obern 
Vorhallo und dom westlichen Quadrat des Rundschiffs, ferner in 
einem zugemauerten Fenster des Rundschiffs, sowie in einer Thtir- 
Ofifnung in der ntfrdlichen Wendeltreppe vorhanden. In der ver- 
haltnissmassig kurzen Zeit von 200 Jahren, die zwischen der 
Fertigstellung der Pfalzkapelle und der Regierungszeit Ottos III. 
verflossen war, konnten unmftglich Mosaiken, falls solche daselbst 
angebracht, so zerstOrt worden sein, dass man sie durch Malerei 
hatte ersetzen mtissen. Ob der untere und obore Chor mit 
Mosaiken geschmtickt war, wird schwer zu ermitteln sein. 

1. Die Mosaiken der Kuppel. Zur Zeit des Noppius, 
urn 1625, scheinen die Mosaiken der Kuppel noch in ziemlich 
gutem Zustand gewesen zu sein, da derselbe keine Beschadigun- 
gen derselben erwahnt. Er spricht sich bowundernd tlber sifc 
aus und beschreibt sie als einon goldenen Berg, der mit wtirfel- 
ftfrmigen, doppelt tibereinander geftigten Glasern, zwischen welchen 
sich je zwei Gran Gold befanden, oingelegt sei und daher einen 
owigen Schein gabe, der unverweslich bleibe, wenn nur das Bett, in 
welches diese Steine versetzt, vor Regen und anderer Unsauberkeit 
bewahrt werde l . Im Allgemeinen sprechen sich die altera Schrift- 
steller, wolche das Innore des Milnsters sahen, besonders tiber 
die Pracht der Mosaiken aus, die zu dieser Zeit h5her als jetzt 
geschatzt wurden. Versetzt man sich in die Zeiten zurtick, als 



*) Noppius, Aacher Chronick Th. I, S. 25. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 61 

das Innere des Mttnsters sich noch intakt zeigte und die herrlichen 
S&ulen und Mosaiken von den Wanden und der Decke herab- 
leuchtoten, als der Fussbodenbelag noch sein aus buntein Marmor 
bestehendos schones opus alexandrinum zeigte, restaurirt man 
sich in Gedanken diese herrlichen, jetzt nicht mehr vorhandenen 
Kunstwerke, so wird die Pfalzkapelle einen Anblick gewahrt haben 
so prachtig, wie ihn jetzt nur wenige Kirchen der Welt mehr 
bieten kOnnen. 

Die scenische Darstellung der ursprttnglichen Bilder der 
Kuppel war im Allgemeinen die namliche wie die der jetzigen 
neuern Bilder. Das ursprtingliche Bild ist uns in Ciampinis 
Vetera monimenta (Taf. XLI, p. 134) in einer, wenn auch mittel- 
m&ssigen Abbildung erhalten. Es stellt die 24 Aeltesten vor, 
wie sie (Apocal. cap. 4) ihre Kronen dem auf dem Thron sitzen- 
den Heiland darbieten — dieselbe Darstellung, wie sie sich mehrfach 
in alten Kirchen, z. B. im Laterau, S. Paul ausserhalb der Mauern 
Roms u. s. w. findet. In den Details weichen aber die beiden 
Darstellungen, die karolingische und die neuere, in sofern von 
einander ab, als die Zeichnung des Ciampini noch die Sessel 
aufweist, von weichen die Aeltesten sich eben erhoben haben, 
diese aber auf dem neuern Bild fehlen. Am Fusse des alten Bilds, 
unterhalb des Throns, auf welchem der Heiland sass, war das 
Monogramm Christi dargestellt. 

Als vor einigen Jahren die im vorigen Jahrhundert an der 
Kuppel angebrachten Stuckverzierungen entfernt und die ursprttng- 
lichen Mauerflachen blossgelegt wurden, fanden sich auf den 
Gewolbefl&chen der Kuppel Reste von Zeichnungen in brauner 
Farbe, die sich auf den Gegenstand der fruhern Darstellung 
bezogen. Diese Zeichnungen scheinen als Yorbilder fur die Mosaik- 
arbeiter gedient zu haben, da man wahrscheinlich in jener Zeit 
das Htilfsmittel der Kartons nicht kannte. Durch den Architekten 
Lambris sind die Zeichnungen kopirt und die Kopien dem Stifts- 
kapitel tibergeben worden. Auch fanden sich in dem Kuppel- 
gewfllbe mehrfach rundo Vertiefungen von etwa 0,30 m Durch- 
messer und 0,03 m Tiefe vor. Es ist wahrscheinlich, dass sich in 
diesen Vertiefungen frtiher vergoldete Motallschoiben befanden, die 
statt der jetzt in Mosaik angebrachten Sterne die Ausfttllung dor 
sonstleeren Raume des Bilds in prachtvoller Weise bewerkstelligten. 

2. Die Mosaiken der Fenster und der Vorhalle. 
Von den Darstellungen der Mosaikbilder, die sich ehemals in den 



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62 C. Rhoen 

Fensterlaibungen des Oktogons und im Gew5lbe der untern Vor- 
halle befanden, ist nichts mehr bekannt. Wir finden nur sehr 
dtirftige Nacbrichten liber diese Mosaiken bei a Beeck, Noppius 
und Blondel; eben genug, um zu wissen, dass Mosaiken dort 
vorhanden waren. Wenn aucb anzunebmen ist, dass in den 
Fensterlaibungen das vielfach vorkomniende Rankenornament sich 
vorfand, so ist das Bild, welcbes sich in der Vorhalle zeigte, 
uns vollig unbekannt, und es wird schwer halten, den Gegen- 
stand seiner Darstellung zu ermitteln. 

Als zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in der Architektur 
der Rococcostil auftrat, in dessen schwulstige und bewegte Formen 
die Mosaiken durch Ernst und Ruhe nicht passten, mussten 
letztere entfernt werden, um im Innern des Mttnsters Ornamente 
in diesem Stil anzubringen. Es ist nicht anzunehmen, dass sie 
etwa so schadhaft gewesen seien, dass ihre Entfernung geboten 
gewesen ware, da kaum 30 Jahre vorher Blondel 1 noch von 
ihrer guten Erhaltung spricht. Es war daher bloss der Geist 
der Neuerungssucht, dem diese Bilder zum Opfer fielon, ebenso 
wie viele andere Theile des Ministers. Von den Mosaiken der 
Vorhalle, welche mehr den Einfltissen der Witterung und 
Feuchtigkeit ausgesetzt waren, scheint zur Zeit des Noppius 
wenig mehr vorhandon gewesen zu sein, doch werden sie 
noch von Blondel erwahnt. Der im Februar 1686 verstorbene 
Propst Vanderlinden, welchor zu Ciampinis Werk Zeichnung 
und Beschreibung der Mosaiken der Kuppel lieferte, ge- 
denkt in dieser Beschreibung keiner sonstigen Darstellungen 
dieser Art. 

3. Der Fussbodenbelag. Mit den Mosaiken in Ueber- 
einstimmung war der Fussbodon des Erd- und Obergeschosses 
hergestellt. Er war zusammengesetzt aus einer Unzahl kleiner 
Marmor- oder Porphyrplatten, die, nach einer gewissen Zeichnung 
gelegt, durch die verschiodenen Farben der Marmore dem Auge 
ein angenehmos Bild zeigten. Diese Art von Fussbodenbelag 
wurde opus alexandrinum genannt. Die Fertigung solcher Be- 
lage war eine ausserst kostspielige. Dabei waren sie wegen der 
geringen Gr(5sse der verwandten Steine der Abnutzung und dem 
Verderben mehr unterworfen als die aus grossen Steinen ge- 
fertigten. 

») L c. p. 8. 



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Die Kapelle der katolingischen Pfalz zu Aacheil. 63 

Von den urspriinglichen Belagen der Pfalzkapello hat sick 
im nordlichen Quadrat des Obergeschosses ein Rest von etwa 1 qm 
GrOsse erhalten, der die urspriingliche Zeichnung verrath. Im 
Erdgeschoss des Mtinsters hat sich von einem solchen Belag 
nichts mehr gefunden. Es kann indessen keinem Zweifel unter- 
liegen, dass ein solcher sich ebenfalls daselbst befunden habe. 
Als im Sommer 1878 an dor Nordseite des Mtinsters Ausgra- 
bungen stattfanden, wurden mehrfach Marmorpl&ttchen aufgefunden, 
die ihrer Form nach zu nichts Anderm gedient haben konnten, 
als zu einem Fussbodenbelag. Mehrere dieser Plattchen stimmten 
in ihrer Form und GrOsse, sowie in der Farbe des Marmors mit 
denen des erwahnten Restes im Obergeschoss tiberein und haben 
augenscheinlich diesom Belag angehort. Viele andere der da- 
selbst aufgefundenen Plattchen aus weissom, blauem und fleisch- 
farbigem, der hiesigen Gegond fremdem Marmor hatten einem 
andern Belag angehort. Die grtissten dieser Plattchen, aus 
fleischfarbigem Marmor, in langlich sechseckiger Form, massen 
0,16 m in der Lange und 0,07 m in der Breite. Andere von 
blauem und dunkelm Marmor waren quadratisch, ihre Seiten 
hatten eine Lange von 0,05 und 0,11 m. Zweifellos rtthren diese 
letzterw&hnten Plattchen vom Belag des Erdgeschosses her. 
Leider ergaben die Ausgrabungen, die sich nur auf eine kleine 
Flache erstreckten, eine zu geringe Zahl von verschiedenen Formen 
einzelner Plattchen, um aus ihnen die Zeichnung dieses Belags 
rekonstruiren zu k5nnen. 

Der obenerwahnte, auf dem Obergeschoss liegende Rest des 
urspriinglichen Belags bosteht aus weissem, rothem und dunkelm, 
meist fremdem Marmor. Die Aneinanderreihung der oinzelnen 
Plattchen ist mit so grosser Sorgfalt geschehen, dass noch jetzt 
die Fugen sich als sehr klein erweisen, wozu indessen auch die 
Gtite des verwandten Mortels mit beigetragen haben mag. 

Der urspriingliche Fussbodenbelag war zur Zeit des a Beeck 
(1620) bis auf kleine Reste entfernt. Derselbe berichtet 1 , „dass 
von dem Fussboden des obern, sowie des untern Mtinsters, der 
mit Marmorstlickchen in Mosaik vordem belegt gewesen sei, da- 
mit das Obere dem Untern ontspreche, nur wenige Spuren mehr 
vorhanden seien". Blondel spricht nur von Resten, die im obern 
Geschoss zurtickgeblieben seien. 



! ) Aquisgranum, Uebersetzung von Kantzeler, S. 78. 



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64 C. Rhoen 

4. Der Mosaikbelag. Der in Plattchen gelegte Fussboden- 
belag des obern Geschosses reichte nur bis zum Anfang der 
Rundung der Nischen in den Umfassungsmauern ; der Kreis- 
abschnitt, der den Grundriss der Nischen bildet (Fig. 2, 34, 35 36), 
war in Marin orpasten-Mosaik hergestellt. Von solchem Mosaikbelag 
sind nur noch kleino Reste in der Nischenrundung des nOrdlichen 
Quadrats, sowie in jener der Vorhalle (17, 37, 18) vorhanden. 
Die mit diesen Pasten belegte Flache tiberschreitet an keiner 
Stelle den Vorsprung der Pfeiler an der Nische. In dem nOrd- 
lichen Quadrat des Rundschiffs schliessen sich dieselben dicht an 
den nur bis zu dieser Pfeilerlinie reicbenden ursprtlnglichen 
Plattenbelag an. In der Vorhafle ist er jetzt durch den sp&ter 
unregelmassig angeschlossenen neuern Belag begrenzt. 

Die zu diesem Mosaikbelag verwandten Pasten haben, wie 
die vorhandenen Reste nachweisen, eine Kopffl&che von etwa 2 /s 
qcm und eine Lange odor Hohe von etwa 3 cm; sie bestehen 
aus verschiedenfarbigen Marmorsorten. Die Aneinandersetzung 
der einzelnen Pasten ist sehr unregelmassig und ersichtlich von 
nicht sehr kundiger Hand geschehen ; man hat indessen versucht, 
durch Anordnung der verschiedenen Farben Blumen und sonstige 
Figuron in Mosaik hervorzubringen, von denen in den nur mehr 
vorhandenen kleinen Resten Spuren zu finden sind. Der zur 
Befestigung verwandte Mortel ist von bedeutender Festigkeit. 

Augenscheinlich ist der Pastenbelag gleichzeitig mit dem 
auf dem Obergeschoss ehemals liegenden Plattenbelag. Beide 
sind unzweifelhaft aus karolingischer Zeit. Zu keiner andern 
sp&tern Zeit wtirde man dazu tibergegangen sein, an der betreffen- 
den Stelle Pastenmosaik zu legen. Nur das Bestreben, die alt- 
rflmische Bauweise, modus romanus, wie Einhard sie in einein 
Brief nennt 1 , an der Pfalzkapello anzuwenden und das ganze 
Bauwerk in der einheitlichen Weise konsequent durchzufQhren, 
konnte hierzu die Veranlassung sein. 

V. Die SSulen. 

Was vor Alleni dem Innern der Pfalzkapelle zur ausser- 
gewOhnlichen Zierde gereichte, waren die von Karl d. Gr. nach 
Aachen gebrachten und hier aufgestellten antiken Saulen. Die 



') Vgl. Nassauisclie Annalen fur Alterthumskunde und Qeschichtsforschung 
XII, S. 298 und XIII, S. 109. 



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Die Kapelle der karolingiscben Pfalz zu Aachen. 65 

verschiedenfarbigen Marmorarten derselben, sowie ihre schone 
Politur harnionirten mit dem Glanz der Mosaiken. Noch jetzt 
bilden sie eine Reihe von Saulen aus kostbarem Gestein, wie sie 
in Deutschland nirgend mehr angetroffen wird. Die tiberwiegende 
Mehrzahl derselben stand in den hohen Bogen des obern Rund- 
schiffs in doppelter Stellung tlber einander, in reicher Weise die 
grossen Oeffnungen dieser Bogen ausftillend. Auch in dem 
grossen, in der westlichen Abschlussmauer der obern Vorhalle 
befindlichen Fenster standen ehemals 4 Saulen, je 2 und 2 tiber 
einander, die nach vorhandenen Spuren eine ahnliche Aufstellung 
zeigten, wie die in den obern Bogen des Oktogons. 

Wie bereits mehrfach erw&hnt, gab Papst Hadrian Karl d. 
Gr. die Erlaubniss, aus dem Palast zu Ravenna Marmor und 
Mosaiken beliebig zu entnehmen, um sie an seiner Pfalz zu ver- 
wenden. Einhard sagt *, dass der Kaiser Saulen und Marmor 
aus Rom und Ravenna herbeischaffen liess, die sonst nirgend zu 
haben waren. Es ist bis jetzt nicht festgestellt, welche Kunst- 
gegenstande er speziell aus jeder der beiden St&dte entnahm. In 
Ravenna hat sich die Tradition von der Wegftihrung von Kunst- 
gegenstanden durch Karl d. Gr. erhalten, und die Ravennaten 
wollen, wie wir dort erfuhren, wissen, dass er, ausser den Kunst- 
gegenst&nden aus dem Palast Theoderichs, auch solche aus der 
jetzt nicht mehr existirenden, zur Zeit Karls d. Gr. aber noch 
intakten, wenn auch wenig benutzten Kirche S. Lorenzo in classe 
entnommen habe. Auch sollen aus S. Apollinare in classe Bronze- 
gegenst&nde durch ihn entftthrt worden sein. Man darf wohl 
annehmen, dass der bei Weitem grossere Theil der nach Aachen 
gebrachten Kunstwerke aus dieser Stadt herruhrt. Nach Agnellus, 
der zur Zeit Ludwigs d. Fr. in Ravenna lebte, sollen die Sfthne 
Karls d. Gr. den Raub fortgesetzt haben. 

Vermuthlich um den Papst Hadrian ftir die (iberlassenen 
Kunstgegenstande zu entschadigen, schenkte Karl d. Gr. ihm 
einige schone Pferde und lieferte Holz und Zinn fur die Restaura- 
tion rtfmischer Kirchen. Bekanntlich stiftete er auch testamen- 
tarisch eine der in seinem Palast zu Aachen befindlichen silbernen 
Tafeln nach Ravenna. In wieweit dieso Schenkungen einen Aus- 
gleich ftir die nach Aachen gebrachten Kunstgegenstande bildeten, 
mag unerOrtert bleiben. 



x ) Vita Karoli M. cap. 26. 



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66 C. Rhoen 

1. Die Saulenschafte. Die Zahl der noch zu Ende des 
vorigen Jahrhunderts im Mtinster vorhandenen Saulen lasst 
schliessen, dass noch Saulen an andern als an den bis jetzt von 
uns bezeichneten Stellen aufgestellt gewesen sein mtissen. Die 
verschiedenen Schriftsteller, welche iiber das Mtinster geschrie- 
ben haben, geben nur geringe Auskunft. Noppius sagt zwar 1 , 
dass ausser den 32 Saulen, die in den Bogen des Oktogons 
standen, sich noch weitere Saulen auf dem Obergeschoss be- 
funden hatten. Von ihnen hatten ein Paar grflssere, rOthliche 
zwischen dem Rundschiff und der Vorhalle, und 4 Saulen, wo von 
das eine Paar grtin, das andere weiss, unter dem Kreuz 2 ge- 
standen. Allein von den weitern Saulen, die sich zu seiner Zeit 
im Mtinster noch vorfinden mussten, berichtet er nichts. Die im 
Jahre 1839 durch Mertens 3 gemachte Aufzahlung dor ehemals 
im Mtinster befindlichen Saulen weist 46 nach. In diese Zahl 
mit eingeschlossen sind jedoch die beiden Saulen, welche im 
Jahre 1823 in dem Garten gefunden wurden, der sich an der 
Stelle des Domhofs befindet, wo ehemals die St. Katharinenkapelle 
stand 4 . Auch wurde frtiher an dieser Stelle die weisse kannelirte 
Saule gefunden, die sich augenblicklich in der Taufkapelle be- 
findet, die abor in der Mertensschen Aufzahlung nicht enthalten 
ist. Hierher dtirften ferner die 2 Saulensttimpfe in Burtscheid 
gehOren, von denen oben (S. 49) bereits die Rede war. 

Bekanntlich wurden die im Mtinster befindlichen Saulen im 
Jahre 1794 durch die Franzosen geraubt und nach Paris ver- 
bracht. Durch die Vermittelung der verbtindeten Machte kam 
1815 ein Theil der geraubten Saulen und Kunstwerke nach Aachen 
zurtick; 16 Saulen und ein Sttick verblieben in Paris. Unter 
diesen letztern, welche tiberhaupt die schOnsten der Aachener 
Saulen waren, sind 4 wirkliche Prachtexemplare von rothem 
orientalischen Granit (porfido rosso); sie tragen im Louvre, in 
der ehemaligen salle des empereurs romains, den Thronbaldachin. 



1 ) Aacher Chronick Th. I, S. 22. 

2 ) Auf dem Obergeschoss war zwischen dein Oktogon und Chor ein 
eisernes Schutzgitter angebracht, in welchem zur Verstarkung vier Saulen 
aufgestellt waren. Diese Saulen trugen ein in der ganzen Breite des Chors 
sich erstreckendes Gebalk, auf welchem in der Mitte ein grosses Kruzifix und 
zu beiden Seiten die Statuen der h. Jungfrau und des h. Johannes standen. 

8 ) Forsters Bauzeitung 1840. 

4 ) Quix, Hist. Beschreibung der Miinsterkirche S. 50. 



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Die Eapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 67 

8 andere aus edlem Granit sind in der salle de la paix ou de 
Rome aufgestellt *. Wo die iibrigen Stolen sich in Paris befinden, 
haben wir nicht erfahren kGnuen. 

Die Klassifizirung der von Paris nach Aachen zurtickge- 
kommenen Stolen durch NGggerath 2 weist 30 Stolen auf, von 
denen eine in zwei Stiicke gebrochen war. Von dieser Zahl ist 
jedoch die oben erw&hnte, in der Taufkapelle befindliche kanne- 
lirte Stole aus weissem Marmor ausgeschlossen. Von den 30 
Saulen sind 18 aus Granit, 2 aus Porphyr, 10 und ein Sttick aus 
Marmor. Die Granitstolen, wenn auch verschieden im Ansehen, 
bestehen sammtlich aus kleinkornigem Granit, im Alterthum 
Syenit genannt. Die italienischen Marmorarbeiter nennen den 
Stein granito bigio. Diese Saulen riihren wahrscheinlich aus den 
Steinbrlichen der Insel Elba her. Die beiden Porphyrsaulen be- 
stehen aus grttnem Aphanit-Porphyr, dem porfido verde der 
italienischen Steinschleifer; sie sind von wunderbarer Schftnheit. 
Dieses Material ist selbst in Rom sehr selten, was ffir den hohen 
Werth der Saulen spricht. Wie allgemein angenommen, stammen 
sie aus Aegypten. 

Die 10 Marmorsaulen bestehen aus 3 verschiedenen Marmor- 
arten; von ihnen sind 4 Saulen aus Carraramarmor, 1 von verd' 
antico und 5 aus bleu turquin ordinaire. Der carrarische Mar- 
mor, woraus die erstern gefertigt sind, ist, wie (iberhaupt dieser 
Marmor zweiter Gattung, nicht gleichin&ssig weiss, vielmehr laufen 
grauaderige und wolkige Flecken hindurch, auch sind die Saulen 
nicht alle von der n&mlichen Farbe. Im Allgemeinen haben sie 
eine graue Schattirung. Die italienischen Marmorschleifer nennen 
diese Variet&t breccia bianca. Die Stole aus verd' antico ist ein 
wahres Prachtstttck. Sie ist aus mehrfarbigem Marmor, welcher 
mit intensiven grtinen Talkflecken breccienartig durchsetzt ist, 
ein Marmor, der selbst in Rom nur ausserst selten vorkommt. 



*) Die 4 Porphyrsaulen, welche in der ehemaligen salle des empereurs 
romains den Thronbaldachin tragen, sind von gleicher Grosse; die von uns 
vorgenommene Messung ergab einen Umfang von 1,364 m, der einem Durch- 
messer von 0,431 m entspricht, und eine Hohe von 3,442 m. Die 8 kleinern 
Saulen in der salle de la paix ou de Rome, ebenfalls von gleicher Grosse, 
ergaben einen Umfang von 1,140 m = 0,363 m Durchmesser bei einer Hohe 
von 2,925 m. An Schonheit des Materials und guter Erhaltung stehen die 
nach Aachen zuruckgekommenen Saulen jenen bedeutend nach. 

*) Lersch, Niedcrrheinisches Jahrbuch 1843, S. 193 ff. 

B* 



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68 C. Rhoen 

Die Herkunft dieser Stole ist unbekannt. Die 5 Stolen aus bleu 
turquin, in Italien auch basilio genannt, von dunkelhimmelblauer 
Farbe, sind ebenfalls sch5ne Marmore. Die beiden Stolen aus 
bleu beige werden ihre Herkunft wohl nicht so weit zu suchen 
haben wie die vorhergenannten Marmore; sie dtirften aus der 
Gegend zwischen Ltittich und Namur sein. 

Die erwahnte kannelirte Saule, die sich jetzt in der Tauf- 
kapelle befindet, ahnelt wegen ihres groben Korns mehr dem 
parischen als dem carrarischen Marmor und diirfto daher der 
erstgenannten Marmorart beizuzahlen sein. Von den beiden in 
Burtscheid befindlichen Saulensttimpfen ist der.eine aus edlem, 
der andere aus grauem Granit. Von dem letztern Material sind 
auch die beiden hintern Stolen des Ciboriumaltars im gothischen 
Chor. In der Armeseelenkapelle liegen augenblicklich noch eine 
vollstandige Granitstole und mehrere Saulenstticke, theils aus 
Granit, theils aus bleu beige, die ebenfalls durch die Franzosen 
mit nach Paris genommen und von da zurtickgekommen sind. 
Die noch vollstandige Stole, welche kleiner ist als die obern 
Stolen des Ministers, dtirfte nach ihren Massen ehemals ent- 
weder zum Abschluss am Chor oder an der Vorhalle verwandt 
worden sein. 

2. DieKapit&le. Von s&mmtlichen nach Paris geschleppten 
Saulenkapitalen sind nur 10 wieder nach Aachen zurtickgekom- 
men. Hiervon sind 3 Stiick im Jahre 1843 bei der Wieder- 
aufrichtung der Saulen im Mtinster zu Kapitalen von obern Stolen 
umgeandert worden; die tibrigen 7, alle antik, befinden sich 
im Bauhof des Mtinsters 1 . Diese Kapitale lassen sich in drei 
Klassen eintheilen, in griechisch-korinthische, in r5misch-korin- 
thische, die vollendet sind, und in r5misch-korinthische, die nur 
ebauchirt sind. Von der ersten Klasse ist nur je ein Kapit&l 
vorhanden, die tibrigen bekunden, dass sie, mftglicherweise mit 
Ausnahme von 2, s&mmtlich von verschiedenen Gebtoden ent- 
nommen sind. Zur bessern Unterscheidung gestatten wir uns, 
die einzelnen Kapitale mit Nummern zu bezeichnen. 

Das griechisch-korinthische Kapital (Nr. 1), aus ponthelischem 
Marmor gefertigt, ist bis oberhalb des Abakus 0,448 m hoch, der 
untere Durchmesser betrftgt 0,300 m und die Hohe der Vaske bis 



*) Anm. d. Red. Sie werden jetzt im stadtischen Museum aufbewahrtj 
vgl. Fiihrer durch das Suermondt-Museum 1886, S. 15. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 69 

zur Unterkante des Abakus 0,387 m. Der Stil des Kapitals weist 
auf spatgriechische Zeit hin, das Blatt hat die Form des Akanthus, 
ist jedoch ziemlich flach gehauen, die Lippen desselben, da wo 
die Blatterabtheilungen sich begrenzen, sind sehr flach, auch sind 
die Voluten nicht besonders schfln ausgehauen. Statt der Stirn- 
blume ist ein Stengel mit drei Blattern von ziemlich roher Arbeit 
angebracht. Dies Kapital ist jedenfalls, bevor es nach Aachen 
kam, aus Griechenland, seiner Heimath, nach Italien gebracht 
worden. 

Die zweite Klasse, die vollstandig ausgeftihrten rOmisch- 
korinthischen Kapitale, weist ftlnf Sttlck auf, sammtlich in tiber- 
einstimmender Form. Sie zeigen zwei untere Blattreihen, Eck- 
voluten, Kaulikolen und Stirnblumen. Der Rand der Blatter hat 
den olivenfOrmigen Ausschnitt, wie ihn die rOmisch-korinthischen 
Blatterornamente der Kapitale im Allgemeinen aufweisen. Das 
Material ist carrarischer Marmor, die Ausftihrung ist aber eine 
mittelmassige und verrath keine sonderlich kunstfertige Hand. 
Von diesen 5 Kapitalen sind, wie oben bemerkt, 2, die nach ihrer 
Uebereinstimmung in GrOsse und Form ursprtinglich zu dem nam- 
lichen Gebaude gehtfrt haben m5gen (Nr. 2 und 3). Beide Kapitale 
haben fast gleiche Htfhe, Nr. 2 weist 0,520 m auf, w&hrend Nr. 3 
0,525 m in derBMe misst, der untere Durchmesser eines jeden 
betragt 0,365 m, die Hahe der Vaske bei Nr. 2 0,465 m, bei 
Nr. 3 0,482 m. Beide Kapitale sind mit in der Form tiberein- 
stimmenden Blattreihen, Voluten, Kaulikolen und Stirnblumen 
geschmtlckt. Bei der Ausftihrung ist vielfach der Bohrer ange- 
wandt worden. Behufs Anpassung an den obern Theil des 
Saulenschafts bei Verwendung dieser Kapitale an einem spatern 
Bau ist der untere Theil der Blattreihen zur Verminderung des 
Durchmessers in ziemlich roher Weise fortgehauen worden. Bei 
Nr. 2 ist oben im Abakus eine Vertiefung von 0,420 m Lange 
und Breite und 0,038 m Tiefe angebracht, wahrscheinlich um 
einen Aufsatz aufzunehmen. 

Das Kapital Nr. 4 hat einen untern Durchmesser von 0,291 m; 
die ganze Hohe desselben einschliesslich des Abakus betragt 
0,415 m und die der Vaske 0,370 ra. Auf dem Abakus befindet 
sich ein Skamellum von 0,350 m Seitenlange und 0,018 m H5he. 
Ausser dem Mittelloch in der Oberflache des Abakus, welches 
dazu diente, die Dollen zur Befestigung des Architravs aufzu- 
nehmen, befinden sich daselbst 3 gr&ssere und 3 kleinere L5cher, 



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70 C. Rhoen 

welche auf eine Wiederverwendung desselben an einem spatern 
Bau schliessen lassen. 

Von fast gleicher Grflsse wie Nr. 4 ist das Kapital Nr. 5, 
das jedoch in den Details Differenzen aufweist. Es hat einen 
untern Durchmesser von 0,295 m, die Htfhe dor Vaske betr&gt 
0,372 m und die ganze Hohe einschliesslich des Abakus 0,435 m. 
Oberhalb des letztern befindet sich ein Skamellum von 0,355 m 
Seitenlange und 0,015 Htfhe. Der Rand der Vaske ist abschr&gend 
gehauen ; derselbe hebt sich an den vier Frontseiten wellenf&rmig 
liber die etwas zuriickliegenden Kaulikolen in der Weise, dass 
die Unterkante des Randes hier den Abakus beriihrt, wodurch 
jener an diesen Stellen als nicht vorhanden erscheint. 

Das letzte Kapital dieser Klasse, Nr. 6, ist das kleinste der 
noch vorhandenen antiken Kapitale des Mdnsters. Es hat einen 
untern Durchmesser von 0,285 m, die Htihe der Vaske, deren 
oberer Rand rundend abgeschragt ist, betr&gt 0,365 m und die 
ganze Hfthe einschliesslich des Abakus 0,415 m. Von den 
Schnecken der Kaulikolen fallt als Relief auf die Vaske eine 
Ranke herab, an welcher ein Lorbeerblatt hangt, das bis zur 
untern Blattreihe reicht. Der Form nach dtirfte dieses Kapital 
wohl das eleganteste seiner Klasse sein. 

Das Kapital Nr. 7, welches das einzige Exemplar der dritten 
Klasse bildet und aus weissem feinkOrnigen Marmor besteht, ist 
nur ebauchirt, d. h. nur aus dem Rauhen gehauen, und ihm 
fehlt die Vollendung, das Aushauen der Blatter und sonstigen 
Verzierungen. Mit dieser Arbeit hat man an einer Seite in den 
beiden Blattreihen begonnen; die Furchen sind in den Blattern 
vorgehauen, wobei mit dem Bohrer Loch fast dicht neben Loch 
gebohrt ist und die gelassenen schmalen Zwischenraume der 
Ltfcher fortgehauen sind. Der Stil des Kapitals ist der rtfmisch- 
korinthische. Eigenthiimlicherweise weist es keine Voluten auf, 
an deren Stello legen sich Blatter unter dem Horn des Aba- 
kus an, wo sie sich dicht an letztern anschliessen ; im Uebrigen 
sind die Kaulikolen und Blattreihen wie die der tibrigen Kapitale. 
Die Stirnblumen sind erst wtirfelfOrmig ausgehauen und zeigt der 
obere Theil des Abakus mit Ausnahme des Theils an den Harnern, 
welch letztere auf das richtige Mass gebracht sind, eine Ver- 
dickung. Der untere Durchmesser betragt 0,308 m, die Htfhe 
der Vaske 0,400 m und die ganze Hohe 0,455 m. Obgleich un- 
vollendet, zeigt dies Kapital doch eine elegante Form und die 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 71 

noch sichtbaren Eindrticke des Meissels bekunden die Geschick- 
lichkeit des Verfertigers. 

Die nicht vollendete Arbeit mag Veranlassung zu der bis- 
herigen Annahme gewesen sein, dass dieses Kapital von hiesigen 
Arbeitern zu der Zeit gefertigt worden sei, als die Pfalzkapelle 
errichtet wurde. Die daran angewandte Technik, die sich in der 
Form der Blatter und besonders in der Durchbrechung des Mar- 
mors zwischen den Kaulikolen und der Vaske ausspricht, wider- 
legt unbedingt diese Vermuthung. Zudem kommen noch nicht 
vollstandig fertiggestellte Saulen, Kapitale und andere Archi- 
tekturtheile an altern Gebauden Griechenlands und Italiens nicht 
selten vor, so dass unser Kapital wahrscheinlich von einem 
solchen Gebaude entnommen ist. 

Der Zustand der Erhaltung der oben angefiihrten 7 Kapitale 
ist ein sehr bedauerlicher ; sie sind ohne Ausnahme durch Ab- 
trennung von Sttlcken sehr beschadigt, so zwar, dass beispiels- 
weise kein einziges Horn an einem von ihnen mehr vollstandig ist. 

Die tibrigen 3 der von Paris zuriickgekommenen Kapitale 
sind bei der Wiederaufrichtung der Saulen im Mtinster im Jahre 
1843 umgearbeitet worden und ist die Klasse, zu welcher sie 
gehflrten, nicht mehr zu erkennen. Von denselben sind zwei den 
Schaften der beiden obern Saulen in der stidlichen und eines 
ebendaselbst in der nOrdlichen Arkade des Mtinsters aufgesetzt 
worden. 

Wenn die oben aufgeftihrten Saulenkapitale, wie man aus 
dem Brief des Papstes Hadrian an Karl d. Gr. (vgl. S. 58) 
ersieht, von dem durch Theoderich d. Gr. zu Ravenna erbauten 
Palast herrtihren, so ist als bestimmt anzunehmen, dass beim Bau 
dieses Palastes wiederum Bautheile alterer rflmischer Gebaude ver- 
wandt wurden, da die Kapitale unbestritten altrOmischen Ursprungs 
sind. Die vielen zur Zeit des Exarchats noch vorhandenen der- 
artigen Gebaude, namentlich Tempel, lieferten zu solchen Ent- 
nahmen die beste Gelegenheit, welche auch im ausgedehntesten 
Massstab benutzt worden sein wird. 

3. Die Basen. Von den vormals unter den antiken Saulen 
des Mtinsters stehenden Basen sind nur drei Sttick mehr vor- 
handen; wo die tibrigen verblieben sind, ist uns unbekannt. Jene 
sind Fig. 10, 11 und 12 dargestellt. Die erste von ihnen (Fig. 10) 
zeigt im Allgemeinen die Form der gew5hnlichen attischen Basis, 
auf hoher Plinthe stehend, doch sind ihre Gliederungen von dieser 



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72 C. Rhoen 

Basis abweichend, da die Wiilste im Verhaltniss kleiner und die 
Hohlkehlen grosser sind als bei der attischen. Bemerkenswerth 
ist, dass der Anlauf des S&ulenschafts an der Basis selbst ange- 
bracht ist, als ob sie fur eine Siiule ohne Anlauf bestiramt gewesen 
sei. Die zweite Basis (Fig. 11) zeigt ebenfalls eine hohe Plinthe, 
die Gliederung besteht aus einem Wulst, dem sich eine Hohl- 
kehle anschliesst, wobei als Vermittelungsglied ein schmales 
Plattchen dient. Ueber dieser Hohlkehle liegt ein kleiner Viertels- 
stab, auf welchem ohne Anlauf ein cylindrischer Saulenansatz 
steht. Die dritte Basis (Fig. 12), die einfachste in ihrer Form, 
hat auf hoher Plinthe nur einen umgekehrten Karnies, worauf sich, 
ebenfalls ohne Anlauf, ein cylindrischer Saulenschaft erhebt. 

Die H6he der einzelnen Saulenbasen ist wegen der ungleichen 
Hohe der Saulenschafte verschieden. Moglicherweise haben sie 
ohne untergesetzten Sockel mit den Plinthen selbst direkt auf 
dem Fussboden gestanden, wodurch die Saulenschafte bei ihrer 
nicht ausreichenden Hohe durch die Ansatze der Basen erganzt 
wurden. Kunstlerisch haben die Basen wenig Werth, auch ist 
ihre Ausfiihrung sehr mittelmassig, was zu der Vermuthung ver- 
anlasst, dass sie beim Bau der Pfalzkapelle von hiesigen Stein- 
metzen angefertigt wurden. Dies ist um so eher anzunehmen, 
als das Material, woraus sie hergestellt sind, der in den hiesigen 
romischen Thermen vorkommenden roche de Lorraine sehr ahu- 
lich ist. 



VI. Weitere zur Pfalzkapelle gehorige Gebaude. 

A. Gebaude, von welchen noch Reste bekannt sind. 

Die noch erhaltenen Reste von Gebaulichkeiten, die als Annexe 
der Pfalzkapelle dienten, zeigen, dass Karl d. Gr. eine so bedeu- 
tende kirchliche Anlage hierselbst ausftihrte, wie zu jener Zeit 
auch die grossten Pfalzburgen eine ahnliche nicht aufzuweisen 
vermochten. Die Aachener Pfalzkapelle war zu einer vollst&ndigen 
Basilika, so nennt sie auch Einhard, ausgebildet worden, in der 
Art, wie sie nur in den ersten Jahrhunderten des Christenthums, 
hauptsachlich in Italien, zur Ausftthrung kamen. Es scheint da- 
her, dass Karl d. Gr. sich bei seinen wiederholten Reisen dorthin 
jene Bauform als Vorbild des in Aachen zu errichtenden Gottes- 
hauses ausgewahlt habe. Die reiche Anlage solcher Basiliken 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 73 

mit ihren VorhOfen mag ihn, dem fttr den Dienst Gottes nichts 
zu schOn und zu grossartig war, veranlasst haben, einen derarti- 
gen Bau auch in seiner Pfalz auffuhren zu lassen. 

1. Der Vorhof. Der Vorhof (Pig. 1, X) der Pfalzkapelle 
erstreckte sich von der Vorhalle bis zur jetzigen Taufkapelle in 
der L&nge von 40,60 m und der Breite von 17,40 m im Lichten; 
letztere entspricht der Breite des jetzigen Domhofs. Ausserdem 
hatte der Vorhof an der Westseite seine besondere Vorhalle (Y), 
welche eine Breite von 17,40 m und oine Tiefe von 8,50 m besass. 
Diese letztere Vorhalle verhielt sich zum Vorhof wie die Vorhalle 
der Kirche zu dieser. 

Der mehr tiefe als breite Vorhof war zu beiden Seiten mit 
einer Reihe von Kapellen eingefasst, deren Zugang auf dem Vorhof 
lag. Oestlich stiess letzterer an die der Kirche als Narthex die- 
nende Vorhalle (R); im Westen war er durch seine besondere 
Vorhalle abgeschlossen. Inmitten des Vorhofs stand der ehemals 
vor keiner Basilika fehlende Brunnen, Cantharus, zu den Abwa- 
schungen bestimmt, die vor dem Betreten des Gotteshauses vor- 
genommen werden mussten. 

Um die Form dieser im Allgemeinen angedeuteten Anlage 
naher zu begrtinden, sei es gestattet, die darauf beztiglichen Auf- 
findungen und Aufgrabungen, soweit sie uns bekannt sind, n&her 
anzugeben. Zun&chst mag erw&hnt werden, dass die in den Kellern 
der Hauser an der Sttdseite des Vorhofs befindlichen Mauern 
(Fig. 1, 62 bis 63, 64 bis 65 und 66 bis 67) karolingischen Ur- 
sprungs sind, wie mehrfach festgestellt wurde. Die Mauerstiicke 
62 bis 68, 64 bis 69 und 66 bis 70, aus karolingischer Zeit her- 
rtthrend, wurden 1879 bei Legung der Wasserleitungsrtfhren auf- 
gedeckt. Sie stossen an die schon frtiher aufgefundene, ebenfalls 
karolingische Kopfmauer 68, 69, 70 an. An der Nordseite des 
Vorhofs finden wir die Mauern 71 bis 72 und 73 bis 74, ebenfalls 
der karolingischen Zeit angehorend. Wenn diese Mauern sich nur 
bis zum Raum H' erstrecken, so ist dies dadurch erklftrlich, dass 
hier ehemals die St. Katharinakapolle stand, die im vorigen 
Jahrhundert abgetragen und an deren Stolle ein dem Miinsterstift 
gehflrender Weinkeller angelegt wurde, wodurch die karolingischen 
Mauern zerstftrt wurden. Es ist jedoch mit Sicherheit anzunehmen, 
dass die Mauern 71 bis 72 und 73 bis 74 ebenfalls aus der 
karolingischen Zeit datiren. Das im Vorhof befindliche Fundament 
63 a bis 63 b scheint aus der sp&tern Karolingerzeit herzuriihren. 



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74 C. Rhoen 

An der Stelle 75, zwischen der nordOstlichen Ecke der Tauf- 
kapelle und dem gegentiber liegenden Haus, am westlichen Ende 
des innern Raums der Vorhalle, wurde, wiederum bei Legung der 
Wasserleitungsrflhren, die Schwelle des ehemaligen Thors zwischen 
dem Vorhof (X) und dessen Vorhalle (T) aufgefunden. Sie lag 
noch an ihrer ursprtinglichen Stelle, auf dem Fundanientniauer- 
werk ruhend, und war von Seitenmauerwerk eingeschlossen. Von 
ihr konnte nur der nach Norden gelegene Theil blossgelegt werden, 
da auf dem siidlichen die Ecke der Taufkapelle steht. Diese 
Schwelle hat eine vertikale Htfhe (Starke) von 0,40 m und eine 
Breite von 0,93 m. Die L&nge, welche wegen des am StLdende 
darauf ruhenden Mauerwerks der Taufkapelle nicht genau ermittelt 
werden konnte, mag etwa 3,80 m betragen. Sie ist aus mehrern 
ungleich langen Stticken zusammengesetzt. An dem blossgelegten 
Nordende ist noch der mit der Schwelle aus einem Sttlck beste- 
hendo Ansatz zur fruhern Thoreinfassung vorhanden; er hat eine 
Breite von 0,21 m und eine Hohe von 0,09 m. Demnach muss 
der Stein, woraus diese Schwelle gearbeitet ist, urspriinglich einen 
Querschnitt vod 0,93 m Breite und 0,49 m Btohe gehabt haben. 
An dem Ansatz ist noch der Anschlag des ehemaligen Thors vorhan- 
den. Dieser Anschlag l&uft auch in der Schwelle gleichm&ssig fort, 
so dass der innere Theil der Thorschwelle um das Mass dieses 
Anschlags 0,09 m tiefer liegt als der vordere Theil, das Thor 
also auch in der Schwelle Anschlag hatte. In den einspringenden 
Ecken, da wo der Anschlag an die innere Laibung anstflsst, be- 
findet sich noch das Loch, worin ehemals die Angel des Thtlr- 
fltlgels gestanden und sich gedreht hat. In der Schwelle befand 
sich sonst weder ein Loch noch eine andere Andeutung zu einem 
Verschluss der Thorfltlgel; es ist daher anzunehmen, dass die 
Fltlgel durch einen Querbalken, der sich an beiden Seiton der 
Thorflffnung in ein in der Laibung befindliches Loch schob, ge- 
schlossen wurde. Das Material dieser Thorschwelle ist Gneis, 
wahrscheinlich aus dem Odenwald. 

Dicht neben der nord westlichen Ecke der Taufkapelle an der 
Stelle Fig. 1, 76 wurde, ebenfalls beim Legen der Wasserleitungs- 
rOhren, das Fundament der westlichen Abschlussmauer der Vorhalle 
aufgefunden. Die Breite dieses Fundaments betr&gt 2 m; die 
Tiefe geht bis 2,60 m unter die Oberkante des Strassenpflasters 
hinab. Die Oberkante des Fundaments liegt an dieser Stelle noch 
1,50 m tief in der Erde. Diese Tiefe erkl&rt sich dadurch, dass 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 75 

bei der im Jahre 1424 stattgehabten Ausftthrung eines im gothischen 
Stil errichteten Doppelbogens \ der den Domhof gegen den Fisch- 
marfet abschloss, der obere Theil des karolingischen Fundaments 
weggenommen wurde, urn fttr die Mauer, in welcher der Doppel- 
bogen stand, ein neues zu legen. Durch diese Wegnahme ist 
jede Andeutung fiber die frtther dort befindlichen Thorreste ent- 
fernt worden. Es ist jedoch nicht zu bezweifeln, dass sich an 
dieser Stelle ehemals eine ThorOffnung befand, in welcher wahr- 
scheinlich keine Thorfltigel angebracht waren, und daher den Gl&ubi- 
gen stets der Eintritt in die Vorhalle des Vorhofs gestattet war. 

Zu den Ausstattungen des Vorhofs der Basiliken gehflrte, wie 
oben bemerkt, der Brunnen. Es darf als unzweifelhaft gelten, 
dass ein solcher zu Karls d. Gr. Zeit im Vorhof errichtet wurde. 
Da man den Vorhof spater als Kirchhof benutzte, sind die Sub- 
struktionen, auf welchen der Brunnen stand, zerstOrt worden, so 
dass seine Stelle nicht mehr anzugeben ist. Man darf jedoch 
wohl annehmen, dass der rOmische Kanal, der in der Richtung 
von 77 nach 78 den Vorhof durchschneidet und noch jetzt 
zum Abfluss von Wasser dient, mit diesem Brunnen in Verbin- 
dung stand. Eine Folgerung kann aus der Anlage dieses Brunnens 
gezogen werden, dass Karl d. Gr. eine Wasserleitung, die auch 
wahrscheinlich in rOmischer Weise die Pfalzburg mit dem ntfthi- 
gen "Wasser versah, anlegte oder doch die von den R&mern bewirkte 
Verlegung des Paubachs fortbenutzte. 

2. Die Kapelle n. Die an der Nord- und Stidseite des Vor- 
hofs befindlichen Kapellen, deren ehemalige Existenz auch 
urkundlich 2 feststeht, erstreckten sich von der Vorhalle der Pfalz- 
kapelle bis zur Vorhalle des Vorhofs. An der Stidseite waren in 
einer Roihe ausser der Tauf kapelle fttnf, an der Nordseite wahr- 
scheinlich vier Kapellen errichtet. Diese Kapellen boten dem 



*) Anm. d. Red. Wann dieser Doppelbogen errichtet wurde, lasst sich 
nicbt genauer bestimmen. Die von Loersch im 17. Heft der Annalen des 
hist. Vereins f. d. Niederrhein mitgetheilte Aachener Chronik (S. 8) gibt 1429 
als das Erbauungsjahr an (In gemeltem jahr wart der newe boege uf dem 
Parfisch gegen die wolfthuer uber gemacht), was mit einer Urkunde vom 
2. Januar 1424 (Quix, Hist. Beschreibung der Munsterkirche S. 148) unver- 
einbar ist, die auf ein langeres Bestehen der Bogen schon vor diesem Jahre 
mit Bestimmtheit schliessen lasst. Uebrigens werden die „boege by sint Jo- 
hanne vurt Parvische" ja auch schon in der Stadtrechnung von 1391 (Lau- 
rent, Aach. Stadtrechnungen S. 385, 37) erwahnt. 

*) Vgl. Quix, Hist. Beschreibung der Munsterkirche S. 49 ff. 



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76 C. Rhoen 

Volk einen Ersatz ftir den verhaltnissmassig geringen Raum, der 
ihm im lnnern der Pfalzkapelle gewahrt war. Bbenso wie das 
Aeussere dieser Kapellen mit ihren schlichten Mauern nicht die 
Pracht der S&ulengange erreichte, welche die Vorhallen der frtihern 
Basiliken Roms und anderer Stadte Italiens aufweisen, zeigen uns 
die AuffinduDgen von Saulen und anderer Kunstwerke, die vor 
nicht gar langer Zeit geschehen, dass, ahnlich wie bei der Pfalz- 
kapelle, das Aeussere derselben zur SchOnheit und Pracht des 
lnnern in keinem Vergleich stand. Von welcher Art jedoch 
die Ausschmiickung dieser Kapellen war, dtirfte schwerlich mehr 
zu ermitteln sein; dass aber einige derselben wenigstens den 
Schmuck von Saulen nicht entbehrten, ist aus den eben erw&hnten 
Auffindungen zu entnehmen. 

Der Vorhalle der Pfalzkapelle stand zunachst die Kapelle des 
h. Georg (Fig. 1, A'), ihr folgten die des h. Servatius (B'), des 
h. Martinus (C), des h. Antonius (D') und der Taufkapelle zunachst 
die der h. Barbara (E'). Unter sich waren diese Kapellen, wenn 
auch nicht in der Breite, so doch in der Lange ungleich. Auch 
die Taufkapelle (F') reihte sich den tibrigen an ; sie hat bei einem 
Umbau im 18. Jahrhundert die jetzige Form, Gr5sse und Lage 
erhalten \ 

Quix gibt an 2 , dass an der Nordseite des Vorhofs zwei 
Kapellen sich befunden hatten, wovon die dem Mtinster zunachst 
liegende dem h. Quirinus, die andere der h. Katharina geweiht 
gewesen sei. Wir glauben indessen unter Berticksichtigung der 
ftrtlichen Verhaltnisse annehmen zu dtirfen, dass an der Nord- 
seite sich eine ebenso vollstandige Kapellenreihe befand wie an 



*) Anm. d. Red. Die durch den Brand von 1656 zum Theil zerstorte 
Taufkapelle wurde anfangs des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt. Man be- 
nutzte hierbei die noch aufstehenden Mauern, nur die an der Westaeite gelegene 
musste wegen ihres durch das hier fliessende Wasser herbeigefuhrten schad- 
haften Zustands bis auf das Fundament abgetragen werden (vgl. Aach. Volks- 
zeitung 1885, Nr. 349). Unmoglich kann also damals die Kapelle eine andere 
Lage und Grosse, als sie frtiher hatte, erhalten haben. Auch ist es zweif el- 
haft, ob die Taufkapelle jemals zu den Kapellen des Vorhofs gezahlt hat. 
In Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts wird sie mit einer jedenfalls alten 
Bezeichnung „sint Johann vurt Parvisch" genannt, was darauf hindeutet, 
dass das Paradies (Parvisch) sich vormals nur bis zur Taufkapelle erstreckte. 
Die Uebertragung des Namens „Parvisch" auf den heutigen Fischmarkt 
datirt aus spaterer Zeit. 

2 ) a. a. 0. S. 50. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 77 

der Stidseite. Wir wollen versuchen, in Folgendem unsere An- 
nahme in etwa zu begrtlnden. Es sind deshalb bisher bloss zwei 
Kapellen an der Nordseite angenommen worden, weil nur (iber 
diese Nachrichten vorhanden waren. Das Fehlen von Nachrichten 
tiber andere schliesst indessen ihr frtiheres Vorhandensoin nicht 
aus. Wir haben keine Nachrichten von den tibrigen Kapellen, 
weil ihre Renten schon friihzeitig verloren gegangen sind. In 
der Rogel sind in don archivalischen Aufzeichnungen (iber die 
Kapellen und Altare des Mtinsters bloss deren Renten erwahnt, 
und nur selten findet man niihere Mittheilung (iber die Bau- 
werke selbst. Der weniger starke Ausbau der Kapellen im Ver- 
h&ltniss zum Bau der Pfalzkapelle mag Veranlassung gewesen sein, 
dass sie frtihzeitig baufallig und abgetragen wurden. Mehrere 
Kapellen gingen bereits frtihe ein; die St Georgs- und die St. 
Servatiuskapelle (an derSQdseite) wurden schon 1712 zu oinem 
Wohnhaus umgebaut. Quix sagt ferner 1 , dass die am langsten 
stehen gebliebene Kapelle, die der h. Katharina, 1730 so baufallig 
geworden war, dass man den Gottesdienst an den Altar im Chor 
verlegen musste. Doch dtlrften die zwischen der Katharina- 
kapelle und dem Mtinster ehomals stehenden Kapellen nicht gar 
langeZeit vorher abgetragen worden sein, da a Beeck 2 (1620) be- 
richtet, dass nach Norden, wo der Eingang der Kirch e sei, zur 
Linken eine Kapelle stehe, deren Bau er fur gleichzeitig mit der 
Kirche halten mOchte, und (Iber welcher oben an der Mauer das 
Antlitz und der Arm des Heilands mit einer auf die Einweihung 
der Kirche sich beziehenden Inschrift angebracht seien. 

Quix berichtet weitor 8 , dass man im vorigen Jahrhundert 
die Ruinen dor St. Katharinakapelle abtrug oder vielmehr (iber- 
schtittete und auf der Stelle einen Garten anlegte, unter welchem 
1823 ein Keller gebaut worden sei. Da Garten und Keller noch 
vorhanden sind, so steht durch diese Angabe die Lage der St. 
Katharinakapelle an der Stelle Fig. 1, H' fest. Die Entfernung 
des erwahnten Gartens von der noch bestehendon Kapellenapsis 
(a') betragt 18,3 m. Dieses Mass durfte wohl zu gross sein, um die 
Lange einer einzigen Kapelle zu bilden, und kOnnten daher bei 
der Breite von nur 3,60 m, welche die Kapellen hatten, jeden- 



l ) a. a. 0. S. 50. 

*) Aquisgranum, Uebersetzung von Kantzeler, S. 67. 

•) a. a. 0. S. 50. 



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78 C. Rhoen 

falls deren zwei auf diese Lange angenommen werden, welche 
dann auch in ihrem GrOssenverhaltniss mehr mit den Kapellen 
der Sttdseite iibereinstimmten. Es wiirde daher die St. Katharina- 
kapelle als die dritte von der Vorhalle aus anzusehen sein. Da 
nun die St. Quirinuskapelle naher der Vorhalle stand als die St. 
Katharinakapelle, so muss eine dieser beiden Kapellen die des 
h. Quirinus gewesen und der Name der andern durch Verdunkelung 
der Renten verloren gegangen sein. 

Aber auch die St. Katharinakapelle h&tte noch eine Lange 
von 16,8 m aufgewiesen, welche selbst bei dem Umstand, dass 
sie die grosste Kapelle des Vorhofs war, doch bei der erwahnten 
Breite von nur 3,60 m ein zu unfOrmlich gestrecktes Verhaltniss 
dargeboten haben wiirde. Wir dtirfen daher annehmen, dass 
zwischen der St. Katharinakapelle und dem der Taufkapelle gegen- 
tiber liegenden Raum K' noch eine vierte, wenn auch nur eine 
kleine Kapelle (T) sich befunden hat. Wahrscheinlich stand auf 
dem der Taufkapelle (F) gegentiber, an der andern Seite der 
Vorhalle, liegenden Raum K' eine Todteukapelle. 

Die obigen Betrachtungen, unterstiitzt durch die Erkenntniss, 
dass die Karolinger gleich den R5mern es liebten, ihren baulichen 
Anlagen symmetrische Formen zu geben, bestarken uns in der 
Annahme, dass an der Nordseite des Vorhofs sich ebenfalls eine 
ahnliche Reihe von Kapellen befand wie an der Sttdseite, jene 
aber nur vier Kapellen enthielt. 

3. Die Rektorwohnungen. Hinter den Kapellen, vom 
Vorhof aus betrachtet, lag, wie durch die daselbst aufgefundenen 
Fundamente (Fig. 1, 70, 67) nachgewiesen ist, in gleicher Breite 
mit den Kapellen selbst eine Reihe von Raumen, tiber deren 
Zweck im Allgemeinen sich bisher keine Aufklarung ergeben 
hat. Aus einer Notiz bei Quix 1 ersehen wir aber, dass die an 
die Taufkapelle (F') angrenzende Wohnung des Rektors des in 
derselben befindlichen Mathiasaltars im Jahre 1586 bauf&llig 
geworden war. Die Stelle, wo diese Wohnung sich befand, konnte 
keine andere sein, als die Fig. 1, 1/, da der an der andern Seite 
gelegene Raum durch die Vorhalle Y eingenommen wurde. Es 
ist hierdurch eine Andeutung gegeben, dass die neben don 
Kapellen gelegenen Raume zu Wohnungen der Rektoren gedient 
haben dttrften. In frtihern Zeiten war es allgemein Sitte, dass 



*) Hist. Beschreibung der Munsterkirche S. 48. 



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Die Kapelle der karolingischen Tfalz zu Aachen. 79 

die Deservitoren einer Kapelle so nahe wie mtfglich bei ihrem 
Gotteshaus wohnten. Wenn auch hinter den Kapellen an der 
Nordseite des Vorhofs wegen der daselbst hoch aufgeschiitteten 
Erde bis jetzt kein Mauerwerk, welches die Anlage von Wohnungen 
fttr die Rektoren andeutete, aufgefunden wurde, so sind wir nichts- 
destoweniger berechtigt, ebensolche Anlagen daselbst anzunehmen 
wie an der Stidseite *. Vor diesen Wohnungen, zwischen ihnen 
und dem jetzigen Kreuzgang, musste sich alsdann ein Gang 
(Fig. 1, M') gebildet haben, der an der Westseite mit der Stadt 
und an der Ostseite vermittelst der Thiir 80 mit der Pfalzkapolle 
in Verbindung stand. Dieser Anordnung wird es auch wohl zu- 
zuschreiben sein, dass, um diesem Gang die nothige Breite zu 
erhalten, der sttdliche Flttgel des Kreuzgangs soweit zurtick- 
gelegt wurde, dass dessen Axe mit der dor Thttr 81 nicht zu- 
sammentraf, was doch, falls kein Hinderniss vorhanden gewe- 
sen, h&tte geschehen sollen. 

Der ebenfalls an der Stidseite der stidlich vom Vorhof ge- 
legenen Kapellen in entsprechender Lage ehemals befindliche 
Gang dtirfte die Veranlassung zum Entstehen des jetzigen schmalen 
Spitzg&sschens gewesen sein. 

4. Der Anbau am Treppenthurm. Der Raum zwischen 
der Mauer Fig. 1, 68 bis 82 und dem Aeussern des sttdlichen 
Treppenthurms (83 bis 84) ist zweifellos in friiherer Zeit (iberbaut 
gewesen. Zu welchem Zweck dieses Geb&ude diente, ist bis jetzt 
noch nicht aufgekl&rt; jedenfalls aber stellte es eine Verbindung 
her zwischen den obern Geschossen der Wohnungen der Rektoren, 
welche die stidw&rts des Vorhofs liegenden Kapellen bedienten, 
mit dem obern Goschoss der Vorhalle. In einem alten Ceremo- 
niale, das die Ordnung angibt, in welcher am Grttndonnerstag 
die Altare abgedeckt werden sollten, ist ausdriicklich gesagt, dass 
nach Abdeckung der Altare in den Kapellen des Vorhofs die 
Geistlichkeit liber das obere Geschoss dieser Kapellen nach dem 
des Rundschiffs sich zu begeben habe, um die daselbst befind- 
lichen Altare ebenfalls abzudecken. Hierdurch wird auch der 
Zweck der erst vor Kurzem zugemauerten Thiir Fig. 2, v klar, 
da durch sie jedenfalls die Verbindung zwischen den beiden Ober- 

') Die im Jahr 1823 von Hofrath F. Nolten gemachte antiquariscbe 
Entdeckung, welcbe in der „Aachener Volkszeitung" (1885, Nr. 256) wieder- 
abgedruckt wurde, una aber bis dahin unbekannt war, bestatigt vollstandig 
unsere Annahme. 



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80 C. Rhoen 

geschossen hergestellt wurde. Bei den im Somnier 1878 vorge- 
nommenen schoD erwahnten Ausgrabungen wurde an der Stid- 
seite der Vorhalle die karolingische Mauer Fig. 1, 68 bis 82 auf- 
gedeckt und konstatirt, dass sie bis zu einer Tiefe von 4,20 m 
unter das Strassenpflaster hinabreiche. In der Tiefe von 1,60 m 
von der Erdoberflache ab fanden sicb an den mit 87 und 88 
bezeichneten Stellen in der blossgelegten Mauer (68 bis 82) sowohl 
als auch an dem gegenuberstebenden sudlichen Treppenthurm 
(bei 85 und 86) konsolenartige Kragsteine vorgemauert. In der 
Mauer der Vorhalle (bei 89 und 90) waron zwei viereckige Locher 
angebracht, deren Unterkante mit der Oberkante der Kragsteine 
in gleichor Hohe lag. Augenscheinlich diente diese Anordnung 
zur Aufnahme einer Balkenlage, die einen darunter liegenden 
Keller uberdeckte. Als ferner 1879 die Wassorleitungsrfthren 
gelegt wurden, fand sich an der Stelle 91 der Ansatz einer Thttr, 
der indessen zerstort wurde. 

Diese Andeutungen mogen die Annahme genugend begrtin- 
den, dass an der oben erwahnten Stelle ein Geb&ude stand; 
tlber die Hohe und Breite desselben lasst sich vorderhand nichts 
bestimmen. Da es, wie die meisten Anbauten am Munster, nicht 
mit dem Mauerwerk des letztern verbunden, sondern nur ange- 
lohnt war, so vermisst man diejenigen Zeichen, welche eine 
bestimmte Andeutung iiber die Ausdehnung des Gebaudes geben 
kftnnten, da solche langst durch den Einfluss der Witterung ver- 
wischt sind. 

5. Das Gewftlbe. Yon der nordftstlichen Ecke des Vorhofs 
aus fuhrte ein Gewolbe (N') in gerader Richtung bis fast zur 
sudwestlichen Ecke des ehemaligen Reichssaals, der an der 
Stelle des jetzigen Rathhauses stand, von welchem noch etwa 
15 m entfernt es sein Ende fand. Die Lange desselben betr&gt 
etwa 113 m, die lichte Weite des Gewolbebogens im Durchschnitt 
4,70 m und die St&rke der Widerlager etwa 1,28 m. An dem 
Vorhof bei Fig. 1, 92 betr&gt die lichte Hohe desselben etwa 
5 m, durch das Ansteigen des Terrains vermindert sie sich jedoch 
in der Richtung nach dem Rathhaus derart, dass es an seinem 
Ende nur noch etwa 2,50 m beh&lt. Als Baumaterial waren zu 
den Widerlagern Bruchsteine und zum GewOlbebogen Hausteine 
(Tuff) verwandt. Als Zugang zu dem Gew5lbe diente ein am 
Vorhof befindliches Thor (93, 94), von welchem ein noch erhaltener 
Theil seiner Hausteineinfassung zeigt, dass es mit einem flachen 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 81 

Stichbogen tlbordeckt war. Ein noch jetzt theilweise erhaltener 
Ziegelsteinbogen diente als Entlastung der Ueberdeckung. Ur- 
spriinglich war das Innere des GewOlbes durch wenige, etwa 
0,24 m breite und 0,90 m hoho Lich tscharten, wovon eine bei 
95 angegoben, erhellt, von welchen einigen von aussen Eisen- 
gitter vorgesetzt waren, deren Gusslocher sich noch in der Ein- 
fassung dor Lichtscharten zeigen. In der Nahe des Vorhofs in 
der 5stlichen Mauer des GewOlbes befindet sich eine Thtir 96 
mit zwei neben derselben stehenden Fenstern (97, 98), die ihr 
Licht von dem zur Zeit Karls d. Gr. dort befindlichen Hof, auf 
welchem jetzt die Kreuzkapelle steht, erhielten. Diese Anlage 
scheint daranf hinzudeuten, dass dieser Theil des Gew5lbes zu 
einem andern Zweck als zum Durchgang benutzt wurde, und es 
dtirfte die noch jetzt gobrauchliche Benennung „der alte Kapitel- 
saal" wohl auf seine friihere Bestimmung hinweisen. Der weiter 
nordwarts gelegene Theil des Gewfllbes bezweckte die Verbindung 
der Wohnungen der Geistlichkeit mit der Pfalzkapelle. Diese Woh- 
nungen lagen an der Stelle, die der jetzige Kreuzgang mit seinem 
Quadrum und den umliegenden Geb&uden einnimmt. Von diesem 
Gewfllbetheil aus zweigten sich die zu den Wohnungen der Geist- 
lichen und zu der Pfalzkapelle ftlhrenden G&nge ab. Bei 80 befand 
sich die Thtir, die zu den Wohnungen der Rektoren der nftrdlich 
vom Vorhof gelegenen Kapellen und bei 81 jene, welche zum Chor 
der Pfalzkapelle ftihrte. Letztere stand an derselben Stelle, wo 
sich jetzt die Thtir befindet, welche aus dem Kreuzgang zur 
Nikolauskapelle ftlhrt. Wahrscheinlich befand sich da, wo jetzt 
vom Chorusplatz aus der Durchgang zum nOrdlichen Arm des 
Kreuzgangs fiihrt, ebenfalls eine Thtir, um die Verbindung mit 
den Wohnungen der Geistlichen herzustellen. 

Am nOrdlichen, d. h. dem Rathhaus zugewandten Ende 
konnte das GewOlbe ursprtlnglich nicht mit einer Mauer abge- 
schlossen sein, da der GewOlbebogen eine AbschrHgung aufweist, 
die auf ein Auslaufen ohne Mauerabschluss deutet. Die Wider- 
lagsmauern setzten sich auf der H5he von etwa 1 m noch eine 
Strecke von 4 m weiter fort; dieselben tragen jetzt einen spater 
ausgeftihrten Bogen in Ziegelmauerwerk. Es ist daher anzuneh- 
men, dass das betreffende Gewftlbe vom alten Kapitelsaal ab bis 
zu seinem ntfrdlicben Ende als Theil der Verbindung zwischen 
den Wohnungen der Geistlichen und der Pfalzkapelle diente. Ob 
es auch einen direkten Zugang zu den sich ostwarts ihm an- 



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82 C. Rhoen 

schliessenden Gebauden gew&hrte, in welchen sp&ter die einen 
Theil des Manderscheider Lehens bildenden Stalle sich befanden, 
durfte kaum mehr zu erforschen sein. 

Oberhalb des GewOlbes befand sich ein Obergeschoss, dessen 
beide ursprtingliche, karolingische Mauern (Fig. 2, 37, 38 und 
39, 40) noch in einer Lange von etwa 30 m von der Vorhalle 
ab erhalten sind. An der Ostseite ist von aussen die ehemalige 
Fortsetzung der Mauer noch erkennbar, da sich daselbst zeigt, 
wie das spatere, die ursprtingliche Mauer ersetzende Ziegelstein- 
mauerwerk mit der erstern verbunden ist. Dieses Obergeschoss 
hat wenigstens theilweiso ebenfalls als Verbindung gedient. Im 
mittlern Theil wurde wieder der Zugang von den Wohnungen 
der Geistlichen zum Obergeschoss der Pfalzkapelle tiber den ge- 
wolbten Korridor (V) hinweg vermittelt. Der weiter nordwarts 
gelegene Theil wird seiner Lage gemass ehemals zu den Woh- 
nungen der Geistlichkeit gezogen gewesen sein. 

Durch die starke und kraftige Anlage dieses Gewftlbes, sowie 
durch seine spatere Verwendung zu Privatzwecken ist dasselbe, 
abgesehen von daran geschehenen Durchbrechungen der Wider- 
lager, die an dem Durchgang vom Kreuzgang zur Nikolauskapelle, 
an der Armeseelenkapelle und am Durchgang vom Chorusplatz 
zum Kreuzgang stattgefunden, noch ziemlich gut erhalten. Nur 
wurde im Jahre 1748 bei dem Neuhau des ehemaligen Gerichts- 
hauses, die Acht genannt, ein Theil von etwa 18 m Lange vollig 
abgebrochen, urn fur letzteres Raum zu gewinnen. 

Man will den Raum oberhalb dieses Gewftlbes als die Stelle 
gefunden haben, auf welcher der von Einhard 1 erw&hnte S&ulen- 
gang gestanden haben soil. Die altera Aachener Geschicht- 
schreiber, wie a Beeck, Noppius und Meyer, erwahnen diese 
Stelle nicht; nur die neuern sprechen sich tiber die Lage dieses 
Saulengangs aus. Der erste derselben, Nolten, &ussert sich in 
seiner Beschreibung der Mtinsterkirche (S. 16 und 39) in unklarer 
Weise tiber diesen Portikus oder Gang, wie er ihn nennt, indem 
er ihn als tiber der Kreuzkapelle befindlich annimmt. Diese An- 
nahme Noltens sucht Quix in seiner Beschreibung dor Mtinster- 
kirche (S. 60) zu berichtigen, indem er sagt, dass dieser S&ulen- 
gang wahrscheinlich auf das zweite Geschoss der Kirche ftihrte 
und sich tiber die jetzige Nikolauskapelle und den Arm des 



*) Vita Karoli M. cap. 32 und Annales ad a. 817. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 83 

Kreuzgangs, der von Stiden nach NordeD seine Richtung nimmt, 
erstreckt haben mtisse. Die Andeutungen, welche Prof. C. P. Bock 
in seiner Schrift iiber das Rathhaus (S. 37) gibt, lassen keinen 
Zweifel zu, dass er dem Portikus seine Stelle oberhalb des be- 
treffenden Gew5lbes anweist. Bei Haagen (Geschichte Achens 
bis zum Jahre 1024 S. 36 ff. und 65) ist es schon ausgemacht, 
dass der S&ulengang sich an der von Bock angedeuteten Stelle 
befunden habe. So geht es bei den neuern Schriftstellern weiter 
bis zur allerneuesten Zeit, in welcher einer sogar mittheilt, dass 
ein Paar der bronzenen Thtirfltigel, die sich im Mtlnster befinden 
und deren urspriingliche Stelle er nicht nachweisen kann, viel- 
leicht den S&ulengang verscblossen habe. 

Wir wollen unter Zuhtilfenahme der Ortlichen Lage unter- 
suchen, ob der von Einhard erwahnte Portikus sich wirklich 
oberhalb des in Rede stehenden GewOlbes befunden habe. Ein- 
hard sagt: „Porticus, quam inter basilicam et regiam operosa 
mole construxerat, die ascensionis Domini subita ruina usque ad 
fundamenta conlapsa." Betrachten wir das Citat genauer. Die 
Worte „inter basilicam et regiam" weisen nicht direkt auf den 
Festsaal hin, sondern untor regia ist dor ganze konigliche Bau, 
die kftnigliche Burg zu verstehen. Die fernern Worte „subita 
ruina usque ad fundamenta conlapsa" sagen bestimmt aus, dass 
der Portikus bis auf die Fundamonte zusammensttirzte. Unter 
fundamenta konnte Einhard, dieser sonst in seinen Ausdrttcken 
so w&hlerische Schriftsteller, nur, wie dies ja auch gewtfhnlich 
angenommen wird, dasjenige Mauerwerk verstehen, welches sich 
in der Erde befand, er hatte diesen Ausdruck nicht gebrauchen 
kOnnen, wenn ein noch wenigstens 6 m hohes Gebaude, das frag- 
liche Gewfllbe, stehen geblieben ware. Wenn der Portikus ober- 
halb des GewOlbes gestanden hatte, wtirde Einhard dies sicher 
erw&hnt haben. In seinen Annalen sagt er zum Jahre 817, dass, 
„als Ludwig d. Fr. am Grtindonnerstag des gedachten Jahres 
die Pfalzkapelle verliess und sich durch den hfllzernen S&ulen- 
gang nach seiner Wohnung begeben wollte, dieser S&ulengang, 
da er aus schlechtem Material gebaut, und die bereits morsch 
und faul gewordenen Balken, welche die Bretter und das Tafel- 
werk trugen, das Gewicht nicht mehr zu tragen vermochten, 
gerade als der Kaiser durchging, plOtzlich mit ihm zusammen- 
brach und ihn mit mehr als zwanzig Menschen, die ihn begleite- 
ten, zu Boden warf". Aus den Mittheilungen Einhards, dass 

6* 



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84 C. Rhoen 

die Balken bereits morsch und faul geworden, miissen wir 
schliessen, dass der unter Ludwig d. Fr. zusammengestiirzte 
Saulengang unmOglich derselbe sein konnte, welcher unter Karl 
d. Gr. zusammenbrach. Der letztere Zusammensturz fand kauin 
3V2 Jahr nach dem erstern statt. Es ist nicht anzunehmen, dass 
das zum Aufbau des Portikus nach dem vor 3V2 Jahr erfolgten 
Sturz verwandte Holz, und ware es auch von der ungeeignetsten 
Sorte gewesen, bereits morsch und faul geworden sei. Es muss 
daher angenommen werden, dass der Portikus aus mehrern 
Theilen bestand, wovon der eine Theil unter Karl d. Gr., der 
andere unter Ludwig d. Fr. zusammensttirzte. 

Betrachten wir auch die Lage dieses Portikus, wie sie von den 
neuern Schriftstellern angegeben ist. Hiernach fiihrte, vom Festsaal 
aus gesehen, der Portikus sozusagen an der Pfalzkapelle vorbei, 
da er in gerader Linie vor der Vorhalle der Pfalzkapelle im Vor- 
hof derselben ausmundete. Der Kaiser, dessen Wohngemacher in 
der Aula sich befanden, welche an der Stelle der Hauserinsel lag, 
die jetzt von der Kramerstrasse, dem Hiihnermarkt, der Romanei- 
und Korbergasse, dem obern Btichel und dem Marktplatz einge- 
schlossen ist, hatte also, um von seinen Wohngemachern zur Pfalz- 
kapelle zu gelangen, zuerst den langen Reichssaal, das jetzige 
Bathhaus, durchschreiten miissen, bevor er den Portikus betreten 
konnte. Nachdem er nun letztern auch fast ganz durchschritten, 
hatte er liber eine irgendwo angebrachte holzerne Brucke zu dem 
kleinen ziemlich dunkeln Gemach (Fig. 2, T) gelangen miissen, von 
wo aus er die nordliche Wendeltreppe erreichte. Er hatte dann 
letztere hinabsteigen miissen, um zum Erdgeschoss des Oktogons 
der Pfalzkapelle zu gelangen, wo damals die Geistlichkeit, unter 
welcher er gewohnlich seine Andacht verrichtete, ihren Platz hatte. 
Aber selbst angenommen, dass der Umweg vom Kaiser hatte ge- 
macht werden wollen, so scheiterte dies doch einfach an der Un- 
moglichkeit, es thun zu konnen. Die in der siidwestlichen Ecke 
des Rathhauses, da wo die Verlangerung des Gewolbes dieses treffen 
wiirde, jetzt befindliche Thiir ist nicht urspriinglich karolingisch, 
sondern augenscheinlich in spaterer Zeit angelegt worden. Wenn 
auch in karolingisches Mauerwerk gebrochen, besteht sie, wie der 
als Thiirsturz iiber die Oeffliung gelegte Balken, sowie das daselbst 
angebrachte Mauerwerk bestatigen, keine 100 Jahre und kann dem- 
nach nicht zu dem Portikus gefuhrt haben. Von dem Festsaal 
aus gab es demnach keinen direkten Zugang zu dem Portikus. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 85 

Das Gewolbe, worauf der Portikus gestanden haben soil, findet, 
wie oben bemerkt, etwa 15 m vom Keichssaal entfernt sein Ende. 
Dies hat seinen Grund darin, dass zwischen dem Ende desselben 
und dem Festsaal sich ein Thor befand, welches von dem 
Palasthof, den jetzt der Chorusplatz einnimmt, zu den Wohnun- 
gen der Geistlichkeit und dem Pfalzmarkt, dem jetzigen Kloster- 
platz, fiihrte. Dieses Thor, welches, in der romanischen Bauzeit 
erneuert, sich noch jetzt daselbst vorfindet, hat eine solche Hohe, 
dass die untere Halfte seiner OefEnung in der Hohe des Ge- 
wolbes, die obere dagegen in der Hohe des Portikus lag, also 
Portikus und Gewolbe an dieser Stelle vollstandig unterbrochen 
sein mussten. Es diirfte ferner als selbstverstandlich angenommen 
werden, dass der Portikus, eben weil er ein solcher, eine von 
einem Ende zum andern reichende horizontale Lage hatte. Auch 
dies trifft nicht zu, da der Fussboden des Reichssaals, dessen Hohen- 
lage genau festgestellt ist 1 , um 2,48 m hoher lag, als das Ober- 
geschoss der Pfalzkapelle. Schliesslich bemerken wir noch, dass 
auf dem siidlichen Theil des Gewolbes von dem Vorhof an, wie 
oben erwahnt, bis auf etwa 30 m Lange noch jetzt karolingische 
Umfassungsmauern stehen, die friiher noch weiter nordwarts hin- 
aufreichten, und daher an der Stelle, die von diesen Mauern 
eingeschlossen wird, doch unmoglich ein Portikus gestanden haben 
kann. 

Die angefiihrten und andere hier, weil zu weit abfiihrend, 
nicht naher zu erorternde Griinde lassen erkennen, dass der von 
Einhard erwahnte Portikus oder Saulengang unmoglich an der ihm 
von den Schriftstellern der neuern Zeit angewiesenen Stelle ge- 
standen haben kann. Auf die sehr berechtigte Prage, wo denn 
der Saulengang gestanden habe, konnen wir jetzt nicht eingehen, 
da ihrer Beantwortung eine ausftlhrlichere Arbeit iiber die karo- 
lingische Pfalz vorhergehen muss, mit welch letzterer der Saulen- 
gang in Zusammenhang stand. Wir hoffen jedoch bald Gelegenheit 
zu haben, dieser Frage naher treten zu konnen und ihre Beant- 
wortung zu geben 2 . 



l ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins III, S. 39 ff. 

3 ) Wenn auch Herr Kanonikus Kessel (Das Rathhaus zu Aachen 
S. 18 ff.) die obige, zuerst im „Aachener Anzeiger" vom 5. April 1883 ver- 
offentlichte Mittheilung iiber den Portikus einer abfalligen Kritik unter- 
zogen hat, welche hier zu widerlegen unthunlich ist, so halte ich doch das 



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86 C. Rhoen 

6. Der Korridor. Von dem im Vorhergehenden besproche- 
nen Gewolbe sich abzweigend, fuhrte ein iiberwolbter Korridor 
(Fig. 1, W) zur Pfalzkapelle in den fur die Geistlichkeit bestimmten 
Raum. Dieser Korridor hatte eine Lange von 39 m, eine lichte 
Breite von 3,82 m und eine lichte Hohe von 4,75 m iiber dem 
Belag der Nikolauskapelle ; das nordliche Widerlager hatte eine 
Starke von 1,45 m, wahrend das siidliche nur eine solche von 1,05 
m aufwies; die Axe des Korridors lag mit jener der Pfalzkapelle 
parallel. Er reichte noch etwas weiter als die zur Pfalzkapelle 
fuhrende Thtir 99, und zwar bis zur Mauer 56 bis 57. Durch die 
Thtir 81 standen Gewolbe und Korridor mit einander in Verbin- 
dung, und letzterer fuhrte in gleicher Hohe des Fussbodens bis 
zur Mauer 100 — 101, in der sich die Thur 102 befand. An der 
Ostseite vor dieser Thur lag eine Treppe (103), von welcher man, 
7 Stufen hinabsteigend, das Erdgeschoss der Pfalzkapelle erreichte, 
welches durch die Thtiren 99 und 43 zuganglich war. Zwischen 
diesen beiden Thtiren gab es noch einen kleinern Verbindungsbau 
(T), an dessen Ostseite sich die Thiir 104 befand, die in den untern 
Pfalzhof fuhrte. Die am Ende des Korridors bei 105 befindliche 
Thiir -fuhrte wahrscheinlich zum h. Geistspital 1 . 

Oberhalb dieses Korridors befand sich ein Obergeschoss, welches 
seine ganze Lange einnahm. Es ist nicht mit Bestimmtheit anzu- 
geben, ob dieses obere Geschoss gleich dem untern iiberwolbt war, 
da das am Ostende des untern und obern Korridors ehemals be- 
findliche karolingische Mauer werk, welches vor etwa 10 Jahren ab- 
getragen wurde, in seinen obern Theilen zu sehr zerstort war, 
um noch Spuren der Abdeckung des obern Korridors zeigen zu 
konnen ; dass aber der kleine Verbindungsraum Fig. 2, U mit einem 
Halbkreisbogen iiberdeckt war, haben wir bereits oben (S. 38) 
angegeben. Das obere Geschoss hatte denselben Zweck wie das 
untere, namlich die Verbindung zwischen den Wohnungen der 
Geistlichkeit und der Pfalzkapelle herzustellen, Durch die noch 
bestehende, im Jahre 1870 veranderte Thiir (Fig. 2, 41) gelangte 
man vom Obergeschoss des Gewolbes in das des Korridors. Ob ober- 
halb der im Untergeschoss befindlichen Mauer (Fig. 1, 100 bis 101) 
sich im Obergeschoss auch eine solche befand, ist fraglich; es 



von mir Gesagte in vollem Masse aufrecht, und bin gerne bereit, jedem sich 
dafur Interessirenden den Beweis der Richtigkeit desselben zu liefern. 

*) Die ostliche Laibung dieser Thiir war aus romischen Flachziegeln 
gemauert, von denen viele den Stempel der 6. Legion trugen. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 87 

diirfte, da' die Nothwendigkeit einer solchen Trennungsmauer nicht 
vorlag, anzunehmen sein, dass daselbst keine war. Die Verbin- 
dung des Korridors mit der Pfalzkapelle geschah durch die Thtiren 
Kg. 1, 42 und Fig. 2, 11, zwischen welchen der iiberwolbte kleine 
Raum U lag. Am Ende des Korridors bei 43 war ein Penster an- 
gebracht, dessen hausteinerne Einfassung durch die ganze Dicke 
der Mauer ging. 

Die Aufgrabungen und Untersuchungen, welche im Jahre 1866 
stattfanden, fiihrten zur Auffindung dieses Korridors. Weitere, ein 
Jahr spater in der Hubertuskapelle vorgenommene Ausgrabungen 
bestatigten die Verbindung desselben mit der Pfalzkapelle. Die 
Fundamente der Nordseite sind von den Erbauern der Hubertus- 
und Nikolauskapelle benutzt worden, um die nordwarts gelegenen 
Mauern dieser Kapellen darauf zu errichten. Von der Thiir (Fig. 
1, 102) fand sich an einer Seite noch ein Ansatzstuck, von der 
Treppe (103) war noch die vollstandige Fundamentirung vorhanden, 
nur fehlten die hausteinernen Stufen, doch waren deren Unter- 
mauerungen noch so wohl erhalten, dass auf mehrern derselben 
sich noch die kleinen keilformigen Steine befanden, mit welchen 
den Stufen die horizontale Richtung gegeben worden war. Ton 
der Fundamentstrecke 106 bis 59 ist nichts aufgefunden worden, 
welcher Umstand darin seine Erklarung findet, dass dieses Fun- 
dament, in der Nikolauskapelle liegend, beim Auswerfen der Graber 
fur die dort zu bestattenden Stiftsherren und andern Geistlichen 
zerstort wurde. 

Auf der aussern, ostlichen Flache der Widerlagsmauer des 
Gewolbes, die jetzt der Nikolauskapelle zugewandt ist, am West- 
ende des Korridors, an der Stelle Fig. 1, 58, 59 zeigte sich, als 
man behufs Erneuerung die alte Pliesterung entfernte, das Profil 
des Korridorgewolbes in ziemlich scharfen Linien angedeutet. Wie 
im ahnlichen Falle im Obergeschoss des Raums Fig. 2, U, 25, 26 
(vgl. S. 38) stiess das Korridormauerwerk nur einfach gegen die 
Widerlagsmauer des Gewolbes an und hatte daselbst sein Profil 
abgedriickt. Wir haben die an dieser Stelle aufgenommenen Dimen- 
sionen des Korridorprofils oben mitgetheilt. An dem entgegen- 
gesetzten, ostlichen Ende des Korridors war das Profil desselben 
ebenfalls deutlich zu erkennen. Hier war das Korridormauerwerk 
jedoch nicht gegen die Mauer Fig. 2, 56 bis 57 angestossen, sondern 
mit ihr im Verband gemauert. Die Terbandansatze waren noch 
sammtlich sichtbar und deuteten an, dass Gewolbe und Mauer 



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88 C. Rhoen 

zu gleicher Zeit errichtet wurden. Angestellte Messiingen er- 
gaben, dass der Gewolbescheitel an diesem ostlichen Ende des 
Korridors in gleicher Hohe mit dem an dem entgegengesetzten 
westlichen Ende desselben lag. Die Verbandansatze zeigten sich 
auch im Obergeschoss, doch war daselbst durch die Zertriim- 
merung der Mauer nicht mehr zu erkennen, ob, wie oben ge- 
sagt, dieses Geschoss uberwolbt oder mit Balkendecke tiberspannt 
war. Da die Mauerecke Fig. 1, 107 und Fig. 2, 44 bei Er- 
richtung der Karlskapelle abgetragen worden, war die lichte Breite 
des untern wie des obern Gesckosses nicht mehr an dieser Stelle 
messbar. 

Die mehrfach erwahnte Mauer Fig. 1, 107 bis 108 setzte sich 
iiber die Korridorbreite noch weiter hinaus nach Norden fori In 
derselben waren nordlich vom Korridor drei Fenster (45, 46, 47) 
angebracht, deren innere Laibung ahnlich denen der Pfalzkapelle 
kleiner wie die aussere war, daher die Fensterverglasung von 
aussen eingesetzt werden musste. Diese Mauer ist bei verschiedenen 
Veranlassungen zwischen den Jahren 1867 und 1883 abgetragen 
worden. 

Die drei uberwolbten Raume Fig. 1, N', W und T bildeten 
im Verein mit der Pfalzkapelle zur Zeit der Karolinger einen 
nicht tiberdeckten Hof, von welchem aus die genannten Raume ihr 
Iicht erhielten. Dass dieser Raum noch im 12. Jahrhundert nicht 
tiberbaut war, bezeugen die beiden in der Kreuzkapelle befindlichen 
romanischen Thtiren, von denen die eine zum nordlichen Treppen- 
thurm, die andere zum Kreuzgang fiihrt, und die beide nach der 
Nikolauskapelle hin als Aussenthiiren gebildet sind. Von diesem 
Hof aus, wohl derselbe, dessen der Monch von St. Gallen * gedenkt, 
und der wahrscheinlich die Bequemlichkeiten fur die Diener der 
Pfalzkapelle enthielt, fiihrt ein etwa 0,25 m hoher Kanal an der 
aussern Seite der Mauer des Rundschiffs vorbei, unter der Karls- 
kapelle hindurch, bis zu dem Raum vor der Kramerthur. Dieser 
Kanal wird noch jetzt benutzt, um das iiberschttssige Wasser an 
der Nordseite des Mtinsters abzufiihren. 

7. Das h. Geistspital. An den uberwolbten Korridor 
(Fig. 1, W) sich anschliessend, lag das Spital zum h. Geist. Wenn 
es auch erst im Jahre 1215 bei Gelegenheit einer an sammtliche 
Kirchen der Stadt durch die Eheleute Jonathas und Hildegunde 



*) Gesta Karoli I, cap. 31; Jaffd, Mon. Carolina p. 662. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 89 

gemachten Schenkung * genannt wird, 60 ist doch durch das Mauer- 
werk, welches da, wo dies Spital stand, gefunden wurde, sein karo- 
lingischer Ursprung hinreichend erwiesen. In den Kapitularien 
Karls d. Gr. wird die Hospitalitat gegen Eeisende und Kranke 
den Aebten und Bischofen aufs Dringendste empfohlen. Ludwig d. 
Ft. schrieb in den Eegeln fiir die Geistlichen den Kanonichen die 
Beobachtung der Gastfreiheit fiir Eeisende und Kranke vor und 
verordnete gleiehzeitig die Anlage von Spitalern zu deren bessern 
Terpflegung. Dasselbe wird auch in den Vorschriften fiir die 
Nonnen den Kanonissen zur Pflicht gemacht. 

Von dem bei der Pfalzkapelle wahrscheinlich noch durch Karl 
d. Gr. errichteten Spitalbau befinden sich noch mehrfache Eeste 
unter der Erdoberflache, jedoch sind dieselben im Allgemeinen bis 
jetzt nicht naher bekannt. Im Jahre 1878 wurde unter der Leitung 
des Domwerkmeisters Baecker ein kleiner Theil derselben bloss- 
gelegt, aber auch sofort wieder mit Erde verschiittet. Wahr- 
scheinlich erstreckte sich diese Spitalanlage von der jetzigen 
Kramerstrasse bis zum Gewolbe Fig. 1, N', sich an den gewolbten 
Korridor W anschliessend. Der Hauptzugang befand sich bei 
der Kramerthiir des Miinsters, wo noch bis zum Ende des 
vorigen Jahrhunderts das dazu fiihrende Thor vorhanden war 2 . 
Ein zweiter Zugang befand sich in der jetzigen Kramerstrasse, 
dem sog. Eiergasschen gegeniiber, die h. Geistgasse genannt, welche 
nach einer alten Urkunde 3 weder bebaut noch iiberbaut werden 
durfte. Mit der Pfalzkapelle stand das Spital, wie oben bemerkt, 
durch die Thiir 105 im tiberwolbten Korridor (W) in Verbindung. 
Zu dem Spital gehorte als Hauskapelle die beim Stadtbrand von 
1656 zu Grunde gegangene h. Geistkapelle, welche in der Nahe 
der Kramerthiir lag; ihre Pundamente wurden bei Gelegenheit 
eines Neubaus im Jahre 1883 aufgefunden. Der oben erwahnte 
Kanal, welcher in dem nicht iiberbauten Hof zwischen der Pfalz- 
kapelle und dem uberwolbten Korridor (Fig. 1, W und N') begann, 

*) Quix, Die Konigliche Kapelle etc. auf dem Salvators-Berge S. 88, 
Urk. 7. [Die betreffende Urkunde erwahnt nur eine „fraternitas sancti spiri- 
tual die das Bestehen eines h. Geistspitals nicht nothwendig voraussetzt. 
Vgl. Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VI, S. 126, Anni. 7. D. Red.] 

2 ) Daher sagt auch Noppius a. a. 0. Th. I, S. 98, dass dieses Spital 
bei der Kramerthiir gelegen sei. [Noppius spricht hier nicht von dem h. 
Geistspital, das damals wohl nicht mehr bestand, sondern von der capella 
s. spiritus. D. Red.] 

3 ) Quix, Hist.-topographische Beschreibung der Stadt Aachen S. 66. 



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90 C. Rhoen 

scheint auch das abzuleitende Washer des h. Geistspitals aufge- 
nommen zu haben. 

Die bisher aufgefundenen geringen Baureste dieses Spitals 
waren nicht hinreichend, ein Bild der ganzen Anlage zu geben. 
Wir mtissen daher vorlaufig noch darauf verzichten, seine ehemalige 
Disposition zu erkennen; bald jedoch, nach Fertigstellung der 
Restauration des Ministers, wird der stidliche Theil des Chorus- 
platzes tiefer gelegt und planirt werden. Dann werden auch die 
Keste des Spitals zu Tage treten un& der Besichtigung und Ver- 
messung zuganglich sein. 

B. Gebaude, von welchen keine Reste mehr bekannt sind. 

Die Pfalzkapelle war wie an der Nord-, so auch an der Siid- 
seite durch Bauwerke flankirt, die zwar mit ihr durch kleine 
Zwischenbauten, wie in Pig. 1, T angegeben, in Verbindung standen, 
sich aber, urn ihr das Fensterlicht zu belassen, nicht an sie 
anlehnten. Die bereits erwahnten, an der Siidseite im Unter- und 
Obergeschoss befindllchen Thuren (Fig. 1, 44 und Fig. 2, 12) be- 
statigen dies in nicht misszudeutender Weise. Wir haben uns 
daher an der Siidseite der Pfalzkapelle bauliche Anlagen zu 
denken; ihre Grosse und Disposition entzieht sich jedoch vollstandig 
unserer Kenntniss. Wir wissen, dass ein Gebaude, der Lateran 
genannt, sowio auch die Wohnung des Pontifex sich bei der Pfalz- 
kapelle befanden. Durch die vorhergegangenen Ausfuhrungen 
ist dargethan, dass diese weder an der West-, noch Nordseite 
gelegen haben, da der Zweck der daselbst gelegenen Gebaude 
bezeichnet ist; sie konnen also nur an der Siidseite ihren Platz 
gefunden haben, da die Ostseite vom Chor eingenommen war. 

1. Der Lateran. In den Quellen wird mehrfach des La- 
terans gedacht, der sich in Aachen befand. Die Angaben uber 
ihn gehen jedoch sehr auseinander : die Einen behaupten, dass der 
Lateran die Pfalzburg, die Andern, dass er die Pfalzkapelle, und 
wieder Andere, dass er ein Nebengebaude der letztern gewesen 
sei. Die Chronik von Moissac 1 sagt, Karl d. Gr. habe in Aachen 
einen Palast gebaut, den er Lateran genannt habe. Von der am 
10. Juli 817 unter Papst Stephan V. abgehaltenen Synode wird 



*) Vgl. Bohmer-Muhlbacher, Die Regesten des deutschen Reiches 
unter den Karolingern Nr. 325a und S i m 8 o n , Jahrbucher Ludwigs d. Fr. I, 
S. 83, Anm.. 3. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 91 

in der regula monachorum gesagt : Als in der „Lateran" genannten 
Kirche des Aachener Palastes u. s. w. Hiernach diirfte anzu- 
nehmen sein, dass die Pfalzkapelle selbst „Lateran u genannt wurde. 
Mehr Deutlichkeit finden wir bei Erwahnung der unter Papst 
Gregor IV. gehaltenen grossen Synode vom Jahre 836, von welcher 
es heisst: Als wir Bischofe zu Aachen im Sekretarium der Lieb- 
frauenkirche, welches Lateranis genannt wird, zusammengekommen 
waren u. s. w. Nimmt man diese Angaben wortlich, so scheint 
es, als ob man zwischen 817 und 836 zum Zweck der Abhaitung 
von Synoden und ahnlichen Versammlungen neben der Pfalzkapelle 
einen Bau errichtet, dass man aber diese Versammlungen fruher 
in der Pfalzkapelle selbst und in der Pfalzburg abgehalten habe. 
Prof. C. P. Bock sagt 1 , eine bestimmte Spur deute an, dass der 
Lateran im Jahre 882 bei den durch die Normannen angerich- 
teten Zerstorungen zu Grunde gegangen sei. 

Das mehrfach erwahnte Relief des Karlsschreins weist zur 
Zeit seiner Anfertigung, im Jahre 1215, die Siidseite der Pfalz- 
kapelle als freiliegend auf. 

Von dem Laterangebaude sind keine Spuren mehr zu unserer 
Kenntniss gekommen. Dass solche bis jetzt nicht aufgedeckt wurden, 
ist dadurch erklarlich, dass die Stelle, worauf es stand, spater 
zum Kirchhof eingerichtet wurde, wodurch die Erde, die hier 
lagerte, mehrfach umgeworfen und die Fundamente der vormaligen 
Gebaulichkeiten zerstSrt wurden. Es diirfte nur dann Hoflfnung 
viorhanden sein, noch Spuren desselben aufzufinden, wenn man 
an dieser Stelle Aufgrabungen vornahme, die weiter hinabreichten 
als die Tiefe der ehemaligen Graber, da nicht anzunehmen ist, 
dass letztere in gleicher Tiefe mit den karolingischen Funda- 
menten angelegt worden sind. 

2. Die Wohnung des Pontifex. Einhard 2 berichtet 
bei Aufzahlung der Vorzeichen, die das Herannahen des Todes 
Karls d. Gr. ankundeten, dass die Pfalzkapelle vom Blitz getrofifen 
und dabei der die Spitze des Dachs schmuckende goldene Apfel 
(malum) heruntergerissen und auf das Haus des Pontifex, wel- 
ches neben der Kirche stand, geschleudert worden sei. Aus den 
oben angefiihrten Griinden kann dieses Haus sich nur an der 
Stidseite der Pfalzkapelle befunden haben und bildete mOglicher- 



J ) Aachener Wochenblatt, Jahrg. 1836. 
2 ) Vita Karoli M. cap. 32. 



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02 C. Rhoen 

weise mit dem Lateran einen abgeschlossenen Bau. Es ist anzu- 
nehmen, dass es mit der Pfalzkapelle durch die aD ihrer Stid- 
seite befindliche Thtir in Verbindung gestanden habe. 

3. Die Wohnungen der Geistlichen. Der Pracht, mit 
welcher Karl d. Gr. seine Pfalzkapelle erbaute, kam die Fttrsorge 
ftlr die angemessene und wtirdige Austibung des Gottesdienstes 
in derselben gleich. Einhard sagt 1 , er habe goldene Gefasse 
und Priestergewander in so grosser Anzahl anfertigen lassen, dass 
selbst der Thiirhuter seinen Dienst nicht in seinen gewOhnlichen 
Kleidern zu verrichten hatte. Karl interessirte sich fur Alles, 
was Bezug auf den Gottesdienst hatte ; wohnte er diesem bei, so 
nahm er gewohnlich seine Stelle unter der Goistlichkeit. Auch 
die Ausbildung des Kirchengesangs liess er sich sehr angelegen 
sein. Die zur Abhaltung des Gottesdienstes an die Kapelle ver- 
setzten 20 Geistlichen hatton ihre Wohnungen an der Stelle, wo 
jetzt der Kreuzgang mit den umliegenden Hausern, sowie die 
Realschule liegen, also auf dem Terrain zwischen dem Gewftlbe 
Fig. 1, W und der Klostergasse, wobei jedoch der von dem 
Kreuzgang umschlossene Raum als unbebaut und als Hof oder 
Garten zu betrachten ist. Nicht bloss die Geistlichen, sondern 
auch die bei Verrichtung des Gottesdienstes mitthatigen Laien 
scheinen dort ihre Wohnungen gehabt zu haben. Wir haben 
schon oben bemerkt, dass diese Wohnungen durch das GewOlbe 
Fig. 1, W und den uberwGlbten Korridor W mit der Pfalzkapelle 
in Yerbindung standen. 

Von den umfassenden Gebaulichkeiten, die ehemals diese 
Wohnungen bildoten, ist nichts weiter mehr vorhanden als ein 
winziges Stiick Mauerwerk, das die eine Seite der Thtir am Auf- 
gang der Treppe zum grossen Drachenloch bildet. Der Zeit- und 
Witterungseinfluss, sowie die zahlreichen grossen Feuersbrtinste, 
welche Aachen heimgesucht, haben diese Gebaulichkeiten vertilgt 
und nur den starker angelegten GewOlben weniger anhaben k5nnen. 

Als gegen Ende des 10. Jahrhunderts das nach der Chrode- 
gangschen Kegel bestehende Zusammenleben der Stiftsgeistlichen 
aufgehoben und ihnen die freie Wahl des Propstes gestattet 
wurde, bauten dieser und einzelne Kanoniche ihre Wohnungen 
auf dem Klosterplatz, der Dechant die seinigo an der Stelle der 
jetzigen Realschule; die alten Wohnungen blieben der niedern 

l ) Vita Karoli M. cap. 26. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 93 

Geistlichkeit ttberlassen. In dieser Zeit wird auch wohl die Anlage 
des Kreuzgangs da, wo er noch besteht, stattgefunden haben. 
Die damals getroffenen Einrichtungen dieser Gebaulichkeiten sind 
im Wesentlichen noch erhalten, wenn auch unter dem Propst 
Philipp von Schwaben (1187 — 1193), dem spatern deutschen KOnig, 
an Booster und Donnitorium Neuerungen vorgenomoien worden sind. 

VII. Die Baumeister der Pfalzkapelle. 

Die Baukunst und die ihr verwandten Kunstfacher lagen in 
Rom und in dem iibrigen Italien bereits im 5. Jahrhundert fast 
vftllig darnieder. Nur in Ravenna, das damals am Moer gelegen 
war und einen vielbesuchten Hafon besass, hatte sich die Kunst 
durch das Aufbltihen des Exarchats, besonders unter Theoderich 
d. Gr., noch erhalten. Als auch diese Stadt durch politische Ver- 
h&ltnisse und das Zurtickweichen des Meers von ihrem Hafen 
Handel und Wohlstand verlor, zerfiel sie und mit ihr die bisher 
in ihren Mauern gepflegte Kunst. Die Stadt entvOlkerte sich, 
und die dem Meer zunachst liegenden Theile verOdeten. Hier 
standen noch bedeutende Bauten, besonders Gotteshauser, die 
jetzt nicht mehr benutzt wurden und aus Mangel an Unterhaltung 
dem Verfall entgegengingen. Die andern Lander ausser Italien 
waren entweder in der Bildung noch nicht so weit fortgeschritten, 
dass in ihnen die Baukunst bereits gepflegt wurde, oder es lag 
dort wie in Italien die Kunst darnieder. Die vielfachen Kriege 
des 7. und 8. Jahrhunderts verhinderten das Wiederaufbliihen der- 
selben, und sie ging allmahlich in die Hand der Klostergeistlichkeit 
tiber, wo sie zwar erhalten, aber vorderhand nicht weiter aus- 
gebildet wurde. Dieser Umstand hatte das Gute, dass die archi- 
tektonischen Grundsatze und Regeln eben erhalten blieben und 
der spatern Entwickelung als Basis dienten. Wo aber bis zum 
10., ja bis zum 11. Jahrhundert gebaut wurde, mochte es eine 
Kirche oder ein sonstiges Gebaude sein, wurde nichts Neues, 
Originales mehr geschaffen, sondern man begntigte sich damit, 
frtiher Geschaffenes zu kopiren. In die Laienwelt waren die 
Kiinste noch wenig eingedrungen. 

Karl d. Gr. bemtihte sich, in seinem Frankenreich sowohl die 
Baukunst als auch die andern Kunstfacher einzufuhren. An den 
Pfalzen und Kirchen, die er baute, erkennen wir das Bestreben, 
sie in rOmisch-byzantinischer und besonders in der Ravennatischen 



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94 C. Rhoen 

Bauweise aufzuftihren, auch sie, soweit wie mftglich, mit Werken 
der Kunst zu schmiicken. Von den Kirchen erwahnen wir beson- 
ders die Aachener Pfalzkapelle, die nach ihrem Vorbild errichteten 
Kirchen zu Ottmarsheim und Nimwegen, sowie die Stiftskirche in 
Essen. Diese Gebaude weisen nirgend die selbst&ndige Ausbil- 
dung einer nationalen Eigenthtimlichkeit auf, sondern sind nur 
mehr oder weniger exakte Kopien alterer Bauwerke. Doch wur- 
den sie stets mit grosser Pracht im Innern ausgestattet. Da das 
frankische Land keine Kunstler besass, suchte Karl d. Gr. sich 
Kunstwerke von anderwarts zu beschaffen. Die Erlaubniss, welche 
Papst Hadrian ihm ertheilte, aus dem zerfallenden Palast des 
Theoderich zu Ravenna Kunstwerke zu entnehmen x , scheint von 
ihm in ausgedehnterm Massstab benutzt worden zu sein. Der 
Kanonikus Agnellus berichtet, dass auch Karls Sohne das Fort- 
schaffen von Kunstwerken aus dieser Stadt fortsetzten. Einhard 
erwahnt nur schttchtern das Herbeischaffen von Kunstwerken und 
setzt beschonigend hinzu, dass diese nirgend anderswo zu haben 
gewesen seien 2 . Doch nicht bloss auf den Palast des Theodorich 
soil die Entnahme von Kunstwerken sich beschr&akt haben, auch 
aus andern, selbst kirchlichen Gebauden sollen solche ausgebrochen 
und tiber die Alpen geschafft worden sein. Nach einer in Ra- 
venna erhaltenen Tradition war es besonders die jetzt nicht mehr 
bestehende Kirche S. Lorenzo in classe, welche am meisten von 
solchen Entnahmen zu leiden gehabt habe. Auch die Kirche S. 
Apollinare in classe habe ihren Tribut an Kunstschatzen ontrichten 
mtissen. Beide Kirchen lagen von der eigentlichen Stadt entfernt 
in dem verlassenen Theil derselben und wurden schon damals 
wenig mehr benutzt. Doch raumen selbst die Ravennaten ein, 
dass Karl d. Gr. aus Kirchen in den bewohnten Stadttheilen, 
in denen noch Gottesdienst gehalten wurde, nichts fortgenommen 
habe. Wenn auch Papst Hadrian mit diesem Verfahren Karls 
nicht einverstanden sein mochte, so musste er doch auf den 
machtigen Kaiser, der so Vieles fur die Kirche im ALIgemeinen 
gethan hatte, eine besondere Rticksicht nehmen. 

Die Entnahme von Kunstgegenstanden aus den Ravennatischen 
Kirchen, die fur die Aachener Pfalzkapelle bestimmt waren, mag 
bei Karl d. Gr. den Gedanken angeregt haben, einen solchen Bau 



J ) Bouquet 1. c. V, p. 581; Jaffe\ Mon. Carolina p. 268, no. 89. 
2 ) Vita Karoli M. cap. 26. 



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Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 95 

selbst in Nachbildung zu Aachen aufzurichten. Durch den da- 
maligen Mangel an leistungsf&higen Architekten, welchen Karl 
wohl erkannt hatte, mag dieser Gedanke erzeugt und zur Aus- 
ftihrung gebracht worden sein. In der klar durchdachten Konstruk- 
tion der Pfalzkapelle, besonders aber der ihres obern Rundschiffs, 
die nur das Resultat eines eingehenden Studiums sein kann, diirfte 
eine Rechtfertigung dieser Annahme liegen. Mehrere Grtinde, 
auch die Bronzegitter, die augenscheinlich von einem altern 
Bau herrtihren, sprechen hierfiir. Die Konstruktion aus dem sog. 
Achtort, nach welcher, wie Baurath Ark nachgewiesen hat, die 
Pfalzkapelle erbaut ist, dtirfte den fr&nkischen Architekten der 
karolingischen Zeit wohl v5llig unbokannt gewesen sein. Ferner 
erw&hnt Einhard eines Baumoisters der Pfalzkapelle nicht, ob- 
gleich er den unter Ludwig d. Fr. die Bauten an der Pfalz 
leitenden Bibliothekar Gervard als solchen nennt 1 . Die bisher 
als Baumeister der Pfalzkapelle Angesehenen, wie Einhard, Alkuin 
und Ansigis, Abt zu St. Wandrille bei Rouen, sind Personen, 
deren Namen zwar in der Geschichte aufgotaucht, die sich aber 
als Baumeister der Pfalzkapelle nicht bew&hrt haben. Einhard, dem 
wohl am ehesten diese Stellung zuzuschreibon ware, war daftir 
zur Zeit der Erbauung noch zu jung 2 ; in Bezug auf die TJebrigen 
finden wir nirgend eine Andeutung liber eine bauliche Th&tigkeit 
an der Pfalzkapelle. Auch Odo von Metz hat man als Baumeister 
derselben genannt, doch ist auch hierftir eine tiefere Bestatigung 
nicht vorhanden 3 . Die vielfachen TJntersuchungen, welche Prof. C. 
P. Bock im Aachener Wochenblatt (Jahrg. 1837) tiber diese Frage 
verftffentlichte, haben ebenfalls zu keinem befriedigenden Resultat 
gefuhrt. 

Dass der Anblick der imposanten Kirchen in Ravenna Karl 
d. Gr. bewogen hat, eine, vielleicht diejenige von ihnen, aus wel- 
cher er Kunstwerke entnahm, in Aachen nachzubilden, kann bei 



l ) Hist, de la transl. des reliques de St. Pierre et Marcellin, Ueber- 
setzung von Teulet, p. 313. 

■) Anna. d. Red. In neuester Zeit hat auch Ad amy (Die Einhardkirche 
zu Steinbach im Odenwalde. Darmstadt 1885) Einhard als den Erbauer des 
Aachener Miinsters und der Basilika zu Seligenstadt bezeichnet. 

s ) Anm. d. Red. Die Thatigkeit des Odo von Metz am Aachener Miin- 
ster ist aufs Bestimm teste bezeugt durch eine alte Inschrift; vgl. Haagen, 
Geschichte Achens von seinen Anfangen bis z. Ausgange des sachs. Kaiser- 
hauses S. 61 f., Jaffe', Mon. Carolina p. 536, Abel-Simson, Jahrbiicher II, 
S. 559, Anm. 4, von Reumont in dieser Zeitschrift V, S. 167. 



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96 C. R h o e n , Die Kapelle der karolingischen Pfalz zu Aachen. 

bei Berticksichtigung der damaligen Yerhaltnisse nicht befremden 
und entbehrt nicht der Wahrscheinlichkeit. Der Kaiser konnte sich 
auch durch den Anblick einer solchen Kirche am Besten von der 
Wirkung ftberzeugen, den die zuktinftige Pfalzkapelle austiben 
wtirde. Von einem Plan hatte er ein solches Bild unmtfglich in 
sich aufnehmen kOnnen, wie das, was er hier in Wirklichkeit sah. 
Geleitet von seinem praktischen Blick, wird der Kaiser eher zu 
einem solchen Verfahren gegriffen haben, als die Anfertigung des 
Plans zu einem derartigen Bau, wie Jahrhunderte vor- und nach- 
her kein ahnlicher mehr errichtet wurde, einem Baubeflissenen der 
damaligen Zeit in die Hand zu geben. Er liess daher einfach die 
ihn am meisten ansprechende Kirche durch einen Werkmeister 
vermesson und unter Beibehaltung ihrer Masse in Aachen wieder 
aufftthren. Dass dieser Aufbau nicht unter der Leitung eines kunst- 
gebildeten Architekten stattgefunden, weisen mehrere Details wie 
Fig. 10, 11, 12 und 13 nach, deren Zeichnung unmftglich von einem 
Baumeister herriihren kann, der befahigt gewesen, den Bau der 
Pfalzkapelle im Plan zu entwerfen. Diese Details weisen auf einen 
Mann hin, dessen architektonische Kenntnisse von geringerer Be- 
deutung als seine praktischen waren. An andern Stellen, z. B. an 
der Einfassung der Fenster des Rundschiffs, erkennt man, dass hier 
bloss der Werkmeister gewaltet, ein Architekt aber nicht vorhanden 
war. Wir glauben daher nicht zu irren, wenn wir unter Erwagung 
der oben angefuhrten Umstande der Vermuthung Raum geben, 
dass Karl d. Gr. in Nachbildung einer jetzt nicht mehr bestehenden 
Kirche Ravennas, aus welcher er moglicherweise Kunstwerke ent- 
nahm, unter Beibehaltung ihrer Bauart und ihrer Dimensionen die 
Pfalzkapelle in Aachen errichtet hat. 

Wir konnen nicht umhin, zum Schluss denjenigen unserer 
Freunde, welche der obigen Beschreibung der Pfalzkapelle ihr 
Interesse zuwandten, besonders aber dem Domwerkmeister Herrn 
Baecker, der bei neuen Auffindungen stets die Freundlichkeit 
hatte, uns davon Mittheilung zu machen, auch uns vielfach in 
unsern Untersuchungen untersttitzte, den besten Dank auszu- 
sprechen. 



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Das alte Wegenetz zwischen Koln, Limburg, 
Mastricht und Bavai, 

mit besonderer Beriicksichtigung der Aachener Gegend. 

Von C. von Veith. 

(Mit einer Karte.) 

Schon vor zwei Jahrtausenden fiihrte von Bavai liber Dinant, 
Limburg, Diiren ein Weg nach Koln, eine zweite, nordliche Parallel- 
strasse von Koln liber Jlilich, Mastricht, Tongern nach Bavai, als 
Romerstrasse nach Amiens und Boulogne fortgesetzt. Diese beiden 
"Wege Koln-Bavai umschUessen mit einem alten Wegenetz die 
wichtigen Punkte Aachen, Llittich und Namur. 

Ein Theil dieser Strassen ist im Lauf der Zeit verfallen, oft bis 
zur ganzlichen Vergessenheit verschwunden, und doch weist die 
Geschichte jene beiden Wegerichtungen Bavai-Koln schon vor dem 
Entwurf und der Anlage der Bomerstrassen Agrippas nach, da sie 
Caesars Legionen oft in starken Tagemarschen zur Maas, zum Rhein 
und nach Boulogne flihrten \ 

Zur Zeit Caesars bestanden dort schon romische Befestigungen: 
Aduatuca castellum (Limburg), ein Romerlager bei Jiilich, Brucken- 
kopfe oberhalb Koln und bei Bonn 2 , bis im J. 38 v. Chr. das 
Legionslager Agrippas bei Koln 3 , ein ahnliches zweites Lager, Vetera 
castra, noch vor Christi Geburt durch Kaiser Augustus 4 und die 
50 Rheinkastelle des Drusus angelegt wurden, Stlitzpunkte der romi- 
schen Offensive zum Rhein und liber den Rhein. 

Die Peutingersche Tafel und das Itinerar des Antonin geben uns 
die romische Staatsstrasse Koln-Julich-Tongern-Bavai mit ihren Etappen 



1 ) Picks Monatsschrift IV, S. 419; VI, S. 1 und 230. 

2 ) Picks Monatsschrift VI, S. 87. 

8 ) von Veith, Das romische Koln. Winckelmanns-Programm 1885. 
4 ) von Veith, Vetera castra mit seinen Umgebungen. Berlin 1881. 



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98 C. von Veith 

fur Post- und Signaldienst, wahrend die siidliche Strasse Koln- 
Diiren-Limburg-Bavai durch neuere Forschungen festgestellt ist \ . 

An die Verfolgung dieser Lanien knupfen wir auf beiliegender 
Fundkarte das alteste Wegenetz jener Gegend, in der Ueberzeugung, 
dass dadurch manche historische Beziehungen der alten genannten 
Ortschaften zu einander, namentlich fur unser Aachen, sich erklaren. 

A. Siidliche Strasse von Bavai fiber Dinant, Limbiirg, Diiren 

nach KOln. 

I. Bavai-Dinant, 36 leugen = 54 millien. Bavai (Baga- 
cum Nerviorum), die ehemalige Hauptstadt der germanisch-gallischen 
Nervier, fiihrt seinen Ursprung in die mythische Zeit eines bel- 
gischen Konigs Brunehaldus, ja in die Zeiten Trojas zurtick. Caesar 
erwahnt bei seinen Kriegsziigen iiber Bavai nicht den Nanien dieser 
Stadt, und die dortigen Brunehild-Strassen werden von einigen 
Schriftstellern erst auf die Zeit der Konigin Brunehilde bezogen, die 
im 6. Jahrhundert Gemahlin des Konigs Sigbert von Austrasien war. 

Die Stadt Bavai zeigt Reste romischer Bauten, romischer Bader, 
Wasserleitungen, eines Theaters ; sie hatte ein gemauertes Kastell von 
300 m Lange, 100 m Breite. Bavai, einst gleich unserm Koln der 
Stolz und der Glanzpunkt seines Landes, bluhte im 3. Jahrhundert, 
wurde im J. 407 von den Vandalen zerstort, im J. 438 von Klodion 
erobeii;, war bis zur Taufe Klodwigs 496 Residenz der Frankenkonige, 
wetteiferte mit Reims, welches schon zu Kaiser Konstantins Zeit die 
Hauptstadt von Belgica secunda geworden war 2 . 

Nach Agrippas Strassenentwiirfen fuhrten, ausser der Hauptstrasse 
auf Koln, Romerstrassen nach Cambrai, Tournay, Mons, Yermand, 
Reims, so dass etwa acht Romerstrassen strahlenformig von Bavai 
ausgingen 3 . 

Unsere Strasse auf Dinant, von van Dessel auf belgischem 
Gebiet beschrieben, geht nordlich an Maubeuge vorbei, iiber die Sambre, 
wo Caesar im J. 57 v. Chr. bei Mesnil die tapfern Nervier ver- 
nichtend schlug 4 . Nach den eben (Anm. 2) genannten belgischen 

J ) van DeHfiel, Topographic des voiea romaines de la Belgique. 
Brussel 1877. 

a ) Annates de Tacaddmie d'arche'ologie de Belgique XXXVIII, 3, VIII 
(1882), p. 39. 

8 ) Congres arch^ologique de France 1858. Les voies romaines d'Avesnes 
par M. Houze*. 

4 ) Geschichte Julius Caesars von Kaiser Napoleon III. (Wien 1867) S. 105 
und Congres archdologique de France 1877, p. 232. 



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Das alte Wegenetz zwischen K61n, Limburg, Mastricht und Bavai. 99 

Annalen (1. c. p. 422) liegt jenes wichtige Schlachtfeld 15 km oberhalb 
Maubeuge bei Labuissiere und Valmont. Die Strasse zeigt auf dieser 
Strecke nur geringe Abweichungen von ihrer geraden Richtung, 
benutzte das giinstigste Terrain, ist aber theilweise auf beiden Ufern 
der Sambre durch die Bodenkultur verschwunden. 

In Boussois wurden Fundamente romischer Gebaude und romische 
Mtinzen gefunden, in Str6e, Rogn6e, Corenne, Flavion zahlreiche 
romische Alterthiimer. Ueber Anth6e, wo eine romische Villa auf- 
gedeckt wurde, zweigt sich von Flavion her eine Nebenstrasse ab, 
welche bei Hastiere die Maas uberschreitet und iiber Arlon nach 
Trier und Metz fiilirt. 

II. Dinant-Poulseur, 24 leugen = 36 millien. Wo 
bisher auf einem 60 m hohen Felsvorsprung des rechten Thalrandes 
die belgische Citadelle von Dinant das hiibsche scharf eingeschnittene 
Maas-Thal sperrte, sollen schon die Romer ein Kastell Dinantis gehabt 
haben. Im Mittelalter stand dort ein festes Schloss Montorgueil, und 
auch auf dem linken Thalrand lagen Befestigungen des militarisch 
wichtigen Uebergangspunktes. 

Von Dinant her nimmt die Strasse, wie die beifolgende Karte 
andeutet, ihre Hauptrichtimg auf Koln iiber Clavier, Louvaign6, 
Limburg, Gressenich, Diiren und iiber die Ville bei Grefrath, als 
hatten auf alien diesen Hohepunkten Feuer- und Rauchsignale die 
gerade Strassenrichtung einige 20 deutsche Meilen weit festgestellt, 
fur welche nur die Bodenverhaltnisse kleine Abweichungen auf den 
Verbindungslinien jener Punkte forderten. 

Transversalen durchschneiden bei Ciney und Clavier unsere Strasse 
nach dem historisch wichtigen Namur und Huy, und zahlreiche 
Alterthumsfunde deuten auf romische und vorromische Ansiedlungen 
an diesen Punkten. 

Hody war die dritte Station von Dinant her, und hier gabelt 
sich die Strasse, um in den langen Thalschluchten liber Villers aux 
Tours und siidlich davon bei Poulseur das Ourthe-Thal zu iiberschreiten. 
Auch hier sind romische Alterthiimer gefunden, Fundamente romischer 
Gebaude, romische Ziegel, Bronzesachen, Mtinzen, Gefasse, und vor- 
romische, romische und frankische Graber begleiten die Strasse, 
diesen alten Volkerweg in der Richtung der nordlichen Brunehild- 
Strasse, wahrend das dazwischen liegende Thai der Maas und Sambre 
von Luttich iiber Namur zwar auch jene zahlreichen Alterthiimer 
der Vorzeit bewahrt hat, durch die Windungen jener Fliisse jedoch 
langere, oft schwierigere Wege darbot. 

7* 



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100 C. von Veith 

HE. Poulseur-Limburg, 15 leugen = 22 millien. Die 
beschriebene Strasse, von den Landleuten und in Urkunden „la tige 
de.C6sar u genannt, ersteigt aus dem Ourthe-Thal das Plateau von 
Condroz, das Condrusenland, welches in Caesars B. G. IV, 6 und 
VI, 32 eine Rolle spielt. Als sogenannte „alte Strasse" liegt sie 
meist unter der Chaussee, die iiber Hornay, Louvaign6, Theux, Heusy 
nach Verviers in das Vesdre-Thal und niit dem Namen des „pav£ 
du diable" nach Dolhain und Limburg fiihrt. Einzelne Reste dieser 
Strasse neben der Chaussee zeigen ein ganz zerfahrenes unregel- 
massiges Pilaster von Grauwackensteinen, die sich mit ihrer Erdan- 
schiittung bei 5 bis 6 m Breite stellenweise oft Va m liber den 
Boden erheben. Die Kieslage ist abgeraumt oder abgespiilt und liesa 
nur das Statumen dieses Teufelspflasters zuriick, welches wir auch 
in mehrern Transversalen (vecquees) finden, die aus dem Thai der 
Maas und Vesdre in stidostlicher Richtung das hohe Venn liber 
Stavelot, Malmedy, Sourbrodt nach der Mosel hin iiberschreiten. 

Romische Alterthiimer sind namenthch bei Theux (Tectis) und 
Juslenville gefanden, Mauer-Fundamente, Graber mit Miinzen, Fibulae, 
Statuetten, Inschriftsteine u. s. w., so dass hier eine wichtige Ansied- 
lung lag, nach Schiirmans mit den Resten eines Mithraeum und 
eines Palatium Ludwigs d. Fr., der hier Urkunden im J. 827 aus- 
stellte \ 

a. Die Querstrasse Luttich-Loiivaign6-Stavelot-Trier fiihrt iiber 
das Plateau von Embourg, wo man mit Unrecht Aduatuca castellum 
angenommen hat, kreuzt imsere Strasse bei Louvaigne (in alten Ur- 
kunden Lovineias genannt) und fiihrt mit einer Nebenstrasse durch 
das Vesdre-Thal tiber Fraipont (ad fractum pontem nach Staveloter 
Urkunden des 11. Jahrhunderts), unter dem Namen „la Porall6e u 
iiber das Plateau von Condroz, durch die Sumpfheiden (fanges vom 
keltischen fancq = marais) auf Stavelot (Stabulacus vicus im 7. Jahr- 
hundert). 

In Heft XLIII der Bonner Jahrbiicher beschreibt Oberst von 
Cohausen mit Zeichnungen solche Strassen iiber das hohe Venn. 
6 m lange uralte Baumstamme bilden die Querlagen dieser Kniippel- 
damme fiir plattenformige Grauwackensteine im Morast, oft ganzlich 
von Heidegestrupp und Moos iiberwachsen. Sie unterscheiden sich 
wesentlich von den durch von Alten beschriebenen friesischen Bohlen- 
wegen, die, bei 3 m Breite, mehr rahmenartig in den Mooren liegen. 



J ) Annates de Tacad&nie d'arch^ologie de Belgique 1. c. p. 260. 



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Das alte Wegenetz zwischen Kflln, Liinburg, Mastricht und Bavai. 101 

Stidlich von Stavelot geht unsere Querstrasse an der preussisch- 
belgischen Grenze liber Dreyfeld, Weisswampach, Heinerschied, 
Hosingen, meilenweit zweckmassig iiber die Wasserscheiden gefiihrt, 
auf Diekirch, Alt-Trier, Wasserbillig nach Trier. Diese Strasse, nur 
auf einzelnen Punkten von mir beriihrt, verdient mit ihren Ver- 
zweigungen eine speziellere Rekognoscirung. 

b. Von Mastricht (Traiectum) auf Stavelot geht eine alte Strasse 
liber Gronsfeld, Berneau, Herve, Verviers, Barronheid nach Stavelot 
nnd Malmedy (Malmundarium im 7. Jahrhundert). Von Verviers 
fuhrt eine Abzweigung stidlich liber Jaihay zur Baraque St. Michel, 
in Verbindung mit der Strasse c. 

c. Mastricht, Gronsfeld, Fouron le comte nach Fouron St. Martin, 
Henri-Chapelle, Dolhain, Limburg, Go6, Maison Hestreux durch den 
Herzogenwald zur Baraque St. Michel iiber das hohe Venn nach 
Sourbrodt, Murringen, mit einer Parallelstrasse iiber Elsenborn und 
Rocherath, dann tiber Neuhof zur Kyll beim Heidenkopf und iiber 
Neuhaus-Dahlem zur Trier-Kolner Strasse mit ihren Verzweigungen 
iiber Hillesheim zur Mosel und zum Rhein. 

d. Vom Vesdre-Thal bei Go6 geht eine ostliche Zweigstrasse, 
„la chauss6e de Charlemagne", auch „Heerstrasse u genannt, tiber Mem- 
bach, ausserdem von Dolhain eine Parallelstrasse iiber Heggen, „griiner 
Weg" genannt, bfei Herbesthal und Astenet vorbei, auf Aachen, von 
hier tiber Wurselen, Alsdorf, Linnich, Erkelenz (mit Graberfunden 
an diesen Punkten), tiber Diilken, Straelen nach Nimwegen, eine fur 
die Bedeutung von Aachen sehr wichtige alte Strasse, in sofern die- 
selbe imsere Kaiserstadt mit Limburg und dem Bataverland verband, 
im Mittelalter einer der herzoglichen oder koniglichen Wege, unter 
hoher Jurisdiktion 2 verges oder 32 Fuss breit erhalten, wie der 
Limburgische Historiker Pfarrer Ernst nachweist. 

Dieser grtine Weg, von Dolhain bis Aachen in neuerer Zeit 
theilweise, und weiterhin tiber Aachen hinaus durchgehends chaussirt, 
zeigt jetzt noch ostiich von Dolhain in einzelnen erhaltenen Resten 
eine von 1 m hohen Wallhecken eingefasste, 6 m breite Strasse mit 
4 m breiter Steinlage. Bei Hegg^i wird sie von einer ahnlichen 
Strasse durchschnitten, die von Membach tiber Baelen nach Mastricht 
fiihrt. 

Besonderes kriegshistorisches Interesse bietet die Strasse c, zu 
welcher aus Limburg eine 4 m breite Strasse zum Vesdre-Thal tiber 
Go6 nach Maison Hestreux fuhrt, der klassische Weg, auf welchem 
Caesar im J. 53 v. Chr. von Limburg her mit einem dreitagigen 



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102 C. von Veith 

Marsch den Fiirsten Ambiorix an der Kyll vergeblich zu erreichen 
suchte K 

Dies alte Strassennetz, nur theilweise von den belgischen und 
Loxemburg-Iimburger Archaologen beruhrt, erweist am besten die 
historische Bedeutung dieser Gegenden, durch welche schon zu Caesars 
Zeit die romischen Kriegsheere zum Rhein zogen, namentlich bei 
Limburg wiederholt lagerten und kampften. 

Limburg zeigt durch seine Oertlichkeit, Umgebungen und Ver- 
bindungen nicht bloss auf den ersten Blick, sondern bei grundlicher 
Verfolgung dieser Umgebungen, gestiitzt auf Caesars meisterhafte 
Berichte, die militarische Bedeutung seines Aduatuca castellum, welches 
bisher an einigen zwanzig verschiedenen Stellen zwischen Luttich, 
Aachen und Mastricht gesucht wurde. Die jetzige kleine, armliche 
Bergstadt, in deren Strassen das Gras wachst, da der Verkehr sich mehr 
nach Dolhain, dem alten Dalheim, zu seinen Fiissen hinzog, liegt mit 
steilen Abhangen auf einer Felsenzunge, die sich 80 m liber das Thai 
der Vesdre erhebt (la Vesdre ist Yesere = Weser 2 ), deren enge 
Schleife die Stadt Dolhain mit dem Aufstieg nach Limburg umschliesst. 

Das im J. 1064 von Graf Walram von Arlon erbaute Kastell 
Limburg ersetzte das Romerkastell, welches ein unregelmassiges Wall- 
Viereck von 120 und 200 m Seitenlange bildete, durch dessen Siid- 
front die porta decumana nach Goe fiihrte. Caesai*s Beschreibung 
der Kampfe bei limburg, die Mederlage der Romer im engen Yesdre- 
Thal bei Belvaux, 2 km unterhalb Dolhain, passt genau mit alien 
dortigen Yorgangen auf jene Oertlichkeiten, wie dies in Picks Monats- 
schrift (IY, S. 419) von mir auf Grund wiederholter Rekognoscirungen, 
friiher schon vom General Goler und noch heutzutage durch die 
haufig in der Erde gefundenen Romerwaflfen wohl zweifellos erwie- 
sen scheint. 

IY. Limburg -Cornelimuns ter, 10 leugen= 15 mil lien. 
1. Iimburg-Baelen, 2 millien. Unsere Kolner Strasse Uegt zwischen 



l ) Bonner Jahrbucher LXXIX, S. 4 und Picks Monatsschrift IV, S. 419. 
Diese Angaben beantworten die in Bd. Ill, S. 335 der Zeitschrift des Aach. 
Ge8chichtsvereins unter Nr. 5 gestellte Frage dahin, dass 1. eine alte Strasse 
von Mastricht fiber Limburg, Sourbrodt, Murringen, Neuhof zum Heidenkopf 
bei Dalheim und zur Koin-Trierer RSmerstrasse fiihrte; 2. eine Strasse von 
Corio vallum (Heerlen), Aachen, Friesenrath, Montjoie, Elsenborn, Rocherath, 
Neuhof u. s. w. an jene Strasse sich anschliesst; 3. eine alte Strasse von 
Duren nach Montjoie diese Verbindungen aufnahm. 

2 ) Grandgagnage, Les anciens noms de lieux (Brussel 1855) p. 15 und 19. 



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Das alte Wegenetz zwischen K6ln, Limburg, Mastricht und Bavai. 103 

Dolhain und Baelen unter der jetzigen Chaussee und erreicht in 
zweckmassigster Fiihrung den langgestreckten Hohenriicken, der sich 
auf Comelimiinster hinzieht. Das alte Baelen, in einer Urkunde 
Konigs Arnulf vom 9. Jahrhundert „Bailous, quae iuxta Limburch u , 
zeigt siidlich an der Kirche eine regelmassige Erhebung, 10 m liber 
der Strasse, oben 75 m lang, 15 m breit, deutet durch alte, theil- 
weise zerstorte Mauer-Fundamente auf eine ehemalige Befestigung. 

2. Baelen-Hohenstrass, 3 millien. Die Strecke ,,Nerether Weg" 
genannt, ist zwischen theilweise noch vorhandenen Wallhecken 6 m 
breit, und zeigt an mehrern Stellen romische Steinlagereste von 4 m 
Breite. Bei Gemereth tiberschreitet sie als .,Hohestrasse" die belgisch- 
preussische Grenze, 6 bis 8 m, stellenweise doppelt so breit, wo die 
ehemaligen Seitenwalle abgetragen sind. 

3. Hohenstrass-Rover (Homburg), 3 millien. Bei Haushof durch- 
schneidet die bereits frtiher erwahnte Strasse Membach-Astenet-Aachen 
unsere Strasse, und bei Rover das jetzige Chausseekreuz. 

4. Rover-Berlotte, 2 millien. Die Strasse geht nordlich beim 
Schloss Ravenhaus vorbei, wo Karl d. Gr. ein Jagdschloss gehabt 
haben soil \ Bei Berlotte macht sie jetzt eine weite Ausbiegung nach 
Norden, doch scheint der urspriingliche Lauf in der Richtung der 
Ravenhauser Tannen-AUee gegangen zu sein. 

5. Berlotte-Romerich, 3 millien. Oestlich von Berlotte zeigt die 
Strasse als Trift- und Grasweg die ehemalige Breite von 15 m, heisst 
hier bei den Einwohnern „die Kinnkett-Strasse" v und wird dieser sonst 
haufig „Kettelstrasse" lautende Name auf ehemalige Benutzung durch 
Saumthiere zuruckgefuhrt 2 . Zwischen Gilleskreuz imd Romerich liegt 
im Inde-Thal, welches die Strasse slidlich begleitet, das alte Schloss 
Brandenburg, einst als Kloster benutzt. Wo der Weg liber ein hoch- 
liegendes Heideland geht, zeigt sich einige hundert Meter weit die ehe- 
malige Bauart, deren Spuren weiterhin verwischt, aber noch erkennbar 
sind, 8 m Breite mit 4 m breiter Steinlage. Zu beiden Seiten ist 
ein IV2 m hoher, unter 4 m, oben 1 m breiter Wall, auf der nord- 
lichen Seite von zwei andern Wallen begleitet, 5 und 3 m breit, 1 bis 
I 1 1 2 m hoch. Man erkennt kaum noch eine Vertiefung der Zwischen- 



J ) Die Sage von JagdschlSssern Earls d. Gr. begegnet in der Aachener 
Gegend (Montjoie, Stqlberg, Cornelimiinster, Teuven u. s. w.) so haufig, dass 
man ihr wohl kaum in alien Fallen historische Bedeutung beilegen darf. 

2 ) Sollte der Name „Kettelstrasse" nicht mit dem vordeutschen ket = 
Wald (Waldname Ketil) zusammenhangen ? Vgl. Buck, Oberdeutsches Flur- 
namenbuch S. 136. 



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104 C. von Veith 

graben imter dem Strassen-Niveau, da diese einst 2 bis 3 m breiten 
Graben im Lauf der Zeit durch Absptilung ausgefullt sind. Solche 
Strassen-Profile entsprechen der Bauart der Landwehr- und Wege- 
damme an der Iippe, Sieg und Kyll. 

Bei Romerich-Nutheim ist die Strasse jetzt 6 m breit chaussirt^ 
und geht von hier ein Komnuinalweg tiber Hitfeld nach Aachen. 
Der Romerich ist am Kreuzpunkt ein altes Gehoft der ehemaligen 
Benediktiner von Cornelimunster, welches mit seinen Landereien 
gleich andern solchen Hofen zu Friesenrath u. s. w. einst von den 
Franzosen an den Meistbietenden zu Spottpreisen verkauft wurde. 

6. Romerich-Niitheim-Cornelimunster, 2 millien. Westlich von 
Cornelimunster zeigen sich auf dem linken Thalrand der Inde eben- 
falls jene Seitenwalle neben der 6 bis 8 m breiten Strasse, die stellen- 
weise die alte Steinlage hat. In das Inde-Thal zur Brticke von 
Cornelimunster fithrt ein langer 3 bis 4 m breiter gepflasterter 
Hohlweg. 

Die alte Abtei, „monasterium Enda constructum in silva nostra 
Arduenna", von Abt Benedikt 816 gegriindet, in einer Urkunde Lud- 
wigs d. Fr. 821 so genannt, soil in der Nahe eines Jagdschlosses 
Karls d. Gr. gestanden haben. Wahrscheinlich lag auf dem rechten 
Thalrand des freundlichen Inde-Thals an der Stelle der jetzigen Pfarr- 
kirche eine romische Befestigung, mit 4 m breiter Nebenstrasse auf 
Dorf, wahrend die Hauptstrasse oberhalb aus dem Inde-Thal bei der 
Antoniuskapelle auf die Hohe von Breinig fuhrt. 

Die besten Notizen tiber jene Gegend verdanke ich Herrn Pauls 
in Cornelimunster, der seit Jahrzehnten mit Fleiss und Pietat die 
dortigen Strassen und die alte Geschichte seiner Heimath verfolgt. 

Y. Aachen. Unsere Limburg-Durener Strasse geht allerdings 
eine deutsche Meile stidlich von Aachen, die romische Staatsstrasse 
Koln-Jiilich-Mastricht sogar zwei Meilen nordlich an Aachen vorbei, so 
dass man diese Stadt noch vor wenigen Jahrzehnten ftir ganzlich 
bedeutungslos in der Romerzeit ansah, hochstens einige Nebenwege 
von JtiHch und Gressenich nach Aachen, \md von hier durch das 
Konigsthor tiber Melaten (statt tiber Laurensberg) eine alte Strasse 
nach Coriovallum annahm K 

Dank den sachkundigen Forschungen des Aachener Geschichts- 
vereins sehen wir dagegen jetzt 



J ) von Cohausen in den Bonner Jahrbiichern XLIII, S. 19 und C. P. 
Bock, Das Rathhaus zu Aachen S. 13. 



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Das alte Wegenetz zwischen K8ln, Limburg, Mastricht und Bavai. 105 

1. Die wichtige Grtinstrasse, spater „chauss6e de Charlemagne 44 , 
auch „konigliche" oder „herzogliche Strasse" genannt (sieh III, d), von 
Limburg liber Heggen bei Herbesthal imd Astenet (dem alten Asta- 
netum) vorbei, mit Romergrabern \ auf Ronheide, in Yerbindung damit 
die jetzt chaussirte alte Strasse von Liittich und Herstal liber Herve 
(Harvia und Hervia), Henri-Chapelle durch die Aachener Jakobstrasse 
liber den Markt und die Grosskolnstrasse auf Wiirselen, Elchenrath, 
Euchen, mit Romerresten an letztern Punkten 2 (eine Nebenstrasse auf 
Geilenkirchen und Roermond), dann liber Alsdorf, Setterich (1304 
strata Aquensis 3 ), Linnich, Erkelenz auf Nimwegen, und als „Reit- 
weg" liber Haaren (Ackara), Aldenhoven nach Jiilich, Neuss und 
Koln ziehen 4 . 

Diese Strasse gehort schon nach den sie begleitenden Funden 
der Romerzeit an, ist wenigstens ebenso wichtig wie die Limburg- 
Dlirener Strasse, da sie Aachen mit Limburg und Liittich direkt ver- 
band, von der Maas her unsere merovingischen und karolingischen 
Flirsten von ihren Konigsvillen Chevremont, Jupille, Herstal nach 
Aachen fiihrte, den deutschen Konigsthron hier begrlinden half. 

2. Die alte Strasse von Mastricht liber Glilpen (Galopia), Lemiers 
(grliner Weg), Melaten durch das Konigsthor liber die Trichter- 
(Mastrichter-) Gasse, Klappergasse, Rennbahn, am Mlinster vorbei, zur 
Adalbertstrasse auf Rothe Erde, Eilendorf, Pumpe, Eschweiler nach 
Pattern, und im Inde-Thal auf Jiilich, fiihrte ausserdem ostlich von 
Eilendorf liber Stolberg, Gressenich, Dliren nach Koln. 

Die grlindlichen hollandischen und belgischen Mitarbeiter der 
archaologischen Zeitschriften von Mastricht, Liittich, Limburg nennen 
diese Strasse zwischen Mastricht und Aachen eine Romerstrasse, fur 
deren Alter und Bedeutung zahlreiche Eunde westlich von Mastricht, 
bei Aachen der merovingische Ejrchhof 5 mit seinen Alterthlimern 
auf der Hohe unfern des Langen Thurms am Konigsthor sprechen. 
Anerkannt keltische Funde, wie Weberschiffchen, Schlittschuhe u. s. w., 
an den in l 1 ^ m Tiefe aufgedeckten Knlippeldammen der Klapper- 
gasse und Adalbertstrasse, romische Graber in dem ostlichen Theil 
der Ursulinerstrasse begleiten diese Strasse, welche nach Einhards 
Angabe zum Jlilichgau fiihrte. Bei Rothe Erde wurden Ziegel mit dem 



1 ) Quix, Geschichte des Kreises Eupen S t 66. 

2 ) Mittheilung der Herrn Archivar Pick zu Aachen. 
8 ) Quix, Gesch. der Reichs-Abtei Burtscheid S. 300. 

4 ) Schneider in der Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 173. 

5 ) Echo der Gegenwart 1882, Nr. 1, Bl. H 



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106 C. von Veith 

Stempel der 30. Legion *, dort auch, wie es scheint, beim Eisenbahnbau 
eine romische Grabsaule mit dazu gehorigem Pinienapfel, 1 ra hoch,- 
gefunden, in deren Nahe ebenfalls viele romische Ziegel lagen 2 . 

Ueber Aachen hinaus geht die Strasse durch den Propsteier Wald 
am Fuss der Romervilla dem Stolberger Bahnhof gegeniiber vorbei, 
welche durch den sachkundigen Heiss der Herrn Fritz Berndt seit 
1876 aufgedeckt ist 3 . 

In der Nahe von Pumpe wurden der Rest eines romischen Meilen- 
steins und viele romische Ziegel gefunden 4 . 

Ftir Eschweiler, das alte Ascvilare, weist sein frankischer Konigs- 
hof urkundlich auf das Jahr 830. Dort sind Romeirfunde, namentlich 
romische Ziegel 5 , auch ein Steinbeil 6 nachgewies£n, und in seiner 
Nahe ist der Inschriftstein der Dea Sunuxsalis gefunden, der auf die 
Sunnici (Sinnich) westlich von Aachen hindeutet 7 . 

Eine halbe Meile ostlich von Eschweiler, ebenso weit nordlich 
von der Romervilla unfern des Stolberger Bahnhofs wurde im J. 1856 
bei Wiistenrode das romische Kohorten-Feldzeichen eines Leopard von 
goldfarbener Bronze gefunden. Ein Rest der eisernen Tragestange 
ist am Fuss der freilich kleinen (8 bis 10 cm), aber sehr schon gear- 
beiteten Bildes noch sichtbar 8 . Prof. Braun knupft anziehende Be- 
trachtungen an seine Beschreibung solcher ahnlich ofter vorkommenden 
Heiligthiimer romischer Krieger. Hat der Signifer der Kohorte seinen 
Leopard dort im unglucklichen Kampf verloren, ihn vielleicht ver- 
graben, oder ist das Bronzebild ein Beutestuck aus der Niedermetz- 
limg der 15 romischen Kohorten, welche den Eburonen im J. 54 
v. Chr. bei Limburg erlagen? Jedenfalls ist es ein historisch denk- 
wtirdiges Wahrzeichen blutiger Kampfe in unsern Waldern vor 
beinahe zwei Jahrtausenden. 

Den weitern Verlauf der Strasse Eschweiler-Julich begleiten 
Romerfunde tiber das alte Pattern 9 , sowie durch das Inde-Thal mit 



*) Quix, Gerard Chorus S. 45. 
2 ) C. P. Bock a. a. 0. S. 14 und 15. 
8 ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins IV, S. 179. 
4 ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VI, S. 243. 
6 ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 148; Bonner Jahr- 
bucher LXXV, S. 184. 

6 ) Mittheilung des Herrn Archivar Pick zu Aachen. 

7 ) Bonner Jahrbucher XXV, S. 18. 

8 ) Braun, Der Wustenroder Leopard. Winckelmanns-Programm 1857. 

9 ) Bonner Jahrbucher XIX, S. 95 und LXXV, S. 184; Pick in der Zeit- 
schrift des Aach. Geschichtsvereins VI, S. 109. 



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Das alte Wegenetz zwischen Koln, Limburg, Mastricht und Bavai. 107 

den Funden bei Frenz-Lamersdorf *, Altdorf und Kirch berg in der 
Richtung auf Jiilich und Koln. 

3. Unsere wichtigste alte Strasse durch Aachen ist aber die Fort- 
setzung der romischen Staatsstrasse, die nach dem Itinerar 375 von 
Colonia Traiana bei Vetera nach Coriovallum (Heerlen) flihrt. Diese 
Fortsetzung verfolgt auf hollandischem Gebiet jetzt als Chaussee die 
Richtung von Heerlen iiber Rucker und Herloch zur preussischen 
Grenze, geht von hier als alter Weg westlich neben der Horbach- 
Aachener Chaussee iiber Vetschau, Laurensberg, Schurzelt an dem 
1885 aufgedeckten Romergrab vorbei 2 , durch die Sustergasse, in 
Aachen durch den Bongard zur Pontetrasse, in welcher am Paulus- 
haus romische Alterthumer gefunden sind 3 . 

Jene Sustergasse halt zwischen Laurensberg und Aachen in oft 
gewundener Fuhrung ihre im Allgemeinen gerade Richtung fest, ist 
jetzt statt der fruhern 6 m oft auf 3 bis 4 m Breite reduzirt, erinnert 
aber durch Steilrander und Hohlwege, stellenweise dammartige Erhe- 
bung, Stein- und Kiesreste an ihre alte Bauart and Bedeutung 4 . 

Der weithin sichtbai*e Laurensberg diente einst fiir die Fuhrung 
der Strasse als Richtungspunkt, wahrscheinlich auch als Warte zu den 
3 millien entfernten Nebenpunkten nordlich bei Frohnrath und siidlich 
zur Frankenburg. Ein Hauptpunkt war wohl der hohe Lousberg 
(Lugberg, zum Ausschauen, besser wohl der Berg Ludwigs d. Fr.). 

Die Pontstrasse fiihrte iiber das jetzt noch 7 m tief, aber flach 
eingeschnittene, einst sumpfige Thai des Johannisbachs zum Aachener 
Marktplatz, an der dortigen kaiserlichen Pfalz vorbei, durch die Kra- 
merstrasse (romischer Inschriftstein eines frumentarius), Hartmann- 
(Harduin-), Wirichsbongard-, Schild- und Lothringerstrasse 5 zur Fran- 
kenburg, als Warte nach den 3 millien entfernten Hohen von Hitfeld. 
Die Fortsetzung der Strasse durch den Hohlweg ostlich neben der 
Frankenburg ist durch Kultur und Eisenbahn verwischt, 'ging bei 

! ) Iphigenie, Orest und Py lades, Relief; vgl. Katalog des K. Rhein. 
Museums in Bonn, Nr. 225. 

2 ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 281. 

a ) Bonner Jahrbucher XLIII. XLIV, S. 300. 

4 ) Schneider in der Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 174 
und in den Bonner Jahrbuchern LXXIII, S. 3. 

6 ) In den Aachener Rathsprotokollen vom J. 1735 heisst sie ,,der soge- 
nante Lotharinger Weg". Damals iiberliess die Stadt dem Syndikus Heyendall 
einen Theil der Strasse mit der Bedingung, „dass am Platz dieses einziehenden 
Fuhrwegs furohin darauf ein Fusspatt gelassen werden solle". Mittheilung 
des Herrn Archivar Pick zu Aachen. 



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108 C. von Veith 

der Krautmtihle liber den Beverbach und Haus Schonrath zum 
sogenannten Reichsweg, siidlich neben der heutigen Trierer Chaussee, 
verfolgte den Hohenzug auf Hitfeld, scheint einst besser und gerader 
gefuhrt gewesen zu sein als der jetzige Kommunalweg nach Ntitheim 
zuinKreuzpunkt mit der Limburg-Dtirener Strasse am Eomerich (s. IV, 5). 

Von hier aus bietet die Strasse ein besonderes Interesse durch 
ihre ganz gerade Richtung, wenn auch nur durch alte Fusswege 
bezeichnet, iiber Berg und Thai der Inde zur Walheimer Kirche 
und dem dortigen Bahnhof, wahrend die zweckmassig gefuhrten 4 m 
breiten, jetzt meist verlassenen Fahrwege zu beiden Seiten der oft 
steilen Fusswege, zuweilen in tiefen Hohlwegen dieHohen ersteigen, 
auf den Thalsohlen sich wieder vereinigen. 

Am Walheimer Bahnhof erreichte die Strasse die jetzige Chaussee 
bei dem hochgelegenen Haus Wildniss, beim Meterstein 14,2 den 
Nebenweg zur Maiburg, einer durch Wiesenthaler isolirten hohen Wald- 
kuppe mit dem Friesenrather Hof, bei welchem 300 m ostlich von 
der Chaussee die Fundamente einer Ronierwarte, 3*/2 millien siid- 
ostlich von Hitfeld gefonden sind 1 , ein Yiereck von Mauern und 
Steinresten mit 10 m Seitenlange, in welchem namhafte Architekten 
romischen Mortelbau nachgewiesen haben. Leider waren jene Steinreste 
durch dichtes Gebiisch und Gestriipp selbst mit Hiilfe des Friesen- 
rather Hofbesitzers in diesem Sommer (1886) durchaus unzuganghch, 
verdienen aber ingtinstigererZeit nahereUntersuchungundBlosslegung. 

Die Strasse geht von hier mit der heutigen Chaussee nach Mtinster- 
bildchen (3 millien), durchschneidet Rotgen, iiberschreitet 2 km westlich 
von Fringshaus auf einem anfanghch tief ausgefahrenen alten Wege das 
hohe Venn, geht durch Miitzenich, dann 1 km westlich von Montjoie 
bei der Dreisteg-Miihle liber die tief eingeschnittene Roer, durch ein 
Nebenthal auf Kalterherberg und Elsenborn, kreuzt zwischen Bullingen 
und Krinkelt die Koln-Reimser Romerstrasse, geht in der Nahe alter 
Wall- und Grabenreste, offenbar Befestigungen, auf Miirringen und 
Neuhof 2 , wohin von Elsenborn ein Nebenweg iiber Rocherath kommt. 
Dann geht der Weg, oft als einfacher, stets gut gangbarer Waldweg, 
liber Neuhaus und Dahlem zum Romerlager am Heidenkopf, erreicht 
hier die Koln-Trierer Romerstrasse, welche bei Jiinkerath das tiefe 
Kyllthal iiberschreitet. 

Die beschriebene Strasse ist danach die wichtige Verbindung 
von Vetera iiber Coriovallum und Aachen mit Trier. Die Strecke 



J ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins V, S. 311. 
2 ) Bonner Jahrbucher LXXV, S. 16. 



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Das alte Wegenetz zwischen K6ln, Limburg, Mastricht und Bavai. 109 

Coriovallum-Trier ist oft ebenso undeutlich, oft ebenso ganzlich 
verschwunden wie die nordliche von mir rekognoseirte Strecke 
Coriovallum- Vetera, deren Stationen, im Itinerar gegeben, ausser 
Theudurum (Ttiddern) ebenso wenig mit Sicherheit festzustellen sind. 

4. Aachen wird endlich von einer alien, von mir nur stellenweise 
gesehenen Strasse durchschnitten, welche, von Roermond, Heinsberg, 
GeilenMrchen, Borschelen, Zopp kommend, die unter 1 genannte Strasse 
bei Wtirselen erreicht, von Aachen an Linzenshauschen vorbei iiber 
Eynatten, Eupen nach Maison Hestrenx zuni hohen Venn geht 1 , 
hier die Mastricht-Iimburger Strasse aufnimmt und liber die Kapelle 
Fischbach, Sourbrodt bei Elsenborn jene 3. Strasse erreicht, die anf 
Trier fiihrte. Der wohlorientirte Herr Pauls in Cornelimiinster ver- 
wirft die Strasse Aachen-Eynatten-Eupen, in sofern die Eupener 
Gegend keine Romerspuren aufzuweisen hatte, wogegen die von 
Herrn Pick mit Recht hervorgehobene Benutzung der Strasse als 
mittel^lterlicher Pilgerweg, worauf auch die Thurminschrift des 14. 
Jahrhunderts am Linzenshauschen deutet, fur deren hohes Alter spricht. 

Das heutige Aachen wird vom Johannis- und Ponellbach, sowie 
dem schon in alter Zeit regulirten Paubach durchflossen, Nebenbachen 
des Burtscheider Wurmbachs, mit dem sie sich, jetzt meist unter- 
irdisch gefiihrt, einige 100 m unterhalb des Kaiserplatzes vereinigen. 
In ihrer allgemeinen Richtung von West nach Ost werden diese drei 
Bache von flachwelligen Hohenziigen begleitet, die sich 10 bis 20 m 
iiber die Bachsohlen erheben. 

Der langgestreckte Hohenzug zwischen Johannis- und Ponell- 
bach tragt auf seinem Riicken unter der heutigen Jakobstrasse die 
1879 in der Gegend des Venn 3 m tief im Boden aufgedeckte alte 
Strasse, welche von Luttich und Limburg her in die Kolner Strasse 
fiihrt und auf dem Aachener Marktplatz die Strasse von Vetera nach 
Trier durchkreuzt. Jener Marktplatz liegt 174 m iiber dem Meeres- 
spiegel, vom waldigen Lousberg, dem alien Wart- und natiirlichen 
Citadellpunkt Aachens, noch um 60 m uberragt. 

Auf dem Marktplatz stand in der Gegend des Brunnens und 
des Standbildes Kaiser Karls wahrscheinlich einst das romische 
Praetorium, etwa ein halbes Jahrtausend nach dessen Bau das 
Palatium Konig Pippins und Karls d. G., wie der Bischof Theodulph 
von Orleans sagt, der im Friihjahr 796 den dortigen Hoffesten bei- 
wohnte 2 . 



l ) Schneider in der Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 175. 
*) C. P. Bock, Das Rathhaus zu Aachen S. 35. 



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110 C. von Veith 

Aber kein romischer Schriftsteller nennt den Namen Aachens, 
welcher zuerst im Jahr 765 vorkonimt, als Konig Pippin hier 
(Aquis) das Weihnachtsfest feierte. Aquae oder Aquis bezeichnet 
gleich dem alten Ahha oder Aa einen Wasserlauf, deutet wohl anf 
die Heilquellen in Verbindung mit dem Namen des keltisehen Heil- 
gottes Granus, dessen Wahrzeichen im Granusthurm des Aachener 
Rathhauses erhalten ist. 

Caesar sehreibt zuerst von jenen Gegenden, bezeichnet aber bei 
seinen Feldzugen nach Germanien liber die Maas und den Rhein nur 
diese beiden Plussnamen mit den wenigen Ortsangaben : dass er von 
seinem Ausgangspunkt Samarobriva (Amiens) durch das Land der 
Condrusen, das heutige Condroz, das castellum Aduatuca, das heutige 
Limburg 1 , beruhrte, jenseits des Rheins als Zielpunkt den Bacenis- 
wald im Auge hatte, den militarisch wichtigen Hohenzug des 
heutigen Patschoser Waldes im Siegener Lande an den Quellen der 
Sieg, Eder und Lahn 2 . t 

Caesars Rheinubergange werden jetzt immer mehr zwischen 
Koln und Bonn, statt, wie fruher, bei Xanten und Neuwied, ange- 
nommen. Danach gingen Caesars germanische Peldziige durch das 
Limburg-Aachener Land, so dass die alten Wege zwischen Limburg 
und Dtiren den leitenden Faden fur jene Kriege in der Mitte des 
1. Jahrhunderts v. Chr. bilden. 

Oft ist unsere Mutter Erde mit ihren alten Wegefurchen und 
einzelnen dabei zersti*euten Punden, unsere Sprache mit ihren Orts- 
und Personennamen das einzige, aber werthvollste Archiv fiir 
geschichthche Forschungen. 

Mit Bezug auf das Aachener Land sei hier eine Episode jener 
Feldziige beriihrt, wenn der nachsichtige Leser einem militarischen 
Ideengang folgen will, ohne fur alle ortlichen Einzelnheiten Beweise 
zu fordern 3 . 

Zur Emdtezeit im J. 53 v. Chr. kehrte Caesar nach dem 
zweiten Rheiniibergang in die Gegend des Bonner Castrum zurtick. 
Seinem Heer von ungefahr 50 000 Mann gehen von hier aus 5000 
gallische Reiter unter dem Befehl des L. M. Basilus als Avantgarde 
voraus, welche iiber Roisdorf, Brenig, Hemmerich, Lechenich nach 
einem ttichtigen Ritt von sechs deutschen Meilen auf giinstigen, 
schon bekannten Wegen, am Abend bei Diiren bivouakiren. 



^ Picks Monatsschrift IV, S. 419. 
2 ) Ebendas VI, S. 87 und 108. 
8 ) Caesar, B. G. VI, 29 sqq. 



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Das alte Wegenetz zwisclien KOln, Lirabur<r. Mastricht und Bavai. Ill 

Caesar hatte befohlen, nach sclinellem tiberraschenden Yorgehen, 
bei Nacht keine Bivouakfeuer anzuzunden, mit dem fur die ganze 
Sachlage wichtigen Zusatz, er werde der Kavallerie mit den Legionen 
auf dem Fuss folgen, erforderlichen Falles zur Unterstutzung bereit, 
so dass er biernach wahrseheinlich an demselben Tage das Erft-Thal 
bei Lechenich erreichte. 

Bei Diiren von den dort beginnenden Hohen des Ardennerwalds 
gedeckt, der sich nach Caesars Angabe bis zuni Gebiet der Remer und 
Nervier (Hauptstadt Bavai) hinzieht, tra-bt die gallische Reiterei am 
zweiten Marschtag Morgens durch das Thor der Dea Arduinna auf 
der von uns beschriebenen Strasse iiber Gressenieh, erreicht nach 
einem Marsch von 3 bis 4 deutschen Meilen am Yormittag die 
Gegend Cornelimunster-Aachen und iiberrascht hier die Eburonen, 
die in ihren Feldern mit der Erndtearbeit besehaftigt sind. Gefangene 
verrathen dem Basilus den Aufenthaltsort ihres Fiirsten Ambiorix, 
vielleicht in der Eupener Gegend, in sofern Caesar einen Fluss (Yesdi*e) 
im Walde andeutet. Gallische Reitergeschwader eilen dorthin, werden 
in einem Hohlweg von der kleinen Begleihmg des Fiirsten auf- 
gehalten, bis Ambiorix Zeit gewinnt, ein Pferd zu besteigen, um in 
den Waldern zu entkommen. Seine ganze kriegerische Ausriistung, 
Gepack, Karren und Pferde, fallen in die Hande der Romer. 

Caesar setzte seinen Marsch auf Limburg fort und befahl hier 
die Verfolgung des Ambiorix in drei Kolonnen seines Heeres, die 
erste und wichtigste unter seinem personlichen Befehl nach Siiden 
hin zum Heidenkopf an der Kyll (ad flumen Scaldem, quod influit 
in Mosam). Ftir Mosa ist Mosella, fiir Scaldis Gelbis, die heutige 
Kyll, zu setzen, da von der Schelde nach Massgabe der Marschtage, 
von der Mosa selbstverstandlich gar nicht die Rede sein kann. Die 
zweite Kolonne ging nach Norden hin iiber Tongem, die dritte ver- 
wiistete die Maasgegend. 

Caesar hat damals und spater seinen Racheschwur griindhchster 
Stihne ftir die Niedermetzlung seiner 15 Kohorten bei Limburg im 
J. 54 erfullt, er vernichtete die Eburonen bis zum J. 51 mit Stumpf 
und Stiel, „ut stirps ac nomen civitatis tollatur", erinnert 
liierbei an das hinterlistige unmenschliche Hinschlachten von hundert- 
tausend wehrlosen Germanen im J. 55 zwisclien Tuddern und Roer- 
mond *. 

Nach der Griindung des romischen Koln durch Agrippa im 
J. 38 v. Chr. besetzten Romer und TJbier das verwiistete Land 



l ) Picks Monabschrift VI, S. 21. 



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112 C. von Veith 

der Eburonen zwischen Rhein und Maas. Unzweifelhafte Romer- 
spuren finden wir in der zweiten Halfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. 
in den Ziegelstempeln der 6. legio victrix, der 30. legio Ulpia und 
der Transrhenanae *, in den Wasserleitungen und Badern von Aachen 
aJs historischen Nachweis, dass romische Truppen dort standen, wo 
liber Romerbadern und weithin zerstreuten romischen Bauresten nach 
Jahrhunderten das Palatium und die Kirche Karls d. Gr. sich erhoben 2 . 

Romische Truppen sicherten nach altem Kriegsgebrauch fiir 
kiirzem oder langern Aufenthalt sich stets durch befestigte Lager 
und deshalb theile ich auf Grand aller bezuglichen Terrainverhalt- 
nisse und der bisher aufgefundenen Mauerreste die Ansicht der Herren 
Pick und Schneider, dass in Aachen ein durch Mauern, Walle und 
Graben befestigtes Romerlager im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. 
bestand, welches seinen Mittelpunkt auf dem heutigen Marktplatz, dem 
Kreuzpunkt der Limburg-Kolner und Yetera-Trierer Strasse hatte, 
mit einer Ansiedlung (vicus) in der Gegend des heutigen Fisch- 
markts, durchschnitten von der alten Mastrichter Strasse auf Julich 
und Duren. 

Starke Mauerreste, wahrscheinlich Doppelmauern mit Erde ge- 
fullt, sind siidlich vom Miinsterthurm und in der Ursulinerstrasse 
gefunden; sie bezeichnen die Siidfront des Lagers, dessen porta 
decumana am Miinsterplatz zwischen Kramer- und Hartmannstrasse lag. 

Aehnliche Mauerreste in der Richtung der Edelstrasse und 
Mostardgasse bezeichnen die Ostfront mit dem Kolnthor. 

Das tiefe Thai des einst sumpfigen Johannisbachs an der Neu- 
pforte, 7 m unter dem Marktplatz, deutet auf Graben und Briicke 
der Nordfront mit der porta praetoria in der Pontstrasse. Am 
Thalrand zwischen Johannisbach und Markt hat Hofrath Nolten 
terrassenformige Substruktionen nachgewiesen, nach der Ansicht des 
Professor Bock dazu bestimmt, den Palast trocken zu legen 3 . 

Die Westfront lag in der Richtung ostlich von der Eockerell- 
strasse zum Miinster hin, die porta sinistra auf dem hochsten Punkt 
der Jakobstrasse. Nach Professor Bocks mehrfach erwahnter werth- 
voller Schrift hat ein Mauerabschluss die Umgebung des Palastes 
vom benachbarten Flecken getrennt, doch wird eine ehemalige Be- 



*) L e r s c h in der Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 159. 

2 ) Bonner Jahrbucher LX, S. 12 und L e r s c h, Die Ruinen des Romer- 
bades. Aachen 1878. / 

8 ) Nolten, Arcbaolog. Beschreibung der MGnsterkirche in Aachen 
S. 45; C. P. Bock, Das Rathhaus zu Aachen S. 16. 



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Das alte Wegenetz zwischen Kflln, Limburg, Mastricht und Bavai. 113 

festigung dort ebenso geleugnet, wie dies vielfach noch heutzutage 
geschieht. Von Bedeutung ist die Leitung des Paubachs durch die 
Klappergasse liber den Fischmarkt *, um dem wichtigen Punkt, viel- 
leicht den Graben der Befestigung, nebenbei auch den Badern ebenso 
Wasser zuzufuhren, wie die romische Kaltwasserleitung vom Burt- 
scheider Kurgarten durch die Lothringerstrasse zur Edelstrasse 
dies that. 

Wir erhalten so ftir das Romerlager ein Viereck von etwa 
200 und 300 m Seitenlange mit 6 ha Lagerraum, als Winterlager 
fur 2 bis 3 Kohorten a 500 Mann, etwas grosser, aber ahnlich 
dem Kastell Victoria bei Neuwied (200 und 250 m), der Saalburg 
im Taunus (150 und 220 m), Boppard (150 und 300 m), Deutz 
(150 m). 

Ausser den bereits genannten Komerresten Aachens und seiner 
nachsten Umgebung sind nur einige wenige Inschriftsteine zu 
nennen, ein Weihestein des Candidinius Gaius fiir die Fortuna und 
tutela loci in der Edelstrasse gefunden 2 , ferner der eines frumentarius 
in der Kramerstrasse 3 , ein sehr bezeichnend umgekehrt eingesetzter 
Weihestein der — iae Veru — (test)amento in der Frontmauer der 
Taufkapelle und ein bisher nicht erklartes Inscb rift-Fragment mit 
den Namen Ingenuus und Optatinianus, das man im Mauerwerk des 
Miinsterthurms auffand 4 . 

Wichtig und unaufgeklart bleiben vorlaufig die in der Gegend des 
Marktbrunnens im J. 1730 in 3 bis 4 m Tiefe gefundenen starken, 
sehr festen Baureste von Lang- und Quermauern, angeblich fiir Ge- 
wolbe bestimmt, gleich kleinen Zimmern, und eine runde Preitreppe 
vor dem jetzigen Bathhaus 5 . Ferner die auf dem Chorusplatz dicht 
am Mtinster im Fruhjahr 1886 aufgedeckten Baureste, zu denen 



*) Das hier befindliche sogenannte „Gras", 1267 zum Rathhaus umgebaut, 
ist im untern Theile wahrscheinlich noch ein Ueberrest aus rOmischer Zeit; 
seine Lage am Kastell und das tief in den Boden hinabreichende diistere 
Quaderwerk mit den breiten Mortelfugen legen diese Annahme nahe, auch 
sprechen dafdr die 1880 hier aufgefundenen „merovingischen Substruktionen" 
(vgl. „Aachener Anzeiger" vom 3. Aug. 1882, Morgen-Ausgabe). 

2 ) Q u i x, Geschichte Aachens I, S. 2 ; B r a m b a c h, Corp. inscr. rhen. 
no. 628. 

8 ) Bonner Jahrbiicher LV, S. 238. 

4 ) Bonner Jahrbiicher LXXIII, S. 154. 

6 ) Schreiber, Gesch. und Beschreibung Aachens (Heidelberg 1824) 
S. 42; Quix, Hist.-topogr. Beschreibung der Stadt Aachen S. 103 und C. P. 
B o c k a. a. O. S. 96. 



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114 C. von Veith 

romisches Material, namentlicli Ziegelsteine, benutzt sind. Sie weisen 
auf romische Grundlagen hih, die wahrscheinlich mit den aufgeftinde- 
nen starken Mauern unter dem Oktogon und dem dortigen Romerbad l 
in Verbindung stehen, welches vielleicht einst aJs Christenbad benutzt 
wurde. Die dicke dort am Chorusplatz gefundene Saule von Guss- 
werk und eigens dafiir geformten Backsteinen mit ihren vierseitigen 
Steinsockeln gehorte vielleicht zu jener Saulenhalle, die iiber den 
heutigen Chorusplatz den Palast Karls d. Gr. mit seiner Hofkapelle 
verband 2 . Bekanntlich liess Kaiser Karl aus den Triimmern der wie- 
derholt zerstorten Stadte Trier und Verdun Baureste nach Aachen 
schleppen, um den neuen Mittelpunkt seiner kaiserlichen Macht zu 
griinden und zu schmucken. 

Hier hatte sich auf den Trummerji des im 5. Jahrhundert durch 
Vandalen, Sueven, Hunnen und Franken zerstorten Eomerlagers 
jenes Palatiiun Pippins und Karls d. Gr. im 8. Jahrhundert erhoben, 
welches wieder zu Ende des 9. Jahrhunderts von den Normannen 
verwilstet wurde. In unbestimmter Zeit entstand dann die Befestigung 
der sogenannten Mittelstadt Aachen mit Wall und Graben 8 , deren 
Umfang durch den heutigen Templer-, Hirsch-, Seilgraben, Comphaus- 
badstrasse, Friedrich-Wilhelmsplatz, Kapuziner-, Alexianer-, Loher-, 
Karlsgraben angedeutet wird, etwa 50 ha gross, bis Aachen im 
J. 1172 mit Mauern und Thiirmen befestigt wurde, deren freilich 
sparhche Reste noch heute erkennbar sind 4 . Zuletzt entstand im 
14. Jahrhundert der aussere Mauerring, dessen theilweise noch er- 
haltene Thorburgen und Thiirme von der eihstigen Wehrhaftigkeit 
der Stadt ein redendes Zeugniss geben. 

AUe diese Statten, Wege und Bauten seit den Zeiten der Kelten, 
Eomer und Franken sind historische Denkmaler imseres alten Aachens, 
dessen heilkraftige Bader imd schone Waldberge von jeher An- 
ziehimgspunkte fur Ansiedlungen bildeten. Noch im Dunkel des 
Mittelalters, im 10. Jahrhundert, bezeichnet der Korveier Monch 
Widukind die Lage des Palatium Aquasgrani durch dessen Nahe bei 
„Iulo, a conditore Iulio Caesare cognominato" 5 , und Papst Hadrian 



1 ) L e r s c h, Die Ruinen des Romerbades zu Aachen S. 4. 

2 ) Q u i x, Geschichte Aachens I, S. 15. 

8 ) Pick in der „Aachener Volkszeitung" 1886, Nr. 110. 
4 ) Ein Stuck dieser innern Stadtinauer steht noch im Garten des Hauses 
Nr. 114 in der Jakobstrasse. 

*) Widukindi ies gestae Saxonicae lib. II, c. 1. 



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Das alte Wegenetz zwischen KOln, Limburg, Maastricht und Bavai. 115 

sagt im J. 1158, Aachen, der Sitz des deutschen Kaiserthums, liege 
in einem gallischen Walde 1 . 

Wo vor zwei Jahrtausenden die Eburonen kampften und starben, 
wohnt jetzt im Aachener Lande ein deutsches Volk, welches von 
seinen hollandischen Nachbarn den h&uslichen Sinn, von den benach- 
barten Belgiern Fleiss und Industrie, von seinen Yorfahren Kraft 
und Treue fiir Kaiser und Reich geerbt hat. Freiherr von Fiirth, 
ein wahrhafter Patrizier Aachens, betont den echt deutschen Biirger- 
sinn in alien Kreisen seiner Vaterstadt. Er sagt, die Aachener 
wurden es nie den leichtfertdgen Franzosen vergessen, dass sie 
vor jetzt nahezu 100 Jahren ihrem altehrwiirdigen, freihch nicht 
modernen Kaiser Karl auf dem Marktplatz ihre Jakobinermutze 
aufsetzten. In solchem Biirgersinn wird Aachen auch fernerhin bliihen 
und gedeihen, und den eifrigen Forschungen Einzelner wie der dort 
bestehenden Vereine wird es gelingen, manches Dunkel seiner 
altesten Geschichte aufzuklaren. 

VI. Cornelimunster-Dtiren, 10 leugen = 16 millien. 
1. Cornelimiinster-Breinig, 2 millien. Die Limburg-Kolner Strasse 
verfolgte von Cornelimiinster ostwarts die Richtung der jetzigen, 6 m 
breiten Kommunalstrasse auf Breinigerheide und ist neben derselben 
oft noch erkennbar. Dann geht sie, 6 bis 8 m breit, stellenweise 
dammartig 1 m erhoht, im Kataster „alte Steinstrasse", von den Ein- 
wohnern „Pilgersrrasse u genannt, auf Breinig. Die Steinlage ist 
meistentheils aufgenommen und verbraucht. Nach Aussage des 
Pfarrers Braunertz zu Breinig sind an der Steinstrasse zahlreiche 
romische Graburnen gefunden, weiterhin am Gauhofel romisches 
Mauerwerk mit Hypokausten. 

2. Breinig- Vicht, 2 millien. Beim Gauhofel miindet in die 
Strasse als Compendium ein alter Waldweg, friiher als Abkiirzung 
benutzt, aber mit starkerer Steigung. Die Hauptstrasse ist 8 m breit 
chaussirt, danmiartig geftihrt, und mundet 600 m unterhalb Vicht in 
die alte Stolberger Thalstrasse. Sie uberschreitet den Vichtbach bei 
Vicht, eine nordliche Parallelstrasse, welche von Cornelimiinster 
siidlich bei Dorf und Biisbach vorbeifiihrte, bei Bernhards-Muhle 
unterhalb Vicht. 

3. Vicht-Gressenich, 3 millien. Diese Strassen gehen auf Maus- 
bach und Krewinkel, die Chaussee auf Gressenich, ausserdem die 
alte wichtige Strasse Aachen-EUendorf-Buschmuhle-Stolberg-Kammer- 



') C. P. B o c k, Das Rathhaus zu Aachen S. 13. 

8* 



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116 C. von Veith 

berg auf Gressenich, oft nur ein 3 m breiter, tief ausgefahrener 
Hohlweg, mit Gestrtipp besetzt. Die zaklreicken Wege deuten auf 
den lebhaften Verkekr, namentlich veranlasst durck den romiscken 
Bergbau auf Galmei und Kupfer. An vielen Punkten zwischen 
Stolberg und Gressenich, besonders an der Mausbach-Gressenicher 
Chaussee, sieht man die Spuren jenes Bergbaus, der in weithin ver- 
theilten Parzeilen betrieben wurde. Die alten Baustellen, 50 bis 100 
m lang, 40 bis 60 m breit, von Erdlockem, Wuklen genannt, durck- 
zogen, sind jetzt meist mit Gestrupp bewacbsen, enthalten oft nock 
tiefe Wassertumpel. Solch eine Bergwerksstelle Uegt 400 m westlick 
von Gressenick beim Meterstein 0,50, auf einer Erkebung von einigen 
Metern iiber der Cbaussee. Hier wurden Gebaudereste mit romiscken 
Dackziegeln gefunden, von Oberstkeutenant Sckmidt im Heft XXXI, 
S. 137 der Bonner Jakrbiicker erwabnt. Sackkundige Einwokner er- 
kennen darin eine romiscke Bleisckmelze von etwa 5 m Seitenlange. 

Die dortigen alten Wege, oft nock am sckleckten Kornwucks 
erkennbar, liegen in V2 m Tiefe, sind bis 4 m breit aus Bleiscklacken 
gebildet. Solcbe Wege fukrten von jener Bleisckmelze in der Ricktung 
auf Wertk, angebkcb eine ekemakge Besitzung des beriibmten Jan 
von Wertk, dessen Bild sick in einem Kirckenfenster des benacbbarten 
Gressenick befindet. Ausserdem fubren Wege nack Hamick, wo 
Romerreste gefunden sind, nack Sckevenkiitte, Weissenberg u. s. w. 

Bei Diepenlincben und Weissenberg war der Hauptsitz des 
romiscken Bergbaus. Dort ist das Tkal, welckes nordostkck auf 
Kottenick ftikrt, 6 m tief mit alten Sandscklacken ausgefullt, die jetzt 
durck verbesserten Betrieb von Neuem auf geringe Prozente Silber 
durcksuckt werden, da die Romer diese Ausbeutung des Silbers neben 
dem Blei wokl nickt verstanden. 

Bei Gressenick sind romiscke Munzen, Urnen u. s. w. gefunden, 
bei Hof Grackt romiscke Heizvorricktungen. Auf einer weitkin 
beberrsckenden Hoke, 500 m sudkck von Gressenick, einem Kreuz- 
punkt zalilreicker Wege aus alter Zeit nack alien Ricktungen kin, 
stand nack Urkunden des 9. Jakrkunderts das ekemalige Crusciniacum, 
in dessen Nake ein romiscker Insckriftstein, „genio loci" geweikt, 
gefunden wurde 1 , der jetzt in CorneKmunster sick befindet. 

4. Gressenicb-Sckwarzenbroicb, 3 millien. Die Limburg-Diirener 
Strasse, einst als Aacbener Pilgerpfad benutzt, gekt 500 m oberbalb 
Sckevenkiitte liber den tief eingescknittenen Wekeback und dann 



') Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins II, 8. 141 und III, S. 139. 



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Das alte Wegenetz zwischen K6ln, Limburg, Mastricht und Bavai. 117 

am ostlichen Abhang desselben mit zahlreichen, tief ausgefahrenen 
Geleisen, zwischen denen der 4 bis 6 m breite, V2 bis 1 m hohe 
Strassendamra mehrfach erkennbar ist, auf den bewaldeten Thal- 
rand, wird weiterhin ein 4 bis 8 m breiter Waldweg, stellenweise 
mit alter Steinlage. Auf der Hohe der Wasserscheide fiihrt eine 
Seitenstrasse, ebenso breit, in siidostlicher Kichtung iiber den 
Hochwald auf Gey, wo im J. 1859 die Steininschrift einer Dea 
Arduinna gefunden wurde. Von Gey geht der Weg iiber Strass, bei 
Unter-Maubach iiber die Roer, dann liber Thumm (tombae) auf 
Embken, den alten Romerort, bekannt durch seine Matronensteine, 
nach Ztilpich. Bei Gey wird sie von einer Strasse durchschnitten, 
die von Diiren iiber Hiirtgen, Vieweg, westlich an Kesternich vorbei, 
nach Montjoie geht. 

Unsere Hauptstrasse Limburg-Duren fiihrt zur Klosterruine 
Schwarzenbroich, 200 m lang, 100 m breit, von einer 3 m hohen 
Mauer umgeben, im 14. Jahrhundert gegriindet von Werner von 
Merode 1 , jetzt verfallen. Der nahe Knosterberg, viele Meilen weit 
nach Osten hin sichtbar, diente wahrscheinlich einst als Wachtposten 
und Richtungspunkt im Ahgnement Koln-Cornelimiinster. Am Sud- 
rand des Berges geht die Strasse, von einem Parallelweg begleitet, 
bei einer Kapelle vorbei, an welcher sich neben der 4 m breiten 
Strasse am Abhang zwei Walle mit Graben hinziehen, 4 m breit, 
lVs m hoch. Dieser Engpass am sumpfigen Fuss des Steilhanges 
ist vielleicht das Thor (Dore, Duira) des romischen Ardennerwalds, 
welches dem alten Marcodurum seinen Namen gab. 

5. Schwarzenbroich-Weierhof, 3 millien. In der sumpfigen Wiesen- 
niederung des Schwarzenbroicher Bachs am Fuss des Knosterbergs 
wird die Strasse weiterhin zum blossen Fussweg, vom aufgeschwemm- 
ten nassen Wiesenboden iiberdeckt. Hier wurden im Lauf der letzten 
Jahrzehnte starke, schrag eingeschlagene Tannen- und Eichenstamme 
bis zu 8 m Lange ausgezogen, die schwarz und steinhart waren, aber 
nach wenigen Tagen morsch an der Luft zerfielen. Sie werden einst dort 
zum Befestigen des Simipfbodens fur die alte Strasse gedient haben. 

Weiterhin geht die Strasse, 6 m breit, theilweise mit alten Stein- 
resten auf dem linken Thalrand des Schwarzenbroicher Bachs iiber 
Hardterhof, entsendet von hier eine Nebenstrasse iiber Derichsweiler, 
die unterhalb Diiren zwischen Mariaweiler und Birkesdorf die Boer 
uberschritt. 



l ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins IV, S. 1. 

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118 C. von Veith 

Unsere Hauptstrasse, der Miinsterpfad genannt, ist jetzt zwischen 
Hardterhof und Weierhof in eine 8 m breite Kommunalstrasse um- 
gewandelt. Weierhof, am Fuss der Waldhohen, ist ein ausgedehntes 
Gehoffc mit Kestea alter Walle und Graben und deutet in seiner 
militarisch wichtigen Lage auf einen liber den Thalrand vorgescho- 
benen Wachtposten aus alter Zeit 

6. Weierhof-Diiren, 3 millien. Durch die breite Dorfgasse von 
Gurzenich fiihrte auf beiden Seiten des Bachs die Strasse zur 
Roer. 

Die Wiesenniederung der Roer, die „riihrige, unstate" nach 
ihrem Namen, ist bei Diiren 1 millie, weiter luiterhalb, bei Merken, 
fast 2 millien breit; der Fluss hat sein flaches Kiesbett, welches 
bei gewohnlichem Wasserstand zahlreiche Furten bietet, bei Hoch- 
wasser oft reissend durchstromt wird, die ganze Mederung iiber- 
schwemmend, im Lauf der Jahrhunderte vielfach verandert. 

Die jetzige 70 m lange, 12 m breite, 5 m hohe Steinpfeilerbriicke 
fiihrt iiber die 50 m breite Roer, welche V* milhe westlich an Diiren 
vorbeifliesst, die Wassergraben der Stadt speist, wahrend die altesten 
Roer-Uebergange mit Benutzung der Furten bei Velden und Birkes- 
dorf gegen 1000 m unterhalb der jetzigen Briicke lagen. Die Strasse 
nach Aachen ging fruher vom Dtirener Philippsthor nach Velden 
(vormals Johanniter-Kommende), von hier am Siechhaus vorbei liber 
Mariaweiler und Echtz nach Langerwehe. Die neuere direkte Land- 
strasse Diiren-Langerwehe- Aachen wurde ei*st in der 2. Halfte des 
18. Jahrhunderts angelegt Eine Fahrbriicke ging nahe am Siechhaus 
iiber die Roer, welche Briicke noch im J. 1592 die Melatener Roer- 
briicke genannt wurde, wie iiberhaupt mehrfache Beispiele vorliegen, 
dass die Melatenhauser im Mittelalter an verkehrreichen alten Strassen 
angelegt wurden, so bei Aachen, Koln, Bonn, Ziilpich u. s. w. 1 

Der sogenannte Franzosensteg bei Hoven fiihrte noch vor einigen 
Jahrzehnten iiber die dort jetzt wasserleere Roer, vom Hauptfluss 
westlich umgangen, und die Strasse aus der Romerzeit von Diiren nach 
Julich hegt theils auf dem rechten, theils auf dem linken Ufer des 
jetzigen Flusses, der friiher dicht bei Mariaweiler und Hoven, wo 
heute der sogenannte Teich den Fabriken seine Wasserkraft leiht, vor- 
iiberfloss, wahrend das alte Marcodorum einst unmittelbar an der 
Roer lag. 



*) Mittheilung des Herrn Archivar Pick zu Aachen und Bonn, Rumpel 
und Fischbach, Sammlung von Materialien zur Gesch. Diirens S. 591. 



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Das alte Wegenetz zwischen K8ln, Limburg, Mastricht und Bavai. 119 

Trotz aller Zerstorungen durch oft reissende Ueberschwemmungen 
ist im Roer-Thal die alte Strasse nach Jtilich noch erkennbar. Sie 
verschwindet nordlich von Mariaweiler, wird aber beim Meterstein 3,5 
in der Richtung auf Merken, 6 bis 8 m breit, wieder sichtbar. 

In Mariaweiler wurde 1879 an der Kirche auf dem 4 m hohen, 
ummauerten Kirchhof ein romisches Gebaude, 6 und 8 m gross, mit 
0,60 m starken Mauern und Heizvorrichtungen gefunden. Von beson- 
derm Interesse war eine Inschrift auf einer Thonplatte \ 

Bei Hoven wurden auf einer Hohe die Fundamente der soge- 
nannten Heidenburg, vorlaufig einer 18 m langen, 1 m starken Mauer 
blossgelegt mit Romermtinzen aus der Zeit Trajans. Weithin liegen 
dort in den Feldern romische Dachziegel zerstreut. 

Ueber Merken, Pier, Altdorf, Kirchberg • geht die Strasse nach 
Jtilich, oft nur 4 m breit im Klee erkennbar, sonst 6 bis 8 m breit; 
an alien diesen Punkten sind romische Alterthtimer gefunden 
worden. 

Bei der Heidenburg wird die Dtiren-Jtilicher Strasse von einer 
„Heerstrasse u durchkreuzt, die von Osten nach Westen fiihrt, 4 bis 
6 m breit ist. Sie geht auf Lucherberg und Inden, ist in der Roer- 
Niederung verschwunden und scheint in ostlicher Richtung tiber 
Birkesdorf und Merzenich zur Duren-Kolner Strasse gefiihrt zu 
haben. 

Nach einer Urkunde Kaiser Ottos II. vom J. 973 (Lacomblet, 
Urkb. I, no. 114) und nach neuern Forschungen ging eine Strasse von 
Aachen tiber den Haarbach (Ackara), Diirwiss, Weissweiler (Steinstrasse 
mit Romerfunden), iiber die Roer bei Miluchwilere (Mariaweiler), Esch- 
weiler iiber Feld, Norvenich, Wissersheim (hier via pubhca genannt) 
und Berrenrath (Silexstrasse am Hiirtherbach entlang) nach Koln. 

Auf dem rechten Roer-Ufer fiihrt von Diiren eine alte Strasse 
iiber Oberzier, Hambach 2 , Stetternich nach Julich. 

Von Diiren haben wir ferner alte Strassenziige auf Ziilpich, so 
die „Aachen-Frankfurter Strasse", deren Spuren beim Seeghaus in 
Heft LXXV, S. 9 der Bonner Jahrbiicher erwahnt werden, dann die 
alte Durener Strasse tiber Norvenich nach Lechenich, tiber die Ville 
an Hemmerich vorbei auf Bonn, „Heerweg", auch „Akener Fahrt u ge- 
nannt. Das ist der Weg, den Caesar bei seinem Rtickmarsch vom 
Rhein im J. 53 v. Chr. benutzte, wahrend er beim Vormarsch zum 



*) Bonner Jahrbiicher LXVII, S. 73 und LXVIII, S. 154. 
2 ) Auf Hambach weisen die „matronae Hamavehae" hin. 



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1£0 C. von Veith 

Rhein im J. 55 v. Chr. von Jtilich liber Lechenich, lablar, Briihl 
nach Wesseling marschirte \ 

Die Stadt Diiren (das romische Marcodurum, im Mittelalter 
Duira, Dura) zeigt jetzt noch Reste ehemaliger Wassergraben, 10 m 
breit, mit Mauern, Thoren und einzelnen Thiirmen. Diese mittel- 
alterliche Befestigung bildete ein Sechseck von etwa 300 m Seiten- 
lange fiir eine Besatzung von 2 bis 3000 Mann. 

Der Kern der Stadt am Markt bei der alten Martins- (jetzt Anna-) 
Kirche war in der Romerzeit im kleinern Umfang, vielleicht nur mit 
Erdwallen und Graben fur etwa 1000 Mann Besatzung befestigt. 
Hier im „vicus Marcodurum" wurden nach Tacitus (Hist. IV, 28) 
die Kohorten der Agrippinenser durch die Truppen des Civilis im 
J. 70 n. Chr. niedergemetzelt. Im 8. Jahrhundert hielten die franM- 
schen Konige hier Reichstage und Kirchenversamnilungen, und Karl 
d. Gr. weilte haufig in seiner Pfalz zu Dura. Spater gehorte die 
Stadt zum Jtilicher Land 2 , wurde im J. 1543 vom Kaiser Karl V. 
belagert und nach hartnacMger Vertheidigung erobert und verbrannt. 
Auch in den Jahren 1642 und 1794 wurde Dtiren belagert, war da- 
nach durch seine Lage und durch seine zahlreichen Strassenverbin- 
dungen stets ein militarisch wichtiger, fester Ort. 

VII. Diiren-Koln, 17 leugen = 25 millien. 1. Diiren- 
Merzenich, 3 millien. Oestlich vor Diiren gabeln sich beim Meter- 
stein 35 nach beiden Seiten der Chaussee zwei alte Strassen auf 
Koln, von denen die bereits erwahnte stidUche iiber Norvenich, 
Berrenrath, die nordhche tiber Merzenich, Kerpen nach Koln ftihrt. 
Letztere begleitet links die Chaussee, anfanglich in einem tiefliegenden, 
oft nassen Hohlweg, 6 m breit, und zeigt hier noch mehrfach die 
4 m breite Steinlage mit faustgrossen Kieseln. Sie ersteigt bei Mer- 
zenich den etwa 20 m hohen Thalrand des EUebachs, von dessen 
Hohe man einen weiten Ueberblick tiber das Roer-Thal und tiber 
die jenseitigen Waldhohen hat. Auf diesem Thalrand, der einige 
Wallreste aus neuerer Zeit tragt, zweigt sich jene Koln-Aachener 
Strasse ab (VI, 6), jetzt eine 6 m breite Kommunalstrasse auf Bir- 
kesdorf. Bei Merzenich, Huchem, Binsfeld, sowie auf einer Hohe 
sudlich vom Zugang auf Golzheim sind beim Ackern wiederholt 
romische Dachziegel gefunden worden. 



») Picks Monatsschrift VI, S. 98. 

2 ) Diiren blieb beim Reiche, bis 1246 K(Jnig Konrad die Stadt dem 
Grafen von Julieh verpfandete. 



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Das alte Wegenetz zwischen K6ln, Limburg, Mastricbt und Bavai. 121 

2. Merzenich-Blatzheim, 5 millien. Oestlich von Merzenich nahert 
sich iinsere Strasse wieder der Chaussee, fiihrt diesseits Golzheim in 
eine 4 bis 6 m breite, hohlwegartige Senkung. In Golzheim liegt die 
alte Strasse unter der Chaussee, verlasst dieselbe nordlich von Seel- 
rath beim Meterstein 25,5, liberschreitet dann das Buirer Fliess und 
zieht sich am Nordrand des Dorfes Blatzheim entlang, wahrend die 
Hauptstrasse parallel dainit durch das lange Dorf geht. Beim Meter- 
stein 24,2 am westlichen Ausgang von Blatzheim miindet die alte 
Ziilpich-Neusser Strasse, jetzt eine 8 m breite Kommunalstrasse, 
friiher 10 bis 12 m breit. An dieser Strasse finden sich namentlich 
bei Bohlheim, wo man nach der Volkssage ebenso wie in Bedburg 
eine romische Poststation annimmt, zahlreiche Spuren romischer An- 
siedlungen. Blatzheim war im Mittelalter befestigt, und sind am 
ostJichen Ausgang auf der Hohe romische Dachziegel, Urnen und 
Miinzen gefunden. Eigenthiimlich und bezeichnend ist es, dass die 
Ziilpich-Neusser Strasse den Ort nicht senkrecht durchschneidet, son- 
dern erst der Lange nach durch das Dorf fiihrt. Die Bedeutung 
Blatzheims schon in der Komerzeit ergibt sich auch aus einer in 
neuester Zeit gefundenen Ara mit der Widmung eines Q. Aprianus 
Fructus an den Deus Requalivahanus, einen germanischen Pluto 1 . 

Blatzheim (Bladisheim palatium?) zeigt am Nordrand der alten 
Strasse einen 8 bis 12 m breiten trockenen Graben, die Einwohner 
sprechen von einem ehemaligen 6 m hohen Wall und von den Stein- 
resten einer porta am nordlichen Ausgang. Die Befestigung soil 600 
m lang, halb so breit gewesen sein. Am nordostlichen Ausgang 
liegt eine niittelalterliche Burg, der Schaesberg, mit 10 bis 12 m breiten 
Wassergraben. Blatzheim besass eigene Gerichtsbarkeit und besondere 
Privilegien. 

3. Blatzheim-Kerpen, 3 millien. Yom ostlichen Ausgang des 
Dorfes fiihrt die Ziilpich-Neusser Strasse, 6 bis 8 m breit, iiber 
Geilrath auf Thorr, wahrend unsere alte Kolner Strasse auf dem 
Thalrand hegt und, parallel der Chaussee, als Pussweg nach Berger- 
hausen geht, dann wieder unter der Chaussee hegt. Aehnlich geht 
die alte Strasse vom Meterstein 20 nordlich an Kerpen auf der Hohe 
vorbei, 6 m breit, theilweise als Kommunalstrasse ausgebaut. Bei 
dem Pfarrhaus nordlich von Kerpen sind wiederholt romische Dach- 
ziegel in den Feldern gefunden, zwischen Kerpen und Gymnich im 
J. 1860 ein romischer Sarg und Aschenkriige. 



*) Zangemeister in den Bonner Jahrbuchern LXXXI, S. 78. 



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122 C. von Veith 

Das alte Kerpener Schloss wurde im J. 1280 acht Wochen lang 
Yom Kolner Erzbischof belagert, nach seiner Zerstorung vom Herzog 
von Brabant starker als zuvor hergestellt. Eine zweite Befestigung 
lag ostlich von Kerpen, lasst auf dem jetzigen Schiitzenplatz aber 
nur noch geringe Spuren von Wallen und Graben erkennen. Dort 
fiihrt am Thalrand der Erft mit der Chaussee ein sehr alter Weg 
von Lechenich durch Gymnich und Sindorf auf Thorr. 

4. Kerpen-Grefrath, 4 millien. Beim Meterstein 17,6 erreicht 
die 6 m breite Strasse die Chaussee, verlasst dieselbe wieder, uber- 
schreitet nordlich vom 4 bis 6 m hohen Chausseedamm, welcher bei 
Regulirung der oft zerstorendenErft-Ueberschwemmungen eine wichtige 
Kolle spielt, die verschiedenen Arme der Erft, erreicht bei Moderath 
die Chaussee, wo ahnlich wie auf dem linken Thalrand der Erft- 
Niederung ein Weg aus der Romerzeit von Liblar her uber Briiggen, 
Horrem nach Bergheim und Bedburg geht. 

5. Grefrath-Frechen, 3 millien. Bei Grefrath, auf der Hohe der 
Ville, liegt die Strasse unter der Chaussee. Alte Karten fiihren 
dieselbe von Moderath liber Bottenbroich auf Frechen, vielleicht als 
Parallelstrasse, indessen sieht man jene deutlich am ostlichen Aus- 
gang von Grefrath nordlich von der Chaussee, 4 m breit, fruher 
bedeutend breiter durch ihre Seitengraben. Die Spuren des alten 
Dammes sind noch erkennbar. 

Nordlich am Dorf Benzelrath vorbei geht sie liber die dort jetzt 
entwaldete Hochflache, senkt sich in einem 6 m breiten Hohlweg 
durch das Dorf Frechen zum ostlichen Abhang der Ville. 

Hier bei Frechen schlugen 1257 die Kolner Burger ihren Erz- 
bischof Konrad von Hochstaden \ dessen Partei dann in der Worringer 
Schlacht 1288 ganzhch erlag. 

Beim Neubau der Frechener Kirche sollen romische Mauer- 
Ftmdamente gefunden sein. Ausserdem Uegt ein mihtarisch wichtiger 
Punkt, auf welchem ebenfalls eine Befestigung gewesen sein soil, am 
stidwestlichen Ausgang des Dorfes auf der Hohe neben der dortigen 
alten Strasse, der „Wartberg" genannt. 

6. Frechen-Lind, 4 millien. In einem 4 m tiefen, 6 m breiten 
Hohlweg sieht man am ostlichen Ausgang von Frechen die Spuren 
der alten Strasse, die nordlich von dem mit Wassergraben umgebenen 
Vorst und nordlich von Marsdorf vorbei neben der jetzigen Chaussee 
fiihrte, diese bei Stiittgen erreichte. 



l ) Cardauns, Konrad von Hostaden S. 



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Das alte Wegenetz zwischen Koln, Limburg, Mastricht und Bavai. 123 

Zwischen Frechen und Marsdorf durchschneidet die „Bonner 
Strasse", ein 6 m breiter Weg, beim Meterstein 7,1 die Chaussee. 
Diese Bonner Strasse begleitet schon von Waldorf her liber Hermiil- 
heim hinaus den Romerkanal, dessen Endziel noch heute vergeblich 
gesueht wird 2 . Ein eben solcher alter Weg in aholicher Richtung 
ftihrt von Hermiilheim iiber Marsdorf, Bocklemtind, Longerich, theil- 
weise nur noch als Fussweg erhalten. 

7. Lind-Kolner Romerlager, 3 millien. An der Kitschburg bei 
Lind hegt die alte Strasse nnter der jetzigen Chaussee, verlasst 
dieselbe am Meterstein 0,9, ist rechts neben derselben bis zu einer 
tiefen Kiesgrube stellenweise noch erkennbar, vom dammartigen 
Bischofsweg unterbrochen, und ftihrte einst iiber das Terrain der 
Lunette 4. Vor deren rechter Flanke Hegt der „Galgenweg u am 
„alten Kirchelchen" defr Flurkarten, wo im 12. Jahrhundert das ver- 
schollene „monasterium de piscina", das Kloster am Weiher war 1 . 

Unsere Strasse ftihrte einst in gerader Richtung am Nordrand 
jener piscina vorbei, einer jetzt noch erkennbaren Vertiefung, 400 m 
lang, 300 m breit, bis 6 m tief, zwischen Fort V und Lunette 4. 
Dieser ehemalige Weiher stand mit dem Hurther Kanal und mit dem 
Grleueler Bach im Zusammenhang 2 . 

Noch zu Anfang dieses Jahrhundei*ts ging die Strasse durch das 
Schafenthor nach Koln. Als aber die Dlirener Chaussee beim Fort VI 
in die Aachener Chaussee gefiihrt wurde, schloss man das dadurch 
entbehrhch gewordene Schafenthor. 

Am Marsilstein vorbei ftihrte die Strasse zum Laach, einer 
ehemaligen Thorpforte, und, vom Hurther Kanal begleitet, am heutigen 
Neumarkt entlang in das Romerlager Agrippas. 

Die bisher beschriebene Strasse Bavai-Limburg-Dtiren-Koln ver- 
dient in historischer und in baulicher Beziehung um so grosseres 
Interesse, als sie weder nach ihrem Alter noch in ihren sonstigen 
Kriterien unsern tibrigen Romerstrassen entspricht. 

Dass sie wenigstens schon in der Romerzeit bestand, daftir 
sprechen ihre Ftihrung von Koln nach Marcodurum, ihre Bauart und 
die sie begleitenden Funde. Dass sie aber von Diiren liber Lim- 



1 ) Bonner Jahrbucher LXXX, S. 16. 

2 ) Thomas, Geschichte der Pfan*e St. Mauritius S. 46. 

3 ) Bonner Jahrbucher LXXX, S. 19 und von Veith, Das rtfmische 
K6ln, Winckelmanns-Programm 1885, S. 19. 



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124 C. von Veith, Das alte Wegenetz zwischen Koln, Liraburg etc. 

burg, Dinant nach Bavai bereits zu Caesars Zeiten von dessen Legionen 
benutzt wurde, bezeugen Caesars Kommentare *, ausserdem die vor- 
romischen Graber an derselben neben den romischen und frankischen. 
Vom Terrain vorgeschrieben, in zweckmassigster Richtung ftihrt sie 
mit bewussten Zielen vom Rhein zum Meer, und auf diesem Wege 
wanderten einst die Kelten, Germanen, Romer und Franken. Gleich 
unserer Trier-Bonner Etappenstrasse 2 wird sie von keinem klassi- 
schen Schriftsteller ausdrucklich genannt, zeigt aber wie jene ihre 
regelmassigen germanischen rastae von 6000 Schritt = 2 leugen = 3 
millien, so dass wir beide Strassen als Neben- oder Parallelstrassen 
der organisirten, in den Itineraren aufgefiihrten Staatsstrassen ansehen 
konnen, von den belgischen Archaologen in einem freilich nur theil- 
weise zutreffenden Sinne als Romerstrassen zweiter Ordnung be- 
zeichnet. 

Die zahllosen ubrigen sogenannten Romerstrassen, die ohne 
klassischen Nachweis jenen Namen nur ihrer Bauart mit Dammen 
und Graben verdanken, zuweilen ganz wichtige Handels-, Verkehr- 
imd Vicinalstrassen schon aus der Romerzeit sein mogen, haben nur 
ausnahmsweise historische oder militarische Bedeutung fiir jene Zeit, 
so dass die Romer schwerlich jemals Interesse, Zeit und Mittel 
fanden, den Landesbewohnern solche Strassen zu bauen, ihnen dies 
vielmehr selbstverstandlich iiberliessen. 

Wir miissen diese wesentlichen Unterschiede fiir das Studium 

der historischen Bedeutung der alten Wegenetze festhalten, und 

finden einen treffenden Vergleich in der zunachst zu beschreibenden 

romischen Staatsstrasse Koln-Jiilich-Mastricht-Tongern-Bavai, in glei- 

cher Richtung mit unserer Dliren-Limburger Strasse, deren westhche 

Fortsetzungen seit Caesars Zeiten zum Hafenplatz der Romerheere 

nach Gessoriacum, dem heutigen Boulogne, fiihrten. 

(Schluss folgt.) 

1 ) Picks Monatsschrift VI, S. 5. 

2 ) Bonner Jahrbiicher LXXXII. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu Eoermond. 

Von E. von Oidtman. 

Heinrich von Geldern, Bischof zu Ltittich, schenkte durch 
Urkunde vom 4. August 1277 das Dorf Vlodorp seinem Neffen, 
dem Grafen Reinold von Geldern. Es scheint, dass bald darauf ein 
Geschlecht niedern Adels mit Burg und Dorf belehnt worden ist, 
denn im J. 1290 komnit ein Reiner von Vlodorp mit Dirck, Vogt 
zu Roermond, und andern geldrischen Edeln zusanimen in einer 
Urkunde vor \ Ritter Gerhard von Vlodorp, 1295 urkundlich er- 
wahnt 2 , war 1301 mit Gertrud von Nievenheim, Gottfrieds und der 
Gertrud Tochter, vermahlt 3 . Vielleicht waren ihre Kinder 4 Gertrud 
und Gottfried von Vlodorp. Erstere wild 1353 und 1372 als Wittwe 
Gerhards von dem Bongart genannt 5 , letzterer besiegelte 1339 
zusanimen mit Johann genannt Slabbart von Vlodorp eine Urkunde 
und war Ritter 6 . Ein Henekin von Vlodorp vergleicht sick 1315 
mit der Stadt Aachen wegen einer Erbschaft 7 . Rembold von Vlodorp 
ist 1338 Kanonikus und Dechant des Miinsterstifts zu Aachen, sowie 
Propst der Apostelkirche zu Koln 8 . Ein anderer Rembold von 
Vlodorp dtirfte der 1348 als Kanonikus zu Luttich erwahnte sein 9 . 



1 ) van Spaen, Inleiding tot de historie van Gelderland IV, p. 324. 

2 ) Sivre, Inventaris van het oud archief van Roermond (weiterhin hier 
mit A. R. bezeichnet) III, p. 220. 

■) Lacomblet, Urkundenbuch (weiterhin hier mit L. U. bezeichnet) 
III, no. 14. 

4 ) Oda von Vlodorp, welche 1351 als Wittwe Gerhards von Audenhoven- 
Hall in einer Urkunde des Archivs Hartf genannt wird, war vielleicht auch 
eine Tochter dieser Eheleute. 

6 ) Quix, Karmeliterkloster S. 2 und Pfarre zum h. Kreuz S. 35, sowie 
Strange, Bongart S. 27. 

6 ) Redinghovensche Sammlung (weiterhin hier mit R. S. bezeichnet) LXV. 

7 ) Quix, Codex dipl. Aquensis no. 266. 

8 ) Quix, Beitrage I, S. 33 und 36. 

9 ) Quix, Codex dipl. Aquensis no. 344. 



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126 E. von Oidtman 

Rembold von Vlodorp, Propst zu Mastricht, schlichtet 1353 eine 
Streitigkeit zwischen der Abtei und dem Pastor der Pfarrkirche zu 
Burtscheid \ 1354 wird derselbe in der Urkunde angefiihrt, mittelst 
welcher Gerhard Beissel von dem Wyere, Knappe, erklart, dass der 
Erzbischof von Koln ihm das Haus Konradsheim wieder eingeraumt 
habe 2 . Im J. 1358 besiegelt Rembold von Vlodorp, Propst zu Aachen, 
als Preund und Anverwandter des Ritters Godart von der Heiden, 
die Urkunde, worin letzterer erklart, dass der Herzog von Jiilich ihn 
wegen der Vertheidigung des Landes Valkenburg entschadigt habe 8 . 
Rembold siegelt mit sechsmal quergetheiltem Schild 4 . Rembold von 
Vlodorp, Dechant zu Aachen, wird 1370 Oheim des Godart Herrn 
zu Heiden genannt 5 . Die alteste Ausgabe des Siebmacherschen 
Wappenbuchs vom J. 1630 6 gibt mit dem Namen Rambolt von Flodorf 
folgendes, wohl nach einer Siegelangabe gezeichnetes Wappen : Schild 
von Weiss und Blau sechsmal quergetheilt, in der dritten Theilstelle 
ein rothes Herz. Der Helm zeigt zwei von Blau und Weiss sechs- 
mal quergetheilte spitze Buffelhorner. Ein Reinhard von Vlodorp, 
Ritter, war 1369 mit Godart von der Heiden und Gerhard von 
Niertheim in Fehde gegen den Ritter Dietrich von Wildenrath, 
dessen Sohn Wilhelm und Wilhelm van dem Stege 7 . Als Vogt zu 
Roermond erscheint zuerst urkundlich 1351 Godart von Vlodorp, 
Ritter, welcher mit einem sechsmal quergetheilten Schild siegelt 8 . 
Vielleicht war er durch seine Mutter oder Gattin mit den fruhern 
V6gten zu Roermond verwandt? Theodorikus, Vogt zu Roermond, 
besiegelte im J. 1297 eine Urkunde mit einer Lilie im Schild 9 , die 
Vlodorp waren also im 13. Jahrhundert noch nicht Vogte zu Roer- 
mond; 1362 siegelt Godart von Vlodorp, Ritter, mit einer Bordiire 
um den eigentlichen Schild. 1364 wird er mit seiner Gattin Nesa von 
Apellberne 10 urkundlich genannt n , 1378 kommt wieder ein Godart 
von Vlodorp mit dem Titel Erbvogt zu Roermond vor 12 . Godart 



*) Quix, Stadt Burtscheid S. 209. 

*) L. U. Ill, no. 534. 8 ) Ebendas. no. 585. 4 ) R. S. XXVIIT, S. 487. 

6 ) Strange, Bongart S. 8, Anm. 1. 6 ) II, S. 110. 

7 ) Quix, Rimburg S. 182. Das Memorienbuch des Marienstifts zu Heins- 
berg erwahnt unter dem 11. September einen Reinard von Vlodorp, unter 
dem 30. Mai eine Cacilia von Vlodorp, unter dem 20. Juli Elisabeth, „advocata 
de Ruremunda et Agnes soror eius, que dederunt 8 mr." Vgl. Zeitschrift des 
Aach. Geschichtsvereins I, S. 273, 267, 269. 

8 ) R. S. LXV. 8 ) Jansen, Het stadswapen van Sittard p. 97, lin. 18. 
10 ) Vgl. Richardson, Merode I, S. 147, Anm. 2. ll ) R. S. LXV. 

12 ) Sivre, A. R. I, p. 194. 



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Die Herren von Vlodorp, firbvogte zu Roermond. 127 

von Vlodorp, Bitter, Vogt zu Roermond, und sein Sohn Gerhard 
gehen am 8. Oktober 1388 mit der Stadt Roermond einen Vergleich 
ein *. Mit diesem Godart von Vlodorp, Ritter, Erbvogt zu Roermond, 
beginnt die zusammenhangende Stammreihe. Fiir seinen Bruder 
halte ich den 1391 urkundlich vorkommenden Riitger von Vlodorp 2 . 
Seine Schwester Gertrud war in genanntem Jahre Klosterfrau zu 
Heinsberg 2 . 

I. 

Godart von Vlodorp, Erbvogt zu Boermond und Bitter, 1378 
bis 1405. Mit seinen Sohnen Gerhard und Wilhelm erscheint er 
1391 und 1400 urkundlich 3 . 1402 wurde er vom Herzog von 
Geldern mit der Erbvogtei zu Boermond belehnt 4 und lebte noch 
1405 5 . Seine Sohne aus der Ehe mit Sophia von der Nuwerstatt 6 
waren : 

II. 

1. Godert oder Gottfried, Dechant des Aachener Miinsterstifts, 
1411 urkundlich mit seiner Schwagerin Lisbeth und seinem Bruder 
Gerhard, Vogt zu Boermond, erwahnt 7 ; 1413 ist er mit letzterm 
zusammen Zeuge auf Seite der Elisabeth von Droeten, als diese 
Eeinard Eost von Binsfeld heirathete 8 . Gottfried wird mit seinen 
Briidern Butger und Theoderich in einer Obhgation erwahnt, mittelst 
welcher er einem Burger zu Aachen ein Kapital vorschoss. Diese 
Summe vermachte er dem Miinsterstift, bezw. seinem Nachfolger als 
Dechant, unter der Bedingung, dass Anniversarien fiir ihn gehaJten 
werden sollten 9 . Gottfried starb am 3. November 1416 10 . 



l ) Sivre, A. R. II, p. 194. 
*) Heirathsberedung von 1391 in der Beilage. 
8 ) Sivre\ A. R. II, p. 197. 

4 ) M. J. W., Recherches sur l'ancienne avouerie de la ville de Ruremonde. 
Gand 1855 (weiterhin hier als „Recherches" angefiibrt), p. 16. 

8 ) Sivr^, A. R. II, p. 199. 

6 ) Urkundlich in der Heirathsberedung von 1391. Das Nekrologium des 
Marienstifts zu Heinsberg fuhrt unter dem 12. Februar an: „com. domini 
Godefridi de Vlodorp, advocati de Ruremunda et domine Sophie uxoris eius, 
qui dederunt IV. mr." Vgl. Zeitschr. des Aach. Geschichtsvereins I, S. 258. 

7 ) Strange, Beitrage II, S. 4. Unter dem 27. April ist im Memorien- 
buch des Klosters Wenau ein Gottfried von Vlodorp als Priester des Karthauser- 
klosters zu Roermond aufgefuhrt; vgl. Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins 
IV, S. 274. 8 ) Strange, Beitrage I, S. 44. 

9 ) Quix, Kapelle zu Melaten S. 14, ohne Angabe der Jahreszahl. 

10 ) Quix, St. Peter-Pfarrkirche S. 9, Anm. 2. 



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128 E. von Oidtman 

2. Dietrich, geldrischer Marschall 1402 \ 1429 2 vermahlt mit 
Johanna von Groesbeck 3 . Herzog Arnold von Geldern schenkte 
1431 einige Zehnten zu Goch, welche diese Eheleute besessen hatten, 
seiner Gemahlin 4 . 

3. Riitger, 1413 Zeuge bei der Heirathsberedung Droeten-Bins- 
feld, besiegelte 1418 den Verbundbrief des Oberquartiers von Geldern 
und stiftete 1422 mit seiner Gattin Elisabeth von Wachtendonck 
eine Kapelle zu Fronenbroich. Die Herrlichkeit Fronenbroich- 
Horstgen hatte er wohl in Folge seiner Heirath erhalten 5 . Am 
29. September 1423 verzichtet er auf alle Forderung an Herzog 
Arnold von Geldern wegen des Schadens und der Verluste, welche 
er dadurch erlitten hatte, dass ilim die Brabanter sein Haus Nyell 
bei Roermond verwiisteten und zerstorten 6 . Riitger stiftete 1425 
mit seiner Gattin im Kloster Kamp eine Memorie fur sich, Godart 
von Ylodorp, Dechant zu Aachen, und Arnold von Wachtendonck, 
den Bruder seiner Gattin. Riitger kommt noch 1426 und 1438 als 
Herr zu Fronenbroich vor 7 . 

4. Gerhard, Stifter der Linie der Erbvogte, folgt unter A. 

5. Wilhelm, Stifter der Linie zu Leut, folgt unter B. 

6. Agnes, vermahlt mit Johann Schellart von Obbendorf, Herrn 
zu Obbendorf, Ruyst, Leewen, Schinnen und Giirzenich, Ritter, Rath, 
Hofmeister des Herzogs Remold von Geldern, Drost zu Montfort, 
Amtmann und Rentmeister zu Sittard, 1397 bis 1407 urkundlich 
erwahnt. 

A. Linie der Erbvogte zu Roermond. 

Gerhard wurde 1391, Sonntag nach Katharinentag, den 26. 
November, mit Elisabeth von Schonau, Tochter der verstorbenen 
Eheleute Gotthard von Schonau und einer Tochter des Ritters 
Aegidius von dem Weyer, verheirathet. Bei der Heirathsberedung 
waren zugegen die Eltern Gerhards, der Grossvater der Braut Aegidius 
von dem Weyer, Ritter, Wilhelm von Ylodorp, Bruder Gerhards, 



>) Pont an us, Historia Gelr. p. 353. 2 ) Ibid. p. 441. 

s ) Pontanus 1. c. p. 454. 

4 ) Ein Sohn dieser Eheleute, Johann von Vlodorp, soil 1445 mit Schloss 
Kalbeck von Herzog Arnold von Geldern belehnt worden sein. (Kronyk, Hist. 
Geselschap, Utrecht 1849, p. 213.) 

6 ) Johann von Wachtendonck besass 1326 diese Herrschaft. 

6 ) Nyhoff, Gedenkwaardigheden IV, no. 17. 

7 ) Fahne, Spee S. 136 und 168. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvo'gte zu Roermond. 129 

Ritter Hermann Hoen \ Rutger von Vlodorp, Gerlach von Amwylre, 
Pastor der Kirche op Geleen, Gotthard Schwertschein, Johann Hoen 
von Amstenradt, Ritter Heinrich von Gronsfeld, Johann von Wessem 2 . 

Gerhard erhalt von den Eltern den Hof Assel mit dem Zehnten 
von Graet, den Kurmoeden, der Fischerei, dem Zoll und dem Recht 
des „Lynpertz u in der Maas und auf dem Lande, wovon Gerhard 
seiner Tante Gertrud von Vlodorp, Klosterfrau zu Heinsberg, lebens- 
langlich 50 Schildgulden jahrlich zahlen soil. 

Elisabeth 3 erhalt zur Mitgift Schloss und Herrschaft Schonau 
mit allem Zubehor, Land, Leibeigenen, Hofen und Hausern, mit 
Ausnahme des verkauften Zehnthofs ; ferner den Hof Modersdorf mit 
dem halben Gericht zu der Warden; den Hof Nulandt mit dem 
Gut. Kalkhoven ; das Burglehn zu Montfort mit Zinsen, Kurmoeden 
und 36 Kapaunen, welche zu Echt zu erheben sind; ferner eine 
AnzaM Obligationen 4 . In der Urkunde werden noch namhaft gemacht 
Katharina und Johann, Kinder des Aegidius von dem Weyer, sowie 
Antonette, unmtindige Schwester der Elisabeth von Schonau 4 . Im 
J. 1395 wird Gerhard der Junge Vogt zu Roermond und Ritter 
genannt 4 ; er siegelt mit geviertetem Wappenschild, im 1. und 
4. Felde drei Querbalken, im 2. und 3. Felde eine Lilie. Der 
Helm zeigt den Oberkorper eines Mannes ohne Arme 5 . Gerhard 
erhielt 1409 die Belehnung mit der Erbvogtei und ihrem Zubehor 6 , 
1413 ist er Zeuge bei der Heirathsberedung Droeten-Binsfeld, 
1418 wird er im Verbundbrief zwischen dem Adel und den Stadten 
des Herzogthums Geldern zusammen mit Riitger von Vlodorp ge- 
nannt 7 . 

Ihre Kinder waren: 

m. 

1. Wilhelm, folgt. 



l ) Hoen von Broeck (Hoensbroech), Vater Nikolaus Hoen, welcher 1382 
Aleid von Maschereil, Tochter Johanns zu Winandsrath, geheirathet hatte. 

J ) Der Name ist wahrscheinlich fehlerhaft in der Urkundenabschrift, ea 
wird Johann von Wjthem-Ische. Seneschall von Brabant, gemeint sein, welcher 
eine Schwester des Hermann Hoen von Broeck zur Frau hatte. 

8 ) Ihr Sterbetag ist im Nekrolog der Miinster-Abtei zu Roermond unterm 
19. August verzeichnet. (Publ. Limb. XIII, p. 241.) 

4 ) Vgl. die Heirathsberedung in der Beilage. 

6 ) R. S. XXVIII, S. 529. Gerhard ist wohl der erste Vlodorp, welcher 
die Lilie der Erbvogte von Roermond mit seinem Stammwappen vereinigt fuhrte. 

fl ) Recherches. Der Vater war also todt. 

7 ) Nyhoff, Gedenkwaardigheden III, p. 351. 



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130 E. von Oidtman 

2. Odilia 1 , Gattin Johanns von Mirlaer, Herrn zu Milendonck. 
Johann wird in der Lehnsurkunde Wilhelms von Vlodorp von 1440 
ausdrucklich als dessen Schwager bezeichnet. 1456 schliessen Werner 
Scheiffart von Merode und Johann von Mirlaer, Herr zu Milendonck, 
einen Vergleich und es heisst in dieser Urkunde 2 : „und wir Wilhelm 
von Vlodorp, erffvait zo Ruremonde, ritter, ind Gaidert van Vlodorp, 
here zo Leute, as frunde ind van wegen unseres swagers ind neven 
van Milendonck vurschreven". Eine undatirte Urkunde besagt : 
Wilhelm von Vlodorp, Erbvogt zu Roennond, Goedert und Wilhelm 
von Vlodorp, Gebruder, und Johann Herr von Milendonck, Schwager 
der Vorigen, verkaufen an Johann Herrn zu Withem-Ysche ihre 
sammtlichen Gtiter zu Neustadt, die Lehn des Herzogs von Geldern 
waren 3 . Johann von Mirlaer, Herr zu Milendonck, und Odilia von 
Vlodorp, Eheleute, besassen 1455 Haus und Hof mit Graben und 
Weihern zu Mostorf binnen Warden 4 , also das Gut, welches Elisabeth 
von Schonau 1391 mit in die Ehe gebracht hatte. 1457 stifteten 
Johann und Odilia Messen zu Maria im Kapitol, zu St. Georg, 
bei den Karmelitern und Augustinern zu Koln 5 , 1467 verkauften sie 
den grossen und kleinen Zehnten zu Elfgen 6 . Die Eheleute Johann 
und Odilia werden in den Genealogien der Milendonck bei Fahne, 
Lefort, Strange und Andern mit den Vornamen Dietrich und Maria 
genannt. Ein Dietrich von Milendonck kommt aber um diese Zeit 
urkundlich nicht vor und diirfte dies eine Verwechslung sein mit 
den 1561 bis 1588 lebenden Eheleuten Dietrich von Milendonck und 
Maria von Vlodorp 7 . 



') Nach einer Stammtafel des Scho'nauer Archivs im Besitz des Herrn 
J. B. Ley del in Bonn. Die Stammtafel stellt die Vererbung von Schonau 
dar und gibt bei den Eltern der Odilia richtig 1391 als Jahr der Heirath an. 

2 ) Urk. im Staatsarchiv zu Diisseldorf. 

8 ) Ferber, Schenk von Nydeggen S. 52. Die Guter zu Neustadt ruhrten 
wohl von der Sophia von der Nuwerstatt, Gattin Godarts von Vlodorp, her. 

4 ) von Ftirth, Beitrage II, Anhang 2, S. 94. 

6 ) Fahne, Salm I, Abth. 1, S. 67 und Alftersche Sammlung in Koln 
unter Milendonck. 

6 ) Thummermuth, Krumbstab S. 77. 

7 ) Vgl. weiter unten. Die Genealogien der Milendonck, welche Fahne 
in seinen verschiedenen Werken vero'ffentlicht hat, sincl unrichtig, wie ich 
das urkundlich in Balde nachweisen werde. Die in Bd. VI dieser Zeitschrift 
aufgestellte Genealogie der Milendonck zu Scho'nau enthalt daher irrthumlich 
zwei Genera tionen Milendonck-Vlodorp und drei unrichtige Vornamen. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvo'gte zu Roermond. 131 

Wilhelm von Vlodorp 1429, Erbvogt zu Roermond 1 1431, 
1432 2 und 1433 3 . Er ist 1439 Amtmann zu Wassenberg 3 ; 1440 
iiberlasst er seine Rechte als Lehnsherr in Bezug auf das Schloss 
Dalenbroich dem Johann von Loen, Herrn zu Heinsberg, tibergibt 
alle darauf beziiglichen Urkunden und tritt flir sich und seine Erben 
dieses Schloss vollstandig ab 4 . In demselben Jahre empfangt er 
auch von dem genannten Lehnsherrn Haus Elsum, welches er gekauft 
hat, als Heinsbergisches Offenhaus und Lehn 5 . In beiden Urkunden 
nennt er Godart von Ylodorp, Herrn zu Leut, und Wilhelm von 
Vlodorp seine Neffen. 1439 versetzen Dietrich Herr zu Linnep 
und Helffenstein und Elisabeth von Witgenstein, Eheleute, ihre 
Herrschaft Orsbeck und in gen Roetgen dem Erbvogt zu Roermond, 
Wilhelm von Vlodorp, fiir 600 Reichsthaler 6 . 1456 ist Wilhelm von 
Vlodorp, Ritter, unter den Bevollmachtigten des Herzogs Arnold von 
Geldern 7 ; 1465 und 1467 wird er urkundlich Drost zu Montfort 
genannt 8 unter den Rittern im Verbundbrief des Herzogs Adolf von 
Geldern- Jiilich mit Ruprecht, Erzbischof von Koln. 1468 kommt 
er mit seiner Gattin Cacilia von Hamal zu Elderen urkundlich vor 9 . 
1477 gelobt er mit seinen Sohnen Gerhard und Johann, das Schloss 
Montfort getreu zu bewahren 10 . 

Wilhelm hatte folgende Kinder: 

IV. 

1. Anna Elisabeth, Gattin des Ritters Johann von Groesbeck, 
Herrn zu Hoemen, Burggrafen von Nimwegen. 

2. Gerhard, folgt 



*) Pontanus 1. c. p. 441; er nennt ihn p. 439 „vigilium Ruremundae 
praefectus perpetuus". 

*) Sivre\ A. R. Ill, p. 266—67 und Map pi us, Annales III, p. 8. 

8 ) Sivre-, A. R. Ill, p. 401. 

4 ) K r e m e r , Akad. Beitrage I, S. 105. Vgl. auch Wiedemann, 
Odenkirchen S. 242. 

6 ) R. S. LV, S. 304. Vgl. auch Strange, Velbruggen und Nachrichten 
iiber adelige Familien und Giiter I, S. 84, Anm. 1. 

6 ) R. S. LV, S. 302. Die Herrschaft Helffenstein im Amt Wassenberg 
batte zuerst eigene Herren und kam dann an die Herren zu Linnep. 

*) Nyhoff, Gedenkwaardigheden IV, no. 306. 

8 ) Ibid. no. 459. 9 ) Sivre\ A. R. Ill, p. 410. 

10 ) Sivre', A. R. II, p. 216. Wilhelm von Vlodorp, Erbvogt zu Roer- 
mond etc., Ritter, besiegelt auch 1477 den Verbundbrief zwischen Ludwig 
von Bourbon, Bischof von Luttich, und Katharina, Tochter zu Geldern. 

9* 



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132 E. von Oidfcman 

3. Johann von Vlodorp, Besitzer des Stammguts Vlodorp 1 und 
des Hauses Elsum, 1498 Hauptmann in geldrischen Diensten 2 . 1501 
wird er als Besitzer der Herrschaft Helffenstein und Patronatsherr der 
Kirche zu Orsbeck aufgefiihrt 8 . Johann heirathete 4 am 14. Pebruar 
1485 Adriane, Tochter Wilhelms Scheiffart von Merode-Hemmersbach 
und der Hennanna von Wachtendonck. 

Tochter: 



1. Cacilia, Erbin der Guter Vlodorp und Neuerburg im Amt 
Wassenberg, heirathete 1. Johann Schellart von Obbendorf zu Schin- 
nen, 2. Heinrich von Hocherbach, Godarts und der Anna von Busch- 
feld Sohn. 

2. Marie, Erbin des Gutes Elsum, heirathete am 11. November 
1503 Rutger von Aldenbriick genannt von Velbriick zu Yelde, Holthof, 
Lovelich und Kars. 

3. Gertrud, Gattin Lutgers von und zu Winkelhausen. 

Gerhard von Vlodorp, Sohn Wilhelms (s. S. 131), wurde 1480 
fur seinen minderjahrigen Stiefsohn Gerhard von Broichhausen mit 
der geldrischen Herrschaft Werdenberg belehnt. Er starb bereits in 
diesem Jahre, denn seine Gattin Elisabeth von Haeften 5 heirathete 
1481 Wilhelm von Aswin. 

Kinder: 

V. 

1. Wilhelm, Herr zu Goer, verschreibt 1529 seiner Gattin Eli- 
sabeth von Montfort die Halfte der Vogtei zu Roermond, welche er 
in der Theilung mit seinem Bruder erhalten hatte, zur Leibzucht 6 . 



*) Ein Theil dieses Gutes ist seit Anfang des 16. Jahrhunderts im Besitz 
der Schellart von Obbendorf, und zwar vor der Heirath der Cacilia von Vlodorp. 

2 ) van Slichtenhorst, Geldersse geschiedenissen p. 311. 

a ) R. S. L V, S. 302. Mit ihm ist Thomas von Orsbeck zu Olbruck Patro- 
natsherr der Kirche zu Orsbeck. 

4 ) Vielleicht war eine zweite Frau dieses Johann Walburga von Linden, 
Tochter Dietrichs von Linden, Freiherrn zu Hemmen, und der Walburga von 
Blitterswyck (Recherches p. 45). 

6 ) Tochter des Ritters Walram von und zu Haeften und der Hendrika 
von Vaderich, in erster Ehe mit Johann von Broichhusen zu Werdenberg 
vermahlt und 1504 gestorben. 

6 ) Recherches p. 30—31 und Fahne, Bocholtz II, S. 97. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu Roermond. 133 

Elisabeth von Montfort war Erbin zu Meyl, Goer und Fronenbroich 
und heirathete in zweiter Ehe Godart, Burggrafen zu Drachenfels l . 

2. Gerhard, folgt. 

3. Anna, in erster Ehe mit Jost von Hemmert, in zweiter seit 
1501 mit Johann von Merode-Hemmersbach vermahlt 2 ; beide ver- 
kauften 1514 den Zehnten zu Qualburg dem Kloster Bedbur. 

Gerhard von Vlodorp, Erbvogt zu Roermond, wurde am 10. Sep- 
tember 1529 und 6. Mai 1544 mit der Erbvogtei belehnt 3 . In Folge 
seiner Heirath mit Elise von Stammheim, Tochter Lutgers und der 
Katharina von der Neersen und Wittwe Wilhelms von Elmpt zu 
Burgau, besass er eine Zeitlang die Herrlichkeit Burgau bei Diiren. 
Elise starb am 14. Juni 1555 4 . Aus dieser Ehe entspross eine zahl- 
reiche Nachkommenschaft. 

VI. 

1. Gerhard, Erbvogt zu Roermond, wurde am 10. Mai 1566 mit 
der Vogtei belehnt, war vermahlt mit Lambertine von Tuyl 5 und 
starb kinderlos am 4. Juli 1557. 

2. Lutter, folgt. 

3. Johann, war zuerst Kanonikus zu Trier und wurde als solcher 
1532 und 1533 aufgeschworen, spaterhin resignirte er, vermahlte 
sich mit Maria, Tochter Johanns von Nesselrode-Landscheid und der 
Friderike Spiess von Bullesheim, und fiihrte den Titel eines Erbhof- 
meisters des Herzogthums Geldern. Seine Frau war 1566 Wittwe 6 . 
Die alteste Tochter Maria von Vlodorp brachte ihrem Gatten Dietrich 
Quadt von Wickrath, Erbdrosten des Herzogthums Geldern und der 
Grafschaft Ziitphen, das Erbhofmeisteramt von Geldern zu. Letzterer 
starb 1590, sie 1626. 



*) Herzog Johann von Cleve belehnte 1533 Dietrich von Milendonck im 
Namen seiner Schwiegermutter Elisabeth von Montfort, nachgelassener Wittwe 
Wilhelms von Vlodorp, mit dem Lehn Pleye oder Hermannswart im Amt 
Huyssen, wie vorher die Vlodorp und die Goer damit belehnt waren. 

2 ) Nicht sie, sondern ihre Tochter Hedwig von Hemmert heirathete 
Lubbert Torek von Sinderen (van Spaen, Inleiding tot de historie van 
Geiderland III, p. 274). Dies geht auch aus dem Grabstein des Friedrich Torek 
zu Neukirchen bei Euskirchen hervor. Dieser Grabstein zeigt namlich die 
Torckschen Ahnenwappen in der Reihenfolge : Torek, Egmond, Hommert, Vlo- 
dorp, Wittenhorst, Hisfelt, Wees, Doyenweert. 

8 ) Registre aux reliefs de la cour fe'odale de Geldre. 

*) Nekrologium der Abtei zu Roermond. 6 ) Wohl Tuylen? 

6 ) In diesem Jahre verglich sie sich mit ihren Schwestern und erhielt 
Bullesheim. 



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134 E. voa Oidtman 

Barbara, die jtingere Tochter, Erbin zu Gross-Bullesheim, wurde 
Gattin des Wilhelm Quadt von Wickrath. 

4. Margaretha von Vlodorp, starb den 11. August 1560 \ war 
vermahlt mit Stephan Stael von Holstein. 

5. Katharina, starb als Nonne im Klarenkloster zu Neuss am 
5. Mai 1560 \ 

6. Elisabeth, Abtissin des adeligen Klosters zu Roermond, starb 
am 24. Februar 1582 l . 

7. Anna, heirathete am 8. August 1528 Christoph Schenk von 
Nideggen zu Hillenrath, der 1543 starb. Sie starb am 6. Oktober 1572 \ 

8. Maria, zuerst mit Wilhelm von der Lippe genannt Hoen, 
dann mit Dietrich von Milendonck 2 , Ritter, Burggrafen zu Drachen- 
fels, Wolkenburg etc., Herrn zu Milendonck, vermahlt. Sie starb 
vor 1589 3 . 

Lutter von Vlodorp, Erbvogt zu Roermond, 1576 mit seiner 
Gattin Wilhelma, Tochter Alberts de Ruyter 4 , genannt. 
Kinder: 

vn. 

1. Johann, folgt. 

2. Margaretha, Gattin Hermanns von Cortenbach zu Schoene- 
beck, 1616 5 . 

Johann von Ylodorp, Erbvogt zu Roermond, ist auf den Ritter- 
zetteln von 1592 und 1607 bis 1611 im Amt Montfort angefuhrt. Aus 
seiner Ehe mit Elisabeth, Tochter Johanns von Hanxler zu Ruhrkem- 
pen und der Katharina von Drimborn, hinterliess er nur die Tochter : 



1 ) Nekrologium der Abtei zu Roermond. 

2 ) Johanna, natiirliche Tochter von Vlodorp, erhielt 1540 als Gattin 
Alverts von Velrath genannt Meuter zu Steinhausen von Dietrich Herrn zu 
Milendonck als Mitgift eine jahrliche Rente von 47 Thaler 12 Albus. 1560 
ist Johanna Gattin des Johann von Hucking. 

8 ) Alftersche Sammlung in der Hofbibliothek zu Darmstadt, Bd. X. 
Diese Eheleute Milendonck- Vlodorp sind von den meisten Genealogen mit 
den Eheleuten Johann von Milendonck und Odilia von Vlodorp 1455 bis 1467 
verwechselt worden. 

*) Sivre', A. R. II, p. 240. Im Verbundbrief zwischen Ritterschaft 
und Stadten des Herzogthums Geldern vom J. 1418 kommen unter der 
Ritterschaft des Quartiers Nimwegen die Gebriider Johann und Reinalt de 
Ruyter, sowie Henrik de Ruyter, Knappe, vor. Obige Wilhelma war vielleicht 
eine Tochter der 1556 als Gattin Alberts de Ruyter erwahnten Cacilia von 
Vlodorp, welche wahrscheinlich auch noch eine Schwester Lutters von Vlodorp 
gewesen ist (Recherches p. 32). 

6 ) Recherches Urk 13. 



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Die Herren von Vlodorp, ErbvOgte zu Roermond. 135 

vm. 

Lucia, welche 1. 1609 Wirich von Binsfeld zu Langendonk und 2. 
Johann Wilhelm von Cortenbach heirathete. Die Nachkommen aus 
zweiter Ehe besassen in der Folge die Erbvogtei zu Roermond. 

B. Linie zu Lent. 

n. 

Wilhelm von Vlodorp muss verhaltnissmassig fruh (nach 1391) 
gestorben sein. Seine Gattin Lisbeth schenkte 1408 den Zehnten 
zwischen Sittard und Limbricht, welchen sie zusammen mit Steffen 
von Brempt besass, bei einem Neubau der Kirche zu Sittard, dieser 
Kirche 1 . 1411 verkauft Lisbeth von dem Weyer, Wittvve Wilhelms 
von Vlodorp, mit Rath ihrer beiden Schwager Godert von Vlodorp, 
Dechant zu Aachen, und Gerhard von Vlodorp, Vogt zu Roermond, 
fiir sich und ihre beiden unmlindigen Sohne Godart und Wilhelm 
dem Werner von Vlatten 38 Morgen Busch bei Embken 2 . Am 
18. Juni 1427 bekennen die Gebrtider Gotthard und Wilhelm von 
Vlodorp, dass ihre Mutter Elisabeth von dem Weyer mit ihrer Zu- 
stimmung 38 Morgen Busch „in der Baede" bei Embken an Werner 
von Vlatten verkauft habe 3 . Lisbeth von dem Weyer war eine 
Sch wester Pauwels von dem Weyer, welcher am 8. Mai 1382 von 
der Herzogin von Brabant mit Haus und Herrlichkeit am Hoch- 
gericht zu Leut und mit dem Erbmarschallamt der Grafschaft Valken- 
burg belehnt worden war, wie alles friiher Jakob von Leut zu Lehn 
empfangen hatte 4 . 

Ihre Sohne waren: 

m. 

1. Godart, folgt. 

2. Wilhelm, 1411 und 1427 mit der Mutter, 1440 mit dem 
Bruder in den beiden Lehnsurkunden des Wilhelm von Vlodorp, 
Erbvogt zu Roermond, erwahnt. 

Godart von Vlodorp, 1411 minderjahrig, erhielt nach dem Tode 



*) Jansen, Inventaris van Sittard I, no. 63. 

*) Strange, Beitrage II, S. 4. Strange bemerkt mit Recht, dass diese 
Urkunde fur die Genealogie der Vlodorp von Wichtigkeit sei. Dieselbe be- 
weist eben die Unrichtigkeit friiherer Genealogien dieser Familie. 

8 ) Richardson, Merode II, S. 274. 

*) Staatsarchiv zu Koblenz. Vgl. Publ. Limb. XXI, p. 266. Dieses Ge- 
schlecht Weyer fiihrte ein Ankerkreuz. belegt mit Herzschild, wbrin drei (2.1) 
Ballen als Wappen (abgebildet in Siebinachers Wappenbuch von 1630, 
Bd. II, S. 113). 



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136 E. von Oidtman 

seines Oheims Pauwel von dem Weyer Haus und Herrlichkeit Leut 
mit dem Erbmarschallamt des Landes Valkenburg als Lehn von 
Brabant 1 , er war auch mit der Vogtei zu Eysden belehnt 2 . Godart 
kommt 1423 bis 1447 urkundlich als Herr zu Dalenbroich vor 3 , 
scheint aber bis 1457 nnr einen Theil besessen zu haben, da in 
diesem Jahre erst Johann Graf von Nassau-Saarbrucken, Herr zu 
Heinsberg, ihm Haus und Herrlichkeit Dalenbroich nebst Zubehor 
fur 5000 Gulden in Pfandschaft gibt 4 . 1464 erhalt er von dem- 
selben Grafen zur Yerbesserung des Lehns Dalenbroich die Halfte 
der HeiTSchaft Elmpt zu Lehn 5 . 1458 wird er Herr zu Mettekoven 
genannt 6 . Am 31. Marz 1475 gibt Godart unter Zustimmung 
des Eitters Wilhelm von Vlodorp, Herrn zu Dalenbroich, seines Sohnes, 
der Elisabeth von Ylodorp, seiner Tochter, des genannten Wilhelms 
Schwester, und mit Zustimmung der Katharina, Wilhelms Tochter, 
dem Kloster St. Agnes zu Maaseyk den Hof „ingen Loe u bei Ophoven 
nebst Zubehor 7 . Godarts Gattin 8 hiess Katharina, Tochter Johanns 
von Maschereil, Herrn zu Herwinandsraide 9 , und der Bela Huyn 
von Merkelbach 10 . 

Ihre Kinder waren: 

IY. 

1. Gerhard, fiel 1468 in der Schlacht bei Straelen, das Banner 
von Geldern gegen den Feind tragend. 

') Staatsarchiv zu Koblenz. 

2 ) Recherches p. 40. Die Vogtei lag auf dem rechten Maasufer in der 
Gegend von Mastricht. 

8 ) Sivrd, A. R. Ill, p. 275. 4 ) Kremer, Akad. Beitrage I, S. 77. 

6 ) von Mering, Rittergiiter XI, S. 72; Annalen d. hist. Vereins f. d. 
Niederrhein VI, S. 223; Wiedemann, Odenkirchen S. 245. 

6 ) Notice hist, sur la comte' de Homes p. 242. 

7 ) Recherches p. 89 — 90; der Verfasser derseiben hat merkwurdigerweise 
die Urkunde an der entsprechenden Stelle seiner Genealogie nicht benutzt; 
vgl. p. 39, letzte Zeile, wo er die in der Urk. erwahnte Katharina zur Gattin 
des Godart macht. 

8 ) Nach Richardson, Merode II, S. 147 war Godart (der von Richard- 
son Gerhard genannt wird) in 1. Ehe mit Katharina von Brus seit 1434 vermahlt. 

9 ) Nach dem Nekrolog der Munster-Abtei zu Roermond starb sie am 
25. Juli; „obiit Catharina de Raide, uxor Godefridi de Vlodorp, domini de 
Leutb." 

10 ) Diese Familie, welche wahrscheinlich mit den Huyn von Amstenrath 
gleichen Ursprung hat, fuhrte ein Schlangenkreuz im Wappen; eine Linie 
besass ein Gut zu Hottorf im Jiilichschen Amt Boslar. Die Bemerkung bei 
Richardson, Merode II, S. 147, no. 52 ist also zu berichtigen, denn die 
Merkelbach gen. Alner fuhrten einen Zinnenbalken. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu Roerraond. 137 

2. Elisabeth, 1475 mit ihrem Yater und Bmder Wilhelm genannt. 

3. Wilhelm, folgt. 

4. Magdalena, Gattin Hermanns von Bronkhorst-Batenburg, 
welcher 1464 die Herrschaft Stein im Valkenbnrgischen kaufte und 
dort am 20. Februar 1520 starb. 

Wilhelm von Vlodorp, Eitter, Herr zu Leut, zu Dalenbroich 
und der Herrlichkeit Ryckelt. 1475 heisst er bei Lebzeiten des 
Vaters Herr zu Dalenbroich, 1477 wird er Ritter genannt 1 . Beim 
Hubertusorden wurde er mit den Ahnen Ylodorp, Winandsrath, Weyer 
und Huyn von Amstenrath 2 aufgenommen. Wilhelm hatte vor 
1481 Alveradis von Harff, Tochter Gottschalks zu Alsdorf und der 
Johanna Hoemen von Odenkirchen, geheirathet Sie war 1500 schon 
Wittwe 3 und starb am 14. Juni 1523 4 . Diesen Wilhelm nennen 
Fahne und andere Genealogen Godart 5 . Es heisst aber ausdriicklich 
von einem Vertrag 1495 6 : „Ein Brief antreffend den letzten Willen 
Herrn Wilhelms von Flodrop, Ritter, und Frauen Alvara von Harff, 
Eheleuten, darinnen ihre Kinder bei ihrem Leben geschieden und 
getheilt haben in der Herrlichkeit Dalenbroich und Leuth halber, de 
dato 1495." Die Angaben Stranges in seiner Genealogie Harff 7 
scheinen auf Urkunden zu beruhen und auch das Memorienbuch 
des Klosters Wenau, wo die Enkelin Johanna Nonne war, sagt 
imter dem 31. Marz: „Com. Wilhelmi militis de Flodorf et Alveradis 
uxoris eius et puerorum eorundem laicorum, de quibus habemus 
centum florenos 8 ." 

Seine Kinder, welche 1495 bei Lebzeiten der Eltern deren Guter 
theilten 9 , waren: 

V. 
1. Godert, Herr zu Leut, 1504 mit der Vogtei zu Eysden belehnt 10 . 



*) Wiedemann a. a. O. S. 245. 

a ) Rich tiger Huyn von Merkelbach. Original-Bruderschaftsbuch des 
Hubertusordens in der Hofbibliothek zu Miinchen. 

*) 1519 kaufte sie ein Haus zuRoermond (Wiedemann a. a. O. S. 246). 

*) Prozessakten im Staatsarchiv zu Wetzlar, wo die Eheleufce auch 
Wilhelm und Alveradis genannt werden. 

6 ) Auch die Recherches. Richardson, Merode II nennt den Mann der 
Alveradis S. 34 ff. Wilhelm, S. 20 aber Gotthard. 

6 ) Wiedemann a. a. O. S. 247. 

7 ) Beitrage II, S. 35, vgl. besonders V, S. 122. 

8 ) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins IV, S. 271. 

9 ) Wiedemann, Odenkirchen S. 247, Urkun den-In ventar. 

10 ) Recherches p. 40. 



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138 E. von Oidtman 

2. Wilhelm, folgt. 

3. Katharina, 1475 mit Vater und Grossvater urkiindlich er- 
wahnt, besass u. A. den Fruchtgenuss des Gutes Borgharen, war ver- 
mahlt mit Rainer Scheiffart von Merode-Bornheim und starb 1552. 

Wilhelm von Vlodorp wurde 1511 mit der Vogtei zu Eysden 
belehnt. Herzog Johann von Cleve verkaufte ihm 1524 fur 3000 
Goldgulden die Herrlichkeit Grevenbicht. Seine Gattin Odilia von 
Hoemen x zu Odenkirchen, Tochter Johanns und der Maria Margaretha 
von Palant zu Rulant, brachte ihm die Burggrafschaft Odenkirchen 
zu; sie starb am 7. Marz 1558 und wurde zu OdenMrcJien begraben. 
Wilhelm nannte sich Herr in Dalenbroich, Odenkirchen, Leut, Rickolt, 
Rulant, Elmpt und Kreutzberg; er starb am 3. Januar 1546 und 
wurde in der Pfarrkirche zu Odenkirchen beigesetzt. Sein Grabstein 
zeigte einen gevierteten Schild, im 1. und 4. Feld das Stammwappen 
mit einer Bordiire, im 2. und 3. Feld die Lilie, auf dem Helm 
wachsender Mann. Der dreieckige Schild seiner Gattin zeigte im 
1. Feld das Vlodorpsche Stammwappen, im 2. das OdenMrchensche, 
im 3. die Lilie, im 4. das Hoemensche Stammwappen 2 . 

Kinder der Genannten waren: 

VI. 

1. Wilhelm, folgt. 

2. Maria, starb vor 1563, Gattin Johanns von Palant zu Wil- 
denburg, Nothberg und Weissweiler, Amtmann zu Eschweiler. 

3. Heinrich, starb kinderlos vor L559 3 . 

4. Anna Barbara, heirathete 1538 Johann Quadt von Wickrath, 
Herrn der Herrschaft Wickrath, zu Schwanenberg, Reckheim und 
Kreutzberg. Sie starb 1579. 

5. Ursula, verheirathet mit Karl von Utenhoven zu Kellenberg, 
Sohn Johann Karls von Utenhoven zu Kellenberg und Hottorf und 
der Sophia von Schonberg zu Reichenau. 

6. Balthasar, folgt unter der graflichen Linie. 

7. Johanna, Nonne zu Wenau. 



*) Beide Eheleute sind im Memorienbuch des Klosters Wenau unter dem 
3. Januar angefiihrt. 

2 ) Redinghoven sah noch die Grabsteine im Chor der Pfarrkirche zu 
Odenkirchen und beschreibt sie in Bd. LXV seiner Sammlung. 

8 ) Wiedemann a. a. 0. S. 249, Urkunden-Inventar. Ein anderer Hein- 
rich von Vlodorp war 1574 unter den Edelleuten, welche zut feierlichen 
Abholung der Herzogin Anna von Julich, geborener Prinzessin von Pfalz-Neu- 
burg, abgesandt wurden (Mappius, Annales III, p. 79). 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvdgte zu Roermond. 139 

Wilhelm von Vlodorp, Freiherr zu Reckheim 1 , Herr zu Dalen- 
broich, Odenkirchen, Bicht, Haneff und Elmpt, Erbburggraf des Erz- 
stifts Koln, heirathete 1534 Anna Margaretha, Tochter Heinrichs von 
der Dunck zu Bicht und Johanna von Rouver zu Haneff. 1560 
erwarb er von der Mutter und der Yormundschaft der Kinder des 
Grafen Gumprecht von Neuenar die Herrlichkeit Orsbeck und in gen 
Roetgen und iiberliess dieselbe im folgenden Jahre dem Herzog Wil- 
helm von Jtilich; 1561 wurde er niit der Burggrafschaft Odenkirchen 
von Kurkoln und mit Obbicht von Spanien belehnt. Wilhelm starb 
am 29. August 1564 und wurde in der Kirche zu Odenkirchen 
begraben. Der Grabstein zeigte sein Bild im Harnisch, Wappenschild 
geviertet (Stammwappen und Lilie), belegt mit Herzschild (die Oden- 
Mrchenschen Querbalken). Ein Helm zeigte die Vlodorpsche Helmzier, 
der andere den Blatterberg der Hoemen-Odenkirchen 2 . 

Wilhelm hinterliess drei Tochter, die Sohne waren vor ihm ge- 
storben. 

YII. 

1. Odilia, Gattin Florenz' von Boetzelaer, welcher 1572 mit 
Odenkirchen belehnt wurde. 

2. Alveradis, Erbin zu Obbicht, in erster Ehe mit Karl von 
Bronkhorst-Batenburg zu Westbarendrecht, gestorben 1580, in zweiter 
mit Philipp von Bentinck, Pfandherr und Amtmann des Amtes Mont- 
fort, vermahlt. Sie starb am 2. Juni 1606. 

3. Anna, Erbin des Schlosses Dalenbroich, heirathete 1564 
Harthard von Palant zu Wiebelskirchen, Lindenberg und Wilden- 
burg, gestorben 1615. 

4. Wilhelm, 1561 todt 3 . 

5. Heinrich, 1561 todt 3 . 

C. Gr&fliche Linie. 

Balthasar von Vlodorp 4 , Freiherr zu Rickolt, Herr zu Leut, 
Monken und einer Halfte der Herrlichkeit Rulant, wurde 1537 mit 
Leut belehnt 5 . Seine Gattin Katharina, Tochter Adrians von Bylandt 



*) Reckheim verkaufte er 1524, seinen Antheil an Kreutzberg 1561 seinem 
Sch wager Quadt. 

a ) E. S. LV, S. 302. 8 ) Publ. Limb. XX, p. 24. 

*) In den Recherches und von Fahne wird er Graf genannt, was 
falsoh ist. 

6 ) Publ. Limb. XXI, p. 267. 



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140 E. von Oidtman 

und der Anna von Virmond, war Erbin der Herrlichkeit Well. Am 
2. April 1546 erhielt er die Belehnung rait dem Gut Aldenhof zu 
Neerbeck als Yalkenburgisches Lehn 1 . 
Kinder : 

VII. 

1. Wilhelm, folgt. 

2. Anna, verheirathet 1. mit Mathias von Loe zu Wissen, 2. mit 
Johann von Horn zu Boxtel, welcher 1606 starb. 

3. Odilia, heirathete 1561 Karsilius von Palant zu Ruyff, wel- 
cher am 28. Januar 1606 starb. 

Wilhelm von Ylodorp, Freiherr zu Rickolt, Herr zu Leut, Well, 
Feltz und Moerstorff, Erbbannerherr des Herzogthums Luxemburg 
und der Grafschaft Chiny, erhielt 2 nach dem Tode seines Vaters die 
Belehnung mit dem Hause Leut, dem Hof zu Geleen, genannt der 
Hanenhof, und dem Hof zu Stucken. Er steht auf dem geldrischen 
Bitterzettel vom J. 1592 als im Amt Kessel angesessen 3 bezeichnet. 

Durch seine Anhanglichkeit an den Prinzen Wilhelm von Ora- 
nien zog er sich die Konfiskation seiner Giiter in den spanischen 
Niederlanden zu 4 . Seine Gattin war seit 1574 Johanna, Tochter 
Bernhards von der Feltz zu Feltz und Moerstorff, Erbbannerherrn des 
Herzogthums Luxemburg, und der Maria von Palant zu Moerstorff. 
Wilhelm turnierte 1585 gelegentlich der Hochzeit des Herzogs von 
Jiihch zu Dusseldorf und priisentirte hierbei seine 8 Ahnen 5 . 1585 
kauften Wilhelm und seine Gattin den Hof Wichterich zu Koln. 
1603 war Wilhelm todt, denn in diesem Jahre empfing der Bevoll- 
machtigte seiner Wittwe die Belehnung mit dem Aldenhof zu Neer- 
beck. Johanna von Feltz soil sich in zweiter Ehe mit einem Oberst 
von Brempt vermahlt haben und starb im Mai 1613. 

x ) Ibid. p. 438. 

2 ) Publ. Limb. XXI, p. 267. Die dort angegebene Jahreszahl 1545 muss 
falsch sein, da, wie oben erwahnt, der Vater Balthasar noch 1546 eine Be- 
lehnung empfing; vielleicht soil es 1547 heissen? 

3 ) Ohne das grafliche Pradikat, seine Tochter Frau von Bongart wird 
nie Grafin genannt, der Sobn Otto Heinrich wird stets als Freiherr bezeichnet 
und der Testamentsauszug der Johanna von VJodorp, geb. von der Feltz, 
vom J. 1610 nennt einen graflichen Titel nicht. 

4 ) Villermont, Tilly p. 670. 

6 ) Abgebildet in Graminaeus, Beschreibung der Julichschen Hochzeit. 
Sein Wappenschild zeigt hier einen zweiten gekrdnten Helm, woraus eine 
weisse, oben mit 9 Hahnenfedern gezierte Miitze hervorgeht. Es wird die 
verzeichnete Helmzier des Hoemenschen Wappens (Blatterberg) sein. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu ftoermond. 141 

Kinder: 

Yin. 

1. Adrian Balthasar, folgt. 

2. Johann Wilhelm, am 12. November 1613 mit Leut und dem 
Aldenhof zu Neerbeck belehnt, starb unvermahlt. 

3. Otto Heinrich, 1615 nach dem Tode' seines Bruders Johann 
Wilhelm mit Leut und dem Aldenhof belehnt, wurde in Luxemburg 
ermordet. 

4. Johann Bernhard, 1608 Malteser-Ordensritter. 

5. Anna Katharina, heirathete 1597 Werner von dem Bongart 
zu Paffendorf etc. 

6. Johanna Maria, heirathete am 12. Juli 1611 Johann von Vir- 
mond, Freiherrn zu Neersen, kurkolnischen Geh. Rath, kaiserl. Kriegs- 
rath, Generalmajor und Gouverneur zu Bonn. 

7. Odilia, heirathete 1618 Johann von Morrien, Erbmarschall 
des Fiirstenthums Mtinster. 

Adrian Balthasar Graf 1 von Ylodorp, Preiherr zu Leut, Maes- 
wyck, Eysden, Well, Herr zu Dorth etc., Erbbannerherr des Herzog- 
thums Luxemburg. Am 16. Juli 1603 erhielt er fiir sich, seine 
Bruder und Schwestern die Belehnung mit Leut, 1621 die Beleh- 
nung mit dem Aldenhof, welchen er 1656 auf seine drei unverhei- 
ratheten Tochter Anna Theodora, Adriana und Odilia ubertrug. Seine 
Gattin war Isabella, Tochter Dietrichs von Dorth zu Dorth und 
Deventer und der Aleidis von Bodelschwingh zu Eckeren. Sie stellt 
am 15. November 1628 Ackerland aus dem Aldenhof zu Pfand, als 
sie Landereien zu Daneken ankaufte 2 . 

Auf den Ritterzetteln des Amtes Kessel ist Adrian Balthasar 
1607 bis 1611 als Freiherr zu Leut, Herr zu WeU, 1612 bis 1624 
als Herr zu Well angefuhrt, ohne das grafliche Pradikat. 

Kinder: 

IX. 

1. Amadea, gestorben 18. Januar 1691, Gattin des Wolf Hein- 
rich von Kaesfelt, Herrn zu Twikel, gestorben 30. Juni 1682. 



l ) Adrian Balthasar scheint den Grafentitel erhalten zu haben (von wem ?), 
und zwar zwiachen den Jahren 1628 und 1649. Vgl. Publ. Limb. XXI, p. 438 
u. 439. Im Nekrolog der Abtei von Roermond stebt unter dem 28. Dezember: 
„obiit Elisabet de Dordt, comitissa ducatus Monteul (?), cognata Elisabeth de 
Vlodorp, nostrae commonialis". Wie mag das Wort Monteul zu deuten sein? 

a ) Publ. Limb. XXI, p. 438. 



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142 E. von Oidtman 

2. Johanna Aleidis, gestorben am 14. Juli 1681, zu Nimwegen 
begraben, verheirathet mit Wessel von'Boetzelaer zu Leewen. 

3. Odilia Anna, gestorben 30. November 1717, in kinderloser 
Ehe mit einem Herrn von Eversum vermahlt ; beide sollen in Twikel 
bei Delden begraben sein. Der Bevollmachtigte dieser Tochter erhielt 
am 4. Februar 1710 die Belehnung mit Leut. 

4. Adriana, 1656. 

5. Anna Theodora, 1656. 

6. Adrian Gustav Graf von Vlodorp, Preiherr zu Leut, Herr zu 
Maeswyck, Eysden, Stavenisse etc., Erbbannerherr des Herzogthums 
Luxemburg, Erbmarschall des Herzogthums Iimburg und der Graf- 
schaft Yalkenburg, erhielt am 17. Oktober 1664 die Belehnung mit 
Leut und starb 1688 als letzter Mann seines Geschlechts, aus seiner 
Ehe mit Margaretha Huyssen (von Cattendycke) keine Kinder hinter- 
lassend. Beide Eheleute hatten aber eine Verwandte adoptirt, namlich 
Johanetta Margaretha Huyssen (von Cattendycke). Diese vermahlte 
sich 1706 auf dem Hause Dorth mit Karl Philipp Graf von Wartens- 
leben, Herm zu Wallendorf, preuss. Kammerherrn und Dompropst 
zu Brandenburg 1 . Graf Wartensleben nahm den Namen Graf von 
Ylodorp-Wartensleben an und erbte von seiner Gemahlin, welche 
1714 starb, die Vlodorpschen Giiter. 

Das Stammwappen des Geschlechts war: In Silber drei blaue 
Querbalken (oder sechsmal quergetheilt) ; den Schild umgibt haufig 
eine rothe Bordiire. Der Helm zeigte ein bartiges Manneshaupt 
rechtsgewendet, der Rumpf ohne Arme ist wie der Schild bezeichnet. 
Um das Haupt ist eine blauweisse Stirnbinde geschlungen, deren 
Enden riickwarts abfliegen 2 . Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde 
schon ein geviertetes Wappen gefiihrt, im 1. und 4. Pelde das Stamm- 
wappen, im 2. und 3. Pelde in Silber eine rothe, heraldische Iilie 
wegen der Erbvogtei von Roermond. Die Aufschworungen bei der 
Julichschen Ritterschaft zeigen Variationen des Vlodorpschen Wappens 8 . 



1 ) Auszug aus dem Register des Lehnhofs von Valkenburg 1699 bis 1719, 
fol. 209—212; vgl. Maasgouw, Jahrg. 1885, Nr. 257. Zeugen bei der Ehe- 
beredung waren" Alexander Hermann Graf von Wartensleben, preuss. General- 
feldmarschall, Ritter des schwarzen Adler-Ordens etc., Herr Hendrik Huyssen, 
Herr zu Cattendyck, und seine Gemahlin Maria Susanna Huyssen, Frau von 
Cattendyck. (Freundliche Mittheilung des Herrn Rosenkrantz zu Rheydt.) 

2 ) Ein Wappenbuch aus der Mitte des 15. Jahrhunderts gibt das Vlo- 
dorpsche Wappen mit Gold statfc Silber. R. S. 

8 ) Fahne, Denkmale und Ahnentafeln IV, S. 123, 125 und 135. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu Roermond. 143 

Folgende Personen, welche den Namen Vlodorp tuhrten, vermag 
ich nicht der Genealogie einzureihen: 

1. Margaretha von Vlodorp, Gattin Giselbrechts von Krombland l 
(Hof bei Elsum), 1382. 

2. Pauwelyne, Wittwe Johanns von Vlodorp, und ihre Kinder 
Johann, Augustinermoneh, und Heilke, Gattin Johanns Kempe zu 
Aachen 2 , 1471. 

3. Jan von Vlodorp, vermahlt niit Walburga von Lynden zu 
Blitterswyck, die sich wieder verheirathete an Kornelius von Wyhe, 
welcher 1529 todt war. 

4. Johann und Heinrich von Vlodorp zu Heinsberg, 1517. 

5. Heinrich von Vlodorp war 1574 unter den Edelleuten, 
welche zur feierlichen Abholung der Herzogin Anna von Julich, 
geborener Prinzessin von Pfalz-Neuburg, abgesandt wurden 3 . 

6. Arnold von Vlodorp, Sohn Wilhelms und der Anna von 
Birkel, starb 1546 zu Frankfurt a. M. Seine Wittwe Jakobe Coeborch 
heirathete Arnold Kael. Ihr Sohn Wilhelm von Vlodoi*p, 1546 als 
postumus geboren, starb 1605 als Apotheker zu Diisseldorf. Er 
war in erster Ehe mit Ursula von Beesten, in zweiter niit Katharina 
Yogelsanck, genannt Heisterz, verheiratliet und hinterliess ausser dem 
Sohne Jakob, welcher unvermahlt starb, zwei Tochter, von welchen 
die eine, Margaretha, den Doktor Hermann Kraan, die andere, Katha- 
rina, Erwin Steingen, herzoglichen Kellner zu Diisseldorf, heirathete 4 . 

7. Katharina von Vlodorp, Gattin des Karl Franz von Beesten. 
Ihre Tochter heirathete 1632 zu Koermond Rainer von Harscamp 5 . 

Beilage. 

Der Vertreter des Vogts und die Sclioffen zu (Milnchen-) Gladbach geben 
beglaubigte Abschrift des am 26. November 1391 zwischen Gerhard von Vlodorp 
und Elisabeth von Schonau abgeschlossenen Elievertrags. 1581, Oktober 30. 

Wyr Peter Helwich, zur zeit atathelter Henrichs van Velraidt genant 
Meuter vogts, Daem then Eyckhen, Dietherich GaeckelB und vort algemeine 



1 ) Sivre-, A. E. Ill, p. 245. 

2 ) Quix, Stadt Burtscheid S. 20, Anm. 2. 

3 ) Mappius, Annales III, p. 79. 

4 ) Alfter8che Sammlung im Besitz der Yerwaltung der Schul- und Stu- 
dienstiftungen zu K6ln unter Flodorf. 

B )Bormans, La famille d'Harscamp. Eine Harscampsche Ahnentafel 
im Archiv Niederzier nennt die Eltern Johann von Vlodorp und Katharina 
von Schilling. 



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144 E. von Oidtraan 

semptliche scheffen der statt und kirGpelB zu Gladbach thon kund, zeugen 
und | bekennen hiemit allermenniglichen zu wissen gebend, den dieO unser 
offen vidimus, transsumpt und exemplar vorkompt, das uns heute dato nach- 
beschriebene binnen der stat Gladbach die verordente tutoren und curatoren 
| wyland des edlen Gottharts von Meylendunck, herrn zu Ghoer, Meyl und 
Vronenbroch, gotseligen gedacht, hinderlaissen mynderjarige kindern einen 
brieb uB pergament geschrieben und mit Hermans Hoen ritters, Rutgers 
van | Vlodorp, Geirlychs van Amwylre pastoer der kirken van Opgelene. 
Godert Swertschein, Johans Huen van Anstenrade, Hinrichs van GronOfelt 
ritters, Johans van Wessem, Goderts von Vlodorp ritters, Sophien van der 
Nuerstat, Gerards van Vlodorp, Wilhelms van Vlodorp und GeliO van den 
Wyer ritters, gotseliger, siegelen von groenen wachs besiegelt, (iberant- 
worten und zustellen laissen, der von worten zu worten laut wie her- 
nach folgt: 

Wer Herman Hoen ritter, Riitger van Vlodorp, Geirlych van Amwylre 
pastoer der kirken van Opgelene, Godert Swertschein, Johan Huen van 
Anstenrade, Hinrich van GronBfelt ritter ind Johan van Wessem doen kont 
alien liiden mit desen openen brieve, dat want her Godart van Vlodorp ritter 
ind Sophie van der Nuerstat, vaecht ind vaechdynne tot Ruremonde, op eine 
syde, ind her Gelys van den Wyer ritter op de andere syde, oevermitz raet 
ind guetdunken haer mage 1 ind vrynde von heiden partien eyne hylichs- 
dedingen ind vurwarden tuesschen Geraedt van Vlodorp, derre vurschreven 
vaechtz ind vaechdynnen soen, ind jouffrouwen Lysbetten, wylne hern Godartz 
doechter van Schoenouwen, dem got genade, hern Gelys vurgenant doechter 
kynt, mit eyndrechtigen wylle volcomentlich aen ons bleven syn, soe seggen 
wer semelich in den name goetz, dat Geraet ind jouffrouwe Lysbet vurschreven 
mallich den anderen tot eynen wetlichen manne ind wyve nemen sal ind 
ouch doen as in denen saken recht is ind gewoenlich, ind seggen ouch vort, 
dat der vaecht ind vaechdynne vurgenant Geraet, haeren soen, geven sullen 
den hoef van Assel mit der teenden van Graet, laten, cormeden, vysscherien, 
den tolle ind recht des lynpertz in der Masen ind op den lande, so wie de 
mit alien sinen tuebehoren ind rechten, naten ind aen droegen, neit uit- 
gescheiden, gelegen is, uitgescheiden dat jouffrouwe Gertruedt van Vlodorp, des 
vurgenanten vaechtz zuester, cloesterjouffrouwe tot Heinsberch, vyftich guede 
gulden aide schilde aen den tolle in der Masen van Assel ind aen vyf bonre 
baentz in Asselre Oe gelegen, na begrepe ind inhalden haere brieve dae 
op gemakt ind wail besegelt, alsoe lange as sy left ind leyft, behalden 
sal, heffen ind bueren, restlich ind vredelich, onbek(ommert) * van ymant, 
ind as die vurgenant jouffrouwe Gertruet van leven ter doet comen is, soe 
sal de tolle ind beenden vurgenant wederumb aen den hof vallen, die Geraet 
ind syne erven ouch halden ind besitten gelych den hove van Assel vur- 



*) mage ist in der Vorlage ausgelbscht, aber aus dem nnten folgendeu Text erganzt. 
s ) Die letzten Buchstaben sind in der Vorlage ausgeloscht. 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvflgte zu Roermond. 145 

genant. Ouch soe is init gevurwart ind geordeneirt, oft gevele dat Geraet 
ind syn wyf kynder tesamen kregen as van mans geboert ind Geraet ind sin 
wyf vurgenant van leven ter doet quemen ee der vaecht ind vaechdynne 
vurgenant, des vurgenanten Geraetz vader ind moder, soe sal die vaechdie 
van Ruremonde mit alle haren tuebehoren, rechten ind gerichten, soe wie 
die gelegen is an naten ind an droegen, an die mansgeboert beerft syn, ind 
die mansgeboert sal in des vader stat staen ; ind of die vurgenant jouffrouwe 
Lysbet, Geraetz wyf, van huem kynder krege as vrouwelich geboert ind 
Geraet dan storve ee syn vader of moder, soe sal men asdan jouffrouwen Lys- 
betten, wanne Geraetz wyve, ind haere doechter of doechteren, die sy van 
Geraet verkregen bedde, oevermitz raet, guetdunken ind ordineren haero 
mage ind vrynde van beiden syden alsoe voel gueder jaerlicher erflicher gulden 
bewysen, te heffen ind te beuren aen ind op renten, hove, erve ind guet, die 
den vaechde ind vaechdynnen vurgenant tuegehorende syn, ind dartue den 
hoef op gene Ritt as jouffrouwe Lysbet huede dys dags Geraet brengt an her- 
licheiden, aen hoeven ind aen gueden renten, te weten is: dat schlosse ind 
herlicheit van Schoenouwen mit alien haren tuebehoren, lant, luden, hoven, 
dorpe, gehuchten, huesen ind gueden, soe wie de mit alien haeren rechten, 
regalien ind gerichten, naten ind aen droegen, buessche ind aen broeke, neit 
uitgescheiden, by Aechen gelegen, uitgescheiden den teenhoef, die van Schoen- 
ouwen verwecht is, dae Geraet ouch van syns wyfs wegen recht verzegenis 
op doen sal, beheltlich doch syn ind syner erven hocheit ind recht; item den 
hoef van Modersdorp mit den halven, gericht van der Warden, neit uit- 
gescheiden, soe wie de mit alien sinen tuebehoren gelegen is ; item den hove 
van Nulant mit den guede van Kalkhoven, soe wie de mit alien sinen an- 
hange, tuebehoren ind rechten gelegen is; item dat burglene van Mouffart 
mit teensen, curmeden ind sees ende dartich cappuynen, die men tot Echt 
geldende heit; item den wyngart, soe wie her Godart van Schoenouwen denen 
an hern Staetzen van den Bungart versat heit, mach Geraet ind sin wyf of 
hare erve wederomb loissen ind besudden * mit alsulger summen geltz as dae 
de vur versat is; item dat hersterfenis van den baenritter sal Geraet half 
hebben ; item alsulge aenspraeche, as her Godart van Schoenouwen hadde an 
sinen broder, ind die vorderie, die der here van Rade ind sin br6der hebben 
an onse vrouwe van Brabant, der guede brieve syn, willige vorderien Geraet 
mit sinen wyve alleyn behalden sal. Mer wert saeche dat die vrouwelich 
geboert, die Geraet ind syn wyf tesame verkregen hedden, alsoe lange levet, 
dat der vaecht of vaechdynne van leven ter doet quemen, ind Geraet ind 
syn wyf ouch dan leveden ind dae na haere eynich storve, soe sal die 
vroulich geboert die vaechdie, soe wie die vurgenant is, behalden ind ouch 
in des vader stat staen, vort sal Geraet ind syn wyf alle gereide have, soe 
wie die dit jaer lanch op den gueden verschenen syn, alleyn behalden nit 
ind van willigen gueden vurgenant Geraet ind syn wyf dry hundert ind dry 



■) Die Vorlage hat besmddeo. 

10 



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146 E. von Oidtman 

ende dertich Rynssche guelden, goet van golde ind swaer van gewichte, ind 
vyftich Eyckxe mudde roggen eyns betalen sullen ind neit me, soe wie men 
haem die bewyst van schout wegen, die her Godart vurgenant gemakt 
hadde, ind her Gelys vurgenant sal Geraet ind synen wyve of haren erven 
alle ander aenspraeke ind schout, die van sy van hern Godartz wegen vur- 
genant aengesproechen of gemaent mochten werden, knelen ind avedoen sunder 
eynge weerwoert. Ind wert sake dat jouffrouwe Lysbet van Geraet haren 
manne egene kynder in krege, soe sal jouffrouwe Lysbeth hare duarie ind 
lyftoecht halden an den hove van Assel, de eyn vry guet is, soe wie de mit 
sinen tuebehoren, neit uitgescheiden, vurgenant is, sonder ymans wederseggen. 
Ind as Geraet dese vurgenante goede ontfangen heit, soe sal he vur sich ind 
syne erven vertien op al alsuelge erve ind guet, as vrouwen Katherynen 
ind Johanne, hern Gelys kynderen, na synen doede anhersterven maech, dae 
van nimmerme deilingen te gesynnen; mer levet her Gelys langer dan 
Katheryn ind Johan vurschreven, soe sal Geraet, syn wyf of hare erven tot 
haren lantrecht staen, alle argelist ind behendicheit, felle, list ind nuwer 
vonde ind alle ander saken beide geistelix of wereltlix rechtz, die eynre 
partien in eyngen puncten dys briefs te staden comen moechten ind der anderre 
te onstaden, in alle deser hylichsdedinge vurschreven cleirlich uitgescheiden 
ind gedoet. In orkonde der waerheit ind ganzer stedicheit soe hebben wer 
Herman ritter, Rutger, Geirlich, Godert, Johan, Hinrich ind Johan vurgenant 
onse segele vur ons umb beider partien beiden wille as hylichslude onden an 
desen brief gehangen, des wer partien vurgenant mit gueden vurrade wail 
genoecht syn; ind umb te meire stedicheit wylle alle deser hylichsdedingen 
vurgenant soe hebben wer Godert van Vlodorp ritter, Sophie, vaecht ind 
vaechdynne vurgenant, Geraet ind Wyllem, gebroedere, derre vurgenant 
vaechtz ind vaechdynnen soene, van einre syden, ind gelaven ouch vur Neis- 
ken onse onmondige doechter, ind Gelys van den Wyer ritter van der 
anderre syden, ind gelaven ouch in gueden truwen vur Neten, jouffrouwen 
Lysbetten, Geraetz wyve vurgenant, onmondige zuester, dat eirste as sy tot 
haren mondigen dagen comen syn, dat sy alle dese vurgenante puncten mit 
rechten vertegenis vaste ind stede vur huen ind hare erven halden sullen 
unverbroeclych, ewelich ind ummerme, ind ouch dese brieve mit haren 
transfixebrieven stedigen ind besren sullen, onse segelen vur ons ind onse 
erven mit onser reenter wetentheit by dere hylichslute vurgenant segelen 
onden an desen brief gehangen, ind kennen ouch daeby, dat alle dese vur- 
genante hylichsdedingen waer syn. Gegeven int jaer ons heren duesent 
dryhundert eyn end nogentich, des sontags na sente Katherynen dage. 

Und war iiber den zwolf siegelen mit pergamenten startzen an den 
originalbrieb uf pergament geschrieben wie vurgenant anhangende eines jed- 
wederen sein nahm geschrieben wie folgt: Hoen, Rutger, pastoer, Swertschein, 
Huen, Gronsfelt, Wessem, vaecht, vaechdynne, Geraet, Wyllem, Wyer. Und 
haben daruf gedachte tutoren und curatoren bei uns fleissig thoen ansuechen, 
weil innen solliches briebs anderer orter zu geprauchen hoch nottig und 



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Die Herren von Vlodorp, Erbvogte zu Roennond. 147 

aunsten geferlich were, auch vielicht dem brieb schedlich und nachtheilig 
sein moghte dohin fueren zu laissen, das wyr als darumb denselben vidimieren 
und transsummeren, auch ibnen darvon ein offentlich glaubwurdig vidimus, 
exemplar und transsumpt, dem in- und ausserbalb rechtens glauben zu geben 
sei, machen und mittheilen laissen wollen, derhalben wyr zu befiBrderong der 
warheit und ire sachen und obligen zum guten den vorinserirten original- 
brieb an und vur uns genommen, mit allem fleiss besichtigt, gelesen und 
gegen diesen unseren vidimus und transsumpt seines inhaltz vleissig und 
treuwelich auschultieren und widerumb lesen baben laissen, und so wyr dan 
denselben brieb von worten zu worten obengeschriebens inhaltz, gleiches 
und eindrechtigen lautz, auch an siegel, eo durch glaubwurdige zeugen vor 
rechtfertig recognoscirt und erkant worden, und sunsten an pergament, schriften 
und worten unverseret, ungeradirt, unverletzt und sunsten ohn alien argwohn 
ganz gerecht befonden, so haben wyr angedeuten vormimderen diB unser 
vidimus, transsumpt und exemplar mitgetheilt, also das demselben vor und 
bei allermenniglichen in- und ausserhalb der gerichte gleich dem originalbrieb 
kraft, macht und ganzer vollkommener glaub geben werden soil, ohn alle 
geferd und argelist. In gestand der warheit vorangesetzter puncten und 
articuln haben wyr stathelter und schetfen vurschreven unsere gewoentliche 
in * und ampts scheffen siegelen und en an diO vidimus wissentlich nachein- 
anderen gehangen und denselben oftgemelten vormiinderen zustellen und geben 
laissen im jair nach Christi unsers lieben herrn gepurt tausent vunfhondert 
ein und achtzig am dreiBigsten October. 

Nach dem Original auf Pergament im Staatsarchiv zu Wetzlar, fruher in 
den Akten des Beichskammergerichts M. 2828, vol. VI, jetzt in der Abtheilung Nie- 
derrheini8che Urkunden, Edelherren (Dynasten) Nr. 10. In den eben erwdhnten 
Akten findet sich noch eine notarielle Uebertragunp der Urkunde in modernum 
idioma Germanicum von 1755. 

Das unregelmdssig zugeschnittene Pergament ist 45 — 45 l /s Centimeter hoch, 
54 l l% — 55 Centimeter breit, mehrere durch die game Urkunde gehende Fatten- 
briiche iind in neuester Zeit mit Papier verklebt, der Text ist jedoch bis auf 
wenige leicht zu ergdnzende Buchstaben vollkommen unversehrt geblieben. Von den 
beiden Siegeln 8 hid nur die Pergamentstreifen noch vorhanden. 

Unter der letzten Zeile des Textes sleht : Wilhelmus Winkelhaussen, iudicii 
Gladbaccensis notarius et scriba iuratus, die Urkunde ist jedoch von einer 
andern Hand, offenbar von einem Schreiber, geschrieben. 

Beim Abdruck ist die inserirte Urkunde abgesetzt worden. Einzelne der 
Schreibweise des 16. Jahrhundert* gelaufige Verdoppelungen von Konsonanten 
und Dehnungen sind nach den fiir die Zeitschrift massgebenden Orundsatzen 
beseitigt. 



x ) So die Vorlage. 



10* 



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Zur Sage tiber die Ent&tehung des Lousbergs. 

Von A. Curtius. 

Durch die Vergleichung der Aachener Teufelssage mit ahnlichen 
ortlich und zeitlich weit getrennten griechischen Marchen gelingt es 
vielleicht, einen klaren Einblick in die Entstehung dieser und ahn- 
licher Lokalsagen zu gewinnen. Doch zunachst wollen wir die 
Aachener Teufelssage kurz erzahlen. 

Kaiser Karl hatte den Bau des Aachener Miinsters wegen der 
andauernden Sachsenkriege unterbrechen mussen. Da beschlossen 
die Vater der Stadt, selbst in Abwesenheit des Kaisers den Bau 
fortzufuhren, allein es fehlte ihnen dazu an Geld. Da bot ihnen eines 
Tages der Teufel eine grosse Summe Geldes an, fur den Fall, dass 
sie ihm die erste Seele uberlieferten, welche das Miinster betreten 
wiirde. Die Rathsherren gingen darauf ein, und nun wurde der 
Bau munter fortgefiihrt und vollendet. Den Teufel um den bedungenen 
Preis zu bringen, ersann ein kluger Monch eine list. Am Tage der 
Einweihung wurde ein schwarzverdeckter Sarg, der die dem Teufel 
verschriebene Seele enthielt, an den Eingang der Kirche gebracht, 
dann wurde der Sarg geoflhet, und ein Wolf sprang heraus, rannte 
in die Kirche hinein und wurde vom Teufel erfasst. Er riss dem 
Wolf die Seele aus, aber ausser sich vor Zorn und Grimm iiber den 
Betrug, eilte er von dannen, um sich an der Stadt bitter zu rachen. 
Er nahm einen grossen Sack und begab sich zum Ufer des Meeres. 
Hier fiillte er den Sack mit Sand und lud ihn sich auf die Schulter, 
so dass die grossere Halfte auf dem Riicken, die kleinere vorn her- 
tiberhing. So kam er gen Aachen, um dieses zu verschiitten. Schon 
hatte er die Soers erreicht, da erhob sich ein Wind, der ihm den 
Sand, welcher aus einem Risse des Sackes herausfiel, ins Gesicht 
trieb, so dass er nicht sehen konnte, wo er war. Da kam des Weges 
ein altes Miitterchen; dieses befragte der Teufel, ob er noch weit bis 
Aachen habe. Das Miitterchen erkannte den Teufel und seine Ab- 



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Zuv Sage iiber die Entstehung des Lousbergs. 149 

sicht und entgegnete: Lieber Herr, als ich von Aachen wegging, da 
waren die zerrissenen Schuhe hier an meinen Fussen noch neu. Es 
ist noch sehr weit bis dahin. Da waif der Teufel in seinem Zorne 
den Sack mit dem Sande nieder, und so entstand von der grossern 
Halfte der Lousberg und von der kleinern der Salvatorberg. Dieses 
sind die Hauptzlige der Sage, die ftir uns in Betracht kommen. 
Gehen wir jetzt zu den parallelen griechischen Sagen iiber. 

Bei den Griechen waren es gewaltige vorgeschichtliche Natur- 
ereignisse, mit Erdbeben verbundene vulkanische Eruptionen oder 
Meeresdurchbriiche, die sich dem Yolksbewusstsein unausloschlich 
einpragten und den Grund zu den phantastischen Sagen legten, 
welche der Titanen und Giganten Kampf mit den Gottern zum Gegen- 
stand haben. Die Titanomachie wurde in Thessalien an der Stelle 
lokalisirt, wo einst das jene Landschaft iiberfluthende Wasser sich in 
einer gewaltsamen Katastrophe zwischen Olymp und Ossa einen Weg 
zum Meere bahnte. Dass hiermit auch vulkanische Eevolutionen 
verbunden waren, konnen wir aus dem Zuge der Sage schliessen, 
nach welchem die Titanen den Pelion auf den Ossa walzten, urn den 
Olymp zu erstiirmen, aber durch die Donnerkeile des Zeus erschlagen 
wurden. Die Gigantomachie dagegen soil nach der altesten Sage 
auf der westlichen Landzunge Pallene der Chalkidischen Halbinsel 
stattgefunden haben. Hier lag das Gefilde von Phlegra, die Brand- 
statte, eine vulkanische Gegend, deren gewaltige, zerstreut uniher- 
liegende Felsblocke noch in geschichtlicher Zeit als Zeugen vorge- 
schichtlicher Katastrophen das Staunen der Griechen erregten. Hier 
sollten jene forchtbaren Kampfe zwischen den Gottern und Giganten 
sich abgespielt haben; denn wer anders hatte jene Felsmassen, die 
losgerissen und ohne jegliche Verbindung mit den benachbarten Ge- 
birgen, so unmotivirt herumlagen, dorthin gebracht, • als die Gotter 
und Giganten, da sie mit einander im Kampfe lagen ? Was die Einzel- 
heiten dieses Kampfes angeht, so interessirt uns vor Allem der Zug 
der Sage, nach welchem in dessen weiterm Verlauf die Gottin Pallas 
Athene auf den fliehenden Giganten Enkelados die Insel Sizilien, 
Poseidon auf den Ephialtes die Insel Nisyros wirft, welche er von 
der benachbarten Insel Kos abgerissen hat 1 . Letztere Sage finden wir 
auch auf einem alten Yasenbild dargestellt 2 . Selbst die bekannte Sage 
von den Saulen des Herkules, iiber deren Entstehung und Bedeutung 



l ) Apollodor, Bibl. 1. 6. 2. 

a ) Miiller-Wieseler, Alte Denkmaler I, 208. 



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150 A. Curtius 

schon im Alterthum die verschiedensten Vorstellungen herrschten, 
scheint doch den Sinn gehabt zu haben, dass sie von einem Gotte 
oder Halbgotte (Kronos, Briareos, Herkules) am fernen Ocean auf- 
gethurmt worden seien, zum Zeichen, dass hier das Ende der Welt 
und der Schiflfahrt sei *. Die Entstehung dieser und ahnlicher Sagen 
wird mit Eecht von gewaltigen vorgesehichtiichen Naturereignissen 
hergeleitet, welche die Phantasie des Volkes erregten und zur Bildung 
jener Marchen den Grund legten. Das Feld von Phlegra, das 
Peneusthal und die benachbarte Halbinsel Magnesia, endlich die Insel 
Sizilien waren zum Theil noch bis in die geschichtliche Zeit hinein 
von vulkanischen Eruptionen heimgesucht, denen man die sonderbare 
Gestaltung gewisser Felsmassen zuschrieb. Bei der eben beruhrten 
Sage von der Entstehung der Inseln Sizilien und Nisyros hat sicher- 
lieh auch die Vorstellung mitgespielt, dass einst durch einen Meeres- 
durchbruch diese Inseln von den benachbarten Landermassen Italien 8 
und Kos abgerissen und zu Eilanden geworden seien, ahnlich wie 
durch den Durchbruch des atlantischen Oceans zwischen Europa und 
AMka die Strasse von Gibraltar entstanden sein mag. Genug, wir 
sehen, dass hier ein vorgeschichtliches Naturereigniss zu Grunde liegt, 
welches so gewaltige Umwalzungen an der Erdoberfladie hervor- 
brachte, dass ein naives Zeitalter sie sich nicht anders als durch 
gottliche oder damonische Krafte bewirkt denken konnte. Bei diesen 
Sagen ist es jedesmal das Ueberraschende und Sonderbare in der 
Gestaltung, das Abweichende von der ubrigen umgebenden Gebirgs- 
formation, was die Phantasie eines naiven Volkes zur Sagenbildung 
angeregt hat. Zu einer Zeit, wo man noch nicht durch Eeflexion 
auch die seltsame Gestaltung der Erdoberfladie als das Produkt 
nattirlicher Vorgange zu betrachten gewohnt war, musste eine liber- 
nattirliche Kraft, die eines Gottes oder Halbgottes, herhalten, urn die 
Entstehung dieser oder jener auffalligen Bildung zu erklaren. Nach 
der Vorstellung der Griechen waren es Lokalgottheiten, solche, welche 
der Volksvorstellung am gelaufigsten waren, die, mit ubermensch- 
licher Kraft begabt, jene Felsmassen in die mit der Umgebung nicht 
ubereinstimmende Lage brachten, welche sie in der geschichtlichen 
Zeit hatten. 

Besondere Beachtung verdient in dieser Hinsicht ein uraltes 



l ) Die Sage von den Saulen des Herkules geht auf die Seefahrten der 
Phonizier zuriick. Pre Her, Griech. Mythologie II, S. 211 f. 

8 ) Der Name der unteritalischen StadtRhegion (=Durchbruch), Messina 
gegenuber, erinnert an diese Vorstellung. 



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Zur Sage fiber die Entstehung des Lousbergs. 151 

attisches M&rchen, welches mit der Gigantomachie ohne Zweifel zu- 
sammenhangt und eine auffaHende Aehnlichkeit mit der Sage von 
der Entstehung unseres Lousbergs hat. Das Marchen 1 , welches 
Antigonos von Karystos dem Atthidenschreiber Amelesagoras ent- 
nommen hat, lautet folgendermassen : Athene holte einst von Pellene * 
her einen gewaltigen Felsblock, um ihn zur Burg von Athen zu 
tragen und diese damit zu befestigen. Als sie nun nach Attika in 
die Nahe Athens gekommen war, flog ihr eine Krahe zu und mel- 
dete ihr, dass die Kekropstochter, denen die Bewachung der geheim- 
nissvollen Erichthoniosschlange auf der Burg oblag, die den Erich- 
thonios bergende cista aus Neugierde trotz ihres Verbots geoffnet 
hatten. In ihrem Unmuth daruber liess sie den Felsen fallen, und 
so soil der Lykabettos 8 bei Athen entstanden sein. Die Aehnlichkeit 
dieses Marchens mit unserer Teufelssage ist einleuchtend. In beiden 
Sagen ist es ein hoheres, damonisches Wesen, welches eine grosse 
Erdmasse zu einem bestimmten Ziele iiber Land tragt, aber durch 
eine Nachricht, die den Trager der Last in Unmuth und Zorn ver- 



*) Bei Antigonos von Karystos, Histor. mirab. cap. 12 in Wester- 
m a nn , Paradoxograph. Graec. p. 63 sq. und in C. Mii 1 1 e r , Fragm. histor. 
Graec. II, p. 22. 

a ) Pellene, Stadt am Nordabhang des Kyllenegebirges in Achaja. Wahr- 
scheinlich ist Pallene zu schreiben, wo die Gigantomachie lokalisirt ist. Der 
Fels Lykabettos ahnelte den grossen FelsblOcken, die man auf dem phle- 
graischen Felde der Halbinsel Pallene in geschichtlicher Zeit sah. Deshalb 
lasst die Sage die GOttin jenen Felsen dorther holen und zur Akropolis brin- 
gen. Auch wurde die Lage des Lykabettos im Nordosten der Stadt nicht 
zu der Erzahlung passen, dass Athene jenen Felsblock von Pellene in Achaja 
geholt habe. Denn dann hatte die Gottin, von Westen kouimend, die Stadt 
mit der Akropolis schon passirt und erst dann den Felsen fallen lassen. Sie 
soil denselben aber zur Akropolis haben bringen wollen; mithin gelangte 
sie nicht zu ihrem Ziele, sondern liess den Berg zwischen Athen und ihrem 
Ausgangspunkt fallen. 

s ) Der Lykabettos, heute Hagios Georgios genannt nach einer auf dem 
Gipfel stehenden Kapelle, zu der ein Fusspfad vom Diomeischen Thore, der 
Gegend des jetzigen Schlosses, hinauffuhrt, erhebt sich von Athen aus gesehen 
in auffallender pyramidaler oder kegelformiger Gestalt im Nordosten der 
Stadt. Von dieser aus erscheint er vollstandig isolirt, wahrend in Wirklichkeit 
der gratartige hohere Gipfel, dem ein niedrigerer Kegel stadtwarts vorgelagert 
ist, mit der mehr nordSstlich zum Pentelikon sich hinziehenden Turkovuni- 
Kette zusammenhangt, doch so, dass er durch eine Einsattelung von dieser 
getrennt ist. Der dem Lykabettos stadtwarts vorgelagerte Berg heisst heut- 
zutage Froschmaul (Schistopetra) und hat in seiner Lage Aehnlichkeit mit 
unserm Salvatorberg. Vgl. Curtius-Kaupert, Atlas von Athen, Bl. I. 



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152 A. Curtius 

setzt, veranlasst wird, kurz vor dem Ziele an Ort und Stelle jene 
Last zu Boden zu werfen, woraus dann der in geschichtlicher Zeit 
beriihmte Hiigel oder Berg entstanden ist. Man kann dem Um- 
stand, dass der Lykabettos eine auffallende Aehnlichkeit mit unserm 
Lous- und Salvatorberg hat — beide liegen im Norden bezw. Nord- 
osten der Stadt und bestehen aus einem der Stadt naher gelegenen 
kegelformigen Gipfel und einem von diesem durch einen Sattel ge- 
trennten langgratigen Hohenzug — keine weitere Bedeutung bei- 
messen. Aber schon die Lage beider Berge in der Nahe einer 
volksreichen Stadt lenkte die Aufmerksamkeit auf die eigenthlimlich 
gestalteten Hiigel. Aehnlich wie Lous- und Salvatorberg unvermit- 
telt, unmotivirt mochte man lieber sagen, in der Ebene der Soers 
liegen, ohne Zusammenhang mit der Kohlscheider Hochebene und 
den tibrigen in der Stadt und nach dem Aachener Walde zu sich 
hinziehenden Hohen, so lag auch fiir die Athener der Lykabettos 
zusammenhangslos in der Ebene zwischen den Auslaufern des Hy- 
mettos, dem Brilessos oder Pentelikon und dem nach Salamis 
sich hiniiberziehenden Aegaleos und Corydallos, vollig geschieden 
von den Felsenhiigeln im Innern der Stadt, von der Akropolis, dem 
Areopag, dem Nymphen-, Musen- und Pnyxhtigel. Auch an Grosse 
iiberragte er die benachbarten Anhohen; denn er selbst hat eine 
absolute Hohe von 277 m, der ihm vorgelagerte Proschmaul ge- 
nannte Hiigel eine von 171 m, wahrend die Hohe der Hiigel in 
und bei Athen zwischen 70 m und 150 m schwankt. Kommt man 
vom hohen Venn herab auf Aachen zu, so wird einem jeden nicht 
nur die sonderbare Formation der Lous- und Salvatorberg genann- 
ten Sandhiigel auffallen, sondern vor Allem ihre isolirte Lage mitten 
in der Ebene; denn nach keiner Seite hin haben sie einen Zusam- 
menhang mit den iibrigen Erhebungen des Aachener Kesselthals 
oder eine Fortsetzung. Das Auffallige des Lousbergs war vor seiner 
Bepflanzung unter Napoleon I. noch grosser. Der Lykabettos liegt 
im Nordosten Athens, der Lousberg im Norden Aachens. Yon 
Nordosten her also musste Athene den Felsen, von Norden her der 
Teufel den Sandberg holen, mit welchem er Aachen sammt seinem 
Minister verschtitten wollte. Aehnlich wie Athene vom phlegraischen 
Felde auf Pallene, wo die gewaltigen Felsblocke zahlreich umher- 
lagen, den Felsen holte, welcher der Lykabettos wurde, so holte der 
Teufel in imserer Sage den Sandberg von dorther, wo man den 
meisten Sand vorhanden wusste, vom Meere, von der Nordsee her. 
Ich denke mir demnach den Ursprung der Sage in der Weise, dass 



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Zur Sage uber die Entstehung des Lousbergs. 153 

die Aachener, die immer den seltsam gestalteten Hugel vor Augen 
hatten und die Eigenthtimlichkeit seines Stoffes, seiner Gestaltung und 
Lage wohl erkannten, sich daraus jene Sage bildeten. Denn da sie 
noch nicht so weit in der natlirlichen Auffassung der Gegenstande 
waren, nm zu erkennen, dass friiher das Meer unsere Gegend uber- 
fluthet, und beim Zuriicktreten desselben vielleicht uber der Basis 
eines altern Schiefergesteins sich die vom Wasser absetzenden spatern 
Sedimentargesteine schichtenformig aufgehauft und so den geologisch 
hochst interessanten Lousberg 1 gebildet haben konnten, so scbrieben 
sie die Entstehung dieser scheinbaren Sanddiinen einem hohern, uber- 
menschlichen Wesen zu. Ihre richtige Ueberzeugung war, dass jene 
Sandhiigel urspriinglich nicht dagewesen, sondern erst spater, nach- 
dem die ubrige Gegend schon ihre bestimmte Gestalt erhalten hatte, 
in die Ebene der Soers gleichsam hineingegossen worden seien. Der 
Gedanke, dass es Meeressand sei, aus welchem der Lousberg besteht, 
mochte leicht den Zug der Sage veranlassen, nach welchem der 
Teufel an der Kiiste der Nordsee, wo ahnliche Sanddiinen in Menge 
vom Meere angespiilt werden oder durch das Zuriicktreten des Meeres 
entstehen, sich den Sack init Sand fullte, um Aachen zu verschiitten. 
Aehnlich wie die Athener das Dasein des unvermittelt daliegenden 
Lykabettos ihrer bei der Gigantomachie hervorragend betheiligten 
Stadtgottin zuschrieben und mit der Grundung ihrer Burg in Yer- 
bindung brachten, so bezeichneten die Aachener den Teufel als den 
Urheber jenes Berges und brachten die Entstehung desselben in 
Verbindung mit dem fur Aachen so wichtigen Bau des Ministers. 
Dass man gerade den Teufel als den Urheber jenes Yorgangs be- 
zeichnete, kann uns bei der grossen Bedeutung, welche dieses Schreck- 
bild in der Phantasie des Yolkes hat, nicht Wunder nehmen. Der 
Teufel ist die Ursache nicht nur alles Bosen, sondern auch alles 
Wunderliehen, Seltsamen und Zwecklosen, dessen Entstehung man 
Gott nicht gern zuschreiben mochte. Somit war der Grund zur Sage 
gelegt. Wie der sagenbildende Yolksmund diesen der Anschauimg 



') Dass der Lousberg wirklich eine Zusammenschichtung verschiedener 
Sand-, Kreide- und Kalklagen, und nicht eine einfache Sanddiine ist, erkennt 
man auf seiner Hohe in der Nahe des Tempelchens, wo der Kalkstein zu 
Tage tritt und gebrochen wird. Die oberste Schicht ist loser Sand, nach 
innen verdichten sich die Schichten zu Kalkstein, in welchem als Zeugen der 
Entstehung durch Wasserablagerung zahlreiche Versteinerungen gefunden 
worden sind und noch gefunden werden. Vgl. Forsters treffliche Mono- 
graphic „Der Lousberg bei Aachen" im Programm der Realschule I. Ordnung 
zu Aachen vom Jahre 1871. 



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154 A. Curtius 

entnommenen Kern ausgesponnen und zu dem bekannten Marchen 
des Weitern ausgebildet hat, entzieht sich unserer Einsicht. Dass 
der phantasievolle Volksgeist die Entstehung dieser Htigel in Ver- 
bindung brachte mit dem fiir Aachen so bedeutsamen Bau des 
Miinsters, ist sehr naturlich. Die geschichtlich bedeutungsvollsten 
Personlichkeiten, Ereignisse und Gegenstande umspinnt das Volk am 
liebsten mit seinen Sagengeweben. Die Entstehung der Einzelheiten 
nachzuweisen, ist noch nicht gelungen und wird auch sehwerlich 
gelingen, da diese meist Ausfluss der willkiirlich und frei' schaffenden 
Phantasie sind. Auf diese Weise, glaube ich, lasst sich am leich- 
testen auch die Entstehung der tibrigen ahnlichen Sagen begreifen, 
welche an derartige Sandhiigel, wie bei Rheinberg * am Niederrhein, 
oder an Gesteinsmassen, wie die Teufelslei 2 und Richelslei bei Mont- 
joie, ankniipfen. Ueberall ist es das Auffallige, Unvermittelte, das 



*) Vgl. Pick, Materialien zur Rheinischen Provinzialgeschichte Bd. I, 
Heft 1, S. 125, Anm. 1. Dieser Sandhiigel wird mehrfach fiir eine romische 
Warte gehalten. 

*) Die an diesen merkwurdigen Felsen anknupfende Sage ist vielleicht 
eine Nachbildung der Aachener Teufelssage. Der Teufel, erbost iiber die 
Ausbreitung des Christenthums und den Bau des Aachener Miinsters, holte 
sich von Trier einen gewaltigen Felsblock, urn unter diesem Aachen mit 
seinem Miinster zu begraben. Als er in die Nahe von Montjoie kani, wo 
jetzt der Block liegt, begegnete ihm ein Miitterchen, welches an einer Stange 
eine Menge verschlissener und zerrissener Schuhe trug. Der Teufel fragte 
das Miitterchen, wie weit er noch bis Aacheu habe. Da sagte dieses ihm, 
es komme gerade von Aachen und habe alle die Schuhe, die es an der Stange 
aufgereiht habe, auf dem Wege von Aachen bis dahin verschlissen. Darauf 
warf der Teufel in seinem Zorne den Felsen bin. In dieser Sage ist wiederum 
der Zug bedeutsam, nach welchem der Teufel den Felsblock aus der Gegend 
von Trier her, das heisst wohl aus der siidlichen Eifel holte, wo man in den 
Thalern der Moselnebenfliisse starrende Schieferfelsen und verwitterte Basalt- 
blflcke in Menge sieht. Nach der angedeuteten Rheinberger Sage fiillte ein 
Riese seine Schiirze mit Rheinsand, welcher dann infolge eines Risses aus 
der Scbiirze niederfiel und den sagenhaften Sandhiigel bildete. Hier hatte 
der Riese es bequemer als der Teufel in unserer Aachener Sage: er brauchte 
nicht bis zum Meere zu gehen, um seine Schiirze mit Sand zu fallen, das 
Bett des Rheines bot ihm genug. Mit unserer Auffassung von der Entstehung 
jener Sagen lasst sich die von Herrn Archivar Pick in einer Monatsversamm- 
lung des Aach. Geschichtsvereins ausgesprochene Vermuthung leicht verbinden, 
wonach der Transport der Materialien zum Bau des Aachener Miinsters die 
Veranlassung zur Sage von der Teufelslei gegeben hat. Am liebsten kniipfen 
ja die Volkssagen an geschichtliche Ereignisse an, wenn anders jener Trans- 
port der Baumaterialien von Trier her wirklich geschichtlich ist. 



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Zur Sage fiber die Entstehung des Lousbergs. 155 

Abweichen dieser Massen von der nachsten Umgebung, was die Ver- 
anlassung zu den Sagen bot. Die Eichelslei bei Montjoie liegt vollig 
isolirt in einer grossen Wiese, die Teufelslei hochst auffallig auf einer 
Schieferunterlage, fast ganz losgelost von ihr, so dass sie nachtraglich 
auf diese hingelegt zu sein scheint. Die Einzelheiten in der Aus- 
schmuckung der Sagen sind nach den verschiedenen Oertlichkeiten 
verschieden, ebenso wie die Urheber der sagenhaften Vorgange der 
lokalen Volkssage entnommen sind. 

Fragt man zum Schluss nach der Entstehungszeit der Lousberg- 
sage, so stosst ihre Bestimmung auf grosse Schwierigkeiten, da erst 
in unserm Jahrhundert die Sage von A. von Keumont und J. 
Miiller aufgezeichnet worden ist. Bei den altern Geschichtschrei- 
bern Aaehens verlautet nichts von ihr. Wir sind demnaeh hinsicht- 
lich ihres Alters nur auf Vermuthungen angewiesen. Urspriinglich 
waren Lous- und Salvatorberg, wenigstens dem Namen nach, nicht 
verschieden, das Ganze hiess eben Lousberg 1 . Wahrscheinlich war 



Dies geht aus folgenden Thatsachen hervor, die sich urkundlich 
belegen lassen. Ludwig d. Fr. und seine Gemahlin Irmingard hatten auf 
dem Lousberg bei der Pfalz eine Begrabnisskirche bauen lassen. Diese fand 
Ludwig der Deutsche bei seiner Anwesenheit in der Pfalz 870 zerfallen und 
ohne VermCgen ; er stattete sie aus und iibergab sie am 17. Oktober desselben 
Jahres. der Obsorge des Abtes Ansbold von Prum. Otto III. tauschte 997 den 
dem Salvatorstiffc in Prum gehorigen Luovesberc gegen andere Besitzungen 
wieder ein und verlieh ihn der Wittwe Alda zur Griindung eines Nonnen- 
klosters. Am 7. Juli 1005 schenkte Heinrich II. die Kapelle auf dem Luvesberg 
dem Adalbertstift nach einer von Dortmund aus gegebenen Urkunde in einem 
Kartular des Kollegiatstifts von St. Adalbert. Am 4. Marz 1059 bestatigte 
Heinrich IV. gelegentlich seiner Anwesenheit in der Aachener Pfalz dem 
Marien8tift seine Besitzungen, darunter die Kapelle auf dem Luovesberch. 
Bis dahin also hiess das Ganze Lousberg; von einem Salvatorberg ist selbst 
lange nach der Errichtung der Salvatorkapelle keine Rede. (Vgl. Quix, Die 
Konigliche Kapelle etc. auf dem Salvators-Berge.) Dagegen wird der altesten 
Schiitzengesellschaft Aaehens, den Hirschschutzen, welche mit der Armbrust 
schossen und am 5. Mai 1340 ihr lOOjahriges Bestehen feierten, vom Rath 
anfangs der vordere Theil des Lousbergs zu ihrem Vogelschuss eingeraumt. 
(Quix, Hist.-topogr. Beschreibung der Stadt Aachen S. 198; Ha a gen, 
Gesch. Achens II, S. 188, Anm.) Daraus kSnnen wir schliessen, dass man 
damak den eigentlichen jetzigen Lousberg mit diesem Namen benannte und 
vom Salvatorberg unterschied; denn unter dem vordern Theil des Lousbergs 
kann man nur die siidSstliche Spitze, diejenige Stelle verstehen, wo seit 1807 
eine Pyramide steht und wo man auf der Vignette des Widmungsblattes von 
Meyers Aachenschen Geschichten, eine Ansicht von Aachen mit dem Lous- 
und Salvatorberg im Hintergrunde darstellend, noch eine Togelstange erblickt. 



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156 A. Curtius 

der Sattel zwischen beiden Hugeln ehemals nicht so einschneidend 
wie heute. Die Fahrstrasse, welche jetzt liber den Sattel urn den 
Salvatorberg fuhrt, seheint den urspriinglich geringen Einschnitt ver- 
tieft zu haben. Die Sage nun kennt beide getrennte Hugel ; daraus 
konnte man auf eine ziemlich spate Entstehungszeit schliessen. Sie 
besteht oflfenbar aus zwei Theilen, aus dem Marchen vom Bau des 
Munsters und aus dem von der Entstehung des Lousbergs, beide 
sind verbunden durch die Person des Teufels. Was das Alter beider 
Theile angeht, so halte ich die Lousbergsage entschieden fiir alter 
als die Munsterbausage ; denn jene kniipft an den von jeher beste- 
henden auffalligen Berg, diese an das geschichtliche Ereigniss des 
Miinsterbaus an. Jene Sage bestand vielleicht schon vor Karl d. Gr., 
moglicherweise schon vor Einfuhrung des Christenthums, nur war 
urspriinglich nicht der Teufel, sondern etwa ein Riese, wie in der 
ahnlichen Rheinberger Sage, der Urheber jener Bergmasse 1 . Erst 
spater bildete sich die romantische Sage vom Miinsterbau, und damals 
erst, frtihstens nach 883, wo der Monch von St. Gallen den reichen 
Sagenschatz, der sich an Karl d. Gr. und seine Sohne kntipfte, auf- 
gezeichnet hat, wurde der Teufel zum Urheber jener Bergmasse gemacht. 
Herr Prof. Loersch macht darauf aufmerksam, dass die Erwahnung 
des Stadtraths in der Sage von Belang fur die Ansetzung ihrer Ent- 
stehungszeit sei; danach ware die Sage nicht vor dem 13. Jahr- 
hundert entstanden. Fur eine noch spatere Ansetzung mochte die 
humoristische und satirische Behandlung der Rathsherren sprechen, 



Also bis ins 18. Jahrhundert hinein seheint dieser hochste Gipfel des Berges 
als Schiessstand benutzt worden zu sein. Der Name Lousberg mag mit der 
Sage nicht in Zusammenhang stehen, und es ist um so weniger an eine 
etymologisirende Sage zu denken, als die Ableitung des Wortes Lousberg noch 
nicht feststeht. Von den verschiedenen Ableitungsversuchen haben am meisten 
Wahrscheinlichkeit der von Quix aufgestellte, der in Lousberg das Wort 
lousen = umher8chauen wieder zu finden glaubt, und der von Kantzeler 
vertretene, der Luovesberg, Levesberg als Lowenberg erklart. (Vgl. FSrster, 
Der Lousberg bei Aachen S. 3 f.) Keine von beiden Ableitungen ist iiber- 
zeugend. [Der bei Quix, Hist.-top. Beschr. der Stadt Aachen S. 198 mit- 
getheilte Eathsbeschluss kann unmoglich vom J. 1340 datiren und vom 
Aachener Stadtrath herriihren. Stil und Sprache stehen dieser Annahme ent- 
gegen, auch konnte der Aachener Rath kein kaiserliches Privileg bestatigen. 
Wahrscheinlich ist die Jahrzahl 1340 statt 1540 verlesen und liegt ein Beschluss 
des Raths von Brabant vor, der die Rechte Kaiser Karls V. als Herzogs von 
Brabant und Burgund vertrat. D. Red.] 

l ) Der Teufel tritt in christlicher Zeit an die Stelle der heidnischen 
Riesen. Vgl. Henne-Am Rhyn, Die deutsche Volkssage S. 280. 



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£ur Sage uber die Entstehung des Lousbergs. 157 

die nicht viel Ehrfiircht und Achtung vor dem Rath beweist ; dieser 
Umstand diirfte auf eine Zeit zuriickzufiihren sein, wo der Rath 
beim Burger sein fruheres Ansehen verloren hatte und Gegenstand 
des Spottes wurde. Jedoch kann die humoristische Farbung auch 
ganz spat unter dem Einfluss bestimmter Zeitverhaltnisse in die 
schon fertige Sage hineingetragen worden sein. Jedenfalls bleibt es 
auffallig, dass uns kein alterer Chronist von der Lousbergsage etwas 
berichtet, nicht einmal der schwatzhafte Meyer, der doch in seinen 
Aachenschen Geschichten (1781) andere Lokalsagen, wie die von der 
Einweihung des Ministers und dem Erscheinen der Bischofe Monulph 
und Gondulph aus Mastricht, sowie die von Emma und Einhard 
berichtet. Aus diesem Stillschweigen zu schliessen, dass Meyer die Sage 
nicht gekannt oder dass sie damals noch nicht bestanden habe, ware 
irrig. Eine so umfangreiche, bunte Sage bildet sich nicht in einem 
Menschenalter. Auch ist zu beriicksichtigen, dass Meyer sein Buch 
fur die Aachener schrieb, bei denen er die Kenntniss jener Sage 
voraussetzen konnte; und mit Recht durfte er das, denn die Wolfs- 
und Lousbergsage ist noch jetzt die bekannteste im Yolke. Dass 
Meyer andere, minder wichtige Sagen anfuhrte, geschah nur deshalb, 
weil er an ihnen Kritik iiben wollte; er wollte sie eben als Sagen 
des angeblichen historischen Werthes entkleiden, den ihnen die vor- 
kommenden geschichtlichen Namen zu v'erleihen scheinen. Das brauchte 
er bei der Munster- und Lousbergsage nicht, die schon durch das 
Mitwirken des Teufels sich als ungeschichtlich erwies. Darum hatte 
er gar keine Veranlassung, die allbekannte Munster- und Lousberg- 
sage hineinzuziehen, der Niemand einen geschichtlichen Werth bei- 
legte. Aus dem Stillschweigen der Chronisten durfen wir mithin 
nicht auf ein geringes Alter unserer Sage schliessen. 



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Aachener Sprichworter und Redensarten. 

Von M. Schollen. 

Nichts ist so geeignet, das Kulturleben eines Volkes zur An- 
schauung zu bringen, als eine Sammlung der im taglichen Leben 
von ihm gebrauchten Sprichworter. Sie sind, wie W. Grimm sagt, 
das Volksmassigste, was es nachst der Sprache tiberhaupt geben kann. 
In ihnen spiegeln sich das Denken und Handeln, der Witz und das 
Wissen, die Sitten und Brauche eines Volkes aufs Treueste ab. Ein 
besonderes Interesse nehmen die Sprichworter Aachens in Anspruch, 
jener Stadt, die durch den Glanz ihrer Geschichte stets ein Ort von 
hervorragender Bedeutung war, deren Heilquellen seit altester Zeit 
einen immerwahrenden Anziehungspunkt bildeten. Schon vor vielen 
Jahrfcehnten hat man in Aachen mit der Sammlung der einheimi- 
schen Sprichworter begonnen. Kein Geringerer als A. von Eeumont 
war es, der im Jahre 1829 zuerst 62 Aachener Sprichworter bekannt 
machte 1 ; es folgte mit 71 weitern 1841 W. "Weitz 2 und im Jahre 
darauf J. MtUler, der unter Wiederholung der bisher veroffentlichten 
Sprichworter ihre Zahl auf 182 vermehrte 3 . In der jiingsten Zeit, 
1881, trug C. Zimmermann einige in der Miillerschen Sammlung 
nicht enthaltene Sprichworter nach 4 , auch wurde aus Mtillers Nach- 
lass im Jahre 1883 noch eine kleine Zahl im „Kur- und Premden- 
blatt fur Aachen und Burtscheid" 5 mitgetheilt. Dass mit all diesen 
Veroffentlichungen auch nicht entfernt der reiche Sprichworterschatz 
gehoben war, welch en das Aachener Volk besitzt, zeigt die nach- 
stehende Zusammenstellung. Strebte dieselbe einerseits moglichste 
Vervollstandigung des friiher Gebotenen an, so beschrankte sie sich 



J ) A. Reumont, Aachens Liederkranz und Sagenwelt S. 368 ff. 

8 ) W. Weitz, Klange der Heimath S. 8B ff. 

8 ) J. M. Firmenich, Germaniens Volkerstimmen I, S. 491 ff. 

*) C. Zimmermann, Aachener Kalender 1881, S. 127. 

*) Jahrg. 1883, Nr. 1 ff. 



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Aachener Sprichwftrter und Redensarten. 159 

andererseits nicht auf die blosse Wiedergabe des Sprichworts. Auch 
auf Alter und Herkunft wurde das Augenmerk gerichtet und, was 
bisher nur bei den aus Miillers Nachlass veroffentlichten Sprichwortern 
in vereinzelten Fallen geschehen war, da eine Wort- oder Sinnerkla- 
rung beigefiigt, wo das Verstandniss sie zu erfordern schien. Hierfur 
lieferten ausser der h. Schrift die didaktischen Dichter des Mittel- 
alters, vor Allem die 1229 verfasste Sammlung von Spriichen, welche 
unter dem Namen „Bescheidenheit des Freidank" uns iiberkonimen 
ist, die eigentlichen Sprichwortersammlungen von Tunnicius bis auf 
Agricola und Pranck, von denen namentlich der letztere die Sprich- 
worter mit feinem Sinne auszulegen verstand, und Suringars Aus- 
gabe der Bebelschen Proverbia germanica reiche Ausbeute K 

Aber nicht das Sprichwort allein fand in der nachfolgenden 
Sammlung Beriicksichtigung, im Hinblick auf die Sprachforschung 
erschien auch die Aufnahme der sprichwortlichen Eedensarten durch- 
aus wiinschenswerth. Denn in den Eedensarten des Volkes spiegelt 
sich, wie Sailer meint, der Genius der.Sprache nach Witz, Laune, 
Reichthum, Einfalt u. s. w. oft noch vollkommener als in den Sprich- 



l ) Von altera und neuern SprichwSrtersainmluugen wurden bei der vor- 
liegenden Arbeit benutzt und mit den in Klammern vorgesetzten Buchstaben 
citirt: 
[A.] Sybenhundert vnd funffzig teutscher SprichwSrter, verneuwert vnd ge- 

bessert. Johann Agricola. Zu Hagenow, im jar MDXXXVII am 

XV tag des Mertzen. 
[B.] Binder, Medulla proverbiorum latinorum etc. Stuttgart 1856. 
[F.] Sprichw6rte*r, schone, weise, herrliche Clugreden vnnd Hotfspruch u. s. w. 

beschriben vnnd aufigeleget durch SebastianFrancken. Zwei Theile. 

Getruckt zu Franckenfurt am Meyn 1541. 
[F.-L.] Sebastian Franck's erste namenlose SprichwSrtersammlung vom Jahre 

1532, hrsgg. von Latendorf. Poesneck 1876. 
[Fr.] Fndanks Bescheidenheit von H. E. Bezzenberger. Halle 1872. 
[L.] Florilegii politici aucti Ander Theil. Das ist Ernewerten Politischen Blu- 

men-Gartens Continuatio u. 8. w. Jetzo zum Andernmal auBgegangen 

durch Christ ophorum Lehmann. Franckfurt MDCXLI. 
[P. c] Die Proverbia communia mittelniederdeutsch, aus einer Bordesholmer 

Handschrift vom J. 1486. Hrsgg. von Dr. Jellinghaus in dem Jahres- 

bericht fiber die Realschule in Kiel wahrend des Schuljahres 1879/80. 
[S.] Suringar, Heinrich Bebels Proverbia germanica. Leiden 1879. 
[T.] Die alteste niederdeutsche Sprichwo'rtersammlung von Tunnicius. Ge- 

sammelt und in lateinische Verse iibersetzt. Hrsgg. mit hochdeutscher 

Uebersetzung u. s. w. von Hoffmann von Fallersleben. Berlin 1870. 
[W.] Wander, Deutsches Sprichwarterlexicon. 5 Bde. Leipzig 1863—1880. 
[Z.] Zingerle, Die deutschen Sprichworter im Mittelalter. Wien 1864. 



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160 M. Schollen 

wortern. An Vorarbeiten gebrach es hier ganzlich, wenn man von 
den bei Miiller und Weitz 1 zur Erklarung einzelner Worte ange- 
fuhrten Redensarten und dem dtirftigen Versuch einer Sammlung 
absieht, den ich selbst im J. 1881 veroffentlichte 2 . Dieser Mangel 
erscheint um so auffallender, als die Aacbener Mundart im hochsten 
Masse die Beachtung der Sprachforscber verdient und an sprichwort- 
lichen Redensarten nicbt geringen Reichthum entfaltet. Meisterhaft 
hat A. von Reumont diese Mundart geschildert 3 . „Wer eine Sprache 
oder einen Dialect", sagt er, „nach dem Gesetz innerer Homogenitat 
beurtheilt, wird zu der Aacbener Mundart den Kopf schiitteln. Diese 
Mundart ist gleichsam der Reflex der geographiscben Lage. Wer das 
Dreieck betrachtet, welches hier, auf der vorgeschobenen Westseite 
der Rheinprovinz, die Sprachgrenzen bildet, wo Teutsche einerseits mit 
hollandisch redenden Nord-Limburgern, andrerseits mit den Wallonen 
vom siidlichen Limburg, Stablo und Luttich zusammenstossen, wird 
zu demselben Schluss kommen wie jener, welcher die Geschichte 
dieser linksrheinischen Landerstriche und die der Gegend um Aachen 
insbesondere in Erwagung zieht. Wenn die Mundart sich im Grossen 
und Ganzen als zur niederteutschen Sprache gehorig ausweist, so wird 
sie doch durch zahlreiche Besonderheiten charakterisirt, die sie nicht 
bios von alien andern niederteutschen Dialecten unterscheiden, sondern 
ihr theilweise einen fremdlandischen Stempel aufdriicken. Diese 
Erscheinung erklart sich nur durch die Geschichte des Landes und 
speciell der Stadt. Die uberwiegende Analogie weist auf jene nieder- 
teutsche Mundart bin, die sich als eine besondere, in engerem Sinne 
Teutschland fremde Sprache constituirt hat, namlich auf die hollandische. 
Eine Analogie, die sich nicht etwa auf die Worter beschrankt, sondern 
den gesammten grammatischen Bau umfasst. Aber auch die romanischen 
Sprachen sind nicht ohne Einwirkung geblieben. Wenn einzelne 
Worter die spanische Herrschaft in den Niederlanden, namentlich die 
in den belgischen Provinzen, ja die spanische Occupation Aachens in 
Erinnerung rufen, so sind die franzosischen Anklange sehr haufig. 
Theils sind solche Anklange von der Art, die man hochfranzosisch 
nennen konnte, theils schreiben sie sich von dem wallonischen Patois 
her, welches die Sudgrenze des germanischen Sprachstammes entlang 
sich vom Meer bis dicht an Aachen heran erstreckt, dem franzosischen 



x ) J. Miiller und W. Weitz, Die Aachener Mundart. 
a ) M. Schollen, Volksthumliches aus Aachen S. 33 ff. 
8 ) A. von Reumont, Biographische Denkblatter nach persdnlichen Er- 
innerungen S. 261 ff. 



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Aachener Sprichwtfrter and Esdensarten. 161 

Nachbar fast ebenso unverstandlich und im Klange fremd wie dem 
teutschen, wahrend die, welche es reden, von den hiiben und driiben 
Wohnenden sehr verschieden sind, eine Verschiedenheit, die sich auch 
bei bestandigem Zusammenwohnen nur schwer ausgleicht und zwischen 
Teutschen und Wallonen geringe Sympathie bestehen lasst. Ober- 
teutsche Anklange kommen neben dem niederteutschen Stamm und 
den fremden Mischlingen verhaltnissmassig wenig in Betracht. 

Es ist eine eigenthtimliche Sprache. Ob sie je das Ohr eines 
Nicht-Aacheners angenehm beriihrt hat, glaube ich unentschieden 
lassen zu dtirfen. Ich will auch iiber ihre Grazie kein TJrtheil 
formuliren, so in Bezug auf Aussprache wie auf Wortbildung. Aber 
ich begreife es vollkommen, wenn die, welche von Kindesbeinen auf 
an diese Tone gewohnt sind, fiir den Reichthum ihres Dialects eine 
Lanze brechen oder dessen Kraft riihmen. Die Kraft wird allerdings 
im Volksmunde bis zum Niederschmettern gesteigert, wie es denn 
schwer sein mochte, eine ahnliche Batterie donnernder Schimpfworter 
verschiedensten Kalibers in's Feld zu senden. Der Reichthum ist 
unbezweifelt. Die tiberaus mannigfaltigen Hauptworter, welche die 
liebenswtirdigen und die unerfreulichen Eigenschaften, moralische wie 
physische, des schonen Geschlechts ausdrucken, sind z. B. in ihrer Art 
so bezeichnend, dass der Aachener den Fremdling, ware er auch nur 
ein Kolner, tief bedauert, welchem das Verstandniss solcher Kunst- 
ausdrucke fehlt." 

Die im Anhang beigegebenen Sprichworter iiber Aachen und seine 
Bewohner im Munde des Volkes stehen zwar mit dem eigentlichen 
Gegenstand dieser Blatter nur in losem Zusammenhang, dennoch 
werden sie, da sie fiir die lokale Forschung ein mehrfaches Interesse 
darbieten, an dieser Stelle nicht unwillkommen sein. 

In Bezug auf die Schreibweise sei bemerkt, dass der lange Vokal 
iiberall durch einen Cirkumflex bezeichnet, das helle, scharfe e durch 
6, das gedehnte e durch e wiedergegeben und fiir das tonlose e, 
wo es andern Vokalen diphthongisch nachklingt, ein umgekehrtes e 
gesetzt worden ist Die Reihenfolge der Sprichworter und Redens- 
arten ist die alphabetische. 

Moge die vorliegende Arbeit, welche, obschon die Frucbt jahre- 
langen miihsamen Zusammentragens, von Liicken nicht frei sein wird, 
ein Anstoss zu fortgesetzter Sammlung sein und zugleich zur Deutung 
der bisher unklar gebliebenen Sprichworter und Redensarten anregen. 



11 



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162 M. Schollen 

1. A, bie, en net mie. 

Abermal, nicht inehr, liebes Kind. L. S. 18, Nr. 1. 

2. Sich enen Ablass (Dank) verdengt 1 han. 

3. Got ageschreove sie. 

4. Sich get net agoh* losse. 

5. Su senge se net, wenn se van Aldenowend komme 3 . 

6. Dom ess der AUeleon age Iiev 4 . 

7. Enge get a mache 5 . 

8. Et ess geen Aemchen esu kleng, et ess hangens weed. 

Es ist keyn amptle, es ist henckens werdt. P. I, Bl. 77 b. 

9. Jedes Aemche hat sie Klemmche 6 . 

10. Wenn en anger 7 satt ess, da gleuvt men, alle Hellige 8 sont satt. 

11. E zent Annaschaf setze 9 . 

12. Dat ess get van Anno e 10 . 

13. Dom ka me 'nen Appel for en Zitrun verkoufe. 

14. En ene suren Appel biesse mosse. 

15. Get for enen Appel en e Stock Bruod krigge. 

16. En Aeppelche for der Doosch 11 verwahre. 

17. Ich han met dich noch en Aeppelche ze schalle (e Nossche 
ze krache). 

18. Der Aprel deot, wat hea welt. 

19. Der eschten Aprel, 

Scheckt me de Gecke, wo me welt 12 . 



l ) verdient. *) angehen. 

8 ) Aldenhoven, ein 20 km von Aachen entfernter Wallfahrtsort, wohin 
seit dem vorigen Jahrh under t die Mitglieder der in der dortigen ehemaligen 
Kapuzinerkirche unter dem Titel der Himmelfahrt Maris, errichteten Bruder- 
schaft am ersten Sonntag nach diesem Feste pilgern und am namlichen Tage 
zuruckkehren. Wann die Profession ihren Anfang nahm, steht nicht fest. 
Nach dem Protokollbuch der Bruderschaft stattete sie Papst Elemens XII. 
durch Bulle vom 4. Mai 1737 mit mehrern Ablassen aus. Nach Schliessung 
der Kapuzinerkirche in der franzfisischen Zeit wurde auf Anordnung des 
Bischofs Berdolet am 2. August 1804 die Bruderschaft nach Aachen in die 
Pfarrkirche zum h. Adalbert verlegt. Die Prozession erfreut sich einer grossen 
Beliebtheit, jeder Theilnehmer antwortet auf die Prage: Wo geaht et henn? 
hocherfreut: Noh Aldenowend! Kehrt die Prozession zuriick und man fragt 
akdann die Theilnehmer: Wo kommt uhr va dann? so erwiedern sie in 
sehr gedehntem Tone: Van Aaaldeno wend ! Der Sinn der Bedensart ist daher 
die Zurflckweisung des Uebermuthigen in die richtigen Schranken. 

4 ) Bei Gleichgiiltigkeit gegen Alles. 6 ) weis machen. •) Beengung. 
*) Anderer. *) Heilige, hier Anne. 9 ) Von sitzen gebliebenen Madchen. 
10 ) Eins. ll ) Durst. If ) Ueber diesen vormals allgemein verbreiteten Gebrauch 
vgl. Picks Monatsschrift IV, S. 377, 385 f., 536 f.; V, S. 493 f.; VI, S. 580. 



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Aachen er Sprichwtfrter und Redensarten. 163 

20. Almenac 1 , Logesack. 

21. Asieh deot gedenke. 

22. "Wenn de Aue 2 fangen a ze graue, 
Fange sei ouch a ze kraue 8 . 

23. De Aue moss men ihre, 

De Jonge der Puckel schmiere 4 . 

24. Je auer, je gecker. 

Jo he lenger levet, jo he gecker wert. T. Nr. 605. 

25. Hea hat ay wie Wespeng 6 . 

26. 'Nen Avschlag ess genge Duodschlag 6 . 

27. Enge av (zou) stoohn. 

28. Backen en broie 7 fellt net ommer ewenduan 8 us. 

29. Wie de Backe, esu de Hacke. 

30. Gapp 9 ens gegen ene Backovvend, da siss de, wea de griizte 
Mull hat. 

Ez dunket mich em tumber sin, 

swer waent den oven iibergin. Fr. S. 182. 

31. Do hat der Bangste ouch enge 10 . 

32. Et moss baschten of boige. 

33. Bat 11 et net, da schad et net. 

Hilfft es nicht, so schadet es doch nicht 12 . 



*) Almanach. *) Alten. *) murrisch zn werden. 4 ) abprflgeln. 

6 ) Mit dem ist es zu Ende wie mit Wespien. Johann von Wespien wurde 
1756 und 1758 zum Biirger-Biirgermeister der Stadt Aachen gew&hlt und 
starb w&hrend seiner Regierung am 30. Marz 1759 (J an Gen, Hb. Aacher 
Cronik III, S. 79). Der Tod eines Burger-Burgermeisters wahrend der Re- 
gierung war, wie JanGen hervorhebt, ein lange nicht vorgekommenes Er- 
eigniss. Seine Bedeutung fiir die Stadt schuf im Volke die Redensart, die 
man irrig auf eine Nichtwiederwahl von Wespiens zum Burgermeister be- 
zogen hat (vgl. Kur- und Premdenblatt f. Aachen u. Burtscheid 1883, Nr. 66). 
Die Familie von Wespien gehSrte zu* den angesehensten und beliebtesten der 
Stadt; durch ihre Wohlth&tigkeit hat sie sich in Aachen ein dauerndes 
Denkmal gestiftet. 

•) Von einer abgeschlagenen Bitte stirbt man nicht. ') brauen. *) eben- 
gleich. 9 ) gahne. 10 ) Beim Kartenspiel. u ) Nutzt. 

") F. (Ausg. von 1532) Bl. 191b gibt dazu folgende Erklarung: „Er- 
fame artzt thun gemach mit jren patienten, vnd richten jnen soliche tr&nck 
vnd recept zu, die jnen nit schaden, im fall, dz sie nicht hulffen. Vnerfarne 
artzt geben quid pro quo, merdam pro Balsamo, darumb mussen sie einen 
eygnen vnd newen kirchoff haben. Wenn wir nun in seiner kranckheyt iemandt 
trflsten wOllen, vnd bereden, er solle etwas zur leibniO vnd stiircke zu sich 
nemen, sagen wir : Lieber nimm es zu dir, es ist dir on schaden. Denn hilfft 
es nicht, so schadet es doch nicht, Versuch es, sintemal es on schaden ist." 



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164 M. Schollen 

34. Zent Bathelemies * « 
Verbeit de wisse Hossen 2 en der weeche Kies 8 . 

35. Bau 4 ess ene Has gefange, 

Heits du em fass gehaue, wiir hea dich net loufe gegange. 

36. Et ess enge Beddeler lead, 

Dat der angeren agen Dor en steoht. 

Es neidt ie ein betler den andern. F. II, Bl. 65b. 

37. Bedrog riecht 6 net. 

Nil proderunt thesauri impietatis. Prov. 10,2. 

38. Loss dich begrave. 

39. Et beiert esu lang, bess dat et Keremes weod 6 . 

40. Wo et beiert, weod et Keremes. 

41. De Beis 7 va Scherberich 8 . 

42. Noi Beisseme 9 kehre got, se fegen evvel de Hotte 10 net us. 

Nye besseme veghen schone. P. c. no. 526. 

43. Beister ene klenge Hear als ene gruosse Kneeht. 

44. Sich e Beldche verdengt han 11 . 

45. Dea hat Bean wie en getroude Mosch 12 . 

46. Sich "op de hengeschte Bean stelle. 

47. Met et lenke Bean zeiasch 13 opgestange sia. 

48. Engen e Bengche setze. 

49. Enge golde Berg verspreiche. 

50. Ich woi, dats du bestad 14 wtiasch. 

51. Wea bestad ess, dea ess noch lang net begrave. 

52. Bestellig 16 wie de Pann om Pastellovvend 16 . 

53. Hea ess betuselt 17 (hat ene Krau fut). 

54. Et geaht hei wie agene Bichstoul. 

55. De Bies (et Fereken) avgewe. 

56. Gea Blatt vorgene Monk 18 nemme. 

57. En Blei opschloan 19 . 

58. Hea schleat dernoh, wie der Bleng noh et Doppe 20 . 

59. Wea blenk ess, dom kont et agen Ogge 21 a. 



*) Bartholomaus (24. Aug.). s ) Strumpfe. «) Makei. 4 ) Bald. 6 ) bereichert 
6 ) Jedes Geriicht hat etwas Wahres an sich. *) alte Frau. 8 ) Scherberg, 
Dorf bei Aachen. 9 ) Besen. 10 ) Ecken. n ) Von denen, die, urn sich beliebt 
zu machen, Anderer Fehler ausplaudern ; doch auch bei wirklichem Verdienst. 
Die Redensart entstand von dem Brauch, den in einer Prozession eine Kerze 
tragenden Kindern ein Bild (und ein Stuck Pfefferkuchen) zu schenken. 
,a ) verheiratheter Sperling. 1S ) zuerst. ,4 ) verheirathet. 16 ) geschaftig. 16 ) wo 
besonders viel Kuchen gebacken wird. 17 ) angetrunken. 18 ) Mund. 19 ) Wust, 
laut lachen, schreien. 20 ) Topf. ai ) Augen. 



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Aachener Sprichwo'rter und Redensarten. 165 

60. Hea ess blenk met auffe Ogge. 

Videntes non vident. Math. 13, 13. 

61. Bios mich ens open Heut 1 . 

62. Engen et Blot usgen Nagel trecke (sugge 2 ). 

63. Walsch Blot, 

Deot genge Diitsche got. 

64. Ne goue Blotsch 8 . 

65. Bei engen en et Boch stoohn 4 . 

66. EM 6 der Bock, da kriss de et Schousfell. 

67. Nu ess der Bock fett 6 . 

68. Et ess genge Bockem 7 esu mager, et bront doch sie Fettche drus. 

69. For enge Bockem setz ich de Pann net op, dem bron ich ope Fur 8 . 

70. Der Boom 9 usgen Kess a han. 

Er hat an, was er hat. F. II, Bl. 117a. 

71. Henger 'nen aue B6m ess got schulle 10 . 

72. Et bonkt 11 ligge losse. 

73. Egen Bonne 12 sio. 

74. Borge welt bezahlt sio. 

Qui accipit xnutuum, servus est foenerantis. Prov. 22, 7. 

75. Beont 13 for der aue Borgermester, dan der noien ess ommer 
schleohter. 

76. Borgsmann, Bezahlsmann. 

77. Me roffl gengen usgene Bosch, of men ess selvs dre u geweos. 

78. Wie men en der Bosch rofift, esu rofflfc et worrem 15 erus. 

Swie man ze walde ruefet, 

daz selbe er wieder guefet. Fr. S. 180. 

79. Botter agen Gallig 16 schmiere 17 . 

80. Botter bM der Fesch 18 . 

81. Dat blenkt wie Bottsched bower Oche 19 . 

82. De bang Box 20 a han. 

83. Bray hat de Nas av 21 . 



*) Haupt *) saugen. *) gutmiithiger Mensch. 4 ) Jemand etwas schuldig 
sein. 6 ) Hintergehe, betruge. a ) Jetzt bricht die Sache los. *) Bucking. 
8 ) Auf eine Albernheit achte ich nicht. 9 ) Boden. 10 ) Unter einem Obdach 
wahrend des Regens verweilen. ") bunt 12 ) in den Bohnen, d. h. im Irrthum 
sein. IV ) Betet 14 ) darin. 15 ) wiederum. 16 ) Galgen. 17 ) Unniitze Dinge 
thun. ,8 ) Waaren gleich beim Empfang bezahlen. 

19 ) Derjenige Theil yon Burtscheid, welcher der Stadt Aachen zugekehrt 
ist, liegt viel hoher als diese und glanzt bei heiterm Wetter und Sonnen- 
untergang iiber Aachen hinaus v Die Redensart wird gewohnlich ironisch 
gebraucht, wenn Jemand kleinere und unbedeutendere Dinge fiber grOssere 
und wichtigere erhebt. 20 ) Hose. 91 ) Die gute Zeit ist vorbei. 



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166 M. Schollen 

84. De Br&f hat hea sich net agene Speggel gesteiche. 

85. Dat ben ich esu moi 1 wie kaue* Brei 3 . 

86. Enge BrM omgene Baat 4 schmiere. 

Das suO vmbs maul streichen. F. II, Bl. 11 b. 

87. Hengergen Breng ligge 5 . 

88. Do ess de Briem 6 at lang ower gewasse 7 . 

89. Get e ze brocke han. 

Er hat wol in die milch zu brocken. F. II, Bl. 58 b. 

90. Kleng Brodchere backe 8 . 

91.. Wo e Broies 9 steoht, do ka gea Backes stoahn 10 . 

92. Dat fresst enge geo Brud av. 

93. Ich gew do der Brui 11 van 12 . 

94. Oem ze bude 1 * spele. 

95. Hea weos net buff noch baff. 

Er weyO weder wort noch weise darzu. A. Nr. 437. 

96. Du hass net e minge Bull 14 gesieh. 

97. Singe Biill ess va Hongskonktelear, 
Dea rotecht net gear 15 . 

98. Ich ben esu fruh wie ene Bur 16 , dea gebicht hat 

99. Wat der Bur net kennt, dat fresst hea net. 

100. Wat kennt der (ene) Bur va Zafferon 17 (Karmelle). 

101. Wenn der Bur fengt a ze kregge 18 , 
Da fengt hea a ze legge 19 . 

102. De Bure lache, wenn se noh heam 20 gont 

103. De dommste Bure hant de deckste Eadappel. 

104. Met alle Plasir, sage de Bure, wenn se mosse. 

105. Op der Bur goehn 21 . 

106. Dat kont wier wie kuo 22 Busche 23 . 

107. Busse Dags wereke 24 . 

108. Butz 25 widder Butz. 

109. Op ming eschte hellige Commeliuu 26 . 

110. Su bau et Chresskengche ess gebore, 

Hant Morren en Robbe der Schmach 27 verlore. 



! ) miide. *) kalter. *) Der Sache bin ich uberdriissig. 4 ) Bart. 5 ) Ver- 
steckt liegen, zuriickbleiben. 6 ) Brombeerstrauch. 7 ) Von langst vergessenen 
Dingen. „Ueber den Jahr-Markt war der Brombeerstrauch schon langst ge- 
wachsen." Meyer, Aach. Geschichten I, S. 332, Z. 26. •) Klein beilegen. 
9 ) Brauhaus. 10 ) Saufer sind schlechte Esser. ll ) Schlag, Stoss. ia ) Ich kiimmere 
mich nicht darum. 13 ) umsonst. 14 ) Geldbeutel. 15 ) Vom Geizhals gesagt. 
18 ) Bauer. 17 ) Saffran. 18 ) kriegen, Prozess fiihren. 19 ) lugen. ,0 ) nach Hause. 
ai ) Aufs Land reisen. M ) schlecht. * 8 ) Aachener Munze. 24 ) taglohnern. 
") Schlag, Stoss. ,6 ) Betheuerungsfonnel. Vgl. W. I, S. 9. a7 ) Geschmack. 



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Aachener SprichwSrter und Redensarten. 167 

111. Oemmens get op et Dach 1 gevve. 

112. Wenn de Dag lange, 
Fange se a ze strenge. 

113. Wea gear danzt, dom ess gau vorgespeolt 2 . 

fim is lichte gendch gepepen, de g§rne danset. T. Nr. 60is. 

114. Va der hommelsche Dau alleng ka me net leave. 

115. Wiets de deoss 3 , wie et dich geeht. 

116. Hea deet, wat hea welt 4 . 

117. Hea deot et busse Diivelsdank net 6 . 

118. Met engen onger eng 6 Decke ligge. 

119. Beister 'ne DMv open Klenk 7 , als en Lusterfenk 8 . 

120. Dat ess get wie et lank Denk va Wtischele 9 . 

121. Kons de htii 10 net do, da kons de morige do. 

122. Ess der Dokter krank, hengt der Kauchleffel agen Wank, 
Ess der Dokter duod, hat de Frau geo Bruod. 

123. Wat net jonk dollt, dollt oot 11 . 

124. Hea ess ze domm for de bleng Hong schiesse ze 1&6. 

125. Hea ess ze domm for duod ze duon (ze freisse). 

126. Et ess geo Doppchen esu kleng, et fengt doch en Deckselche. 

Es ist kein kirfielin, es findt sein deckelin. F. II, Bl. 107b. 

127. Esu schef en ess gee Doppe, et kritt ene Decksel op. 

128. Jedder Doppe hat singe Decksel. 

129. En de klengste Doppchere ess docks de beiste Salv. 

130. Kleng Doppens loufe gau 12 ower. 

131. Dat kont an eng Dor us. 

132. Met de Dor nohgen Hus er6 falle. 



l ) Kopf. 

*) Bei A. Nr. 363: „Wer lust zu tantzen hat, dem mag man leicht 
pfeiffen" mit folgender Erklarung: „Die kinder tantzen vnd springen gern von 
iugent auff, von wegen yhres wallenden vnd hitzigen gebluts, darumb mag 
man yhnen leicht pfeiflfen. Die eltern nemen offt ein brett, vnd schlagen auff 
ein banck, das es nur einen thon hat, so tantzen die kinder, vnd gilt yhnen 
eben als vil, als were es ein gute pfeiffe, oder ein gut seyttenspiel. Wer nu 
lust zu einem ding hat, dem mag man leicht sagen, das er fort feret vnd an- 
helt. Wenn etwas geschicht von einem, dazu er lust gehabt hat, vnd es habens 
yhm leutte geratten, denen man die schuldt gibt, so entschuldigt man die 
leute, vnd spricht: Wer lust zu einem ding hat, den hat man leichtlich zu 
vberreden. Wer lust zu tantzen hatt, dem mag man leicht pfeiffen." 

8 ) Wie du es treibst. 4 ) Befindet sich in giinstigen Vermflgensverhalt- 
nissen. 5 ) Unter keiner Bedingung. 6 ) einer. ^ Thiirklinke. 8 ) Lauscher. 

9 ) Wurselen, Dorf bei Aachen. Von einem grossen, magern Frauenzimmer. 

10 ) heute. ") alt. lf ) rasch. 



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168 M. Schollen 

133. Get an alle Dorestille hange han 1 . 

134. Sich ene Dor* egene Foss treone 3 . 

135. De Doote 4 mosse de Ziigge 5 sio. 

136. Der Nunenntinzigste weos net, wo der Hondertste dra kont 

137. Dat ess met ene Dreck beseggelt. 

Mit Dreck versiegeln, 1st eben so viel, als vn versiegelt. L. S. 229, Nr. 85. 

138. Wenn Dreck Meis 6 weed, da lett hea sich fahre. 

139. Wie mio dat men en der Dreck rtihrt, wie mia dat hea stenkt. 

Wo men den drek m£r roret, jo he mer stinket. T. Nr. 1147. 

140. Me weed iohder van en Dreckkar ovverfahre als van ene Wagel 7 . 

141. Dea ka geng dr& zaHe. 

142. Oem Dreikoneke hant de Dag ene Hahneschrei gelangt 8 . 

143. Der dagliche Dropp 9 maht et Dach nass. 

144. E Droppche Klore 10 , 

Helt der Mann op de Johre. 

145. Ne Dronk op de Schlat, schad der Dokter en Dukat; 
Ne Dronk op en Ei, dea schad er em zwei 11 . 

Auff ein Ey ein Trunck, 

auff ein Apffel ein Sprnnck. L. S. 20, Nr. 68. 

146. Get net vor e Padche 12 Kohle duan 13 . 

147. Der Dued open Leppe han. 

148. Der Duod welt en Ursach han. 

Der todt will ein vrsach haben. A. Nr. 67. 

149. Der enge singe Duod, ess der angere sie Bruod. 

Des einen gliick ist des andern vngliick. F. II, Bl. 48 a. 

150. For der Duod ess gee Krtit gewasse. 

Den tdt enmag erwenden 14 niht 

deheines mannes wistuom. Meister Otto im Eraklius 368. 

151. Gear 15 duod leovt lang. 

152. Oemmesons 16 ess der Duad. 

153. Et Duadshemd a han. 

154. Wenn men engen et Diimmche get, welt hea gliech de Hank han. 

Wann man dem baurn einn finger beut, so wil er die faust gar 
haben. F. II, Bl. 39 a. 

') Verschuldet sein, namentlich bei Eleinhandlern. Aus der Zeit her- 
riihrend, wo die Guthaben noch in rOmischen Ziffern mit Kreide an die Thftr- 
pfosten des Ladenlokals geschrieben wurden. *) Dorn. 8 ) treten. 4 ) Thaten. 
5 ) Zeugen. •) Mist. ^ Wagen. *) Vgl. W. IV, S. 996. 9 ) Tropfen. 10 ) Brannt- 
wein. ll ) Anch in Koln mit dem Zusatz: 

Ess et avver keine Wing, 

Dan loss et leever sin. 
ir ) Pferdchen. ,3 ) thun. 14 ) abwenden. ,6 ) Gern. 16 ) Umsonst. 



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Aachener Sprichwdrter und Redensarten. 169 

155. Et sal net lang dure, dat arm Lii 1 get hank 

156. En der Diistere, ess et got kniestere*. 

157. Met enge dtitsch spreiche. 

158. Der Diivel vagen Kar sprenge 3 . 

159. Der Diivel schiesst zeleave net 4 op ene klenge Houf. 

Dantur opes nnllis nisi divitibus. Martial. Ep. 5, 81 (bei 8. no. 284). 

160. Me moss der Diivel e Ketzche 5 setze. 

Corvi lusciniis honoratiores. Erasm. Adag. p. 194 (bei B. no. 236). 

161. Uu schlag Gott der Diivel duod. 

162. Wea der Diivel banne welt, moss reng 6 sio. 

163. Wea der Diivel zom Frond hat, hat de Hall ommesons. 

164. Wenn me va der Diivel sprecht, da kont hea. 

Sd man den wolf nennet, 

sd er zno drenget Wackernagel, Altd. Lesebnch 835, 17. 

165. Wie der Diivel ess, esu trout 7 hea sing Gaas 8 . 

166. Wie der Diivel mie hat, wie hea mia ha welt. 

Der riche gewinnt nimmer ze vil, 

wan die nature hat daz guot, 

daz ez machet gireschen muot. W. Gast 8136 (bei Z. 120). 

167. Wo der Diivel net komme ka, do scheckt hea singe Gesandte 
(en oet Wiev 9 ). 

Dar de dnvel nycht kamen kan, sent he synen baden. P. c. no. 161. 

168. Wo der Diivel wor, do stenkt et. 

Der Teuffel lafit stets einen gestanck hinder yhra. A. Nr. 382. 

169. Dat dankt dich der Diivel. 

170. Dea ess der Diivel ze lous 10 . 

171. Diivelsdank ess enge singe Luohn. 

172. Duwen open Dach han 11 . 

173. Gebrone 12 Duvve kommen enge net egen Mull gefloge. 

174. Enge get ebrocke. 

175. Gezwongen fid, deot Gott lead. 

Gedwungen ede en sint van neiner wdrde. T. Nr. 123. 

176. De Eod 18 piitsche 14 . 

177. For ongelade 15 Eier sorge. 

178. Wo er sess eisse, kan ouch der sovvende eisse. 

179. Dea sitt us, ais ov hea Eissig gedronke hei. 

180. Et litt get for dich egen Eissig. 

x ) Leute. *) langsam ar bei ten. 8 ) Von schwerer Erankheit genesen sein. 
4 ) niemals. 6 ) Kerzchen. 6 ) rein. ^ traut. ^ Gaste. 9 ) Vgl. Luthers Tisch- 
reden (Reclams Bibl.) S. 195 f. Auch der alten Sage von der Hackefei in 
Burgan (Schloss im Kreis Daren) liegt das Sprichwort zu Grande. l0 ) klug. 
ir ) In heiterer Stimmang sein. ir ) gebraten. 1S ) Erde. 14 ) fallen. 15 ) ungelegte. 



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170 M. Schollen 

181. Dea hat en Elleftrappegesech \ 

182. Emol gegevve, bliet gegewe. 

Gaben, die einmal gegeben, soil man nicht wiederumb fordern. 
L. S. 124, Nr. 10. 

183. Endlich ess net ewig. 

Lang ist nit ewig. F. II, Bl. 156 b. 

184. Et Engd dreagt de Lass. 

Dat ende mot den last dragen. T. Nr. 870. 

185. Et ess an et Engd van et Fereke, sat der Bur, du hau hea 
der Statz egen Hang. 

186. Enge ze wenig han. 

187. Engele bei Fremde en Deuvele l$i de Sienige. 

188. Dea kont va der Esel op der Driever. 

189. Hea steoht en Mckt wie enen-Esel op en Dor. 

190. Wat net ess, dat ka noch weade. 

191. Extraposs op ene Beissemsteck 2 . 

192. Au Eze obwarme. 

193. Eze en Speck, ess got for der Beck 3 . 

194. Get us de F verstoahn. 

195. Wea vor vezzig Johr fahrt, moss noh vezzig Johr beddele goahn. 

196. Fass egen Schong goahn 4 . 

197. Wo der Fasele 5 vol 6 sont, do ess et Gespoiles 7 donn. 

198. En Fear 8 obblose 9 . 

199. Wenn me wosst, dat me feil, da lat me sich do. 

200. Wie mia F&nde, wie mia Glock. 

Wo mer vyende, wo mer er. T. Nr. 1146. 

201. Stenke FeUche, klenke Gealdche 10 . 



*) Armsiindergesicht. „Eilf Trappen" hiess gemeinlich schon zn Noppins* 
Zeit (vgl. Aacher Chronick 1632, Th. I, S. 103) die Treppe, welohe zum Rath- 
haus hinauffuhrte, obgleich sie bereits damals 15 Stufen zahlte. Vermuth lich 
wurde an dieser Treppe der „arme Sunder" aufgestellt, wenn ihm vom Schild- 
chen (Gallerie rechts vom Aufgang zum Rathhaus) herab das Urtheil ver- 
kiindet wurde. Dass die Treppe in der Kriminaljustiz eine gewisse Bedeutung 
hatte, ergibt sich aus einem Rathsprotokoll vom 18. September 1669, worin 
es heisst: „Ist der Statthelter Baur per Secretarium sitzendes Rats ersucht 
worden, das gefangnufi erofnen zu laGen und den MiOthatiger vor den elf 
trappen zu liefern, gestalt folgens im Rat zu erscheinen und den fues- 
fall zu thun, inmaOen auch geschehen." Mittheilung des Herrn Stadtarchi- 
var Pick in Aachen. 

2 ) langsam thun. 8 ) scherzweise fiir Mund. 4 ) Sicher auftreten. 6 ) Fa- 
selschwein. 6 ) viel. *) Spiilicht als Futter. 8 ) Feder. 9 ) Im Wohlstand leben. 
10 ) Von Lohgerbern. 



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Aachener SprichwSrter und Redensarten. 171 

202. Sich omene Penger driene losse. 

203. Do sal ich mich wal for egen Fengere biesse. 

204. Enge get dorichgen Fengere sieh. 

Durch die finger sehen. F. I, Bl. 48 a. 

205. Sich get usgen Fengere trecke. 

Er hat es auO den fingern gesogen. F. II, Bl. 11a. 

206. Dom et Fereke gehiirt, dea packt et met der Statz a. 

Des de ko is, de nimt se by dem sterte. T. Nr. 413. 

207. Engen et Fereke steiche. 

208. Gonn der Bur dat Fereke, hea hat mer dat e K 

209. Vor alle gruosse Fessdag geoht der Dtivel met der Sack 6m 
(helt der Dtivel der Sack op). 

210. Et Fett vagen Zupp schniitze. 

211. Fett schwommt owe, evvel der Schum noch derbowe. 

212. Dea fellt fies 2 . 

213. Owen ich, en onge figg 3 . 

214. Hea figgt op alles 4 . 

215. Fittematanchere mache 5 . 

216. Beister en Fleg 6 gefange, als mossig gestange. 

Beter is vogel gevangen dan hel 7 stille geseten. T. Nr. 189. 

217. Zwei Flegge met enge Lapp schloon. 

218. Vore Flepp en hange Jockeb 8 . 

219. Fletjet ohne Werregar 9 . 

220. Wo Fliess en Ordenong ess, do stecht Gott singe Stav dren. 

221. Me moss net iohder 10 fliigge welle, als bess dat me Flogele hat u . 

Von neste ein vogel ze fruo gevlogen 

der wirt den kinden lihte ein spil; 

die vedern werdent im enzogen. Winsbekin 9,5 (bei Z. 160). 



l ) eine. a ) 1st pedantisch reinlich. 8 ) pfui. 4 ) Hat an Allem etwas 
ausznsetzen. 6 ) Nichtssagende Entschuldigungen vorbringen. Zur Erklarung 
vgl. Picks Monatsschrifb VI, S. 167 und 334. 6 ) Fliege. ganz. 8 ) Flepp = 
Philipp, Jockeb = Jakob ; beider Apostel Fest fallt auf denselben Tag, daher 
soviel als dieselbe Sache. 9 ) Scheusal ohne Gleichen. 10 ) eher. 

") Bei F. (Ausg. von 1532) Bl. 181a: „Es soil keiner fliegen, die federn 
seien jm dann gewachsen" mit folgender Erklarung: „Zvra fliegen gehoren 
federn, wie wir an alien fliegenden thiern sehen, die federn vnd flugel haben. 
Dann durch die federn werden sie hoch erhaben. Also seind das alles federn, 
dardurch ein mensch furschub, hiilff vnd rath sucht, und holet etwas anzu- 
fahen. Es ist aber in disem wort eim ieden, der was fiirhat, ein maO vnd zil 
gesteckt, dass er ja nit hoher wfill, dann seine federn leiden mogen. Dafi 
niemand etwas anfahe, das jm zu hoch vnd zu schwer sei, oder das er nit er- 
langen m6g, vnd muB endtlich daruon abstehn mit schanden. Die Heyden 
haben die fahr bei der that gezeychnet. Jcarus wolte fliegen, vnd ersoff im Meer, 



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172 M. Schollen 

222. Engen en Fluh en en Ur 1 setze. 

223. Dea hlirt de Fluh fieste (hoste) en sitt et Gras wasse. 

224. Engen op de hondert Foss extere*. 

225. For enge der Foss setze 8 . 

226. Hea steoht met enge Foss ege Grav. 

Er steht mit dem einn fufi im grab. F. II, 81. 56b. 

227. For de Foss 4 . 

228. Engen egen Foss stoohn. 

229. Ongergen Foss (et Fossvolek) komme. 

230. Manich enge, de gou 5 Foss hat, hat docks schleehte Stewele 6 . 

231. Us ene Fotz ene Donderschlag mache. 

AuO einem furtz einn donnerschlag machen. F. II, Bl. 103b. 

232. Dea sprecht franziisch wie de Kouh latin. 

233. Et get man* eng kue Frau op der Welt, man* en jedder gleuvt, 
hea hei se. 

234. Met en gefleckde 7 Frau en e gefleckt Hus, 
Do kont men alle sie Leave us. 

235. Wenn zwei sich frdien onger en Dach, 
Dat brengt kleng Ihr 8 en gruess Gemach 9 . 

236. Wea de Dohter ha welt, moss de Modder fr&6. 

237. Vol Fr&6r, geng GedM6r. 

238. Wo de FrM6re hange, komme se net gegange 10 . 

239. Kotte 11 Freud en lank Leod, en dat sal ewig dure 12 . 

240. Setz der Freusch 13 op e golde Stoulche, 
Hea sprengt doch worrem 14 e sie Poulche. 

Sus lota in volutiibro luti. II, Petri 2,22. 

De vorsch sprinkt wedder in den pdl, 

al sete he 6k op einem groten stdl. T. Nr. 698. 

241. Friddeswear 15 , Sondeswear. 

242. Dat ess for dich en Froog 16 , en for mich en Wessenschafif. 

243. En Froeg en ess geng Kloeg 17 . 



Phaeton vnderstund sich der Sonnen wagen zu fiiren, vnd kam zu grossem 
schaden. Es soil sich keiner des vnderstehn, das er nit kiinne." 

l ) Ohr. *) qualen. 8 ) Den Fiirsprecher abgeben. 4 ) Nach und nach. 
5 ) gute. •) Stiefel. ^ ausgebessert. ®) Ehre. 9 ) Ungemach. 

10 ) Die von der Zimmerdecke herabhangenden Spinnfaden, an welche 
sich der Staub ansetzt, nennt man in Aachen „Frei^r". Das Sprichwort 
mahnt zur Reinlichkeit, mit Aberglauben oder Vorbedeutungen, worauf 
Grimm, Wb. unter Freier fragend hinweist, hat es nichts gemein. 

n ) Kurze. ir ) Definition des Begriffs heirathen. 1S ) Frosch. 14 ) wiederum. 
16 ) Freitagswetter. 16 ) Frage. ") Klage. 



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Aacbener SprichwSrter und Redensarten. 173 

244. Allemanns Frond ess jeddermanns Geek. 

Aller lade vrunt is manniger lude gek. T. Nr. 100. 

245. Ne goue Frond ess beister wie Geald egen Teisch 1 . 

Ubi amici, ibi opes. Plautus (bei B. no. 1780). 

246. Falsche Frong 2 sond wie de Katze, 
Vore lecke se en hange 8 gont se kratze. 

247. Et ess gea beister Frongche, als wie sie dige Mongche 4 . 

248. Front schloen 5 . 

249. Fuffe mache 6 . 

250. Bei dom ess et Fur 7 gau egen Dach 8 . 

251. Dat riicht noh et Fur. 

252. Dat past wie en Fus 9 op en Ogg. 

In lente unguentum. Gellius (bei B. no. 756). 

253. En Fus egen Teisch mache. 

254. Fut ess de Fenk 10 . 

255. Futele kriint sich 11 . 

256. Futele befengt sich. 

257. An en golde Gallig hange. 

258. Dea sitt us, als wenn hea vagen Gallig avgeschnea wiir 12 . 

259. Op et Gappe ligge 18 . 

260. Ene salde G& sitt me geor. 

Swaz seltsaen ist, daz dunket guot, 

und manz de liuten tiure tuot. Fr. S. 174. 

261. Dat han ich net for de Gangs 14 gedoen. 

262. Me ka beister met de Gangs eisse, als met hon drenke. 

263. Lang geborgt ess net quitt geschlage. 

Lank geborcbt en is nicht quyt gegeven. T. Nr. 168. 

264. E kolsch 15 Gebott duen. 

Ich will eyn cOlnisch gebot tbun vnd will die balbscbeidt bieten. 
W. I, S. 386. 

265. Et elefde Gebott heescht loss dich net kolle 16 . 

266. Vol Gebloks en wenig Woll. 

Vil geschreys wenig woll. F. II, Bl. 45a. 



*) Tasche. *) Freunde. 8 ) hinten. 4 ) Mundchen. 8 ) Staat, Aufwand 
macben. •) Ausflflchte sucben. ^ Feuer. 8 ) Leicbt erregt. *) Faust. 10 ) Finke. 
ll ) Unebrlicbkeit findet ibren Lobn. 

12 ) In der Gegend von Escbweiler bestebt die Bedensart: Die Frau be- 
bandelt ibren Mann, als ob sie ibn vom Strick abgesebnitten h&tte. Ueber 
die Sitte des Abschneidens der zum Tode Verurtheilten vom Strick vgl. Picks 
Monatsscbrift VII, S. 264 f.; Birlinger, Aus Schwaben II, S. 463 f, 

1S ) In den letzten Zttgen liegen. M ) Gftnse. ") kSlniscb. 16 ) anfubren, 
betriigen. 



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174 M. Schollen 

267. Wie doller gebroit, wie beister et Bier. 

268. Alle gou Gebrtich kommen av, s&t et Madche, du hau der 
Pastur et Danze verboe 1 . 

269. Dat ess et onger Gebriir weed 2 . 

270. Enge Geek ka mi9 froge, als zeng Louse beantwoede konne. 

Ein narr kan mehr fragens, dann zehen Weisen berichten kiinnen. 
F. (Ausg. von 1532) Bl. 121b. 

271. Enge Geek maht vol Gecke. 

Ein gek maket vele gecken. T. Nr. 423. 

272. Ich, satt der Geek. 

273. Hea ess net geek, ewel 3 ouch noch lang net lous 4 (ene Louse 
sitt ewel angeschter 5 us). 

274. Wea geek weed, dom fengt et egene Kopp a. 

275. De Gecke hant de Kat 6 . 

276. Gecke gewe, Louse nemme. 

277. Gecke sont ouch Lti 7 . 

278. Me moss de Gecke Uehm 8 heesche. 

279. Met ene Geek ze duo krigge 9 . 

280. Wenn de Gecke opstont, da falle de Stoul 6m. 

281. Wenn de Gecke ze M&t gont, da freue sich de Kouflu. 

Wenn de doren to markede kamen, so vrouwen sich de koplude. 
P. c. no. 734. 

282. Wat ich va Geckichget falle loss, dat ravs du va Lousichet 
net op 10 . 

283. Gedanke sont zollfrei. 

Gedancken sindt zolfrey. F. I, Bl. 90a. 

284. Gedriene goehn 11 . 

285. De G6et 12 av han (goehn). 

286. Dea ess geflappt 13 . 

287. En sie Gehiel sia 14 . 

288. Hea geeht wie op Eier. 

289. Enge de G&s leie 15 . 

290. Dat ess Geald, wo de Frau niiis va wees. 

291. Et ess et Geald va de Kouh, sat der Mann, du braht hea 
drei Penneke noh heem. 



x ) verboten. *) werth. 8 ) aber. 4 ) klug. 8 ) anders. 6 ) Earten. ^ Leute. 
8 ) Oheim. 9 ) Mit einem kritischen Menschen zu thun bekommen. 10 ) Du bist 
dummer als ich. ll ) Von einem beim Gehen durch auffallendes Bewegen der 
Ruckseite sich bemerkbar machenden Madchen. ") Bohnenstange; Sinn : ver- 
derben oder gestorben sein. 18 ) Verstandesschwach. M ) In brauchbarem 
Zustand sein. 16 ) Vgl. Picks Monatsschrift V, S. 480 f. 



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Aachener Sprichwtirter und ftedensarten. 175 

292. Wea sie Geald geor sieh welt fl&ge 1 , 
Dea legt et a Duwe 2 of a B&e 8 . 

293. For Geald en gou Wood 4 ess alles ze krigge. 

294. Hea let et Geald danze. 

295. Geald wie Dreck han. 

296. Sie Geald an en Affltefott verkicke 5 . 

297. De Gelierde sent de Verkierde. 

Die gelerten die verkerten. F. I, Bl. 90b. 

298. Wea gelt 6 , wat hea sitt, dea ess gau sing Penneke quitt. 

299. Beister zweimol gemeisse, als emol vergeisse. 

Bezzer ist zwirnt emezzen, dan zeinem male vergezzen. Fr. S.187. 

300. DrM Genanne 7 , dont der Diivel banne. 

301. Spetz genast 8 en donn geleppt, dat hat der Diivel gefleckt 9 . 

302. Wie dat geschah, du brankt 10 de Bach; 

Du kome de Bure va Kiih 11 , en leischede 12 met Struh. 

303. Hea geschlat 18 sie Vadder. 

304. Dea ess met et Gesech egen Eze gefalle 14 . 

305. Hea maht e Gesech wie sowe 15 Dag Keanewear 16 . 

306. Hea maht e Gesech als ovv hea enge freisse woi 17 . 

Er whet als wolt er die leut fressen. F. II, Bl. 62a. 

307. Beister get als niiis. 

Bether wat wen nycht. P. c. no. 117. 
Besser etwas denn gar nichts kriegen. 
Zu dem wir auch das sprichwort biegen: 
An vngewisser schuld, inerck wol, 
Man Haberstro offfc nemen sol. 

Euch. Eyering, Deutsche SprichwSrter 1, S. 190 (S. 229). 

308. Wea get, wat hea hat, es weod, dat hea leavt. 

Wizzet, er ist ein saelic man, 

der rente halten und geben kan. Renner 8288 (bei Z. 45). 

309. Gepockt en gerolt han 18 . 

310. Dea wees net ze gewe en ze nemme. 



l ) fliegen. *) Tauben. 8 ) Bienen. 4 ) Worte. 5 ) Das Geld unniitz aus- 
geben. 6 ) kauft. *) Drei mit demselben Vornamen. 

■) Von einer Spitznasigen heisst es 1633 in Augsburg: 
A spitzig Nasen, 
Spitzig Einn, 

Da sitzt doch der Teufel drinn. 
9 ) geflickt 10 ) brannte. M ) R6be, Dorf bei Eschweiler. If ) lSschten. 
w ) artet nach. M ) Spottweise von einem Pockennarbigen. 16 ) sieben. 16 ) Regen- 
wetter. 17 ) wollte. ,8 ) Pocken und RCtheln gehabt haben; Sinn: durch- 
trieben sein. 



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176 M. Schollen 

311. Gewen armt net. 

Geben tuot dem milten baz 

dan enpfehen, wizzet daz. Fr. S. 145. 

312. Ne schonne Gewel 1 ziert et Hus. 

313. Gliech bdi Gliech, sat der Dtivel, du sprong hea op ene 
Kohlegitz 2 . 

Als ein sprichwort, daz da 8 tat: 

swa gelich sins gelichen hat, 

da sin beidiu wolgemuot. Teichner 31 (bei Z. 55). 

314. S& glieche sich wie zwei Droppe Wasser. 

315. Dat ess e Glock bdi en Ongelock. 

316. Et eschte Glock ess Katzeglock. 

317. Et Glock ess ronk 3 , 

Der enge fellt et open Nas, der angeren egene Monk. 

318. Wea dat gleuvt en et Bett verkeuft, dea litt met de Fott op 
et Striih. 

Wer Jungfraw trawt vnnd denen glaubt, vnnd sein Bett verkaufffc, 
der muO auff dem Strobett ligen. L. S. 488, Nr. 195. 

319. Wenig gleuve maht geng 4 Ihr, alles gleuve Gecke. 

320. Wea et gleuvt, get ene Grosche. 

321. Dat steoht esu fass 5 wie der kalvinsche Gloub. 

322. Gold van der Melhanns 6 . 

323. Langs Gold gegange, hat Koffer empfange. 

324. Got en schleoht, ess witt 7 van6n 8 . 

325. Got ess got, ewel beister ess beister. 

326. Dea ze got ess, dea ess allemallichs Geek. 

327. De kennt net Gott noch sie Gebott. 

328. Enge Gott en enge Pott. 

329. Gott waed lang, ewel hea stroft Strang 9 . 

330. Gott help iich 10 . 

331. Gott wals. 

Gbad waldes is al der bede moder. P. c. no. 351. 



l ) Giebel, hier spottweise fur eine auffallende Nase. ^ Kohlentreiber. 
8 ) rund. 4 ) keine. 5 ) fest. 

*) Unechtes Gold. Von Melhanns, der im sog. Postwagen in der Kra- 
merstrasse wohnte, heisst es in einem in friiherer Zeit viel gesungenen, , t De 
Oecher Fliir" iiberschriebenen Lied, welches die Eigenthumlichkeiten einer 
Anzahl Aachen er geisselt: 

Der Melhanns ess ene Ednstler, 
Kan e jedder Weltdeel goahn, 
Hea giist us Zen v81 Seleverwerk, 
VergSlt et met Zafron. 
*) weit. *) von einander. •) streng. ,0 ) Begrussuugsformel der Arbeiter. 



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Aachener Sprichworter und Redensarten. 177 

332. Wea Gott wel erhalde, dea sal sich [net] verhetze noch verkalde, 

333. Engen egen Grane 1 falle. 

334. Et weod mich grong en geal vorgen Ogge. 

335. Hei e Groschche en do e Groschche, ess at got vor e Macke- 
toschche 2 . 

336. Net griiosser als ene Bureschong s . 

337. Et ess esu vol wie Hach 4 . 

338. Hack sockt sie Pack. 

Hack kumpt immer in syn ghemak. P. c. no. 375. 

339. Do kriont 5 genge Hahn noh. 

340. Ne goue Hahn ess salde fett. 

341. Drozeng Handwerker, vezeng Onglocker. 

Vierzehen handtwerck, funtfzehen vngluck. A. Nr. 142. 

342. Vol Hang, liht Wark. 

Vil hend machen ein leichte bfird. F. II, Bl. 100b. 

343. Sich de Hang e get weische. 

344. E Hangchen a get han. 

345. Dat hat Hank en Foss. 

Es hat hende vnd fuesse was der man redet. F.-L. S. 176. 

346. Usgen Hank egene Zank 6 . 

347. Wenn eng Hank de anger wescht, da blieve se alle b&ds reng. 

Als de eine hant de an der e weschet, so werden se beide reine. 
T. Nr. 40. 

348. Dea weos, wo Has hopt. 

349. Genge Has a get geschnappt han 7 . 

350. De welt de Hase met de Tromm fange. 

It is ein gr6t geluk, den hasen mit der bungen 8 vangen. T. Nr. 792. 

351. Wenn me haspelt, spennt me net. 

352. Dat Kenk ess mich agen Hatz 9 gewasse. 

353. Et Hatz geoht mich op wie ene Bockeskoch 10 . 

354. Et Hatz av han. 

355. Et Hatz open Zong han. 

356. Ich ha genge Steon, wo anger Lti et Hatz hant. 

357. Us sie Hate ene Steon mache. 

358. Wo et Hatz va vol ess, loift der Monk van ovver. 

Ex abundantia cordis os loquitur. Math. 12, 34; Luc. 6, 45. 



x ) Graten. *) Macketoschche ist ein nach Lord Makintosh benannter Rock. 

3 ) Bauernschuli. Von kleinen Leuten (vgl. Muller-Weitz a. a. O. S. 28). 

4 ) gedrangt voll (vgl. Muller-Weitz a. a. O. S. 77). 6 ) kraht. 6 ) Zabn. 
7 ) Bei einem Gelegenheitskauf keinen besondern Vortheil haben. 8 ) Trommel. 
9 ) Herz. 10 Buchweizenkuchen. 

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17S M. Schollen 

359. Du blievs mie Hazzensblatt, 

Wenn ich dich sieh, han ich dich satt. 

360. Hau, wats de hass, en lie 1 , wats de kans 2 . 

361. Dom stecht 3 et Haverkittelche. 

362. Wiire geng Heahler, da wiiren ouch geng Steohler. 

Wann nicht war der hehler, 

so war auch nicht der stehler. Pistorius 10, 37 (Grimm, Wb. 

unter Hehler). 

363. Met ene Healm 4 gebore sia. 

Albae gallinae filius. Juven. 13, 141 (bei B. no. 32). 

364. Wenn et op der Hear reant, da dropt et op der Kneaht. 

365. Grousse Heare, grousse Affare. 

366. Met grousse Heare ess net got Kioscke eisse, dan se werepen 
enge de Keane 5 agene Kopp. 

Mit heren is quat kersen eten. T. Nr. 946. 

367. Noi 6 Heare, noi Eegier. 

368. Streng Heare rechte net lang. 

Nulla potentia longa est. Ovid. Met. 2, 416 (bei B. no. 1229). 

369. Wo Hegge 7 sont, do sont ouch Mosche 8 . 

370. Wie komme de Heide an de Hemder 9 ? 

371. Et kan net h&isser als kauche. 

372. Helep dich selvs, da holept Gott met. 

Waist nicht, daz man spricht gemain: 

hilf dir selb, s6 hilft dir got? Ring 31b, 35 (beiZ. 196). 

373. Me moss geng Helligen abene 10 , die geo Merakel dont. 

Ich fasten keynem heyligen, dem ich nit feiren soil. F.-L. Nr. 290. 

374. Dat helt va zwelf Uhre bess Meddag. 

375. Et Hemb geaht mich noahder 11 als der Eock. 

Dat hemmet is neger dan de rok. T. Nr. 746. 

376. Geo Hemb age Liev han 12 . 

377. Met et Heomblievekarrche fahre. 

378. Du geohs met, wen die angere heom blieve. 



*) leide. 2 ) Die Sage erzahlt, dass ein Weib, welches in der K81nstrasse 
Kleinhandel betrieb, die Kaufer auf alle mogliche Weise betrog, um zu Reich- 
thum zu gelangen. Von ihren Kindern auf das Siindhafte ihres Treibens auf- 
merksam gemacht, erwiderte sie : „Ihr miissts behalten, ich leide, was 
ich kann." Selbst als sie zu sterben kam, war sie zu einer Bekehruug nicht 
zu bewegen ; ja, von ihrem Sterbebett trieb sie den Priester fort. Zur Strafe 
fand sie nach ihrem Tode keine Ruhe und musste als Geist umherwandeln. 
8 ) sticht. 4 ) Gluckshaube. 6 ) Kern. 6 ) Neue. 7 ) Hecken. 8 ) Spatzen. 9 ) Ab- 
lehnende Antwort auf die Frage nach dem Erwerb eines Gegenstands. 10 ) an- 
beten. ") naher. 12 ) Sowohl zur Bezeichnung der aussersten Armuth als 
auch zur Verspottung dessen, der weit fiber seine Mittel gekleidet ist. 



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Aachener Sprichwflrter tind tiedensarten. 179 

379. De Hengeschte kommen et leiste 1 . 

380. Hengewier sio 2 . 

381. Dat hengt an6 wie e Eonzel 8 Eze (ouch wie Kettegelleskalotte 4 ). 

382. Ose 5 Hergott met de Zione 6 han. 

383. Ose Hergott recht wa], evvel hea sprecht net. 

384. Steich ose Hergott net nohgen Ogge 7 . 

385. Wat ose Hergott an de eng Platsch nommt, get hea an de 
anger dubbel wier. 

386. Hea let Hergotts Wasser ovver Hergotts Land loufe. 

LaO gots wasser vber gots land lauffen. F. II, Bl. 116 b. 

387. Hea let ose Hergott ene goue Man sio. 

388. Et ess geo Heu genog gewasse, for jedderenge de Mull ze stoppe. 

Der muost mal han, vil me dann vil 

wer yedems mul verstopffen wil. Narrenschiff 41, 27 (bei Z. 101). 

389. Halt (heusch 8 ) ens get en waad ens get, 
En stipp de Bur die Kar ens get 9 . 

390. Heusch met der aue Mann, hea hat e Glas egen Teisch 10 . 

391. Gau agen Heut gestosse sio 11 . 

392. Et egen Heut han 12 . 

393. Ne hew em drop en drag em dervan 13 . 

394. Wat me net hewe kan, moss me ligge losse. 

Sun, habe daz du getragen maht; 

daz dir ze swaere si, la liegen. Winsbeke 33, 1 (Grimm, Wb. 

unter Heben). 

395. De loift wie en Hex, die et Hatz verbrankt hat 14 . 

396. Hexen en wehrwouve. 

397. Wat net hoddelt, joffert net 15 . 

398. Hofaat liet Ping 16 . 

399. Hoi dich vor dom, de ess va Gott gezechent. 

400. Wo me hoit, do falle Spiene. 

Darme tymmerd, dar vallen sp6ne. P. c. no. 175. 

401. De Hok 17 noh et Weor 18 hange. 

Men mot de hoiken na dem winde hangen. T. Nr. 707. 

402. Et Hol 19 e han. 



*) zuletzt. *) Sich in bedrangter Lage befinden, muthlos sein. s ) ein 
holzernes Mass. 4 ) ist unentwirrbar. 6 ) Unsern. 6 ) Zeben. 7 ) Sei zufrieden 
und verlange nicht zuviel. 8 ) Still. 9 ) Geduldet euch. 10 ) Von einem Be- 
trunkenen. X1 ) Leicht beleidigt sein. 12 ) Hoffartig sein. 1S ) Von einem lang- 
samen Arbeiter. 14 ) sehr schnell. 15 ) Was nicbt flattert, gibt kein vornehmes 
Ansehen. 16 ) Pein. 17 ) Weibliche Kopfbedeckung. 18 ) Wetter. 

19 ) Wobl mit Hahl, dem Haken fiber dem Herde, als dem Haupt- nnd 

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180 M. Scbollen 

403. Hea ess hoi 1 bess ongergen Aerm 2 . 

404. Alle Holepe 3 bate, sat der Wouf, du schlecket hea en Mock, 

Alle Hiilff batt, sagt der Wolff, vnnd fieng ein Muck mit dem 
Maul. L. S. 19, Nr. 18. 

405. Eua Hor 4 en Holleterholz 5 , wast salde op ene goue Gronk. 

Im was der bart unt daz har 

beidiu r6t, viurvar. 

von den selben hoere icb sagen, 

daz si valscbiu herze tragen. Wigalois 76, 17 (bei Z. 124). 

406. Wie krommer et Holz, wie beister de Krock; 
Wie gruosser der Schelm, wie gruosser et Glock. 

407. Hea loift met et Holzche 6 . 

408. Der Hommel ess net for de Gangs gebout. 

409. Wenn der Hommel efelt 7 , sont alle Quattele gefange. 

Velt de hemel, so blift nicbt ein hel potte. T. Nr. 1015. 

410. E bleng Honn fengt ouch e Haverkierche. 

Doch geschicht es ze den stunden, 

daz ein narrli vindt ein list, 

die dem weisen selczen ist. Ring 22b, 23 (bei Z. 107). 

411. E lous Honn leagt net alle Eier en e Neis 8 . 

412. De Honder gont barefossig 9 en de Aeppel hant golde Statz a 10 . 

413. Wenn me satt : husch, husch, da mengt me de Honder u allemol. 

Alze me secbt hus, so meend me de honre. P. c. no. 18. 

414. Dea kritt alles met e Honderkloche 12 . 

415. Hea worpt et Hondert en et Dusend. 

Er wiirffb das hundert ins Tausent. A. Nr. 429. 

416. Hong tusche, ich hau, wat ich han. 

417. Zwei Hong an enge Knauch. 

Daz zwene hunde ein bein nagen 

an grinen, 'z hoere ich selten sagen. Fr. S. 193. 

418. Vol Hong ess der Has singe Duod. 

Vil hund seind des hasen tod. F. I, Bl. 88a. 

419. Wea met de gruosse Hong welt pesse goh, de moss ouch de 
Been dernoh ophevve konne. 

420. Wea met Hong schloffe geoht, dea steoht met Fliih op. 

421. Hea ess op der Honk. 



Mittelpunkt des Hauses zusammenhangend. Am Niederrhein spielt „die Hahl" 
nocb heute bei dem Dienstantritt des Gesindes in einzelnen Orten eine 
Rolle. Vgl. auch Esser in dem Kreisblatt f. d. Kreis Malmedy 1883, Nr. 55. 
x ) hohl. 2 ) beisshungerig. a ) Hiilfe. 4 ) Bothe Haare. 6 ) Hollunderbolz. 
6 ) Nicht ganz bei Verstand sein. 7 ) einfallt. 8 ) Nest. 9 ) barfuss. 10 ) Von 
tbeuern Zeiten. n ) Hiihner. 12 ) Auf feine Art und Weise. 



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Aachener Sprichwflrter und Redensarten. 181 

422. Komm ich ovver der Honk, da komm ich ovver der State. 

Kompt man vber den rticken, so kompt man auch vber den 
Schwantz. L. S. 179, Nr. 90. 

423. Dat hat der Honk gemeisse, du hat hea der State zougegevve. 

424. Wenn dat Hongche marr geng Fliih kritt 1 . 

425. Bletsche Hongchere biesse net. 

Hund, die vil bellen, beissen selten. F. 1, Bl. 78 b. 

426. Zwei konne mia Honger ligge 2 als enge 3 . 

427. An dom ess Hopp en Malz verlore. 

Wer einen zigel weiss wil wascben, 

das lere stroh im tenne dreschen, 

derselb verleusst beid, maltz vnd hopffen. Burkh. Waldis 2, 88, 40 

(S. 573). 

428. Loss dich dofor gee gries Hoar wasse. 

LaO dir kein graw hare darumb wacbsen. A. Nr. 163. 

429. Wie lieht kont net e Hoar egen Botter. 

430. Hoaren open Zong han. 

431. Hoss 4 kont bau. 

432. Hou marr drop, et ess one Jiidd. 

433. Krolle Hoare, krolle Senn. 

Krus har, krus sin. T. Nr. 1290. 

434. Dea welt Hott 5 en dea welt Har 6 . 

435. Enge for ene Hott 7 haue. 

436. Dea hat ene Hou 8 met et Matthisb&61e. 

437. Bios mich der Hubbel 9 us. 

438. Hui get et 10 ene heasse Dag, sat de Hex, du wod se verbrankt. 

439. Oemmens get agen Huf u duan. 

440. Der Duvel trou Hupetsbrud 12 , wat net geseant ess 13 . 

441. Wea net hiire welt, moss foile. 

442. Va htiresage komme de Logen en de Welt. 

An horenseggen lucht men vele td. T. Nr. 1079. 

443. Dat Hus hat golde Panne (e golden Dach 14 ). 

444. Met dom ess gea Hus ze haue. 



*) bekommt. 2 ) leiden. 8 ) Entschuldigung fiirs Friih heirathen. 4 ) bald. 
6 ) und 6 ) Fuhrmannszuruf, um die Pferde in Bewegung zu setzen. 7 ) Hut, hier 
Narr. 8 ) Hieb. 9 ) Hobel. 10 ) gibt es. n ) Lieblingsspielstein der Kinder, hier 
scherzweise fur Nase (vgl. Miiller-Weitz a. a. O. unter Huf). 12 ) Hubertus- 
brod. IS ) Das Hubertusbrod — thalergrosse WeizenbrSdchen — wird in der 
Pfarrkirche zum h. Jakob gesegnet und als Schutzmittel gegen den Biss toller 
Hunde getragen. Die dem Brod innewohnende Kraft wird nur dem kirch- 
lichen Segen zugeschrieben, ungesegnetem Brod zu trauen, kann nur der 
Teufel vermessen genug sein. M ) 1st mit Hypotheken belastet. 



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182 M. Schollen 

445. Met vol kont men us, met wenig helt me Hus. 

Mit vie) em helt man HauG, mit wenigem kompt man auch auB. 
L. S. 229, Nr. 84. 

446. Dat ess get angesch als Jan komm eisse. 

447. Loss jedderenge for dat, wat hea ess. 

448. Wea et jedderenge welt reaht duo, dea moss froch opstoahn. 

Der miiCt fni vffstehn, der iederman wolt recht thun. F. II, Bl. 120a. 

449. Enge der Jesesknapp 1 gewe. 

450. Eng Ihr ess de anger wead. 

451. Sei ess de Joffer van den Haag, en dreagt et beiste Klead alle Dag. 

452. Dat ess de Joffer de Sie* avgegolde 3 . 

Von einer jungfraw seiden kauffen. P. II, Bl. 18a. 

453. Engen e Johr en Dag net mia gesieh han. 

454. Dat ess getroffe, sat der Jong, du worp hea si Vadder en 
Ogg us. 

455. Dea Jong (dat Madche) deat mich der diire Duad a. 

456. Dea Jong (dat Madche) ess ene Nagel a ming Sark 4 . 

457. Ne Jong en ene Honk gont salde ongebriiit 5 langs e. 

458. Wea ene Jong nommt for singe Mann, moss ligge 6 , wat hea kan. 

459. Jonge bei Jonge, en Madchere bei Madchere. 

460. Hei wat e Glock, sess Jonge for en Mark, 
Hei wat e Glock, dat ess en Busch et Stock 7 . 

461. Dat deat de Jonghet 8 , sat de Frau, du sprong sei ovver ene 
Striihzalm 9 . 

462. Jonk bei Jonk, en Oat bei Oat, denn wat jonk ess, dat spealt 
gear, en wat oat ess, dat knottert 10 gear. 

463. Loss dich jonk hange, da weads de net oat 11 . 

464. Judas hat Gott verroane 12 . 

465. Je kahler, je regaler 13 . 

466. Kalvflesch, halv Mesch. 

Kalfvleisch, halfvleisch. T. Nr. 691. 

467. Alles ovver enge Kamb schere 14 (Leas schloan 15 ). 

468. Dat ess ene finge 16 Kamerad. 

A ) Todepstoss. 3 ) Seide. 8 ) theuer eingekauft. 4 ) Sarg. 6 ) ungeschoren. 
6 ) leiden. 7 ) Bei Miiller-Weitz a. a. 0. (unter Bu'sch) lautet es: Sess 
Madchere u. s. w., wahrend das Sprichwort von A. Reumont in Aachens Lie- 
derkranz und Sagenwelt (S. 370) in der obigen Fassung mitgetheilt iat. 
8 ) Jugend. 9 ) Strohhalm. 10 ) brummt. n ) Zurechtweisung eines auf das Alter 
Schimpfenden. 12 ) Wird gesagt, wenn ein Kind das andere anspuckt. 13 ) gast- 
freundlicher. H ) Zur Erklarung vgl. W. II, S. 1123. 16 ) Leisten schlagen. 
l6 ) feiner. 



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Aachener Sprichworter und Bedensarten. 183 

469. Sich va Kank 1 haue. 

470. Mosche egen Kapp han. 

471. Get op en anger Kar lane 2 . 

472. Kastiele boue 3 . 

473. Engen egen Kat 4 kicke. 

474. De Kat verroane han. 

475. Zent Katring worpt der kaue Steen egene Bhin, 
Gertrudes met de Mus, die holt em drus. 

476. Dat ess de Katz der Kies abefohle. 

Nu is der katthen de kese beualen. P. c. no. 532. 

477. De Katz gekeimt han 5 . 

478. De Katz egen Doppe fenge. 

479. Esu nass wie en Katz sia. 

480. Sei verdrage sich wie Katz en Honk. 

Bi hunden und bi katzen 

was ie bizen unde kratzen. Fr. S. 193. 

481. Wenn de Katz erus ess, danze de Miis ovvergen Dosch. 

Als diu katze uz kumet, so richsent die raiuse. Berthold I, 85,6 
(bei Z. 79). 

482. Du kriss de Katz gelennt, die kont van alleng wier 6 . 

483. Wenn et Kauf 7 versauven ess, deckt me der Potz zou. 

Alze dat kynd vordruncken is, so stoppet me de putthen. P. c. no. 15. 

484. Hea keakt 8 wie ene Markef 9 . 

485. Du bess ene Keal wie en Meal 10 , kans flote wie en Mosch. 

486. Du bess ene Keal wie e Ponk Woasch 11 . 

487. Wea met keggelt, mockt 12 met op. 

Wer keyglen wil, der selb vff setz. Narrenschiff 68,8 (S. 331). 

488. Der Keissel schure 13 . 

489. Kleng Keissele hant gruosse Ure. 

Kleine potte hebben 6k oren. T. Nr. 3. 

490. De Kenk honne 14 Well steaht hengergen Dor. 

Kynders wylle is nycht weerd. P. c. no. 436. 

491. E got (schonn) Kenk, wat noh sie Vadder (Modder) aat 15 . 

492. Sich l&v Kenk mache. 

493. Me schleat enge Dlivel us de Kenk en zeng dren. 

Schlechstu eynen teuffel herauO, so solstu yhr zehen wider 
hynein schlagen. A. Nr. 457. 



J ) Kante. 2 ) Eine Sache anders angreifen. 8 ) Luftschlosser bauen. 
4 ) Karten. 6 ) Abgefeimt sein. 6 ) Bei Jemand, der geliehene Sachen nicht 
ohne Mahnung wiedergibt. 7 ) Kalb. 8 ) schreit. 9 ) Markolf. 10 ) Merle. 
n ) Pfund Wurst. 12 ) setzt. 18 ) beicbten. w ) ihr. ") artet. 



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184 M. Schollen 

494. Wea wel han e schonn Kenk, 
Verwahr et vor Meozluot en Aprelswenk 1 . 

495. Kleng Kenger, kleng Lead; gruosse Kenger, gruass Lead. 

496. L&v Kenger hant vol Name. 

Dem leiven kinde gift men vele namen. T. Nr. 209. 

497. Speie Kenger, dei6 Kenger. 

498. Vol Kenger ess Goddes Seage egen Hus, marr se hauen enge 
de Noppe 2 vage Liev. 

499. Wenn me de Kenger honne Well deot, da kriesche se net 

Wann man den kindern jren will en laCt, so weynen sie nit. 
F. II, Bl. 117a. 

500. Wie me de Kenger trockt, esu hat me se. 

501. Sondeskenger, Glockskenger. 

502. Kenger sont Kenger. 

Kynder dat synd kynder. P. c. no. 437. 

503. Et ess geo schoner Denk als e Kenkskenk 3 . 

504. Bout 4 men orgens en Kerch, setzt der Dtivel e Kapellche 
derb&. 

Wo vnser herr Gott ein Kirchen hyn bawet, da bawet der 
Teuffel auch ein wirtshauG da neben. A. Nr. 23. 

505. Me moss de Kerch medzen 5 egen Dorp losse. 

506. Dat ess geng Keremes, wo niiis zerbrauche wead. 

507. Leog dich egen Kess 6 . 

508. Et get mio Ketten als rosetige 7 Hong. 

509. Bei dom hat de Ketz agene Nagel gebrankt. 

Die kertz ist auff den nagel verbrant. F. II, Bl. 21b. 

510. Ketzeklor, ess halv wor. 

511. De ESer krigge 8 . 

512. De eschte Kiosche kosten et Geald. 

513. Dea sit us wie en Kiestat 9 . 

514. E kitzche 10 ze spio 11 ess vol ze spio. 

Luttyk to spade is vele to spade. P. c. no. 452. 

515. Klafen 12 en ess geo Geald. 

516. Dat hei ene Klaffer gau gesat. 

Ein schwetzer hets bald gesagt. F. II, Bl. 53a. 

517. Dea klaft der Diivel en Ur a v. 

518. Dea klagt met gesong Beon (Gleddere). 

519. Wea klagt, en 13 hat geng Nuoth, 
Wea stiiht, en hat geo Bruod. 

Marzluft und Aprilwind; vgl. Nr. 642. 2 ) Wollknotchen. 8 ) Enkel. 
4 ) Baut. 6 ) mitten. 6 ) Kiste. 7 ) rasende. 8 ) Abgewiesen werden. 9 ) Brodschnitte 
mit Makei. 10 ) wenig. ir ) spat. 12 ) Schwatzen. IS ) Verstarkung der Negation. 



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Aachener Sprichworter und Redensarten. 185 

520. Wea sich onger de Klei6 mengt, dom freisse de Fereke 1 . 

Wer sich under die kligen mischet, den ezzent diu swin. Diu- 
tisca I, 325 (bei Z. 136). 

521. Kleng, reng en aleng. 

522. Vol kleng machen e gruost. 

Vele klene maken en groth. P. c. no. 709. 

523. Zwei klenge machen e graoss, zwei wenige e vol. 

524. For dom ess et an et kleppe 2 . 

525. Sich wie en Klett an enge hange. 

Ut canis, a corio nunquam absterrebitur uncto. Hor. Sat. 2, 5, 83 
(bei B. no. 1805). 

526. Wea sich trout 3 us singe Klockeklang 4 , 
Beroit 5 et alle sie Leave lank. 

527. Hea setzt do wie ene Klompemacher 6 . 

528. Heits du mich gester gemeit 7 , wllr ich hiii dinge Kneoht 8 . 

529. Engen egene Knitt sio. 

530. Met dubbele Knitt schrieve. 

531. De Knoo 9 avstosse 10 . 

532. De Knoiv 11 av han 12 . 

533. Knopp 18 feil han 14 . 

534. Dorom solle sich de Koih us zent Anna ouch net stosse 15 . 

535. Gank Koih beddele, da kriss de de Kauver 16 ommesons 17 . 

536. Net wit va kolig dra 18 sio. 

537. E Kompanei, ess Hoddelei (Lompanei). 

538. Der Konnek ze riech sio. 

539. Dea ess net opene Kopp gefalle. 

540. Der Kopp en et weld 19 schloon. 

541. Do steoht mich der Kopp net noh. 

542. Enge der Kopp weische 20 . 



A ) Saue. 2 ) Liegt in den letzten Ziigen. 3 ) verheirathet. 

4 ) Glockenklang ist die Umgebung der Stadt, welche zu den stadtischen 
Pfarreien geh8rt. Eine genaue Beschreibung desselben vom J. 1639 bei Quix, 
Gesch. der St. Peter-Pfarrkirche S. 58 ff. Hier ist der Pfarrsprengel iiber- 
haupt gemeint. 

5 ) bereut. 6 ) Holzschuhmacher. 7 ) gemiethet. 8 ) Ohne Verbindlichkeit 
verlange keine Leistung. 9 ) Knoten. 10 ) Die unangenehmste Arbeit verrichten. 
") Knopfe. 12 ) Vollig entkraftet sein. l8 ) Knopfe. M ) Voller Schwanke stecken. 

16 ) Darum werden sich die Kfihe aus St. Annakloster auch nicht stossen, 
d. h. urn diese Kleinigkeit wird auch kein Streit entstehen. Die Nonnen des 
hiesigen Annaklosters hatten keine Kuhe, daher konnten sich auch keine 
stossen. 

I6 ) Kalber. ") umsonst. 18 ) Armuth. 19 ) ins Wilde. 20 ) waschen. 



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186 M. Schollen 

543. EDge get platt 1 vorgene Kopp sage. 

544. Verwahr Kopp enBross 2 , da verwaasch de geng douv 3 Noss. 

545. Wat me net egene Kopp hat, moss men egen Bean han (mosse 
de Bean messgealde). 

546. Engen opene Kopp danze. 

547. Hea hat ene Kopp wie en Seischottel 4 . 

548. Sich ovver get 5 der Kopp zerbreiche. 

549. Sich ene Koppelpelz verdengt han. 

550. Op der Korv schloan 6 . 

551. Wenn der Korv feadig ess, fliigt der Voggel drus. 

552. Sich dorichgen Koat 7 mache. 

553. Kott en got 

554. Der bellige 8 Kouf ess der dure Kouf. 

555. Hea moss et goue Kouf gevve 9 . 

556. Et ess egal, wie de Kouh heascht, wenn se man* Melig 10 get. 

557. Gew enge hiii u en Kouh, en morigen e Pead, en owermorige 
ntiis, da hass de evvevol 12 Dank dervan. 

558. Wat holept et, wenn de Kouh enen Emmer Melig get en me 
stosst em 6m. 

559. Wenn me der Kor 1S hat, welt men ouch der Schmach 14 der- 
va han. 

560. Hergott, doich der Krahn zou, et loift dorich 15 . 

561. Hea ess krank en ongesonk, 

Ka freisse wie ene Schofshonk 16 . 

562. Ntiis ess ongesonger als krank sia. 

563. De Krankheate komme ze Pead 17 , en gont ze Foss wier fut 18 . 

Kranckheiten kommen auff der Post, gehen aber zu Fufl langsam 
wider hinweg. L. S. 180, Nr. 97. 

564. Et kratzt sich manich enge, wo et em net jocht 19 . 

It klouwet sik mannich dar it em nicht enjucket. T. Nr. 1007. 

565. Ene Krau fut han 20 . 

566. Kreagen 21 ess gestoahle. 

567. Dea geaht Krecke 22 socke. 

568. Grong Kressmess, wisse Posche 23 . 

569. Dea lett geng Kroddel 24 open Hatz baschte 25 . 

x ) gradeaus. 2 ) Brust. 8 ) taube. 4 ) Sieb. 6 ) iiber etwas. 6 ) Einen 
ausholen. 7 ) Kordel. 8 ) wohlfeil. 9 ) Zu Kreuz kriechen. 10 ) Milch. n ) heute. 
12 ) gleichviel. 1S ) Probe. w ) Geschmack. 16 ) Die Freude ist zu gross. 16 ) Scha- 
ferhund. 17 ) Pferd. 18 ) weg. 10 ) juckte. 20 ) Angetrunken sein. 21 ) wegneh- 
men. 22 ) Frucht des Schlehdorns. 2S ) Zur Erklarung vgl. W. V, S. 82. ,4 ) Krote. 
* 6 ) Verbeisst den Aerger nicht 



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Aachener Sprichworter und Redensarten. 187 

570. En flegende Kroh 1 hat mia als en setzende 2 . 

571. Et ess esu heass, dat de Kroh gappe. 

572. En gou Kromm ess net 6mm. 

Een ghud wech vmme is neen krumme. P. c. no. 319. 

573. Hea kromt 3 dermet wie de Katz met de Mus 4 ; 

574. Enge Kropel en lahm schloen. 

575. Der Krug geoht esu lang ze Bach, 

Bess hea verltist 5 der Hengel of der Krag. 

De kruke geit so lange to water dat se brikt. T. Nr. 65. 

576. Dea ess Kriitche riihr mich net a 6 . 

577. Dea et Kriitz egen Hank hat, dea seant 7 sich dermet. 

578. Kriitz en Kraft schwere 8 . 

579. Hea ess der Kuckef van alleman 9 . 

580. Geng KM 10 e han. 

581. Dom sou me net usgen Kiiel 11 jage. 

582. Kumme 12 ess hauf 18 Wark. 

583. Et ioschte Ktitte newer de Sou 14 . 

584. Noh 15 lache kont kriesche. 

Risu8 dolore miscebitur etextremagaudiiluctusoccupatProv. 14, 13. 

585. Et ess geng schlemmer Lag, als wenn me sich net helepe kan. 

586. Et lank setze 16 . 

587. Wea et lank hat, lett 17 et lank hange 18 . 

588. Us anger Luts Lear 19 ess got Eeime schnigge. 

Van eins anderen hut is gut reime snyden. T. Nr. 1050. 

589. Jedder Leave welt wirleavt 20 weade, of ne Goddes Wod es 
geloge 21 . 

590. Sie Leave hengt an e Lische 22 (ene sigge Fam 23 ). 

Es hangt an eim seidin faden. F. II, Bl. 59b. 

591. Wea et langste leavt, kritt Stolberg 24 . 



*) Krahe. 2 ) Der imraer in Bewegung ist und mit reger Thatigkeit zu 
schaffen strebt, erreicbt etwas; das Gegentheil ist bei dem der Fall, der es 
an Thatigkeit und Anwendung seiner Krafte fehlen lasst. 8 ) kramt. 4 ) Maus. 
5 ) verliert. 6 ) Noli me tangere. 7 ) segnet. 8 ) Stein und Bein schwSren. 9 ) Aller 
Leute Narr. ,,1402 reiff *man zu Aich kickhefF auff den Mey u , Loersch, 
Aach. Chronik in den Annalen d. hist. Vereins f. d. Niederrhein XVII, S. 5. 
10 ) Rogen beim Haring. ") Kohlpflanzen. 12 ) Aecbzen. 13 ) halbes. M ) Sau. 
16 ) Nach. 16 ) Fersengeld geben. 17 ) lasst. 18 ) Die Entstehung dieses Sprich- 
worts fallt mit dem Aufkommen der Zdpfe bei den Mannern zu Ende des 
17. Jahrhunderts zusa-mmen. 19 ) Leder. 20 ) wiedergelebt. 21 ) „Dass alle Le- 
ben muss widerlebt werden, das bleibt wahr, dan wie man hat gethan, so 
geschieht einem wieder." JanOen, Hs. Aacher Cronik III, S. 360. 22 ) diinnes 
Hautchen. 23 ) seidener Faden. 24 ) Stadtchen bei Aachen. 



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188 M. Schollen 

592. Et ess gee gruasser Lead \ als wat der Mensch sich selvs adeat 2 . 

593. Sich e Lead aduan. 

594. Sie eige Lead net verschwigge konne. 

Sein eygen schand nit in(5gen verschweigen. F. II, Bl. 50b. 

595. Do kiint ich e Ledche va senge. 

Ich wolt eineni wol eyn liedlein daruon singen. A. Nr 378. 

596. Net alle Ledchere losse sich ussenge. 

597. Leis, sat de Beis. 

598. Et leisten 3 ess et beiste. 

Das letst das best. F. II, Bl. 7a. 

599. Enge lenks ligge losse. 

600. Die met die schmal Leppe, 
Hant der Dtivel met de Schleppe. 

601. Dat ess en grauv Letter 4 . 

602. Hea kennt geng Letter op en Schnell 5 . 

603. Hea ess dorich en eng Leugelche 6 gekraufe 7 . 

604. Enge de Levite (Letz) lease. 

605. E Meddel gege de Leiv. 

606. Me ess zeleave net ze oat for ze liere 8 , sat et oat Wiev, du 
lieret se noch hexe. 

607. Mea wead esu oat wie en Konh, 
En liert noch ommerzou. 

608. Met Logen omgoahn. 

609. Logen en der Nuath, gont er foffzig 9 op e Luath 10 . 

610. Et Los fellt worrem op Junas. 

Et cecedit sors super Jonam. Jon. 1,7. 

611. Hea ess loiis 11 wie en Bei. 

612. Met loaven en bei6 kont me bei^nea 12 . 

613. Aerm Liits Wonsch ess Biechermanns krigge. 

614. De rieche Lii halde gear Frondschaff, marr me mos hon 13 us- 
gen Teisch blieve. 

615. Froge 14 Lii gevve klafe 15 Kenger. 

616. Full Lii sont geschwend moi 16 . 

617. Jong Lii konne stereve, en au Lii mosse stereve. 

618. Hoddele Lii 17 en nette Lii blieven ovveral hange. 

619. Hea liigt, dat men et foilt 18 (wat hea sich beant 19 ). 



*) Leid. a ) anthut. 3 ) Letzte. 4 ) Leichte Arbeit. 6 ) steinerner Krug. 
6 ) Lochelchen. 7 ) gekrochen. 8 ) lernen. 9 ) fiinfzig. 10 ) Loth. ") klug. 12 ) bei 
einander. 13 ) ihnen. 14 ) Fragende. 16 ) schwatzende. 16 ) miide. 17 ) mit 
Flitterkram aufgeputzte Leute. 18 ) fiihlt. 19 ) betet. 



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Aachener Sprichwo'rter und ftedensarten. 189 

620. Wea liigt, dea bedriigt. 

Wer do pflegt gern zcu liegen, 

Pflegt auch stelen vnd betrigen. Fabri de Werdea, Prov. metr. 

(S. 175). 

621. Vivat Luhni 1 . 

622. Do wahsse 2 Liis met Statz noh. 

623. Mager Liis biesse scharp. 

624. Dom ess en Lus owergen Leaver 3 gekraufe. 

625. Hea setzt wie en Lus tosche zwei Nagel. 

626. Dea ess bekankt wie Liiasch 4 Honk. 

627. En gruasse Liiet 5 en wenig Lett 6 . 

628. Son 7 Mad kritt me noch op ene nasse Samsteg. 

629. Vol Madchere en enge Jong, dea. ess ene Graf, 
Marr 8 vol Jonge en e Madche, dea ess en Schlaf 9 . 

630. Dat litt mich schwor opene Mag. 

631. Bei et uskehre va der Maot 10 fengt sich alles. 

632. Et ess der Mann wie de Mensche. 

633. Wo genge Mann ess, do ess genge Booth 11 , 
Wo geng Frau ess, do ess genge Stoat 12 . 

634. Genge Matthis egen Maue (Knauche) ban 13 . 

635. Dat ess get va der Mau. 

636. Get usgen Maue schodde 14 . 

637. Mehl noch Bruod han. 

638. Dat kont wie Meibom en Oche 15 . 

639. Wenn et der Mensch welt 16 , da welt et. 

640. Op dat Metz 17 ka me noh Kolle rigge 18 . 

641. Haleve Meoz, spart der Kauch 19 de Ketz. 

642. Meozsonn en Aprelswenk 
Verschangeliert 20 manich Modderekenk 21 . 

643. Moddere Schuoss 22 ess arm, evvel warm. 

644. Mol 23 dich get. 



J ) Ruf der neuen Partei, an deren Spitze der Schoffe Martin Franz Jo- 
seph von Lonneux (Luhni) im Aachener Aufruhr von 1786 stand (vgl. Per- 
thes, Politische Zust&nde und Personen in Deutschland I, S. 134 ff.). 

2 ) wachsen. 8 ) Leber. 4 ) Lohgerber. Aehnlich in Koblenz: Da kotzt 
wie en Gerwershond. 5 ) Leuchte. 6 ) Licht ^ So eine. 8 ) Aber. 9 ) Sklave. 
10 ) Markt. u ) Rath. 12 ) Staat, Putz. 1S ) Keine Starke besitzen. 14 ) Aus dem 
Aermel schiitteln. 16 ) Zur Erklarung vgl. Loersch in der Zeitschrift des 
Aach. Geschichtsvereins II, S. 117. 16 ) will. n ) Messer. 18 ) reiten. 19 ) Koch. 
20 ) verunziert. 21 ) Vgl. Nr. 494. 22 ) Schooss. 28 ) Male. 



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190 M. Schollen 

645. Wea et ioschte egen Molle ess, malt z&esch 1 . 

De erst to der tnolen kumpt, de maid erst P. c. do. 239. 

646. Wat me des Mondes werkt, weed fill 2 . 

647. Better for der Monk, ess for et Hatz gesonk. 

Be there dynghe synd alletyd ghud. P. c. no. 137. 

648. Wenn me der Monk get apresentiert, da nommt hea get. 

649. Dat ess ene Montjeuerbur 3 . 

650. Morigen ess de Naht 4 oni. 

651. Beister eng Mosch egen Hank, 
Aels zeng opene Dachekank. 

Beter ein vogel in deui korve dan dusent in der lucht. T. Nr. 248. 

652. Wea Mosche fange welt, moss heusch duon. 

653. Dea ess for de Mosch 5 (Minim 6 ). 

654. Moss ess Zwang, en Kriesche 7 ess Kengergesang. 

655. Moss eissen ess e bus Knit (et kottste Kriit). 

MuO essen ist ein bitter Kraut. L. S. 225, Nr. 98. 

656. B& domm ess et Mossche 8 vor de Haufpenk 9 (kont Pengste 
vor Posche 10 ). 

657. Get net ongergen Motsch 11 krigge konne. 

658. Der Mott 12 egen Box 13 han. 

659. Engen op Muck han. 

660. Ich gont, du wiiosch op jensie Muffet 14 . 

661. Met de Mull Pittche vorrop sio. 

662. Dom geaht de Mull wie e Schmeckeschnur (ene Schotteleplack 15 ). 

663. Net open Mull gefalle sio. 

664. Los 16 egen Mull sio 17 . 

665. Dea sitt dorich 18 sowe Mure. 



J ) Druckt den Satz aus: der altere Rechtsanspruch geht dem spatern 
vor. 2 ) faul. 8 ) Bauer aus dem Montjoier Lande, d. h. ein grober Mensch. 
4 ) Nacht. 6 ) Ob zusammenhangend mit Moschebend, in Aachen und ander- 
warts = Kirchhof ? •) Rufname fiir Katze. 7 ) weinen. 8 ) Masschen. 9 ) halbe 
Pinte. 10 ) Pfingsten vor Ostern. Sagt man von Einem, der einen Ueberzieher 
tragt, welcher kiirzer ist als der Rock. ll ) Mtitze. 12 ) Muth. 1S ) Hose. 

14 ) Muffert, Landgut und Hof zwiscben Aachen und Vaels. Hier lag 
friiher das Hochgericht fur die vom Schflffenstuhl Verurtheilten. Dicht hinter 
Muffert zog die Grenze des Aachener Glockenklangs vorbei auf die alte 
Mastrichter Strasse zu f wahrend der Bezirk des Aachener Reichs sich bis 
nach Vaels erstreckte (vgl. Quix, Gesch. der St. Peter-Pfarrkirche S. 61 f.). 
Mit Recht vermuthet daher Herr Stadtarchivar Pick, dass man mit dem 
Sprichwort Jemand aus dem Aachener Glockenklang herausgewunscht habe. 

16 ) Tellertuch. 16 ) Lose. 17 ) Zweideutige Redensarten gern gebrauchen. 
18 ) durch. 



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Aachener SprichwSrter unci Redetisartert. 191 

666. Schlem for en Mus, wenn se marr e Lauch hat. 

Mus non uni fidit antro. Erasm. Adag. p. 38 (bei B. no. 1051). 

667. For enge get us e Muslauch 1 hohle. 

668. Dat Mlische hat e Statzche kreage. 

669. Dat wor der Nagel op der Kopp getroffe. 

670. Zwei Nackse konne sich wahl lecke, evvel net bedecke. 

Nudo vestimenta detrahere quis potest? Plautus (bei B. no. 1224). 

671. Ich han der Nam, en du hass der Mam 2 . 

672. Dat ess en Nas 3 . 

673. Dat geaht mich nohgen Nas. 

674. Dat kont mich noh Nas en Uren ems. 

675. Dat stecht mich egen Nas. 

676. De Nas oploufe. 

677. Dea stecht de Nas net b& mich 4 . 

678. Me moss zeiasch en Nas ha, wenn me schnuvve 5 welt. 

679. Sich ene Knopp 6 egen Nas mache. 

680. Pack dich selvs met de Nas. 

681. Sing Nas en alles steiche. 

682. Wea sich de Nas avschniet, dea verschangeliert sie Gesech. 

683. De Nas noh goh. 

684. Me moss et nemme, wie et kont. 

Man muB die zeit nemen, wie sie kumpt. A. Nr. 462. 

685. Oem Noijohr ka me alles quitt weade. 

686. Wea sich get nient 7 age Liev, wead zeleave net riech (Borger- 
mester). 

687. Wo me sich bei niersetzt, do steaht men ouch bei op. 

688. Op et nippe stoahn 8 . 

689. Wea sich freit e Nobbeschkenk, dea weos ouch, wat hea fengt 9 . 

690. Wat noh kont, dat schleot de Fesche 10 net av. 

691. Esu douv 11 wie en Noss sio. 

692. For niiis en wier niiis. 

693. Wea niiis sal ha, verliist 12 et Bruad usgen Teisch. 

694. Wea niiis us sich macht, dea ess niiis. 

695. Op niinzeng hat Wespeng 13 et Hus verlore. 

696. De Nuath deat der Esel trappe. 

697. E Zitt 14 der Nuath, esst me Koschte 15 va Pastiete for Bruad. 



*) Mausloch. ") Fladen. *) Ein Kritiker. *) besucht mich nicht. 

5 ) Tabak schnupfen. 6 ) Knoten. 7 ) naht. 8 ) Vor dem Bankerott stehen. 

9 ) findet. 10 ) Ferse. ll ) taub. 12 ) verliert. 18 ) Vgl. S. 163, Anm. 5. 14 ) Zeit. 
16 ) Kruste. 



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192 M. Schollen 

698. Ess men us der Nuoth, da kont der Duod. 

All vnser Sinn vnd Muth 

steht nach Ehr vnnd gut, 

vnnd wann wir das erworben, 

so ligen wir vnnd sterben. L. S. 18, Nr. 15. 

699. De sitt us wie de Nuath Goddes. 

700. AIM Oche, en wenn et versonk 1 . 

701. Dea lacht met 6n Ogg en kriescht met et angert 2 . 

Mit lachendem munde truobetn 3 im diu ougen. Iwein 2964 (bei Z. 67). 

702. En Fleg 4 en en Ogg han 5 . 

703. Niiis ess got en en Ogg, evvel net egen Teisch. 

704. Dat ka mich en en Ogg ligge. 

705. E got Ogg op enge geworepe 6 han. 

706. Dat hat geng Ogge. 

707. Dea gont enge net de Oggen egene Kopp. 

708. De Ogge sont gruosser als der Buch. 

Die augen seind weiter dann der bauch. F. (Ausg. von 1532) 
Bl. 81a. 

709. De Ogge de Kos 7 gevre. 

710. Met de Ogge Noss plocke 8 . 

711. Get en enge sing Ogge sio. 

712. Me moss de Oggen opduon of der Bull 9 . 

713. Der Oahm 10 ophaue. 

714. Wenn se met der Ohs bronke 11 , weod hea bau geschlacht. 

715. For get omgoahn. 

716. Wea en Onglock sal ha, dea brecht ene Fenger egen Spinat 
(egene Kiesbrei). 

717. Ongelocker sont kua Kanste 12 . 

718. Geon Ongergebonk 13 ege Iiev han. 



*) Miiller-Weitz a. a. O. (unter Allaf) bemerken : „Sprichw6rtliche 
Redensart, welche sich vielleicht auf die vulkanische Beschaffenheit des Bo- 
dens bezieht", sicherlich mit Unrecht, da man in Aachen und der nachsten 
Umgebung Grauwacke, Kohlensandstein, Kreide mit Sand und Mergel, Kalk- 
stein, Schiefer und Steinkohle, iiberdeckt mit jiingern Bildungen von Sand 
mit Thon und Grunsand, dagegen keine erloschenen Krater und Eruptionsstoife 
wie Lava, Bimstein und vulkanische Asche findet. Bei der Redensart nimmt 
der Aachener einfach den Fall v8lliger Zersto'rung, ja des Verschwindens seiner 
Stadt an, und der Ausdruck „ versonk" kann um so weniger auffallen, als 
Sagen von versunkenen Stadten hiiufig sind. 

^ dem andern. 8 ) triib machen. 4 ) Fliege. 5 ) angetrunken sein. 6 ) ge- 
worfen. *) Kost. 8 ) pflucken. 9 ) Beutel. 10 ) Athem. ll ) mit dem Ochsen 
prunken 12 ) schlimme Zufalle. 1S ) Unterlage. 



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Aachener SprichwGrier und Redensarten. 193 

719. Onkrut vergeoht net 

Unkrut wehset ane sat. Fr. S. 177. 

720. Onreeht deet nommens 1 got. 

Sich vreut niht lange kein man, 

der mit unrehte sic 2 gewan. Cato 287 (bei Z. 157). 

721. Onreoht hommelt 3 net. 

Swer 8ime rehte unreht tuot, 

da wirt daz ende selten guot. Fr. S. 164. 

722. Onscholdig wie e noigebore Kenk sio. 

723. Hau dich op Oepe 4 , da konns du a Kettenis 5 us. 

724. Met get net opgescheckt sia 6 . 

725. Opgestange, Platsch vergange. 

726. Oss 7 kennt Oss. 

Fur furem cognoscit, lupus lupum. Nach Aristoteles (bei B. no. 605). 

727. Ostere froch, Ostere spio, Ostere egen Aprel 8 . 

728. Oeverleage ess de Kons 9 . 

729. Alles hat enen Oevvergank, sat der Fochs, du trocke se em et 
Fell ovvergen Ure. 

730. Des wends 10 sont alle Katze groe. 

Des naclites sint alle katten grau. T. Nr. 184. 

731. Paf-Got, Kaf-Got. 

Pfatfen Gut, Raifen Gut. L. S. 275, Nr. 4. 

732. Pack schleat sich, Pack verdreagt sich. 

733. Der Pastur least 11 geng zwei Meisse for e Geald. 

734. Et ess worrem, Pater, et aut 12 . 

735. De gou Peed fengt men opene Stal, de schleahte overall (loufe 
Madchere overall). 



Niemand. ^ Sieg. 8 ) himmelt. 4 ) Eupen. 5 ) Dorf im Kreis Eupen. 
6 ) Mit einer Handlung nicht einverstanden sein. 7 ) Uns. 

8 ) Lautete in friiherer Zeit: Fr6ch Posche, spia Posche, Posche egen 
Aprel. Bei W. Ill, S. 1157: 

Komm' d 1 Ostern, wenn sie will, 
So kommt sie doch im April. 
Spatestens am 25. April, wie es in diesem Jahre (1886) und davor zuletzt 
1734 der Fall war. An dieses Ereigniss kniipfte ein anderes Sprichwort den 
Weltuntergang: 

Wenn Osterruf auf Markus schellt, 
Antonius das Pfingstfest halt. 
Frohnleichnam auf Johannis fallt, 
Fiillt Wehgeschrei die ganze Welt. 
Zur Erklarung vgl. Picks Monatsschrift V, S. 249 und 493. 

9 ) Eunst. 10 ) Abends. n ) liest. 12 ) Trotz des Versprecbens, dich zu 
bessern, bist du wieder in die alten Fehler verfallen. 

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m Nf. Schollert 

736. E god Peed sockt men egene Stal, en e brav Madche egen Hus. 

737. E Pead, wat der Haver verdengt, kritt 1 em net. 

738. E versprauche 2 Pead, noch lang net agen Krepp 3 en steaht. 

739. E dol Pead ger6e 4 han. 

Er reit ein gecken pferd. F. T, Bl. 66b. 

740. Wenn et Pead de Krepp noh geaht, da doucht 5 et net. 

741. Peadszank en Modderehank, 
Hant net Eouh en Amelank 6 . 

742. Wea met Peich omgeaht, beschmiert sich de Hang. 

743. Der Peffer agen Nas han. 

744. Pefferleck, ich weas get. 

745. Penkteschong, Halfchensfoss 7 . 

746. Dea ess va de Penn 8 . 

747. Ene Pen ze vol (wenig) han. 

748. Dea ess op ene Pennek wie der Dtivel op en Siel 9 . 

749. Dea lett sich for ene Pennek en Briem dorichgen Pott trecke. 

750. Genge Pennek open Eebbe 10 han. 

751. Dea ess for der Percek 11 . 

752. Dobei sou 12 enge Petterzeli6 opene Kopp wasse. 

753. En de Petsch 13 sia. 

754. Petscht iich net, s& hat ene Jack a 14 . 

755. Loufe de Mander ovver Dag ouch de Kapellchere noh, des 
Ovvends k9nt doch jedderenge gear e sing Pfarkerch. 

Nindert 15 waere ein man baz dan da heime in siner pharre. 
Neidharfc 13,7 (bei Z. 112). 

756. De Piefe 16 vol han. 

757. Oevveral ess Ping, en jedder foilt 17 de sing. 

758. Placke 18 liert kraue. 

759. Oemmens open Plagge ligge. 

760. Wat men op de eng Platsch 19 lett 20 , fengt men op de anger. 

761. Get platt (blenk) schloan 21 . 

762. Alle Dag e Plocksche 22 , 
Ess op et Johr e Eocksche. 

763. Dat kont e Pobst Mond 23 . 



*) bekommt. ^ versprochenes. 8 ) Krippe. 4 ) geritten. 6 ) taugt. 6 ) Augen- 
blick, Zeit, Amen zu sagen. ^ Enge Schuhe, grosse Fiisse. *) von Sinnen. 
9 ) Seele. l0 ) Rippen. ") Lumbricus terrestris. 12 ) soil. 18 ) Klemme. 14 ) Seht 
euch vor, es ist ein Frauenzimmer. 15 ) nirgend. ia ) Luftr6hre. 17 ) fuhlt. 
18 ) Borgen. 19 ) Platz. 20 ) laset. 21 ) unterschlagen. 22 ) FlSckchen. 

* 8 ) Kommt zur rechten Zeit. Pobst Mond (haufig, aber missverstanden, 
Pobst Monk, d. h. Mund) der Monat, in welchem der Papst das Verleihungs- 



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Aacbener SprichwSrter und Redensarten. 195 

764. Schwigg, du Pockemanes, du hass niiis ze sage 1 . 

765. Dea hat et Pollever 2 ouch net erfonge. 

766. Noh der Pols foile 3 . 

767. Op de Ponk 4 lette 5 . 

768. Enge va Pontius noh Pilates schecke. 

769. Hea dreagt alle Dag sie Poschbeiste 6 . 

770. E Pottche vol Ongeloek 7 . 

771. Do sont de Poppen an et danze. 

772. De Poul treane 8 . 

773. Et ess gee Poulche esu kleng, et mlirt 9 sich at ens 10 . 

774. Alles agen Pozeklock 11 (gruosse Klock) hange. 

775. Dat ess ene Profiot, dea Bruod esst 12 . 

776. Der Profitt egene Hongsstal socke 13 . 

777. Dat ess ene Profittskriomer 14 . 

778. E Prongche 15 han. 

779. E Putschche 16 ohne Baat, schmat wie en Ei ohne Salz. 

780. Hiii Piitschchere en leek, morige Klopp 17 met ene Steck. 

781. De Quattel schloon 18 . 

782. Enge de Quent 19 sprenge duon. 

783. Quiselen en Beginge, sont net, wie se schinge. 

784. Dat racht 20 mich net. 



recht der hohen geistlichen Wurden hat. Bei dem Aachener Stiftskapitel 
scheinen vor 1400 dem Papst 8 Monate zugestanden zu haben. 1425 gab 
Martin V. nach abgelaufenem Quinquennium dem Stiftskapitel die Alternative 
wiederum auf 5 Jahre, wie aus dem Katalog der Pfriinden des Miinster- 
stifts hervorgeht. 1409 erhielt Amand de Malcamp einePrabende vi precum 
imperialium, und dies das erste Mai. Alle Ernennungen mussten fibrigens 
vom Papste bestatigt werden. Martin V. hatte auch Regeln fur die Wahlen 
aufgestellt; so musste z. 8. der, welcher sein Kanonikat vertauschte, den 
Andern 20 Tage iiberleben. (Vgl. Kur- und Fremdenblatt f. Aachen und 
Burtscheid 1883, Nr. 69.) Jetzt verleiht der Papst nicht nur die Propstei, sondern 
auch die in den Mouaten Januar, Marz, Mai, Juli, September und November 
zur Erledigung kommenden Kauonikatsstellen des Aachener Kollegiatstifts. 

J ) Pockemanes = Pockenhcrmann. Die Redensart besagt: Schweig nur, du 
Dummkopf, auf deine Worte legen wir kein Gewicht. Vgl. Picks Monats- 
schrift V, S. 254. 

*) Pulver. *) Einen auszuholen versuchen. *) Punkte. 8 ) achten. 
6 ) Osterkleid, hier das beste. ^ Ein hiibsches Frauenzimmer. 8 ) Zur Bezeich- 
nung miissigen Herumschlenderns ; vgl. Nr. 851 und 896. 9 ) triibt. 10 ) schon 
einmal. ir ) Glocke im Marktthurm des Rathhauses, die bei Oeffnung und 
Schliessung der Stadtthore gelautet wurde. 12 ) Prophet ohne Bedeutung. 
l8 ) suchen. u ) Der uberall seinen Vortheil sucht 16 ) Ersparniss. ,6 ) Kusschen. 
17 ) Schlage. 18 ) Zu Grunde gehen, Bankerott machen. 19 ) Quinte. 20 j beruhrt. 

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196 M. Schollen 

785. Schnuvv 1 dich die Radies 2 , da hass de et grongt en ouch et 
griest 

786. Eng Rav 3 beckt de anger gean Ogg us. 

De eine kreie en bit der anderen nein oge ut. T. Nr. 333. 

787. Reeht 4 hass de, schwigge moss de. 

788. Reahts ess der niekste Weig 5 . 

789. Got regiert sia. 

790. Alle Reime ze Boa 6 steUe. 

791. Wo me net recke 7 ka, sou me va dann blieve. 

Daz iuch niht vervahen kan, 

daz lat: daz ist mtn lere. Klage 876 (bei Z. 110). 

792. Wo et ess ommer ewe reng 8 , do ess de Nahrong gereng. 

793. Wie e Renk 9 bloue. 

794. Zeleis kont et ouch a der Rottmester. 

795. Hea resMert alles, wie en Flegg op ene Pott. 

796. Mea wead iahder stief 10 wie riech. 

797. Hea let alles Robbe Bere sia. 

Man muB biBweilen Ruben lassen Bieren seyn. L. S. 226, Nr. 18. 

798. Der neutste 11 Roath wesse welle. 

799. Der leiste Rock a han. 

800. Et Rocksche gedrient han 12 . 

801. Ene breie Rock han. 

Er (Jch) hat (hab) eynen breyten rucken. A. Nr. 170. 

802. Engen egen Rock stoahn. 

803. Worn net ze roanen 13 ess, dom ess ouch net ze helepe. 

804. Hea ess an et rosele 14 . 

805. Mager wie en Roatsch 15 . 

806. Dea bengt sich en Rou 16 for sing eige Fott. 

Mennych maket ene roden to syneme eghen sterthe. P. c. no. 492. 

807. Je nohder bei Rum 17 , je schleahter der Chress. 

808. Ruschen en ttische ^ 8 , get (maht) fleddige Busche 19 . 

809. Der enge verliebt sich en e Ruseblatt, der angeren en en 
Kouhflatt. 

Die Liebe felt so bald auff ein Dreck als auff ein Rosenblat. 
L. S. 40, Nr. 42. 

810. An dom ka men ene Rusekranz astrieche. 



*) schnupfe. 2 ) Radiescben. 8 ) Rabe. 4 ) Recht. •) nachste Weg. •) Bord. 
*) reicben. 8 ) eben rein. 9 ) Rind. 10 ) steif. ll ) genauesten. ir ) Von einem 
Konvertiten. 1S ) ratben. 14 ) verrQckt. 16 ) Honigzelle. 16 ) Rutbe. 17 ) Rom. 
18 ) Handeln und tauschen. 1V ) Zur Erklarung vgl. Peters im Korrespondenz- 
blatt des Vereins f. niedevdeutsche Sprachforscbung X (1885), S. 11, Nr* 12. 



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Aachener Sprichwfirter und Redensarten. 197 

811. En der lange Rusekranz gereit weede 1 . 

812. Dat ess marr en Rut 2 us en Fenster 3 . 

813. For get der Sack lappe mosse 4 . 

814. Me bengt ene Sack wal zou, ioh 5 hea vol ess. 

Me bynd menuyghen sack to, de nycht vul is. P. c. no. 478. 

815. Wea sich net satt esst, dea leckt sich ouch net satt. 

816. Jedder hoit 6 sich for singe Scha 7 . 

817. Wea der Scha hat, brucht for der Spott net ze sorige 8 . 

Der schadehafte erwarb ie spot: 

saelden pflihtaer dem half got Parz. 289,11 (bei Z. 128). 

818. De Schampschong 9 usduon. 

819. Get en de Schanz schesse 10 . 

820. E besche schef ess engelsch 11 . 

821. Op (en) singe Schek sia 12 . 

822. Schelegge 13 Geald, Schelegge Meisse. 

Copperen gheld, copperen selemysse. P. c no. 153. 

823. Ene Schelm egene Mau han. 

824. Wenn Schelm en Deiv sich kiefe, dann kritt enen ihrlige u 
Mann sie Peed wier. 

Schiilte ein diep den anderen diep, 

daz waere ir nachgeburen 16 Hep. Fr. S. 109. 

825. Sich en bloa Scheon 16 a get stosse 17 . 

826. Ya scheniere ka me stereve. 

827. Schepp en Giiis leove 18 . 

828. Get en e Schierenog 19 hange losse. 

829. Dea ess net op Schipp 20 . 

830. Gear bei e Schlafitche sia 21 . 

831. Net a Schlag komme konne 22 . 

832. Schlagbedrags-Trauch 23 , 
Hat get agene Knauch 24 . * 



x ) Verheirathet werden. 2 ) Fensterscheibe. 8 ) Von dem Ableben eines 
Junggesellen. 4 ) Fiir Anderer Fehler verantwortlich gemacht werden. 6 ) ehe. 
*) hiitet. 7 ) Schaden. 8 ) sorgen. 9 ) Schamschuhe. 10 ) Bewirthen mit der 
Nebenabsicht, etwas dadurch zu erreichen. 

n ) Die Redensart wird zwar auch auf Schiefgewachsene, aber vorherr- 
schend dann angewandt, wenn Jemand sagt, dass ein Kleidungsstiick oder 
einem Frauenzimmer der Haarscheitel schief sitzt. Vgl. auch W. IV, S. 161. 

12 ) In seiner Ordnung sein. 18 ) Schilling. M ) ehrlicher. l8 ) Nachbarn. 
16 ) Scbienbein. 17 ) Von unvortheilhaft-em Einkauf. 18 ) Im Ueberfluss leben. 
19 ) Scheerenauge. 20 ) Die Arbeit geht nicht von der Hand. 21 ) Gem ein Vei- 
gniigen mitmachen. 22 ) Eine Bemerkung nicht anbringen oder ein Anliegen 
nicht vortragen kSnnen. as ) eine dumme, faule Person. 24 ) Enochen. 



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198 M. Schollen 

833. Ne Schlech 1 a get han. 

834. Net op ene Schlupp 2 avgemolt welle sia. 

835. Dat ess dat, sat Schniack, du schlog hea de Frau egen Nack. 

836. B& ene Schmedt hengt gau de Dor en ene Tur 3 . 

837. Et ess beister ene Schmedt als e Schmedtche. 

Es ist besser bei dem schmid, dann bei dem schmidlin zu be- 
schlagen. F. II, Bl. 154 a. 

838. Du bess noch net langs Schmetzbackes 4 . 

839. Wea got schmiert, dea got fahrt. 

Wer schmirt, der fert. F. II, Bl. 170b. 

840. Schmiesrean 5 en Lappeschold 6 drengt dorich. 

841. Wea schnappt, dea hat. 

842. Schneit et en der Dreck, da friist 7 et, dat et backt. 

843. Wo ess der SchniG va ze Johr 8 ? 

844. Schnie 9 dich net 10 . 

845. Singe Schnuff 11 a get han. 

846. Enge koot schnuwe losse 12 . 

847. Der enge schert de Schoof 13 , der angere de Ferekens. 

In hoc enim est verbum vernin: quia alius est, qui seminat, et 
alius est, qui metit. Job. 4,37. 

848. Schockenier 14 marr met Gemach, 
Morige kont ouch noch ene Dag. 

849. Mia Schold wie Gedold han. 

850. Me moss de au Schong net iahder futsetze, bess men e Par 
noie hat. 

Alte Schuh soil man nicht hinwerffen, man hab dann newe. L. 
S. 19, Nr. 36. 

851. Au Schong mache 15 . 

852. Der Schopp 16 (Puss) krigge. 

853. Hea riiicht noh de Schopp 1 *. 

854. Do ka der Schoresteon net va roiche 18 . 

l ) Gewandtbeit. 2 ) abgetragener Schuh. *) Thiirangel. 

4 ) Eine wohl aus Koln heriibergekommene Redensart. Dort war namlich 
das auf der Severinstrasse gelegene Backhaus von Schmitz das Ziel fiir die 
zum Gassenlaufen Verurtbeilten, wahrend der Redensart fiir Aachen eine ahn- 
liche Grundlage mangelt (vgl. We y den, Koln am Rhein vor fiinfzig Jahren 
S. 206). In Koblenz lautet sie: Da es noch lang net langs Frettehaus 
(Wegeler, Koblenz in seiner Mundart S. 97). 

6 ) Staubregen. 6 ) kleine Schulden. 7 ) friert. 8 ) vom vorigen Jahr. 
9 ) schneide. 10 ) Sei nicht zu siegesgewiss. u ) Vortheil. 12 ) Mit langer Nase 
abziehen lassen. 13 ) Schafe. 14 ) Sticheln. 16 ) Dieselbe Bedeutung wie Nr. 772. 
16 ) Stoss mit dem Fusse. 17 ) Schaufel; von kranklichen Leuten. 18 ) rauchen. 



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Aachener Sprichworter und Redensarten. 199 

855. Dat schott dea av wie der Honk der Rean 1 . 

856. Du hass ene goue Schotzehgel gehat. 

Du hast einen gutten Engel gehabt F.-L. S. 207, Nr. 595. 

857. Dat geeht ovver de Schroam 2 . 

858. De niingde 3 Schuol studiert ban. 

859. Do schullt get henger 4 . 

Vestigia me terrent. Hor. Ep. 1, 1,74 (bei B. no. 1842). 

860. Wenn au Schlire 5 afange ze brenne, da ess geo leische 6 mio. 

861. Hea esst wie ene Schuredreischer 7 . 

862. Get schwazz op wiss han. 

863. Schwiggen en denke, ka noramens kranke. 

Schweigen vnd dencken kan niemand krencken. F. II, Bl. 88a. 

864. E Seal 8 trecke. 

865. Selv 9 eissen ess et beiste Krut. 

866. Selv 10 ess e got Krut, dat wast e malligs 11 Gade net. 

Selb ist ein gut kraut, es wechfit aber nit inn alien gar ten. F. 
II, Bl. 94a. 

867. Selvmache-Doch ess et beiste. 

Wer wil das jm gling, der schaw selb zu seim ding. F. I, 
Bl. 18a. 

868. Der eschte Sen 12 ess der beiste. 

869. Mensche Sen ess Mensche Leave, 

Wo et op fellt, do blievt et op kleave 13 . 

870. Senke losse, sat der vollen Antun, du feil hea bei Fenger noh- 
gen Kellertrapp erav 14 . 

871. Wat sio sal, dat scheckt sich wal. 

872. Enge get open Sial 15 gewe. 

Ich gib dirs auff dein seel oder gewissen. F. II, Bl. 18 b. 

873. Nu hat die arm Sial ouch Rouh. 

874. Op de SchweU goahn 16 . 

875. Dat litt dre, sat der vollen Antun, du log hea egen Siev 17 . 

876. En jedder et singt 18 , da kritt der Duvel niiis. 

877. Wea net sitt, dea ess blenk 19 . 

878. Wea net sitt, wenn hea gelt, dea sitt, wenn hea gegolde hat. 

879. Jedder sorgt for sich, Gott for oss allemol. 

Ein ieder fur sich, Got fur vns alle. F. II, Bl. 72b. 

x ) Regen. 2 ) Kreidestriehe. 8 ) neunte. 4 ) Dahinter steckt etwas. 
5 ) Scheune. 6 ) Loschen. 7 ) Drescher. ^ Seil. 9 ) Wortspiel Salbei und selbst. 
10 ) selbst. n ) Jedermann8. 12 ) Sinn. 18 ) kleben. u ) Der „vollen Antun" 
war ein stets betrunkener Sonnenbruder ; das Wirthshaus von Finger die 
jetzige Bavaria. 18 ) Seele. 16 ) Den Bauern das Obst von den Baumen st9hlen. 
17 ) Gosse. 18 ) das Seinige. 19 ) bUnd. 



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200 M. Schollen 

880. Do ka me net witt 1 met sprenge. 

881. Et ka beister van en Stadt av wie van en Dorp. 

882. Dat steoht esu fass 2 wie et Stadthus. 

883. Stank for Dank. 

Wer eynem andern dienet, der gedenck nicht, daB mans yhm 
dancken werde. A. Nr. 375. 

884. Engen ongergene Steck han 3 . 

885. Engen e Stecksche vor get steiche 4 . 

886. Et steoht es sich genge beister, als dea es sich got steoht. 

887. Steohle maht lang Keohle 5 . 

888. Wea welt steehle en net hange, 

Dea kont noh Oche 6 en let sich fange 7 . 

889. Hea steohlt der Mester de Zitt en ose Hergott der Dag av. 

890. En Steifmodder maht ouch ene SteifVadder 

Stieffmutter, stieffuatter. P. I, Bl. 89 b. 

891. Hea helt sich net esu lang stell, als e Hon e Koon 8 opbeckt. 

892. Dat feil op ene heosse 9 Steon. 

893. Ene Steon ege Brett han 10 . 

Ich hab eyn guten steyn im brette. A. Nr. 418. 

894. Zwei hell Steng, mahle salde reng. 

Zwene gliche herte stein e 
maleut selten reine. Fr. S. 186. 

895. Dom bes6nt n de Steng net mio. 

896. De Steng frisire 12 . 

897. Wea welt selig stereve, <Jea let de Giider an de reohte Ereve. 

898. Proch stereve, verdereven of geng Ereve 13 . 

899. Et steoht dich open Stier 14 geschreove. 

Efficiunt tetrum teterrima crimina vultum. B. no. 396. 

900. Genge Still 15 halde 16 . 

901. Engen op et Stippche krigge 17 . 



x ) weit. 2 ) fest. 8 ) im Respekt halten, beherrschen. *) Hinderniss in 
den Weg legen. 5 ) durchs Hangen. 6 ) Aachen. 7 ) Vgl. Oppenhoff in der 
Zeitschr. des Aach. Geschichtsvereins VI, S. 55, Anm. 25. 8 ) Korn. 9 ) heiss. 

10 ) A. Nr. 418 gibt folgende Erklarung: „Das ist aber eyn Deutsche 
Metaphora, wer auff dem spill eynen gutten bund im brette hatt, dariiber ein 
ander sein steyn e spilen muG, der hatt das spil halbs gewunnen. Also auch 
wer vor grossen Herren vnd Radten zu schaffen hatt, vnd hatt yemand, der 
sein sach trewlich fordert vnd treibet, der hat eynen gutten steyne im brette, 
einen gutten freundt, der ym zu seiner sachen redt vnd hilffet." 

n ) besehen. 12 ) Dieselbe Bedeutung wie Nr. 772. 13 ) Vom Heirathen 
ins Blut. 14 ) Stirn. lfi ) Pfosten. 16 ) Keine Ordnung halten. 17 ) Jemand zum 
Besten haben. 



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Aachener SprichwSrter und Redensarten. 201 

902. Stief stooch sia \ 

903. E gruass Stock op enge haue. 

904. Sich op sie Stock haue. 

905. Wea Stockfeschrente hat en esst Laberdoan, dea kont net do 
(dom stosse de Grane op). 

906. Enge der Stopp 2 usgen Ogge bloase. 

907. Der Stoss 3 deile 4 . 

908. Oemmens der Stoul vorgen Dor setze. 

909. Op der Strech van eng Uhr sia 5 . 

910. Me moss sich strecke noh sing Decke. 

Streck dich nach der deck. F. (Ausg. von 1532) Bl. 100a. 

911. Dorichgene Stropp gefalle sie 6 . 

912. Dea ess esu frech wie Stroassendreck. 

913. Me sockt genge henger ene Struch, of me hat selvs derhenger 
geleage. 

914. Wenn Striih en Fiir zesame komme, da ess gea leische mia. 

Swa fiur ist bi dem strd, 

daz brinnet lihte, kumt ez sd. Fr. S. 178. 

915. Enge der Stutz 7 schnigge. 

916. Wea zom Sttiver gebore, sal net an en Mark komme. 

Swer z'eime helblinc ist erborn, 

wirbt der nach zwein, er ist verlorn. Fr. S. 169. 

917. Wat me spart for der Monk, 
Fresst Katz of Honk. 

918. Speck en Schwaat van engen Aot. 

919. Wea vol egene Speggel kickt 8 , henger dom steoht der Dtivel. 

920. Do. ess Spoi 9 dra. 

921. Spoit 10 net egen Hligde 11 , sons felt et iich open Nas. 

Qui in altum mittit lapidem, super caput ejus cadet. Eccles. 27,28. 

922. Sprochwoad, Worwoad. 

923. Hea stiit net vol 12 . 

924. A get net tippe 13 konne. 

925. Dat ess angere Thie wie Kaffie 14 . 



*) Sehr geputzt sein. *) Staub. 8 ) Stoss. 4 ) Beim Kauf von Waaren 
die iiber den zu zablenden Preis streitige Summe zwischen An- und Ver- 
kaufer theilen. 6 ) Gegen 1 Uhr sein ; wird von alien Stunden gesagt. 6 ) Dem 
Galgen entlaufen sein. 7 ) Haarzopf. 8 ) sieht. 9 ) Speichel. 10 ) Spuckt. 
n ) Hohe. 12 ) Es lasst sich nicht viel lliihmliches von ihm sagen. 1S ) riihren. 

14 ) Eine Bekraftigungsformel, die man gebraucht, wenn der Handlung 
eines Dritten Beweggrunde untergeschoben werden, die ein Anderer nicht 
nur sofort zu widerlegen, sondern deren Gegentheil er sogar zu beweisen in 
der Lage ist. 



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202 M. Schollen 

926. Met de Nas wier zent Tolbet loufe 1 . 

927. Zent Tonnes brengt Is of brecht Is. 

928. Ich leog et dich open Trapp 2 . 

929. Met de Tromm gewonne, met de Flot verspeolt. 

Luttyk ghewunnen, luttyk vorlaren. P. c. no. 459. 

930. Geng Truff 3 e han 4 . 

931. Ttit 5 noch Bios 6 derva wesse 7 . 

932. Ttite drione goohn 8 . 

933. Die Uhr geoht met der Kolbet 9 . 

934. Lenk Ur, klenk Ur 10 , 
Beoht Ur, schleoht Ur. 

935. Noh en Ur er6n, noh et angert erus. 

Es gehet dir zu eynem oren ein, zura andern wider auG. A. 
Nr. 152. 

936. De Ure stief 11 haue. 

937. Get hengergen Ure schrieve. 

938. Et fusdeck 12 hengergen Ure han. 

939. Et loift met dom urus 13 . 

940. Me moss sich net iahder usduo 14 , bess dat me schloffe geeht. 

941. Ussieh wie en avgebrankt 15 Dorp. 

942. Dea sit us wie der Duod van Ipes 16 . 

943. Dea vergeoht sich wie der Mann a Marschierstevig 17 . 

944. Ene magere Yergliech ess beister als ene fette Prozess. 

945. Hea ess verhasst wie kuo Busche. 

946. Wea sich op dich verlett 18 , dea ess gekollt 19 . 



*) Die Adalbertskirche bildet mit der Adalbertstrasse einen fast rechten 
Winkel, woher wohl die Redensart, die iibel anlaufen bedeutet, entstanden 
sein mag. 

*) Spottische Abweisung eines Ankaufers, wenn er bedeutend unter dcm 
Werthe bietet. 8 ) Trumpf. 4 ) Muthlos sein. 5 ) Diite. 6 ) Papierblase. 7 ) Nichts 
davon abwissen. 8 ) Geschaftiger Miissiggang. 9 ) Am Kolbert heisst im Volke 
der untere Theil des Biichels; hier wohnten friiher die Lombarden. Ob mit 
ihnen vielleicht das Sprichwort, das ein schlechtes Gehen der Uhr bedeutet, 
zusammenhangt ? 10 ) klingendes Ohr. u ) steif. 12 ) faustdick. 18 ) Es rappelt 
bei ihm. 14 ) auskleiden. 16 ) abgebranntes. 

16 ) Ypern, Stadt in Belgien. Ein in Stein gehauener, schauerlicher, etwa 
6 Fuss langer Tod in der Hauptkirche daselbst. In der Grafschaft Mark 
heisst es: Ha suht ut as de Daud fan Ipen (diirr und elend). Auch in der 
Schweiz ist der Tod von Ypern sprichwortlich. To bier, Appenzellischer 
Sprachschatz : Ussigwie der von Ipern. In Niirnberg hat man dafur denTdud 
von Forchem. W. I, S. 201. ") Marschiersteinweg. 18 ) entlasst.. 19 ) an- 
gefuhrt. 



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Aachener Sprichwflrter und Redensarten. 203 

947. Ich gevv mich op Verloif 1 . 

948. Met Verloif 2 , mache de Bure de Hoif. 

949. Met Verloif ohne Knoif 3 . 

950. Versiehn ess verspealt 4 . 

Versehen ist das best auffm spiel. A. Nr. 121. 

951. Noh der Versparer kont der Verzehrer. 

Na einem sparer kumt ein slomer. T. Nr. 829. 

952. Vol verspreichen en wenig haue 5 , deat de Gecken e Freude leave. 

Nubes et ventus et pluviae non sequentes vir gloriosus et promissa 
non complens. Prov. 25,14. 

953. Dat geaht mich e Luath bovver 6 et Verstank. 

954. Nun ess et vetzig 7 . 

955. Glieche Vieh, dat leckt sich gear 8 . 

956. Dat ess ene Vocatives 9 . 

957. Vogel, die froch senge, kritt de Katz. 

Lachen defi Morgends, defi Abends das weinen. L. S. 206, Nr. 5. 

958. De Wach asage. 

959. Hea spoit net egene Wachelter 10 . 

960. Dorop ess got waade, evvel net got faste. 

961. Usge Warek egen Sarek 11 . 

962. Kranke Wagels gont et langste met. 

963. Wea de Wahl hat, hat de Qual. 

964. Wenn men afengt an de Wang 12 , da hat et gau en Engt 13 . 

965. Gou War litest 14 Feinds GeaJd. 

966. Dat wor Wasser open Molle. 

967. Net esu vol wead sia wie Dreck agen Schong 15 . 

968. Vor et Wear speale 16 . 

969. Dat ess wie ene Week ege Backes. 



*) verloren. ") Erlaubniss. 8 ) Ohne Komplimente. 

4 ) A. bemerkt dazu : „Denn der da gewinnet kompt das versehen eines 
andern zu gut. Es sind etliche spiel also gethan, das es autf eineoi versehen 
stehet, als wenn zween das schachtspiel wol konnen, so ists vmb ein versehen 
zu thun, dafi einer dem andern zuuil einreumet vnd verleuret, Also auch im 
bredt vnd auff der karten, dafi er zum stich ein blat behalten solt, vnnd 
wurffet es weg, da durch er sonst das spiel gewunnen hette, wo er das blat 
behalten hette." 

6 ) halten. 6 ) iiber. ^ vierzig. 8 ) Das Sprichwort hat seinen Ursprung 
in der Gewohnheit der Kalber, sich gegenseitig abzulecken und bedeutet die 
wechselseitige Lobhudelei Gleichgesinnter. 9 ) Ueberkluger. 10 ) Wachholder- 
branntwein. ") Sarg. 12 ) Wanden. 1S ) Ende. 14 ) lost. 18 ) Schuhen ; vgl. 
die Aachener Marseillaise, wo die Redensart Verwendung fand. 16 ) zuvor- 
kommen. 



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204 M. Schollen 

970. Enge wecke 1 . 

971. Net alle Weg sont Kercheweg. 

972. Ne geore Weig ess genge feere 2 Weig. 

973. Enge op ene goue Weig brenge. 

974. Beister en de wie 3 Welt, als en der enge Buch. 

975. De Welt ess voller Ping 4 , en jedder kennt de sing. 

976. De Welt vermihre, der Hommel 5 ziere 6 . 

977. Su geoht et en der Welt: 

Der enge hat der Bull, der angere hat et Geald. 
So gehets in der Welt zu: 
Einer gehet Barfufi, der ander tragt die Schuhe. L. S. 324, Nr. 84. 

978. En de Welt geschorigt 7 sie 8 . 

979. Met der goue Well vorldif nemme. 

Guot wille vor in alien gat, 

der anders niht ze gebenne hat. Fr. S. 168. 

980. Oem zent Gelles 9 geeht Keiser Kal noh et Wengterquartier, 
om Christi Hommelfaot kont hea wier erus 10 . 

981. B& stell va Wenk ess et got Hafer siene 11 . 

982. Der Wenk open Rock han 12 . 

983. Nasse Wenkter 13 get ene fette Kerechef u . 

984. Wenn hat lang Ure. 

985. Nornbergisch Werk, wal gemaht en net ze stark. 

986. Van et Wereke stereve de Bure de Peed. 

987. Wereke wie ene Wouf 15 . 

988. Wat me net wess, maht enge net heess. 

989. En Wettfrau ohne Kenk, 
Dat ess e lecker Denk. 

990. Dom ka me wies mache, dat ose Hergott Petter heescht 16 . 

991. E fleddig Wiev ess en gou Hushaldersche 17 . 

Ein lelik wyf is ein gut inhodersche. T. Nr. 807. 



*) aufrutteln. 2 ) ferner. 3 ) weite. 4 ) Pein. 8 ) Himmel. 6 ) Zweck des 
Heirathens. ^ mit dem Schiebkarren fahren. 8 ) Sich dumm anstellen. 9 ) St 
Aegidius. 

10 ) Bedeutet, dass urn diese Zeit, 11. September, die kiihlere Jahreszeit 
beginnt. Vgl. W. I, S. 1689. 

n ) saen. 12 ) Die grossten Anstrengungen iiberwunden haben. 18 ) Winter. 
14 ) Kirchhof. 15 ) Wolf. l6 ) heisst. 

l7 ) F. II, Bl. 40a: „HeBliche Weiber seind gute hauBhalterin" mit der 
Erklarung: „Die natur, ein mutter aller ding, hat nicht on sondere gab vnnd 
nutz verlassen, hats schon etwa einn an eim versaumpt, so hats in eim an- 
dern ersetzt. Der ist klein von leib, aber eins grossen verstands, Der klein von 
person, aber von hertz ein mann, Der vngestalt, aber sch6n von gemiit. Also 



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Aachener Sprichwtirter und Redensarten. 205 

992. E vol Wiev ess enen Engel ege Bett. 

993. Toschen oss 1 gesat, sage de klafe Wiever. 

994. Wieverless 2 ntiis verborgen ess. 

Omnis malitia nequitia mulieris. Eccles. 25,17. 

995. Dea net wogt, dea net wennt. 

De nicht en waget, de en wint 6k nicht. T. Nr. 131. 

996. Egen Woll gefarvt sio. 

997. Ess der Worep 8 us der Hank, dan ess hea en Diivels Gewalt. 

Ein Wurff auO der Hand, ist ins Teuffels Hand. L. S. 83, Nr. 77. 

998. Got va Worep sio 4 . 

999. Hea sat enge de Worret 5 wie en Tatter 6 . 

1000. Geol wie en Tatter 7 . 

1001. Kenger en Volede 8 sage de Worret 9 . 

Toub liut und kind und trunken man 

miigent kein heimlicheit beban. Boner 97,89 (bei Z. 65). 

1002. Der Wouf verlusst wal sing au Hoare, marr net sing au Kramp. 

Der Wolf verandert nur die Haar, 

der untreuw Sinn bleibt immerdar. Rollenhagen, Froschmausler. 

1003. Su oat wie der Wouf ag6 Monster 10 . 

1004. Wenn der Wouf egene Stall gewes ess, deot me de Dor zou. 

1005. Dea hat met en Woosch noh en Sie 11 Speck geworepe. 

Wer einem andern etwas schencket, der wirfft jui ein Bratwurst 
an ein Backen. L. S. 473, Nr. 258. 

1006. Hea nommt 12 mich et Woed 13 usgene Monk. 

1007. Ich han et Woad open Zong ligge 14 . 

1008. Ich schlon dich met ding eige Wood. 

Er fieng yhn ynn «ein eygenen wortten. A. Nr. 190. 

1009. Dat steaht wie en Zang op e Pereke 15 . 

1010. De Zang 16 noh get wassere mache. 

1011. Froch Zang, froch Hang 17 . 

1012. Sich de lackesche Zank ustrecke. 

1013. Zang ustrecke losse en Geald usgevve, deat me net gear. 

1014. Nuis op der Zank krigge. 

1015. Zankping, Hankping. 

was sie an eim ort nimmt, gibt sie am andern, was sie dem Hanen am kamp 
nimpt, gibt sie jm am schwantz, Der ist bucklet, aber beredt." 

x ) Unter uns. 2 ) Weiberlisi «) Wurf. 4 ) Starker Esser sein. 6 ) Wahr- 
heit. 6 ) Zigeunerin. ^ Vgl. Korrespondenzblatt d. Ver. f. siebenb. Landes- 
kunde 1878, S. 26. ^ Betrunkene. 9 ) Wahrheit. 10 ) der wahrscheinlich aus 
rdmischer Zeit stammt. 1V ) Seite. 12 ) nimmt. *•) Wort. 14 ) Bei augenblick- 
licher Qedachtnissschwache. 16 ) Passt wie eine Faust aufs Auge. 18 ) Zahne. 
17 ) Hande. 



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206 M. Schollen 

1016. Zwei ess e Paar, en drei sont e Kott 1 . 

1017. Zenterklos 2 , setzt de Dag op de Moess 3 . 

1018. Zevol 4 ess zevol. 

1019. Zevol ess ongesonk. 

Alto vele is nycht ghenochlyck. P. c. no. 65. 

1020. Engen op ene Zion 5 treone 6 . 

1021. Alles zou singer Zitt en Bockeskoch 7 egen Hervs 8 . 

Omnia tempus habent. Eccles. 3,1. 

1022. Dea weod vor de Zitt gries. 

Sorge machet grawez har, 

8us 9 altet jugent ane jar. Fr. S. 119. 

1023. Dea beit enge net de Zitt va der Dag. 

1024. De Zitt vergeeht, de Ketz verbrennt, der Jan en welt net 
stereve. 

1025. Met der Zitt kont Jan en et Wamesch 10 . 

1026. Wea net kont ze reohter Zitt, dea moss eisse, wat ovvrig 11 
blievt. 

Es stehet geschrieben : dass Sechs oder Sieben 

Nicht sollen harren vff einen Narren, 

Sondern essen, vnd des Narren vergessen. Zinckgrefen S. 193. 



Anhang. 

Aachen und die Aachener im Munde des Volkes. 

Aachen kann sich, in soweit es der Gegenstand von Sprich- 
wortern und des Volkswitzes geworden ist, nicht entfernt mit Koln 
messen, das bekanntlich in uberaus vielen Sprichwortern eine Rolle 
spielt 12 . Immerhin fehlt es aber audi nicht an originellen, auf Aachen 



J ) Ein Haufe von Menschen oder Sachen. 2 ) St. Nikolaus. 8 ) Mass. 
4 ) zuviel. 5 ) Zehe. 6 ) treten. 7 ) Buchweizenkuchen. 

8 ) Herbst. A. Nr. 399: „Die zeyt gibts" mit der Erklarung: „Wenn wir 
yemandt fragen, wie hast du dich heiitte also geschmuckt? Item, wie bist 
du so gutter ding? Wie singest du vnd springest du heiitte also? So ant- 
wort er: Die zeit gibts. die zeit bringets, Ich bin eyn hochzeytman, ich will 
gefattern stehen, ich thu es den frommen leutten zu gefallen, vnd ftiret die 
zeit zur entschuldigung, als sey es recht gethan, zu gelegener zeit singen, 
springen, schmucken kleyden, vnd alles was man thut, welches sich zu eyner 
andern zeit nit wol ley den mSchte." 

9 ) auf diese Weise. 10 ) Wamms. u ) ubrig. 

") Vgl. Zeitschr. des Berg. Geschichtsvereins XI, S. 107 f. ; Die Heimath 
II, S. 152; Niederrhein. Geschichtsfreund III, S. 51; W. II, S. 1464.. 



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. Aachener Sprichworter und Itedensarten. 207 

sich beziehenden Sprichwortern ; dass es dabei mitunter libel weg- 
kommt, selbst in solchen, die an Ort und Stelle entstanden zu sein 
scheinen, kann nicht Wunder nehmen. Dieselbe Erscheinung kehrt 
audi anderwarts wieder, der Volkswitz musste eben getibt werden, 
ware es selbst auf Kosten der eigenen Heimstatte. 

1. Aachen ist des deutschen Reiches Haupt 1 . 

2. Aachen und Koln sind nicht an einem Tage gebaut. 

3. Aachen und Koln werden nicht an einem Tage zerschelTn. 

4. Aken en Keulen net to gelijk. 

5. He loppt van Aken na Koln 2 . 

6. In Aachen gekront, in Rom gehohnt 3 . 

7. Dat geschucht, wenn der Diivel van Oche kont 4 . 

8. Man findet manchen Tropf, der nicht nach Aachen kam. 

Me vynd raennyghen dwas, de nu to Aken quani. P. c. no. 464. 

9. So sg&f 5 as de w&ig na Aken 6 . 
10. Wa van Liik geet onbelooge, 

Van Oche onbedrooge. 

Van Dure ongespott, 

Da geet noh Kolle on loff Gott. 



*) Mitgetheilt aus der „Deutschen Romanzeitung" 1866, Nr. 40, S. 391, 
bei W* V, S. 685 mit dem Zusatz: „Auch das neue Rom genannt," Vgl. 
auch Meyer, Aachensche Geschichten I, S. 4. *) Um Recht zu finden oder 
um zu betteln. W. V, S. 686. s ) Von dem Unbestand menschlichen Beifalls. 
W. I, S. 1, wo auch die Sprichwdrter 2—4 mitgetheilt sind. 

4 ) Bei A. Nr. 301 : „Das wirt geschehen, wenn der Teuffel von Ach 
kumpt" mit folgender Erklarung: „Das ist, [es wirt nymmermer geschehen. 
Zu Ach ist ein grosser thurn in der Statmauren, genent Ponellenthurn, 
darinne sich der Teuffel mit vil wunders, geschrey, glockenklingen, vnnd 
anderm vnfug offtmals sehen vnd horen lest, vnnd ist die sage, er sey hinein 
verbannet, vnd da muG er bleiben bifi an den jungsten tag. Darumb wenn 
man daselbs von vnmoglichen dingen redet, so sagt man, Ja es wirt gesche- 
hen, wenn der Teuffel von Ach kumpt, das ist nymmermehr." Nach Woeste, 
Worterbuch der westfalischen Mundart unter Aken = ich weiss nicht wann. 
Ueber den Ponellenthurm s. Noppius, Aacher Chronick (1632) Th. I, S. 16. 
6 ) schief. •) SprichwOrtliche Vergleiche aus der Grafschaft Mark in From- 
manns Vierteljahrsschrift V, S. 162. Vgl. auch Woeste a. a. 0. unter 
Aken. Die Wege nach Aachen mussen friiher stellenweise in schauderhaftem 
Zustand gewesen sein. So berichtet z. B. J. F. K. Grimm (Briefe eines Rei- 
senden iiber seine in den Jahren 1773 und 1774 unternommenen Reisen durch 
Deutschland u. s. w.) von der Strasse von Spaa, dass sie bei Aachen „ausserst 
bose werde, da man tief hinunter in das Thai mlisse ; die Strasse gehe so steil 
einwarts und sei so voll HOhlen und Locher, dass man recht gute Pferde und 
einen starken Wagen brauche, um fort zu kommen, zumal da sie nie recht 
trocken zu werden scheme". (Vgl. Echo der Gegenwart 1886, Nr. 181, Bl. I.) 



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208 M. Schollen, Aachener Sprichworter und Redensarten. 

11. Su blaaresig 1 wie 'ne Oecher. 

12. Oecher Went en Lticker Bloht 
Deet kehnem Julicher goht 2 . 

13. Noordenwind, 
Akens kind, 
Lucks bloed, 

nooit deed zulks goed 8 . 

14. Du maus 4 et gewont waren as' et Kattken von Aken. 5 

15. Kaiser Karls warmes Bad 

1st des Einen Nutz, des Andern Schad 6 . 

16. Oecherhei 7 , Aermod&i, Beddelei. 



*) ausgelassen, schreiend. *) Nr. 10—13 mitgetheilt bei Werners, 
Diirener Volksthum von Fischbach und van der Giese S. 6 und 38. 

») Aus Harrebom^e (II, Bl. 130a) mitgetheilt bei W. Ill, S. 1043. Bei 
Simrock, Die deutschen SprichwOrter, 2. Aufl. S. 3 lautet es: 

Nordwind, 
Achner Kind, 
Liitticher Blut, 
Thut selten gut. 
Die namliche Wirkung soil „der Speyrer Wind, das Heidelberger Kind und 
das Hessen-Blut" haben (L. S. 325, Nr. 101). In Koblenz lautet ein ahnliches, 
sich aber bloss auf Oertlichkeiten in der Stadt beschrankendes Sprichwort 
(Wegeler a. a. O. S. 101): 

Wer giht langs da Sailerwall ohne Kend, 
Uewer da Florinsmaart ohne Wend 
On dorch die Castersgass ohne Spott, 
Da hat en Gnad' von Gott, 
4 ) mus8t. 6 ) Aus der hinterlassenen Sammlung des Schwelmer Konrektors 
Holthaus mitgetheilt bei Woeste a. a. O. unter Kattken. 

6 ) Das Sprichwort verdankt seine Entstehung der Sage, dass Karl d. Gr. 
auf der Jagd die hiesigen Heilquellen entdeckt habe. *) Aachener Heide. 



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Zur (jeschichte der Herrschaft Schonau und ihrer 
Besitzer bis auf Dietrich von Milendonck. 

Yon E. von Oidtman. 

Auf die Schlussworte des Verfassers der letzten uber Schonau 
in dieser Zeitschrift erschienenen Abhandlung 1 Bezug nehmend, gebe 
ich in Folgendem einige Erganzungen zu der Genealogie der von 
Schonau-Schonforst. 

Unter umfangreichen Akten einer einst beim Reichskammergericht 
schwebenden Streitsache Milendonck gegen Herzog von Jiilich 2 im 
Staatsarchiv zu Wetzlar fand ich das unten abgedruckte Testament der 
Elisabeth von Schonau, Frau zu Winandsrath. Die Testaments- 
Urkunde gibt neuen Aufschluss tiber die Genealogie des Geschlechts 
Schonau-Schonforst, bringt aber keine vollstandige Klarheit in dieselbe. 
Aus der Urkunde geht hervor, dass Elisabeth von Schonau eine 
Tochter des Raso Maschereil von Schonau und Gattin des Winand 
von Roide zu "Winandsrath gewesen ist, deren Vorname jetzt erst 
bekannt wird. Ihr Vater wird mit Johann von Schonau, Kanonikus 
zu Mastricht, und Johann Monch von dem Velde, Schwager der 
Elisabeth, zum Testamentsvollstrecker bestimmt, wahrend Ehsabeth 
neben ihrem verstorbenen Manne in der Gruft zu Roide begraben 
werden will. Aleid von Schonau, Frau von Roide, Frau Aleid von 
Uelpich, Frau Oda von Brumullen werden von Elisabeth „Mohnen u 
(Tanten?) genannt. Von Kindern der Elisabeth, Frau von Roide, 
wird nur eine Tochter Aleidis erwahnt, wahrend ihr „Bruderchen" 
Johann von Schonau und ihr „Schwesterchen" Aleid Andenken 
erhalten. Die Bezeichnungen Briiderchen und Schwesterchen lassen 
vielleicht darauf schliessen, dass Johann und Aleid uneheliche Kinder 
Raso Maschereils gewesen sind, sonst hatte doch auch wohl der Sohn 



*) Hansen, Beitrage zur Geschichte von Schonau in Bd. VI, S. 81 if. 
*) Akten Nr. 2828. 

14 



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210 E. von Oidtman 

Johann in Schonau succediren miissen. Mit Legaten und Andenken 
werden durch das Testament bedacht: das Kloster zu Burtscheid 
und dessen Abtissin, die Weissen Frauen zu Aachen, die Minoriten 
zu Aachen fur den Bau ihres Klosters und deren Prior, das Kloster 
zu Mastricht, die Minoriten zu Koln und zu Mastricht, die Booster 
zu Heinsberg, zu St. Gerlach, zu Kornelimunster, die Gasthauser 
(Hospitaler) zu Aachen und St. Geleen, die Beginen zu Aachen und 
Mastricht, der Beichtvater der Testirenden, der Pastor und der Kaplan 
zu Roide, Frau Aleid von Schonau, Frau Aleid von Uelpich, Frau 
Oda von Brumullen, Johann von dem Velde der Junge, Jungfrau 
Oda von dem Bongart \ Johann Schellard 2 , sowie Elisabeths Diener- 
schaft. 

Aus dem Testament ergibt sich nicht, dass Elisabeth von Schonau 
ausser ihrer Tochter Aleid noch Kinder gehabt hat. Sohne werden 
gar nicht erwahnt, aber auch kein Grundbesitz. Man muss nun 
entweder annehmen, dass bereits durch den Heirathsvertrag der 
Elisabeth mit Winand von Roide die Erbfolge in Bezug auf die 
Giiter geregelt worden und die im Testament mit keinem Worte 
erwahnten Sohne schon bei Lebzeiten der Mutter nach dem Tode 
des Vaters in den Besitz gelangt waren und sich deshalb auseinander- 
gesetzt hatten, oder dass die beiden Briider Johann Maschereil zu Roide 
und Godart von Schonau nicht Sohne Winands und der Elisabeth 
waren, sondern vielleicht Sohne der auch im Testament erwahnten 
Aleid von Schonau, Frau zu Roide. Ich mochte letzteres annehmen. 
Strange in seiner Genealogie der Familie Bongart 8 fiihrt ausdriicklich 
die Gebrtider Johann und Godart als Sohne Winands von Roide an, 
was er jedenfails durch TJrkunden des Paffendorfer Archivs nach- 
weisen konnte. Derselbe halt 3 den Vermerk des Urkunden-Inventars 
zu Paffendorf: „Elisabeten von Schonauen, Frauen zu Winandsrath 
Testament ex anno 1359" fur einen Schreibfehler, was, wie sich 
nunmehr zeigt, allerdings nicht der Fall ist. Strange fand die Eheleute 
Winand von Roide und Aleid in der von ihm veroffentlichten 4 Ur- 



*) Ich halte die von Hemri court u. A. als Gattin Rasos Maschereil 
angefiihrte Schwester Gerhards du Jardin fur eine Bongart. 

2 ) Wohl Johann Schellard, der mit Jakob Colyn den deutschen Konig 
bei seiner Abreise von Aachen nach K(Jln im J. 1349 begleitete; vgl. Laurent, 
Aach. Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert, Ausg.-Rechnung von 1349/50, 
S. 208, i; derselbe kommt noch ofter in dieser Rechnung vor, z. B. S. 209,14, 
210,7, 213,7, 217,4. 

2 ) Strange, Bongart S. 21. 4 ) a. a. O. S. 111. 



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Zur Geschichte der Herrschaft SchSnau und ihrer Besitzer. 211 

kunde vom J. 1326, mittelst welcher Johann, genannt der Moneh 
von Koide, eine Rente aus dem Hofe zu Scharvier verkauft. Der 
mit Aleidis verheirathete Winand von Roide kann aber nicht der 
Gatte der Elisabeth gewesen sein, denn Aleidis von Schonau, Frau 
zu Roide, wird ja noch im Testament der Elisabeth als lebend 
erwahnt und als ihre „M6hn" bezeichnet. Wir konnen also nur 
annehmen, dass ein Winand von Roide mit Aleid von Schonau, 
ein anderer Winand von Roide mit Elisabeth von Schonau ver- 
mahlt gewesen ist. 

Das Wappen der Schonau-Schonforst wird ubereinstimmend von 
den verschiedenen Autoren genau so angegeben, wie eine Zeichnung 
in den oben erwahnten Prozessakten es darstellt, namhch in weissem 
Felde 9 rothe Ballen (Kugeln), 3, 3, 2, 1 gestellt. Den Helm ziert 
eine spitze, weisse Miitze mit rothem Aufschlag und rothem Bande 
am obern Ende, statt der Spitze erscheinen 5 weisse Straussfedern. 
In nachstehender Stammtafel sind folgende Personen erwahnt, welche 
mit den Ballen urkundlich siegelten: Aleid von Schonau, Frau zu 
Uelpich 1359, Johann von Schonau, Kanonikus zu Mastricht 1359, 
Elisabeth von Schonau, Frau . zu Winandsrath 1359, die Gebruder 
Reinard und Johann, Herren zu Schonforst 1369 * und 1377 2 , mit 
ihrer Schwester Johanna von Wildenburg, Frau zu Elsloe, welche 
an Stelle des mittlern Ballens der zweiten Reihe ein kleines Schildlein 
(wegen Wildenburg) fuhrte. Es diirfte also feststehen, dass ein 
anderes Wappen als das erwahnte von den Besitzern von Schonau 
nicht gefuhrt worden ist. Nun soil aber auch Winand von Roide 
mit 9 Ballen, 3, 3, 3 gestellt, gesiegelt haben, wie Hansen, auf Hem- 
ricourt Bezug nehmend, angibt 3 . 

Wie kommen nun die spatern Herren von Maschereil zu Winands- 
rath dazu, ein ganz anderes Wappen, namhch ein von Blau und 
Gold geschachtetes (oder in Platze getheiltes) Feld, auf dem Helm 
Mannesrumpf, wie der Schild bezeichnet, zu fuhren 4 ? Es ist das 
bis jetzt eine ungeloste Frage, die sich wohl nur durch etwa im 
Archiv Paffendorf noch vorhandene Siegel der verschiedenen Herren 
von Maschereil zu Winandsrath erledigen lasst 



*) Redinghovensche Sammlung XXVIII, S. 495. 

2 ) Ebendaselbst LXV. 

8 ) a. a. 0. VI, S. 97, Anm. 1. Ich habe diese Angabe auch, wenn icli 
nicht irre, in Barsch, Eiflia II, 2, S. lOf und Gudenus, Cod. dipl. gefunden. 

4 ) Graminaeus, Jiilichsche Hochzeit vom J. 1586, Siebmachers 
Wappenbuch von 1630, Slanghen, Hoensbroech, Fahne u. A. 

14* 



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212 



E. von Oidtman 



Hiernach ergeben sich folgende Stammtaf eln : 
N. von Scho'nau. 



N. von Sch8nau, 

nach Andern Raso verm. m. einer 

Schwester Qerbards du Jardin 

(v. d. Bongart?). 



Aleid von Schonau, siegelt mit den 

Ballen, Frau zu Uelpich, 1359 Mohn der 

Elisabeth, 1370 M6hn der Gebriider 

Reinard von Schonau-Schfinforst und 

Raso Maschereil von Schflnau genannt 

(Strange, Bongart S. 97). 



Reinard von Schonau, 

Herr zu Schonforst 

1347—1361, 1370 todt 

(Lacomblet, Urkb. 

Ill, S. 621). 



Raso Maschereil 

von Schonau 
1347, lebte noch 
1359, 1370 todt 
(Strange, Bon- 
gart S. 97), 
h. Nesa von 
Bylrevelt (beide 
1344 urkundlich 

bei Quix, 
Schonau S. 42 f.). 



Johann von 
Schonau, Ka- 
nonikus zu 
Mastricht, 
siegelt 1359 

mit den 

Ballen, belegt 

mit rechtem 

Schrage- 

balken. 



„Aleid von Scho'nau, 

Frau von Roide", 
1359 M6hn der Elisa- 
beth, h. N. N., 
wahrscheinlich 
Winand von Roide 
(1326 urkundlich m. 
s. Gattin Aleid und 
Johannes dictus mo- 
nacus de Roide bei 
Strange, Bongart 
S. 111). 



Reinard Johann 

Herr zu vonSchon- 

Schon- forst, 

forst. Propst zu 

Mastricht. 

Beide Briider nennen 

1369 Reinard ihren 
Vater (Lacomblet, 

Urkb. Ill, S. 592). 

1373 nennt sie Johann 

Maschereil, Herr zu 

Roide, seine Neffen 

(Strange, Bongart 

S. 21). 



Johanna von 
Schflnforst, 
h. 1. Herrn 

von Wilden- 

burg, 2. Oyst 
von Elsloe, 
nennt 1370 
ihre Briider 
und siegelt 

wie diese mit 

den Ballen 

(Reding- 

hovensche 

Sammlung 

LXV). 



Elisabeth von Schonau, Frau zu 

Winandsrath, testirt 1359 und 
siegelt mit 9 Ballen, h. Winand, 
Herrn zu Roide, 1359 verstorben. 



Aleid von Schonau, 
1359 Tochter der Elisabeth. 



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Zur Geschichte der Herrschaft Schonau und ihrer Besitzer. 

N. N. 



213 



Johann Maschereil, Herr 

zu Roide 1367, 1373 Ritter, 

1396 todt, h. Maria von 

Opey. 



Aleid von Winand von Roide, 
Rode h. Propst zu Mastricht 
1382Claes 1396. Von ihm 
Hoen von stammen die Herren 
demBroich, von Maschereil zu 
Ritter. Winandsrath, 

welche eingeschach- 

tetes Wappen 

fuhrten (vgl. 

Strange, Bongart 

S. 22 ff.). 



Johanna 
1396. 



Godart von Scho'nau, erhalt 

Schonau 1367 und 1373, 

1391 Ritter genannt und 

verstorben, h. die Tochter 

des Ritters Aegidius von 

dem Weyer (Wappen: 

3 Rosen). 

Elisabeth von Schwester, 
Schonau, alteste 1391ineiner 
Tochter, verkauft Urkunde 

1391 einen Zehnten Aleid, in 
zu SchQnau und einer andern 

nennt Johann Ma- Antonette 

schereilihrenOheim, genannt. 
Gillis von dem 

Weyer ihren Gross- 
herrn (Strange, 

Beitrage XI, S. 124), 
h. 26. Nov. 1391 
Gerhard von Vlo- 

dorp. Beide besitzen 
Schonau. 



Vorstehende genealogische Bruchstiicke stimmen mit den beiden 
im VI. Band dieser Zeitschrift gegebenen Stammtafeln vollig tiberein ; 
es lasst sich nur bis jetzt urkundlich nicht nachweisen, wer die 
Eltern der Gebriider Johann Maschereil zu Winandsrath und Godart 
von Schonau gewesen sind, wie ich oben ausgefuhrt habe. Einen 
weitern Beitrag zur Geschichte von Schonau liefert meine Genealogie 
der Herren von Vlodorp (vgl. oben S. 125 ff.), wonach im Gegensatz 
zu der im VI. Band mitgetheilten zweiten Stammtafel sich folgende 
Genealogie ergibt 1 : 

Johann von Mirlar, Herr zu Milendonck, 

h. Odilia von Vlodorp, 1455 beide urkundlich (von Furth, 

Beitrage II, 2, S. 94) — stifteten Messen zu Maria im Kapitol, zu St. Georg, bei 



*) Zur Vollstandigkeit habe ich die Genealogie der Milendonck bis zu 
Dietrich, Herrn zu Drachenfels, gegeben und an den betreffenden Stellen die 
Belege angefiihrt. Diese urkundliche Stammtafel weicht sowohl von der 
Stammtafel in Band VI, S. 99 dieser Zeitschrift, als auch von alien bisher 
veroffentlichten, fehlerhaften Genealogien der Milendonck wesentlich ab. 



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214 



E. von Oidtman 



den Karmelitern und Augustinern zu Koln (Alftersche Sammlung bei den 

Studienstifbungen in Koln), 1467 beide urk. (Thummermut, Krumbstab 

S. 77 und Fabne, Salm I, 1, S. 67). 

Johann von Mirlar, 1456 Sobn zu Milendonck mit dem Vater (Urk. im 
Dusseldorfer St.-A., Kurkoln Nr. 1961 a), 1478 todt, seine S6hne waren damals 

minderjahrig (Alftersche Sammlung in Darmstadt XXXIV, S. 20), 

h. 1. Kunigunde von Birgell, 2. Sibylla oder Belia Steck, Tochter Krachts 

Stecke zu Meiderich und der Ludgardis von Limburg, 1484 Wittwe, mit ibrem 

altesten Sobn Johann urk. (Dusseldorfer St.-A., Kopiar des Klosters Neuwerk 

fol. 7 u. 8). Ueber Johann und seine beiden Frauen vgl. Beitrage zur 

Geschichte von Eschweiler I, S. 382. 



Aus erster Ehe: 

2 Kinder, welche in 

jugendlichem Alter 

starben. 



Aus zweiter 
Johann von Mirlar, 
Herr zu Milendonck, 
1478 mit dem Bruder 
minderjahrig, urk. 
1492—97, mit seiner 
Gattin Agnes von Hoe- 
men, urk. 1493 (Inven- 
taris van Roermond III, 
p. 42) und 1497 (Dussel- 
dorfer St.-A., Urkunde 
der Abtei Gladbach 
Nr. 229). 



Ehe: 

Krafft von Milen- 
donck, Herr zu 
Meiderich und 
Schonau, Amt- 
mann zuBlanken- 
stein, Drost zu 
Orsoy 1519. 



Johann von Milendonck, 
altester Sohn, erhalt in der 
Theilung mit den Brudern 
1514SchlossMilendonck etc. 
(Urkunden-Kopie im Archiv 
Dreiborn). 



Dietrich von Milen- 
donck 1514, Herr zu 
Milendonck (nach dem 

Tode seines Bruders) 

und zu Schonau. 1519 

Herr zu Drachenfels, 

1525 zu Meiderich, 

1533 Amtmann zu 

Ruhrort und Herr zu 

Pley, h. 1516 Agnes von 

Drachenfels. 



Heinrich von 
Milendonck, 1514 

Amtmann zu 
Orsoy und Ruhr- 
ort, besass die 
Herrschaft Mei- 
derich und starb 
1525. 



Beilage. 

Testament der Elisabeth von ScJionau, Frau zu Winandsrath, Tochter Raao Ma- 
schereils von Schonau, Gattin des Winand von Roide. 1359, November 24, 

In nomine sancte et individue trinitatis, amen. Ich Elyzabet van Schoy- 
nauwen, vrauwe van Wynansroyde, duyn kunt alien dengienen, die dit 
untgheghenwordich gescrichte ainseint of hoerent leesen, dat ich van goyts 



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Zur Geschichte der Herrscliaft Schonau und ihrer Besitzer. 215 

genaden, de alle dienc east int ordinert alse be wilt, wanne he wilt, mechtich 
myns syndts inde willen, ain ist sachche, dat ich siecli byn ain deme leive, 
bedenke dat zukumende ontsienlicbe ordeyl des doyts, dat ich noch egeyn 
mynsche in dieser ziit overgain in mach, ind begeren mit guden werken ze 
verwarnen inde den zorn des oversten richters mit almussen ind mit gebeede 
guder inde geistlicher lude van mynre selen ze keren alse mit deme gude, 
dat mir van gode verleint is. Inde heromme, want ich bekenne, dat neit 
sicherre in is, dan der doit, inde neit unsicherre dan zyt des doyts, so saisse 
ich, doyn ind machge min testament inde minen leesten wille inde ordiner 
dat in dieser maneren. In deme eirsten so kiese ich inde setze weyrlich inde 
wiitzlich hanttruwen inde testamenteyre inde executoyr myns testamentz inde 
lesten wullen eyrsame man inde bescheiden lude: in dem ersten mynen 
lieben vader ind heyrre heren Rays Maschreil, heyrre van Schoynauwen, 
ind her Johan van SchoynauWen, canonich zo Senter Vais zo Tricht, ind 
Johan den Monch 1 van den Velde, mine liebe schwager, vort me min lieve 
moyne vrauwe Aleit van Schoynauwen, vrauwe van Royde, inde vrauwe 
Aleit van Ulpich, myn lieve moyne, inde vrauwe Ode van Brumuellen, 
uszgheever inde spender, uszgheeversin inde spendersen myns ontgheghenwor- 
dichen testaments. Vort me so kyese ich mine graicht 2 zo Roide by mynen 
lieven heyrren heren Winant daa got die seyl ayfhaven muige. Inde in 
deyme eyrsten so wille ich ordineren ind begheeren, dat man cc gulden goyd 
van goylde, swayr van ghewygthe, ind die wolle, die dat iar, as got ufer 
mich geebuyt, velt of valient is, inde myne cleyder inde myn cleynhoit ind 
och mynre liever vrauwe 8 cleyder, die got beeneydgin wille, vor myne seele 
inde inijnB lieeven heyrren sele geeve ind distribueyre also als heernaamaylz 
beeschreven stheit, inde wat oyvert 4 boy ven myn testament, dat sulen myne 
truhander keeren inde -gheven in dee goyts eyre vor unse seelen, myns ind 
mynts lieven heyren heran Wynants, dat aylre beste bestayd is. Vort in 
deme aynbegyn soo ordineyre ich mynre doyther Aleit dat par roder schar- 
lachen cleider rait dieme besten fuyder ayn eyn inde myne perlen musze 6 , 
wintschnoyr inde scheidelschnoyr, die dayrzo biehuren, ind dat groysze kuffer. 
Vort dieme gemeynen convente zo Burcheit xx gulden, vort den Wiissen 
Vrauwen zo Aichgen x gulden zo bieleeghen, jerlich mynts inde mynts 
heirren jairghezijde zo bieghain. Vort broder Johan van Schoinauwen, 
mynen bruyderghin, ind Aleit, mynen susterghyn, die brune kleispelt huyke 
inde dry die beeste rukke 8 , die mynre wrauen wayren. Vort deyme convent 
zo Aichgen unser vrauwen broder zo eeren buwhe inde vuyr veyrdehalf 
dusynt missen, die sii myr vor zyden begunt hain, myne huyke asse si is, 
sunder die kneufe, ind mynen grunen flueilz rok ind c(or)set inde rok per- 
scharlachens 7 sunder fuyder. Vort zo Aichgen inde zo Tricht alien beidelen 



*) Zuname. *) Gruft, Grab, ^vrauwe hier wie sehr oft = Mutter. •) iibrig bleibt. 
*) Miitze. •) Rocke. 

*) Anm. d. Red. Hier wie in Anm. 1 und 3 der folgenden Seite nach gefalliger 
Mittheilung des Herrn Prof. Jon. Franck in Bonn. Jedenfells fur perschschar- 



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216 E. von Oidtman 

orden ee deyme convente .dry gulden. Vort unser vrauwe broyderen zo 
Collen dry gulden. Vort deime convent zo Hensberg funf gulden. Vort 
deme convent zo seint Gerlach v gulden. Vort der abdissen van Bur- 
cheit dat lank par Bcharlachen wayrkurs ast is. Vort junfrauwe Oden 
van dieme Bungarde ind junfrau Marien dat blaue c(or)set ind den 
kamlotten rok as sy synt. Vort deyme prior unser vrauwen broyder zo 
Aichgen myn beeste kleisspelt fuyder. Vort junfrau Vreidsiint den wyse rok 
mit liisten, kneufen, der xx sint van lamperzhen 1 werke, ind eynen flueilz 
arme. Vort Kathrinen, mynre junfrauwen, dat lange par swarcher cleyder 
myt dieme alsceyn 2 fuyder sunder eyn ind ein corselin, dat beste van den 
driin, de zee stuppen sint. Vort Neten, der mayt, die swarche huyke sunder 
fuyder mit einem swarzen rokke ind den geschnyzzendin pelz ind eyn gernen 
ranze 8 . Item broyder Gerad, minem bigbeter, iiij or gulden. Item dat spenzel- 
voygel grype zo seint Corneyl in urber des cloysters. Vort Belen, der mait, 
den aylden rok van parscharlachen. Vort Guidelen kuistersen eyn garnen 
ranze. Vort dem* gastbusen zo Aicbge ind zo seint Gelynen mallich dry 
gulden. Item drien beginenboyven zo Aichge ind zo Tricht dry gulden, 
mallich eynen gulden, zo salze. Vort de mynrebrodern zo Treicht van missen 
xij gulden. Item mynen moynen, vrauwe Alleit van Scboinauwen ind vrauwe 
Aleit van Ulpich, eyn diamant vingheren ind eynen gulden rynk, ind sal 
niyne moyne van Scboynauwen kiesen. Item mynre moynen, vrauwen Oden 
van Broimulen xiiij kneuffe uferguldyt miit huntgynen ind die helpenbeinen 
gemailde tayphel. Vort dieme pastor zo Rode iiij or gulden ind sinem capplain, 
heren Joban, ij gulden. Vort x gulden zo geluythe, die sal man bieleghen 
umb jayrguylde. Vort eyn malder rogkyn erfelych zo unsme altair. Vort eyne 
mart geltz erfelychen vor unzse jayrgetbiide deyme pastoyr zo Royde. Vort 
Joban Scheylard funf gulden. Vort Johan van dieme Veelde deim jungen 
dry gulden. Item begeyr ich, dat man mich simplich mit iiij or keerzschein 
bieghe inde dat it me kostben sulde, dat man dat dein armen inde dayt 
alrebeesthe besthaid is gheve. Vort me dat linen werpde biegeyren ich, dat 
man voyl machge mit deyme vlaisze, den ich hayn, inde armen luden zo 
heymbden zoschnyden. Vort me juncfrauwen Vreidsiint zo dieme vorgenoymde 
rokke myn besthe gernen ranzhe. Och yst de besthe* huyke mit voy der inde 



lachen. Kilian: peer sen, oaerulus, caeruleus, cyaneus, violacens, subobscurus 
color: lncidus, lividns, molochinns [persicus, pflrsichfarbig] ; peerschverwer, molochi- 
narins: qui colorem tingit ad purpuram inclinantem, Scharlach wird gewohnlich nach 
der Farbe unterschieden ; vgl. A. Schulz, Hoflsches Leben I, S. 269 f. 

') Anm. d. Red. Kilian: lampers byssus, corbasus lampra sive splendens: 
nebula, velamen tenue et pellucidum ; lampers amictorium: lintenm hnmeros puellares 
operiens et textum pectorale. Hier also wohl = durchbrochene Arbeit. 

a ) Vielleicbt auch alsteyn in der Vorlage. 

*) Anm. d. Red. Ftir ranze hat das Mittelniederdentsche "Worterbuch von 
Schiller und Ltibb en verschiedene Beispiele. Man weiss nicht sicher, was es be- 
deutet. Ans den Stellen scheint hervorzngehen, dass es eine Art von Besatz war, ver- 
schiedentlich verziert, vielleicht eine Art Ruache oder Kranse. 

•) So die Vorlage. 



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Zur Geschichte der Herrschafb Schonau und ihrer Besitzer. 217 

mit liisten ind der flueylz rok mit fiiyder ind myt synre latus liisten, de ich 
unser vrauwen brodern hain besayt. Vort me allet, dat oebert van den cc 
guldenen ind der wollen inde van den cleynoyden ind cleydern, dat begeyren 
ich up die steyde van mynen truhandern vurgenumtdyn zo gedeylhein ind 
zo distribueren ast mynre selen ind miintz lieben heirren hern Wynants sele 
alremeisthe stayde doyn mach. Vort me so behalde icb myr maicht, dit vor- 
geschreven testament beide af inde zo ce duin of cemoil ce wedersprechen 
inde alle wege diese stiicken ce soissen naa deyme dat icb up gotts genade 
holfe, dat it mynre selen besthe si. Wirt och sachge dat eynighe punt gbe- 
breghen ayn diesen testamente, beyde geistlicbs of werentlicbs gerichts of 
rechts, die van reichte ber yn gescbreven sulden siin, so wille ich, dat dit 
testament ce mynre maght niet in have, inde wille, dat yt voylbracht 
werde in aller der maneiren also alse eyns bescbeydenen kirschenen mynt- 
schen leste wille van recht vort gayn sail. In gezuycbnis ind eyne ghanze 
steitcheit der wayrheide aller dieser vorscrevenre stiicken so hange ich 
Elizabet myn ingesiegel ayn dit testament inde bidde vort eyrsame manne 
inde bescheyden luyde vorgheschreven : mynen lieven vader ind heirren hern 
Rays Myschreil heyrre van Schoynauwen inde hern Johan van Schoinauwen, 
canonich zo seint Servase zo Treicht, ind Johan den Monich van den Velde, 
mynen lieven swagher, ind wyse bescheydene vrauwen, vrauwe Aleit van 
Rode, myne lieve muyne, inde vrauwe Aleit van Ulpich ind vrauwe Oden 
van Broymulen, myne lieven moynen, dat si ir ingesiegel zo eynre stedecheit 
inde zo vesthenisse ayn dit testament hangen willen. Ind wir vurghescreyben 
man inde vrauwen um beyden wille der vorgheschreven vrauwen Elyzabet 
so hain weir unse ingesiegel ain dit ontghainwordighe testament gehanghen. 

Datum et actum anno domini m°ccc° quinquagesimo nono, vicesima 
quarta die mensis novembris. 

Originalurkunde auf Pergament mit ursprunglich sieben angehdngten Siegeln, 
wovon noch drei erhalten. Das 1. mit der Ueberschrift vrauwe Elizabeth fehlt. 
Das 2. her Mischereel fehlt. Das 3. her Johan van Schoynauwen zeigt 9 Batten, 
belegt mit einem ausgezackten schrdgerechten Balken. Das 4. Johan deer Munich 
zeigt einen in Pldtze getheilten Schild, im rechten Obereck Freiviertel mit Stern. 
Das 5. vrauwe Aleit van Schoynauwen fehlt. Das 6. vrauwe Aleit van Ulpich 
ist senkrecht getheilt, rechts ein Querbalken, uberhbht von einem Adlerfiugel, links 
9 Batten, belegt mit Tumierkragen. Das 7. vrauwe Oda von Bromulen fehlt. 
Dem Aktenstuck, welchem die Pergamenturkunde eingeheftet war, liegt eine gleich- 
lautende Kopie vom J. 1758 bei, in welcher die damals noch vorhandenen Siegel 
beschrieben sind. Danach war bei Anfertigung der Kopie das erste Siegel noch 
erhalten und zeigte 9 Batten. 

Die Urkunde (bisher in den preussischen Spezialakten lit. M, Nr. 2828, Bd. X) 
ist jetzt der Urkundenabtheilung des Staatsarchivs zu Wetzlar einverleibt. Diese 
wichtige Urkunden-Sammlung, welche noch fortwahrend aus den Akten vermehrt 
wird, enthdlt auch eine Anzahl Schoffenurkunden der Stadt Aachen und Weisthiimer. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 

Von R. Pick. 

I. Verpflichtungsurkunden stadtischer Beamten. 

Das Aachener Stadtarchiv bewahrt aus den Jahren 1458 bis 
1507 eine Gruppe von Urkunden derselben Gattung, in denen zahl- 
reiche, meist untergeordnete Beamten der Stadt Aachen bei ihrer 
Anstellung geloben, die ihnen vermoge ihres Amtes obliegenden 
Pflichten treu zu erfullen. Die stadtische Obrigkeit, von den Btirger- 
meistern, den Schoffen und dem Rath gebildet, sicherte sich in jener 
Zeit die Ergebenheit und die ptinktliche Wahrnehmung des Dienstes 
seitens ihrer Beamten in weit formlicherer Weise, als heute : letztere 
mussten sich zunachst durch Gelobniss in die Hand der Biirger- 
meister und dann mittelst eines Eides, den sie mit aufgehobenen 
oder auf ein Kruzifix gelegten Fingern zu den Heiligen scbworen, 
zum Gehorsam und zur Treue gegen ihre Obrigkeit, sowie zur ge- 
nauen Beobachtung ihrer Dienstpflichten verbinden, auch hieruber 
eine Urkunde ausstellen, statfc deren erst viel spater das noch jetzt 
gebrauchliche Beeidigungsprotokoll eingefuhrt wurde. Einzelne Be- 
amten, z. B. die stadtischen Spediteure (Bestatter), mussten dazu bis- 
weilen noch eine Biirgschaft leisten, die zugleich in jener Urkunde 
vollzogen wurde. 

Yon den beschworenen Punkten waren mehrere den Eiden sammt- 
licher stadtischen Beamten gemeinsam ; alle versprachen, den Btirger- 
meistern, Schoffen und Bath des koniglichen Stuhls und der Stadt 
Aachen, der damaligen Landesregierung, hold und getreu zu sein, 
ihre Ehre und ihr Bestes zu wahren und sie vor Schaden zu hiiten, 
auch sich bei vorkommenden Streitigkeiten mit der Stadt oder einzelnen 
Burgern, Eingesessenen oder Untersassen dem in Aachen geltenden 
geistlichen und weltlichen Bechte zu unterwerfen und sich mit 
den Entscheidungen der dortigen Gerichte zufrieden zu geben. Die 
iibrigen Punkte, auf welche sich der Eid erstreckte, betrafen die 



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Aus dem Aachener Stadtarcbiv. 219 

eigentlichen Dienstleistungen der Angestellten iind lauteten selbst- 
verstandlich je nach dem Amte, welches sie tibernahmen, verschieden, 
so zwar, dass bei den zu der gleichen Stelle Berufenen fiir die ab- 
zugebende Erklarung, fast in demselben Masse wie heutzutage, ein 
stehender "Wortlaut eingefiihrt war. 

Solcher Yerpflichtungsurtunden, wie man sie wohl kurz be- 
zeichnen darf, haben sich aus dem Eingangs erwahnten Zeitraum 
eines halben Jahrhunderts noch 31 im stadtischen Archiv erhalten, 
alles ziemlich unversehrte Originate auf Pergament, grosstentheils 
noch mit den angehangten Siegeln versehen. Zweifellos ist eine 
grossere Zahl derselben verloren gegangen 1 , obgleich sich nicht an- 
geben lasst, wohin sie entschwnnden sind. Bei diesem Mangel vermag 
man denn auch nicht zu bestimmen, wann der Brauch, die dienst- 
Uchen Verpflichtungen der Beamten in der gedachten "Weise zu ver- 
briefen, in Aachen begonnen und wie lange er fortgedauert hat. 
Nicht unmoglich ware, dass er bei der Aenderung, welche die 
stadtische Yerfassung urn die Mitte des 15. Jahrhunderts erfuhr, 
eingefiihrt worden ist. 

Ob der Magistrat seinerseits den Angestellten ein der Yerpflich- 
tungsurkunde entsprechendes Bestallungsdokument ertheilte, ist un- 
gewiss; es scheint nicht der Fall gewesen zu sein, da keine einzige 



l ) Dies bestatigt schon ein im Stadtarchiv zu Aachen befindliches, dem 
Anfang des 16. Jahrhunderts angehSriges „Registrum etzlicher verbuntbrieve, 
verzichbrieve, slichtonge ind scheydongsbrieve ind quijtancien in dieser laden 
lygende, wilcher namen ind zonamen hernae beschrieven voulghent", welches 
ausser mehrern der hier mitgetheilten Verpflichtungsurkunden folgende er- 
wabnt : Thomas TzartvoiB weichter an Burtschieder portze. Geirken Krummen 
geloffeniB van dem vorsterampt. Engelen van Rychtergyn geloffenifi van 
dem bestederampt. Wynrich OeOlyngers geloffenifi van Wyrichsbongartportzen. 
Palms van Kaldenborn geloffeniB van Roistportzen. Gysen Spoilenmechers 
geloffeniB van Sandkuylportzen. Dries Guetjairs geloffeniB van dem vorster- 
ampt. Geirbart Waepenstickers geloffeniB van sent Aldegondenportzen. 
Johan Guetjairs geloffeniB van Scharpportzen. Thys van Lontzen van deme 
vorsterampt. Wilhem van den Panhuyfi van dem vorstmeisterampt. NyB 
Styve weichterbrief van Boirtschieder portz. Tiell Guetjairs weichterbrief. 
Peter Ryncks weichterbrief. Tiell Roichs van dem vorsterampt. Thys 
Manckartz weichterbrief. Wynantz Schuylen geloeffenysse van dem vorst- 
meysterampt. Johans TzartvoiB geloifhyfi van dem uyrclockenampt. Johans 
van Auwe des jongen weichterbrief van synt Jacobs myddelportz. Wilhem 
Stempels brief van synem bestederampt. Arnoult Guetjairs wechterbrief van 
Roist uisserster portzen. Severyns van Ymmendorps weichterbrief van Wyrichs- 
bongartzportzen. 



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220 R. Pick 

solche Urkunde, wenn man die vielleicht hierher gehorigen, am 31. Marz 
1370 mit dem stadtischen Steinmetz Meister Peter von der Capellen 
und am 2. August 1499 mit dem Stadtdiener Johann Brenner ab- 
geschlossenen Dienstvertrage ausnimmt, im Stadtarchiv zu finden ist. 
Die erstere dieser beiden Urkunden hat Quix in seiner „Biographie 
des Kitters Gerard Chorus" 1 mangelhaft wie alle seine derartigen 
Publikationen veroffentlicht, die andere, noch ungedruckt, fand sich 
unter den Archivalien des Granusthurms, welche 1885 dem Stadt- 
archiv einverleibt wurden. Beide Vertrage haben das Eigenthiim- 
liche, dass in jedem neben der allgemeinen Amtsverpflichtung noch 
eine besondere Leistung libernommen wird, in letzterm, was von 
speziellem Interesse ist, das Fangen eines Yerbrechers oder Stadt- 
feindes, des Lenz Engelbrecht von Monjauwe 2 . Als Lohn erhielt 
Johann Brenner fiir die auf ein Jahr festgesetzte Dienstzeit 10 Gulden, 
daneben wurde ihm fiir die fiefangennahme des Herrn von Monjauwe 
eine Leibrente von 10 Gulden auf Lebenszeit und seinen Helfern, 
deren er einen oder zwei annehmen durfte, die einmalige Zahlung 
von je 6 Gulden zugesichert. Einen ahnlichen Yertrag hatte die 
Stadt Aachen am 13. Marz 1437 mit Mkolaus von Idmburg, der 
Tags zuvor in ihren Manndienst getretea war 3 , abgeschlossen, nur 
handelte es sich hier ausschliessUch urn die Festnahme des mit der 
Stadt verfeindeten Adam Hund von dem Busch und seiner Genossen 4 , 
bei welcher Nikolaus von Limburg ihr auf seine „anxt, kost ind 
schaden" treu zu helfen versprach. ' Im Einzelnen kam man liberein, 



*) S. 55, Nr. 6. Eine hochdeutsche Uebersetzung der Urkunde bei 
Laurent, Aach. Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrhundert S. 35 f. 

*) Schon fruher hatte „Lentze Engelbreth genant von Monfiauwen" 
mehrfache Streitigkeiten mit der Stadt Aachen gehabt und u. A. zu Hoch- 
kirchen (Hoenkirchen) im Julichschen Weine eines Aachener Burgers ge- 
kummert. 1491, Donnerstags nach dem Tage des h. Bischofs Urban (Urbanus 
ep. 28. Nov. und 7. Dez., also unbestimmbar) verglich er sich vor dem 
Schoffengericht zu Jiilich mit der Stadt fiber alle bisherigen Streitigkeiten 
und beide kamen iiberein, dass derjenige von ihnen, welcher gegen den 
abgeschlossenen Vertrag handle, eine Geldstrafe von 500 rheinischen Gulden an 
den Herzog von Jiilich zu zahlen habe. (Urkunde im Stadtarchiv zu Aachen.) 

s ) Urkunde im Stadtarchiv zu Aachen. 

4 ) Am 28. Januar (des manendachs nae sent Pouwels dach) 1437 hatten 
Godert von Adendonck, Wilhelm von Droetten, Johann von Huessen, Sweder 
von dem Sande, Arnt von Someren und Wilhelm Bastard von Aerkel als 
Genossen des Adam Hund von dem Busch der Stadt Aachen die Fehde ange- 
sagt. (Urkunde im Stadtarchiv zu Aachen.) 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 221 

class die Stadt, wenn er in Ausiibung des libera ommenen Beistands 
innerhalb des Keichs von Aachen unterliege, sein „heuftman" sein, 
d. h. ihn befreien und schadlos halten solle, geschehe dies aber 
ausserhalb des Aachener Keichs, so solle die Stadt davon keine Last 
haben. Als Belohnung wurden Nikolaus von Idmburg im Falle der 
Gefangennahme des Adam Hund dessen Pferd und Harnisch, ferner 
seitens der Stadt 50 rheinische Gulden und jahrlich 15 gleiche 
Gulden als Mannlehn zugesagt. Piir jeden zur Kitterschaft gehorigen 
Heifer Hunds, der von ihm gefangen werde, solle er ausser dessen 
Pferd und Harnisch von der Stadt ebenfalls 50 rheinische Gulden, 
endlich fur jeden Knecht das „Haltergeld" empfangen. Auch diese 
Urkunde befindet sich noch ungedruckt im Stadtarchiv zu Aachen. 
Da alle drei Dienstvertrage mit der vorliegenden Yeroffentlichung in 
Zusammenhang stehen, so erschien zumal bei dem mehrfachen 
Interesse, welches ihr Inhalt an sich bietet, ihr Abdruck, was den 
mit dem Meister Peter von der Capellen geschlossenen Yertrag be- 
triffi, dessen nochmalige korrekte Wiedergabe im Anhang wiin- 
schenswerth. 

Leider umfassen auch die noch erhaltenen Yerpflichtungsurkunden, 
um auf sie zuriickzukommen, keineswegs alle in dem Zeitraum ihrer 
Ausstellung vorhandenen stadtischen Beamtenstellen, nur 20 der- 
selben werden von ihnen beriihrt, darunter freilich mehrere, tiber die 
uns seither keine oder nur geringe Kunde tiberkommen ist. Meist 
sind es Wachter der Thore an der innern und aussern Stadtmauer, 
des Scherpthors, Jakobsmittelthors, Konigsmittelthors, Neuthors, Alde- 
gundisthors, Pontthors, Bergthors, Marschierthors, Junkerthors und 
Konigsthors, von denen die Urkunden herstammen, aber auch der 
Forstmeister, der Forster, der Armbrustmeister, der Salzmesser, der 
Bewahrer des Grashauses, hier „Biirgerhaus, Schloss und Gefangniss" 
genannt, die Spediteure (Bestatter) der nach Frankfurt am Main und 
nach Brabant ausgefuhrten Aachener Handelsartikel, der Bewahrer 
der Uhrglocke im Rathhaus, die "Wachter des Wartthurms an der 
Landwehr zu Yerlautenheide und des Thurms und Kurhauses Branden- 
berg bei der Hirtzkaul in der Aachener Heide, der Stadttrompeter 
und der Stadtpfeifer treten uns als Aussteller entgegen. Sie alle 
geben tiber die mit ihrer Stelle verbundenen Pflichten ziemlich ge- 
naue Auskunft und gewahren so eine Fiille geschichtlich und kultur- 
geschichtlich merkwiirdiger Nachrichten, welche zu den demnachst 
erscheinenden Aachener Stadtrechnungen des 15. Jahrhunderts eine 
willkommene Erganzung bilden. 



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222 ft. Pick 

Nur ungern vermisst man in den Urkunden bei der Mehrzahl 
der Beamten die Angabe des Soldes, welcher ihnen fiir ihre Dienst- 
leistungen von der Stadt gezahlt wurde. Mit dem Forstmeisteramt, 
das nicht zu den subalternen Stellen gehorte und 1467 von Johann 
Kriimmel von Eynatten, vorher von Emmerich von Bastenach be- 
kleidet wurde, war ein Jahresgehalt von 25 Mark verbunden. Der 
letzte Forstmeister war Paul Kahr; nach seinem Tode, 1753, hob 
der Kath die Stelle auf und bestimmte das damit verbundene Gehalt 
zur Besoldung eines zweiten Stadtsyndikus K Der Stadtpfeifer (1479) 
erhielt jahrlich 80 Aachener Mark und Amtskleidung, der "Wachter 
zu Yerlautenheide (1466) 60 Aachener Mark, wahrend dem Wachter 
des Thurms und Kurhauses Brandenberg 1458 30 Aachener Mark 
und 5 Ellen Tuch oder 10 Mark dafur, 1499 48 Aachener Mark und 
die Nutzung eines Bendchens zustanden. Dem letztern Wachter legte 
die Stadt 1458 die Verpflichtung auf, nach und nach 4 Morgen 
Heide urbar zu machen, um sie dem Thurm als Dotation in Land 
beizufugen. 

Die Anstellung erfolgte in der Kegel auf Widerruf und die 
Angestellten mussten sich ausdriicklich verpflichten, jederzeit auf 
Erfordern des Magistrats ihr Amt niederzulegen, die Forster speziell 
noch, den beziighchen Verzicht vor dem Schoffengericht zu Walhorn 
abzugeben. Nur in vereinzelten Fallen fand eine Anstellung auf 
Lebenszeit oder auf eine bestimmte Keihe von Jahren statt. Zweimal 
(Nr. 23 und 25) folgt der Sohn dem Yater im Amte, in einem Falle 
(Nr. 28) ist der Schwager Amtsnachfolger; auch das Amt eines 
Armbrustmeisters scheinen zwei Verwandte nacheinander bekleidet 
zu haben (Nr. 19 und Anm. 1 dazu). Der Umstand, dass in fast 
sammtlichen Urkunden das Aufgeben des Amtes vor Allem betont 
wird, lasst vermuthen, dass die Anstellung auf Lebenszeit vormals 
das Normale war. Yielleicht spielt hier noch der Begrifif der Yer- 
leihung, wie ihn das Lehnwesen kennt, hinein, der reine Amts- und 
Beamtendienstbegriff scheint auch in Aachen sich erst sehr spat ent- 
wickelt zu haben. Warum gerade das Gericht zu Walhorn die Re- 
signation der Forster entgegennahm, ist noch nicht ermittelt, wahr- 
scheinlich beruhte dies auf einem sehr alten Zusammenhang seiner 
Jurisdiktion mit den Yerhaltnissen des Aachener Waldes. Das Aachener 
Mtinsterstift stand zu Walhorn in nahen Beziehungen, an welche in 
der Urkunde des Forsters Guetjair (Nr. 3) die Besiegelung durch den 



l ) Vgl. Quix, Wochenblatt 1838, Nr. 22, S. 88. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 223 

Yizepropst Reinhard von Palant erinnert. Erwahnenswerth ist noch 
die seitens der Stadt in zwei Urkunden (Nr. 18 und 25) vorgenommene 
Kegelung von Alimentationspflichten. In dem einen Falle handelte es 
sich urn die Fiirsorge fiir Minderjahrige — hier liegt also ein Aus- 
fluss der obervormundschaftlichen Thatigkeit der Stadt vor — in dem 
andern urn einen Ersatz der Pension fiir einen im stadtischen Dienste 
ergrauten Thorwachter. 

Schon aus diesen wenigen Andeutungen ergibt sich, scheint 
mir, geniigend, dass jene Yerpflichtungsurkunden fur die Aachener 
Lokalgeschichte recht werthvoll sind und ihre Yeroffentlichung in 
diesen Blattern keiner weitern Rechtfertigung bedarf. Auch fiir die 
Familiengeschichte der Aachener Patriziergeschlechter liefern die Ur- 
kunden mancherlei Notiz, da sie beim Mangel eines eigenen Siegels 
seitens der Aussteller durchgangig von adligen Personen besiegelt 
wurden. Einige Mai ist auch ein biirgerliches Siegel angehangt. Yon 
einer vollstandigen Wiedergabe der einzelnen Urkunden wurde nur 
in wenigen Fallen abgesehen, wenn schon ihr Wortlaut, wie dies 
in der Natur der Sache lag, nicht selten mehrfach tibereinstimmt. 
Yerktirzungen urkundlicher Texte haben stets etwas Missliches an 
sich und entsprechen kaum den "Wiinschen der lokalen Forschung, 
fiir welche manchmal eine scheinbar werthlose Nachricht von be- 
sonderer Bedeutung 1st. Bloss da, wo mehrere der vorliegenden Ur- 
kunden genau dasselbe Amt betrafen und sich bis auf den Namen 
des Angestellten, das Datum und die Namen der Untersiegler in 
ihrem Wortlaut vollig deckten, wurde allein die alteste von ihnen 
wortlich mitgetheilt und auf die iibrigen nebst deren Abweichungen 
in den Anmerkungen hingewiesen. In den letztern ist auch eine 
Erklarung derjenigen jetzt nicht mehr gebrauchlichen Worter beige- 
fiigt, iiber welche Laurents Glossar zu den Aachener Stadtrechnungen 
aus dem 14. Jahrhundert keine Auskunft gibt. 

Bei dem Abdruck der Urkunden wurden durchgangig die von 
der Gesellschaft fiir Rheinische Geschichtskunde aufgestellten Bestim- 
mungen iiber die Herausgabe handschriftlicher Texte zu Grunde 
gelegt. In Bezug auf die Reihenfolge war das Datum der Urkunden 
massgebend. 

In den folgenden Heffcen sollen die im Aachener Stadtarchiv 
aufbewahrten Mann-, Fehde- und Slihnebriefe des 14. und 15. Jahr- 
hunderts mitgetheilt werden. 



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224 R. Pick 

1. Peter Mblner von Grevenbicht, von der Stadt Aachen auf acht Jahre 
zum Wdchter ihres Thurms und Kurhauses Brandenberg bei der Hirtzkaul in 
der Aachener Heide ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu 
erfuilen. 1458, September 18. 

Ich Peter Moelner van Grevenbycht doen kunt offenbirlichen bekennende 
oevermytz diesen offenen brief, dat ich untfan|gen ind angenoymen hain van 
den eirsamen ind wysen herren burgermeisteren, scheffen ind raide des 
konynciichen stoils | der stat Aiche, die mir ouch eynen yrre steide thoirn 
ind kuyrhuys 1 genant Brandenberg 2 by der Hyrtzkuylen up der Heyden | ge- 
leigen zo derselver yrre steide behoef verlient ind mich zo yrme dienre up- 
genoymen haint eycht iairlank nyest na eynanderen volgende, die anghaen 
sullen zo sent Remeismissen nyestkomende na datum dis briefs, as neymlich 
alle iairs vur drissich mark Eysch paymentz bescheidens loyns ind vunf 
ellen doichs of zien mark desselven vurschreven paymentz darvur, zo wissen, 
dat ich Peter vurschreven die wairde up dem vurschreven thoirne zo der 
steide beste doen ind halden ind den gryndel 3 daeby geleigen offenen, sliessen, 
verwaren as geburlich ind gewoynlich is, ind zo den lantgraven sien sail, 
so dat der stat dairdurch geyn schade en geschie. Konde ich aver verney- 



*) kuyrhuys = Wachterhaus (zur Beobachtung des Feindes), von kur, SpSher, 
W&chter, kuren, spahend schauen. Vgl. Schiller-Liibben, Mittelniederdeutsches 
Worterbuch unter kur und kurhiis. 

a ) brand = Grenze. Das Wort kehrt in der Aachener Gegend mehrfach in Orts- 
namen wieder, z. B. das Dorf Brand, nahe der Grenze von Aachen und dem ehemaligen 
Minister] andchen, Brandenbnrg bei Raeren in unmittelbarer Nahe der uralten Grenze 
zwischen dem Kolner und Liitticher Bisthum. Nach dem Weisthum iiber den Aachener 
Reichswald lag auch ein „Brandenberch" zwischen dem Hirtzberg und dem Oirsbach 
(Lacomblet , Archiv 111, S. 226). Nach diesem scheint der zum Schutze des Land- 
grabens bei der Hirtzkaul errichtete Wartthurm benannt worden zu sein. In Aachener 
Urkunden des 17. Jahrhunderts kommt „Brand" vielfach fur Gebiet, Qnartier vor, z. B. 
1662 „Haarenter Qnartier oder brandt" (ahnlich fines im Lateinischen). Vgl. auch 
Muller-Weitz, Die Aachener Mundart unter Brand und die abweichende, aber jeden- 
falls nnrichtige Erklarung bei Quix, Gesch. des Karmeliten-Klosters S. Bl. 

') grindel meist = Riegel. In der Aachener Gegend ist es eine mit einer Kette 
versehene Sperrvorrichtung ; vgl. Loersch, Aachener Chronik in den Annalen des 
hist. Vereins f. d. Niederrhein XVII, S. 7: 1429 „liessen die herren vom alttem rhaet . . 
in der nacht aen den grindelen und ketten ettliche glider aufithuen und kiirtzen, dehr- 
gestalt das dieselbe in eilender noith nicht eingethoin werden mochten"; S. 9: 1437 
„worffen (die burgerschafft) die ketten der grindelen in". Nach der Wachtordnung von 
1537 waren von den Nachtswachen befreit, „wilche der stede gryndelen oder ketten 
up und zusliessen". Eine Eathsverordnung vom 7. August 1690 schrieb vor, dass bei 
Larm und Aufruhr „alle Pforten, Ketten, Schlagbaum, Grindelen und was weiters zu 
versperren ohne einigen Verzug geschlossen werden sollten"; nach einer ahnlichen 
altera Verordnung (1470—1500) sollten „die portzener die grindelen an die sidt-graven 
steedtz zuo halden, sie neit offenen, sy en sien eirst, wie die ghyene weren, die dae 
durch riden wulden" (Loersch, Achener Bechtsdenkmaler S. 156, Nr. 12). Auch die 
zur Absperrung der Strassen in der Stadt dienenden Ketten, welche mit Krampen an 
den Mauern der Hauser oder an besondern Pfosten befestigt waren, wurden Grindel 
genannt. Am 13. Angust 1671 beschloss der kleine Bath, dass „Johannes Freinss einen 
bestendigen newen Stein mit einer eysener Klam auf seine Kosten in dem Manergen 
an seiner Behausung uffen Buchel zwischen dies und nechstkunftigen Batstag zu 
8chliessung der Ketten des grindels daselbst verfertigen zu lassen gehalten sein solle". 



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Aus dem Aachen er Stadtarchiv. £25 

men, der vurschreven stat dairdurch eynich schaide zogefueght wurde, sail ich 
van stunt ane, asbalde ich des gewar wurde, der steide burgermeisteren zer- 
zyt kunt doen. Vort en sail ich geynreleye vee van Bortscheyt up die 
vurschreven heyde slaen 1 noch dryven laissen, umb daselfs zo weyden; dan 
were sache ich van den burger en oder underseessen der stat ind rychs van 
Aiche vurschreven, des sy doch vur yemantz anders vurdel haven sullen, 
eynich vee kriege, sail ind mach ich anneymen as gewoenlich is. Doch en 
sail ich geynreleye vee anneymen, daevan der stat eynich last zogefoigt 
moichte werden, geschiege sulchs daremboyven, des sail ich inich, asbalde 
myr dat van derselver stat weigen verkundigt wurde, sonder verzocht qwyt 
machen. Ouch sail ich alle iairs bynnen der vurgenanten iairzailen eynen 
halven m or gen van der hey den mir van der vurgenanten stat weigen gewyst 
machende, also zosamen yier alinge 2 morgen zo gudem ackerlande machen, 
ploegen, buwen ind mysten ind in gewoynliger mystongen ind buwe halden 
zo der steide ere ind myme nutze ind urber, die ouch na usgange der 
iairzaile vurschreven der egenanter stat ind zo dem vurschreven thoirne 
erflichen ind umberme dienen ind gehoiren sullen, mir noch mynen erven 
darachter geynreleye forderonge noch anspraiche me dairane zo haven noch 
zo behalden in eyncherwys. Were sache die stat mynre behoefde zo wirken 
ind mir dat kunt doen liesse, asdan sail ich yre wirken umb degelichschen 
loyn as gewoynlich is. Vortme of ich nu of hernamails, wie ducke des noit 
geburde, myt eynchen burgeren van Aiche diese iairzaile lank yet ghaendz 
of zo schaffen hette oder gewonne, sail ich mir alley ne myt scheffenurdel 
ind myt reichte der stat van Aiche, dat ich allezyt daromb neymen ind 
geven sail, genoegen laissen. Alle ind yecliche punten vurschreven samen 
ind besonder hain ich Peter vurschreven den burgermeisteren zerzyt der stat 
van Aiche in urber derselver stat yrre burgere ind underseessen vur gesichert 
ind geloeft ind nae myt upgereickten vyngeren gestaiftz eyds 3 lyflich zo 
gode ind den hilgen geswoeren, sicheren, geloyven ind sweren oevermytz 
desen brief, vast, stede ind unverbruchlich zo halden, sonder argelist. Ind 
dis zo urkunde der wairheyt hain ich Peter vurschreven umb gebrech myns 
siegels gebeden die eirsamen hern Peter van Seggenroide, zerzyt rentmeister, 
ind Wilhem Gruysser, burgere zo Aiche, dat sy daromb yre ingesiegele vur 
mich zo gezuge heran gehangen haint, des wir Peter van Seggenroide, 
rentmeister, ind Wilhem Gruysser vurschreven zugen ind kennen wair zo 
syn ind zer beden Peter Moelners vurschreven gerne gedaen haven. Gegeven 
des eichtzienden dages in septembri, im iaire uns herren duysent vierhondert 
eychtindvunfzich. 



*) slaen = treiben; vgl. Schiller-Liibben a. a. 0. unter slan. 

a ) aling = ganz. 

*) gestaifter eyd = ein Eid mit vorgesprochener Eidesformel, den eyd staven 
Oder staben = den Eid vorsagen, abnehmen (nnter Bertihrung des richterlichen Stabes 
oder nach Anleitung ernes schriftlichen Formulars); vgl. Lexer, Mittelhochd. Hand- 
worterbuch nnter staben; Schiller-Liibben a. a. 0. unter staven. 

IB 



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226 R. Pick 

Das Seggenroidesche Siegel bis auf den Helm mit Ring zerstort, das andere 
gut erhaltene zeigt merkwurdiger Weise das Klockersche Wappen: Sparren mit 
drei Glocken und die Umschrift: s. willem klocker. Auf der Muckseite der 
Urkunde von gleichzeitiger Hand: Wat Peter Moelner van Grevenbycht, umb 
dat yn die stat yre huys ind thorn genant Branderberg myt sunderlyngen 
vrurwerden ind underscheide eyne zyt van iaeren damp zo waynen ind dat 
zo verwaeren annoymen, derselver stat geswoeren ind geloeft hait. 

2. Arnold Kirstgyns Sohn von Tongern, von der Stadt Aachen wegen un- 
gebiihrlichen Betragens seiner Stelle als Stadttrompeter enthoben, dann aber wiederum 
von ihr als soldier angenommen, willigt ein, dass die Stadt ihn sofort seines Amies 
entsetze, wenn er sich nochmals irgend etwas gegen sie zu Schulden kommen lasse. 
1461 t Dezember 4. 

Ich Arnoult Kirstgyns son van Tongeren doin kunt oevermytz diesen 
brief alien luden offen|berlichen bekennende, so als ich mich vurzytz in 
dienste der eirsamer wyser herren burgermeistere, | scheffen ind raeds des 
konynclichen stoils ind stat Aiche, so ich yrre steide trumpener was, | myt 
unversonnenre wildicheyt ind woesticheyt etzliger maessen entgangen gehadt 
hain, daromb die vurschreven myne lieve herren yre ungunste up mich gewor- 
pen ind mir sulchs doch nu zo mynre frunde ind myn selfs vlyOlicher beden 
genedenclichen oeversien ind zom besten gekiert haven, des ich mich van 
yrre liefden nyet voldanken en kan. Ind want mich dan die vurschreven 
myne herren myt der trumpen wiederomb versien ind mich zo yrre steide 
trumpener angenoymen ind untfangen haint, mynen dienst zo doin ind deme 
genoich zo syn as andere yrre steide trumpenere, myne vurvedere 1 , gedaen 
haven ind sich dat ouch heischt ind geburt, so hain ich daromb ouch 
willenklichen erkoiren ind verwilkurt 2 , erkiesien ind verwilkoeren in diesem 
brieve, dat mich dieselve myne herren, indeme ind asverre ich in eynchen 
zokomenden zyden yren geboide ungehoirsam oder ouch myme dienste neyt 
genoich of anders woest, wilde oder unhoesch 8 wurde, sulchs doch alsulcher 
keiserliger steide dieneren unf uechlich were ind nyet en zeympde, wie dat ouch 
in eyncherwys zoqweme, dat asdan van stunt ane die vurschreven myne 
herren mir mynen dienst vurschreven upsagen ind mynen loyn na anzaile 
der zyt ich in dem dienste ungeloynt geweist were, gheven doen ind eynen 
anderen nae yrre gadongen 4 in myne stat neymen moigen ind sullen, sonder 
argelist. Dis zo urkunde der wairheyt hain ich Arnoult vurschreven umb 
gebrech myns siegels gebeiden die eirsame Herman van Drymborn ind Tiel- 
man Montenbroiche, dat sy daromb ind des zo gezuge yre siegele herane 



*) vurvedere = Vorganger im Amte. 

a ) verwilkuren, verwilkoeren = durch freie Zustimmung bestatigen, einwiliigen. 
•) unhoesch (unhovisch) = roh, grob; dial, heusch = still, heimlich (vgl* Miiller- 
Weitz, Die Aachener Mundart S. 84). 

*) gadonge, mnd. gadinge = Qef alien, Belieben. 



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Aus dem Aacheher Stadtarchiv. 227 

gehangen haven, des wir Herman ind Tielman vurschreven kennen wair 
ind gerne gedaen haven, im iaere uns herren duysent vierhondart eynind- 
seiszich, up sent Barberen dach der hilger ionferen. 

Beide Siegel gut erhalten. Das eine (Drymbom) zeigt einen Schild mit drei 
Rosen in schrager Reihe, Umschrift: s. herman van drenborn; das andere 
(Montenbroiche) einen durch einen Balken quer getheilten Schild, oben ein halbes 
Hufeisen, unten zwei N'dgel, Umschrift unleserlich. Auf der Riickseite der Urkunde 
von gleichzeitiger Hand: Arnoult trumpener. 

5. Arnold Guetjair, von der Stadt Aachen zum geschworenen Forster bestelU, 
gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfvllen und dasselbe jederzeit 
auf Erfordem der Stadt vor dem Schoffengericht zu Walhorn niederzulegen. 1463, 
September 23. 

Ich Arnoult Guetjair doen oevermytz diesen brief kunt alien luden, so 
als die eirsame wyse | myne besondere lieve herren burgermeystere, scheffen 
ind rait des konynklichen stoils ind stat | Aiche mich zo yrme geswoiren 
forster gesat ind gemacht haint, des ich mich flyfilich van yn | bedanken, 
hain darumb vur gesichert ind nae myt upgereickten vyngeren gestaiftz eyds 
lyflich zen hilgen geswoeren ind geloift, sicheren, sweiren ind geloyven 
urkunde dis briefs, zo gesynnen der vurgenanten mynre herren mich des 
forsteramptz sonder verzoch zo entledigen ind darup vur rychtere ind 
scheffen van Wailhoeren genzlich zo verzyen ind denghienen myne herren 
darane haven weulden, ungehyndert des forsteramptz gebruychen zo laissen, 
so sy mich davan entsetzen ind eynen anderen daemyt versien soilen moigen, 
alzyt as yn gelieven sail, sonder indracht ind aen argelist. Dis zo urkonde 
der wairheyt hain ich Arnoult vurschreven mynen 9iegel vur herane gehan- 
gen ind hain vort gebeiden den eirwirdigen hern Reynar i van Palant, proist 
zo Kerpen, canoench ind viceproist zo Aiche, ind den vesten ionchern Wern- 
her van Wetham, myne lieve herren ind ionchern, dat sy yre ingesiegele by 
dat rayn zo gezuge gehangen haint, des wir Reynart ind Wernher etc. vur- 
schreven kennen wair ind gerne gedaen haven, up sent Mathys aevent 
apostels, im iaere uns herren duysent vierhondert dryindseiszich \ 

Alle drei Siegel gut erhalten. Das erste (Guetjair) : Zackenkreuz, im zweiten 
Geviert ein gesturzter Steinmetzhammer, Umschrift: s. amolt guytyor; das zweite 
(Palant): fiinfmal quergetheilter Schild, Umschrift: s. reinneri de palant; das 
dritte (Wetham): quadrirter Schild, im 1. und 4. Felde ein Lowe, im 2, und 3. 



*) Sechs Jahre friiher, am 7. November 1457, waren die GebrMer Arnold und 
Gerhard Guitjaer, „geboiren burgere zo Aiche", auf Lebenszeit in den Manndienst der 
Stadt und des hohen Gerichts daselbst getreten, nachdem „wir" (so erklaren sie) „mit 
deme lande ind underseessen van Lymbnrg gesoynt syn wourden, des wir nntgaen 
dieselve stat ind hogericht van Aiche hatten gebrucht, in deme dat wir vnrzyden 
us derselver stat ghaende zweyne underseessen des lantz van Lymbnrg up der 
Preufien bynnen deme ryche van Aiche in schyn van veden angetast ind gevangen 
hain gehadt". (Urkunde im Stadtarchiv zu Aachen,) 

IB* 



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228 ft. Pick 

ein Kreuz, auf dem gekrdnten Helm ein Windspiel hervorschauend, Umschrift: 
sigel werner van wetham. Auf der Riickseite von gleichzeitiger Hand: Arnoult 
Gutjar vorstmeyster (so). 

4, Werner von Munster, von der Stadt Aachen zum Bewahrer der Uhr- 
glocke im Rathhaus ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten 
zu erfiillen. 1465, Mdrz 3. 

Ich Wernher van Munster doen oeverinytz diesen brief kunt alien luden 
offenbierlichen bekennende, dat | die eirsarae vursichtighe wyBe myne beson- 
dere lieve herren burgermeistere, scheffen ind rait des koenync|lichen stoils 
ind stat Aiche mich mit yrre steide huyB urklockampte, umb dat zo ver- 
waeren, des | ich mich vlyBlichen van yn zo bedanken ham, in voeghen 
hernae geachreven versien ind mynen eyd damp untfangen haven, zo wissen, 
dat ich Wernher vurschreven unverzocht zo gesynnen der vurschreven mynre 
herren mich desselven urklockamptz, so wie ich dat ouch myt syme zobehoere 
annoymen hain, schuldich sail syn zo entleidigen, zo yren henden zo stellen 
ind darup genzlich zo verzyen, sonder yet darin zo draghen ind aen 
argelist. Dis zo urkonde der wairheyt hain ich Wernher van Munster vur- 
schreven umb gebreche myns siegels gebeden den eirsamen ionchern Got- 
schalk van Segroide ind Lentz Tzillis, mynen lieven swiegerherren, dat sy 
yre siegele vur mich herane gehangen haven, dat wir Gotschalk ind Lentz 
vurschreven zer beden des eg en an ten Wernhers kennen wair ind gerne 
gedain hain, up den sondach Invocavit, im iaere uns herren duysent vier- 
hondert vonfindseiszich. 

Beide Siegel beschddigt. Das eine (Segroide) zeigt drei Hinge und auf dem 
Helm einen Ring, das andere (Tzillis) einen gezahnten Schr'dgbalken, Umschrift 
bei beiden grosstentheils zerstort. Auf der Riickseite von gleichzeitiger Hand: 
Wernhers van Monster geloffeniB syns uyrklockamptz. 

5. Reinhard von Gymmenich, dem die Stadt Aachen das Amt eines Armbrust" 
meisters ubertragen und das ausserste Kolnmittelthor verliehen hat, gelobt, alle mit 
diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfiillen, 1466, Februar 25, 

Ich Reynart van Gymmenich doen kunt, so as die eirsame wyse herren 
burgermeistere, scheffen ind | rait der stat Aiche, myne besondere lieve herren, 
mich zo yrre steide armborstmeisterampte versien | ind mir die uysserste 
myddelste Coelnerportze verlient, vort mynen eyd darup untfangen | haven, 
des ich mich vlyfilich van yn zo bedanken hain, bekennen ich Reynart vur- 
schreven, dat ich schuldich syn sail, zo gesynnen der vurschreven mynre 
herren mich desselben vurschreven amptz ind portzen zo entleidigen ind 
genzlichen darup zo verzyen, sonder indracht. Ouch aslange ich an dem 
ampte ind portzen vurschreven blieve, sail ich van nu vortane alle ind 
yeclichs iairs behaft ind verbunden syn, up myne koste der steide Aiehe 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 229 

vurschreven seis armborste zo seynen, zo verbynden ind zo rustieren *, ind dat 
zo yrme nutze ind mynre eren, sonder argelist. Ind des zo urkunde der 
wairheyt hain ich Reynart durch gebrech myns siegels gebeiden die eirbere 
ioncher Lambrecht Buck zom swarzen Aire ind Jacob Paile, dat sy daromb 
ind des zo gezuge yre ingesiegele vur mich herane gehangen haven, des wir 
Lambrecht ind Jacob etc. vurschreven kennen wair ind gerne gedaen hain, 
vonfindzwenzichsten dages februarii, im iaere uns herren duysent vierhondert 
seisindseiszich. 

Das Bucksche Siegel bis auf die Umschrift: sil. lamberti . ., das andere 
ganz abgef alien. Auf der Biickseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Rey- 
nart armborstmechers geloefde antreffende dat armborstmecherambachk 

6. Lenz von der Heyden, von der Stadt Aachen zum Wdchter ihres Wart- 
thurms zu Verlautenheide ernannt y gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen 
Pflichten zu erfullen. 1466, Oktober 1. 

Ich Lentz van der Heyden doen oevermytz diesen brief kunt alien luden, 
so as die eirsame wyse myne besondere | lieve herren burgermeistere, scheffen 
ind rait des koenynclichen stoils ind stat Aiche myt yrre steide thoirne | ind 
warden up Verlutenheyde in ind bynnen yrme ryche geleigen mich versien, 
vort mir umb die gryndele | daselfs, gelych Wilhem genant Tzanders, myn 
vurfader, zo doin plach, zo verwaeren, zo offenen ind zo sliessen seiszich 
Eesche marke van nu vortane, aslanghe ich den thorn ind warde vurschre- 
ven innehette, half zo paeschen ind half zo sent Remeismyssen zo heyven, 
zogesacht ind geloift haven, des ich mich dienstlich van yn bedanken, be- 
kennen ich Lentz vurschreven, dat ich vur gesichert ind boyven mynen eyd 
yn ind yren burgeren getruwe zo syn gedaen, aver mit mynen vleischlichen 
vyngeren up dat crucifix gelacht lyflichen zen hilgen geswoiren hain, sicheren 
ind sweiren vestlichen oevermytz diesen brief, zo gesynnen der vurschreven 
mynre herren mich des vurschreven thoirns ind warden zo entleidigen ind 
sonder verzoch darup zo verzyen, aen argelist. Ind des zo urkunde der 
wairheyt hain ich Lentz vurschreven umb gebrechs wille myns siegels gebei- 
den die eirbere Herman Gerboide ind Clais van der Schuyren, dat sy daromb 
ind des zo gezughe yre ingesiegele vur mich herane gehangen haven, des wir 
Herman ind Clais vurschreven kennen wair ind zer beden Lentzen vurschre- 
ven gerne gedain hain. Gegeven up sent Remeisdach, yersten dages octobris, 
im iaere uns herren duysent vierhondart seisindseiszich. 

Beide Siegel gut erhalten. Das eine (Gerboide), etwas gepresst, zeigt an- 
8cheinend im Schild einen Hahnenfuss, moglicher Weise konnte die Figur auch ein 
au8geris8ener Baumstumpf sein, Umschrift unleserlich; das andere (Schuyren) enth'dlt 
drei (2.1) Eselskopfe, in der Mitte eine Kugel, Umschrift: s. cleis van der 



*) Diese Verpflichtung, welche auch den spatern Armbrustmeistern von der 
Stadt auferlegt wnrde (vgl. Nr. 19 nnd Anm. 1 dazu), zeigt, auf welche Weise letztere 
zu ihren Waffenvorrathen gelangte. 



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230 R. Pick 

schuren. Auf der ffiickseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Anno lxvi ge- 
loffeniB Lentzen van der Heyden as van des thorns wegen up Verluytenheyde. 

7. Johann Kriimmel von Eynatten, von der Stadt Aachen zum Forstmeiater 
ernannt, geloht, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfiiUen. 1467 V 
Februar 5. 

Ich Johan Krummell van Eynatten doin oevermytz diesen brief kont 
alien luden offenbierlichen bekennende, also die eirsame wyse herren burger- 
meistere, scheffen ind rait des konynclichen stoils | ind stat Aiche in stadt 
wilne Eymmerich van Bastenacb, dem got gnade, mich zo eyme yrre steide 
vorstmeyster gesat, mit dem vorstmeysterampte version ind mir vort dannaf 
alle | iairs van nu vortan nae data dis briefs, aslanghe ich ditselve vorst- 
meisterampte behalden sail unafgesat, up sent Agathen dach der hilgher 
ionferen, vonften dages februarii, vonfind|zwenzich mark zerzyt der bezalonghen 
bynnen yrre stat gencghe ind gheve zo bezailen doin zogesaicht ind geloift 
haven, des ich mich vlyfilichen van yn bedanken ind ouch furbafi denk- 
lich vur oughen haven wille, bekennen ich Johan vurschreven, dat ich 
doch dit vurschreven vorstmeysterampte untfangen, annoymen ind mich 
des in maissen hernae geschrieven beladen hain, zo wissen, dat ich mich in 
dem vurschreven ampte geburlich halden wille ind sail, also dat nyemantz 
unzeymelich, unbillich ind ungebuerlich verhoeschaft, verunrecht noch ver- 
kurzt en werde. Ouch sail ich verbonden syn, in demselven ampte allezyt 
by den vurschreven herren zo doen ind zo laissen, ind were sache den vur- 
schreven herren van Aiche zerzyt beduchte, ich in eynchen zyden dit allet 
wie vurschreven steyt samen oder eynich besonder oevertreden ind nyet hal- 
den wurde, asdan sonder indracht sail ich verplycht syn, zo yrme gesynnen 
up alien enden ind steiden, dae ind so wie sich dat geburt ind yn gelieven 
sail, mich des vurschreven vorstmeysteramptz zo entledigen, genzlichen darup 
ind up die vonfindzwenzich mark iairliger renten vurschreven zo verzyen 
ind wiederumb zo yren henden zo stellen, umb daemyt zo yrre gadongen 
eynen anderen zo versien. Hain darumb ich Johan vur in hende der burger- 
meystere zerzyt der stat Aiche vurschreven zo urber ind in behoif derselver 
stat yrre burgere, ingesessen ind underseessen getast, geloift, gesichert ind 
nae myt mynen vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht zo goide ind 
den hilghen geswoeren 1 , geloyven, sicheren ind sweiren ouch vestlichen in 



l ) Im 17. Jahrhundert lautete der Eid des Forstmeisters : „Ihr als von einera ehr- 
baren grossen rat angestelter vorstmeister uber dessen buschen und walderen sollet 
geloben und schweren einen ayd zu gott und seinen lieben heiligen, den herren burger- 
meisteren und einem enrbaren rat trew und hold zu sein, ihr argstes zu warnen und 
bestes vorzuwenden, das euch aufgetragenes vorstmeistersambt zu mehrerer aufkombst 
eines ehrbaren rats buschen und walderen, auch gemeiner stat beaten, urbar, nutz und 
wolfahrt moglichst fleissigst und ganz trewlich zu verwalten, auf erwehnte buschen 
gute obacht zu nehmen, damit das holz pfleglich gehalten werde und die wildfuhr nit 
veroset, die junge haw bis auf das vierte und funfte laub nach gelegenheit der sachen 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 231 

kraft dis briefs, den vurschreven herren, yrre stat burgeren, ingesessen ind 
underseessen van Aiche van nu vortane, aslanghe ich by diesem vurschreven 
vorstmeisterampte versien blyven sail, alzyt hoult ind getruwe zo syn, yre 
ere ind beste vurzokieren ind zo werven, sy yrs argsten zo warnen up alle 
den enden ind steden, dar ich ummerme komen ind dat init eren doin mach, 
ind darzo alle ind yecliche dis briefs punten vaste, stede ind unverbruchlich 
zo halden ind zo vollenzien, sonder argelist ind aen wiederrede. Ind dis zo 
urkonde der wairheit hain ich Johan Krummell vurschreven myn ingesiegel 
vur an diesen brief gehangen ind hain vort gebeden Reynart Krummell van 
Eynatten, mynen lieven neyven, ind Herman van Eyfie genant van BeuOdall, 
dat sy yre ingesiegele zo meirre vestongen ind gezuge myt herane gehangen 
haven, dat wir Reynart ind Herman vurschreven kennen wair zo syn ind 
gerne gedain hain, up sent Agathen dach der hilger ionferen, vonften daiges 
februarii, im iaere uns herren duysent vierhondert sevenindseiszich. 

Das Siegel des Johann Kriimmel gut erhalten, die beiden andern sehr be- 
schildigt. Ersteres zeigt ein Schlangenkreuz und dariiber als Beizeichen ein gewun- 
denes Band, auf dem Helm einen gesturzten Fuss mit Sporn, Umschrift: s. iohan 
krumel v. einaten; von dem zweiten ist nur noch das Schlangenkreuz, von dem 
dritten die Umschrift herman erkennbar. Auf der Buckseite der Urkunde von 
gleichzeitiger Hand: Anno lxvii Johan Krummels geloffeniB antreffende dat 
vorstmeysterainpt. 

Verzeichnet: Quix, Kreis Eupen S. 182. 

8. Johann von Burtscheid genannt Burgerhaus, von der Stadt Aachen zum 
Bewahrer ihres Biirgerliauses, Schlosses und Gefangnisses ' ernannt, gelobt, alle 
mit diesem Amte verbundenen Pftichten zu erfiillen. 1467, Juni 8. 

Ich Johan van Burtscheit, den man noempt Burgerhuyfi, doin oever- 
mytz diesen | brief kont alien luden, so as die eirsame wyse myne besondere 
lieve herren bur|germeystere, scheffen ind rait des konynclichen stoils ind 
stat Aiche mich myt dem | ambacht yrre steide burgerhuyfi, slofi ind gefenke- 
nisse 1 zo verwaren ind myt der woynongen darzo gehoirende versien ind 



wie auch alle andere unzimliche abhawung der baum und geholz zu verbieten und 
nit gestatten, das beinebens das jahrliche ordinarii-geholz einig ferner ohne wissen 
eines ehrbaren rats abgehawen werde, sondern dieienige, so in solchen verbottenen 
hawen gegraset oder sonsten einigen schaden zugefuegt, nnd ihr dessen durcb die 
einem ehrbaren rat und euch verftidte vorster oder anderwerts innen wurdet, ernstlich 
zn bestrafen, die missbrauch wie nit weniger alles das, was der wildbahn schadlich, 
soviel euch thuenlich, abzuschaffen und im nbrigen alles dasienige zu thun, was einem 
trewen vorstmeisteren znstehet, alles ohne gefarde und argelist." Eidbuch des 17. 
Jahrh. im Stadtarchiv zu Aachen. 

*) Gemeint ist das sog. Gras; vgl. Nr. 22. Die Bezeichnung „Schloss" fur dieses 
Gebaude (sloz, ahd. und mhd. = Ein- oder Umschliessung, Schloss, Bnrg, in daz schloz 
legen = gefangen setzen) ist den Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts fremd, dagegen 
kommt sie schon in einer Urkunde von 1397 (darnmb he mich hadde doin kummeren 
ind halden ind in der steede slos van Aiche doin leiden) vor. Spater findet sie sich 
ofters, meist in Urkunden, die von Gefangenen iiber ihre Urfehde nach der Entlassung 



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232 R. Pick 

darup mynen eyd untfangen hain, des ich mich dienstlich van yn bedanken, 
bekennen ich Jobaxi von Burtscheit vurschreven, dat ich vur gesichert ind nae 
myt mynen vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht lyflichen zo 
goide ind synen hilghen geswoiren hain, geloyven, sicheren ind sweiren ouch 
vestlichen in kraft dis briefs, mich desselven ambachtz yrre steide burger- 
huyfi, sloG ind gefenkenisse zo verwaren myt der woynongen vurschreven, 
sonder verzoch zo gesynnen der vurgenanten mynre herren zo entledigen ind 
darup genzlichen zo verzyen, sonder indracht ind aen argelist. Dis zo ur- 
konde der.wairheit hain ich Johan van Burtscheit vurschreven durch gebrech 
myns siegels gebeden die eirsame wyse herren her Stheven van Roide ind 
her Johan van Gyinmenich, zerzyt rentmeister zo Aiche vurschreven, dat sy 
darumb ind des zo gezuge yre ingesiegele vur mich an diesen brief gehangen 
haven, des wir Stheven ind Johan van Gymmenich etc. vurschreven zughen 
ind kennen wair ind gerne gedain hain, up maendach, eichten daiges iunii, 
im iaere uns herren duysent vierhondert sevenindseiszich. 

Beide Siegel gut erhalten. Das eine (Roide) : auf zwei gekreuzten Aesten ein 
Mittelschild mit Sparren, auf dem Helm ein If lug, Umschrift unleserlich; das 
andere (Gymmenich) : Sparren, im ersten Drittel ein Kleeblatt, Umschrift: 8. iohan 
va gymmenich. Auf der Ruckseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Anno 
lxvii geloffenifi Johans van Burtscheyt genant BurgerhuyB der stat gedaen 
as van yrre stede burgerhuyfi wegen. 

9. Karl von Gevach, von der Stadt Aachen zum Wdchter des iimsersten 
Burtscheider Thors ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten 
zu erfullen. 1467, September 22. 



aus der Haft der Stadt ausgestellt wurden. Da heisst es z. B. 1401: want die ersame 
wyse herren burgermeistere, scheffen ind rait der stat van Aiche mich hadden doin 
halden ind in yrre stede slos setzen; 1433: also wir samen umb anzicht ind bedraigs 
wille zo Aiche in der stede slosse gevangen gehalden sijn geweist, wilchs gevenknisse 
doch die eirsame wyse herren der vaigt ind meyer van gerichtz wegen ind die burger- 
meistere, scheffen ind rait van wegen yrre stat van Aiche ons loss ind quijt usgelaissen 
haint; 1445: also ich . . zo Aiche in der stede slosse gevangen gehalden geweist byn; 
1474: so als die eirsame . . herren burgermeistere, scheffen ind rait des konynclichen 
stoils ind stat Aiche mich in yrre stede sloC ind gefenkeniB doin setzen gehadt hain; 
1483: also ich in der stede Aiche slofi ind gofenkeniB gefenklich gesessen gehadt 
hain n. s. w. (Sammtliche Urkunden im Stadtarchiv zu Aachen.) In den Stadtrech- 
nungen wird das Gefangniss im Gras zuerst 1349 erwahnt: Item de reparacione capti- 
vitatis domus civinm 20 s. (Laurent, Aach. Stadtrechnungen aus dem 14. Jahrh. 
S. 223, 20 ). Eine grossere Eeparatnr verzeichnet die Ansgabe-Rechnung von 1394: Item 
dat duyster loch in der burger huys ze machen, soe stein, soe sant, soe loin 7 m. 10 s. 
(Ebendas. S. 393,,,). In der Ausgabe-Rechnung von 1344 ist von dem Thor des Gras- 
bauses die R-ede: Item pro sera supra portam graminis civium et de reparacione 
portae 3 s. (Ebendas. S. 164, 89 ). Von diesem Thor („der erster pfortzen am GraB- 
hause") hatten im 16. Jahrhnndert die Meyersdiener einen Scblfissel, damit sie bei 
Einbringung eines Gefangenen zur Nachtzeit nicht davor zu stehen brauchten, den 
Schliissel zum Gefangniss aber bewahrte der Stadtdiener, welcher in dem Gebaude 
wohnte (Hs. des 16. Jahrh. im Stadtarchiv zu Aachen). HierDach scheint das noch 
jetzt bestehende Thor bei dem Umbau des Grashauses zum Rathhaus im J. 1267 ange- 
legt und spater erneuert worden zu sein. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 233 

Ich Karl van Gevach, mutzenmecher 1 , doin oevermytz diesen brief kont 
alien luden, so als die eirsame wyse | myne besondere lieve herren burger^ 
meistere, scheffen ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche mich myt | 
yrre stede uisserste Burtschieder portzen versien ind damp mynen eyd untr 
fangen haven, des ich mich | dienstlich van yn bedanken, bekennen ich Karl 
vurschreven, dat ich vur gesichert ind nae myt mynen vleyschlichen vyngeren 
up dat crucifix gelaicht lyflichen zen hilghen geswoeren hain 2 , geloyven, 
sicheren ind sweren ouch vestlichen in kraft dis briefs, die muyren, yrre 
stede uisserste graven, so verre die in mynre graefschaf roerent, aslanghe 
ich in den vurgeroirten dienst syn, veighen ind reyne halden sail, vort zo 
gesynnen der vurgeroirten mynre herren mich der vurgeroirten portzen myt 
der woynonghen darzo gehoerende zo entledighen ind darup genzlichen zo 
verzyen, sonder indracht ind aen argelist. Ind dis zo urkonde der wairheyt 
hain ich Karl van Gevach vurschreven umb gebrechs wille myns siegels ge- 
beden die eirsamen ionchern Lambrecht Buck, wilne hern Lambrechtz son, 
ind Johan Rogier, dat sy yre siegele darumb ind des zo gezuge vur mich 
herane gehangen haven, des wir Lambrecht ind Johan vurschreven kennen 
wair ind gerne gedaen hain, des zweyindzwenzichsten daiges septembris, im 
iaere uns herren duysent vierhondert sevenindseiszich. 

Beide Siegd besch'ddigt. Das eine (Buck) : Kreuz von Lilienst'dben, auf dem 
Helm zwei lilienbesteckte Biiffelhorner, Umschrift: s. lambrecht buck; das andere 
(Rogier) : ein Spaten (f), Umschrift : s. iohannis roidg . . Auf der Ruckseite der 
Urkunde von gleichzeitiger Hand: Anno lxvii geloffeniO Karls van Gevach der 
stat van yrre uiBerste Burtschieder portzen geschiet. 

10. Michel von der Gheifi, von der Stadt Aachen zum geschioorenen Forster 
ernannt, gelobt alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfuUen und dasselbe 
jederzeit auf Erfordern der Stadt vor dem Schoffengericht zu Walhorn niederzu- 
legen. 1469, Januar 21. 

Ich Michiell van der GheyO doin oevermytz diesen brief kont alien 
luden, so as die eirsame wyse myne besondere lieve herren burger|meystere, 



*) mutzenmecher = Mutzenmacher ? Dieselbe Bezeichnung in Nr. 12 und 15. 

a ) Die Eidesformel fur die Wachter der aussersten Stadtthore lautete im 17. Jahr- 
hundert: „Ihr als von einem ehrbaren rat dieser statt Aachen angestelter wachter an 
der eufierister stattpforten sollet schweren zu gott und seinen lieben heiligen, das ihr 
wolbemelten rat und herren burgermeisteren trew, hold uni gehoraam sein sollet, ihr 
bestes furderen und arges warnen, dieselbe pfort zu gebuhrender zeit, wie imgleichen 
die ketten, grindelen und schlagbaum trewlich zu- und ufschliessen, sodan gute obacht 
nehmen auf selbiger pforten graben, damit demselben auch daraussen einem ehrbaren 
rat und der gemeinden kein schad oder nachtheil zugefuegt werde, und fals ihr einige 
gefahrliche machinationes oder vorhaben spuren, solches herren burgermeisteren also- 
bald offenbaren sollet; ferners auch gute aufsicht nehmen auf den wachthanseren, 
damit selbige zu gebuhrender zeit uf- und zugeschlossen, auch gereiniget werden, und 
Bonsten den euch aufgetragenen dienst mit allem fleiss und trew beobachten und 
dasienig zu thun und zu lassen, was einem trewen und aufrichtigen wachtern zu thun 
und zu lassen gebuhret, ohne argelist. So wahr u. s. w." Eidbuch des 17. Jahrh. im 
Stadtarchiv zu Aachen. 



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234 R. Pick 

scheffen ind rait des konynklichen stoils ind stat Aiche in stat wilne Johan 
Schyns van Iliartzhoy ven genoempt Backman | mich zo yrme geswoeren furster 
gesat haven, des ich mich dienstlich van yn bedanken, bekennen ich Michiell 
van der Gheyfi vurschreven, | dat ich van nu vortan den vurgenanten mynen 
herren, vort yrre vurschreven stat ind yren burgeren, ingesessen ind under- 
8ees8en van Aiche alzyt hoult ind getruwe syn, yre ere ind beste werven 
ind sy yrs ergsten warnen sail up alien enden ind steden, dae ich umberme 
komen ind dat niyt eren doin mach, ind mich ouch alzyt myt yrre stede 
reichte, herkomen ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb eynche sachen, 
watkonne x die ouch weren, ind ich myt yrre vurschreven stat oder eynchen 
yren burgeren, ingesessen oder underseessen schaffen oder uiBstaendz hette 
of gewonne, genoeghen zo laissen. Vort sail ich, aslanghe ich dat furster- 
ampt vurschreven in hen den haven sal, datselve vurgeroirte fursterampt be- 
hoirlichen zo urber ind beste yrre vurschreven stat ind burgere van Aiche 
myt vlyO verwaren ind mich des ouch sonder verzoch zo gesynnen der vur- 
genanten uiynre herren entledighen ind darup vur richtere ind scheffen van 
Wailhorne genzlichen verzyen, gelych ich Michiell van der GheyB vurschreven 
dit allet also nae luyde dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae myt 
mynen vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht lyflichen zen hilghen 
geswoiren hain, sicheren, geloyven ind sweren ouch vestlichen in kraft dis- 
selben briefs zo doin, vaste, stede ind unverbruchlich zo halden ind zo vol- 
lenzien, sonder indracht ind aen argelist. Ind dis zo urkonde der wairheit 
hain ich Michiell van der GheiB vurschreven umb gebrech wille myns siegels 
gebeden die eirberen Jacob ind Geirhart Paill, gebroederen, myne lieve neyven, 
dat sy darumb ind des zo gezughe yre siegele vur mich herane gehangen 
haven, dat wir Jacob ind Geirhart Paill, gebroedere vurschreven, kennen 
gerne gedaen hain, des eynindzwenzichsten daigs ianuarii, im iaere uns herren 
duysent vierhondert nuynindseiszich. 

Beide Siegel grbsstentheils zerstort. Von dem zweiten (Geirhart Paill) noch 
erkennbar drei Steinmetzhammer auf einem Querbalken im Schild. Auf der Biick- 
seite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Michiell van der GheiG vorster. 

11. Nikolaus Gerdum, von der Stadt Aachen zum Bestatter der nach Bra- 
bant gehenden Giiter ernannt, gelobt, alle mit dies em Amte verbundenen Pflichten 
zu erfullen. 1469, M'drz 9. 

Ich Clais Gerdum doin offenbierlichen oevermytz diesen brief kont alien 
luden, so als die | eirsame wyse myne besondere lieve herren burgermeistere, 
scheffen ind rait des konynclichen | stoils ind stat Aiche mich myt yrre stede 
bestederampt zo Brabant wert uiG gelegen | versien hain, also dat ich dairuiB, 
aslanghe yn gelieft, yre, vort yrre burgere, ingesessen ind underseessen be- 
steder syn sail, des ich mich dienstlichen van yn bedanken, bekennen ich 



*) watkonne = welcherlei. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 235 

Clais vurschreven, dat ich dat vurschreven bestederampt, aslanghe ich darane 
Ryn sail, zo urber ind beste yrre vurschreven stat ind burgere van Aiche ind 
zo mynre eren vlyslichen verwaren sail. Vort so en sail ich myns wissens 
gheynewys laden noch gestaiden geladen zo werden eynich ander guet by 
yrre burgere guet van Aiche, dat myt yrre stede burgere zeichen sulde oder 
moecht myt oevergefoirt werden. Ouch en sail ich gheynen karreluden ey- 
nich yrre stede vurgeroirte burgere zeychen gheven, der oder die eynich 
guet me dan yrre vurgenante burgere guet geladen hetten, oever zo 
fueren, warby die egeroirte stat ind burgere van Aiche an yrre vryheit nyet 
geirret noch der untfyrnt * dairdurch en werden. Ind ich sail mich ouch zo 
gesynnen der egenanten mynre herren des vurgenanten bestederamptz entr 
ledighen ind darup genzlichen verzyen, gelych ich Clais Gerdum vurschreven 
dit allet also nae luyde dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae myt 
mynen vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht lyflichen zen hilghen 
geswoiren hain, sicheren, geloyven ind sweiren ouch vestlichen in kraft dis- 
selven briefs zo doin, vaste, stede ind unverbruchlich zo halden ind zo 
vollenzien, son der argelist. Ind dis zo urkonde der wairheyt hain ich Clais 
Gerdum vurschreven umb gebrech wille myns siegels gebeden die eirberen 
Arnolt Dollart ind Arnolt Engelbrecht van Monjoe, dat sy darumb ind des 
zo gezughe yre siegele vur mich herane gehanghen haven, dat wir Arnolt 
Dollart ind Arnolt Engelbrecht van Monjoe vurschreven kennen wair ind 
gerne gedaen hain up donrestach, nuynden daigs martii, im iaere uns herren 
duysent vierhondert nuynindseiszich. 

Das Dollartsche Siegel (drei Bauten, Vmschrift: s. arnolt dollart) gut 
erhalten, das andere fehlt. Auf der Buckseite der Urkunde von gleichzeitiger 
Hand: Clais Gordom besteder. 

12. Wilhelm von Eys, von der Stadt Aachen zum Wdchter des Scherpthors 
ernannt, gelobl, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfullen. 1469, 
Mai 10. 

Ich Wilhem van Eyse doin oevermytz diesen brief kont alien luden, 
so als die eirsame wyse myne | besondere lieve herren burgermeistere, scheffen 
ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche mich | myt yrre stede Scharp- 
portzen versien hain, des ich mich dienstlich van yn bedanken, bekennen | 
ich Wilhem vurschreven, dat ich von nu vortan den vurgeroirten mynen 
herren, vort yrre vurschreven stat ind yren burgeren, ingesessen ind under- 
seessen alzyt hoult ind getruwe syn, yre ere ind beste werven ind sy yrs 
ergsten warnen sail up alien enden ind steden, dae ich umberme komen ind 
dat myt eren doin mach, ind mich ouch alzyt myt yrre stede reichte, her- 
komen ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb eynche sachen, watkonne 
die ouch weren ind ich mit yrre vurschreven stat oder eynchen yren burgeren, 



>) untfyrnt = entfernt, entfremdet. 



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236 R. Pick 

ingesessen oder underseessen schafFen oder uiBstaendz hette of gewonne, 
genoeghen zo laissen. Vort sail ich, aslanghe ich in yren dienste der vur- 
geroirten Scharpportzen syn sail, denselven vurgeroirten dienst zo urber ind 
beste yrre vurschreven stat ind burgere van Aiche ind zo mynre eren vlys- 
lichen doin ind verwaren ind die myddelste muyren yrre stede, so verre die 
in mynre graefschaft roerent, veghen ind reyn halden ind sail ouch zo ge- 
synnen der vurgeroirten mynre herren mich der vurgeroirten portzen myt 
der woynonghen darzo gehoerende entledighen ind darup gcnzlichen ver- 
zyen, sonder indracht. Gelych ich Wilhem van Eyse vurschreven dit allet 
also nae luyde dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae mit mynen 
vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht lyflichen zen hilghen geswoiren 
hain, sicheren, geloyven ind sweren ouch vestlichen in kraft diseelven briefs 
zo doin, vaste, stede ind unverbruchlich zu halden ind zo vollenzien, sonder 
argelist. Ind dis zo urkonde der wairheyt hain ich Wilhem van Eyse 
vurschreven umb gebrech wille myns siegels gebeden die eirberen 
Kirstghyn Iserraan ind Geirhart Guetjair, mutzenmecher, dat sy darumb 
ind des zo gezuge yre siegele vur mich herane gehanghen haven, dat 
wir Kirstghyn ind Geirhart vurschreven kennen gerne gedaen hain, des 
zienden daigs in deme meye, im iaere uns herren duysent vierhondert nuyn- 
indseiszich. 

Beide Siegel fehlen. Auf der Ruckselte der Urkunde von gleichzeitiger 
Hand: Wilhem van Eyse weichter an Scharpportze. 

IS. Johann CoeUch, von der Stadt Aachen zum Wachter des Jungheitsthors 
ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pftichten zu erfi'dlen. 1473, 
Mai 17. 

Ich Johan Coelsch doin oevermytz diesen brief kont alien luden, as 
die eirsame wyse niyne besondere lieve herren burgermeistere, scheffen ind 
rait | des koenynclichen stoils ind stat Aiche myt Jonckheytportzen mich 
versien haint, des ich mich van yn dienstlich bedanken, bekennen ich Johan | 
vurschreven, dat ich van nu vortane den vurschreven mynen herren, yrre 
stat burgeren, ingesessen ind undersiessen alzyt hoult ind getruwe syn, yre 
ere | ind beste werven ind sy yrs ergsten warnen sail, mir alzyt myt yrre 
steide reichte, herkomen ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb wat- 
konne sachen dat ouch were, ind ich mit yrre stat oder eynichen yren bur- 
geren, ingesessen oder undersiessen schaffen hette oder gewunne, genoegen 
zo laissen. Vort sail ich, aslanghe ich in yrre steide dienste an der vurschreven 
portzen syn sail, denselven dienst zo urber ind beste yrre stat ind burgere 
van Aiche ind zo mynre eren vlyslich bewaeren ind zo gesynnen der vur- 
schreven mynre herren mich der vurschreven portzen ind dienstz genzlich 
entleidighen ind darup verzyen, gelych ich Johan dat allet also nae luyde 
dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae myt upgereckten vyngeren zen 
hilgen geswoiren hain, vaste ind stede zo halden, sonder argelist. Ind dis zo 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 237 

urkunde der wairheit hain ich Johan umb gebrech myns siegels gebeiden 
die eirsamen Johan van der Haghen ind Jacob Paill, dat sy zo gezughe yre 
ingesiegele vur mich herane gehangen haint, des wir Johan van der Haghen 
ind Jacob Paill vurschreven kennen wair ind gerne gedain hain, sieven- 
zienden dages in dein meye, im iaere uns herren duysent vierhondert dry- 
indsievenzich. 

Das von der Haghensche Siegel gut erhalten, das andere beschddigt. Jenes 
zeigt drei Rauten und die Umschrift: s. iohan van den haghen, dieses auf 
einem Querbalken drei Steinmetzhammer, Umschrifl unleserlich. Auf der JRuckseite 
der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Johan Coelsch weichterbrief. 

14. JoJiann von Auwe, von der Stadt Aachen zum Wdchter des St. Jakobs- 
mittelthors ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pfiichten zu erfullen. 
1476, Juni 8. 

Ich Johan van Auwe doin oevermytz diesen brief kont alien luden, 
als die eirsame wyse myne besondere lieve herren burgermeistere, scheffen | 
ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche mich myt yrre stede myddel- 
ster sent Jacobsportzen versien haint, des ich mich vlyslich van yn | bedanken, 
bekennen ich Johan van Auwe vurschreven, dat ich van nu vortane den 
vurschreven mynen herren, vort yrre vurschreven stat, yren burgeren, inge- | 
sessen ind undersiessen alzyt hoult ind getruwe syn, yre ere ind beste werven 
ind sy yrs ergsten warnen sail ind mir alzyt myt yrre stede- reichte, her- 
komen ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb watkonne sachen die 
ouch were, ind ich myt yn, yrre vurschreven stat oder eynchen yren burgeren, 
ingesessen of undersiessen zo schaffen hette oder gewonne, genoegen zo 
laissen. Vort sail ich, aslanghe ich in yrre stede dienste an der vurschreven 
portzen syn sail, denselven vurschreven dienst zo urber ind beste yrre vur- 
schreven stat ind burgere van Aiche ind zo mynre eren vlyGlich bewaren 
ind die muyre yrre myddelster stat, aswyt die in mynre graeschaf gelegen 
is, veighen ind reyne halden ind sail zo gesynnen der vurschreven mynre 
herren mich der vurschreven portzen myt der wanongen ind yren zobehoere 
sonder indracht entleidighen ind darup genzlich verzyen, gelych ich Johan 
van Auwe vurschreven dit also nae luyde dis briefs vur gesichert ind ge- 
loift ind nae myt mynen vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht 
zen hilghen geswoiren hain, vaste ind stede zo halden, sonder argelist. Dis zo 
urkonde der wairheyt hain ich Johan van Auwe vurschreven umb gebrech 
myns siegels gebeden die eirbere Tielen van Montenbroiche ind Johan van 
Betghenhuysen, dat sy yre ingesiegele vur mich zo gezughe herane gehangen 
haint, des wir Tiell ind Johan van Betgenhuysen vurschreven kennen wair 
ind gerne gedaen haven, des eichten daighs iunii, im iaere uns herren duy- 
sent vierhondert seifiindsievenzich. 

Beide Siegel gut erhalten. Das eine (Montenbroiche) wie an Urkunde 2, das 
andere (Betgenhuysen) zeigt einen quergetheilten Schild, im obern mit Spindeln 



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238 fe. Pick 

besaten Felde einen dreildtzigen Turnierkragen und einen schrdgrechten Faden, 
Umschrift unleserlich. Auf der JRuckseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: 
Johan van Auwe weichter van myddeler sent Jacobsportzen. 

15. Jakob Koch, von der Stadt Aachen zurn W'dchter des Neuthors ernannt, 
gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Ffiichten zu erftUlen. 1411, April 30. 

Ich Jacob Koch doin oeverraytz diesen brief kont alien luden, als die 
eirsame wyse myne besondere lieve herren burgermeistere, | scheffen ind rait 
des konynclichen stoils ind stat Aiche mich myt yrre stede myddelster portzen 
genant Nuweportze versien | haint, des ich mich vlyBlich van yn bedanken, 
bekennen ich Jacob vurschreven, dat ich van nu vortan den vurschreven 
mynen herren, vort | yrre vurschreven stat yren burgeren, ingesessen ind 
undersiessen alzyt hoult ind getruwe syn, yre ere ind beste werven ind sy 
yrs ergsten warnen sail ind mir alzyt myt yrre stede reichte, herkomen ind 
gewoenden, geistlich ind werentlich, umb watkonne sachen die ouch were, 
ind ich myt yn, yrre vurschreven stat oder eynchen yren burgeren, ingesessen 
of undersiessen zo schaffen hette oder gewonne, genoegen zo laissen. Vort 
sail ich, aslanghe ich in yrre stede dienste an der vurschreven portzen syn 
sail, denselven vurschreven dienst zo nrber ind beste yrre vurschreven stat 
ind burgere van Aiche ind zo mynre eren vlyBlich bewairen ind die muyre 
yrre myddelster stat, aswyt die in mynre graeschaft gelegen is, veyghen ind 
reyne halden ind sail zo gesynnen der vurschreven mynre herren mich der 
vurschreven portzen myt der wanongen ind yren zobehoere sonder indracht 
entledigen ind damp genzlich verzyen, gelych ich Jacob Koch vurschreven 
dit also nae luyde dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae myt mynen 
vleyschlichen vyngeren up dat crucifix gelaicht zen hilgen geswoiren hain, 
vaste ind stede zo halden, sonder argelist. Dis zo urkonde der wairheyt hain 
ich Jacob Koch vurschreven umb gebrech myns siegels gebeden die eirbere 
ioncher Jacob Paill ind Geirhart Guetjaere, mutzenmecher, dat sy yre siegele 
vur mich zo gezuge herane gehangen haint, des wir Jacob Paill ind Geirhart 
vurschreven zer beden des vurgeroirten Jacobs Koch kennen gerne gedaen 
hain, up sent Quiryns dach, lesten dages aprils, iin iaere uns herren duysent 
vierhondert sievenindsievenzich. 

Beide Siegel gut erhalten. Das eine (Paill) wie an Urkunde 13, Umschrift: 
sigillum iacop pail, das andere (Guetjaere) zeigt drei gekreuzte Stdbe, Umschrift 
unleserlich. Auf der Miickseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand ; Jacobs Koch 
weichterbrief van Nuweportzen. 

16. Peter Kreptzer von Gothenburg, von der Stadt Aachen zum Stadtpfeifer 
ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pftichten zu erfullen. 1419, Mai 25. 

Ich Peter Kreptzer van Roitenburg doin oevermytz diesen brief kont, 
as mich die eirsame wyse myne besondere lieve herren burger|meistere, 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 23d 

scheffen ind rait des koenynclichen stoils ind stat Aiche up huyde zo eyine 
yrre steide pytfer umb eynen benanteii iairloyn | neymlich eichtzig yrre 
marke ind geburlige kleydonghe annoymen haven, bekennen ich Peter vur- 
schreven, dat dieselve myne herren eich | hieinne die macht behalten haint, 
mir desen dienst allezyt, wanne yn gelieft, upsaghen ind mich entsetzen 
moighen. Ind ich sail myns dienstz alzyt getruwelichen warneymen ind zo 
gesynnen der vurschreven mynre herren schuldich syn, mich des zerstont 
sonder indracht zo entleidigen, darup, vort up mynen iairloyn ind kleydonghe 
genzlich zo verzyen under eyme genoichsamen schyne yn dannaf besiegelt 
zo gheven, yn ouch yre silveren brodsche 1 ind waepen aen verzoch oever 
zo lieveren, ouch aslange sy mich in yrme dienste behielten, yn ind yrre 
steide sail ich alzyt hoult ind getruwe syn, yre ere ind beste vurkieren ind 
sy yrs ergsten warnen, mir vort alzyt myt yrre steide reichte, geistlich ind 
werentlich, umb watkonne sachen die ouch weren, ich myt den vurschreven 
herren, vort yrre steide oder eynchen yren burgeren oder undersiessen schaffen 
hette of gewonne, genoeghen zo laissen, sonder dat eyncherley wyfi us- 
wendich yrre steide zo soechen, gelich ich Peter vurschreven dat allet also 
nae luyde dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae myt upgereckten 
vyngheren lyflich zen hilghen geswoiren hain 2 , sicheren, geloyven ind sweiren 
ouch in kraft dis briefs, vaste, stede ind unverbruchlich zo halden, sonder 
argelist. Ind dis zo urkonde der wairheyt hain ich Peter vurschreven myn 
signet an diesen brief gehangen, im iaere unsers herren duysent vierhon- 
dert nuynindsievenzich, up sent Urbanus dach, vonfindzwenzichsten dages in 
dem meye. 

Das Siegel feklt. Auf der Eiickseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: 
Peter Kreptzer pyffer. 

17. Heinrich Mentzer, von der Stadt Aachen zum W'dchter dea Kbnigsthora 
ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfullen. 1482, 
Oktober 2. 

Ich Heyn Mentzer doin oevermytz diesen brief kont alien luden, as 
die eirsame wyse myne besonder lieve herren burgermeistere, scheffen | ind 
rait des konynklichen stoils der statt Aiche myt Konynxportzen mich versien 
haint, der ich mich van ynne dienstlich bedanken, bekennen | ich Heyn 
vurschreven, dat ich van nu vortane den vurschreven mynen herren, yrre 
statt burgeren ind ingesessen undersiessen allzyt hoult ind getruwe syn, | 
yre ere ind besten werven ind sy yrs ergsten warnen sail, mir allzyt myt 
yrre stede reichte, herkomen ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb 
watkonne sachen dat ouch were, ind ich myt yrre statt ind ynichen yren 



') brodsche, broedsche, mhd. bratsche = Schmucknadel, Spange; vgl. Birlingers 
Glossar zu den Chroniken der deutschen Stadte XII, S. 396 unter broedsche. 

") Der Eidachwur unter Beriihrnng des Kroziflxs kommt hier und in den folgenden 
TJrkunden nicht mehr vor. 



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240 ft. Pick 

burgeren, ingesessen oder undersiessen schaffen hette of gewunne, genoegen 
zo laissen. Vort sail ich, aslanghe ich in yrre stede dienste an der vur- 
schreven portzen syn sail, denselven dienst zo urber ind beste yrre statt ind 
burger van Aiche ind zo mynre eren vlyslich bewaren ind zo gesynnen <Jer 
vurschreven mynre herren mich der vurschreven portzen ind dienst genz- 
lichen entledigen ind damp verzyen, gelych ich Heyn dat allet also nae 
lude dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae myt upgereckten vyngeren 
zen hilghen geswoiren hain, vaste ind stede zo halden, sonder argelist. 
Ind dis zo urkonde der wayrheit hain ich Heyn umb gebrech myns siegels 
gebeden die eirsamen Johan van Hokirchen ind Johan Pryme, dat sy zo ge- 
zughe yre ingesiegel vur mich herane gehangen hain, des wir Johan van 
Hokirchen ind Johan Pryme vurschreven kennen wair ind gerne gedain hain, 
zweyden dages octobris, im iaere uns herren duysent vierhondert zweyind- 
eichtzycht. 

Beide Siegel fehlen. Auf der Rilckseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand : 
Heyne Mentzers weichter brief. 

18. Jakob von der Eyck, den die Stadt Aachen zum Salzmesser ernannt 
und mit dem Hause „der Stall" versehen hat, gelobt, alle mit dies en Aemtern ver- 
bundenen Pflichten zu erfiillen. 1483, August 28. 

Ich Jacob van der Eyck doin oevermytz diesen brief kont alien luden, 
as die eirsame wyse myne besondere lieve herren burgermeistere, scheffen 
ind | rait des konynclichen stoils der stat Aiche mich myt den ampteren 
yrre stede salzmaissen ind myt dem huyse ind woynongen genant der Stall 
gnedenk | lichen versien haint, doch ouch also, dat ich mynre huysfrauwen 
unmundige broedere ind sustere by mir in dem vurschreven huyse myt der 
woynongen lyden ind | helfen zoraiden sail, sy upbracht, bys sy mondich worden 
syn ind sich selfs behelfen moigen, des ich mich van denselven mynen 
herren dienstlich bedanken, bekennen ich Jacob vurschreven, dat ich van nu 
vortane den vurschreven mynen herren ind yrre stat alzyt hoult ind getruwe 
syn, yre ere ind beste werven ind sy yrs ergsten warnen sail, mich alzyt 
myt yrre stede reicht ind herkomen, geistlich ind werentlich, umb watkonne 
sachen dat ouch were, ind ich myt yrre stede oder eynchen yren burgeren, 
ingesessen of undersiessen schaffen hette oder gewonne, genoegen zo laissen. 
Vort sail ich, aslanghe ich in yrre stede dienste syn sail, die vurschreven 
amptere zo mynre eren vlyGlich, truwelich ind waile hanthaven ind ver- 
waren as gebuerlich syn sail, mallich also messen, dat yeder dat syne be- 
halde, vort gheyme vurkeufer 1 salz messen, ich en wisse yrst eygentlich, 
wat it gelde, umb ofs eynich burger oder burgerse vur provisie in yren 
huyse wulden haven, dat syO krygen moechten. Dan dede eynich burgere 



*) Wohl das alteate fur Aachen bekannte Beiapiel, dasa Vorkaufer die Marktpreiae 
Vertheuerten. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 24i 

Salt up synen anxst 1 brengen, deme sail icht messen moigen, sonder yemantz 
vort zo durfen laissen, aver ich sail myt verwaren, dat der assysemeister syne 
assyse, neymelich van dem sacke dry schillynge, kryge. Ich en sail ouch 
myt gheyme salzvurkeufere geselleschaft halden noch gheyn salz gelden, 
umb vort zo verkoufen, foirder dan myt maissen, koppen, rumpsel 2 ind sul- 
cher gelychere kleynre maissen. Verneem ich, dat eynche ungeburliche kouf- 
manschaft myt salz geschiege, sail ich alzyt mynen herren burgermeisteren 
verkondigen. Ouch so mir die assysemeistere iairs vonfindzwenzich marke 
gheven, sail ich yn helpen, sy yre assyse krygen, yn darane gheyn ungelych 
en geschie. Ind verneeme ich, dat eynich voir man salz up wege hette bynnen 
der stat Aiche zo marde 8 zo brengen ind hey verkeuft dat eynchen vurkeu- 
fere, wie it yem selfs stonde, sail ich dem assysemeister verkondigen, 
umb syne assyse dannaf zo krygen, neymelich van dem voirmann dry schil- 
lynge ind van dem vurkeufer zwene schillynge van dem sacke ind dat die 
burgere des vur provisie in yren huyseren zo haven gesonnen, ouch vur den- 
selven kouf krygen moigen, ind zo gesynnen der vurschreven mynre herren 
mich der vurschreven amptere ind dienste entledigen, dat vurschreven huyB 
ruymen ind damp verzyen, gelych ich Jacob vurschreven dit allet also nae 
luyde dis briefs vur gesi chert ind geloift ind nae myt upgereickten vyngeren 
gestaiftz eydz lyflich zen hilghen geswoiren hain, vaste ind stede zo 
halden, sonder argelist. Dis zo urkonde der wairheyt hain ich Jacob vur- 
schreven gebrechs halven myns siegels gebeden die eirbere ioncher Wilhem 
van den PanhuyB, droiO zo Wailhoiren ind zo Baelen, ind ioncher Wynant 
van der Heyden, dat sy yre siegele vur mich zo gezuge herane gehangen 
haven, dat wir Wilhem ind Wynant vurschreven umb beden wille des vur- 
schreven Jacobs kennen gerne gedaen hain, des eichtindzwenzichsten daigs 
augusti, im iaere uns herren duysent vierhondert dryindeichtzich. 

Beide Siegel fehlen. Auf der Biickseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand : 
GeloffeniB Jacobs van derEyckvan der salzmaissen ind dem huyse in den Stall. 

19. Philipp Knuys von Nydde, dem die Stadt Aachen das And dea Arm- 
brustmeisters ubertragen und das ausserste Kolnmittelthor verliehen hat, gelobt, 
alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfullen. 1484, Juni 22. 



*) anxt = Gefahr. 

") maisse, kop und rumpsel sind Massgefasse ffirSalz undHulsenfriichte; maisse 
vermuthlich = Metze, mnd. matte, mette und mat, 6 koppen machten nach einer Got- 
tinger Urkunde 1 Metze, rnmpsel, in der Aacbener Mnndart Ronzel, ein holzernes Mass, 
wohl mit rump, Rnmpf, im Gegensatz zu kop, Kopf, zusammenhangend. Vgl. Schiller- 
Lubben a. a. 0. unter matte, kop und rump. 

■) Aachen besass, vermuthlich bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts, einen Salz- 
markt, dessen Lage nicht mehr bekannt ist. Erwahnt wird derselbe in den Stadtrech- 
nungen des 14. Jahrhunderts (vgl. Laurent a. a. 0. S. 144,,), auch noch in einer 
Aachener Erbverpachtungs-Anzeige um 1500 (im Stadtarchiv): „Item zwey huyser up 
den Salzmart, eyn nest dem schroeder, dat ander nest dem alden Sterne." Ueber zwei 
Brando auf dem Salzmarkt 1321 und 1343 vgl. Loersch, Aachener Chronik in den 
Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrh ein XVII, S. 3; ebendaselbst S. 11 ff. nahere 
Angaben iiber die Aachener Salzpreise in den Jahren 1448 bis 1481, 

16 



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24S R. Pick 

Ich Philips Knuys van Nydde doin oevermytz diesen brief kont alien 
laden, ate die eirsame wyse myne besondere lieve herren | burgermeistere, 
8cheffen ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche mich myt yrre stede 
armbor8tmei8terampt versien | ind mir die uisserste myddel Colnerportze ver- 
lient haven, des ich mich dienstlich van yren liefden bedanken, so bekennen | 
ich Philips vurschreven, dat ich van nu vortane den vurschreven mynen 
herren ind yrre stat alzyt holt ind getruwe syn, yre ere ind beste werven 
ind sy yrs ergste warnen sail, mich alzyt myt yrre stede reichte, herkomen 
ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb watkonne sachen dat ouch 
were, ich myt yrre stat burgeren, ingesessen ind undersiessen schaffen hette 
oder gewonne, genoegen zo laissen ind mich zo gesynnen der vurschreven 
mynre herren des vurschreven amptz ind portzen zo entledigen ind darup 
genzlichen zo verzyen, sonder indracht. Ouch aslanghe ich an dem ampte 
ind portzen vurschreven blyven, sail ich van nu vortane alle ind yeclichs 
iair8 behaft ind verbonden syn up myne koste der stede Aiche vurschreven 
seiB armborste zo seynen, zo verbynden, zo rustieren zo yren nutz ind mynre 
eren, gelych ich Philips vurschreven dit allet also nae lude dis briefs vur 
gesichert ind geloifb ind nae myt upgereickten vyngeren gestaiftz eydz 
lyflich zen hilgen geswoiren hain, vaste ind stede zo halden, sonder argelist. 
Dis zo urkonde der wairheyt hain ich Philips vurschreven gebrechs halven 
myns siegels gebeden die eirbere Johan TzartfoiB ind Karl van Elmpt, dat 
sy yre siegele vur mich zo gezuge herane gehange haven, dat wir Johan 
ind Karl vurschreven zer beden des vurgenanten Philips kennen gerne gedaen 
hain, des zweyindzwenzigsten daigs iunii, im iaere uns herren duysent vier- 
hondert vierindeichtzich K 

Beide Siegel abgefallen. Auf der Rilckseite der Urkunde von gleichzeitiger 
Hand: Philips Knuys van Nidde armbostmechers gelotfeniB. 

20. Karl von Elmpt, von der Stadt Aachen zum Bestatter der nach Frank- 
furt gehenden Qvier ernannt, gelobt, alle mil diesem Amte verbundenen Pflichten 
zu erfUUen und stellt seinen Voter Kornelius von Elmpt aU B'drgen. 1485, Juli 31. 

Ich Karl van Elmpt 2 doin offenbieiiichen oevermytz diesen brief kont 
alien luden, so als die eirsame wyse myne besonder lieve herren burger | 



*) Duroh gleichlautende Urkunde vom 18. November 1483, die Johann Tzartzvoifi 
und Thyg Sloflmecher besiegelten, gelobte Konrad Knuys van Nidde, serine Pflichten als 
Armbrustmeister zu erfullen. Beide Siegel ziemlich gut erhalten. Das eine (Tzartzvoifi): 
zwei gekreuzte Ruder in senkrecbt getheiltem Schild, TJmscbrift: s. ioha txartfoes; das 
andere (Sloflmecher) : eine Gleve, von der Umschrift nur noch thys lesbar. 

*) Am 6. November 1497 verglich si ch Karl von Elmpt, „besteder von Aicbe", vor 
den Schoffen zu Andernach mit dem dortigen Burger Thonis von Leye fiber eine Fracht- 
forderung,wegen deren dieser ihn gekummert hatte. Von demselben Karl von Elmpt riihrt 
vielleicht auch folgendes an den stJtdtischen Magiatrat gerichtetes, undatirtes Schreiben 
her: „Eirsame vursichtighe wyse lieven herren. Als ich dan zo dickmaelen ingesehrieven 
ind nir liefden kundich, wie ihemerlich ich airme man myns guitz ind naironghe quyt 
weirde, sitze zo groissen hnyszens, derselve daich noch naicht in sleyft, mijne baider 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. $4$ 

meistere, scheffen ind rait des konynclichen stoils ind statt Aiche mich myt 
yrre stede bestederampt zo Frauckforfc vert uiB geleigen ver|sien haint, des 
ich mich dienstlich van yn bedanken, bekennen ich Karl vurschreven, dat 
ich nu vortane den vurschreven mynen herren ind yrre statt allzyt | hoult 
ind getruwe syn, yre ere ind beste werven ind sy yrs ergsten warnen sail, 
mir allzyt myt yrre stede reicht, herkomen ind gewoenden, geistlich ind 
werentlich, umb watkonne sachen dat ouch were, ind ich myt yrre statt, 
vort eynchen yren burgeren, ingesessen of undersiessen schaffen hette oder 
gewonne, genoegen zo laissen. Vort sail ich dat vurschreven bestederampt, 
aslanghe ich darane syn sail, zo urber ind beste yrre vurschreven statt ind 
burgere van Aiche ind zo mynre eren vlyslichen verwaren, yre gewant ind 
guet in sulchen schiffen up sulche guede boedeme ind an alsulche schifflude 
ind vreichter bestaden, daeby yn yre guet verwart werde, warby die bur- 
gere van Aiche dardurch nyet zo schaden en koraen. Ind kriegen eynche 
burgere van Aiche eynchen schaden myns versuymenifi halven, dat ich yn 
yre guet nyet up guede boedeme noch an guede geleuflige schifflude [ind] 
vreichter bestaidt hette, den schaden sail ich den vurschreven burgeren van 
Aiche schuldig syn zo richten ind sail mich ouch zo gesynnen der vurgenanten 
mynre herren des vurschreven bestederamptz entledigen ind darup verzyen, 
gelych ich Karl vurschreven dit allet also nae luyde dis briefs vur gesichert 
ind geloift ind nae myt upgereckten vyngeren gestaiftz eydz lyflich zen 
hilgen geswoiren hain, sicheren, geloyven ind sweiren vestlichen in kraft 
disselven briefs, yast, stede ind unverbruchlich zo halden ind zo vollenzien, 
sonder argelist. Urkonde der wairheyt hain ich Karl vurschreven mynen 
siegel vur an diesen brief gehangen ind hain vort gebeden Cornellis van 
Elmpt, mynen lieven vader, der ouch myt vur alle punten dis briefs vur 



synt mich ellendich verderft ind ganz schanden als kondich, maich yere niet gebruy- 
chen und hain vill gesyndz, dairmit eyne wyle zijtz her gesessen hoffende eynrer 
besseronghe zo mynen groissem verderflichen schaiden, und want ich dan noch wifl (so) 
geessen can, so anroifen ind hidden ich ure eirsamheiden, so ich dat demoedichste ind 
alredienstlichste maich nmb den doit, den got an deme hiliigen crutz gestoirven ist, 
mir airmen manne troesten mit hulpe desselven haidz wieder upzokomen, mich mit 
goide ind eren erneren maich, want ich mich niet langer mit wyf, kynder ind gesynde 
behelpen can, und gedenken ure liefden nmb goitzwille, wie ihemerlich ind ellendich 
ich airme man zokome, deswilchen ich mit allem mijnem vermoigen ganz getruwe- 
lich den meisten ind umb den mynsten uir eirsamheiden gerne verdienen ure gnedige 
antwoirt. Ure liefden alzijt gutwilliger Kairll vann Elmpt." Anf der Riickseite des znr 
Geschichte des Aachener Badewesens beachtenswerthen Schreibens stent von anschei- 
nend gleichzeitiger Hand: Karl van Elmpt, lecta, und darunter: Burgermeisteren 
Wylre, Ellerborn, Buyter, Vreise. Karl von Elmpt scheint sich bei Wiederholung 
seiner Bittschrift zu Drohungen und Beleidigungen des Magistrats haben hinreissen zn 
lassen, denn er wurde wegen dieser Vergehen (nmb dat ich in gedruwet ind in eynre 
supplicacien an irem raide zo lank tgen sy geschrieven hadde) festgenommen nnd znr 
Haft gebracht. Nach seiner Entlassung aus dem Gefangniss schwor er am 10. Sep- 
tember 1507 der Stadt Urfehde nnd trat in den Manndienst derselben, wobei er sein 
gesammtes Vermogen zum Unterpfand stellte. Die hieriiber ausgefertigte Urkunde be- 
siegelten ausser ihm selbst seine Schwager Johann Tzartvoifi und Johann von Boirt- 
scheit genannt BurgerhuyB. (Sammtliche Urkunden im Stadtarchiv zu Aachen.) 

16* 



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244 ft. Pick 

sych ind syne erven geloift, dat hey synen siegel zo foirder geztige ind 
sust darumb myt herane gehangen hait. Ind want ich Cornellis vurschreven 
geloift hain ind vur mich ind myne erven urkonde dis briefs geloyven, so 
wat schadens die burgere van Aiche dis vurschreven amptz kriegen of lieden, 
dat van des obgenanten Karls, myns soens, schulden byqueme, so wat men 
des an den dickgenanten Karl, mynen son, nyet erhoilen noch erkoyveren 
en konde, dat ich ind myne erven schuldich ind verbonden willen ind sullen, 
denselven burgeren dat zo verrichten, sonder argelist. Darumb dis zo gezuge 
ind ouch myt zer beden des vurgenanten Karls, myns soens, hain ich ouch 
mynen siegel vur mich ind myne erven an diesen brief gehangen, des lesten 
dages iulii, im iaere uns herren duysent vierhondert vonfindeichtzych. 

Beide Siegel (Gleve mit zwei Vogeln) gut erhalten. Umschrift auf dem einen : 
s. karl va elempt, auf dem andern: s. cornelis va elmpt. Auf der Ruckaeite 
der Urkunde von gleichzeitiger Band: Karls van Elmpt geloeffenisse van dem 
bestederampt. 

21* Konrad Paischwegge, von der Stadt Aachen zum Wdchter des Bergthors 
ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pfiichten zu erfullen. 1495, 
Oktober 29. 

Ich Coyn Paischwegge doin offenbeirlichen kont alien luden'oevermytz 
desen brief; als die eirsame wyse myne be|sondere lieve herren burgermeistere, 
scheffen ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche myt yrre stede 
uisserste | Berchportz mich gnedenklich versien hain, des ich mich van yn 
demoetlich bedanken, bekennen ich Coyn vur|schreven, dat ich van nu vor- 
tane den vurschreven mynen herren ind yrre stat alzyt holt [ind] getruwe syn, 
yre ere ind beste werven ind sy yrs ergsten warnen sail, mir alzyt myt yrre 
stede recht, herkomen ind gewoenden, geistlich ind werntlich, umb watkonne 
sachen dat ouch were, ind ich myt yrre stat, eynchen yren burgeren, ingesessen 
oder undersiessen schaffen hette of gewonne, genoegen zo laissen. Vort sail 
ich, aslange ich in yrre stede dienst der vurschreven portzen syn sail, densel- 
ven dienst zo urber ind beste yrre stede ind burgere van Aiche ind mynre 
eren vlyfilich verwaren ind zo gesynnen der vurschreven mynre herren mich 
der vurschreven portzen ind dienst genzlich entledigen ind damp verzyen, 
gelych ich Coyn vurgeroirt dit allet also nae lude dis briefs gesichert, 
geloift ind myt upgereickten vyngeren gestaiftz eytz lyflich zen hilghen 
geswoiren hain, vaste ind stede zo halden, sonder argelist. Dis zo urkonde 
der wairheyt hain ich Coyn vurschreven gebrechs halven myns siegels gebe- 
den die eirber Lentz Paischweg, mynen brodere, ind Tielen van Randenroide, 
dat sy ire signeten 1 vur mich herane willen hangen, dat wir Lentz ind Tiell 
vurschreven zer vurgeroirten unsers broiders ind neyven beden kennen gerne 
gedaen hain, des nuynindzwenzigsten dages octobris, im iaer uns herren 
duysent vierhondert vonfindnuynzich. 



*) signet = Siegel. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 245 

Das Paischwegsche Siegel (Hausmarke mit den Initialen I und p) zum TheU 
abgef alien; das andere gut erhalten. Letzteres zeigt einen senkrecht stehenden 
Winkel, durch kurze Kette mit einem nebenstehenden Ring verbnnden, Umschrift: 
S. THEIL VAN RANDE .... Auf der Ruckseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: 
Weichterbrief Coyn Paischwegge van Berchportzen. 

22. Johann Ortman, von der Stadt Aachen zum Bewahrer Hires Burger- 
hauses, Schlosses und Qefdngnisses auf dem Parvisch ernannt, gelobt, alle mit 
diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfiillen. 1497, November 21. 

Ich Johan Ortman doin kont alien luden oevermytz desen brief, so als 
die eirsame wyse | myne besonder lieve herren b ur germ eist ere, scheffen ind 
rait des konynclichen | stoils ind stab 1 Aiche mich myt dem dienst ind ampt 
irre steide burger | huyB, sloss ind gefenkenysse upt Pairfisch zo verwaren 
mit der woenongen zo mynre vlyBliger beden gnediglichen versien hain, des 
ich mich dienstlichen van denselven mynen herren bedanken, bekennen ind 
geloyven daromb ich Johan vurschreven, der statt ind raide van Aiche 
allzyt hoult ind getruwe zo syn, ire ere ind beste vur zo kieren ind irs 
ergste zo warnen, up alien en den ind steden ich kan ind myt eren doin 
maich, den vurschreven dienst ind ampt truwelichen ind vlyfiligen nae alle 
myme vermoigen zo verwaren ind mich desselven amptz, dienstz ind woynon- 
gen zo gesynnen der vurschreven mynre herren zo entledigen ind damp 
genzlichen ind zomaile verzyen, gelych ich Johan vurgeroirt dit allet also 
nae lude dis briefs vur in hende der burgermeistere zerzyt gesi chert, geloift 
ind nae myt upgereckden vyngeren gestaiftz eidz lyflichen zen heilgen ge- 
swoeren hain, vaste, stede ind unverbruchlich zo halden ind zo vollenzien, 
sonder argelist. Dis zo urkonde der wairheyt hain ich Johan obgenant 
gebrechs halven myns siegels gebeden die eirber ionchern Johan van der 
Hagen ind ioncher Johan Proist, dat sy ire siegele vur mych zo gezuyge 
herane willen hangen, dat wir Johan van der Hagen ind Johan Proist zo 
yetzgemelten beden kennen gerne gedain hain, des eynindzwenzigsten dages 
novembris, im iaer uns herren duysent vierhondert sievenindnuynzich. 

Beide Siegel ziemlich gut erhalten. Das eine (Hagen): drei Rauten wie 
an Urkunde 13, hier mit Helm, dessen Zierde nicht mehr zu erkennen, Umschrift 
auf Spruchband unleserlich ; das andere (Proist) zeigt zwei Ketten, dazwischen 
einen Stern, Umschrift: s. iohan" 7 proist. Auf der Ruckseite der Urkunde von 
gleichzeitiger Hand : Johan Ortman. 

23. Lenz Bestyn, von der Stadt Aachen zum W'dchter ihres Thurms und 
Kurhauses Brandenberg bei der Hirtzkaul in der Aachener Heide ernannt, gelobt, 
alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfiillen. 1499, Mai 7. 

Ich Lentz Bestyn doin offenbierlichen kont alien luden ind bekennen 
oevermytz diesen brief, dat die eirsame wyse myne besondere lieve herren 



*) Die Urkunde hat: ind stat ind stat. 



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246 R. Pick 

burgermeistere, | scheffen ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche in 
stat seligen Lentzen Bestyns, myns lieven vader. dem got gnade, mich eynen 
yrre stede thoirn ind kuyrhuyB | genant Brandenberg by der Hyrtzkuylen 
up der Hey den gelegen zo derselver yrre stede behoif verlient, daemyt 
versien ind mich zo yrme diener zo mynre frunde ind myns | selfs vlyBliger 
beden upgenoymen haint myn leyvenlank, aslange ich gedienen kan. Ind 
sullen mir alle iaire darvan eichtindvierzich yrre marke bescheydens loyns 
gheven. Darvur sail ich die warde up dem vurschreven thoirne zo yrre vur- 
schreven stede beste doin ind halden, den gryndel dae inne ind by gelegen 
otfenen, sliessen, verwaren as gebuerlich ind gewoenlich is, den vurschreven 
thoirn bewoynen, zo den lantgra^en sien, dat der vurschreven stat dardurch 
egeyn schade en geschie. Konde ich aver verneymen, der vurschreven stat 
dardurch eynich schade zogefueght wurde, sail ich van stonde, asbalde 
ich des gewar wurde, yrre stede burgermeisteren zerzyt kont doin, die graven 
veghen ind halden van dem vurschreven thoirne bys in die Hyrtzkule ind 
van demselven thoirne bys an Gruyssers lant, dan ich en sallre nyet durfen 
legen. Ind wurde der grave myt gewalt ingestochen, dae sail die vurgenante 
stat zo helfen, dat wieder gemacht werde. Vort en sail ich gheynreleye 
vehe van Burtscheyt up die heyde slaen noch dryven laissen, umb daeselfs 
zo weyden, dan were sache ich van den burgeren oder undersiessen der stat 
ind rychs van Aiche vurschreven, des sy doch vur yemantz anders vurdel 
haven sullen, eynich vehe kriege, sail ind mach ich annoymen as gewoenlich 
is. Doch en sail ich gheynreleye vehe anneymen, daevan der vurschreven 
stat eynich last zogefueght moecht werden, geschiege sulchs daremboyven, 
des sail ich mich, asbalde mir dat van derselver stede wegen verkondight 
wurde, sonder verzoch quyt machen. Ind wat van dem beyndgyn kompt, 
die vurschreven stat hern Wilhem van Royde afgegolden hait, dae die 
kruychenbeckere l inne graven soulden, sail mir Lentz vurschreven, aslange 
ich in desem vurschreven dienste syn sail, dienen ind zo staden komen. Were 
sache die vurschreven stat mynre behoefde zo wirken ind mir dat kont doin 
liesse, asdan sail ich yre wirken umb degelichsen loyn as gewoenlich is. 
Vort sail ich den vurgenanten mynen herren ind yrre stede, vort yren bur- 
geren, ingesessen ind undersiessen alzyt holt ind getruwe syn, yre ere ind 
beste zo werven ind sy yrs ergste zo warnen, up alien enden ind steden ich 
kan ind myt eren doin mach. Ind of ich nu oder hernaemails, wie ducke 
des noit gebuerde, myt eynchen yren burgeren oft undersiessen van Aiche 
yet schaffen hette oder gewonne, en sail ich nyrghent anderBwae uiBwendich 
suechen noch forderen dan sulchs myt reicht, geistlich oder werentlich, darnae 
sicht gebueren bynnen der vurschreven stat Aiche suechen forderen ind mich 
myt reicht derselver yrre stat Aiche, it sy geistlich oft werentlich, genoegen 



•) kruychenbecker = Topfer. Das Topferhandwerk wurde vormals bei Aachen 
stark betrieben; vgl. Quix, Beitrage zur Geschichte der Stadt und des Beichs von 
Aachen II, S. 59. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 247 

laissen sail. Ind of ich wieder eyncben pun ten dis briefs dede, so sullen 
die vurschreven myne herren deser stat Aiche mich den vurschreven thoirn 
ind kuyrhuyB myt dem vurgeroirten loyne ind anderen syme zobehoere 
wieder zo sich neymen ind eynen anderen daemyt versien moigen, dat ich 
ouch aRdan ruymen ind darup verzyen sail, gelych ich Lentz vurschreven 
dit allet also nae lude dis briefs vur gesichert, geloiffc ind nae myt upge- 
reickten vyngeren gestaiftz eydz lyflich zen hilghen geswoiren hain ind ur- 
konde dis briefs sicheren, geloyven ind sweiren, vaste, stede ind unverbruch- 
lich zo halden ind zo vollenziehen, sonder argelist. Dis zo urkonde der 
wairheyt hain ich Lentz Bestyn vurschreven gebrech myns segels gebeden 
die eirsame ioncherren Johan van der Haghen ind Diederich van Segroide, 
dat sy yre segele vur mich zo gezuge herane gehangen, dat wir Johan 
ind Diederich vurschreven zer beden des vurgenanten Lentzen kennen gerne 
gedaen haven, up dynxstach, sevenden daigs meyes, im iaere uns herren 
duysent vierhondert nuynindnuynzich. 

Beide Siegel bis auf einen geringen Rest des Segroideschen (drei Binge und 
auf dem Helm ein Ring) abgefallen. Auf der Riickseite der Urkunde von gleick- 
zeitiger Hand: Lentz Bestyns geloffenifi des thoirns ind kuyrhuyB genant 
Brandenberg. 

Verzeichnet: Quix, Wochenblatt 1837, Nr. 109, 8. 437, 

24. Nikolaus, Nikolaus Schroders Sohn, von Eynatten, von der Stadt Aachen 
zum geschworenen Forster ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pfiichten 
zu erfullen und dasselbe jederzeit auf Erfordem der Stadt vor dem Schoffengericht 
zu Walhom niederzulegen. 1499, OJctober 9. 

Ich Clais Clais Schroeders son van Eynatten doin oevermytz desen brief 
kont alien luden, so as die | eirsame wyse herren burgermeistere, schefifen 
ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche mich myt | yrre stede vorster- 
ampt versien ind mich zo yren geswoiren vorster gesat ind gemacht hain, 
des ich mich | dienstlich van yren liefden bedanken, bekennen ich Clais vur- 
schreven, dat ich van nu vortane den vurschreven mynen herren ind yrre 
stat alzyt holt ind getruwe syn, yre ere ind beste werven ind sy yrs ergste 
warnen sail, mich alzyt myt yrre stede recht, herkomen ind gewoenden, 
geistlich ind werentlich, umb watkonne sachen dat ouch were, ich myt yrre 
stede oder eynchen yren burger en, ingesessen oder undersiessen, schaffen hette 
oft gewonne, genoegen zo laissen, sonder foirder oft anderswae zo suechen. 
Vort sail ich, aslange ich in der vurschreven yrre stede dienste syn sail, dat 
vurschreven vorsterampt ind derselver yrre stede busch ind gemeynde zo 
mynre eren ind yrre stede beste as truwelich ind waile hanthaven ind ver- 
waren, dat die vurschreven stat darby ind by den yren blyve, ind zo ge- 
synnen der vurgeroirten mynre herren mich des dienstes ind vorsteramptz 
vurschreven sonder verzoch entledigen ind darup vur richter ind scheffen zo 
Wailhoiren ind sust verzyen, gelych ich Clais vurschreven dit allet also nae 



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248 R. Pick 

lude dis briefs vur gesichert, geloift ind nae myt upgereickten vyngeren ge- 
staiftz eydz lyflich zen hilghen geswoiren hain, vaste ind stede zo halden, 
sonder argelist. Dis zo urkonde der wairheyt hain ich Clais vurschreven ge- 
brech myns siegels gebeden die eirsame Johan van Lyntzenich, zerzyt vaigt 
zo Burtscheyt, ind ioncher Johan Proist, dat sy yre siegele vur mich zo 
gezuge herane gehangen, dat wir Johan van Lyntzenich ind Johan Proist 
vurschreven zer beden des vurgeroirten Clais kennen gerne gedaen haven, 
des nuynden daigs octobris, im iaere uns herren duysent vierhondert nuyn- 
indnuynzich *. 

Das Proistsche Siegel (wie an Urkunde 22) gut erhalten, das andere ah~ 
gef alien. Auf der Ruckseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Clais ClaiB 
Schroeders sons van Eynatten wechterbrief van dem vorstampt. 

25. Johann von Eschweiler, an Stelle seines betagten Vaters von der Stadt 
Aachen zum Wachter des Konigsmittelthors ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte 
verbundenen Pflichten zu erfullen, auch seinen Vater bei sich aufzunehmen und zu 
unterhalten. 1500, Dezember 9. 

Ich Johan van Eschwylre doin kont alien luden offenbierlichen oever- 
mytz desen brief, als die eirsame wyse herren burgermeistere, scheifen ind 
rait des | konnynclichen stoils ind stat Aiche durch bede Thys, myns lieven 
vaders, want hey eyn alt unvermoigen man ind den weichterdienst an Kon- 
nyxmyd|delportz, hey eyn zyt lank van iairen gehatt ind bedient hait, 
nyet me zo der stat nutz ind profyt ind synre eren unvermoegenheyt halven 
syns | lyfs bedienen en kan, mich myt demselven dienst gnediglichen versien 
hain, ich yren eirsamheyden dienstlichen danken, doch myt sulcher vurwer- 
den ind underscheyde ich den gemelten mynen vader by mich an derselver 
portzen ind huyse syn leyvelank eirlichen halden ind yem doin as eyn guet 
vroyme kynt synen vader schuldich is zo doin. Ind wanne ich des nyet en 
dede, sail ich mych asdan ind ouch sust zo gesynnen der vurschreven herren 
burgermeisteren, scheffen ind raitz des gemelten dienst ind portzen alzyt 
entledigen ind darup verzyen. Bekennen ich Johan vurschreven vort, dat ich 
der stat Aiche alzyt hoult [ind] getruwe syn, yre ere ind beste werven ind 
sy irs ergsten warnen sail, mich alzyt myt yrre stede reicht, herkomen ind 
gewoenden, geistlich ind werentlich, umb watkonne sachen dat ouch were, 



*) Durch fast wortlich iiberemstimmende Urkunden gelobten am 26. Juli 1502 
Nikolaus von der Lynden und am 8. November 1603 Johann Pyll der Jtmge, ihre Pflichten 
als Forster, zu erfullen. Fur jenen siegelten „die eirbere Tiel van Randenroide ind 
Merthyn van den Sterre, myne gude vrunt ind swaiger" (beide Siegel fehlen), fiir 
diesen „die eirsame ioncher Dederich van Segroide ind Sander van den Wyer" (beide 
Siegel gut erhalten; das eine (Segroide) drei Ringe im Schild und auf dem Helm ein 
Ring, TJmschrift: 8. dederich segraid; das andere (van den Wyer) schwebendes Kreuz 
mit drei Muscheln auf dem senkrechten Balken, TJmschrift: s. txanders vcm den weier). 
Abweichend steht in- den zwei Urkunden „yrre stede busch ind wait" statt wie oben 
„yrre stede busch ind gemeynde". Die Urkunde Johann Pylls des Jungen ist in Quix, 
Wochenblatt 1837, Nr. 109, S. 437 verzeichnet. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 249 

ind ich myt yrre stat, eynichen yren burger en, ingesessen oder undersaissen 
schaften hette of gewonne, genuegen zo laissen. Vort sail ich, aslange 
ich in yrre stede dienst der vurschreven portzen syn sail, denselven dienst 
zo urber ind beste yrre stede ind burgere van Aiche ind mynre eren vlyClich 
verwaren, gelych ich Johan vurschreven dit allet also nae lude dis briefs 
gesichert, geloift ind myt upgereickten vyngeren gestaiftz eydz lyflichen zen 
heilgen geswoiren hain, vaste, stede ind unverbruchlich zo halden, sonder 
argelist. Dis zo urkonde der wairheyt hain ich Johan van Eschwylre vur- 
schreven gebrechs halven myns siegels gebeden den vesten ind eirberen ioncher 
Johan Proist van Morensnyt ind Johan Klotz, burger zo Aiche, dat sy yre 
siegele ind signet vur mich herane willen bangen, [des] wir Johan Proist 
ind Johan Klotz vurschreven zer vurgemelten beden kennen gerne gedain zo 
hain, des nuynden dages decembris, im iaere uns herren duysent vonfhondert. 
Beide Siegel wenig beschddigt. Das eine (Proist) wie an Urkunde 22, das 
andere (Klotz) zeigt eine ge'dffnete Scheere mit einem Kreuzchen zwischen den 
Schneiden, Umschrift unleserlich. Auf der Biickseite der Urkunde von gleichzeitiger 
Hand: Weichterbrief Johans van Eschwylre van Konyxportze. 

26. Johann Wynrichs, von der Stadt Aachen zum Wcichter des aussersten 
Pontthors ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfullen, 
1502, September 27. 

Ich Johan Wynrichs, burger zo Aiche, doin offenbierlichen kont alien 
luden, as die eirsame wyse myne | besondere lieve herren burgermeistere, 
scheffen ind rait des konynclichen stoils ind stat Aiche mich myt yrre stede 
| uisserste Pontportzen genedenklich versien hain, des ich mich van yren 
liefden demoetlich bedanken, bekennen | ich Johan Wynrichs vurschreven, 
dat ich van nu vortane den vurschreven mynen herren ind yrre stat alzyt 
hoult ind getruwe syn, yre ere ind beste werven ind sy yrs ergste warnen 
sail, mich alzyt myt yrre stede rechte, herkomen ind gewoenden, geistlich 
ind werentlich, umb eynche sachen, watkonne die ouch weren, ich myt yrre 
stat oder eynchen yren burgeren, ingesessen of undersiessen schaffen hette 
oder gewonne, genoegen zo laissen. Vort sail ich, aslanghe ich in yrre stede 
dienste der vurschreven portzen syn sail, denselven dienst ind wes desselven 
dienstz halven zo doin syn sail, doin ind verwaren zo urber ind beste yrre 
stede ind burgere van Aiche ind mynre eren vlyClich ind zo gesynnen der 
vurschreven mynre herren mich der vurschreven portzen ind dienst genzlich 
entledigen ind darup verzyen, gelych ich Johan Wynrichs vurschreven dit 
allet also nae lude dis briefs vur gesichert ind geloift ind darnae myt 
upgereyckten vyngeren gestaiftz eydz lyflich zen hilghen geswoiren hain, 
vaste ind stede zo halden, sonder argelist. Dis zo urkonde der wairheyt 
bain ich Johan Wynrichs vurschreven gebrech myns siegels gebeden die eir- 
bere Jacob Wynrichs ind Johan Seliger, myne lieve oemen, dat sy yre pitzet l 



*) pitzet = Petschaft. 



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250 R. Pick 

vur mich zo gezuge herane gehangen, dat wir Jacob Wynrichs ind Johan 
Seliger vurschreven zer beden des vurgeroirten Johan Wynrichs, unsers neyven, 
kennen gerne gedaen haven, des sevenindzwenzichsten daigs septembris, im 
iaere uns herren duysent vonfhondert ind zwey. 

Der untere Theil des Pergamentblatts nebst den beiden Siegeln ist abgeschnitten. 
Auf der Bilckseite von gleichzeitiger Hand : Johan Wynrichs weichterbrief . 

27. Peter von Geilenkzrchen, von der Stadt Aachen zum Wackier des St. Alde- 
gundisthors ernannt, gelobt, atte mit diesem Amte verbundenen Pflichten zu erfullen. 
1504, September 16. 

Ich Peter van Geylekyrchen, burger zo Aiche, doin kont offenbierlichen 
alien luden oevermitz desen brief, als die | eirsame wyse myne besondere 
lieve herren burgermeistere, scheffen ind rait des konynklichen stoils ind stat 
Aiche | inyt yrre stede middelste sente Aldegondenportzen * mich gnedeglichen 
versien hain, des ich mich van yn diemoet|lich bedanken, bekennen ich Peter 
vurschreven, dat ich van nu vortane den vurschreven mynen herren ind yrre 
stat alzyt holt [ind] getruwe syn, yre ere ind beste werven ind sy yrs ergsten 
warnen sail, mir allzyt mit yrre stede recht, herkoemen ind gewoenden, 
geistlich ind werentlich, umb watkonne sachen dat ouch were, ind ich mit 
yrre stat, eynchen yren burgheren, ingesessen oder undersiessen schaffen 
hette of gewonne, genoeghen zo laissen. Vort sail ich, aslanghe ich yn yrre 
stede dienst der vurschreven portzen syn sail, denselven dienst zo urber ind 
beste yrre stede ind burgere van Aiche ind mynre eren vlyslich verwaren 
ind zo gesynnen der vurschreven mynre herren mich der vurschreven portzen 
ind dienst genzlich entledighen ind damp verzyen, gelych ich Peter vur- 
geroirt dit allet also nae lude dis briefs gesichert, geloift ind myt upgereck- 
ten vyngheren gestaiftz eytz lyflich zen heilghen geswoeren hain, vaste 
ind stede zo halden, sonder argelist. Difi zo oirkonde der wairheit hain ich 
Peter vurschreven gebreichs halven 'myns siegels gebeden die eirbere myne be- 
sundere gueden frunden Arnoult van Suylghe ind Seveer Rickartz, steynmetzer, 
dat sy yre siegele vur mich herane willen hanghen, dat wir Arnoult ind 
Seveer vurschreven zer vurgeroirten unsers gueden vruyntz beden kennen 
gerne gedain hain, des seiCzeynden daichs des maendz septembris, im iaere 
uns herren duysent vunfhondert ind vier. 



a ) Dieses Thor Mess im 13. Jahrhundert St. Adalbertsthor (Quix, Cod. dipl. 
Aquensis no. 152 und 296), spater St. Aldegundis- and St. Adalberts-Mittelthor; es be- 
fand sich am Ende der bentigen Ursulinerstrasse (vormals Aldegundisstrasse) zwischen 
dem Harduins- (Hartmanns-) und dem am Kolbert gelegenen Besterder-Thor, welches 
letztere Haagen (Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins I, S. 34) irrig fur identisch 
mit dem St. Adalberts-Mittelthor halt. VgL Noppius, Aacher Chronick 1632, Th. I, S. 15. 
Die Bedeutung des Namens „Besterder-Thor" (1644 BeBtergens-Pfortze) ist unaufgekiart. 
Wahrscheinlich wurde dieses Thor bei der ersten Stadtbefestigung errichtet, da schon 
in der Sehenkungsurkunde der Eheleute Jonatas und Hildegunde vom Jahre 1215 eine 
„posterna illius platee, que dicitur Caelrum 11 erwahnt wird (Quix, Die Konigliohe 
Kapelle und das ehemal. adelige Nonnenkloster auf dem Salvators-Berge S. 88). 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 251 

BeideSiegel beschddigt. Das eine (Suylghe): quergeiheilter Schild mit senkrecht 
getheiltem obern Felde, im ersten Felde eine Rose, im zweiten ein schwebendes 
Kreuz, das dritte leer, Umschrift abgebrockelt ; das andere (Bickartz) : durch einen 
Balken- quer getheilter Schild, im rechten Obereck ein Hirschgeweih, Umschrift 
unleserlich. Auf der Buckseite der Urkunde von gleichzeitiger Hand: Wechter- 
brief Peters van Geylekyrchen van myddelster sent Aldegondenportzen. 

28. Johann Tzartfoifi genannt Koevliege, von der Stadt Aachen zum Bestatter 
der nach Frankfurt gehenden Outer ernannt, gelobt, alle mit diesem Amte ver- 
bundenen Pflichten zu erfullen und stellt seine Schwager Johann von der SchmitUn 
und Johann von Stommel zu Burgen. 1507, Oktober 22. 

Ich Johan Tzartfoifi gnant Koevliege doin kont alien luden oeverinitz 
desen brief offenbierlichen bekennende, so als die eirsame wyse myne be- 
sondere lieve herren | burgermeistere, scheffen ind rait des konynklichen 
stoils ind statt Aiche durch begerden myns gnedigsten liefsten hern herzou- 
gen zo Guylghe, zo dem | Berghe etc., ouch beden ind verwillonge myns 
swaegers Karls van Elmpt mich gnediglichen gegont irre stede bestederampt 
zo Franckfort wert uifi geleigen, | derselve Karl etlige iaeren hait gehatt 1 , van 
ime an mich geworven ind ire eirsamheyden mich daemit vort gnediglichen 
versien haven, des ich dienstlichen mich van denselven iren eirsamheyden 
bedanken, geloyven ich Johan vurgnant, dat ich van nu vortane den vur- 
schreven mynen herren ind irre statt Aiche allzyt hoult ind getruwe syn, 
ire ere ind beste werven ind vurkieren ind sy irs ergsten warnen, up alien 
enden ind steden ich mit eren gedoin kann, ind mich allzyt mit irre stede 
reichten, herkomen ind gewoenden, geistlich ind werentlich, umb watkonne 
sachen dat ouch were, ich mit irre statt, vort eynichen iren burg eren ind in- 
gesessen schaffen hett oder gewonne, genuegen zo laissen, vort dat vurgeroirte 
bestederampt, aslange ich darane syn sail, zo urber ind beste irre vurschre- 
ven statt burgere ind ingesessen van Aiche ind mynre eren truwelichen ind 
vlyslichen verwaren, ire gewant ind guet in sulchen schiffen up guede boedeme 
ind an sulche schifflude ind vreichter bestaden, daeby yn ire guet verwart 
syn sail, deshalven nyet zo schaden komen. Ind were sache die vurgeroirte 
burgere ind ingesessen van Aiche eynichen schaden myns versuymenysse 
halven, dat ich yn ire guet nyet up guede boedeme noch an geleuflige 
schifflude ind vreichter bestadt hette, den schaden sail ich den vurschreven 
burgeren ind ingesessen schuldich syn zo bezalen ind verrichten ind sail 
mich ouch zo gesynnen der vurgeroirter mynre herren des vurschreven beste- 
derampt entledigen ind darup verzyen, glych ich Johan obgnant dit allet 
also nae luyde dis briefs vur gesichert ind geloift ind nae mit upgereckden 
vyngeren gestaiftz eydz lyflichen zen heilgen geswoeren hain, sicheren, ge- 
loyven ind sweyren vestlichen in kraft disselven briefs, vast, stede ind unver^ 



») Vgl. Urkunde 20. 



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252 R. Pick 

bruchlichen zo halden ind zo vollenzien, sonder argelist. Urkonde der wair- 
heyt h&in ich Johan vurgnant mynen siegel vur an desen brief gehangen 
ind vort gebeiden die eirsame Johan van der Smitten ind Johan van Stom- 
mell, myne swaegere, die ouch mit vur alle pun ten dis briefs vur sfch ind 
ire erven geloift, dat sy ire siegele as burgen ind zo foirder gezuge darumb 
mit an desen brief willen hangen, dat wir Johan van der Smytten ind 
Johan van Stommell vurschreven as gehoirsam burgen vur alle punten inhalt 
dis briefs, die so vast, uprichtich ind stede van Johan TzartvoiO obgnant ge- 
halden sullen werden, darumb zer beden desselven Johans unse siegele vur 
uns ind unse erven by dat syne an desen brief gehangen, des zweyindzwen- 
zigsten dages octobris, im iaere uns herren duysent vonfhondert ind sieven. 
Das Tzartvoifische (wie an Urkunde 19, Anm. 1) und das Stommelsche 
Siegel, letzteres Hausmarke mit den Initialen i und s, gut erhalten, das andere 
(rechter Schrdgbalken, worauf ein diinner Ast, von der Umschrift nur noch iohan 
van erkennbar) beschadigt. Auf der Riickseite der Urkunde von gleichzeitiger 
Hand: Johan TzartvoiO brief van dem besteiderampt zo Franckfort. 



Anhang. 

1, Die Stadt Aachen nimmt den Steinmetz Meister Peter von der Capellen 
dis stddtischen Werkmann an und setzt die Arbeiten, welche ihm an dem neuer- 
bauten Rathhaus ubertragen sind, nebst seiner Besoldung fest. 1370, Mdrz 31. 

Wir burgermeystere . . richtere . . scheffene ind gemeyne rait des koeninc- 
lichen stoels van Achen 1 doen kunt alien luden 5vermitz diesen | brief, dat 
wir uns eyndreichtlich verdragen haven mit meyster Peter van der Capellen, 
de unser stat werkman is van steyn|werke, also dat de vurschreven meister 
Peter sail truwelich ind wale aichterwaren ind bewaren up der stat kost der 
stat huys in | den Mart, oyven ind unden, aichten ind vur, up alien steeden ind 
myt rade unser herren da an doen wirken in alsulcher vuygen als hern a be- 
schreven steit. Dat is ze wyssen, dat de vurschreven meister Peter alle dye 
beiklen, dye an dat huys geboeren, da meister Peter dye capiteel ind dye 
tabernakel 2 zu bereyt vindt, van unser stat steyne up syne kost sail snyden, 
als wir yme den steyn geleveren. Vort is vurscheyden, so wat an deme werke 
van deme vurschreven huys geburt of geburen mach van steynwerke, da sail 
de vurschreven meister Peter zu helpen ind raden als eyn werkman schul- 
dich is ze doen inde dat achterwaren. Ind vort in is der vurschreven meister 
Peter zu egeynen anderen werke verbunden myt der hant zo wirken dan an 
dat vurschreven huys in alle der formen ind manyeren als vurschreven steyt. 
Vort is vurscheiden, of der vurschreven meyster Peter an eynchen anderen 



") Ueher dem A in dem Namen „Achen" stent uberall ein kleines o. 
*) tabernakel = Bildhauschen. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 653 

werke w6rte dan an deme vurschreven huse, des sail man weder den vur- 
schreven meister Peter also verdyenen dyeghene, dye sijns bedurven, also 
dat he id gerne dit. Ind want der vurschreven meister Peter alsus der stat 
werkman woorden is, darumb soillen wir ind unse stat van Achen yme geeven 
sine leevedage ind als lange als he leeven sail, hundert mark geltz gewSin- 
lichen peymentz unser stat van Achen, als up den dach der bezalingen zu 
Achen genge ind geve sijn sail, lijfzuchtrenten alle iair deme vurschreven 
meister Peter ze bezalen ze zwen zijden, dat is ze wyssen vunfzich mark zu 
groisser kyrmyssen * ind dye ander vunfzich mark zu unser vrouwen lyet- 
myssen. Ind darzu sail he haven alle iair alsulche cleyder ind wijn ind alle 
ander guytdoen, als unser stat knapen * haven, ind darzu sail he haven sijne 
levedage unser stat huys in Kockerell geleegen bij den Augustinen 8 , da unse 
knape wilne was Clais genant Capose inne ze wonen plach. Ind dat huys 
sail de vurschreven meyster Peter sijne leevedage haven los ind vry van 
alien cynse ind sail dat buwelich halden. Mer weirt sache dat unser stat 
huser in der straissen Kockerell geleegen eynich ledich woerde, dat meyster 
Peter lyever hedde dan dit, so soillen wir yme dat geeven ind soillen yme 
dat huys vurschreven weder neemen. Ind up de vurschreven meyster Peter 
sicher sy, dat wir ind unse nacomelinge, dye na uns unse stat ind ampt be- 
sitzen soillen, sullen alle dis briefs vurwerden vast, stede ind unverbruchlich 
halden, so haven wir unser stat ingesiegel ad causas an desen brief gehangen. 
Ind na dode des vurschreven meyster Peters in sail dis brief egeyne maicht 
me haven ind sullen dye hundert mark, dat huys ind alle dye geloifde vur- 
schreven weder quijt ind los zu uns ind der stat van Achen vallen ind wir 
sullen des vry inde ledich sijn inde bliven, sunder eyncher kunne argelist. 
Geschreven int iair uns herren dusent dryhundcrt ind sevenzich iair, des sun- 
dages in der vasten als man synget Judica. 

Original auf Pergament. Das Siegel feklt. Auf der Ruckseite der Urkunde 
von gleichzeitiger Hand: Eyn oeverdrach van den beilden an desen huyse. 



*) 17. Juli, a ) knape = Knecht, Diener. 

") Ueber die stftdtischen Hauser in der Kockerellstrasse vgl. die Stadtrechnungen 
von 1385/86, 1387/88 nnd 1391/92 bei Laurent a. a. 0. S. 358,„ ff., 368,, ff. und 385,,, ff. 
Das Augustiner-Eremiten-Kloster scheint ursprtinglich seinen Haupteingang in dieaer 
Strasse gehabt zu haben, wenigstens heisst es in der Stadtrechnung von 1373/74: 
Item in Kockerel prope portam Angus tinensem a. Jo. sartore 10 m. (Laurent a. a. O. 
S. 236,,.). Die Archivalien dieses Klosters sind bis auf ein grosstentheils aus weissen 
Blattern bestehendes Recbnungsbuch fiir die Jahre 1794—1802 uad eiaen wahrscheinlich 
im Sakularisationsjahr 1802 aufgestellten „Etat des biens meubles et immeubles du 
convent des freres Augustins" (1 Blatt), die beide ins Dusseldorfer Staatsarchiv ge- 
langten, verschollen. Das Klosterarchiv wurde, wie eine lateinische Notiz vor der 
Einnahmeseite des Rechnungsbuchs besagt, der drohenden Kriegsgefahr wegen im Juli 
1794 uber den Rhein (trans Rhenum) gefliichtet und ist jedenfalls nicht in die Heimath 
zuriickgekommen. Jener Etatsaufatellung zufolge gab es (um 1802) im Kloster 23 Kon- 
ventualen; Pretiosen, Silberzeug, Gemalde, Biicher etc. zum Werthe von 1185Franken; 
das Klostergebaude, 2 Hauser, Nr. 2010 und 2042, und der Schellardts-Hof zu Burtscheid 
als liegende Grunde des Klosters zum Werthe von 29200 Franken. Ausserdem sind 20 
Aktivkapitalien in der Hone zwischen 100 und 2000 Franken als Vermogensstiicke der 
Korporation aufgefuhrt. 



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254 ft. Pick 

2. Nikolaus von Limburg verspricht der Stadt Aachen gegen bestimmte 2u- 
sicherungen, ihr bei der Oefangennahme des Adam Hund von dem Busch und 
seiner Genossen behiilflich zu sein. 1437, M'drz 13. 

Id is zo wissen, dat ich Clais van Lymburg up desen hudigen dach 
datum dis cyrografbriefs overkomen byn | myt den vursichtigen eirsamen herren 
burgermeisteren, scheffen ind raide des kuniglichen stoils der stat | Aiche, also 
dat ich yn up mijnen anxt, kost ind schaden truwelich helpen ind bystaen 
sal over Daem | Hnndt van den Bussche ind over syne hulpere ind hulpers- 
hulpere ind sal darnae ernstlich arbeiden ind uyssijn nae alle mijnre macht, 
denselven Daem Hundt yn zo Aiche gevangen zo lieveren ind ouch syne 
kneichte, hulpere ind hulpershulpere. Ind of ich daromme bynnen yren ryche 
ind pelen by yren frunden nederlege 1 , dae got vur sy, des sal die stat ind 
herren van Aiche mir eyn heuftman 2 sijn, mer were sache dat ich umb sulchs 
bystantz wille bnyssen yren ryche nederlege of mijne have verloire, des en 
sal die stat van mijnen wegen mit alien egeynen last noch zo schaffen haven. 
Ind wanne ich yn denselben Daem bynnen yre stat Aiche also gevangen 
bracht ind gelievert hain, so sal syn perd ind harnasch, damede he dan neder- 
gelegen were, mir alleyne volgen ind asdan sal die stat ind herren van Aiche 
mir schuldich sijn, vunfzich rijnsche gulden eyns gereit 8 zo geven ind darzo 
iairs funfzien gulden manleyns ind die soelen sy an mir afloesen ind quijten 
mogen, wanne sy willen, myt anderhalfhundert rynschen gulden, ouch eyns 
zo geven. Ind were sache als ich den vurgenanten Daem gevangen hette, 
dat he mir dan nyet en hielde, so sal ich yn daromme beschriven * ind be- 
senden 5 up der stat kost ind vort darzo doen allit, dat sich darzo gebuert, 
ayn argelist Ind of he dan darover nochtan nyet en hielde, also dat ich yn 
zo Aiche nyet gebringen en kunde, so sal die stat ind herren van Aiche 
sulger summen geltz ind manleyns vurschreven an mir genzlich quijt ind 
untragen sijn ind mir daromb mit alien nyet durfen geven. Were ouch sache 
dat ich eynchen man van ritterschaft vienge ind zo Aiche brechte, de Daemen 
Hunds hulper of hulpershulper were, des perd ind harnasch, damede die ge- 
vangen wurde, sal mir ouch alleyne volgen ind dan sal mir die stat van 
Aiche darzo eyns geven vunfzich rynsche gulden. Mer vienge ich erne eyn- 
chen knecht ave, den ich zo Aiche brechte, darvan sal ich mijn haltergelt 
haven, als sich dat gebuert ind nyet me. Ind mit sulchen gevangene sal ind 
mach die stat ind herren van Aiche yren wille ind beste doen, die zo halden 
of yn dach zo geven 6 , die zo schetzen of quijt zo schelden of so wie yn des 
genuegen sal, sunder myne of yemands anders van mijnen wegen hindernisse, 



■) nederligen = uberwaltigt werden, unterliegen. ') Quix, (Wochenblatt 1837, 
Nr. 141, S. B65, wo die Urkunde erwahnt ist) liest „houftman u , der zweite Buchstabe 
scheint aber eher ein e als em o zu sein. ") gereit = baar. 

•) beschriven = durch Aufscbreiben entbieten. ») besenden = zu Jemand einen, 
Boten mit Weisnng schicken. •) dach geven = entlasaen gegen Versprechen, sich an 
einem bestimmten Tage wieder zu stellen. 



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Aus dem Aachener Stadtarchiv. 255 

last of wiederrede ind sunder eynche argelist darin zo keren. Gegeven ind 
gededingt in den iaere uns herren duysent vierhundert sieveninddrissich, des 
xiiiden daigt in den maende merze, urkunde mijns segels herbynnen up desen 
brief gedru[ckt]. 

Original auf Papier ohne Wasserzeichen. Das aufgedriickte Siegel ist ab- 
gefallen. Die Urkunde wurde aU Cyrograph ausgefertigt, am obern Rande steht 
der untere Theil des Wortes Cyrographus und zwei oder drei anderer unleser- 
licher W'drter. Auf der Ruckseite von gleichzeitiger Hand : VerbunteniB Clais van 
Lymburg der stat Aiche tgain Daemen Hunt gedaen. 

Verzeichnet: Quix, Wochenblatt 1837, Nr. 141, S. 565. 

3. Die Stadt Aachen nimmt den Johann Brenner gegen einen Lohn von 10 
Gulden auf ein Jahr als Diener an und sagt ihm eine Leibrente von 10 Gulden 
auf Lebenszeit zu, wenn er wahrend seiner Dienstzeit den Lenz Engelbrecht von 
Monjauwe der Stadt als Gefangenen einliefere. 1499, August 2. 

Zo wissen, dat die eirsame wyse herren burgermeistere zerzyt der stat 
des ko|nynclichen stoils Aiche myt Johann Brenner gutlich verdragen ind 
eynO worden syn, | dat derselve Johan dit nyeste nae data deser cedulen 
iaire lank der egeroirter stat | Aiche diener syn ind daevan zo loyn haven sail 
eyns zien gulden, yederen derselver gulden zo seiC Eesche marken, sail der 
vurschreven Johan hie entusschen vlyfi ankieren, kan hey Lentzen Engel- 
brecht van Monjauwe bynnen deser myddeler zyt gefangen ind den vur- 
schreven herren van Aiche gelieveren, die yn doch nyet doin doeden en 
sullen, daevan sullen die vurgenante herren dem vurschreven Johann zo loyn 
gheven zien gulden, den gulden zo seili Eesche marken, lyfrenten syn 
leyvenlank ind nyet langer oft darvur eyns hondert der gelychere gulden, 
ind hette oft kriege Johan vurschreven eynen of zwene, die yem darzo 
hulfen, dat sulchs also geschiege, denselven zwen sullen die obgeroirte herren 
as yeclich eyme van yn gheven eyns seili gulden, den gulden zo seifi Eesche 
marken, sonder argelist. Dis zo urkonde synt deser cedulen zwae, der 
yeder parthye vurschreven eyne hait sich gelych verdragen, durch die boich- 
staven A B C D uiseynanderen gesnyeden, des zweyden daigs augusti, im 
iaere uns herren duysent vierhondert nuynindnuynzich. 

Original auf Papier mit dem Wasserzeichen q und einer Blume. Am obern 
Rande der Urkunde steht der untere Theil der Buchstaben: A B C D. 



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Ferdinand Nolten. 

Von J. Becker. 

Ferdinand Nolten hat durck seine Schrift „Archaologische Be- 
schreibung der Munster- oder Kronungskirche in Aachen, nebst einem 
Versuch uber die Lage des Pallastes Karls d. G. daselbst", sowie durch 
seine sonstigen auf Aachen beziiglichen Aufsatze sich urn die vater- 
stadtische Geschichte so verdient gemacht, dass sein Name stets ehren- 
voll genannt werden muss, wenn diejenigen aufgezahlt werden, die sich 
urn die Erforschung der Aachener Yorzeit bemliht haben. Seine Ver- 
dienste sind urn so hoher anzuschlagen, als er, trotz der Ungunst der 
Zeiten, durch seine fleissigen und grtindlichen Untersuchungen solche 
Erfolge erzielte, dass seine Schrift uber das Aachener Munster noch 
heute als sichere Grundlage fur jede weitere Forschung gilt \ Ihm 
gebtihrt daher auch in unserer Zeitschrift ein ehrendes Andenken, 
das dem verdienten Manne urn so mehr gerade jetzt werden muss, 
als die Zahl derjenigen sich taglich mindert, die ihn noch personlich 
gekannt haben, und deren Mittheilungen daher in einer Biographie 
Noltens verwandt werden konnen. Ausserdem sind wir jiingst in 
den Besitz eines „Tagebuchs des hauslichen Gliickes der Eheleute 
Ferdinand Nolten und Marianne Schwieren" gelangt, dessen Inhalt, 
wenn er auch vorwiegend bloss Familienverhaltnisse berlihrt, doch 
manche Nachricht bietet, die wir den Freunden der Aachener Ge- 
schichte nicht vorenthalten wollen. 



*) Der Ehrenprasident des Aachener Geschichtsvereins, Herr von Reu- 
mont, nennt in einem in Bd. IH dieser Zeitschrift veroffentlichten Aufsatz 
„Die Rheinische Flora" (S. 186) das Noltensche Schriftchen „eine griindliche 
und in gewisser Beziehung abschliessende Arbeit, die stets ^rossen Werth be- 
halt und in ihren Hauptresultaten durch neuere Forschungen, welche der 
seit dem Erscheinen verflossenen Zeit auf dem architektonischen Gesammt- 
gebiete so sehr erleichtert worden sind, wie durch die heute ermoglichten 
Detail- Vergleichungen im Ganzen Bestatigung erfahren hat". 



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Ferdinand Nolten. 257 

Nach der Aufschrift dieses Tagebuchs, das leider nur die Zeit 
vom 16. Febniar 1808 bis zum 10. Oktober 1839 umfasst, ist Fer- 
dinand Nolten am 5. November 1768 in dem Kurkolnischen Stadt- 
chen Uerdingen, etwa drei Stunden unterhalb Diisseldorf, geboren. 
Wie die dortigen Kirchenbucher ausweisen, hiess sein Vater Franz, 
die Mutter war Ursula Elberskirchen aus Andernach. Noch heute 
stekt am Markte zu Uerdingen das Haus, in welchem Ferdinand das 
Licht der Welt erblickte. In der Taufe erhielt er zu seinem Kuf- 
namen noch die Namen Hubert Joseph, wenigstens steht er mit 
diesen in den Sterberegistern der Stadt Aachen verzeichnet; vielleicht 
fiihrte er auch den Namen Jakob, denn der in den Kurkolnischen 
Hofkalendern seit 1773 als Zollschreiber-Adjunkt und seit etwa 1785 
als Zollschreiber zu Uerdingen genannte Ferdinand Jakob Nolten 
ist ohne Zweifel der unserige. Das Zollschreiberamt scheint tiber- 
haupt lange Jahre im Besitz der Familie Nolten gewesen zu sein; 
denn der Vater, Franz Nolten, bekleidete es bereits in den funfciger 
Jahren des vorigen Jalirhunderts. Er starb am 4. November 1779 \ 
als Ferdinand eben elf Jahre alt wurde. Wie es scheint, hatte der 
damalige Kurfurst Max Friedrich diesem noch bei Lebzeiten seines 
Vaters die Anwartschaft auf dessen Stelle ertheilt, die nach dem Tode 
des letztern zunachst fiir ihn verwaltet worden sein mag. Wenige 
Jahre spater, sicherhch schon vor der Mitte der achtziger Jahre, 
wird er selbst das Amt ubernommen haben, da der Kurkolnische 
Hofkalender von 1785 ihn bereits als Zollschreiber auffuhrt. Es 
existirt noch heute in der Familie Nolten ein Bildchen, auf dem die 
Scene dargestellt ist, wie der angeblich Vierzehnjahrige bei der Ueber- 
nahme seines Amtes dem Kurfurst vorgestellt wurde. Dass Nolten erst 
am 5. November 1838 sein funfzigjahriges Amtsjubilaum feierte, 
stimmt freilich nicht zu seiner Anstellung vor dem Jahre 1788; 
wahrscheinlich ist, dass hierbei der Zeitraum, welchen der Jubilar zur 
Zeit der Fremdherrschaft ohne Stelle war, nicht in Anrechnung ge- 
bracht worden ist. 

Ueber die Jugendjahre Noltens und selbst Tiber die ersten seiner 
Mannesjahre wissen wir nichts. Wie es in der Natur seines Amtes 



*) In den Kirchenbuchern der Pfarrei Uerdingen heissfc es : „Anno 1779, 
die 4. mensis Novembris, sacramentis praemunitus, pie obdormivit in Domino 
praenobilis Dominus Franciscus Nolten, Telonii Rhenani scriba, 6. eiusdem 
ritu catholico sepultua." Es ist also ein kaum begreiflicher Irrthum, wenn 
die Kurkolnischen Hofkalender noch in den achtziger Jahren den Franz Nolten 
als Zollschreiber in Uerdingen bezeichnen. 

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258 J. Becker 

lag, verbrachte er wahrscheinlich seine Tage in ziemlicher Ruhe und 
Gleichformigkeit, die hochstens durch die Wirren im benachbarten 
Frankreich und durch deren Einfluss auf die Lander des linken 
Rheinufers in etwa konnte gestort worden sein. 

Ftir die Zeit von 1808 an — Nolten war damals vierzig Jahre 
alt — sind wir in Bezug auf Nachrichten iiber ihn gliicklicher. Zum 
16. Februar 1808 schreibt er selbst in sein Tagebuch: Heute „sind 
wir in Zons verheirathet worden, nachdem wir am 13. Januar des- 
selben Jahres uns in Dtisseldorf formlich verlobt batten. Am andern 
Tage nach der Heirath sind wir nach meinem Wohnorte Koln gereist." 
Nach dieser Notiz scheint Nolten seine Frau in Diisseldorf kennen 
gelernt zu haben. Yielleicht war er damals dort angestellt oder kam, 
da der Weg von Uerdingen nicht gar weit war, zuweilen dorthin. 
Marianne war am 23. Januar 1780 in Zons, einem Dorfe zwischen 
Koln und Diisseldorf, geboren, weshalb auch dort, wo wahrscheinlich 
ihre Eltern wohnten, die Training stattfand. Wenn die jungen Ehe- 
leute schon am andern Tage, am 17. Februar 1808, nach Koln reisten, 
so geschah dies, wie obige Notiz sagt, weil Nolten dort seinen Wohn- 
sitz hatte; er war also unterdessen von Uerdingen oder Diisseldorf nach 
Koln versetzt worden. In Koln blieben die Neuvermahlten nicht 
lange; denn zum 25. Juli 1809 bemerkt Nolten: Heute „Nachmit- 
tags 2 Uhr wurde unser Sohn Michelangelo in Andernach, wo ich 
auf Commission war, geboren. Wir wohnten im von der Leyenschen 
Hofe, nah der Burgpforte." 

Zwei Jahre spater finden wir die Faroilie Nolten wieder in Koln. 
Blieb sie auch jetzt nur kurze Zeit daselbst, so war trotzdem ihr 
diesmahger Aufenthalt in der an Gelehrten und Kunstwerken reichen 
Stadt fiir Nolten von grosser Bedeutung. Statt einer langern Aus- 
einandersetzung horen wir, was er zum 3. Marz 1811 in sein Tage- 
buch notirte: Heute „Morgens 10 Uhr wurde in Koln unsere Tochter 
Auguste Ferdinandine Johanne Agnese geboren. Wir wohnten im 
Hauptgeschoss des Professor Wallrafschen * Hauses an der hohen 
Schmiede. Die Entbindung geschah in dem Zimmer, aus dessen 
Fenster man die hohe Strasse der ganzen Lange nach ubersieht 



x ) Wallraf war 1748 in Koln geboren, wurde 1772 Priester, 1786 Kano- 
nikus am Stifte Maria im Kapitol und war zugleich nach einander Professor 
am Montaner-Gymnasium, an der Kolner Universitiit und an der Centralschule j 
er starb 1824. Seine Wohnung stand auf dem jetzt nach ihm genannten Wallraf s- 
platz. Wallraf ist bekanntlich der Grunder des Wallraf-Richartz-Museums 
in Ealn. 



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Ferdinand Nolten. 259 

Pathe : mein Schwiegervater Hermann Schwieren, Stellvertreter Herr 
Professor Wallraf; Pathin: meine Tante Gertrad Elberskirchen, Stell- 
vertreterin Frau Agnes Paflrath." Aus dieser Notiz darf man schliessen, 
dass Nolten mit seinem Miethsherm, dem Kanonikus und Professor 
Wallraf, auf einem sehr freundschafflichen Pusse stand, wie wlirde 
es sonst zu erklaren sein, dass Wallraf stellvertretender Pathe bei 
Noltens Tochter wurcje? Diese Freundschaft hatte ohne Zweifel ihren 
Grund nicht bloss in dem Umstand, dass*beide Manner in dem- 
selben Hause wohnten, sondern sicher noch mehr darin, dass der- 
selbe Sinn fiir Kunst und Wissenschaft sie miteinander verband. 
Die vielen im Wallrafschen Hause aufgehauften Kunstschatze und der 
vielfache TJmgang mit dem gelehrten Professor und dessen kunstsinnigen 
Freunden Boisser6e, Bertram und wie immer sie hiessen, weckten 
und forderten in dem talentvollen und strebsamen Nolten die Begeiste- 
rung fiir Kunst und Alterthum, und hier dtirften wohl die Samen- 
korner gestreut worden sein, aus denen spater die archaologische Be- 
schreibung des Aachener Miinsters und des Bathhauses hervorging. 
Im Jahre 1811 musste Nolten wieder einen Wechsel seines Wohn- 
orts vornehmen. Am 1 6. Dezember reiste er mit seiner Familie nach 
Uerdingen ; hier blieb er einige Tage, und fuhr dann nach Kampen 
am Zuidersee, wo er vorlibergehend die Stelle als Empfanger des 
Kheinschifffahrts-Oktroi versehen sollte, um demnachst nach Amster- 
dam versetzt zu werden. Bis zum Mai 1812 wohnte Nolten in dem 
hollandischen Stadtchen, als die Sehnsucht zu den Seinigen ihn nach 
Uerdingen trieb. Er traf seine Frau impasslich und reiste deshalb 
mit ihr nach Koln zum Arzte; ein Besuch in Koln war auch 
darum wiinschenswerth, weil er seinen Hausrath, der bisher in Koln 
gestanden, nach Kampen schaffen wollte, da er gesonnen war, 
auch seine Frau und Kinder dorthin iiberzufiihren. Am 28. Mai 
kam er mit ihnen in Kampen an und miethete, unweit der grossen 
Kirche, auf der alten Strasse (de oude straat) ein Haus. Das erste 
Jahr, welches die Familie Nolten hier zubrachte, war ein recht freu- 
diges. Das Tagebuch berichtet von dem dritten Geburtstag des 
Sohnes Michelangelo; es gedenkt des fiinften Jahrestags der Yer- 
lobung und spater des fiinften Jahrestags der Verehelichung, welche 
Ereignisse alle durch Famihenfeste gefeiert wurden, besonders das 
letztere, da seit jenem Tage Noltens Frau Anspruch auf die gesetz- 
liche Wittwenpension erhielt. Auf diese freudigen Tage folgten bald 
wieder bittere. „Am 3. Mai 1813", heisst es im Tagebuch, „reiste 
meine liebe Frau mit unsern Kindern nach Hause (Uerdingen), um 

17* 



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260 J. Becke* 

den Gefahren des Krieges, welche Holland bedrohten, auszuweichen." 
Bis August blieb Frau Nolten mit iliren Kindern in Uerdingen, als 
sich die Nachricht verbreitete, in Dresden sei Friede geschlossen wor- 
den, worauf sie nach Kampen zuriickkehrte. Da sich der Krieg aber 
dennoch nach Holland zu Ziehen schien, verliess die Familie Nolten 
ilir gemiethetes Haus und wohnte seit dem 1. November auf einigen 
Zimmern, urn unabhangiger zu sein, wenn die Kriegsgefahr naher 
kame. Am 10. November hatten sich die Ereignisse bereits so g-e- 
staltet, dass Nolten mit den Seinigen Kampen verliess und iiber 
Arnheim und Cleve nach Uerdingen reiste, wo er am 18. November 
wieder bei seiner Mutter ankam. 

TJnterdessen war die Fremdherrschaft gebrochen, und nachdem die 
letzten Franzosen das Rheinland verlassen, zog Nolten im Januar 1814 
nach Koln, um sich „eine neue Anstellimg zu suchen". Es muss ihm 
schwer geworden sein, eine entsprechende Beschaftigung zu finden, 
derm „am 10. Mai 1814", schreibt er, „kam ich nach beinahe drei- 
monathchem Aufenthalt wieder in Uerdingen bei Frau und Kindern 
an", die die ganze Zeit „in Sorgen und Kummer zugebracht" hatten. 
Bald nachher reiste er nach Frankfurt, um beim Rheinoktroi eine 
Anstellung nachzusuchen. Kaum war er aber dort angelangt, da erhielt 
seine Frau die Nachricht, dass er „zum Bezirks-Empfanger in Aachen" 
ernannt sei. Am 26. Mai kam die offizielle Benachrichrigung durch den 
General-Gouverneur von BoeUing, der im Yerein mit seiner Schwester, 
der Frau Staatsrath Sethe \ sich eifrigst fur Nolten verwandt hatte. TJn- 
verziiglich kehrte Nolten nach Koln zuriick, wo er von alien Seiten zu 
seiner vortheilhaften Anstellung begluckwtinscht wurde. Wenige Tage 
nachher, am 10. Juni 1814, trat er in Aachen das neue Anit an, 
und wohnte „im grossen St. Nikolaus bei der Wittwe Krummel in 
der Grosskolnstrasse" (jetzt Nr. 28). Nachdem im August desselben 
Jahres auch seine Frau mit den Kindern nach Aachen iibergesiedelt 
war, bezog er das Haus Rennbahn Nr. 1055 (jetzt Nr. 6). 

Hier begann nun fiir die Faniilie Nolten ein im Ganzen gliick- 
liches Stillleben, wenngleich auch das Leid nicht seiten einen kleinen 
Tribut forderte. Horen wir das Tagebuch: „Am 13. Januar 1815 
feierten wir in Aachen mit unsern Kindern unsern Yerlobungstag. 
Wir tranken gebrannten Wein, woriiber Michelangelo viel Freude 
hatte." — „Am 19. Oktober 1814 wurde mein Namenstag feierlich 



2 ) Sethe war Chefprasident des Revisions- und Kassationshofs zu Berlin 
und aus Cleve geburtig. 



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Ferdinand Nolten. 261 

begangen. Beide Kinder deklamirten Yerse, die sie von der Mutter 
gelernt hatten. Der Saal war illuminirt und mein Sessel mit Blumen 
ausgeschmuckt." — „Am 29. Januar 1815 hatte unser Sohn Michel- 
angelo bose Augen, und der Doktor Merrem erklarte, dass der Zu- 
stand des Kindes sehr gefahrlich sei. Dieses setzte uns in die fiirchter- 
lichste Unruhe." Bald wurde der Zustand des Kindes besser; es 
oflhete sogar wieder die Augen. AUein Doktor Alertz (der Vater des 
spatern beriihmten Leibarztes Gregors XVI.) erklarte, dass, wenn 
auch nicht alle Hoffimng verloren sei, der Knabe dennoch einstweilen 
blind ware. Doch „Michelangelo bessert taglich . . . Gott sei Dank, 
dass er dieses schreckliche Schicksal von uns abgewendet hat. u Mitten 
in dieses friedliche Familienleben drang plotzlich am 18. Juni 1815 
„die (irrthtimliche) Schreckensnachricht von der verlorenen Schlacht, 
und am andern Tage reiste", wie Nolten schreibt, „meine liebe Frau 
mit den Kihdern nach Uerdingen. Den Tag nachher erhielten wir 
die Nachricht von der (siegreichen) Schlacht bei Waterloo, wodurch 
wir wieder beruhigt wurden." Zu der Freude, die dieses gltickliche, 
weltgeschichtliche Ereigniss Nolten bereitete, kam fast gleichzeitig 
eine ftir sein Yaterherz nicht minder grosse, die er mit folgenden 
einfachen Worten verzeichnet: „Michelangelo hatte (bei der Keise 
nach Uerdingen) in Neuss die Binnsteine gesehen und war, ohne 
dass die Mutter ihm etwas gesagt hatte, hinliber geschritten." 

In Uerdingen wurde am 16. Juli Noltens drittes Kind, Euphro- 
syne, geboren. Sie hat ihren Vater und alle ihre Geschwister iiberlebt, 
da sie erst 1883, und zwar unverheirathet in Aachen gestorben ist. 
Bei ihrer Taufe war der Kanonikus Raban Herfeldt aus Kaiserswerth 
Pathe, ein Umstand, der ebenso wie die fruher erwahnte Pathenschaft 
Wallrafs darauf hindeutet, dass Nolten allenthalben mit der Geistlich- 
keit gute Beziehungen unterhielt, woraus man dann weiter schliessen 
darf, dass in der Familie Nolten ein reges religioses Leben herrschte. 

Das folgende Jahr versetzte Nolten in grosse Aufregung. Wir 
lesen in seinen Aufzeichnungen die vielsagenden, bittern Worte: 
„Am 4. April 1816 wurde die bertichtigte Organisation bekannt, wo 
es sich zeigte, was von den Grosssprechereien der preussischen Ver- 
waltungen zu halten sei, wo das Wort des Konigs gemisshandelt 
wurde, und wo nur Intrigante, Verwandte und Prot6g6s zu etwas 
kamen; Leute hingegen, die sich bloss auf die gertihmte Kechtlich- 
keit und Soliditat der preussischen Verwaltiuigen verlassen hatten, 
schmahlich zuriickgesetzt wurden. u Nolten scheint jedoch nicht in dem 
* Grade von den Folgen der „bertichtigten Organisation" getroffen worden 



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262 J. Becker 

zu sein, wie vielleicht viele seiner Kollegen; denn am 17. Juli desselben 
Jahres erhielt er zu seiner bisherigen Bezirksempfanger-Stelle noch das 
Amt eines Hauptkontrolleurs bei der Regierungshauptkasse. Kaum aber 
erfreute er sich dieser Befdrderung, als auch schon wieder bitteres 
Leid tiber ihn hereinbrach. Im August wurde seine Prau bis auf 
den Tod krank, und es wahrte fast ein ganzes Jahr, bis sie wieder 
vollstandig genesen war. Das Tagebuch sagt namlich: „Den Mai 1817 
bradite meine liebe Frau auf (dem Gute) Siistern vor dem Pontthor 
zu, urn ihre Gesundheit durch eine Milchkur herzustellen, welche den 
besten Erfolg hatte, bis sie halben Juni durch einen Besuch aus 
Amsterdam wieder zur Stadt zuriickkehren musste." Unterdessen hatte 
die Familie Nolten auch ihre Wohnung gewechselt; denn der urn 
„Mitternacht vom 16. zum 17. August 1817 unter Donner und Blitz 
geborene Sohn Raphael Peter Franz Hubert" erblickte das Iicht der 
Welt „in dem vormaligen Leerordschen, jetzt Heukenschen Hause in 
der Peterstrasse" (heute Nr. 54). Dasselbe Haus wird auch als die Ge- 
burtsstatte des vierten Kindes, des Marcus Vitruvius Cacilia Hermann 
genannt, das am 7. September 1818 zur Welt kam. 

Das Jahr 1818 brachte das Ende „des hauslichen Gliickes u . Schon 
der Anfang des Jahres war fur die Familie Nolten im hochsten Grade 
schmerzhch. Nolten schreibt zum Januar: „Ich wurde meiner Stelle 
bei der Regierungshauptkasse wieder in so weit entledigt, dass solche 
ftir mich durch einen Andern verwaltet wurde, und ich mithin die 
Bezirkskasse nur allein zu versehen habe. u So viel wir erfahren 
konnten, hatte ein Gehiilfe Noltens die Regierungshauptkasse ge- 
schadigt, und da Nolten den vollstandigen Beweis seiner TJnschuld 
nicht erbringen konnte, so verlor er seine Stelle und musste sich 
iiberdies langere Zeit hindurch Abziige an seinem Gehalt gefallen 
lassen, bis endhch der Schuldige erkannt und die einbehaltenen 
Gelder zuriickgezahlt wurden. Auch erkrankte im Frtibjahr desselben 
Jahres Noltens Frau von Neuem und musste wieder von Mai bis 
August auf Gut Siistern verweilen. Nach der im September erfolgten 
Geburt Vitruvs wurde die Schwache der Frau so gross, dass sie 
bettlagerig ward und man an ihrer Genesung verzweifelte. „Den 
1. November zeigte sich eine Spur von Hoflhung. Sie sass auf, und 
schien Vergntigen daran zu haben, dass wir bei ihr assen. Ich be- 
trachtete dieses als die letzten haushchen Freuden, und war sehr 
betrtibt." Die Krankheit nahm von Tag zu Tag zu, und „den 19. No- 
vember, Donnerstag, u so lesen wir wieder im Tagebuch, „starb meine 
liebe Frau Nachmittags vier Uhr. Sie verschied so sanft, dass ich es 



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Ferdinand Nolten. 263 

nicht einmal bemerkt hatte. Einige Minuten vorher waren ihre Hande 
ganz nass und kalt. Sie war mehrere Tage vorher von ihrem nahen 
Ende unterrichtet, ohne jedoch im mindesten unruhig zu sein. Ein 
schutzender Engel wich von mir ! Hiennit das Ende des hauslichen 
Gliickes!" 

Mit rtihrender Sorgfalt bemuhte sich Nolten urn das Begrabniss 
seiner Gattin und urn die Herstellung eines passenden Grabsteins, 
was er alles ausfiihriich in seinem Tagebnch notirt und durch eine 
beigefiigte Zeiehnung erklart hat. 

In dieses Jahr voll Kreuz und Leid fallt auch die Herausgabe 
der archaologischen Beschreibung des Aachener Munsters und des 
Rathhauses, auf die wir noch zurtickkommen werden. 

Bald nachher brachte Nolten seinen Sohn Michelangelo in 
eine Erziehungsanstalt nach Kempen und bewog gleichfalls seine 
achtundsiebenzigjahrige Mutter nebst seiner Schwester, Uerdingen 
zu verlassen und bei ihm und seinen Kindern in Aachen zu wohnen. 
Hier waren der alten Frau nur noch zwei Jahre beschieden, denn 
am 23. April 1821 starb sie und wurde neben ihrer Schwieger- 
tochter und ihrem kurz vorher gestorbenen Enkel Raphael begraben. 

Von jetzt an verging kaum ein Jahr, in welchem der nunmehr 
dreiundftinfzigjahrige Nolten nicht von dem einen oder andern 
Ungliick heimgesucht wurde. Im Oktober 1821 musste er seinen 
Sohn Michelangelo, dessen Augenlibel wieder hervorgetreten war, nach 
Bonn bringen, wo der beruhmte Augenarzt Professor von Walther 
ihn fast ein ganzes Jahr behandelte; im August 1822 erkrankte die 
siebenjahrige Euphrosyne, und als sie endlich nach langen, schweren 
Leiden zu genesen anting, starb eine der treuen Magde, die das 
kranke Kind mit grosser Aufopferung gepflegt hatte. Zum 26. Juli 
1823 lesen wir in dem Tagebuch: „Fruh morgens ging ich an das 
Grab meiner lieben Frau, unbewusst, dass es ihr Namenstag sei, und 
fand kurz daran viele Vergissmeinnicht, die eben aufbliihten. Ich 
habe ihrer gepfltickt und mit mir genommen, als ich zu Hause er- 
fuhr, dass es ihr Namenstag war." 

Die folgenden Jahre widmete Nolten hauptsachlich der Sorge 
fur die Erziehung seiner Kinder. Am meisten nahm ihn Michelangelo 
in Anspruch, den er in die oben erwahnte Erziehungsanstalt, wahr- 
scheinlich ein von ehemaligen Klostergeistlichen geleitetes Institut, 
gebracht hatte. Wir horen, dass er seinem Vater „durch die guten 
Fortschritte in der Philologie und durch seine innige Frommigkeit 
unendlich viel Freude machte 44 . Ein Halsleiden, das den Knaben 



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264 J. Becker 

1824 heimsuchte, machte wieder schwere Sorge, und als endlich eine 
allgemeine Schwache hinzutrat, musste der Yater ihn im Juni von 
Kempen fortnehmen. Der Knabe erkrahkte derart, dass er erst im 
August „mittelst eines Stockes etwas gehen konnte". Von 1824 bis 
1828 schweigt das Tagebuch. Fiir das letztere Jahr verzeichnet Nolten 
nach vielen tniben Erfahrungen eine ganze Keihe freudiger Ereignisse. 
Zum 25. Mai heisst es: Heute „habe ich die Entscheidung liber 
meine Gehalts-Entschadigungs-Ansprtiche, namlich von 1828 an 300 
Keichsthaler Gehaltszulage und fiir die Vorjahre ein Abfindungs- 
quantum von 2000 Keichsthaler erhalten." Zum 1. September: „Ich 
empfing durch den Herrn Chef-Prasidenten von Keimann die vor- 
laufige Benachrichtigung, dass mein Sohn Michelangelo in das tech- 
nische Gewerbe-Institut mit Keisekosten und einem Stipendium von 
300 Reichsthalern auf drei Jahre aufgenommen sei." „Am 18. Sep- 
tember ist mein lieber Sohn Michelangelo nach Berlin zu seiner neuen 
Bestimmung abgereist." Im Oktober desselben Jahres brachte Nolten 
seine Tochter Euphrosyne nach Ltittich „in die Pension bei der Wittwe 
de Beauvais", wo sie bis zum 30. September 1829 blieb. 

Das Tagebuch ist fiir die nun folgenden Jahre ausserst durftig ; 
nur wenige Bemerkungen darin beanspruchen noch unser Interesse. 
„Am 1. Juli 1836 hat mein Sohn Michelangelo sich mit Herrn Felser 
zu einer Maschinenfabrik in Burtscheid verbunden. Gott gebe seinen 
Segen." Zu den Jahren 1837 und 1838 ist die Verlobung und Ver- 
heirathung der Tochter Auguste mit dem Postsekretar Bauer in 
Dtisseldorf verzeichnet. Die Notiz schhesst mit den ruhrenden Worten : 
„M6ge die gute Mutter fur sie beten und Gott seinen Segen dazu 
geben! u Im J. 1838 beging Nolten sein fiinfzigjahriges Dienst- 
jubilaum. Unter dem 5. November schreibt er in sein Tagebuch: 
Heute „ist mein Amts-Jubilaum von der Konigl. Kegierung mit vieler 
Herzlichkeit gefeiert worden." Aus dem folgenden Jahre (1839) hat 
Nolten aufgezeichnet, dass er Pathe bei dem Sohnchen seiner Tochter 
Auguste geworden sei; er nennt sich hierbei zum ersten Mai „Hof- 
rath u ; ohne Zweifel war ihm aus Anlass seines Dienstjubilaums 
dieser Titel verUehen worden. Dasselbe Jahr brachte noch die Hochzeit 
seines Sohnes Michelangelo und den Eintritt Vitruvs als Freiwilliger 
in das 34. Infanterie-Regiment, womit das Tagebuch schhesst. 

Nach seinem Dienstjubilaum lebte Hofrath Nolten noch 9 Jahre. 
Da er vom Amte entbunden war, widmete er seine ganze Zeit dem 
Studium der Kunst und des Alterthums, wobei ihm die schone 
Sammlung, welche er sich in seinem langen Leben mit viel Geschmack 



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Ferdinand Nolten. 265 

angelegt hatte, prachtig zu Statten karri. Seine Wohnung war damals 
in dem Hause Hochstrasse Nr. 1, Ecke der jetzigen Schutzenstrasse. 
Diejenigen, welche Nolten in seinen letzten Lebensjahren gekannt 
haben, schildern ihn als einen mittelgrossen Mann mit kahlem Ober- 
kopf und langen, weissen Locken. Er starb am 17. Dezember 1847, 
Abends 6V4 TJhr, nachdem er vorher andachtig die h. Sterbe- 
sakramente empfangen hatte. Sein Grab ist auf dem katholischen 
Gottesacker vor Adalbertsthor, links vom Eingang, hinter der Grab- 
kapelle von Coomanns-Peters. 

Das Erste, was unseres Wissens Nolten schrieb, war ein Aufsatz 
in franzosischer Sprache, der am 31. Juli 1811 im „Mercure du 
d6partement de la Eoer" unter der Ueberschrift : „Essai sur les causes 
de la decadence de Tarchitecture grecque et des tentatives pour la 
retablir" erschien. Die meisten Gedanken dieser Arbeit finden sich 
wieder in der „Einleitung" zur archaologischen Beschreibung des 
Aachener Mtinsters und des Kathhauses. Nolten suchte in diesem Auf- 
satz darzuthun, dass die Baukunst seit der Bliithe der griechischen 
Architektur stets zuruckgegangen sei und nur in der Wiederaufhahme 
des griechischen Baustils fiir dieselbe Heil gefunden werden konne. 

Am 23. Dezember 1815 veroffentlichte Nolten im „ Journal des 
Nieder- und Mittel-Kheines" einen Artikel: „Die Miinsterkirche zu 
Aachen und die wiedereroberten Saulen. u In diesem trat er warm 
ein fiir die Kestauration des Hiinsters, insbesondere flir die Ent- 
fernung der Stuckverzierung, die Versetzung der Orgel und die 
wurdige Aufstellung des Kaiserstuhls. Man trug sich damals mit 
dem glucklicherweise nicht ausgeftihrten Gedanken, aus den von 
Paris zuruckgebrachten Saulen im Glockenhaus des Mtinsters eine 
Kapelle zu bauen. Diese Gelegenheit ergriff Nolten, um auf die 
Verwahrlosung der Miinsterkirche hinzuweisen und "Winke zu ihrer 
stilgerechten Herstellung zu geben. 

Die Hauptschrift Noltens ist die Eingangs genannte, 1818 er- 
schienene „Archaologische Beschreibung der Munster- oder Kronungs- 
kirche in Aachen, nebst einem Versuch iiber die Lage des Pallastes 
Karls d. G. daselbst. u Bis dahin hatte noch Niemand das Aachener 
Munster, viel weniger das Aachener Eathhaus oder gar die ganze 
ehemalige Pfalz einer ausfuhrlichen archaologischen Untersuchimg 
unterworfen, diejenigen aber, die nach Nolten sich an diese Aufgabe 
wagten, haben zahlreicher und unschatzbarer Yortheile entbehrt, die 
ihm noch geboten waren. In den letzten siebenzig Jahren namlich ist 
das Munster und das Eathhaus, liberhaupt der ganze Boden der alten 



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266 J. Becker, Ferdinand Nolten. 

Pfalz, so verandert worden, dass heute nur noch durch miihsame 
und zudem iinsichere Vermuthung Yieles festgestellt werden kann, 
was zu Noltens Zeiten offen zu Tage lag und sich leicht selbst er- 
klarte. Mag auch unser archaologisches Wissen im Ganzen seit dem 
Erscheinen der Noltenschen Schrift grosser geworden sein, so kann 
doch keiner der Neuern sich einer genauern Kenntniss des Einzelnen 
bezuglich der Aachener Pfalz ruhmen, als sie Nolten aus dem vorhin 
erwahnten Gnmde besessen hat. Freilich hat er nicht immer das 
Bichtige getroffen, besonders wenn es sich darum handelte, alte 
Mauerreste in Bezug anf ihre Herkunft zu beurtheilen; er hielt ge- 
meinigUch alles fiir karolingisch, was wir heute als unzweifelhaft 
romisch ansehen. Wie fleissig er tibrigens an der Yervollkommnung 
seines Schriftchens arbeitete, beweist ein Aufsatz, den er am 13. 
September 1823 in der „Stadt-Aachener Zeitung u erscheinen liess, 
und in welchem er die Aufstellungen, die er in seiner „Archaologischen 
Beschreibung" gemacht hatte, vervollstandigte. Auch das Hand- 
exemplar seines Werkes zeigt fast auf jeder Seite Zusatze und Be- 
richtigungen, von denen einige sogar aus den letzten Jahren seines 
Lebens herrtihren dtirften; denn 1844 konnte Professor C. P. Bock 
in seiner Abhandlung liber das Standbild Theoderichs d. Gr. in Aachen 1 
die Mittheilung machen, dass Nolten den Plan habe, seine Beschrei- 
bung des Aachener Miinsters und des Rathhauses in neuer, ver- 
mehrter und A^erbesserter Gestalt herauszugeben. Er ist leider nicht 
dazu gekommen 2 ; dennoch behalt Prof. Bock Recht, wenn er von 
dem Noltenschen Schriftchen behauptet, dass es „fur die Untersuchung 
der karolingischen Baudenkmale. eine erste und sichere Grundlage 
gelegt habe, zu welcher jede weitere Forschung, die sich diesem Gegen- 
stand widme, werde zuriickkehren mtissen". 



1 ) Bonner Jahrbucher V. VI, S. 75, Anm. 129. 

2 ) Anm. d. Red. Einen neuen, durch zahlreiche sachliche Zusatze ver- 
mehrten Abdruck des Noltenschen Schriftchens hat jiingst der Verf. der 
vorliegenden Abhandlung im Verlag von A. Creutzer in Aachen heraus- 
gegeben. 



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Kleinere Mittheilungen. 



1. Die Porphyrsaulen am Hochaltar des Aachener Miinsters. 

In dem sehr inhaltreichen Aachener Fremdenfiihrer von Dr. B. M. Lersch 
heisst es (4. Aufl., Aachen 1885, S. 36) bei Erwabnung der vier Saulen, welche 
den Hochaltar des Munsterchors stiitzen, zwei derselben seien „sehr kostbar 
aus griinem Porphyr (verde antico)". Dies klingt wie eine contradictio in 
adiecto. Der Verde antico ist kein Porphyr, sondern ein Marmor, der in der 
Nahe von Atrax in Pelasgiotis in Thessalien gebrochen wurde und von den 
Romern vielfach bei ihren Bauten verwandt worden ist. Die vorherrschende 
Farbe desselben ist hellgriin mit weissen und schwarzen Flecken, die eine sehr 
angenehme Wirkung machen, so dass er auch heute, obgleich nicht eigentlich 
selten, sehr geschatzt ist. Die 24 Saulen der Nischen, in welchen die Apostel- 
statuen an den Pfeilern des Mittelschiffs in der romischen Laterankirche stehen, 
sowie die prachtigen Saulen des Hochaltars der Kirche Sant' Agnese auf 
Piazza Navona sind aus diesem Stein, den man auch Lapis Atracius nennt. 
Der grune Porphyr ist von grosster Seltenheit, und ich wiisste nicht, wo Saulen 
aus demselben zu finden waren, ausgenommen die beiden kleinen an einem 
Altar in einer Kapelle von Sta Maria Araceli in Rom. Sonst sieht man daselbst 
eine grosse Vase aus diesem Stein unter dem Hochaltar der Kirche San Nicola 
in carcere und eine zweite in der Unterkirche von Santi Quattro auf dem 
Calius, sowie kleinere Stiicke. Man hat ihn fur proconnesischen Porphyr ge- 
halten, was jedoch nicht zu stimmen scheint. (F. Corsi, Delle pietre antiche, 
Rom 1845, S. 204.) Proben dieser ausserst selten vorkommenden Gattung gibt 
es in mehrern Sammlungen, z. B. in jener, welche in Rom 1842 durch den 
Grafen Stefan Karolyi, Oheim des jetzigen k. k. Botschafters in London, er- 
worben wurde, und in derjenigen des vormaligen belgischen Ministerresidenten 
beim h. Stuhl, E. De Meester von Ravestein, welche heute in dem Museum 
der Porte de Hal zu Brussel zu sehen ist. Auch bei der Ausschmiickung der 
Tribune des Hochaltars der Kirche II Gesu in Rom, welche durch den Jesuiten- 
orden im J. 1843 vorgenommen wurde, ist gruner Porphyr verwandt worden. 
Die Aachener Saulen, welche somit ein Unicum genannt werden konnen, 
standen bekanntlich vormals neben dem Kreuzaltar in der Nikolaikapelle. 
Nach Lersch sollen sie wahrscheinlich die Wolbung des primitiven Ciborien- 



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268 Kleinere Mittheilungen. 

altars in dem alten karolingischen Chor des Miinsters gestiitzt haben, was 
dahingestellt bleiben mag. Ihre gegenwiirtige Verwendung ist eine sehr 
passende, und wird sich als solche noch weit mehr erweisen, nachdem der 
Altar seine polychrome Vollendung erhalten haben wird. 

Die Provenienz dieser Siiulen ist unbekannt. Man mochte annehmen, 
sie seien von Ravenna gekomraen, welches noch spat die Verbindung mit 
Konstantinopel lebendig erhielt, wo grosse Biuten aufgefiihrt wurden, als 
das romische Emporium schon unter dem Schlamm des Tiber verschwunden 
war. Aber auch in der poetischen Beschreibung der Justinianischen Sophien- 
kirche des Silentiarius Paul us sucht man unter den vielen seltenen Steinarten 
vergebens nach grunein Porphyr. 

• Aachen. A. v. Beumont. 

2. Zur Kenntniss des Aachener Ottonenkodex. 

Die Bilderhandschriften der Schatzkammer im Aachener Miinster haben 
in neuerer Zeit vielfach Beachtung gefunden. Besonders gilt dies von dem 
Evangeliar aus der Ottonenzeit, aus welchem durch einen Irrthum Woltmanns 
sogar zwei Codices gemacht worden sind. Dieser jedenfalls ganz ungewShn- 
lichen Art der Vermehrung Einhalt zu thun, habe ich mir in einem Artikel 
der Zeitschrift fur bildende Kunst (Chronik XXI, Sp. 9 ff.) Muhe gegeben. 
Jener Artikel kann heute in sofern eine gewisse Erweiterung erfahren, als die 
fragliche Bilderhandschrift seit dem Erscheinen meines kleinen Artikels in 
getreuer Wiedergabe veroffentlicht worden ist l und in sofern, als eine An- 
merkung der im Erscheinen begrifFenen .,Geschichte der deutschen Kunst'* 
(Lief. IX, S. 74) unabhangig von meiner Arbeit auf denselben Irrthum Wolt- 
manns zu sprechen kommt. 

Die Angelegenheit beziiglich des Ottonenkodex verhalt sich folgender- 
massen : der Aachener Miinsterschatz besitzt u. A. ein mit zahlreichen Bildern 
geschmiicktes Evangeliar, das von einem Monch Lothar einem Kaiser Otto (wohl 
Otto III.) gewidmet ist. Letzteres geht aus einer Inschrift hervor, die sich 
in goldener Capitalis 2 auf vier Purpurstreifen des Widmungsbilds befindet 
und lautet: 

HOC AUGUSTE LIBRO TIBI COR D(EU)S INDUAT OTTO 
QUEM DE LIUTHARIO TE SUSCEPISSE MEMENTO. 

Diese leoninischen Hexameter heissen in deutscher Prosa offenbar so: 
Dir, kaiserlicher Otto, moge Gott das Herz mit diesem Buche erfullen. Er- 



*) Vgl. Die Bilder der Handschrift des Kaisers Otto im Miinster zu Aachen in 
XXXIII unver&nderlichen Lichtdrucktafeln herausgegeben und mit den Bildern der 
Evangelienbticher von Trier, Gotha, Bremen und Hildesheim verglicben vonStephan 
Beissel S. J. Aachen 1886. 

a ) Die Capitalschrift ist hier nicht ganz rein, da sie runde U-Formen und (neben 
eckigen) auch runde E aufweist. Dagegen sind A, D, H, M, Q und T vollstandig capital, 
weshalb ich die allgemeine Benennung der InBchrift als Capitalis gewahlt habe. ^^ 



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Kleinere Mittheilungen. 269 

innere dich, class du es von Lothar erhalten hast *. Die purpurnen Bander, 
auf denen diese Inschrift stebt, sind oberhalb und unterhalb eines Bildes 
angebracht, auf dem ein Kleriker, der ein Buch tragt, dargestellt ist. Es 
kann hier niemand anders gemeint sein, als der in der Inschrift genannte 
Liutharius. Woltmann hat die eben mitgetheilten Verse missverstanden und 
spricht von einer Handschrift in Aachen, die von einem Monch Otto dem 
Kaiser Lothar gewidmet sein soil 2 . Ue"berdiess kennt er auch die wirkliche 
Ottonenhandschrift s wenigstens nach den bei Hefner- Alteneck gegebenen 
Bildern. Woltmann verwechselt einmal den Monch und den Kaiser, dann 
wieder setzt er sie an den rechten Platz, wodurch aus dem Kodex unver- 
sehens zwei geworden sind. 

Es scheint, dass Woltmann (wie das schon von anderer Seite erkannt 
wurde 4 ) durch den Besitzwechsel irregefiihrt worden ist, welchen das Ottonen- 
Evangeliar erfahren hat. Dieses war namlich einige Zeit hindurch bei Kano- 
nikus von Orsbach verwahrt, also aus dem Miinster entfernt. Damals hat 
wahrscheinlich Hefner- Alteneck es gesehen und daraus zwei Bilder fur sein be- 
kanntes Werk zur Reproduktion ausgewiihlt. Sein Text erwahnt das Evan- 
geliar als im Besitz jenes Kanonikus befindlich. Woltmann kannte nun 
Hefner-Altenecks Bilder und Text und hatte ausserdem Keuntniss von einem 
Evangeliar im Aachener Domschatz, das mit einer Inschrift versehen war, 
in welcher die Namen Liutharius und Otto, sowie ein Dedikationsblatt mit 
einem Monche vorkamen. Dass beicle Evangeliave dasselbe Individuum seien, 
war ihm bei der augensche in lichen Mangelhaftigkeit seiner Notizen iiber den 
Domkodex nicht aufgefallen. Daher nun die sonderbare Vermehrung. 

Der hier besprochene Trrthum begann bald sich zu verbreiten und ist 
schon in die kunstgeschichtliche Literatur der jungsten Zeit eingedrungen 5 . 
Deshalb hielt ich es fur erspriesslich, auf den thatsach lichen Befund hinzu- 
weisen, der hoffeutlich ebenso rasch zur Geltung kommen wird, als sich der 
Irrthum verbreitet hat. Zu dieser Hoffnung berechtigt mich der Umstand, 
dass die neue oben erwuhnte Publikation des Kodex durch P. Beissel (S. 60) 
von der Aufklarung des Sachverhalts wenigstens im Allgemeinen Notiz ge- 
nommen hat. 

Wien. Th. Frimmel. 



*) Richtig wiedergegeben und fiberBetzt ist die Inschrift schon 1865 bei Fr. 
Bock, Earls d. Gr. Pfalzkapelle I, S. 42. 

') Woltmann, Geschichte der Malerei I, S. 208: „Das Evangeliarium Lothars in 
Aachen enthalt das Bild des Schreibers, eines Monches Otto." (Vgl. auch a. a. O. 
S. 206, 263.) 

•) Woltmann a. a. O. I, S. 250. 

*) S. Geschichte der deutschen Kunst a. a. 0. 

*) So in den Artikel von E. ans'm Weerth fiber die Reiterstatnette Karls d. 
Gr. in den Jahrbtichern des Vereins von Alterthumsfrennden imRheinlande LXXVIII, 
S. 154 und in die 5. von Wernicke bearbeitete AufLage des Otteschen Handbnchs der 
christlichen Knnstarchaologie S. 541} die 4. AnfLage kannte den Irrthum noch nicht. 



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270 Kleinere Mittheilungcti. 

3. Aachener Urkunden ans dem Dortmunder Stadtarciiv. 

Die folgenden vier Urkunden — weitere auf Aachen bezugliche sind im 
Dortniunder Stadtarehiv nicht vorhanden — sind in mebrfacher Hinsicht 
nicht ohne Interesse. 

In Betreff der ersten und ihrer Datirung ist zu bemerken, dass sie 
ein Antwortschreiben des Aachener Rathes auf eine Bitte des Dortmun- 
der Magistrats um finanzielle Untersttttzung ist. Die Stadt Dortmund ge- 
rieth durch ihren Krieg 1 mit dem Kolner Erzbischof Friedrich von Saar- 
werden und dem Grafen Engelbert III. von der Mark (Februar 1388 bis No- 
vember 1389) in eine so grosse Schuldenlast, dass sie sich im J. 1402 zur 
Erklarung der Zahlungsunfahigkeit verstehen musste. Sie hatte an zahlreichen 
Stellen, u. a. bei den Stadten Liibeck, Stralsund, Zwolle, Deventer und einer 
grossen Menge von Privatleuten Anleihen gemacht oder Renten verkauft, und 
die Steuerkraft ihrer Einwohner war trotz der grossten Anstrengungen nicht 
im Stande, den Bankerott der Stadt zu verhiiten. Dass die Stadt Aachen 
der Bitte der Dortmunder um Unterstiitzung nicht willfahren konnte, lag, 
wie sie in ihrem Antwortschreiben erklart, an ihrer eigenen durch kriegerische 
Ereignisse gedriickten Situation. Es handelt sich dabei um den Einfall des 
franzSsischen Konigs Karls VI. in das Herzogthum Julich*, den derselbe 
unternahm, um sich an dem Herzog Wilhelm von Julich fur die Feindselig- 
keiten seines Sohnes Wilhelm von Geldern zu rachen, der sich im englisch- 
franzSsischen Kriege auf die englische Seite geschlagen und dem Konig von 
Frankreich im Juli 1387 Fehde angesagt hatte. Anfang September 1388 
begann der Zug der Franzosen von der Champagne aus quer durch die Ardennen ; 
Mitte des Monats waren sie im Julicherland 8 und schon am 22. September unter- 
warf sich in Wollersheim bei Duren der Herzog von Julich, am 12. Oktober 
in Kcrrenzig auch sein Sohn, Herzog Wilhelm von Geldern, worauf denn 
Ende Oktober die Franzosen auf demselben Wege zuruckkehrten. Die Aachener 
Chronik aus dem 15. Jahrhundert 4 , neben der unten folgenden Urkunde die 
einzige Quelle, die uber die Schicksale Aachens bei dieser Gelegenheit berichtet, 
verlegt den Einfall ins Jahr 1389; doch kann diese Angabe gegeniiber den 
zahlreichen Quellen, welche zum J. 1388 iiber denselben berichten, nicht 
bestehen 6 . 

Nr. 2, 3 und 4 beziehen sich auf die Aachener Heiligthunier ; am meisten 



>) Vgl. Beitrage zur Geachichte von Dortmund und der Grafschaft Mark IV, S. 1 ff. 

') Ueber diesen Zug s. Lindner, Gesch. des deutschen Reicha unter K. Wenzel 
II, S.81 ff. (fast unverandert nochmals abgedrnckt in Picks Monatsschrift II, S. 232 ft\). 

•) Fiir die Anwesenheit der Franzosen im Julicherland vgl. Oeuvres de Froissart, 
ed. Kervyn de Lettenhove, Chroniques XIII, p. 258 sqq.; Chronique dn religienx 
de Saint-Denis de 1380—1422 ed. Bellaguet (Collection de documents inedits snr 
Thistoire de France, Serie I) I, p. 632 sqq.; Jacobus de Susato, Chronicon episcoporum 
Coloniensinm bei Seibertz, Quellen z. westf. Gesch. I, S. 211. 

•) Annalen des hist. Vereins f . d. Niederrhein XVII, S. 4. 

') Vgl. Haagen, Geschichte Achens I, S. 322. 



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Kleinere Mittnellungen. 2?1 

Interesse beansprucht Nr. 4, die in den Zusammenhang der von Quix, 
Historische Bescbreibung der Miinsterkirche in Aachen S. 87, S. 147 (Nr. 14) 
d. d. 1424 Januar 2 und S. 151 (Nr. 15) d. d. 1425 Januar 18 abgedruckten 
Dokumente gehSrt und fiber einige Punkte des sich an das dem Aachener 
Magistrat zustehende Konkustodierecht der Heiligthfimer kniipfenden Streites 
zwischen Magistrat und Stiftskapitel l nahern Aufschluss bietet. Dass die 
Stadt Dortmund sich eine Kopie dieses Aachener Rundschreibens anfertigte, 
erklart sich aus der grossen Theilnahme, welche sie stets fur die Aachener 
Heiligthumsfahrt an den Tag legte. Ich habe in anderm Zusammenhang 
einige darauf bezugliche Notizen zusammengestellt 2 und bemerke schon hier, 
dass sich eine Anzahl weiterer Angaben in der demnachst im Rahmen der 
„Chraniken der Deutschen Stadte" erscheinenden Ausgabe der Dortmunder 
Chroniken finden wird. Eine derselben will ich gleich hier vorweg nehmen 
theils ihrer Vollstandigkeit wegen, theils aber auch, weil sie gerade der Zeit 
des eben erwabnten Streites angehort. 

Der im 15. Jahrhundert lebende Dortmunder Chronist Johann Kerkhflrde 
berichtet namlich (Kgl. Bibliothek zu Berlin, Msc. bor. fol. 574) zum J. 1426 : 
„Dit jaer war dei Akervaert. Do gengen wy tosamen to Aken, daer togede 
men unser vruwen hemede, Josephs hosen grauw und swart, sunte Johannis 
doech, daer emme sijn hovet oppe wart affgehouwen, den doech, den unse 
her Christus am crueze umme sine siden hadde; to sunte Cornelius dat 
doech, daer Christus sinen jungeren ere vote mede drogede, dat laken, daer 
Joseph den heren Christum vam crueze in entfenk, den hovetdoek, den de 
engel in dem grave Christi Maria Magdalena togede to Paschedage, sunte 
Cornelius hovet, sunte Johannis hovet; is seer kostlik." 

1. Der Rath der Stadt Aachen an den Rath der Stadt Dortmund: bedauert 
im Hinblick auf seine eigene bedr'dngte Lage dem Geauch Dortmund 8 um finanzielle 
Unter8tiitzung nicht willfahren zu konnen. 

(1388) Dezember 22. (Orig.) 

Dortmunder Stadtarchiv. 

Unse vruntliche gruysse ind wat wir gutz vermoigen vurschreven. Sunder- 
linge gude vrunde. Uren brief van gelouven ind ouch den erbaren man hern 
Heynrich van Summern, canonych zo Santen, up den ir den gelouve gescreven 
hait, hain wir wale verstanden, mit wilchen ir gesynnende syt, van ons eyne 
Bumme van gelde uch zo lenen, want ir groisse onbehende cost eyne lange 
zijt her gehat hait, as dat wale lantkundich sy. Ind da wir sicher groisse 
mytlyden mit uch gehat haven, as dat nyet onhillich en is ind wir ouch 
gerne ure beide verhueren weulden ind der genoich syn, weren onse sachen 
also geleigen, dat wir dat gedoin kunden, des wir sicher up dese zijt in 



*) Quix a. a. 0. S. 86 ff.; Kessel, Geschichtliche Mittheilungen iiber die Heilig- 
thumer der Stiftakirche zu Aachen S. 301 ff. 

') Neues Archiv der Gesellschaft far altere deutsche Geechichtskuude XI, S. 640 f. 



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272 Kleinere Mittheilungen. 

egeynre wys zo weige brengen noch gedoin enkunnen, want wir kurtliche 
zomail groisse onbehende cost ind schade gebat haven mit des herzoigen 
vrunden van Borgonyen, vur, de ons meynte zo oevervallen mit dem kuninge 
van Vranckryche ind ander viel groisser vursten ind heren, nae, die van ons 
nyet verre en lagen, dae wir herren, ritter, kneichte ind gude lude umb 
sweirligen versolden moisten ind mit buwe ind vestingen ons zo bevreden eyne 
lange zyt 1 her groisse onzellige kost gehat haven ind noch degelichs haven 
ind haven moissen vortan ind mit nijderligen onser vrunde, mit belech ind 
mit andere manchveldiger cost, die wir kurtligen gehat haven, daemit wir 
in alsulge scholt ind beswirnesse komen sint, dat wir uch up dese zyt nyet 
behelpen noch gelenen en kunnen, dat wir sicher ongerne liessen, kunden 
wirt in cynger wys zo weige brengen. Ind bidden uch, lieve vrunde, dat irt 
nyet vur oevel neymen en wilt ind ons vur onschuldich halden, wann wir uch 
in alien sachen gerne denklich ind lieve deden, dae wirt vermoechten. Got 
sy mit uch ind gebiet allzijt zo uns. 

Datum crastino beati Thomae apostoli. 

Burgermeister, scheffen ind rait des 
kunnenclichs stoils van Aychen. 

Adresse: Ersamen wysen bescheiden luden burgermeistern, scheffen ind 
raide der stat van Dyrtmonde, unsen sunderlingen guden vrunden. 

2. Der Kuslos der Miinsterkirche zu Aachen stellt dem (Dortmunder Burger) 
Ermart von der Moelen eine Bescheinigung aus, class deraelbe einer Suhne wegen 
die Aachener Miinsterkirche beaucht hat, 

1406 Juni 9. (Orig.) 

Dortmunder Stadtarchiv U. no. 1379. 

Nos custos ecclesie beate Marie virgin is in Aquisgrani recognoscimus, 
Ermart dictum van der Moelen, latorem praesentium, ob emendam, quam fecit 
contra aliquos, limina ecclesie beate Marie predicte humiliter et devote 
visitasse. Quod sub sigillo custodie nostre presentibus appenso protestamur. 

Datum anno domini millesimo cccc m <> sexto, mensis iunii die nona. 
Siegel erhalten. 

3. Der Herzog (Adolf) von Berg ertheilt der Stadt Dortmund aufihre Bitte 
einen bis zum 22. August gvltigen OeleitbrieJ durch seine Lande zum Zwecke 
der Wallfahrt nach Aachen (bei Gelegenheit einer Heiligthumsfahrt). 
Koln, 1412 Juli 3. (Orig.) 

Dortmunder Stadtarchiv U. no. 1502. 

Herzoige van dem Berge ind 
greve van Ravensberg. 

Eirbere gude frunde. Also als ir uns geschreven hait, uch und uren 
burgern duroh unse land vurwarde und velicheit zo geven bis ach tage na 



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Kleinere Mittheilungen. 273 

Unser vrauwen dage Assumptions als umb yrre bedefart wille zo Aiche dese 
vart zo leisten etc. haven wir wale verstanden ind layssen uch darop wyssen, 
dat wir dat gerne doin willen ind sagen uch de velicheit zo durch unse lant 
bynnen desser vurscreven zyt zo wandelen, gelych ir uns geschreven hait. 
Tinser hiergot sy mit uch. 

Datum Colonie nostro sub sigillo dominica sive crastino visitationis beate 
Marie virginis. 

Adresse: An de eirbere burgernieistere, rait ind andere burger der stat 
van Dorpmonde, unse besunder gude frunde. 

4. Bund8chreiben des Bathes der Stadt Aachen : er weist die Klagen zuruck % 
die das Aachener Kapitel im Anschluss an die Streitigkeiten wegen des Konkusto- 
dierechts der Heiligthumer uber den Rath verbreitet hat. 

1424 November 2. (Oleichzeitige Kopie.) 

Dortmunder Stadtarchiv U. no. 1840. 

Allen forsten und hern, geistlich und werntlich, greven, fryen rittern, 
knechten und alien eren amptluden, richtern, borgermestern, scheppen, reeden 
und vort alien guden luden, unsen gnedigen leyven hern und guden vrunden 
entbeyde wy borgermester, scheppen und rait des koninglichen stoils der 
stat van Aken unsen willigen bereyden denst und wat wy myt aire oitmo- 
dicheyt, gunst und leyfde vermoghen. Want wy vernemen, dat dey hern 
deeken und capittel der kerken unser leyven vrowen bynnen unser stat vaste 
wort, clage und overvall, wair sey komen, up uns gedaen hebt und doit, wo 
sey besorlich lyfs und gutz binnen unser stat nicht en solden moghen bly- 
ven und darumme dairute zin moeten, so bidden und begeren wij darup to 
weten. Umb dat dat hilge weerde hilchdoem, dar alle christenheit gelove, 
genaide und totijdincge werdentlichen und andechtliche in der kerken unser 
leyven vrowen bynnen unser stat to hefft uet eynre alden werke, dar id van 
alders uit her is und is des egeyn gedenken en is in geslotten gestande hefft, 
van den selven hern deeken und capittel ersat worden und unnutlich ge- 
slotten und verwart is, want dat holtwerk der kassen, dar id in gevestiget 
leget van alders und van urevigen jaren her ut also dornegelt, dorbroken und 
dorgereeten is, dat ment myt gey n en negelen mer seker daryn gevestigen 
en kan, den vorgenanten hern deeken und capittel darume myt aire gut- 
licheit baeden und angesonnen, uns dat helpen to besorgen, alz wy des myt 
en overdregen waren, dat dat hilge weerde hilchdom myt solken werke und 
vesticheyt also verwart worde, as des in gotlicker warheyt kenlike noit were 
to love und to eren goide van hemelrich, unser leyver vrowen und to wer- 
dicheit und to vrommen erre kerken, dem hilgen romschen rijke, deme konig- 
lichen stoile unser stede und alle desen landen, und baiden en, want sey 
uns vorlachten, dat id en to zwair und kostlich geveyle to maken, of sey 
is nicht enkunden volbrincgen, so wolde wy id maken doen genochgde en 

18 



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274 Kleinere MittheilungSn. 

des nicht, wy wold en en bis an dese neste tokomende hilchdomfart ene summg 
geldes darto leenen. Wolden sey des ever nicht, wy wolden en eyne summe 
gheldes darto hulpe gheven, up dat wy des myt en to vreden bleven as 
gutlich und vruntlich unse alderen und vurseessen des iu und iu myt en to 
vreden und eyndrechtlich geweest weren, und overquamen myt en overmitz 
unser beydersyde und andere werklude, dey wy eyndrechtlich darto be- 
boidt hadden, eyns werkes, dat men darto maken solde. Und want id by 
unser alderen und vurseessen alzo herbracht und ock by uns selven, dey noch 
hudigen dijs dages leven, alzo gehalden is, wan men dat hilge hilchdom uet 
und in doyt, dat dan unser stede borgermester und wy myt en myt unsen 
ghezworen werkluden darby zind und dat ere werklude und ock dey unse 
dey casse, dair dat hilge hilchdom in gevestiget licht, upbreken und weder 
tonegeln, so men sekerst kan, so hebt sich dey vorgenanten hern deeken 
und capittel des weder worpen und hedden uns des gherne afgescheden gehat, 
dar uns groit und seer ane verduchte, und dat unser stede und uns nicht 
ene kleyne sorghe en was noch en is by also twyvelichen und mysslichen 
worden endeil erre concanoynche in deser dedinge utgelacht hebn, alzo doch 
dat wy by vrunden und reeden des dorluchtigen hogeboren forsten, uns gne- 
digen leyven hern hertoigen to Guliche und to den Berghe und greven to 
Ravensberge, dey zine gnaden darby geschickt hadden, des puntz van den 
hilgen hilchdom uet und in to sluten und uns darby to hebn und to blyven 
wal tovreden und vereynicht zin, ayn bysonder van unser gezworen werk- 
luden, der en willen sey nicht darby hebn, und uns en steyt der nicht 
darvan to laten ume der vesticheyt willen dat hilge hilchdom uet und in 
to besluten und to verwaren, als sey iu und iu geweest und alz wy gemeyn- 
lich alt und junk dar vor und nae to alien tyden herbracht, bevonden und 
selven yegenwordich geweest hebn. Und darumb so is dyt dey stoit tusschen 
den vorgenanten hern deeken und capittel und uns alsus ergancgen und gele- 
gen, darby sey id vast verhalden und sich nicht daran gekeert en hebn 
dey casse doen to bereyden dat hilge hilchdom darin seker und vast to 
besluten. Und is dat tusschen en und uns uetgesat worden so vere, dat wy 
unsen vrenden en ernstlichen secgen deden, dat wy is nicht lancger uetgesat 
hebn en wolden, wer dat sey dey casse deden maken of wy wolden dey 
maken doen des hilgen hilchdoms seker to blyven, dat ock noch hudigen 
dijs dags in unser leyver vrowen kerken bynnen unser stat gewerlich is myt 
der genaiden goitz. Und engeyne andere ungutlicheyt en hebbe wy myt den 
selven hern deeken und capittel gande gehat, dan wy dat hilge hilchdom 
gherne verwart seghen. Dairover hebt sey sich erre kerken afhendich ge- 
maket und zind uet unser stait getoigen, des en neyn noit en was und dat 
uns ungotlich dunket, want dat in engeyns mans ghedenken by uns nye 
meer vernomen en is as gutlich und vruntlich unse alderen und vurseessen 
des iu und iu myt en to vreden und eyndrechtich geweest hebn und wy 
sunderlinge gerne zin und blyven solden und meynen, na dat dat hilge hilch- 
dom unser stede bewandt is und wy den vorgenanten hern deeken und capittel 



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Kleinere Mittheilungeil. 2?5 

nicht angesonnen en hebn noch en gesynnen, dan dat wy dat vort an wer- 
dentlichen gerne wal und secher verwart segen, alzo ast by unsen alderen 
und vorseessen und ock by uns selven bis her bracht geweest is, dat dey 
vorgenanten hern des dey bet myt uns tovreden zin solden. Und wat sey 
vorder of anders dairentegen secgen, vortkeren of to synne hebn of dat sey 
darume over uns clagen, dat sey dat unbillich doint also werdentlichen wy 
und alle unse burgerschaf sey vor oghen hebn, und dat men en des nicht 
geloven noch uns darynne nicht anders bedenken en zolle, dan also as vor- 
gescreven steyt. Und bidden dorch goitz und unses ewigen denstes willen, 
uns des genedentlichen to verantwerden, dar dese sake rede worde, und of 
yeman darume geleyfde dijs breifs eyn uetschryft to heben, dey mach den 
doen uetschryven und verdigen myt desen breyve, dar myt vort an desen 
unsen boiden. 

Ghegeven under unser stede segel hyr bynnen gedrucht in den jaren 
uns hern dusent veirhundert und veirundtwintich jair op den andern dach 
novembris. 

Koblenz. J. Hansen. 



4. Zu Caesars Bericht fiber die Vergiftung des Eburonenkonigs 

Catuvolcus. 

Caesar erzahlt, dass der Eburonenkonig l Catuvolcus sich durch das Gift 
des in Gallien und Germanien sehr haufigen Eibenbaums getodtet habe a . 
Aus mehrfachen Griinden verdient diese Angabe eine nahere Betrachtung. 
Zunachst fragt es sich, ob die Erzahlung als eine auf Wahrheit beruhende 
anzusehen ist. In neuester Zeit sind namlich die giftigen Eigenschaften der 
Eibe theils iiberhaupt bezweifelt, theils als zu hoch geschatzte bezeichnet 
worden 8 ; auch ist es Thatsache, dass heutzutage der Eibenbaum in den Gegen- 
den zwischen Maas und Rhein nur noch sehr sparlich angepflanzt wird und 
anscheinend zu den im Aussterben begriffenen Holzarten gehort. Trotzdem 
unterliegt die Richtigkeit der Mittheilung des grossen romischen Feldherrn 
keinem Zweifel 4 . UnmSglich hatte Caesar, dessen Schrift zur Kenntniss so 
vieler Kenner Galliens kommen musste, eine dort seltene Baumart als eine 



*) Die Ebnronen wohnten zwischen Maas nnd Rhein, theilweise also in der Aachener 
Gegend. Vereinzelt wird ihr Name mit dem Eiben* oder Taxusbaum in Verbindung 
gebracht; vgl. Marjan, Keltische Ortsnamen I, S. 6, Anm. 3. 

") B. G. VI, 31: Catuvolcus . . taxo, cuius magna in Gallia Germaniaque copia 
est, se exanimavit. 

*) Vgl. z. B. Schulz, Deutschlands Nutz- und Zierpflanzen S. 176: „Von der gif* 
tigen Eigenschaft, welche Griechen und Bomern von den Blfittern und Friichten der 
Eibe bekannt war, will man zur Zeit nichts mehr wissen." 

*) Moglichkeiten, wie solche, dass Catuvolcus entkommen und nur todt gesagt 
wurde, bleiben hier aUsser Betracht; sie haben gar zu wenig Wahrscheinlichkeit fiir 
sich. 

18* 



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276 Kleinere Mittheilungen. 

8ehr haufig vertretene bezeichnen kflnnen. Wohl mflgen seine Berichte ube* 
Verhandlungen und Schlachten mit Vorsicht aufzunehmen sein, aber bei der 
vorliegenden Angabe fiber die Haufigkeit und Giftigkeit des Eibenbaums ist 
urn so weniger Grund zur Annabme von Uebertreibungen oder Entstellungen 
vorhanden, als die Angabe sich auch anderweitig stutzen lasst. 

Tbatsachlich war namlich wahrend des ganzen Mittelalters das Eibenholz 
in Deutschland bei der Anfertigung von Armbrusten und Bogen sehr geschatzt 1 ; 
auch wird noch um 1616 die Eibe als ein in den Ardennen wild wacbsender 
Baum angefuhrt a . Ebenso wenig als die fruher bedeutende Verbreitung des 
Baums kann die Giftigkeit gewisser Tbeile desselben bezweifelt werden. Zwar 
mag die Angabe von Plinius, dass die Eibenbeeren giftig seien und in 
Eibenholz aufbewahrter Wein giftige Eigenschaften annehme 8 , auf Ueber- 
treibung beruhen, aber sicherlich hat nur durch die ungemeine Seltenheit von 
Vergiftungsfallen durch Eibenblatter die irrige Meinung von der Unschad- 
lichkeit der Blatter stellenweise Platz greifen kSnnen. Seitdem indess vor 
einigen Jahren Zeitungsnachrichten aus Senden und ganz kiirzlich Berichte 
aus Steele den infolge des Genusses von Zweigen des Taxusbaums eingetretenen 
Tod mehrerer Kiihe gemeldet haben 4 , wird nicht mehr geleugnet werden 
konnen, dass die schon von romischen Schriftstellern der Eibe beigelegten 
Bezeichnungen „schadlich und morderisch" (taxus nocens, funesta) durchaus 
zutrefFen 5 . 

Auch nach anderer Seite hin gibt die Stelle bei Caesar zu denken. Es 
ist anzunehmen, dass Konig Catuvolcus, als er, gebeugt durch Ungliick und 
Alter, zum Giftbecher griff, zur Vermeidung grosserer Qualen dasjenige Gift 
wahlte, welches nicht nur leicht zu erlangen, sondern auch seiner Darstellung 
und Wirkung nach am besten bekannt war. War aber bei den Eburonen 
der eingedickte Saft 6 von Eibenzweigen das bekannteste Gift, so liegt die 
Frage nahe, ob derselbe nicht auch zu andern Zwecken, namentlich zu Pfeil- 



*) Dies wird fast in jedem grossern Artikel fiber den Eibenbaum angegeben, 
Grosse Bogen yon Eibenholz' kamen in einem dem Alter nach schwer bestimmbaren 
• Grabe in Wiirttemberg zum Vorschein. Bonner Jahrbucher XLIV, S. 134. Ueber den 
Eibenbogenhandel der Gesellschaft des Christoph Fiirer und Leonhard Stockhamer zn 
Niirnberg in den Jahren 1532— 1595 hat jiingst H. Bosch in den „Mitteilungen aus dem 
gennanischen Nationalmuseum", Jahrg. 1886, S. 246 ff. interessante Nachrichten ver- 
offentlicht. 

a ) Bonner Jahrbiicher V, S. 241. Unsere Gegend kann nicht zur Heimath der Eibe 
gerechnet werden, der Baum scheint also in friihester Zeit hier zu Lande angepflanzt 
worden zu sein 

*) Naheres in Steininger, Gesch. der Trevirer I, S. 32, Anm. 1. In der Neuzeit 
stellt namentlich der beruhmte Toxikologe Orflla die Giftigkeit der Beer en in Abrede. 

*) Ueber den Vergiftungsfall bei Steele, in welchem 6 Stuck Jungvieh durch den 
Genuss der aufgeschossenen Triebe einer Taxushecke zu Grunde gingen, s. Echo der 
Gegenwart 1886, Nr. 117, Bl. II. 

*) Nach V. H e h n war die Eibe im Alterthum ein damonischer, den Todesgottern 
geweihter Baum, der bis in mittelalterliche Zeiten hinein mit Vorliebe auf Leiohen- 
feldern angepflanzt wurde. 

•) An einen solchen Saft, eine Art Extrakt, hat man zu denken, denn in minder 
starker Form wiirde das Gift langsam und unsioher gewirkt haben. 



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Kleinere Mittheilungen. 277 

gift, von ihnen und den benachbarten Volkern benutzt worden ist. Bestimmtes 
hieriiber ist bei der Durfbigkeit der Quellen nicht zu ermitteln, doch legen 
einige Anhaltspunkte die Bejabung der Frage nahe. Das Pfeilgifb kommt in 
Geschichte und Sage vieler Volker des Altertbums vor. So netzte Herkules 
seine Pfeile mit dem Gift der lernaischen Schlange, Ulysses holte sich ein 
Pfeilgift aus Ephyra, und die Kelten bedienten sich vergifteter Waffen \ 
Bogen und Pfeile waren in der germanischen Kriegsfuhrung kaum, in der 
gallischen mehr beliebt *. Die Eburonen, ein germanischer Stainm auf dem 
gallischen Rbeinufer, haben hierbei vielleicht sich gallischer Sitte zugewandt 8 . 
Langer als 400 Jahre nach Catuvolcus Tode fielen, wie Gregor von Tours 
erzahlt, in einem Gefecht in der Duisburger Gegend zahlreiehe Rtfmer durch 
vergifbete Pfeile (sagittas . . inlitas herbarum venenis) der Franken 4 . Wahr- 
scheinlich fand in diesem Falle wiederum das seit Jahrhunderten bekannte 
Gift der Eibe Verwendung, und vielleicht beruhte schon zu Caesars Zeit die 
Kenntniss desselben auf Erinnerungen aus Asien, der Urheimath der Germanen. 
Denn nach Rhabanus Maurus (t 856), der sein Buch iiber das Weltall auf die 
Schriften Isidors von Sevilla und die Werke der Alten stfitzt, war der Eiben- 
baum den Parthern, den gefiirchtetsten Bogenschiitzen des Alterthums, sehr 
wohl bekannt. Er berichtet naralich 5 : „Taxus ist der Eibenbaum, aus dem 
das sog. toxicum venenum gepresst wird ; Parther und andere VSlker machen 
daraus ihre Pfeile. Der Dichter sagt hieriiber: Istireos taxi torquentur in 
arcus, wobei er unter Istirei die Parther versteht." 

Bedburg. J2. Pauls. 

5. Zur Geschichte des Aachener Miinsters. 

Herr Architekt Rhoen erwahnt in seiner Abhandlung iiber „die Kapelle 
der karolingischen Pfalz zu Aachen" (vgl. oben S. 32) ein Oelgemalde, 
„ welches, aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts herriihrend, das Innere des 
Miinsters darstelle". Wo diese9 fiir Aachen immerhin interessante Bild sich 
befinde, sagt Herr Rhoen nicht, sein Aufbewahrungsort scheint also hier 
unbekannt zu sein. Man erfahrt denselben aber aus einer Korrespondenz, 
welche Ende des Jahres 1847 der damalige Oberburgermeister der Stadt 



*) Virchow und von Holtzendorff, Sammlnng wissenschaftlicher Vortrage, 
Ser. IX, Heft 209: Die Gifte S. 4. Auch Ovid sprichfc von Pfeilgift und in doppelter 
Hinsicht todtlichen Geschossen in seinen Briefen ans Pontus IV, VII, wo ea heisst: 
Adspicis et mitti sub adnnco toxica ferro, 
Et telum cansas mortis habere duas. 

*) Bonner Jahrbiicher XLIV, S. 93 f. 

•) Bei den Galliern gehbrten Bogenschiitzen und Schleuderer zu derselben Truppen- 
gattung; im Eampfe des Eburonenkonigs Ambiorix (Caesar, B. G. V, 35) kamen tela 
und fnndae (Schleudersteine) erfolgreicb zur Verwendung. 

•) Bonner Jahrbiicher V, S. 241 und XLIV, S. 94. 

*) So die Uebersetzung in Feline r, Compendium der Naturwissenschaften an 
der Schule zu Fulda im 9. Jahrhundert S. 1^. 



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278 Kleinere Mittheilungen. 

Aachen, Herr Geh. Regierungsrath Emundts, mit dem General-Direktor der 
Koniglichen Museen in Berlin, Herrn Geh. Legationsrath von Olfers, wegen 
des Bildes fiihrte. Hiernach war Herr Emundts gelegentlich seiner Anwesenheit 
in Berlin auf das kurz vorher in Rom fur die Sammlungen der genannten 
Museen erworbene Gemalde durch Herrn von Olfers aufmerksam gemacht 
worden und hatte es bei dem Konservator der Kunstdenkmaler, Herrn Baurath 
von Quast, daselbst in Augenschein genommen. Bei seiner Ruckkehr nach 
Aachen machte er den zahlreichen Freunden, welche sich um jene Zeit die 
von Ko'nig Friedrich Wilhelm IV. befSrderte Restauration der Munsterkirche 
erworben hatte, von dem interessanten Funde Mittheilung und diese ausserten 
den Wunsch, das Gemalde auf einige Zeit hier zu besitzen, um davon in dem 
damals in der Bildung begriffenen Munsterbau-Yerein * den geeigneten Ge- 
brauch machen zu konnen. Herr Emundts wandte sich mit der beziiglichen 
Bitte am 25. November 1847 an Herrn von Olfers, der am 8. Dezember des- 
selben Jahres das Bild mit folgendem Begleitschreiben hierher sandte. 

„Es kann mir nur zum Vergnugen gereichen, mit AllerhSchster Geneh- 
migung Ew. Hochwohlgeboren das Oelgemalde, welches das Innere der Achener 
Munsterkirche darstellt, aus den Sammlungen der Koniglichen Museen fur 
einige Zeit zu verabfolgen. Gern ist es Ihnen vergonnt, davon eine Copio 
nehmen zu lassen, wenn dies gewunscht werden sollte. Es ist fruhestens zu 
Ende des 17. Jahrhunderts, wahrscheinlicher zu Anfang des 18. angefertigt, und 
zeigt, dass schon vor der letzten Entstellung der schSnen Kirche durch die 
Ueberladung mit den unpassendsten Stuckverzierungen, Veranderungen mit 
dem Innern vorgenommen worden sind; es finden sich Wappenschilder und 
Inschrifttafeln angebracht, welche nicht viel alter als jene Zeit sein kflnnen. 
Zugleich geht aber auch aus dieser Darstellung hervor, dass die Entfernung 
jener Stuckverzierungen allein schon dem Minister vieles von seiner urspriing- 
lichen Grossartigkeit und Schdnheit wieder geben wird, so dass die Herstellung 
der Mosaik oder Ersetzung derselben durch Malerei und die iibrige mit ihr 
ubereinstimmende Ausschmiickung einer spatern Zeit vorbehalten bleiben 
kann ; was um so mehr zu wiinschen ist, da dieser Theil der Herstellung viele 
Voruntersuchungen und Berathungen verlangen wird, welche erst nach Ent- 
fernung jener Stuckverzierungen mit voller Begrundung eintreten konnen. 
Diese Entfernung aber kSnnte fuglich im Laufe der ersten Halfte des kom- 
menden Jahres bewirkt werden ; dann wiirde gegen den Monat September der 
Haupttheil des altehrwiirdigen Munsters in seiner Carolingischen Hauptform 
wieder rein von aller fremden Zuthat da stehen und mit dem KSlner Dome 
seine Auferstehung feiern. 

Wer dazu hilft, verdient den Segen des Himmels und das Lob der 
Menschen. M8ge es Ihrem Vereine zu Theile werden! Gern benutze ich den 
Anlass, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung hinzuzufugen. 

Berlin, den 8. December 1847. v. Olfers." 



") Vgl. Bonner Jahrbucher XII, S. 183 ff. 



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Kleinere Mittheilungen. 279 

Fast 10 Jahre verblieb das Gemalde in Aachen, am 24. Februar 1857 
wurde es nach Berlin zuruckgesandt, nachdem vorher auf Kosten des Stifts- 
kapitels (der Karlsverein erklarte hierzu die Mittel nicht zu besitzen) durch 
den Photographen Wothly eine Kopie davon genommen worden war. 

Aachen. S. Pick, 

6. Eine Aachener Erbverpachtungs-Anzeige um 1500. 

Die nachfolgende originelle Urkunde, eine Zuschrift des Magistrats an 
die Pfarrer der Stadt, belehrt uns, dass es in Aachen friiher Brauch war, den 
Verkauf u. s. w. von Grundbesitz, wenigstens von stadtischem, durch die 
Pfarrer von der Kanzel herab dem Publikum anzeigen zu lassen. Im vor- 
liegenden Falle handelte es sich um eine Anzahl H&user, welch e die Stadt 
in Erbpacht zu geben beabsichtigte l . Die Verpachtung geschah auf dem 
Rathhaus bei brennendem Lichte. Die Urkunde, ein Folioblatt von 33 cm 
Hohe und 22 cm Breite, mit dem Wasserzeichen einer Kugel, worauf eine 
Stange mit Stern, befindet sich im Stadtarchiv zu Aachen; sie ist undatirt, 
gehSrt aber, nach der Scbrift und andern Anzeichen zu urtheilen, dem Ende 
des 15. oder dem Anfang des 16. Jahrhunderts an. 

Her pastor willet morgen dem gemeynen folk up dem stoil verkunden, wie 

eyn ersam rait entslaissen is und will am mondage nestkunftig zo zwen uyren 

naemiddage diese naigeschreven huyser mit der kerzen in erve uysgeven. 

Weme gelieft, mach up der statt buys kommen, wilcher asdann den meisten 

pennynk buydt, sail der neste syn. 

Erstlich eyn huys under Colremiddelportz, bewont eyn schroeder. 

Dair nest neven zwey huyser, bewonen zween schoynmecher. 

Item zwey huyser up den Salzmart, eyn nest dem schroeder, dat ander nest 

dem alden Sterne. 

Item eyn orthuys under die Kreme, bewont Gerhart van Housitt. 

Item dairneven eyn huys, bewont Johann van Eyse. 

Item eyn ander dairby, bewont Johann Wolff. 

Item noch zwey huyser under die Kreme, plag Johan van der Smytten zo 

bewonen. 

Dairneven eyn huys, bewont Kreem Jan. 

Item noch eyn huys, bewont Maria Wyrichs. 

Item eyn huys up den Hoynermart, plag Lenghen zo bewonen. 

Item eyn huys up gen Hoff, bewont Vryn Luchtenmecher. 

Item eyn huys under Bortscheder middelportz, der Maen genant. 

Dair gegen over eyn huys, bewont eyn nagelsmitt. 



■) Diese Hauser kommen zum Theil schon in den Einnahme-Rechnungen der Stadt 
von 1385/86, 1387/88 und 1391/92 (Laurent, Aach. Stadtrechnungen S. 357, 366 und 388) 
vor, freilich ist die Identiflzirung nicht moglich. Ob vielleicht der bei Laurent 
a. a. 0. S. 367,22 366, as und 383, M erwahnte „nuwe Mart" der Salzmarkt ist? 



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280 Kleinere Mittheilungen. 

Item eyn huys under Pontportz, bewont eyn driesseler. 
Noch eyn ander huys under Pontportz nest dem bartscherre. 

Aachen. M. Pick. 

7. Zur Geschichte des Pfarrdorfs Miindt. 

Das zur Biirgermeisterei Titz im Kreise Julich gehQrige kleine Dorf 
Miindt, als Fundstatte roraischer Alterthiimer, weit mehr aber als Gnadenort 
des h. Irmundus bekannt, ist bislang von der lokalen Forschung nur wenig 
beachtet worden. Zwar haben Brockmiiller 1 , Kaltenbach* und Offermann 8 
einige Nachrichten daruber zusauimengestellt, aber diese sind so diirftig und 
zugleich so unkritisch, dass ihnen kaum eine Berucksichtigung gebiihrt. Die 
ersten beiden Forscher fiihren den Namen Miindt auf das lateinische munda, 
die Reine, zuriick, eine Thorheit, die schon der „Klempner" Offermann be- 
griff, der weniger albern, doch ebenso unrichtig jene Benennung mit dem h. 
Irmundus in Verbindung brachte. Alle drei bezeichnen nach dem irrigen 
Vorgang des Jesuiten Rhay 4 jenen Heiligen als den Pfarrpatron, wahrend 
dies thatsachlich seit altester Zeit der h. Urbanus ist 5 . Ein Zusammenhang 
des Namens Miindt mit dem h. Irmundus wird durch das vielfache sonstige 
Vorkommen des erstern, namentlich in zusammengesetzten Ortsnamen, aus- 
geschlossen. Auch wiirde, hiervon abgesehen, eine Benennung nach diesem 
Heiligen einen zweistammigen Namen, etwa [Ir-]Mundesheim oder Munz- 
weiler, zu Wege gebracht haben. Leider vermag ich eine gesieherte Erkla- 
rung nicht an die Stelle zu setzen, sie wird iiberhaupt erst dann moglich 
sein, wenn die altera Namensformen des Dorfes, die noch mangeln, urkund- 
lich festgestellt sind 6 . Liesse sich das (irische?) Wort muindt, munt = Wald 
wirklich, wie es vor mehr als einem Jahrzehnt in der KcUnischen Volkszei- 
tung behauptet wurde 7 , in rheinischen Ortsnamen nachweisen, so lage es nahe, 



») Brockmiiller, Entwurf einer hist.-statist.-mediz. Topographic der Stadt u. 
des Kreises Jtilich S. 54 ff. 

*) Kaltenbach, Der Regierungsbezirk Aachen S. 269. 

■) Offermann, Gesch. der Stadte, Flecken, Dorfer, Burgen n. Kloster in den 
Kreisen Jiilich, Diiren u. s. w. S. 83 ff. 

*) Rhay, Animae illnstres Iuliae, Cliviae, Montium, Marchiae,Ravenspnrgi,Moraae 
annexarumque provinciarum p. 13. Auch auf einem in der NShe der St. Irmundus-Quelle 
aus Baaaltsteinen errichteten Krenz, das die Stelle des einstigen Friedhofs nnd der Kirche 
der alten Stadt Munda bezeichnen soil, liest man: In honorem s. Irmundi confessoris 
et loci in Mund patroni ex oblatis sacelli erexit Wernerns Offermans vilicns in villa 
Gallicana ao 1686 11. 9bris. Die villa Gallicana ist der Hahnerhof bei Miindt. 

5 ) Vgl. Binterim nnd Mooren, Die alte n. nene Erzdiozese Kolnll, S. 78 n. 363. 

•) Schon 1384 wird die Pfarrei Miindt erw&hnt; der Name lantete damals, wenn 
er richtig wiedergegeben ist, „Mune" (vgl. Strange, Beitrage znr Genealogie der ad- 
ligen Geschlechter V, S. 24, Anm. 2). „Muni" heisst der Name anch in einer alten, von 
Lacomblet, Archiv II, S. 62 mitgetheilten Handschrift, der dies irrig anf Miinz 
bezieht. Bei Binterim nnd Mooren a. a. 0. I, S. 334 kommt nm 1400 Mondo (wahr- 
scheinlich verdrnckt fur Monda) vor. Anffallend ist, dass die Kirche zn Miindt im 
Liber valoris (abgefasst vor 1316) nicht erwahnt wird. 

») Kolnische Volkszeitnng 1875, Nr. 260, Bl. IIL 



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Kleinere Mittheilungen. 281 

hieran auch bei Miindt zu denken. Das auffallend haufige Vorkommen mit 
Wald zusammenhangender Ortsnamen in seiner Umgebung wiirde diese Ansicht 
nicht unwesentlich unterstiitzen ; es sei beispielsweise nur an Jackerath, Huppel- 
rath, Immerath, Opherten, Kirchrath, Grottenherten, Calrath, RMingen erin- 
nert, alles Ortschaften, die in geringer Entfernung urn Mundt herumliegen. 
Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit kSnnte man iibrigens auch von dem 
mittellateinischen Wort munda = Bannwald ausgehen, das von Gatschet 1 
zur Deutung des in seinen Abhangen bewaldeten Piz Mundadizza bei Ilanz, 
sowie der gleichnamigen, im Engadin und Veltlin haufigen Flur- und Wald- 
bezeichnung herangezogen wird, und wahrscheinlich mit dem althochdeutschen 
(die) munt = Schutz zusammenhangt 2 . „Bannwald" erklart Gatschet als 
einen „Wald oder Waldplatz, wo nicht gejagt, geholzt, oder von dem das 
usagium nicht bezogen werden darf, dessen unbefugte Benutzung also die 
Bezahlung einer Busse (lat. menda) nach sich ziebt". Eine ahnliche Erkla- 
rung gibt dafur Schmellers Bayerisches Worterbuch I, 242. Ein solcher 
Bannwald war beispielsweise in der hiesigen Gegend vor der Schenkung des 
h. Arnoldus die bekannte Biirge. Weniger wahrscheinlich ist ein Zusammen- 
hang des Ortsnamens Miindt mit dem lateinischen mons (ad montem), wozu 
die Srtlichen Verhaltnisse kaum stimmen diirften, wenn auch Mundt auf der 
Wasserscheide zwischen Maas und Rhein gelegen ist. Eine grosse Feldflur bei 
dem Dorfe heisst die (nicht das) alte Miindt; dort befand sich nach der 
Sage die jetzt verschwundene Stadt Munda, mit welcher die in der Erde 
aufgefundenen Mauerreste von den Bewohnern in Verbindung gebracht wer- 
den. Eine Untersuchung der wahrscheinlich romischen Fundamente hier und 
in dem nahebei gelegenen Bezirk Diippel (Tuppel) ware gewiss erwiinscht. 
Der h. Irmundus wurde friiher in der Pfarrkirche zu Miindt verehrt, wenig- 
stens bewahrte sie noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts in einem Schrein die 
Gebeine dieses Heiligen 8 . Spater verlegte man die Andacht in die Kapelle am 
Hahnerhof, die in der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. In der 
Nahe dieser Kapelle befindet sich die St. Irmundus-Quelle (St. Irniundus-Putz- 
chen), von welcher die Legende erzahlt, der h. Irmundus habe sie, als er einst 
als Schafer hier gelebt, zur Zeit grosser Diirre hervorsprudeln lassen. Die nam- 
liche Wunderthat wird bekanntlich dem h. Gezelin bei Schlebusch und dem 
h. Alderikus in Fiissenich zugeschrieben \ Bei der Verwiistung, welche die 
Pfarrkirche zu Miindt im J. 1602 durch die Hollander erfuhr, ging auch ihr 
Archiv zu Grunde. Um so schatzenswerther diirften daher die nachfolgenden 



*) Gatschet, Ortsetymologische Forschtingen S. 175. 

a ) Gef. Mittheilung des Herrn Direktor Dr. Fuss zu Straasburg i. E. Ob dieselbe 
Erklarung sich auch fur das von Mundt nicht gar weit entfernte Miinz (946 Munizu, 
um 1200 Hunze) geltend machen lasst, ist mir zweifelhaft. 

') Vgl. Rhayl. c. p. 13. 

*) Von dem Grafen Arnold III. von Holland erz&hlt man, dass er auf seinem Zuge 
gegen die Friesen einen Brnnnen qnillen liess; eine ahnliche Sage geht von Karl 
d. Gr., auch von Karl V. wird Verwandtes berichtet (vgl. Wolf, Niederlandische 
Sagen S. 48 und 673). 



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282 Kleinere Mittheilungen. 

Notizen iiber Mundt sein, welche der dortige Pfarrer Johann Gerhard Winand 
Langen nach Aufzeichnungen eines seiner Vorganger, des Pfarrers Gottschalk 
Breiitgens (vgl. S. 283), urn 1750 niedergeschrieben hat. Die Handschrift beruht 
im Archiv der Biirgermeisterei Titz, wo sie in einem von Miindt dorthin ab- 
gegebenen Kirchenbuch vor mehrern Jahrzehnten der jetzige Inspektor der 
direkten Steuern und Obervermessungsinspektor zu Strassburg i. E., Herr Dr. 
Thomas Joppen, ein geborener Mundter, auffand. Derselbe hat sich in jungern 
Jahren eifrig urn die Geschichte seines Heimathsorts bemiiht und mancherlei 
darauf bezugliche Nachrichten gesaramolt, die er mir in freundlichster Weise 
zur Benutzung iiberliess. Ihni verdanke ich auch die zu dem gegenwartigen 
Abdruck verwandte Abschrift. Der Pfarrer Langen, 1717 zu Huppelrath gebo- 
ren, folgte 1742 seinem Halbbruder Johann Hermann Langen in der Pfarr- 
stelle zu Miindt. Er verwaltete dieselbe bis zum J. 1790; dann legte er 
wegen Altersschwache sein Amt nieder und wurde Vikar in Miindt, wo er zwei 
Jahre spater, am 30. November 1792, starb 1 . 

Parochia Mundt, patriae et satrapiae Juliacensis, sub invocatione divi 
Urbani, papae, martyris, patroni, fuit a multis retro annis Celebris parochia 
ob multa privilegia, quae dicitur habuisse temporalis pastor; in specie non 
obligabatur comparere in capitulo generali olim, sacra olea annue immediate 
Colonia gratis dicitur accepisse et quoscunque volentes matrimonialiter copu- 
lari, copulabat. Unde autem eidem ilia privilegia sint et fuerint concessa, 
indagare et rescire nequivi, forsan inde, quia pastor pro tempore in Miindt 
dicitur olim fuisse sacellanus campestris ducis Juliae etMontium, si ipse per- 
sonaliter ad bellum procedere vellet. Sint autem haec, ut sint, quia saepius 
audivi, et in veteri libro baptismali sic inveni, hinc ut indifferentia ilia volui 
praemittere. 



*) Vgl. Giersberg, Gesch. der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich S. 243. 
Ein paar Aufzeichnungen aus dem „Hand- nnd Annotations-Buch'.' des Pfarrers Langen 
will ich hier noch anreihen. M Anno 17B8 umb halben Juni kamen die aliirte hanovrische 
Armeen unten bey Emmerich iiber den Rhein und hielten sich einige tag in dasigem 
Wald auf. Die Franzosen, welche disseits des Rheins noch in den winter- quartiren 
lagen, versammelten sich in zeit von zweymal 24 stunden bey Crevelt. Den 23. junii 
auf s. Joannis abent griffen die Hannoveraner die Franzosen an und schlngen selbige, 
also dass die Franzosen sich bis an die stadt Collen zuriickzogen, worauf die Hanno- 
veraner sich nnten im colnischen und jiilichschen land allenthalben ansbreiteten. Auf 
Petri und Pauli tag kamen die ersten schwarze preussische Husaren von der aliirten 
Armee, B an der zahl, in hiesige fahr und nacher Titz; zwei (tag?) hernach kamen die 
vorposten von selbiger Armee nach Lutzerath zu stehen nnd 2 tag darauf lagerte der 
prinz von Holstein-Gottorp mit seinem Corps sich hier zwischen Isenkrath, Titz nnd 
Miindt ins feld, darinzwischen der erbprinz von Brunswig mit seinem corps zu Lutze- 
rath stnnd. Den 13. jnlii brachen beyde auf und marschirten mit etlichen zwanzig 
tausent man hier langs Miindt bis Kirchherten, alwo sie 2 tag stehen blieben nnd 
demnach gegen Neuss aufbrachen. —Anno 1760, den 20. Januarii abents umb halber 11 
entstunde eine entsetzliche erdbebnng, also dass man vermeinte, die hauser waren zn 
boden gefallen, und hat sich schier die folgende ganze nacht hindnrch die erd bewegt, 
worauf den zweiten tag hernach ein schrocklich ungestumes Wetter erfolget. — 1760, 
den 20. junii umb 11 uhren. vormittags ware wiederumb eine heftige erdbebnng, worauf 
nach langer Druckenheit ungestiim und regenwetter erfolget." (Nach den Notizen des 
Herrn Dr. Joppen.) 



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Kleinere Mittheilungen. 283 

Patronus seu collator ecclesiae in Miindt est capellarius ecclesiae metro- 
politanae Coloniensis l f qui etiam qua patronus dicitur ad se attraxisse decimas 
rurales, relictis solummodo quinque malderis siliginis et quinque malderis 
avenae, ex dictis decimis temporali pastori solvendis. Dux vero patriae habet 
mensem papalem, id est primum in anno, ita ut, si pastoratus in Miindt 
vacet in ianuario, extunc conferat dux patriae, et si vacet in februario, ex- 
tunc conferat dictus capellarius, et sic ultra, atque ita hucusque observatum 
est, quod illi duo turnaliter in suo quisque mense supradictum pastoratum 
vacantem contulerint. Praedecessor, frater meus, eundem obtinuit in mense 
octobri a reverendissimo suprafato pro tempore capellario, praedecessor vero 
praedecessoris mei, Godschalcus Brentgens, ab ante pastor in Elfken, eundem 
pastoratum in Miindt obtinuit anno 1681 per permutationem in mense ducis 
Juliae cum Joanne Reinero Schotten, extunc pastore in Miindt *. Ego autem 
saepedictum pastoratum obtinui 1742 per resignationem a fratre meo in 
manus summi pontificis in mense saepedicti capellarii, scilicet in mense aprili, 
factam, eramque turn temporis, adhuc saecularis, studens theologus, statim 
vero eiusdem pastoratus titulo ordinatus eiusdem actualem curam suscepi. 

Pastor in Miindt habet 60 iugera terrae arabilis, uti in antiquis et 
vetustis registris videre est, sed in mensura pauciora inveniuntur, ad quae 
recuperanda expensis antecessores non pepercerunt, sed frustra, non attento, 
quod etiam in agris ad villam prope ecclesiam in Miindt spectantibus nimium 
invenerint. Item habet pastor in Miindt domum, hortum, campum in quadro 
in suis dumetis. 

Item pastoratus in Miindt est liber a tributo ecclesiasfcico, vulgo geist- 
lichen steur, et ex agris suis nullas tenetur solvere decimas, nulla vectigalia ; 
ita eundem sese habuisse, testantur praedecessores, et ego hucusque sic habui 
et inveni. 

Coemeterium debile huius ecclesiae in sua communitione servare debet 
communitas parochiae, exceptis pomario versus Hubbelrath et horto ad vil- 
lam spectantibus, quae duo in debita munitione villa dicta intertenere debet, 
tectum vero ecclesiae cum sacristia, immo ipsam ecclesiam cum sacristia in 
reparatione et aedificatione decimator servare debet. Patet in archivio Dussel- 
dorpiensi, ubi etiam invenitur, quod praedecessores mei querelas deposuerint 
de incompetentia, et actitata invenientur sub M. in registratura ecclesiastica, 
et signanter Godschalcus Brentgens, qui fecit sibi spem augmenti 20 mal- 
derorum siliginis ex decimis sibi annuatim adiiciendorum, si temporalis capel- 
larius ipsius tempore his in terris moratus fuisset. 

Dicta ecclesia in Miindt in bello Hassico 1642 et bello Wimarico et 
Hollandico igne devastata est cum turre, campanis caeterisque, quam reveren- 



l ) Das Kollationsrecht stand dem Kepler seit filtester Zeit zu. In der S. 280, 
Anm. 6 erwahnten Handschrift heisst es: Idem capellarius habet duas ecclesias ad 
offlcium suum pertinentes, Hasselo et Muni, quarum utraque persolvit ei quinque 
solidos et maldrum tritici et porcum XII denarios valentem (Lacomblet, Arohiv II, S. 62). 

*) 1B82 war Goddart (Gottfried) Renter, vor ihm Peter Brawer Pfarrer in Miindt; 
(Erkundigungsbucher vom Jahre 1582 im Staatsarchiv zu Dusseldorf). 



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284 Kleinere Mittheilungen. 

dus dominu8 Godschalcus Brentgens in raiserrimo statu sese invenisse testatur. 
Deus vero ter optimus gratiam dedit, ut iterum ad alium statuni pervenerit: 
fusae sunt enim imprimis campanae l in coemeterio, et quidem in loco, ubi 
iam superaedificata est cistema; demum altaria, summum et laterale versus 
septentrionem cum ambone confecta sunt Dortmundt 1685; tertio confectum 
est organum in aedibus pastoralibus anno 

LaVDetVr DeVs elVsqVe genltrlx Virgo ChorDIs 
et organo, constitutusque est organoedus stabilis habitaturus in Jackrath, qui 
simul ibidem sit ludimagister et custos capellae; quarto choralia scamna 
duplicia et scamna infra turrim facta sunt in aedibus pastoralibus ex mediis 
ecclesiae anno 1711 et sunt communia, scamnuin vero communicantium sicut 
et confessionalia in primis annis reverendi domini Godscbalci Brentgens 
Colonia hue allata sunt. 

Ecclesia in Miindt habet pro fabrica et ad divina officia peragenda 
necessariis de facto (et antiquitus forsan plura) 24 iurnalia seu iugera libera 
inter parochianos elocabilia et de facto elocata. Item habet ecclesia in 
Miindt annue in canone perpetuo frugum decern fere maid era siliginis et in 
canone perpetuo pecuniario duos fere imperiales. Quod attinet annuam pach- 
tam in cera (cum sermo quidem sit, quod antehac ecclesia in Miindt habue- 
rit 18 pondo), habet vix novem aut decern. 

Hie notandum, quod ordinarius liber archivalis ante annos aliquot sit 
perditus, qui alias sufficientem de omnibus et singulis dare posset instruc- 
tionem. 

Dicta ecclesia in Miindt seu rector eiusdem habet in cura pagum Jack- 
rath 2 numerantem 80 fere domos, in quo pago ante annos non ita paucos est 
aedificata capella, ad cuius aedificationem succurrebat reverendissimus dominus 
Chri8tophorus Geyr, presbyter ecclesiae metropolitanae Coloniensis, legato 
aliquo testamentali 200 imperialium. In hac capella fundatum est sacrum 
hebdomedarium singulis feriis sextis a reverendo domino Winando Ander- 
mahr. Item fundatum est sacrum hebdomedarium ibidem diebus martis a 
certa quadam vidua intra Coloniam, cuius collator de facto est temporalis 
pastor in Miindt. Diebus vero dominicis et festivis legere in dicta capella 
sacrum seu officium divinum facere ex prohibitione superiorum ecclesiasti- 

*) Von den jetzigen drei Glocken tragt die kleinste (Schelle) die Inschrift : 
Ave Maria gratia plena 1647; die mittlere wurde 1826 von P. Boitel gegossen nnd die 
grosste enthalt die Inschrift: In honorem s. Martini sum fusa 14H6. Hassicus miles me 
perdidit, sed sermus princeps Johann Wilhelm., Joliae, Cliviae et Montium dux, et Anna 
Maria, archidncissa Austriae, coninges, ecclesiae in Miindt d. d. 1632 ad hnmilimam in- 
stantiam "rdi d. Godschalci Brentgens, loci pastoris, Tdi d. Winandi Andermahr, b. M. 
v. vioarii, Tdi d. Joannis Offermanns, Leonardi Greven, Adolphi von Mehr, Gerardi 
Lennarts, scabinorum, Werneri Brentgens, Henrici Langen, Theodori Lauterborn, custo- 
dis, Adam Lauterborn, Herman Langen, Joes Meysen, Adam Schnsser, Adam Greven, 
Theodorus von Mehr, Peter Strithagen, Werner Offermanns, Wilhelm Smitz, Werner 
Andermahr, Goerd Kremer. Joes Bourlet gos mich. Nach einer Aufzeichnung im Kir- 
chenarchiv zu Kirch herten wurde die Pfarrkirche zu Miindt am 14. Juni 1642 von den 
Hessen zerstort. (Nach den Notizen des Herrn Dr. J op pen.) 

a ) Vgl. Giersberg a. a. 0. S. 236 ff. 



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Rleinere Mittheilungeri. 285 

corum facta simul cum benedictione capellae non licet, ne parochiali eecle- 
siae inferatur praeiudicium. Item habet ecclesia seu rector praedictus in cura 
dims villas, Huppelrath nee non et pagum Opherten numerantem 40 fere 
aedes et Miindt, in quo praeter pastoratum et custodiam non est nisi unica 
villa ; nullum modo habet haereticum ; ante annos aliquot fuerunt quidam, 
sed cum divina gratia sese ad apostolicum ovile converterunt. Deus ter 
optimus conservet hanc parochiam, ne rursus inficiatur. 

Ecclesia in Miindt gaudet praeclaris patrum religiosorum stationibus, 
suntque sequentes : 

Primo in festo circumcisionis habent stationem fixam in Miindt patres 
Conventuales Minoritae Linnichienses, teneturque stationarius pridie circa 
vesperam adesse pro excipiendis altero die confessionibus et habenda concione. 

Secundo in festo purificationis b. M. v. stationem fixam habent in 
Miindt patres Carmelitae Aquenses, soletque stationarius adesse pridie marie 
et legere sacrum in sacello in Jackrath atque a prandio ibidem excipere 
confessiones, in ipso autem festo obligatus est ad excipiendas confessiones et 
habendam concionem in Miindt. 

Tertio in die palmarum habent stationem fixam in Miindt patres Ob- 
servantes Novesienses, teneturque stationarius adesse tantum in ipso die in 
vesperis secundis ad habendam concionem de passione et excipiendas confes- 
siones post vesperas et altero mane. 

Quarto in die solemni paschalis tenentur servare stationem fixam in 
Miindt itidem dicti patres Observantes Novesienses, teneturque stationarius 
adesse pridie circa vesperam pro excipiendis ipso die confessionibus et ha- 
benda concione. 

Quinto feria secunda paschalis stationem fixam habent in Miindt patres 
Augustiniani in Fraweiler 1 , teneturque stationarius adesse pridie in die pa- 
schalis in vesperis pro excipiendis in vesperis et altero die confessionibus ac 
pro habenda concione. 

Sexto in festo Urbani, patroni nostri, stationem habent in Miindt patres 
Observantes Novesienses, insuper et patres Conventuales Linnichienses, tene- 
turque adesse pridie pro excipiendis altero die confessionibus, et si theophoria 
nostra (sicut antiquitus celebrata fuit) celebretur ipso die festo s. Urbani, 
ambo tenentur habere concionem, et quidem stationarius Novesiensis in Jack- 
rath, Linnichiensis in Opherten. 

Septimo in festo assumptionis b. M. v. stationem fixam in Miindt habent 
iterum patres Carmelitae Aquenses, et tenetur stationarius adesse et omnia 
observare, sicut supra in festo purificationis. 

Octavo prima dominica in septembri ob concursum populorum et pocu- 
lorum concurrunt et in Miindt stationarii sufficientes. 



») Frauweiler, ehemaliges Augustiner-Eremiten-Kloster, bei Anenheim im Kreise 
Bergheim. Einige Nachrichten daruber gibt M filler in den Annalen des hist. Vereins 
f. d. Niederrhein XXX, S. 61 ff.; vgl. auch Dethier, Beitrage zur Geschichte des Land- 
kreises Bergheim S. 61. 



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286 Kleinere Atittheilungen. 

Nono in festo dedications ecclesiae nostrae concionem servare tenetur 
stationarius Linnichiensis. 

Decimo in festo conceptions b. M. v. stationem in Miindt fixam servare 
tenentur patres Carmelitae Aquenses eodem modo, ut supra in festo purifica- 
tionis. 

Undecimo in festo nativitatis domini nostri Jesu Christi stationem 
fixam habent in Miindt patres Observantes Novesienses, teneturque stationa- 
rius adesse pridie pro excipiendis de nocte in matutino et altero die confes- 
sionibus, sicut et pro habenda concione. 

Duodecimo in festo s. Stephani, protomartyris, stationem fixam habent 
in Miindt patres Augustiniani in Frauweiler, teneturque stationarius adesse 
pridie in vesperis pro excipiendis illo et altero die confessionibus, uti et pro 
habenda concione. 

Item in hebdomada sancta servant in Miindt stationem patres Minoritae 
Linnichienses, adestque stationarius diebus binis martis et mercurii pro exci- 
piendis confessionibus. 

Aachen. B. Pick. 

8. Die GeMhren des Aachener Scharfrichters um 1700. 

Erstlich vor einen kerl auf die tortur zu bringen 5 rthlr 

Darzukommen, ohn anzurachen 2 l /« 

Zweytens vor einen kerl zu visitiren, ob er ein brandmirk habe . . 2 

Vor einen kerl auszustreichen 5 

Vor einen zu brandmirken 5 

Vor einen zu stranguliren 10 

Vor einen zu enthaubten 15 

Vor das leichnam auf ein ratt zu legen 5 

Den kop auf eine stang zu setzen 5 

Vor einen zu rabrachen 15 

Denselben den kop mit ein beyl abzuhawen ......... 5 

Soil selbiger gewurgt werden 5 

Vor einen die hand abzuhawen 5 

Soil auch einer verbrant werden 25 

Nach einer Aufzeichnung im Aachener Stadtarchiv. 

Aachen. R. Pick. 



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Literatur. 

Beitrage znr Geschichte und Genealogie rheinischer 
Adelsfamilien. Bearbeitet und im Selbstverlage herausgegeben von 
Hermann Friedrich Ma ceo. Mit 8 Wappentafeln, Original zeichnungen 
des Malers Georg Macco in Diisseldorf. Aachen 1884. (Fiir den Buchhandel 
in Kommission bei A. Creutzer.) II und 200 S. kl. Fol. 

Der in recht diirftigen Verhaltnissen gestorbene Strange klagte mir vor 
einigen Jahren, dass seine „Beitrage" gar keine Abnehmer fanden, und auch 
Quix erwahnte Gleicbes von seinen in mancher Beziehung doch so verdienst- 
vollen Schriften. Es ist das sehr erklarlich. Die Spezial-Genealogie der kleinen 
Adelsfamilien interessirt meist nur die wenigen genealogischen Fachgenossen. 
Selbst Angehorige der Familien, deren Genealogien behandelt werden, haben 
sogar meist nur geringes Interesse fiir solche Publikationen. Ein Verleger 
fiir genealogische und provinzialgeschichtliche Arbeiten findet sich daher 
selten. Die Genealogie ist eine brodlose Kunst, behauptet man, und mit Recht, 
denn sie ist eben nur eine Hulfswissenschaft der Geschichte, welche in sich 
die Befriedigung fur den sich ibr Widmenden birgt und keinen materiellen 
Gewinn einbringt. Um so mehr ist es anzuerkennen, wenn ein junger be- 
geisterter Anhanger der genannten „brodlosen Kunst" weder Zeit noch Kosten 
gescheut hat, um das Interesse fiir seine Wissenschaft auch weitern Kreisen 
durch seine Erstlingsarbeit nahe zu legen. In gefalliger Form und Ausstat- 
tung fuhrt der Verf. die Genealogien der ehemals landtagsfahigen Adels- 
geschlechter Orsbeck, Gertzen genannt Sintzig, Kesselstatt, Berghe genannt 
Trips und Wymar vor. Im Anschluss an diese folgen die Genealogien der 
Familien von Orsbach, von Gartzen, sowie der Freiherren von Cotzhausen, von 
Negri und von der Ley en. Zwischen diesen rheinischen Adelsfamilien sind 
dann noch 17 Seiten einer sog. Familie „Freiherrn von Westphalen genannt 
Koch" gewidmet. Das Werk enthalt in seinem letzten Viertel als werthvolle 
Beigabe Ausziige aus Aachener Kirchenbiichem mit zahlreichen genealogischen 
Bruchstucken in den Anmerkungen. Demnachst folgen Limburger Lehns- 
register, d. h. Verzeichnisse der Lehnsleute der Herren von Berghe genannt 
Trips als Besitzer von Limburg bei Sittard. Ein Valkenburger Lehnsregister 
vom J. 1444 bildet den Schluss des Textes. Die Uebersicht iiber das Werk 
ist durch ein Namensverzeichniss sehr erleichtert. Als Anlage sind 8 flott 
gezeichnete Wappentafeln beigefiigt. 



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SS8 Literatur. 

Den Schwerpunkt des Werkes bilden die Kirchenbucher-Ausziige, some 
die Genealogien der Bergh-Trips und Kesselstatt. Gute und zuverlassige 
Stammreihen dieser beiden alten, ritterburtigen Familien fehlten bisber ganz- 
licb und die hier gegebenen bilden, theilweise auf Urkunden und Archivalien 
beruhend, einen werthvollen Beitrag zur Geschichte der rheinischen Uradels- 
Geachlechter. Ehe ich meine Ansicht iiber die einzelnen Theile des Werkes 
aussere, gestatte ich mir hier, einige von den Auffassungen des Verf. abwei- 
chende Bemerkungen iiber Namen und Wappen von Geschlechtern zu machen. 
Die Bedeutung von Familiennamen und der Wappen von Uradels- und Patrizier- 
Geschlechtern nach so vielen Jahrhunderten feststellen oder herleiten zu 
wollen, diirfte stets verlorene Miihe sein, da eben nur Vermuthungen geaussert, 
aber nicht bewiesen werden kSnnen. Auch mit der Angabe gleichen Stam- 
mes bei gleichen Familiennamen oder aimlichen Wappen muss ein Genealoge 
sehr vorsichtig sein, wenn er nicht in der seltenen Lage sich befindet, dafiir 
urkundliche Beweise beibringen zu konnen 1 . 

Das Wort „von" vor einem Familiennamen isfc allein niemals ein Beweis 
dafiir, dass die betreffende Familie dem Adelstand angehQrt oder angehort 
hat. Am Niederrhein und in Holland gibt es eine grosse Zahl biirgerlicher 
Familien, welche das Wort „von" oder „van" vor dem eigentlichen Namen 
fiihren. Fiir das Konigreich der Niederlande wurde daher in diesem Jahr- 
hundert die Bestimmung gegeben, dass notorisch adlige Familien, denen nicht 
ein hoheres Pradikat zusteht, den Titel Jonkheer zu fiihren haben; diejenigen 
also, welche diesen Titel in Holland nicht fiihren, gehoren mit einem ein- 
fachen „van" oder „de" nicht dem niederlandischen Adelstand an. Es ware 
zu wiinschen, dass ahnliche Bestimmungen auch in den Landern gegeben 
wiirden, wo nachweisbar nicht adlige Familien das im gewShnlichen Leben 
als Pradikat des Adels angesehene Wort „von" oder „von der" vor dem 
Familiennamen fiihren. Eine ganze Reihe solcher trotz der Fuhrung des Bei- 
worts „von" nicht adligen Familien erwahnt das vorliegende Werk innerhalb 



») Selbst successiver Besitz derselben Gtiter ist ohne Uebereinstimmung des Wap- 
pens der anfeinander folgenden Besitzer kein unanfechtbarer Beweis furAbstammung 
in der mannlichen Linie. Ich fuhre dafiir die Familie Bongart-Paffendorf an, nicht 
allein wegen der Erbfolge in Heiden (vgl. diese Zeitschrift VI, S. 248 ff.; VII, S. 311 ff.), 
sondern auch wegen einer solchen in Bergerhausen. 1334 verleiht Erzbischof Walram 
von Koln nach dem Tode des Hitters Wilhelm von Bergerhausen seinem Getreuen Her- 
mann de Pomerio oder von dem Bongart das Lehngut Bergerhausen (Urkunde bei 
Lacomblet, Urkb. Ill, no. 288). Nun besitzt Statz von dem Bongart, Erbkammerer, 
1450 Bergerhausen. Was liegt naher als anzunehmen, dass der 1334Belehnte ein direk- 
ter Vorfahre im Mannsstamm des Statz gewesen ist. Die Urkunden und Siegel belehren 
uns aber eines andern. Statz von dem Bongart heirathete n&mlich 1424 Nella von dem 
Bongart genannt von Bergerhausen, Tochter Wilhelms und der Ryka Moll von Neu- 
kirchen. Nella brachte in die Ehe all ihr Gut zu Bergerhausen, ihren Hof zum Bongart 
bei Bonn n. A. Sie siegelt nicht wie Statz mit einem Sparren, sondern mit quergetheil- 
tem Wappen (Archiv Harff). Wir sehen also aus der Urkunde (Archiv Paffendorf), dass 
Nella erst Bergerhausen an die Bongart*Paffendorf gebracht hat und aus dem Wappen, 
dass Nella einer andern Familie Bongart wie ihr Gemahl angehorte, namlich einem 
Geschlecht, das Von einem Hof Bongart bei Bonn (welcher in der Gegend der jetzigen 
„Baumschule" lag) herstammte. Vgl. Strange, BeitrSge L, S. 6 und 7, wo die Nachweise* 



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Literatuf. 289 

der Kirchenbucher-Ausziige und in einzelnen Genealogien der nicht ritter- 
biirtigen Adelsfamilien. Beginnen wir nun mit Besprechung der Genealogien, 
und zwar mit der ausfuhrlichsten : 

Berghe von Trips. Eine fur dieses Geschlecht wichtige Urkunden- 
abschrift ini 28. Bd. der Redinghovenschen Sammlung enthalt Personen, welche 
in vorliegender Stammreihe fehlen. Es vergleichen sich namlich im J. 1373 
Daem von Berge und seine Gattin Bela von der Hagen, Wittwe Herrn Die- 
trichs von Loen, Ritters, mit Goddart von Loen und Pbilippa von Jiilich, 
Herrn und Frau zu Heinsberg. Letztere weisen dann eine jahrliche Rente von 
20 Malter Roggen auf die Miible zu Aldenboven an, ferner soil Daem lebens- 
langlich das Haus behalten, das Herrn Dietrichs war (wo, ist nicbt gesagt), 
sowie die Hofe zu Rotheim und Scberpenseel und alles Erbe, was Herr Die- 
trich von Loen erworben hatte. Nach dem Tode der Eheleute Berge soil 
alles Vorgenannte wieder an den Herrn zu Heinsberg fallen, dessen Lehns- 
mann Adam von Berge geworden ist. Adam siegelt mit 3 Querbalken, mit 
Andreaskreuzchen belegt, Bela mit einem Ankerkreuz. S. 72: Der Fiirstenhut 
mit Hermelinmantel um das Wappen wurde, wie es scheint, bei Erhebung in 
den Reichsgrafenstand am Ende des vorigen Jabrhunderts mehrfach solchen 
Familien verliehen, welche mit Fiirstenfamilien verschwagert waren, z. B. er- 
hielten eine solche Auszeichnung auch 1792 die Grafen Grimaud-Orsay, welche 
mit den Fiirsten Croy und Hohenlohe verschwagert waren. S. 75, Anm. 42 : 
Die Beschreibung des Grevenbroichschen Wappens ist unverstandlich. S. 88: 
Grafin Therese, geboren 1785, war zweimal verheirathet, Grafin Isabella, ge- 
boren 1794, war vermahlt. (Grafliches Taschenbuch vom J. 1847.) S. 89, Linie 
Krapoel: Franz Michael, kurpfalzischer Hauptmann, war mit Maria Barbara 
Heister verheirathet. Ihr Sohn Johann Anton wurde 1690 getauft. Sein Pathe 
war Johann Baron von Trips (Kirchenbiicher zu Jiilich). S. 91: Die Linie zu 
Broeck lasst sich nach Quix, Kreis Eupen vervollstandigen. S. 92 — 93: Die 
freigelassenen Quartiere sind folgendermassen zu erganzen: 21. Johann v. St., 
22. Elisabeth v. Palant, 31. Adam v. Sp. zu Loersfeld, 32. Margaretha v. V. 
zu Vorst, 35. Heinrich v. M., 36. Katharina v. S., 37. Gotthard v. N., 38. Ka- 
tharina v. Spannerbock, 39. Johann von Epsendorf, nicht Obbendorf, 40. Eli- 
sabeth von Huls, 46. Agnes Deutz von der Koulen; ihr Sohn hiess Friedrich 
(nicht Hermann, seine Gattin Margaretha, nicbt Elise), 48. Katharina von 
Koppenrath, 57. Klaes v. M., 58. Katharina von Kipholt, 59. Albert von Holz- 
heim, 60. N. v. Koelgrave zu Juntersdorf. S. 95: Die Stepradtsche Genealogie, 
welche Humbracht gibt, ist sehr fehlerhaft, wie sich urkundlich nachweisen 
lasst. Humbracht ist in den Generationen seiner Stammtafeln (so vortrefflich 
sie sonst sind) vor 1500 sehr unzuverliLssig und nur nach genauer Priifung zu 
benutzen. S. 109: Die fehlenden Quartiere der Ahnentafel lassen sich nach 
Nedopil, Ahnenproben des deutschen Ordens II, S. 103—110 leicht vervoll- 
standigen. 

Genealogie Orsbeck. S. 3: Die Ascendenz des Engelbrecht v. O. ist 
mit Ausnabme der urkundlich beglaubigten Personen- N a men nach Hum- 

19 



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290 Literature 

bracht angegeben, daher sehr fraglich. Engelberts Gattin biess urkundlicb 
Ida, ibr Familienname steht bis jetzt nicbt fest. S. 9, Nr. IX, Dietrich: Die 
Ahnen auf der Jiilichscheii Hochzeit waren nicht anfgeschworen, sondern auf 
Tafeln gemalt, welcbe den Edelleuten beim Eintritt zura Turnier vorangetra- 
gen wurden, wie Kupfertafel 28 in Graminaeus, Jiilichsche Hocbzeit dies 
veranscbaulicbt. Nebenbei bemerkt sind einzelne der in letzterwahntem 
Werk abgebildeten Ahnentafeln recht fehlerhaft, besonders die Streitbagensche. 
S. 12: Eine Abstammung der Familie von Orsbach von dem ritterbiirtigen 
Gescblecht der Orsbeck balten wir nacb den angefiibrten Grunden durchaus 
nicbt fur erbracht. Dafiir miissten erst urkundlicbe Beweise beigescbafft wer- 
den. Jedenfalls hatte angefiibrt werden miissen, wann urkundlich zuerst die 
Orsbacb das Orsbeckscbe Wappen geiubrt baben. Vlasrath besass ja Engel- 
brecht v. 0. durcb seine Gattin Fia von Vossem; seine Tochter Ida vererbte 
es auf die Hemberg (vgl. die wichtigen Urkunden bei Nijhoff III, no. 155 und 
276) und nun soil Wilhelm v. 0. durcb eine zweite Frau Sophia von Eyl ein 
Gut zu Vlasrath erhalten haben, dafiir fehlt ein urkundlicher Nachweis, 
ebenso fur den Vater des Walter v. 0., welcber zuerst in Koln vorkommt. 
Da die Sonne Alexander und Dietrich Goldschmiede zu Koln waren, werden 
wohl die Schreinsbucher des Kolner Stadtarchivs iiber ihre Vorfahren Aus- 
kunft geben. S. 5: Elisabeth von Gymnich war eine Tochter Dietrichs v. G. 
genannt Oppenradt und der Katharina von Saffenburg (Bedinghovensche 
Sammlung III, S. 28); Heinrich von Gymnich und Jutta von Saffenburg, Ehe- 
leute, so wie Wilhelm von Gymnich und Johanna von Saffenburg kommen 
gleichzeitig urkundlich vor. Der Irrthum Humbrachts ist also sehr verzeihlich. 

Die als Mutter der Sophia von Vlatten angefiihrte Stina hiess nicht von 
Julich, sondern Schall von Bulich, wie aus Urkunden des graflich Beisselschen 
Archivs zu Frenz hervorgeht. Bisber wurde sie (nach Miiller, Beitrage z. 
Gesch. des Herzogthums Julich) iiberall als Jiihchsche Bastardtochter ange- 
fiihrt. Ihre Eltern hiessen Heinrich Schall von Bulich und Bela von Bunen- 
bach. Wilhelm von Orsbeck, Sohn der Vlatten, war verheirathet und hatte 
TSchter. S. 17, Anm. 22 : Die angefiihrte Anna „von Niederlahnstein" durffce 
schwerlich der ritterbiirtigen Familie Wentz von Niederlahnstein angehort 
haben, die Anmerkung beruht wohl auf einem Irrthum. 

Genealogie Gertzen genannt Sinzig. S. 19: Das angefiihrte 
Wappen des Johannes Gartzen auf der Glasscheibe beweist doch gerade, dass 
dieser Gartzen ein Burger war und also in keiner verwandtschaftlichen Bezie- 
hung zu dem Abt von Gertzen gestanden haben kann. S. 20: Heinrich von 
Gertzen und sein Sohn Wirich konnen nicht mit Sinzich als Mannlehn belehnt 
worden sein, denn die Herrschaft gehorte urkundlich noch 1440 Jordan von 
Sinzich genannt Muyl. Erst Hubert von Gertzen hat, wie S. 21 richtig nach 
von Mering, Ritterburgen angegeben ist, Theile der Herrschaft von den Sinzig- 
schen Erben erworben. Die vom Verf. angefiihrten Belehnungen 1380 bezw. 
1408 beziehen sich auf das Stammgut Gertzen. S. 22: Die Ahnentafel Gym- 
nich ist theilweise unrichtig. Bei Hochsteden muss Gluwel, bei Horrich Bree 



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Literatur. 201 

stehen. S. 23, Anm. 23: Das als Velbruggen angegebene Wappen ist das 
Hoemen-Odenkirchensche. Die Velbriick (Velbruggen) fiihrten bekanntlich 
einen Querbalken. Graminaeus gibt schon das falsche Wappen und Siebmachers 
Wappenbuch hat es von ihin ohne Priifung ubernommen. S. 25, Anm. 31 : 
In der Ahnentafel Spiess muss bei Nievenheim Epsendorf nicht Obbendorf 
stehen. S. 27: Der zweite Mann der Maria hiess nicht Wassenberg, sondern 
Mettermayr von Waffenberg (jetzt grafliche Familie). S. 28: Fur eine Ab- 
stammung der Familie von Gartzen von dem ritterbiirtigen Geschlecht der 
Gertzen fehlt jeder urkundliche Beweis. Das Wappen mit den Vogeln ist 
vielleicht erst von dem Mann der Diepenthal angenommen worden. Adels- 
diplonie sind gar keine Beweisurkunden fiir Herkommen oder Wappen der 
Vorfahren des Geadelten, da in solchen Diplomen manchmal leicht nachzu- 
weisende Irrthumer vorkommen und die in denselben enthaltenen Angaben 
meist von dem Geadelten selbst gemacht sind. Zahlreiche Belege liessen sich 
dafur beibringen. 

Genealogie der Grafen von Kesselstatt. Die Stammreihe dieses 
fur das ehemalige Erzbisthum Trier so wichtigen Geschlechts ist recht genau 
und ausfiihrlich gegeben. Nur S. 38 befindet sich ein Irrthum. Die Gattin 
Georgs Adam v. K. hiess Klara von Lovenich zu Klein-Bouslar, nicht Losse- 
nich (Archiv Harff und Redinghovensche Sammlung). Die zweite Gattin Karls 
v. K. hiess Agnes von der Ley en (jetzt furstliches Geschlecht), nicht von Ley. 

Freiherren von der Leyen. Die Annahme des Verf., dass die 
Familie wahrscheinlich von dem Geschlecht mit dem Pfahl im Wappen aus 
Gondorf a. d. Mosel abstamme, ist mehr wie gewagt. Die Wappen beweisen 
gerade das Gegentheil. Bis jetzt lasst sich nur feststellen, dass die Familie 
von der Leyen (welche spater in Krefeld ansassig war) aus Rade vorm Walde 
stammt. Anm. 8: Das Geschlecht von Elter, auch d'Autel genannt, fuhrte 
ein Kreuz, begleitet von 5 Scbindeln in jeder Ecke, als Wappen. Die er- 
wahnte Familie von Elten diirfte kaum etwas mit einer adligen Familie von 
Elter gemein haben. S. 47: Dass die Aachener Familie „von Loewenich" 
vor Erhebung in den Adelstand das in Anm. 11 angegebene Wappen der 
alten A dels- (und in einer Linie SchSffen-) Familie gefiihrt haben soil, musste 
ebenso wie eine Abstammung von dieser erst urkundlich nachgewiesen werden. 

Familie „von Westphalen genannt Koch". Bei naherer Durch- 
sicht dieser Abhandlung bedauert man, dass der Verf. diese Genealogie seinem 
Werk einverleibt und einer Familie, deren Adel bisher von Niemand aner- 
kannt ist, soviel Raum gegdnnt hat. Es wird vom Verf. angegeben, die Ab- 
handlung sei zum Beweis des Ad els geschrieben. Jeder unbefangene Genealoge 
wird durch die weitern Ausfuhrungen des Verfassers gerade von dem Gegen- 
theil dessen uberzeugt, was er nachzuweisen sucht. Die Familie „von West- 
phalen genannt Koch" scheint weder eine adlige zu sein, noch irgend welches 
Recht auf die Fuhrung des freiherrlichen Pradikats zu besitzen. Wer hat 
ihr beides anerkannt? Das hatte doch mindestens angefuhrt werden miissen. 
Das preussische Heroldsamt als kompetente BehQrde sicherlich nicht. Die 

19* 



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292 Literatu*. 

jetzigen Grafen von Westphalen fuhrten urn 1600, wo die Familie Koch sich 
abgezweigt haben soil, noch gar nicht den Freihermtitel ; ebenso gut hatte 
der Verf. seiner Faniilie Koch den Namen „Grafen von Westphalen genannt 
Koch" geben kflnnen. Der als Beweis angefiihrte Auszug aus einem sog. 
„allgemeinen Stamm- und Familienbuch der Freiherren von W. gi K." hat 
doch juristisch absolut keinen Werth. Woher nimmt der Verfasser das Recht, 
der Familie das Freiherrnpradikat in sammtlichen Generationen zu geben? 
Die Wymarache Stammtafel bei den Studienstiftungen, welche ich 8. Z. ein- 
gesehen habe, fiihrt nur den Namen „Koch" an. Wenn Lieutenant Koch 
irgend eine Berechtigung gehabt hatte, den Namen Freiherr v. W. gt. K. zu 
fuhren, so wiirde er doch sicher diesen Namen unterschrieben haben und 
nicht einfach „Rabanus Koch". Die Eintragungen in die Standesregister zu 
Bonn zeigen, wie der Verf. ja selbst in der Einleitung zugesteht, nur den 
einfachen Namen „Koch". Die Familie Koch diirfte also erst nach landes- 
herrlicher Bestatigung bezw. Priifung ihrer angeblichen Herkunft durch das 
Heroldsamt berechtigt sein, den Namen von Westphalen genannt Koch und 
das freiherrliche Pradikat zu fuhren, die vorliegende „zum Beweis des Adels" 
geschriebene Abhandlung aber schwerlich dazu beitragen, eine Anerkennung 
zu ermo'glichen. 

Genealogie von Wymar. Eine ausfiihrliche Stammreihe dieser Fa- 
milie ist bereits Ende der 70er Jahre in der Zeitschrift „Der Niederrhein" 
veroffentlicht worden. Die hier gegebene Genealogie ist mehr oder minder eine 
Wiederholung derselben. Die AngehSrigen der Familie, welche in Merzenich 
und Jiilich zuletzt ansassig waren, hatten aus gewissen Rticksichten in erst- 
genannter Stammreihe keine Erwahnung gefunden. 

Freiherren von Cotzhausen. Eine Herleitung des Familiennamens 
von Gotzhausen am Chiemsee scheint mir sehr gesucht. In den Beitragen 
zur Geschichte von Eschweiler II, S. 56 wird ausdriicklich der Prediger Albert 
Kotzhausen aus Biedenkopp in Hessen angefuhrt. Das Adelspradikat hat er, 
sowie sein Sohn sicher noch nicht gefiihrt. 

Freiherren von Negri. Ob diese Familie von gleichnamigen Ge- 
schlechtern mit andern Wappen in Italien abstammt, miisste noch nachge- 
wiesen werden, bis jetzt ist nur die Herkunft aus Italien, wo der Name haufig 
vorkommt, sicher. 

Ausziige aus den Aachener Kirchenbiichern 1603 — 1699. 
Diese verdienstvolle, miihsame Zusammenstellung enthalt des Interessanten viel 
und fiihrt den grossen genealogischen Werth der Kirchenbiicher so recht vor 
Augen. Es ware mit Freuden zu begrussen, wenn ahnliche Ausziige aus den 
Kirchenbiichern von Diisseldorf, Koln und andern Orten des Niederrheins ver- 
Sffentlicht wiirden. Manche offene genealogische Frage wiirde dadurch gelost 
werden. Eine Anzahl von Familien hat wegen des Wortes „von" in vorliegenden 
Ausziigen Aufnahme gefunden, die, wie oben bemerkt, nicht zu den adligen 
oder Patrizier-Familien zu rechnen sind* Diese hatten daher besser fortbleiben 
ko'nnen. S» 147 mochte ich einen im Kirchenbuch (wie ich mich s. Z» selbst 



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Literatur. 293 

iiberzeugt habe) unleserlichen Namen richtig stellen. Unter dem 11. Januar 
muss es heissen Werner Huyn von Amstenrath. Die in den Anmerkungen 
nach Kirchenbiichern jungern Datums zusammengesetzten Stammtafeln geben 
werthvolle Aufschliisse iiber viele Aachener Familien. 

Die beiden Lehnsregister, welche den Schluss des Werkes ausmachen, 
bieten manches Neue und sind durch die beigefugten Anmerkungen passend 
erganzt. Ein gleichzeitiges und ahnliches Valkenburger Lehnsregister ist im 
Bd. XXII der Publications de la Socie'te' historique dans le duche' de Lira- 
bourg p. 310 enthalten, auch gibt Slanghen in Het Markgraafschap Hoens- 
broeck ausfuhrliche und werthvolle Mittheilungen iiber die Lehen des Landes 
Valkenburg. 

Folgende Druckfehler sind mir aufgefallen : S. 3, Anm. 8 und 16 Vijhoff 
st. Nijhoff. S. 4 Sassenberg st. Saffenberg, derselbe Fehler wiederholt sich 
spater. S. 5 1660 st. 1460, Raubfesch st. Raubtesch. S. 6 Scheffenreisthum 
st. Scheffenweisthum. S. 8, Anm. 63 Krumtal st. Krumbstab. S. 9 Achendorf 
st. Adendorf. S. 11 Rommelshofen st. Rammelshofen. S. 20 Eya von Sinzich 
st. Fya »von Sinzich. S. 79 Wedenau st. Wenau. S. 89, drittletzte Zeile 1579 
st. 1679. S. 94, Ahnentafel Cortenbach: Oven st. Oeren. S. 95, Ahnentafel 
Lulsdorf, Buckern st. Kuchem. So muss der Name meines Erachtens richtig 
lauten, Graminaeus u. A. haben Ruckem. S. 97, Ahnentafel Nassau : Sparken- 
burg st. Spurkenburg. S. 129 Wolfgeel st. Wolfskehl. S. 191 Conrait van 
den Roenkartels st. Hoenkartels (Hoen zu Cartils!). S. 195, Nr. 37 Damers- 
wyck st. Damerschydt. Die beiden zuletzt angefuhrten Namen sind vielleicht 
schon im Original verschrieben. 

Mit dem Freiherrntitel verfahrt der Verf. sehr splendid, so z. B. fiihrten 
noch nicht diesen Titel die Orsbeck 1447 (S. 3), die Familie von Budesheim 
1367 (S. 36), die Familie von Niesewand 1884 (S. 137). 

Fassen wir unser Urtheil iiber das in den Maccoschen Beitragen Ge- 
botene zusammen, so ko'nnen wir nur unsere lebhafte Anerkennung iiber den 
Sammelfleis8 und die theilweise vortrefflichen genealogischen Mittheilungen 
des Verfassers aussprechen. Genealogien fehlerlos aufzustellen, ist einfach ein 
Ding der Unmoglichkeit, da der Verfasser sich auf eine grosse Anzahl nicht 
mehr zu kontrollirender Angaben in Kollektaneen, Druckschriften etc. ver- 
lassen muss. Vorliegende Beitrage bieten nun theilweise recht Gutes, theilweise 
aber vermisst man die Trennung des Brauchbaren von dem Unbrauchbaren. 
Hatte der Verf. noch einige Jahre mit der Veroffentlichung des so muhsam 
zusammengetragenen Materials gewartet, er wurde sicher nach weitern 
Erfahrungen und erweiterten heraldisch-genealogischen Kenntnissen manchen 
Theil seiner Beitrage in strengerer wissenschaffclicher Form, einzelne Theile, 
welche seinem Werk nicht geringen Eintrag thun, wahrscheinlich gar nicht 
veroffentlicht haben. Familiensagen und nicht zu beweisende Abstammungen 
gehoren nicht in ein streng wissenschaftliches Werk (und ein solches soil 
jede genealogische Veroffentlichung sein) hinein. Die Zeiten, in welchen 
Stammtafeln der de Launayschen Fabrik (vgl. Ferber, Gesch. der Schenk von 



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294 Literatur. 

Nydeggen S. 63, Anm. 2) und Ruxners liigenhafbes Turnierbuch Glauben 
fanden, sind vorbei und manche kindlich naive Familiensagen mussen der 
vernichtenden Kritik der ihnen gegentibergestellten urkundlichen Beweise 
weichen. 

Metz. E. v. Oidtman. 

Ueber Handel und Industrie in den Rheinlanden mit 
besonderer Ber iicksichtigung derGegend von Eschweiler. Von 
Heinrich Hubert Koch, Divisionspfarrer der 21. Division in Frank- 
furt a. M. Geschichte der Stadt Eschweiler. IV. Theil. V. Theil 
(Schluss): Gemeindeverfassung. Frankfurt a. M. Druck und Kommis- 
sions-Verlag der Frankfurter Vereinsdruckerei. 1885. VIII und 168 S. 8°. 

Mit der vorliegenden, in zwei Haupttheile zergliederten Schrift hat die 
im VII. Band dieser Zeitschrift besprochene Geschichte der Stadt Eschweiler 
ihren Abschluss gefunden. Im ersten Haupttheil oder dem vierten Abschnitt 
des ganzen Werks gibt der Herr Verfasser eine Uebersicht uber die Ent- 
wicklung der rheinischen und namentlich der in der Eschweiler Gegend 
heimischen Industrie, wobei in grossen Ziigen die alteste Zeit, das Mittelalter, 
die neuere und die neueste Zeit in besondern Abtheilungen zur Behandlung 
kommen. Der zweite Haupttheil oder der fiinfte und letzte Abschnitt des 
Ganzen beschaftigt sich mit der Gemeindeverfassung im ehemaligen Amt 
Eschweiler ; der Anhang bringt ausser einem Personen-, Orts- und Sachregister 
eine Eschweiler Kellnereirechnung aus dem 16. Jahrhundert, eine Reihe von 
Steuerzetteln aus dem 18. Jahrhundert und schliesslich Nachrichten uber die 
vor etwa 50 Jahren erfolgte Grundung des Eschweiler Bergwerksvereins. 

Richtiger Weise (es ist dies auch, wie das Vorwort hervorhebt, auf den 
Titel von Einfluss gewesen) wird in den ersten beiden Unterabtheilungen 
liber Ackerbau und Gewerbethatigkeit in der altesten und mittelalterlichen 
Zeit die Ortsgeschichte auf der Grundlage der allgemeinen Geschichte auf- 
gebaut. Kann auch hierbei die Klippe desZuviel oder Zuwe nig unmoglich 
ganz vermieden werden, so ist doch nicht zu ubersehen, dass nur in ganz 
besondern Ausnahmefallen zur Wirthschaffcsgeschichte eines kleinen Bezirks, 
soweit die Zeit vor 1500 in Betracht kommt, eimgermassen reiches Material 
vorliegt, dass aber andererseits ein fast volliger Verzicht auf die Behandlung 
alterer gewerblichen Verhaltnisse in einem ortsgeschichtlichen Werke aus 
zahlreichen Griinden unthunlich erscheint. Im vorliegenden Falle sind die 
vier Druckbogen, welche auf die Behandlung der altesten und mittelalter- 
lichen Zeit entfallen, reich an kulturgeschichtlichen, in anziehender Form 
gebotenen ErSrterungen, die augenscheinlich auf sorgfaltigem Quellenstudium 
beruhen. 

Um zu den Angaben der beiden ersten Kapitel etliche Erganzungen 
zu liefern, so war in der Eschweiler Gegend beim Ackerbau vermuthlich seit 
der Zeit der romischen Herrschaft bis vor etwa einem halben Jahrhundert 



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Literatur. 295 

stellenweise die Zweifelderwirthschaft gebrauchlich l . Diese ist kein deutsches 
System, war aber den Romern und Kelten bekannt. Sicher auch kann man 
unbedenklich auf unsere Heimath mehrere Stellen aus Plinius und andern 
Schriftstellern 2 beziehen, die iiber germanische und gallische Verhaltnisse 
berichten 8 . Wie Plinius erzahlt, benutzten die Ubier ausgegrabene Erde zur 
Diingung ihrer Felder; die Wirksamkeit einer solchen Schicbt wahrte angeblich 
10 Jahre. Steininger 4 bezieht diese Stelle auf die Gegend zwischen Falken- 
burg und Julich. Auf den Anbau von Gerste 6 , an derm Getreide (frumentum) 
und Flachs deuten die Kap. 23 und 17 der Germania des Tacitus; nach Plinius 
wurde in Germanien viel Habermus genossen, docb war (ein Beweis fur das 
Kindheitsalter der damaligen Landwirthschaft) der deutscbe Haber fast ganz 
entartet. Das Vorhandensein von Getreidehandel in unsern Gegenden beweist 
die Inschrift eines der wenigen in Aachen vorhandenen rSmischen Denk- 
male 6 . Plinius weiss von Kirschen, die auf beiden Ufern des Rbeins gedeihen, 
von einer besondern Art Aepfel, die im belgischen Lande wuchs, von riesig 
grossen Rettigen und von Mohrriiben in Deutschland; Wein kannte man bei 
uns schon im ersten Jahrhundert der cbristlichen Zeitrechnung 7 , Niisse und 
Birnen sind mitunter auf Denkmalern dargestellt. Dentschlands Weiden waren 
beruhmt, obscbon, wie Plinius sagt, dicht unter denselben der Sand lag, nur 
von einer ganz diinnen Rasendecke iiberwachsen. Deutscbe Pferde und Stiere 
scheinen ebemals den italienischen nachgestanden zu haben, dagegen lieferte 
nach Plinius Germanien die besten Ganse. Auf die Zucht von Kleinvieh weisen 
Strabos Worte fiber den Reichthum der Belgien benachbarten Gegenden an Schaf- 
(fiol/Livia) und Schweineherden, die bekannte Stelle in Varros Schrift de re 
rustica fiber gallische Schinken, die von Plinius geriihmte Kunstfertigkeit der 
Gallier in der Verarbeitung von Wolle und die von ihm als Erfmdung der 
Gallier bezeichnete Darstellung einer auch in Deutschland beliebten Seife aus 
Ziegenfett 8 und Buchenasche zum Rothlichfarben der Haare. Caesar kennt 
germanischen Kase, Plinius anscheinend nur gallischen, ausserdem Honig in 
den nSrdlichen Landen, verschiedene Rheinfische und namentlich Salz, welches 



■) Vgl. Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins IV, S. 201. 

f ) Ich citire nach Horkel, Die Geschichtschreiber der deutschen Urzeit. Horkel 
erklart, alles Brauchbare aus Plinius sorgfaltig gesammelt zu haben. Von den zahl- 
reichen Citaten gebe ich selbstverstandlich nur die auf unsere Gegend anwendbaren, 
die sich im Kochschen Werke meist nicht linden. Vgl. bei Horkel S. 727, 693, 695, 690, 
723, 77B, 716 u. 71B. 

•) Dies deshalb, weil mehr als anderwarts vor fast 2000 Jahren bei nns ger- 
manische und gallische Sitten herrschten. Die Eburonen waren ein germanischer 
Stamm; die ihnen folgenden Ubier hatten nach Caesar bedeutenden Handelsverkehr 
und manche gallische Sitten. 

*) Steininger, Geschichte der Trevirer I, S. 217, Anm. 3. 

*) Die Ortsbezeichnung Gerstenmarkt (forum hordiarium) kommt inschriftlich in 
Koln gegen das Ende des 3. Jahrhunderts vor (Bonner Jahrbiicher LXXIX, S. 193). 

•) Bonner Jahrbiicher LV, S. 238. Abweichend hiervon macht Lersch (Die Ruinen 
des Romerbades zu Aachen S. 4) darauf aufmerksam, dass frumentarii (Fouragiere) bei 
jeder Legion vorkommen. 

*) Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins VII, S. 180. 

•) Ziegenfett ist die von Horkel gegebene Uebersetzung. 



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296 Literatim 

in Gallien und Germanien durch Giessen von Salzwasser iiber brennendes Holz 
gewonnen wurde und ein beliebter Handelsartikel gewesen sein mag. 

Leinenzeug wurde in grossen Mengen allenthalben in Gallien verfertigt. 
„In ganz Gallien*, sagt Plinius, „webt man Leinenzeug, jetzt thun es auch 
sclion die Feinde jenseits des Rheines und kein schSneres Gewand kennen 
ihre Weiber." Was dagegen die von Tacitus behauptete (Koch S. 12) Ver- 
bramung der Frauengewander mit Purpur betrifft, so macht Horkel mit Recbt 
darauf aufmerksam, dass man jedenfalls bei Purpur an irgend ein rothes 
Zeug zu denken babe, da jener sicherlicb nur ho'chst selten nach Deutschland 
gekommen sei. 

Wahrscheinlich spricht Plinius vom Mastrichter Sandstein, wenn er 
eine in der belgischen Provinz vorkommende Steinart erwahnt, die sich mit 
der Sage, wie Holz, zu Ziegeln schneiden Hess 1 . Eine lebbafte Thonwaaren- 
fabrikation bestand schon im 3. Jahrhundert in Koln a , und ahnlich mag es 
damals um die Glasfabrikation s gestanden haben ; eine Erzguss-Werkstatte 
allerersten Ranges war in Aachen zu Zeiten Karls d. Gr. in Betrieb *. 

Was Herr Koch (S. 9) von dem fruhern schlechten Zustand der Wege 
in der Eifel und selbst im Jiilichschen berichtet, kann unbedenklich auch 
auf ganz Deutschland, namentlich auch auf die Rheinlande Anwendung 
finden. So sagt Rebmann in seiner um 1802 erschienenen Beschreibung 
der vier Departements auf dem linken Rheinufer, dass die einzigen brauchbar 
gebliebenen Wege romischen Ursprungs seien, und geradezu ergQtzlich sind 
von Frankenbergs-Ludwigsdorf Schilderungen iiber Wege und Posten in Nord- 
deutschland vor etwa hundert Jahren. 

Ohne die Thatsache, dass das Leder zu Caesars Zeit bei uns bekannt war, 
in Abrede stellen zu wollen, halte ich doch die vom Herrn Verf. (S. 15, Z. 4) 
gegebene Uebersetzung einer Stelle aus Caesar fur bedenklich. Es heisst bei 
Caesar, die Schilde waren mit pellibus iiberzogen gewesen. Hier ist bis jetzt 
pellis meist rait Thierfell iibersetzt worden, auch Herr Koch gibt bei einem 
andern Citat aus Caesar (S. 11, Anm. 1) pellis durch Thierfell wieder. Das 
Ueberziehen der Schilde mit Thierfellen klingt um so wahrscheinlicher, als 
damals Thierfelle zu den taglich gebrauchten Klcidungsstiicken gehorten, und 
Caesar fur fein gearbeitetes Leder (Koch S. 15, Z. 5) das Wort aluta gebraucht. 

Galmei, von welchem S. 22, 106 und 110 die Rede, hat in der Aachen- 
Eschweiler Gegend seit Jahrhunderten tausende fleissiger Hande in Bewegung 
gesetzt. Die Messingfabrikation, beruhend auf dem Zusammenschmelzen gal- 
meihaltiger Erde mit Kupfer, nahm zu Ende des Mittelalters in Aachen einen 
bedeutenden Umfang an 5 . Nicht wenig trug hierzu die grosse Galmeilager- 
statte in Altenberg bei, der en jetzt abgebautes Nordlager allein nach von 
Dechen etwa 20 Millionen Centner Galmei geliefert hat. Kurz vor 1658 wurde 



*) Mastrichter Sandstein ist bis zur Neuzeit meist nicht gehauen, sondern ge- 
stochen und gesagt worden. 

*) Bonner Jahrbiicher LXXIX, S. 190. •) Ebendas. LXXXI, S. 53. 

•) Ebendas. LXXVHI, S. 157. ') Zeitschrift des Aach. Geschichtsvereins 1, S. 50. 



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Literatur, 297 

in der Umgebung von Verlautenheide Galmei entdeckt 1 , und Tsald nachher 
setzte die Abtei Cornelimunster einige Galuieigruben bei Eilendorf in Betrieb. 
Andere Galmeilager befanden sich in der Nahe von Breinig, Biisbach, Gresse- 
nich, Mausbach, Krahwinkel etc. 2 ; einen angeblich bei Vicht vorhandenen, 
fiir 100 Jahre Arbeit bietenden Galmeistock sollen die Erdbeben im J. 1756 
verschuttet haben 3 . Urn 1813 waren bei uns 8000 Arbeiter mit Galmeigraben 
beschaftigt *. Wenn Hocker sagt (Koch S. 22 und 106), dass das zur Messing- 
fabrikation nothige Zink bis zur Mitte des vorigen Jahrbunderts aus China 
bezogen worden sei, so trifft dies fiir die Stolberger Messingfabriken n i c b t zu. 
In Stolberg benutzte man mindestens bis zum J. 1803 nur Galmei, nicht aber 
metalliscbes Zink 6 zur Darstellung des Messings, wie aus den um 1736 er- 
schienenen Amusemens des eaux d'Aix-la-Cbapelle und der um 1803 heraus- 
gegebenen Schleicherschen Denkschrift unzweifelhaft hervorgebt 6 . Zur Beant- 
wortung der von Herrn Koch (S. 105) angeregten interessanten Frage, ob 
fruher im Indethal Kupfererze in grossern Mengen als heutzutage vorkamen, 
besitze ich einiges Material. Einzelne, den Bergbau im Gebiet der ebemaligen 
Abtei Cornelimunster betreffende Urkunden aus der Zeit zwischen 1500 und 
1800 sprechen namlich u. A. auch von der Gewinnung des Kupfers, stets aber 
nur nebensachlich, in Form der Andeutung einer Moglichkeit 7 . Thatsachlich 
bat wobl niemals irgendwo im Regierungsbezirk Aachen ein einigermassen 
bedeutender Betrieb auf Kupfer stattgefunden, da hier das Vorkommen von 
Kupfererzen von sehr geringer Bedeutung ist 8 . Stolbergs Messingfabrikanten 
bezogen nach der oben genannten Denkschrift fruher ihr Kupfer aus Nor- 
wegen, Ungarn, Schweden, England, einigen deutschen Provinzen und einigen 
Handelsstadten der Levante. Sehr unwahrscheinlich ist es, dass der im 17. 
Jahrhundert im frankischen Konigsgrab zu Enzen bei Zulpich gefundene, 28 
Pfund schwere Panzer (S. 28) von Gold war. Den in Bezug hierauf fruher 
schon ausgesprochenen Zweifeln (Bonner Jahrbucher XXV, S. 134) pflichte ich 
um so lieber bei, als bis zur Neuzeit bei uns manches Kunstwerk im Volks- 
mund fiir ein goldenes gait, welches in Wirklichkeit nur aus stark vergoldetem 
Kupfer bestand. So glaubte man z. B. in Aachen bis zur franzosischen Revo- 
lution fast allgemein, der bekannte grosse Kronleuchter im Achteck des 
Ministers bestehe aus reinem Gold. Silber (S. 43) war mancherorts auch im 
9. Jahrhundert noch so selten, dass die um 831 seitens des Abts von Fontc- 



*) Quix, Schonau-Uersfeld S. 31. a ) Golbery, Considerations sur le departe- 
ment de la Roer p. 125. ») Aschenberg, Niederrheinische Blatter V, S. 377. *) La- 
douce tte, Voyage entre Mense et Rhin p. 233. ») Folgt auoh schon aus Koch S. 109 f. 

•) Aschenberg a. a. O. Ill, S. 370 f. Zink wird unter den nothigen Gegenstanden 
nicht genannt, sondern nur Rothkupfer und Galmei. 

*) Z. B. folgende Stelle einer um 1778 fiir Schmitthof in Betracht kommenden 
Urkunde: „Allerhand Mineralien und unterirdische Produkten, als Gold, Silber, Zinn, 
Kupfer, Bley, Gallmey, Eisensteine, Kobolt, Krystall oder sonsten, wie sie immer Namen 
haben mogen, nur Marmor, Blau- und weisse Steinkoulen ausgenommen, auszuar- 
beiten." 

s ) von Pec hen in Reinick, Statistik des Regierungsbezirks Aachen II, S. 241 f. 



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298 Literatur. 

nelle an das Kloster Inden (Cornelimiinster) erfolgte testamentarische Schen- 
kung von 2 Pfund Silber als eine Merkwiirdigkeit verzeichnet wurde. 

Von hohem Interesse ist der uber den Kohlenbergbau in der Eschweiler 
Gegend handelnde Abschnitt des Kochschen Werke8. Hierbei hat der Herr 
Verf. das einschlagige Material des Diisseldorfer Staatsarchivs in recht geschickter 
Weise verwerthet. Unberiicksichtigt blieben einige Urkunden und Erlasse, 
deren Inhalt sich bei Quix \ Richardson 2 , Scotti 3 und in der Sammlung der 
Priifekturakten des Uoerdepartements * angegeben findet. Die Zeit der Fremd- 
herrschaft wird wiederum nur fliichtig gestreift, da anscheineud fiir die Jahre 
1794 bis 1814 keine oder nur sehr unvollstandige, ungeordnete Akten vor- 
liegen. Einige Industriezweige von geringerer Bedeutung sind nicht zur Be- 
handlung gekommen, sei es, dass es an Material fehlte, oder dass der Verf. 
mit Rucksicht auf den in Aussicht genommenen Raum eine Einschrankung 
auf das Bedeutendere fiir zweckmassig erachtete. Gelegentlich etwaiger 
spaterer Nachtrage in dieser Richtung moge bei der Behandlung der Neuzeit 
die Benutzung der Jahresberichte der Stolberger Handelskammer nicht 
unterbleiben. 

Auch zum letzten Abschnitt, welcher iiber die ehemalige Eschweiler 
Geineindeverfassung handelt, sind Handschriften des Diisseldorfer Staatsarchivs 
benutzt worden. Zu bedauern bleibt, dass von den Eschweiler Gerichtsproto- 
kollen (S. 143) nur 7 Bande in Diisseldorf beruhen, und dass naraentlich die 
Zeit zwischen 1632 und 1752 gar nicht vertreten ist. Mo'glicher Weise sind 
einige der fehlenden Bande im Quixschen Nachlass vorhanden, da Quix 
sein langst verSffentlichtes Rechtsdenkmal „Eschweiler Vroegh" aus den 
Amtsgerichts-Protokollen vom J. 1652 entnommen hat. Die Vroegh nennen, 
wohl jedenfalls fiir das Jahr 1652, als Vogt des Amts Eschweiler den Rein- 
hard Recklinghausen 8 . 

HofFentlich ist die Zeit nicht fern, in welcher haufiger als bisher orts- 
geschichtliche Werke nach Art der vorliegenden Schrift im Regierungsbezirk 
Aachen erscheinen werden. Hinsichtlich solcher VerSffentlichungen hier einige 
kleinere Wiinsche. Zunachst mOchte es sich empfehlen, dort, wo es mSglich 
ist, s t e 1 8 den heutigen Werth in Mark, Meter, Liter oder Gramm den 
alten Bezeichnungen der Miinzen, Masse und Gewichte in Klaramern beizufugen. 
Es spricht ja fiir durchgreifende Aenderungen des jetzigen Dezimalsystems 
innerhalb der nachsten Menschenalter nicht die geringste Wahrscheinlichkeit ; 
Umrechnungen sind jetzt oft noch leicht, werden aber den Lesern um so schwie- 
riger und las tiger, je weiter wir uns von der Zeit der Herrschaffc des Duo- 
dezimalsystems entfernen. Ganz unzuliissig scheint es, Entfernungen in Zeit- 
massen (Wegestunden) auszudriicken. Soil ein ovtsgeschichtliches Werk ein 
beliebter und zuverliissiger „Fuhrer" sein, so ist es sogar nothig, die beiden 



*) Quix, Hengebach S. 3B. a ) Richardson, Geschichte der Familie Me rode II, 
Register unter Eschweiler. ») Scotti, Verordnungen fiir Jiilich-Cleve-Berg (Register). 
*) Recueil des actes de la prefecture du departement de la Roer. 1803—1814 (Register). 
») Als Berg vogt bei Koch (S. 150) angefuhrt. 



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Literatur. 299 

Endpunkte der nach Kiloraetern gemessenen Entfernungsliiiie zwischen grossern 
und langgestreckten Orten genau zu bezeichnen. 

Ferner vermisst man oft ungern einen eigenen Abschnitt, in welchem 
unzusarnmenhangende, aber zur Ortsgeschichte gehorige Notizen untergebracht 
sind. KSnnen auch manche voni Lokalgeschichtsfbrscher im Laufe seiner 
Studien gefundene lose Bausteine nicht immer sofort dem Gebaude der Orts- 
geschichte passend eingefugt werden, so empfiehlt sich doch deren Sammlung 
und Veroffentlichung, weil das anfanglich Unbrauchbare spater, nach der 
Auffindung neuen Materials, zu etwas recht Werthvollem sich gestalten kann. 
Dass bei der Zusammenstellung solcher Notizen iiberwiegend die altere und 
alteste Zeit zu beriicksichtigen ist, verdient kaum Erwahnung. 1 Bei Neuauf- 
lagen oder Nachtragen diirfte u. A. auch eine einfache Aufzahlung der dem 
Werke in der Presse zu Theil gewordenen Besprechungen angebracht sein, was 
in spatern Zeiten den Ueberblick fiber die Geschicke des Buches und die 
an ahnlicbe Schriften gestellten Anforderungen erleichtern wiirde. 

Im Vorwort zum vorliegenden Schlussheft stellt der Herr Verf., der 
sich durch seine muhevolle und schone Arbeit ein bleibendes Verdienst um 
die Geschichte seiner Heimath erworben hat, einige Nachtrage je nach Zeit 
und Gelegenheit in Aussicht. Deshalb sei schliesslich noch auf vier in Koln 
und Munchen befindliche Biinde 1 aufmerksam gemacht, deren Durchsicht sich 
empfiehlt, obschon am Ende die Ausbeute geringer sein wird, als der Titel 
yermuthen lasst. Es sind a) Koln, Alftersche Sammlung Bd. 56: Status om- 
nium beneficiorum Juliacensium et Coloniensium eorumque collatorum von 
J. P. Holthausen 1670; b) K6ln, Farragines Gelenii Bd. 16, 2lVa: Eschweiler; 
c) Munchen, Redinghovensche Sammlung Bd. 19: Pfarreien, Kapellen, Vi- 
karien etc. mit deren Einkiinften im Herzogthnm Julich um 1582; d) Munchen, 
a. a. 0. Bd. 61, en thai t unter andern Genealogien auch die der Hurt von 
Schoneck. 

Bedburg. Pauls, 

Die Bilder' der Handschrift des Kaisers Otto im Miinster 
zu Aachen in XXXIII un veranderlichen Licht drucktaf eln her- 
ausgegeben und mit den Bildern der Evan gelienbucher von 
Trier, Gotha, Bremen und Hildesheim verglichen von Stephan 
Beissel S. J. Aachen, R. Barth. 1886. 109 S. kl. Fol. 

Das Evangeliar des Kaisers Otto im Schatze des Miinsters zu Aachen 
hatte bis dahin eine besondere Beachtung nicht gefunden. P. Stephan 
Beissel widmet dem Bilderschmuck desselben eine umfassende Monographic, 
zunachst in der Absicht, den Kreis der Untersuchungen zu erweitern, deren 
Gegenstand die deutsche Kunst des 10. Jahrhunderts seit einigen Jahren 
in hervorragendem Masse bildet. Es handelt sich vor Allem darum, zu prii- 



*) Den Titel dreier dieser Bande entnehme ich den kiirzlich erschienenen dankens- 
werthen Veroffentlichungen der Herren von Hammerstein und Hohlbaum. 



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300 Literatur. 

fen, ob diese Kunst in einer solchen Abhangigkeit von Byzanz sich befunden 
hat, als bis vor Kurzem zieinlich allgemein angenommen wurde, auf 
Grund von unzulanglichen Studien und von herkominlichen Anschauungen. 
Kunstforscber, welcbe am Anfang der Bewegung stehend den Dilettan- 
tismus nicht vollstandig zu iiberwinden vermocbten, batten sie in die 
Kunstgeschichte eingefuhrt, in der sie Mangels sorgfaltiger Untersuchun- 
gen ziemlicb unbeanstandet fortwucherten. Kraus, Springer, Lamprecht, 
auch der Verfasser dieser Monographie selber schenkten dieser „byzanti- 
nischen Frage" endlicb eingehendere Beachtung, als deren Resultat schon 
jetzt die Behauptung aufgestellt werden darf, dass die deutsche Kunst des 
10. Jabrhunderts aus der karolingischen Renaissance-Bewegung selbstandig 
sicb entwickelt hat, im Anschluss an die klassische Tradition und nicht 
an die Destination, welche diese in Byzanz erfahren hatte. Die Anre- 
gung, welche dieses in kiinstlerischer Beziehung durch die Verbindung des 
deutschen Kaiserhauses mit der griechischen Prinzessin ausgeubt hat, war 
hoch iiberschatzt worden. Welcher Einfluss ihr in Wirklichkeit beizu- 
messen ist, wird erst eine noch viel grundlichere Detailforschung mit Sicher- 
heit erkennen lassen, eine Forschung, welche unter Benutzung auch der 
modernen russischen Literatur, vor Allem der griechischen Ikonographie sich 
zuwendet. Aus der Vergleichung mit ihr wird sich erst endgiiltig der Urn- 
fang der Elemente bestimmen lassen, die aus der griechischen Kunst in die 
deutsche Eingang gefunden haben. Auch der Einfluss der byzantinischen 
Technik auf die deutsche, nicht nur der des Treibens, sondern namentlich 
der des Schmelzwerks bedarf noch manchfaltiger Aufklarung. Aber nicht 
allein von diesem Gesichtspunkt aus und im Hinblick auf dieses Ziel ist 
die vorliegende Arbeit eine sehr verdienstliche. Sie enthalt eine ganze An- 
zahl geschichtlicher Untersuchungen, bringt zahlreiche exegetische und liturgi- 
sche Bemerkungen, liefert eine reiche Fulle archaologischer Notizen und was 
die Hauptsache ist, eine sehr wesentliche Bereicherung der Kenntnisse des 
neutestamentlichen Bilderkreises. Um diesen ist es dem Verfasser namentlich 
zu thun, eine „Geschichte der Ikonographie de3 neuen Testamentes in der 
altdeutschen Kunst" sein eigentlichstes Ziel. Die Beschreibung dieses Evan- 
gelienbuchs, wie eines andern aus fruherer, eines dritten aus spaterer Zeit, 
die der Verfasser in Aussicht stellt, sollen nur Etappen auf dem langen Weg 
sein zu diesem grossen Ziele. Deswegen beschrankt sich der Verfasser auch 
schon hier nicht auf die „Erklarung der in den Tafeln wiedergege- 
benen Schriftzeichen und Bilder der Aachener Handschrift", 
die den Inhalt des 50 Seiten umfassenden zweiten Theiles bildet. Er schickt 
ihr auf ebenso vielen Seiten eine „allgemeine Beschreibung der 
Handschriften von Aachen, Trier, Gotha, Bremen undHildes,- 
heim, sowie einiger verwandten Kunstdenkmaler" als ersten 
Theil voraus. — In dieser Beschreibung macht er zunachst mit dem Inhalt der 
Handschrift von Aachen bekannt, die in Grossquart geschrieben ist. Ihr ur- 
sprunglicher Einband war langst abhanden gekommen. Als ein neuer erfolgte, 



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Literaittf. 30i 

musste das Such sich eine Beachneidung gefallen lassen. Auch dieser ist 
nicht mehr vorhanden, denn der jetzige Deckel beruht auf neuester Anord- 
nung, auf geschickter Benutzung im Scbatze langst vorbandener griecbiscber 
Elfenbeintafeln. Der Text bestebt aus den 4 Evangelien. Ein Verzeichniss der 
mehrerern Evangelisten gemeinsamen Stellen, in Form von Kanontafeln, geht 
ihnen voraus, eine Zusammenstellung der sonn- und festtaglichen Evangelien 
folgt ibnen nacb. Die bierbei aus Riicksichten auf die vornehme Bestim- 
mung desBucbes, sei es ganz, sei es zum Tbeil, frei gelassenen Blatter sind 
spater zur Eintragung von allerlei Dokumenten, namentlich von Eidesformeln 
benutzt worden, und als fur weitere Einfiigungen kein Raum mehr vorbanden 
war, trug man kein Bedenken, das alte Bucb um verschiedene neue Blatter zu 
vermehren. Man folgte dadurcb der Sitte, Biicher, die in hohem Ansehen 
standen, namentlicb weil sie im Innern oder im Aeussern reicb ausgestattet 
waren, mit Aktenstiicken zu verseben, deren man bei feierlicben Gelegenbeiten : 
Prozessionen, Intbronisationen, Einfuhrungen u. s. w. bedurfte. Auch liess 
sie ibre Kostbarkeit und in Folge dessen besonders zuverlassige Aufbewah- 
rung als besonders geeignet erscheinen, ihnen Notizen von hervorragender 
Wichtigkeit, namentlich Giiter- und Schatzverzeichnisse, anzuvertrauen. Von 
den 512 Seiten, die der Kodex umfasst, sind 27 mit Miniaturen ausgestattet, 
4 mit den reich verzierten Eingangsworten der Evangelien. Die am Scblusse 
des Kodex eingefiigte Serie der sonn- resp. festtaglichen Evangelien benutzt 
der Verfasser, urn verschiedene besonders charakteristische Feste herauszu- 
heben, und an sie Konjekturen in Bezug auf den Ursprung desselben zu 
kniipfen. Gerade die Auswabl in Betreif der Feste in alten Perikopen- 
sammlungen, Kalendarien u. s. w. ist besonders geeignet, ihnen Winke 
zu entnehmen in Bezug auf das Kloster, aus dem die Handscbrift hervor- 
gegangen, auch wohl hinsichtlich der Zeit, in der sie entstanden ist. Die 21 
Darstellungen aus den Evangelien sind diesen an den zustandigen Stellen ein- 
gefiigt, im engsten Anschluss an den Text, daher unter Verzicht auf die 
chronologiscbe Reihenfolge. Diese liegt den Miniaturen des Kodex zu Grunde, 
der dem Erzbiscbof Egbert von Trier (f 993) von 2 Monchen des Klosters 
Reichenau (Kerald und Heribert) gewidmet wurde. Ebenfalls in Grossquart, 
bestebt er aus den Evangelienabschnitten, die im Laufe des Kirchenjahrs 
verlesen werden, und die 51 Miniaturen, die sie illustriren, erscheinen daher 
chronologisch geordnet von der Darstellung der Verkiindigung, die in den 
Advent fallt, bis zur Geistessendung, die den Pfingstsonntag begleitet. In Kiirze 
beschreibt der Verfasser die herrlichen Bilder dieses fur die Kunstgescbichte iiber- 
aus werthvollen, neuerdings von Kraus mit Lichtdrucktafeln herausgegebenen, 
von Springer mehrfach untersuchten, von Lamprecht eingehend gewurdigten 
Buches. Neben der sorgsamsten Benutzung der von diesen gebotenen An- 
schauungen und Resultate lasst er es auch nicht an eigenen, zum Theil von 
jenen abweichenden Urtheilen feblen. Die Bedenken, die er gegen die von 
Lamprecht scharfsinnig versuchte Datirung erhebt, erscheinen nicht unbegrundet. 
Da auch die von Kraus gewonnene sich als unhaltbar erweist und der Ver* 



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802 Literatur. 

fasser nicht wagt, eine neue aufzustellen, so wird auf die genaue tHxirung 
der Ursprungszeit zunacbst wohl verzichtet werden mussen, so wunschens- 
werth diese auch ist bei so hervorragenden Merksteinen der Kunstgeschichte. 
Zu diesen zahlt nicht minder das Echternacher E vangelienbuch 
Ottos III., welches sich seit dem J. 1799 in Goth a befindet. In Folio geschrieben, 
hat es vor den beiden vorhergehenden auch den uberaus kostbaren archaolo- 
gisch und technisch gleich merkwiirdigen ursprunglichen Einband (Pendant 
zu dem Essener Evangeliar) voraus, von dem es kaum einem Zweifel unter- 
liegen kann, dass er in Trier entstanden ist. Auf dieses, auf die von Egbert 
gegrundete erste deutsche Schmelzwerkstatte, weisen die den Deckel zierenden 
Zellenemailplattchen mit Bestimmtheit hin. Sie verrathen ihren deutschen 
Ursprung durch ihre Zeichnung und Farbung deutlich genug im Unterschied 
von den byzantinischen Zellenschmelzen, und die in Gold getriebenen Heili- 
genbilder, die fiir die Abtei in Echternach ausgewiihlt sind, bestatigen diesen 
Eindruck nicht minder, als die beiden Bilder des „K6nigs" Otto und seiner 
Mutter, der „Kaiserin" Theophanu, die von 983 bis 991 fiir ihn die Regent- 
schaft fuhrte. Auch das die Mitte bildende vorzxigliche Eifenbeinrelief mit 
der Kreuzigung Christi verrath durch manchfache Eigenthiimlichkeiten den 
deutschen resp. den rbeinischen Ursprung. Diesen bestatigt auch der Urn- 
stand, dass zwei offenbar von derselben Hand geschnitzte, urspriinglich viel- 
leicht gar als Fliigel zu jenem benutzte Reliefs, Moses, der die Gesetzes- 
tafeln empfangt, und Thomas, von dem der Herr seine Seitenwunde unter- 
suchen lasst, darstellend, die aus der alten Coblenzer Sammlung Dietz in die 
von Figdor in Wien ubergegangen sind, aus einem Kloster an der Mosel 
stammen sollen. Den Schluss aus dem Heimathsort des Einbands auf den 
der Handschrift selbst gibt der Verfasser nicht zu, erhebt vielmehr gegen 
seine Triersche Entstehung ernste Bedenken. Zuverlassige Anhaltspunkte in 
Bezug auf eine andere Ursprungsstatte weiss er aber nicht anzugeben, da 
der Hinweis auf „ein sachsisches Kloster", wenn auch an sich nicht unwahr- 
scheinlich, zu wenig substantiirt erscheint. Den Inhalt dieses Kodex bildet 
wiederum der vollstandige Text der 4 Evangelien, und vor jedem derselben 
erscheinen auf je 2 Paaren gegeniiberstehender Seiten 12 Bilder, so dass also 
die Evangelien von 48 Miniaturen (3 auf jeder Seite) illustrirt werden, die 
auf diese Weise zu 4 verschiedenen Bildercyklen sich gruppiren. Der erste 
Cyklus behandelt die Jugendgeschichte und das erste Auftreten Christi, der 
zweite sein offentliches Wirken, vornehmlich seine Wunder, der dritte seine 
Lehrthatigkeit in 4 Parabeln, der vierte das Leiden und die Verherrlichung 
Christi. Die kurze Erklarung dieser Darstellungen liefert auch in archaolo- 
gischer Beziehung manche beachtenswerthen Winke. Solche knupft in noch 
ergiebigerm Masse der Verfasser an die Handschrift des KSnigs Heinrich 
zu Bremen, die bis dahin nur eine ganz kurze und ungenugende Bearbeitung 
gefunden hatte. In Kleinquart gehalten, umfasst sie die Evangelienabschnitte 
des Kirchenjahrs, aber ohne in den sie auf 42 Bildern illustrirenden 72 Dar- 
stellungen die chronologische Reihenfolge zu beobachten. Dass manche dieser 



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Literatur. 363 

frarstellungeh mifc denen des Egbert-Kodex, mehrfache Anordnungen mit solchen 
des Echternacher Evangelienbuchs iibereinstimmen, findet seine Erklarung in 
dem Umstand, dass den beiden MSnchen in Echternach, die geinass der 
vorletzten Miniatur den Kodex schrieben, jene beiden Handschriften vorlagen, 
denn er war fur KSnig Heinrich bestimmt, der auf dem letzten Bilde thronend 
und den Abt von Echternach empfangend dargestellt isfc. Der Vergleich des 
auf den h. Bern ward zuriickgefuhrten Evangeliars von Hildesheim, 
dem hier zum ersten Mai eine solide Beschreibung zu Theil wird, mit den 

4 vorhergehenden wahrt jenem seine Originalitat sowohl in Bezug auf die 
Form, als auf die Objekte der Darstellung. Mit dem Gothaer hat es die Vor- 
liebe fur ornamentalen Schmuck, wie ihn sogar die Vorstehblatter zeigen, gemein, 
aber ohne ihn technisch zu erreichen. In Bezug auf die Auswahl der Bilder, 
die sich an keine chronologische Ordnung binden, ist es durchaus selbstandig. 
Nur ein Wunder findet sich in ihm dargestellt, die Kindheit Jesu etwas ver- 
nachlassigt, sein Leiden um so starker betont, namentlich aber die Heiligen- 
verehrung (Petrus, Mathaus, Johannes) gepflegt, der 10 Bilder gewidmet sind. — 
Nachdem der Verfasser so die 5 illustrirten Evangelienbiicher des 10. Jahr- 
hunderts mit einander verglichen hat, zieht er zur Vergleichung auch noch 

5 andere deutsche Bildercyklen derselben Zeit heran, namlich die erst jiingst 
entdeckten, von Kraus beschriebenen Wandgemalde der St. Georgskirche zu 
Oberzell auf Reichenau, die Bernwardssaule und die Erzthuren in Hildesheim, 
die Pala d'oro und drei Buchdeckel zu Aachen. Die Wandmalereien, 8 Wunder 
des Heilands darstellend, verrathen durch Form und Inhalt deutlich genug, 
dass sie mit dem nur etwas altern Egbert-Kodex derselben Schule entstammen. 
Die beiden beruhmten ehernen Gebilde des h. Bernward erganzen sich nicht 
nur zu einer vollstandigen Darstellung des Lebens Christi von der Verkun- 
digung bis zur Auferstehung, sich gegenseitig vervollstandigend, sondern 
bieten auch Vergleichsbeitrage zu dem Hildesheimer Kodex. Aber diese liefern 
auch den Beweis, dass die Bildhauer selbst mit den Malern, mit denen sie 
dieselbe Schule theilten, in Bezug auf die Autfassung und ikonographische 
Behandlung der einzelnen Figuren und Scenen nicht immer iibereinstimmten. 
Freilich hatte sich auch um diese Zeit noch kein eigener strenger Kanon dafur 
herausgebildet, und die Selbstandigkeit der Kiinstler erfuhr auch in dieser 
Beziehung noch nicht die Einschrankung, der sie spater nicht selten im Ueber- 
mass, wie namentlich in der griechischen Kunst, unterlag. In Aachen erganzen 
sich die bekannten getriebenen, vor wenigen Jahren in eine neue Fassung 
gebrachten Darstellungen des Altarretabels mit denen auf 3 Elfenbeintafeln 
gleichfalls zu einem vollstandigen Bildercyklus, der die Unabhangigkeit der 
Aachener Kunstrichtung wie von der Reichenauer, so von der Hildesheimer 
Schule beweist. — Ein eigenes, den ersten Theil seines Werkes zum Abschluss 
bringendes Kapitel widmet der Verfasser der nochmaligen ubersichtlichen „ Ver- 
gleichung der beschriebenen Handschriften und Kunstwerke". Wie sich in den 
einzelnen Cyklen die Darstellungen der Zahl nach zu einander verhalten, wie 
der Grosae und der Reihenfolge nach, in wieweit sie von gereimten Inschriften 



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S04 Literatirt. 

begleitet odor niit einzelnen Worten und Nam en bezeichnet sind, 1st hochst 
lehrreich. Grosses Interesse bietet auch die Verschiedenheifc der technischen 
Behandlung, z. B. in Betreff der Art der Liniimng, der dekorativen Anordnung, 
in der hier mehr das vegetabilische, dort mehr das animalische Motiv gepflegt 
wird, endlich der koloristischen Durchfiihrung, die in Bezug auf einzelne Per- 
sonen, z. B. auf diejenigen, denen der Goldgrund zukommt, schon stereotyp zu 
werden beginnt. Am wichtigsten aber erscheint die Zusammenstellung der in 
diesen Bildercyklen behandelten neutestamentlichen Erzahlungen, deren Ziffer, 
mit der Verkiindigung beginnend, mit der Uebertragung der Schliisselgewalt 
an Petriis schliessend, auf 109 sich belauft. Deswegen hat der Verfasser sicb 
aucb die Miihe nicbt verdriessen lassen, ibr eine 4 Seiten umfassende Ueber- 
sichtstabelle zu widmen, welcbe in 7 Kolonnen die Vertheilung der ein- 
zelnen durcb Schrifttext und Perikopen nocb naher bezeicbneten Darstellungen 
auf die einzelnen Bildercyklen vornimmt. Diese mit unsaglicher Mtihe ange- 
fertigte, iiberaus dankenswerthe Tabelle erleichtert den Ueberblick nicbt nur 
iiber deren Inhalt, sondern auch iiber den Umfang, den die Darstellungen 
aus dem Leben des Herrn schon bis zum Schlusse des ersten christlichen Jahr- 
tausends gewonnen hatten. Eine sebr wesentliche Bereicherung diirfte diesem 
Bilderkreis aus den andern deutschen Evangelienbiichern dieser Periode nicht 
erwachsen, von denen kaum eines den hier beschriebenen an Inhalt gleichkommt. 
Manche von ihnen enthalten nur eine beschrankte Anzahl von Illustrationen, 
so das in der Kolner Dombibliothek befindliche, auch erst dem 11. Jahr- 
hundert angehorige Exemplar (Nr. CCXV1II des von Jatfe und Wattenbach 
veroffentlichten Katalogs), welches ausser den Evangelisten etc. nur 8 vorzuglich 
ausgefiihrte und erhaltene Bilder mit 9 Scenen enthalt. Sie stellen Christus 
in der Krippe vor, die drei Konige vor der sitzenden Mutter mit dem Kinde, 
die Taufe Christi, den Aussatzigen, die Blutfliissige, die Tochter des Jairus 
und die zwei Blinden von Jericho, dieses alles im Mathausevangelium, wahrend 
das Markusevangelium nur zwei Frauen am Grabe und die Himmelfahrt 
vorfuhrt, die beiden andern Evangelien ganz leer ausgehen. In den iibrigen 
zum Theil altera illustrirten Evangelienbiichern der Dombibliothek be- 
schranken sich die figurlichen Darstellungen auf die der Evangelisten. 

Im zweiten Theile erfahren die „in den Tafeln wiedergegebenen 
Schriften und Bilder" des Aachener Kodex eine eingehende Erklarung, unter 
stetiger Bezugnahme auf die „im ersten Theile erwahnten Kunstwerke". 
Aus 33 der Zahl der Tafeln entsprechenden Abschnitten und aus einem 
Schlusskapitel setzt sich dieser Theil zusammen. Sollen wir, bevor wir in seine 
Einzelheiten eingehen, ein Urtheil iiber die Lichtdruckbilder abgeben, so wird 
nicht verschwiegen werden diirfen, dass einzelne derselben der Klarheit 
und Scharfe erheblich ermangeln. Dieser Mangel hat aber nicht in der 
Uebertragung der photographischen Aufnahme auf den Stein, sondern in 
dieser selbst, beziehungsweise darin seinen Grund, dass kein Versuch gemacht 
zu sein scheint, die wellenformigen Unebenheiten der Orginalbilder einiger- 
massen zu mildern. Zwei Krystalltafeln, zwischen die sie ohne die geringste 



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Literatim 305 

Gefahr fur die Bilder zu spannen war en, wiirden sie wesentlich geglattet und 
eine viel einheitlichere Aufnahme ermSglicht haben, trotz des sehr angegriffenen 
Zustands, in dem einige Bilder offenbar sich befinden. Auch die Farben- 
differenzen hatten mehr ausgeglichen werden konnen. Da solcbe Abbildungen 
die Vergleichungszwecke, zu denen sie bestimmt sind, nur dann vollstandig 
erfiillen konnen, wenn ihnen die grSsstmo'gliche Scharfe eignet, so werden 
an sie die hochsten Anforderungen gestellt werden mussen. 

Die Kanontafel, die an erster Stelle figurirt, hat nur 3 Kolonnen und 
ein Giebeldreieck als Bekronung. Solcbe Kolonnaden, bald aus 3, bald aus 4 
Reihen bestebend, bald dreieckig, bald rundbogig geschlossen, schmiicken die 
meisten Evangelienbiicher bis ins 12. Jahrhundert, aber nicbt die Perikopen- 
biicher, da nur jene den Zweck hatten, die Vergleichung der einzelnen Evange- 
lien resp. ihrer Berichte fiber denselben Gegenstand zu erleichtern. Sie fuhren 
den Namen Canones des Eusebius (von Caesarea), weil sie von diesem in die 
Evangelienbiicher zuerst aufgenommen wurden, oder auch evangelische Konkor- 
danz. Sie sind nicht selten mit grossein Reichthum und iippiger Farben- 
pracht ausgestattet. — Auf Tafel II ist in einem Vierpass stehend ein M5nch 
dargestellt, der durch die Ueber- und Unterschrift als Liuther bezeichnet wird. 
Dass er nur der Geschenkgeber, nicht auch der Urheber dieses Buches gewesen 
sei, wird vom Verfasser sehr wahrscheinlich gemacht, dass er identisch sei 
mit dem Monch, der 934 — 949 in der Reichenau den Kirchenfenstern seine 
Sorge zuwandte, erscheint nicht hinreichend begrtindet, um die Behauptung 
darauf zu stutzen, dass dieses Buch ein Geschenk fiir Otto I. gebildet habe, 
nicht fur Otto III., mit dem es die Aachener Tradition von jeher in Ver- 
bindung gebracht hat. — Die auf der III. Tafel in der Mandorla dargestellte 
Figur halt der Verfasser deswegen auch fiir Otto I., der hier von seinem 
Hofstaat umgeben erscheine, von 2 Herzogen, 2 BischcJfen, 2 Kriegern, wahrend 
die Erde zu seinen Fiissen liege, die rechte Hand Gottes ihn iiberschatte. 
Der Versuch des Verfassers, diesen Kodex fiir Otto I. in Anspruch zu nehmen, 
veranlasst ihn, auch nach dem Eigenthiimer des Bremer Evangeliars zu 
forschen, als welcher bis dahin Heinrich III. angenommen wurde. Der Ver- 
fasser pladirt vielmehr fiir Heinrich H., und die Griinde, die er dafiir angibt, 
sind nicht ungeeignet, die bisherige Annahme zu entkrliften. So gelangt er 
zu dem Schlusse, dass der Aachener Kodex von Otto I., der Egbert-Kodex aus 
.der Zeit Ottos H., der Gothaer von Otto HE., der Bremer von Heinrich H. 
stamme, diese 4 Codices also eine Serie bilden, welche die deutsche 
Malerei des 10. Jahrhunderts in ihrer Entwickelung aufs Herrlichste illu- 
strire. — Der auf Tafel IV abgebildete Evangelist Mathaus, der, wie die 
iibrigen Evangelisten, unter einem von 2 Saulen getragenen und von einem 
niedrigen Giebeldreieck bekr8nten Rundbogen auf einem Sedile sitzt, die 
Engelfigur mit dem leeren Spruchband zu seinen Haupten, macht den Ein- 
druck grosser Wurde. — Der Anfang seines Evangeliums auf Tafel V zeigt 
in ahnlicher Umrahmung ein sehr reich behandeltes L, das aus vielver- 
schlungenem Rankenwerk mit knollenartigen Ansatzen gebildet ist. An die 

20 



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306 Literatur. 

Schriftprobe, welcher eine eigene Tafel (VT) gewidmet wird, kniipft der Ver- 
fasser keine weitern Bemerkungen. Gerade sie wiirde besonders geeignet 
sein fiir Untersuchungen und Vergleichungen, die vielleicht Ort und Zeit 
des Ur8prungs noch bestimmter nachgewiesen hatten. — Die Versuchungen 
Christi auf Tafel VII sind auf drei Horizontalreihen vertheilt. An den 
Gestus, den der Teufel bei der zweiten Versuchung macht, knupft der Ver- 
fasser eine sehr wichtige und nothwendige Unterweisung. Solche und ahn- 
liche Handbewegungen und Fingerstellungen werden nainlich besonders von 
den Archaologen der alten Schule noch immer mit Vorliebe als lateinische 
oder grieehische Segensspendungen betrachtet, sogar zur Bestimmung der 
Heimath des betreffenden Kunstwerks verwerthet. Es kann aber keinem 
Zweifel unterliegen, dass sie im AUgemeinen und in der Regel nur als 
Zeichen der Rede aufzufassen sind, als welche sie den Kunstlern des Alter- 
thums besonders gelaufig waren. Dass Christus bei der dritten Versuchung 
als Sieger den Besiegten aucb durch korperliche Grosse erheblicb (iberragt, 
ist eine dem friihern Mittelalter hochst eigenthiimliche Auffassung. Der Sturm 
auf dem Meere (Tafel VI11) lasst die Wellen in besonders strenger Stilisirung 
erscheinen, das Schiff ausserst kurz, fast kubelartig, weil die architektonische 
Umrahmung eine starkere Langenentwickelung desselben nicht recht gestattete. 
Die Hundekopfe, aus denen die Winde blasen, kniipfen an antike Vor- 
stellungen resp. Personifikationen an. — Auch der Tod des Vorlaufers (auf 
Tafel IX) entwickelt sich in 3 horizontalen Reihen. Die Tanzerin der obern 
Reihe erinnert ebenso sehr an antike Vorbil der, als der Mauerring der mitt- 
lern und die beiden Verlegenheitsbaume der untem an den friihmittel- 
alterlichen Forinenkreis. Das spatere Mittelalter, welches die Geschichte des 
h. Johannes mit Vorliebe behandelte, verzichtete nicht leicht auf die Dar- 
stellung seiner Predigt. — Bei der Verklarung Christi (Tafel X) beschrankt 
sich der Strahlenkranz auf die 3 Zacken, die von oben, merkwurdiger Weise 
ohne Andeutung von Wolken, hineinragen. — Die S8hne des Zebedaus 
(Tafel XI) erscheinen viel kleiner als ihre Mutter, aber mit alterm Gesichts- 
typus und gewissermassen proleptisch mit nackten Fiissen. Gr8sse und 
Stellung lassen Christus hier in besonders erhabener Situation erscheinen. 
Er ragt bis zur Burg Zion hinauf, der Representation der Stadt Jerusalem. 
— Die ernste Figur des Evangelisten Markus (Tafel XII) ist von einem eigen- 
thiimlich stilisirten Lowen iiberragt, dessen Fliigel dem Raum vorziiglich sich 
eingliedern und von 2 Votivkronen flankirt, die, wie die altgothischen 
Kronen im Hotel Cluny beweisen, schon dem 7. Jahrhundert eigenthiimlich 
waren. — Die verschlungenen Initialen J und N auf Tafel XDI wahren trotz des 
tippigen Band- und Flechtwerks die Grundlinien dieser Buchstaben. — Das 
Bild des Besessenen von Gerasa (Tafel XIV) ist eine wSrtliche Uebertragung 
des biblischen Berichts, von dem selbst die Nebenumstande nicht unaus- 
gefiihrt bleiben. Die Scene ist anmuthig trotz der Hasslichkeit, ruhig trotz 
der Bewegtheit des Gegenstands. — In der Brodvermehrung (auf Tafel XV) 
sind die Gruppen in die Arkaden, die sich ihrer Hohe- und Breiteverhaltnisse 



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Literature SOl 

wegen fur die Dreitheilung besonders eignen, geschickt disponirt. Die obere 
Gruppe der dem Heiland die Hande kiissenden Apostel durchweht mehr eine 
byzantinische Reminiscenz, die 4 Gruppen der ihre Halse emporreckenden und 
ibre Hande emporstreckenden Hungrigen mehr eine naive Naturauffassung. 

— Das Bild des besessenen Sohnes (auf Tafel XVI) zeigt gewaltige Bewegung 
in dem krampfhaft verzerrten Ungliicklichen, in dem fliegenden Gewand- 
zipfel des Heilands und in den lebbaft gestikulirenden Zuschauern. Der 
Miniator wusste, was er sich zumuthen durffce. — Dieser Erregung gegeniiber 
imponirt um so mehr die Ruhe, die in der Reinigung des Tempels (auf 
Tafel XVII) den Heiland nut der Geissel in der hoch erhobenen Recbten und 
sogar die Kaufer und Verkaufer beherrscbt. Bei dem den grossten Theil des 
Blattes einnebmenden Tempel, durcb dessen beide Oeffhungen sie sicb drangen, 
ist auf jeden Versucb verzichtet worden, ein antikes Bauwerk nachzuahmen. 

— Die Figur des Evangelisten Lukas (Tafel XVH1), der, wie in dem KSlner 
Evangeliar Johannes, sein dem Nimbus koncentrisches Sprucbband mit hoch 
erhobenen Handen halt, ist sehr breit in der Anlage und durch starke Ab- 
nutzung entstellt. Die Initiale Q in dem Anfang des Lukasevangeliums 
(Tafel XIX) zeichnet ein grosser Linienreichthum aus bei durchaus klarer 
Disposition. — Die Verkiindigung (Tafel XX), die erst hier begegnet, weil 
erst Lukaj sie erzahlt, erscheint als das vornehmste Bild des ganzen 
Buches auch durch den Reichthum des Dekors, der namentlich auf der 
innern dreieckig und der aussern rundbogig geschlossenen Arkade sich 
entfaltet. Auffallend ist, dass die rechte Hand Gottes innerhalb des Giebel- 
dreiecks nach oben weist, durchaus der Zeit und ihrer idealen Auffassung 
entsprechend, dass Maria stehend den Engel empfangt. — Der Geburt Christi 
mit den Hirten auf Tafel XXI liegt wiederum die Dreitheilung der Scene zu 
Grunde, aber ohne dass, wie dieses gewohnlich (auch im Kolner Evangeliar) 
der Fall ist, ein Theil der Engel die Spitze behauptet. Diese wird vielmehr von dem 
in einer Art von Mulde liegenden, mit aussergewohnlich altem Gesichtsaus- 
druck versehenen Kinde eingenommen, zu dessen Haupten erstaunt der h. 
Joseph steht, zu desBen Fussen die Mutter als Wochnerin liegt. Die pilz- 
artig gestalteten Baume, welche den Thurm in der Mitte flankiren, haben 
auch hier nur einen dekorativen raumfullenden Zweck. — Die Darstellung 
Christi im Tempel (auf Tafel XXII) rundet sich zu einer sehr anschaulichen 
und anmuthigen Scene ab, deren festen Mittelpunkt der uber Eck gestellte 
quadratische Altar bildet, fiber dem die nackte Hand Christi und die bedeckte 
des Hohenpriesters sich begegnen. Die dreischiffige olfene Tempelhalle mit 
ihrer geschwungenen Dachbildung legt den Gedanken an einen Versuch 
nahe, den Tempel zu Jerusalem andeuten zu wollen. — Die folgende in den 
alten Evangelienbuchern selten vorkommende Scene: Jesus bei Maria und 
Martha (Tafel XXIII) ist in eine ahnliche Halle verlegt, deren malerisch grup- 
pirte burgartige Bekronung wohl Bethanien bedeuten soil. Die ausserge- 
wQhnlich schlanke Figur des in der Mitte thronenden Heilands macht mit 
der weit ausladenden Rechten nach Martha hin eine beruhigend mahnende 

SO* 



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SOS Literatuf. 

Bewegung. — Die schwer darzustellende Parabel vom armen Lazarus (Tafel 
XXIV) ist hier in meisterhafter Anordnung so knapp und doch so verstandlich 
vorgefuhrt durch zwei Kreise und ein sie verbindendes Oval, welche den Eindruck 
von drei Visionen machen. In die linke Ecke gekauert, liegt Lazarus, auf 
den aus der gegeniiberstehenden 2 langgestreckte Hunde losstiirmen. Im untern 
Medaillon erscheint der Prasser mit seinen 8 Gasten am Mahle, dariiber sitzt er 
mit ihnen im „abyssus" f wie das medusenartige Haupt in der Mitte diesen Ort 
bezeichnet. Das oberste Medaillon lasst Lazarus als Kind im Schoosse des Alt- 
vaters erblicken, den im Paradies 2 Baume und 2 Engel flankiren. Es diirfte 
kaum moglich sein, diese Parabel einfacher und zugleich beredter darzustellen. 
— Zachaus ist auf Tafel XXV in den das ganze Bild beherrschenden, ihm treff- 
lich angepassten Baum vorzuglich hineinkomponirt. Sein Haus hat einen burg- 
artigen Charakter. Dass dessen Thiir viel zu klein ist, um den Heiland ein- 
zulassen, kann nicht befremden. Der Zweck dieses Bildes, wie aller andern, ist 
ja ein rein belehrender. — Die Figur des Evangelisten Johannes (auf Tafel 
XXVI) ist fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt durch zahlreiche Risse und 
Briiche. Nur sein Symbol ist leidlich erhalten und recht natural] stisch auf- 
gefasst. — Die Initialen J N (auf Tafel XXVII) sind mit einem dichten Gehege 
vorzuglich gezeichneter und stilisirter Ranken ausgeftillt, ein Beweis der hSchsten 
Fertigkeit auf diesem rein ornamentalen Gebiet. Bei der Fusswaschwng ist der 
Abendmahlssaal durch eine das Bild fast ganz einnehmende zweischiffige Halle 
versinnbildet, vor der rechts Christus steht, links Petrus sitzt, hinter dem sich 
die iibrigen elf Apostel aufbauen. Nur Petrus theilt mit dem Heiland die 
KorpergrSsse und den Nimbus. — Die Tafel XXIX zerfallt in 2 Scenen: 
Christus vor dem Hohenpriester oben, die Verleugnung Petri unten. Die 
untere Scene ist von einer frappanten Lebhaftigkeit und Anschaulichkeit, 
indem auf der einen Seite die Knechte ihre spinnenartig ausgebreiteten Hande 
dem Feuer entgegenstrecken, an dem auf der andern Seite auch Petrus sich 
warmt, verlegen nach der aus einem Thor heraustretenden und ihn briisk 
inquirirenden Magd umschauend. — Auf Tafel XXX mit der Kreuzigung 
Christi wird dieser noch lebend dargestellt, mit nur wenig geneigtem Haupte 
und nach unten gekehrten Fingern. Eine gegiirtete Tunika umgibt seinen 
Leib bis zu den Ellenbogen und Fiissen, wahrend die Schacher, mit den Armen 
fiber ein Taukreuz gewunden, nur ein Perizonium tragen bei gerade aufge- 
richtetem Haupte. Zur Rechten des Erlosers stehen Maria und Johannes, die 
Hande weder faltend, noch am Kopfe haltend, sondern ausbreitend. Der 
Schwammtrager ist vorzuglich gezeichnet, in lebhafter Geberde. An dem Fel- 
senabhang wiirfeln 4 Kriegsknechte. — Auf Tafel XXXI, Oeffnung der Seite 
Christi, ist dieser mit vollstandig auf die Brust herabgesunkenem jugendlichen 
Kopfe und aufgetriebenem Bauche todt abgebildet. Auch der Schacher Haupt 
ist geneigt, aber nach links. Mit geschaftsmassiger Ruhe offnet ein Soldat 
dem Heiland die rechte Seite, wahrend zwei Kriegsknechte in gewaltsamer 
Geberde mit der Keule weit ausholen zum Zerschlagen der Schacher. — Die 
Tafel XXXII umfasst wiederum 2 Scenen: die Abnahme vom Kreuze oben, 



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Literatur. 309 

den Besuch der Jiinger beim Grabe unten. Ein Felsen mit einem grossen, das 
Grab versinnbildenden Stein trennt sie von einander. Joseph von Arimathaa 
fasst den heiligen Leib, ihn liebevoll umfangend, mit nakten, Nikodemus 
befangener mit bedeckten Handen. Unten schaut Petrus erstaunt in die leere 
Heinle, aus der nur ein Leinwandknauel hervorleuchtet, Johannes theilt seine 
Verwunderung, Magdalena, hinter dem Felsen hervorkommend, zeigt viel- 
mehr den Ausdruck der Trauer. — Auf der letzten Tafel XXXIII erscheint 
oben in reicher Gruppirung von mit einer Mauer umgebenen Gebauden die 
Stadt Jerusalem resp. die Burg Sion. Im Vordergrund stent der Heiland, 
dem Apostel Thomas durch Erhebung des rechten Armes unter Beihulfe 
der linken Hand seine Seitenwunde zur Untersuchung darbietend. Dieser 
scheint sie ernst zu nehmen, wabrend 4 andere Apostel, in erster Linie Petrus, 
zuschauen. 

Aus der eingehenden Beschreibung, die der Verfasser den einzelnen Tafeln 
widmet, haben hier nur wenige Bemerkungen herausgenommen werden konnen, 
die in Verbindung mit einigen Erganzungen eine wenigstens anniihernde Vor- 
stellung von den einzelnen Bildern vermitteln mQchten. Nicht nur die zahl- 
reichen und hochst lehrreichen Vergleichungen, die der Verfasser mit den 
Darstellungen derselben Gegenstande in andern gleichzeitigen Kunstdenkmalern 
anstellt, haben hierbei vollstandig ubergangen werden miissen, sondern auch 
unzahlige archaologische Notizen. die er in die Beschreibung einfliessen lasst, 
wie die vielfachen Streiflichter, die er auf verwandte Gebiete wirft. Hier 
betreffen sie die Architektur, dort die Landschaft, hier das Kostum, dort die 
symbolischen Beigaben, hier die Farbenzusammenstellungen, dort die dekora- 
tive Ausstattung, hier liturgische Verhaltnisse, dort exegetische Fragen, 
hier Rechtseigenthumlichkeiten, dort lokale Gepflogenheiten. Fast jede Tafel 
erfahrt eine sorgsame Beschreibung in Betreff ihrer koloristischen Anordnung 
und aus den Gesichtspunkten, die sich hierbei ergeben, sucht der Verfasser 
die betreffenden Grundsatze zu entwickeln. Mogen sie nicht immer hin- 
reichend begrundet erscheinen, das Verdienst der Anregung bleibt unver- 
kummert. Auch die wichtige Frage lasst er nicht unberiihrt: ob die Minia- 
turen seiner Handschrift auf eine Hand zuruckzufiihren, oder ob mehrere 
Hande daran nachweisbar seien. Er kommt in dieser Beziehung zu keinem 
abschliessenden Resultat, obwohl die Ausfuhrung der einzelnen Bilder in 
Bezug auf grossere oder geringere Feinheit eine sehr verschiedene ist, was 
schon ein Blick auf die photographischen Abbildungen erkennen lasst. Die 
bildnerische Ausstattung eines Evangeliars, namentlich eines solchen, das 
ein auserlesenes Geschenk fur einen hohen Herrn und Gonner von Seiten eines 
machtigen Klosters sein sollte, war eine hochwichtige Aufgabe, an welcher 
der strebsame Kiinstler sich weiter zu bilden die beste Veranlassung und 
Gelegenheit hatte. Wenn sie in ihren einzelnen Theilen einen Fortschritt 
nachweiat, so liegt dieses in der Natur der Sache begrundet. Die Verschieden- 
heiten in der Behandlung mussen daher schon sehr wesentliche sein, um eine 
Mehrzahl von Mi tar bei tern mit Sicherheit annehmen zu lassen. 



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310 Aus Zeit9chriften. 

In der Schlussbetrachtung fa9st der Verfasser die verschiedenen von ihm 
besprochenen Kunstwerke, namentlich die 5 Codices, noch einmal zusammen, 
um sie in Bezug anf die Gemeinsamkeit ihres Ursprungs, d. h. der Quellen zu 
priifen, aus denen sie geschSpft haben mflgen. Fiir den Aachener nimmt er, 
wie das hShere Alter, so die grossere Selbstandigkeit in Anspruch, ohne 
einen gewissen, aber mehr beschrankten Zusammenhang mit denen von Trier, 
Gotha und Bremen zu leugnen, die unter einander sehr verwandt seien, wahrend 
das Buch wie die Erzgiisse in Hildesheim von ihnen fast ganz unabhangig 
erscheinen. Gerade aus der Verscbiedenheit dieser Kunstwerke aber ergibt 
sicb der Beweis fiir den frischen kiinstleriscben Geist, der die Klosterscbulen 
schon vom Beginn des 10. Jahrh. an beherrscbte und schiitzen konnte und 
musste gegen den Einfluss der byzantinischen Kunst, trotz der Forderung, die 
diese von ibrer beimathlicben Prinzessin erfabren haben mag. Die Momente, 
die der Verfasser dafiir im Einzelnen vorfiihrt, zum Theil unter Berufung aut 
Kraus, Lamprecht und Springer, werden sicb ibm nocb erbeblich vermehren, 
wenn er seinen Versuch ausfiihrt, nocb 2 andere Evangeliare zu priifen und 
zu veroffentlichen. Bei der Griindlichkeit, mit der er dieses Gebiet beberrscbt, 
bei dem Fleisse, den jede seiner Arbeiten kennzeicbnet, sind von seinen weitern 
Studien die wicbtigsten Ergebnisse fiir die Kunstgeschicbte, namentlich fiir 
die der Ausgestaltung noch so bedurftige Symbolik zu erwarten. 

Koln. A. Schniitgen. 



Aus Zeitschriften. 

1. Sitzungsberichte der philos.-philolog. und hist. Klasse der Akademie 
zu Munchen, 1885, S. 377: Ohlenschlager, Erklarung des Ortsnamens 
Biburg, findet den Schliissel zur Deutung einer umfangreichen Namensgruppe 
namentlich in den unserm Gebiet angehSrigen Ortsbezeichnungen Bedbur 
(Bedburdyk, Kreis Grevenbroich) und Bedburg (Kreis Bergheim), indem er 
die erste Silbe an das ahd. betti oder pitta anschliesst (vgl. auch Bitburg, 
Reg.-Bez. Trier), welches, dem nhd. Bett entsprechend, Schlafstelle, Acker- 
beet, Heerlager, Lagerstelle bedeutet, also eine Lagerburg, ein befestigtes 
Lager bezeichnet — eine Deutung, die dem Sachbefund in keinem bekannten 
Falle widersprechen, in den meisten Fallen durch denselben bestatigt wer- 
den soil. 

2. Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu 
Wien, philosophisch-historische Klasse, Bd. CVIII, S. 773: Horawitz, Eras- 
miana IV (aus der Rehdigerana zu Breslau 1530 — 1536), beriihrt auch die 
Beziehungen des Aachener Domscholasters und spatern Jiilichschen Raths 
Johannes von Vlatten zu Erasmus, welche in eifriger Korrespondenz ihren 
Ausdruck fanden. 

3. Annalen des historischen Vereins fiir den Niederrhein, Heft XLIV, 
S. 139: J. J. Merlo, Johann Haselberg und sein Lobgedicht auf die Stadt 



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Aus Zeitschriften. 311 

Koln. In deni hier wieder abgedruckten, 1631 erschienenen Gedicht heisst 
es V. 23 ff.: 

Vil Pilgram sach ich bethferth gan 

Tag vnd nacht on vnderlon; 

Aller welt was es gar offenbar, 

Erst gedach ich an das guldin iar, 

da man das heyltam weist tzu ach. 
In der That fallt in das Jahr 1531 die Aachener Heiligthumsfahrt. — Heft 
XLV, S. 28: Johann von Brandenborch, Propst von St. Andreas zu Koln und 
Kanonikus zu Aachen, wo er auch starb, schenkt 1365 mit den Knappen (armi- 
geri) Karsilius van Palant und Werner von Breidenbent den von ihnen ange- 
kauften Hof zu Orsbach (Orsberch) bei Aachen nebst 150 Morgen Ackerland 
dem Karthauserkloster. in Koln. — S. 37 : Der Kolner Karthausermo'nch Ludwig 
Munthem aus Aachen macht 1484 dem gedachten Kloster verschiedene Schen- 
kungen, ebenso sein Bruder Jakob. — S. 41 : Der Propst von St. Adalbert in 
Aachen und Priester der Kolner Domkirche, Dr. Theodorich Meinertzhagen, 
schenkt 1529 ein Bild in die Karthauserkirche zu Koln. — S. 44 : Der Kolner 
Weihbischof und Bischof von Cyrene, Theobald Craschel (Crasselius) aus 
Aachen, weiht am 31. Juli 1587 eine Glocke in derselben Kirche. Nach Floss 
(Reihenfolge der Kolner Bischo'fe S. 18) starb er am namlichen Tage. — 
S. 159: Pick, Zur Geschichte des Landfriedensbunds zwischen Maas und Rhein 
1375; behandelt eine von der Stadt Bonn ausgestellte Urkunde im Aachener 
Stadtarchiv. — S. 161: Pick, Die Lehntrager der Julichschen Mannkammer 
zu Heinsberg 1541. — S. 171: Pick, Die Anwesenheit des Kurfursten Maxi- 
milian III. Joseph von Bayern in Aachen 1752. 

4. Bulletin de l'institut arche'ologique Lie*geois, t. 18, p. 77 — 124: 
F. Angenot, Quelques documents sur la poterie de Raeren. 

5. Hettner und Lamprecht, Korrespondenzblatt der Westdeutschen 
Zeitschrift fur Geschichte und Kunst, Jahrg. V (1886), Nr. 4, Sp. 87—93: Aus 
dem Bericht iiber die Verwaltung des Aachener Stadtarchivs im Jahre 
1884—85, vom Archivar R. Pick. — Nr. 7, Sp. 170: Matronenstein (matronae 
Iulineihiae, auf Jiilich hinweisend) und eine Menge von Scherben romischer 
Dachziegel beim Abbruch des Thurmes der alten Kirche zu Mtintz (Kreis 
Jiilich) jm Mauerwerk gefunden. 

6. J 6' r g und Binder, Historisch-politische Blatter fiir das kath. Deutsch- 
land, Bd. 96, S. 749: van der Hart, Die Reformation des Erkelenzer Flachs- 
gefildes. 

7. Correspondenzblatt der Verhandlungen des naturhistorischen Vereins 
der preuss. Rheinlande, Jahrg. 1886, Nr. 2, S. 33: Arnold Forster (geb. zu 
Aachen am 20. Januar 1810, gest. daselbst am 12. August 1884). Nachruf 
0. Wackerzapps, abgedruckt au9 der Stett. Ent. Zeitung 1885, S. 209. 

8. L. Geiger, Vierteljahrsschrift fiir Kultur und Litteratur der Re- 
naissance, Jahrg. I, S. 398: A. von Reumont, Baldassar Castiglione. (Vgl. 
diese Zeitschrift Bd. VII, S. 284.) 



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312 Aus Zeitschriften. 

9. Forschungen zur deutschen Geschichte, Bd. XXVI, S. 103 — 121 : 
Hansen, Die Reinoldssage und ihre Beziehung zu Dortmund, behandelt die 
zahlreichen auf Karl d. Gr. bezuglichen Sagen, welche sich an diese Stadt 
knupfen. 

10. Geschichtsblatter fur die mittelrheinischen Bisthiimer, Jahrg. II (1885), 
Nr. 8, S. 259: Das Festum s. Karoli Magni im St. Mauritiusstifte zu Mainz. 

11. Korrespondenzblatt des Vereins fur niederdeutsche Spracbforschung, 
Heft X, Jahrg. 1885, S. 11, Nr. 12: Peters, Fledige Busche (gibt die richtige 
Erklarung von „fledig" und des Sprichworts „tuschen en ruscbe macht fledige 
busche" gegeniiber einer vollig verfehlten, welche dieselbe Zeitschrift, Heft 
IX, Jahrg. 1885, S. 39, Nr. 5 gebracht hatte). 

12. Mittheilungen des K. K. Oesterr. Museums fur Kunst und Industrie, 
N. F., Jahrg. I (1886), Nr. 4, S. 86: Beissel S. J., Die Bilder der Handschrift 
des Kaisers Otto im Miinster zu Aachen in XXXIII unveranderlichen Licht- 
drucktafeln, angezeigt von Fr(immel). (Vgl. oben S. 299.) 

13. HOhlbaum, Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln, Heft IX: 
Keussen, Das Urkundenarchiv der Stadt Koln bis 1396, Regesten 1376—1396, 
verzeichnet insbesondere zahlreiche Urkunden iiber Leibrenten, welche Aachener 
in Koln erwarben. — Keussen und Korth, Urkunden der Gymnasial- 
bibliothek von 922 — 1375, zahlen u. A. die Urkunden auf, welche aus der 
gedachten Bibliothek in Bd. I und III dieser Zeitschrift von Loersch und 
Cardauns veroffentlicht worden sind. 

14. Beitrage zur Geschichte von Eschweiler und Umgegend, Bd. II (1886), 
Nr. 22 und 23 (S. 169—176): Pauls, Kleinere Mittheilungen XL Was be- 
deutete der in Aachen und Burtscheid fruher gebrauchliche Kerzenbrand und 
Palmschlag beim Verkaufe unbeweglicher Giiter? — Die Pfarrer von Scheven- 
hiitte (Schluss). — von Oidtman, Die Herren von Engelsdorf. — Einige 
Pfarrer von Gressenich II; enthalt auch die Inschriften zweier von Gregorius 
(1494) und Johann von Trier (1518) gegossener Glocken. — Koch, Ueber 
das Weinhaus zu Eschweiler. 

15. Die Wartburg (Organ des Miinchener Alterthumsvereins), Jahrg. XII 
(1885), S. 83—89, 111—117 und 161—172; Jahrg. XIII (1886), S. 25—38: 
aus'm Weerth, Die Elfenbeinreliefs an der Kanzel im Miinster zu Aachen. 
Die sechs Tafeln entstammen nicht einer Zeit, sie bilden drei dem 6. bis 8. 
Jahrh. angehorige Gruppen. Beilaufig wird (Jahrg. 1886, S. 32, Anm. 2) ein 
Beispiel ahnlicher Bestattung in voller Kleiderpracht und in sitzender Stellung, 
wie man sie von Karl d. Gr. erzahlt, aus Ravenna nachgewiesen. 

16. Hildebrandt, Vierteljahrsschrift fiir Heraldik, Sphragistik und 
Genealogie, Jahrg. XIV, Heft 3, S. 349—362: v. Br., Das Stammbuch des 
Johannes Franck. 1572 — 1578. Joh. Franck oder Franco Julianus stammte 
wahrscheinlich aus Julich ; das Stammbuch enthalt u. A. die Bildnisse mehrerer 
Jiilichschen Adligen (von Harff, von Hasselt, von Hatzfeld etc.) nebst darauf 
bezuglichen genealogischen Nachrichten. — S. 363 — 387: Macco, Genealo- 



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Aus Zeitschriften. 313 

gische Miscellen (Grabsteine aus Bocholt bei Aachen, Wappen fiber der Thfir 
des Gutes Hausen in der Soers imd Sonstiges). 

17. (Westfalische) Zeitschrift fur vaterlandische Geschichte und Alter- 
thumskunde, Bd. XLIV, Abth. 1, S. 150: Philippi, Die Cappenberger Portrat- 
bfiste Kaiser Friedrichs L, vermuthet die Entstehung des urn 1150 angefer- 
tigten Metallwerks am Niederrhein, wo damals in Koln tfichtige Metallarbeiter 
waren, in Aachen Friedrich I. sich Siegelstempel stechen liess (Jaffe, Mon. 
Corb. p. 506). 

18. Theologische Arbeiten aus dem rheinischen wissenschaftlichen Prediger- 
verein, Bd. VI (1885), S. 149: Kfister, Die Kirchenordnung der lutherischen 
Gemeinde zu Aachen von 1578 (blosser Abdruck des Textes ohne jede Angabe 
fiber die Vorlage). 

19. Bericht fiber die Verwaltung und den Stand der Gemeinde- Ange- 
legenheiten der Stadt Aachen fur die Zeifc vom 15. Marz 1882 bis 1. Oktober 
1885, gibt S. 23 — 28, das erste Mai in diesen Berichten, eingehendere Mit- 
theilungen fiber das stadtische Archiv, insbesondere eine Uebersicht fiber 
die demselben im Sommer 1885 einverleibten werthvollen Archivalien des 
Granusthurms. 

20. Kreisblatt ffir den Kreis Malmedy, Jahrg. 1883—1885, in zahlreichen 
Artikeln: E s s e r , Die Lebensweise der Eifelbewohner. I. Wohnung; II. Nahrung; 
HI. Kleidung. 

21. Mfinstereifeler Zeitung, Jahrg. 1886, Nr. 27—33: P(ohl), Der 
Maler Johann Chrysanth Bollenrath, Wiederabdruck der von Pick in der 
Aachener Volkszeitung (vgl. diese Zeitschrift VII, S. 319) veroffentlichten 
Abhandlung fiber Bollenrath nebst zahlreichen Erganzungen. (Bollenrath 
wurde am 26. Juni 1696 zu Mfinstereifel getauft.) 

22. Aachener Volkszeitung, Jahrg. 1885, Nr. 327 : Aachener Urkunden 
im Germ. National-Museum zu Nfirnberg. — Nr. 336 : Das Schimpfwort 
„Rabau" in Aachen. — Nr. 340 : Der Besenstreit in Aachen 1694. — Nr. 341 : 
Der Reisende Philipp Wilhelm Gercken fiber Aachen urn 1785. — Nr. 349: 
Zur Geschichte der Taufkapelle in Aachen. — Nr. 354 ; Die vormalige Klause 
und Kapelle am Linzenshauschen (Nachtrag, vgl. diese Zeitschrift VII, S. 
319). — Jahrg. 1886, Nr. 76 : Zur Geschichte der Erdbeben-Bruderschaft in 
Aachen. — Nr. 86 : Die Anwesenheit des Augsburger Bischofs Landgrafen 
Joseph von Hessen-Darmstadt in Aachen 1754. — Nr. 97 : Zur Erklarung des 
Fackelsonntags, ist der Rest eines uralten Donarkults. — Nr. 110: Wann erhielt 
Aachen seine erste Befestigung? Der Nachweis wird erbracht, dass Aachen 
schon in der ersten Halfte des 12. Jahrhunderts mit Wall und Graben urn- 
geben war. Die sammtlichen bisherigen Artikel sind von R. Pick verfasst. — 
Nr. 125, 127 und 128: Rhoen, Aachen zur Zeit der Romer, meist Wieder- 
holung bekannter Dinge. — Nr. 158 : CFeber die Absperrung der Strassen in 
Aachen durch Ketten. — Nr. 160: Zwei Messingschilde der Aachener Leine- 
weberzunft von 1742, gibt Nachrichten fiber Franz Klocker, der 1668 hier 
zuerst in Messing getriebene Arbeiten verfertigte. — Nr. 169 : Der Lange 



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314 A us Zeitschrifken. 

Thurm in Aachen, die letztern drei Artikel von R. Pick verfasst. — Nr. 
171, 176 und 180: Rhoen, Die Belagerung der Stadt Aachen durch Wilhelm 
von Holland; die Annahme dee Verf., dass Aachen 1248 an seiner Siidseite 
noch unbefestigt gewesen sei, ist erweislich unrichtig. — Nr. 193: Pick, 
Hat Karl d. Gr. Sachsen von der Elbe nach Aachen verpflanzt? Die zuerst 
von P. von Beeck aufgestellte Behauptung wird als vollig grundlos nach- 
gewiesen. — Nr. 205: Scheins, Die Inschrift am „Grashause" zu Aachen. — 
Nr. 214: Aachener Sprichworter, aus A. Reumont, Aachens Liederkranz und 
Sagenwelt wiederholt. — Nr. 293: Das Krebsbad in Burtscheid. Das uralte 
Gebaude soil durch einen Neubau ersetzt werden. Unwahrscheinlich ist, dass 
Friedrich d. Gr. 1742 hier gebadet hat. 

23. Der Friedensbote (Beilage zur Aachener Volkszeitung), Jahrg. I, 
(1886), Nr. 41 — 44: K e s s e 1 , Geschichte des Cisterzienserklosters Marienwald 
bei Heimbach. 

24. Echo der Gegenwart, Jahrg. 1886, Nr. 1, Bl. II und Nr. 2, Bl. HI: 
Gross, Geschichtliche Nachrichten iiber die Aachen-Burtscheider Tuchfabri- 
kation. — Nr. 45, Bl. II: Wo lag das Mdschenbendchen? — Nr. 101, Bl. I, 
104, Bl. H, 107, Bl. HI, 108, Bl. I und 122, Bl. I: Die Ausgrabungen auf 
dem Chorusplatz (an der Nordseite des Miinsters). — Nr. 163, Bl. I: Die 
Entstehung von Arnoldsweiler, Wiederabdruck des Boneschen Gedichtes. — 
Nr. 181 und 182, Bl. I: L em eke, Ein Badearzt des vorigen Jahrhunderts 
iiber Aachen und seine Bader (aus den um 1775 erschienenen Briefen des 
herzoglich Sachsen-Gothaischen Geh. Hofraths und Leibmedikus Dr. Joh. Frie- 
drich Karl Grimm). — Nr. 196, Bl. I: Das Grabmal des Bischofs Berdolet. 
— Nr. 193—197, Bl. H: Gross, Das Zunffcwesen im Mittelalter, berucksichtigt 
speziell die Aachener Ziinfte. — Nr. 198, Bl. HI: Die Grabschrift des Prafekten 
dos Roerdepartements, Nikolaus Sebastian Simon. — Nr. 200, Bl. H : Bericht 
iiber eine Exkursion des Aachener Gewerbevereins, enthalt. die Notiz, dass zu 
Forst eine kurze Strecke hinter der Kirche bei den Erdarbeiten zu dem neuen 
Schacht der stadtischen Wasserleitung „viele Hufeisen von leichten Pferden" 
zum Vorschein gekommen seien, die vermuthungsweise, indess irrig, mit einer 
Schlacht in dieser Gegend in Verbindung gebracht werden. 

25. Aachener Sonntagsblumen (Beilage zum Echo der Gegenwart), Jahrg. 
I— V (1882—1886), in zahlreichen Artikeln: Joh. Chorus (J.Becker), Bilder 
aus der Aachener Geschichte, behandeln in popularer Form, doch durchgangig 
auf quellenmassiger Grundlage, die Geschichte der alten Kaiserstadt seit der 
altesten Zeit bis zum. Tode des letzten deutschen Konigs aus dem Hause der 
Karolinger. 

26. Aachener Anzeiger, Politisches Tageblatt, Jahrg. 1886, Nr. 109, 
Morgen^Ausgabe : Wiederabdruck der Aachener Zeitung („Des Koniglichen 
Stuhls Kais. freyen Reichs-Stadt Aachen Zeitung") vom 6. Marz 1793, gibt 
u. A. einen ausfuhrlichen Bericht iiber den Strassenkampf, der am 2. Marz 
dieses Jahrea in Aachen zwischen den Franzosen und den Oesterreichern 
stattfand. 



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Notiz. 315 

27. Elberfelder Zeitung 1886, Nr. 307, Ausg. I: Alterthumsfunde im 
Grashaus zu Aachen (Pfahlbau, romische Thonscherben, Fragment einer Relief- 
darstellung: der untere Kflrpertheil eines Kriegers, der den Fuss auf seinen 
hingestreckten Gegner setzt, und Anderes). Weitere Nachforschungeu beziig- 
licb des Pfahlbaus sind seitens der Stadt beabsichtigt. Loersch. Pick. 

Notiz. 

Der Unterzeichnete ist seitens der stadtischen Yerwaltung beauftragt wor- 
den, die im Besitze der Stadt Aachen befindlichen mehrern hundert Exemplare 
der 1688 von dem Arzt und Brunneninspektor Franz Blondel herausgegebenen 
Schrift iiber die Aachener und Burtscheider Thermen (der Titel lautet wortlich: 
Thermarum Aquisgranensium, et Porcetanarum elucidatio, & thaumaturgia. Sive 
admirabilis earumdem natura, & admirabiliores sanationes; quas producunt in 
usibus balneationis, potationis. Opera Francisci Blondel, senioris, medici polyatri, 
et primi hujus thermo-potationis promotoris, ac super-intendentis. Editio tertia, 
sincerissima, prioribus auctior, et emendatior. Sumptibus authoris. Aquisgrani, 
typis Joannis Henrici Clemens, urbis typographi jurati. 1688) zum Preise von 
1 Mark das Stuck zu veraussern und bei Abnahme von 10 Stuck ein Freiexemplar 
zu gewahren. Die fur den Historiker und Arzt gleich interessante Schrift zahlt 
192 Quartseiten und enthalt neben zahlreichen kleinern in den Text eingefiigten 
Abbildungen (Entdeckung der Aachener Bader durch Karl d. Gr., die Aachener 
und Burtscheider Badehauser, der Korneliusbrunnen u. s. w.) auf besondern Tafeln 
hiibsche in Kupfer gestochene Ansichten der Stadte Aachen und Burtscheid, 
das Aachener Stadtwappen und die Wappen der damaligen regierenden und ab- 
gestandenen Burgermeister Werner von Broich, Peter Ludwig Bodden, Johann 
"Wilhelm von Olmissen genannt Mulstroe und Johann Chorus, sowie das Portrat 
Blondels. Blondel war ein geborener Liitticher, studirte an der Universitat in 
Koln und ward dann Leibarzt des Trierischen Kurfiirsten Philipp Christoph von 
Sotern. Nach dem Tode des letztern (7. Februar 1652) siedelte er nach Aachen 
iiber, wo er das bald nachher eingefuhrte offentliche Trinken des Thermal- 
wassers anregte und aufs Eifrigste forderte, und hochgeachtet anfangs Mai 1703 
im Alter von 90 Jahren starb. Seine letzte Ruhestatte erhielt er in der damali- 
gen Dominikanerkirche, der jetzigen Pfarrkirche von St. Paul hierselbst. Blondels 
Schrift findet sich nur selten in antiquarischen Katalogen und ist da, wo sie 
vorkommt, meist mit hohen Preisen verzeichnet. 

Aachen. R. Pick. 



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Fragen. 



1. In der St. Mathiaskapelle am Aachener Miinster, die in den ersten 
Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts erbaut wurde und jetzt als Sakiistei fur die 
Stiftsherren dient, befindet sich in der sudlichen Mauer ein 24 cm hohes, 21 cm 
breites und 18 cm tiefes Wandschrankchen mit verschliessbarer Eisenthiir, auf 
deren durch ein Stabchen quergetheilten Aussenseite drei vergoldete Eidechsen, 
zwei im obern und eine im untern Eelde, dargestellt sind. Wahrscheinlich wurde 
das Schrankchen vormals zur Aufbewahrung der h. Oele (Krankenol, Chrisam 
und Katechumenenol) benutzt. Findet sich die Darstellung von drei Eidechsen 
auch an Oelschrankchen sonstiger Kirchen, und welche symbolische Bedeutung 
liegt ihr zu Grunde? P. 

2. In der Gegend von Montjoie werden im Munde des Volkes als die 
altesten Kirchen des Julicher Landes „Conzen im Bruch, Walber im Ginster 
und Tiel im Acker u bezeichnet. Conzen ist ein uraltes Dorf in der Biirger- 
meisterci Imgenbroich, dessen Kirche Papst Leo III. auf der Eeise zu Karl 
d. Gr. nach Aachen eingeweiht haben soil, Walber der in der Burgermeisterei 
Dreiborn liegonde Walberhof, an dessen Stelle nach der Sage einst ein Kloster 
stand. Was ist „Tiel im Acker u ? V. 

3. Nach einer Mittheilung des verstorbenen Gymnasiallehrers Dr. J. Muller 
(Wochenblatt f. Aachen und Umgegend 1837, Nr. 54, S. 215 f.) liess der Jesuit 
von Gripello, wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts, eine Komodie unter 
dem Titel: „Die Kinderzucht in Aachen" im Druck erscjieinen. Zweck des 
Schriftchens war, die Unarten der reichsstadtischen Jugend zu schildern und die 
Unvernunft mancher Eltern zu geisseln. Jedenfalls durfte dasselbe interessante 
Aufschliisse iiber die fruhern Aachener Zustande enthalten. Muller bemuhte sich 
vergebens, ein Exemplar dieses Schriftchens aufzutreiben. Wo ist ein solches 
vorhanden, oder wo findet sich Naheres dariiber verzeichnet? P. 

4. Aus einem demEnde des 11. Jahrhundorts angehorigen Weisthum iiber 
Wald- und Jagdgerechtsame der Kolnischen Kirche (Lacomblet, Archiv II, 
S. 319) geht hervor, dass der Erzbischof von Koln damals vier Wohnsitze : zu 
Koln, Bonn, Neuss und Aachen hatte und abwechselnd nach der Sitte der Zeit 
auf denselben verweilte. Hat sich iiber den bischoflichen Sitz in Aachen sonst 
noch ein Zeugniss erhalten, und lasst sich aus dem Bestehen desselben in so 
fruher Zeit schliessen, dass Aachen einst zur Kolner Diozese gehort habe ? 

P. 



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Pragen. 31? 

5. tfnter den Kirchen Aachens, welchen die Eheleute Jonatas und Hilde- 
gunde im Jahre 1215 Schenkungen zuwandten, wird auch eine Kapelle des 
h. Mauritius erwahnt (Q u i x , Die Konigliche Kapelle und das ehemalige adelige 
Nonnenkloster auf dem Salvators-Berge S. 89). "Wo lag sie ? ' 0. 

6. In der Ausgabe-Eechnung der Stadt Aachen vom Jahre 1385/86 finden 
sich unter den Geschenken des 11. Monats mehrere Quart Wein verzeichnet, 
welche die Stadt „up schutteldach 11 den Schoffen, den Werkmeistern und auf 
der Leufe spendete (Laurent, Aachener Stadtrechnungen S. 332, 17, 19, 25). 
Welcher Tag ist mit dem Schutteltag gemeint? P. 

7. In einer Aachener Urkunde vom Jahre 1280 (vgl. diese Zeitschrift I, 
S. 149) ist von einem Zins die Eede, der von Land oberhalb der Karlsquelle 
(de terra super fontem Karoli sita) gezahlt wurde. Weiss Jemand Naheres uber 
die Lage dieser Quelle? N. 

8. Nach einer ungedruckten Wachtordnung fur das Aachener Reich vom 
Jahre 1666 durfte „von keinen capitain, es seye bey nacht oder bey tag, soviel 
als an ihnen ist, gelitten werden, das einige unserer burger oder unterthan wie 
auch den reisenden handel-, wander- und bawrsman in unserm gebiet von einige 
partheyen, strafienschenders oder nachtigals vogels, molestirt oder das ihrige von 
selbige abgenomen werde, sondern sollen sie moglichst verthatigen und hingegen 
alsolche straOenschenders und nachtigals vogels auBerst verfolgen u . Was bedeutet 
der Ausdruck „Nachtigallsvogel u ? S. 

9. Kann Jemand den Aachener Strassennamen Kalengasse (in den Stadt- 
rechnungen 1346 vicus des Kalen, 1349 des Kalen gasse) erklaren? Sollte er 
nicht vielleicht mit den „Collatern u (vgl. Picks Monatsschrift I, S. 281 f.) zu- 
sammenhangen ? Die Lage der jetzt zum Gasthaus^gezogenen Strasse wiirde dieser 
Vermuthung nicht entgegenstehen, da sie nach Quix vom Radermarkt in die 
Heppionsgasse oder auf den Wall der innern Stadt fuhrte. P. 

10. Lasst sich die Angabe, dass die Burg zu Kreuzau (Kreis Diiren) dem 
h. Heribert gehort habe und seine Mutter Tiedwied in der dortigen Kirche hinter 
dem Muttergottesaltar begraben liege, geschichtlich begriinden? P. 

11. Wo finden sich Nachrichten iiber die Kiinstlerfamilie Statius? Ein 
Liitticher Bildhauer dieses Namens verfertigte um 1418 einen Miigelaltar mit 
grossem in Holz geschnitzten Mittelfeld und zwei Seitenfeldern fiir die Pfarrkirche zu 
Erkelenz (vgl. diese Zeitschrift VII, S. 52) ; ein Thonbildner Statius von Diiren 
stand in den funfziger Jahren des 16. Jahrhunderts in Diensten des Herzogs 
Johann Albrecht von Mecklenburg (Mithoff, MittelalterHche Kiinstler und 
Werkmeister Niedersachsens und Westfalens, 2. Ausg. S. 83). Ist ein Zusammen- 
hang beider Familien nachzuweisen ? M. 

12. In Aachen „verordneten u am 14. November 1667 „die herren beambten, 
umb dem historiographo herm Everhardo WaBenbergh, welcher sich erbotten, 
bey diesem winter mit der fodder ersprieBliche diensten einem ehrbaren rath 
zu leisten, ex discretione eine verehrung zu thun, daB der herr syndicus Perg 
sich etwan in secreto bey demselben erkundigen solle, wamit er ungefehr ver- 
holfen werden moge". Wassenberg war aus Emmerich geburtig und ein ange- 



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§18 tfrageri. 

sehener Geschichtschreiber. Wann und wo er gestorben, ist unbekannt, die 
letzte Kunde von ihm gibt ein Brief, den er am 28. Januar 1668 in Betreff seiner 
Emmericher Geschichte von Aachen nach seiner Vaterstadt schrieb (vgl. 
Dederich, Annalen der Stadt Emmerich S. 492 ff.). Sollte iiber Wassen- 
bergs Thatigkeit in Aachen nichts Genaueres zu ermitteln sein? P. 

13. Beruht die Angabe von Quix (Hist. Beschreibung der Munsteririrche 
S. 24 ; Hist-topogr. Beschreibung der Stadt Aachen S. 9), dass der Fischmarkt in 
alter Zeit als Eisenmarkt gedient und auch so geheissen habe, auf Richtigkeit ? 

Jff. 

14. Nach einer Notiz in den 1736 erschienenen „Amusemens des eaux 
d'Aix-la-Chapelle" (II, p. 236) bewahrte das Medaillen-Kabinet des Kurfiirsten 
von der Pfalz einen Kupferstab, der laut der darauf befindlichen Inschrift die 
Grosse Karls d. Gr. anzeigto und auifalliger Weise den neuesten Forschungen 
ziemUch entsprechend auf 1,96 m normirte. Ueber das Alter des Stabs sagt die 
Notiz nichts. Ist derselbe noch erhalten, und wo ? K. 

15. Um der Vollstreckung eines Todesurtheils beizuwohnen, begab sich 
der Rath, wie ein Aachener Rathsprotokoll vom 9. Juh 1667 bemerkt, aus dem 
Rathhaus „in ordine den sticgen hinundcr bis durch die Laetsch zur galereyen 
im GraOhaus hinauf, alwo der armen siinderinnen per secretarium die urtheil 
des tods vorgelesen und durch den scharfrichter volnzogen wurde". Die „Laetsch u 
scheint hieniach die Verbindung zwischen Rath- und Grashaus hergestellt zu 
haben. Wo lag sie, und woher der Name? P. 

16. Auf Fiirsprache seiner Gemahlin Agnes schenkte Kaiser Heinrich HI. 
fur die Scclenruhe des Grafen Sifrid und seiner mit ihm im Dienste des Reichs 
umgekommenen Genossen (pro anima Sigefridi comitis sociorumque eius pro fide- 
litate regni in Saxonie [partibus] interfectoi*um) der Abtei Burtscheid den Zoll 
zu Aachen. Spiitcr bezog die Abtei aus diesem Zolle nur noch zwei Pfund, 
welche Kb'nig Konrad III. am 8. April 1138 auf drei Pfund erhohte (Lacomblet 
a. a. 0. I, Nr. 326). Ist sonst etwas ubor den Aachener Zoll bekannt? P. 

17. Was ist unter dem Werk vor Konigsthor (upt werke vur Kunnixporz) 
zu verstehen, das in der Aachener Stadtrechnung von 1385/86 (Laurent a. a. 
0. S. 344,i8) erwahnt wird? R. 

18. In Aachen hiess die ehemalige, auf einer Anhohe westlich von der 
Stadt gelegene Richtstatte fiir die vom Schoffenstuhl Verurtheilten „Muffert u 
(1639 Moffert). Jetzt bezeichnct man so einen dort befindUchen Hof. Nahebei 
liegt das Galgenfeld. Wie ist der Name „Muffert" zu erkliiren ? Ein Zusammen- 
hang desselben mit Montfort (befestigte Anhohe), me Quix (Hist.-topogr. Be- 
schreibung der Stadt Aachen S. 138) meint, ist durchaus unwahrscheinlich. Ein 
Waldnamo Moffet oder Muffct wird urkundlich 996 und 1129 (Lacomblet, Ur- 
kundenbuch I, Nr. 127 und 306) im Hollandischen, wo sich bei Wageningen 
noch ein Moffbosch findet, erwahnt. P. 



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Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1885|86. 

In Ausfuhrung eines von der Generalversammlung am 1. Oktober 1885 gefass- 
ten Beschlusses (vgl. den Bericht in Bd. VII, S. 321) hat der Verein drei zwangs- 
lose Veroinigungen seiner Mitglieder zur Besprechung lokalgeschichtlicher Fragen 
nnd zum personlichen Austausch von Mittheilungen veranstaltet, urn deren Zu- 
standekommen sich die Herren Stadtverordneter P. Kuetgens und Stadtarchivar 
Pick besonders verdient gemacht haben. Die Leitung der bisweilen recht leb- 
haften Verhandlungen ubemahm jedesmal ein von den Anwesenden dazu ersuchtes 
Verein smitglied. Der ersten Vereinigung, am 4. Dezember 1885, priisidirte HeiT 
Rentner 0. von Forckenbeck. Hen* Stadtarchivar Pick hielt einen eingehenden 
Vortrag Tiber die Romerstrassen in und bei Aachen, von denen er fiinf in ihrem 
Zuge verfolgte und nachwies. HeiT Architekt Rhoen legte eine Sammlung alterer 
Aachener Stadtpliine mit den nothigen Erlauterungen vor. Ausserdem kamen 
Lage und Bedeutung des friihern Leprosenhauses Melaten, die Marken und 
Namen, sowie einzelne Inschriften von Aachener Hausern, ferner die eigenthiim- 
liche Bezeichnung „Todtenkirchhof" fur den katholischen Friedhof, der mehrfach 
vorkommende und in verschiedener Weise gedeutete Ausdruck „Hundskirchhof tt 
und eine Anzahl von Flurnamen der Aachener Gegend zur Sprache. 

In der Versammlung vom 19. Januar 1886, unter Leitung des Herrn Stadt- 
verordneten P. Kuetgens, hielt Herr Stadtarchivar Pick einen langern Vortrag 
iiber die in Aachen haufiger als in irgend einer rheinischen Stadt auffcretenden, 
an das Minister, den Lousberg, den Ponellonthurm ankniipfenden Teufelssagon, 
welche seiner Ansicht nach alle dem Sagenkreis Karls d. Gr. angehoren. Auch 
eigenthumliche Teufelssagen aus der Montjoier Gegend wurden beriihrt. Daran 
schlossen sich Mittheilungen iiber die Stellung und die Einkiinfte des Aachener 
Scharfrichters wie iiber die verschiedenen Richtstiitten in und vor der Stadt. 
Herr Architekt Rhoen behandelte unter Vorlegung eines Situationsplans die 
Ueborreste romischer Bauten, insbesondere der beiden Bader auf dem heutigen 
Biichel und an der Stelle der Munsterkirche. Eine Anfrage aus Leipzig iiber 
etwaige Zeugnisse sehr fruher Fabrikation von Musikinstrumenton in den Kreisen 
Heinsberg und Geilenkirchen veranlasste don Herrn Regierungsprasidenten von 
Hoffmann zu einer Mittheilung iiber die aus dem Dorfe Kofferen (Kreis Erkelenz) 
zahlreich hervorgehenden Musikanten. Bei der Erwahnung eines vormals zwischen 
Rathhaus und Gras bestehenden, die „Laetsch" genannten Verbindungswegs 
empfahl Herr Oborburgermeister Pelzer- mit Riicksicht auf die bevorstehende 



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320 Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1885/86. 

Wiederherstellung den Vereinsmitgliedern die Erforschung des friihern Zustands 
des Rathhauses und seiner einzelnen Theile. Zum Schlusse gab Herr Pick 
Proben aus der zwischen 1739 und 1780 entstandenen handschriftiichen Chronik 
des Burgermeisterdieners JanGen und fiigte einige Einzelheiten hinzu iiber den 
Verfasser, welcher im Jahre 1748 die Stahlfeder erfand. Die Chronik wird 
demnachst vollstandig abgedruokt in von Fiirths Beitragen und Material zur 
Geschichte der Aachener Patrizier-Familien ; eine Stelle derselben bot Gelegen- 
heit zu einer Auseinandersetzung iiber das „Gnadebitten" fiir zum Tode ver- 
urtheilte Verbrecher, dessen Yorkommen ebenfalls in Diiren und Eschweiler 
nacbgewiesen wurde. 

In der Versammlung vom 26. Marz 1886 fiihrte Herr Landgerichtsprasident 
Oppenhoff den Vorsitz. Herr Professor Loersch zeigte und erlauterte verschie- 
dene im 17. und 18. Jahrhundert entstandene Ansicbten von Aachen, beson- 
ders die aus Meissners Thesaurus, worauf Herr Rentner Thywissen eine grossere 
Anzahl von Stadtplanen vorwies. Das reichhaltige Material gab zur Besprechung 
mancher Fragen der stadtischen Topographie reichliche Veranlassung. Die Thurm- 
chen, welche in der Kramerstrasse am Commerschen und am Kleinschen Hause 
sich befinden, wurden fiir Treppenthiirme erklart, welche durch die Bauart der 
beiden Hauser bedingt seien. Ueber den Zeitpunkt, in welchem das alleinige 
Tauf- und Beerdigungsrecht der Miinsterkirche sein Ende erreichte, wurden ver- 
schiedene Ansichten geaussert. Ein Vortrag des Herrn Stadtarchivar Pick Tiber 
die Bezeichnung des ersten Sonntags in der Fasten als Fackelsonntag erof&iete 
eine eingehende Besprechung dieses Namens, der jedenfalls auf einen heidni- 
schen Feuerkult zuruckzufuhren ist, von welchem sich noch vielfach Spuren in 
den verschiedensten Gegenden Deutschlands linden. 

Die Vortrage sowohl wie die durch dieselben hervorgerufenen Mittheilungen 
und Einwendungen, welche den hier nur kurz angedeuteten Verhandlungen ihre 
Entstehung verdanken, wurden zum Theil als grossere oder kleinere Arbeiten in 
den Aachener Tagesblattern veroffentlicht. In eine feste Form gebracht, sind 
auf diese Weise zahlreiche Angaben und Nachrichten auch in weitere Kreise 
getragen worden, die vielfachen Anregungen, welche aus den Monatsversamm- 
lungen hervorgingen, somit nicht auf die unmittelbaren Theilnehmer beschrankt 
gebheben. 

Anfangs Mai 1886 ist seitens des Vorstands an etwa zweihundert Vereine, 
Gesellschaften und Institute, welche Zeitschriften oder sonstige Publikationen auf 
dem Gebiete der Geschichte und der geschichtlichen Hulfswissenschaften heraus- 
geben, ein Rundschreiben versandt worden, urn denselben den Austausch der 
beiderseitigen Veroffentlichungen in Vorschlag zu bringen. Eine sehr grosse 
Anzahl hat bis jetzt zustimmend geantwortet, ihre Namen sind unten auf S. 350 
verzeichnet. Den Staatsarchiven zu Diisseldorf, Koblenz, Miinster und Wetzlar, 
sowie den Stadtarchiven zu Aachen und Koln hat der Vorstand die bisher er- 
schionenen Bande der Vereinszeitschrift als Geschenk iiberwiesen; auch die in 
Zukunft erscheinenden Bande sollen diesen Archiven unentgeltiich zugewandt 
werden. Der Verein erfullt so eine Pflicht der Dankbarkeit Anstalten gegeniiber, 



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Chronik des Aachener Geschichtsvereins 1885/86. 321 

welche in der zuvorkommendsten Weise die lokalgeschichtlichen Arbeiten und 
Bestrebungen fordern und unterstiitzen. 

Die Registerarbeit ist durch Herrn Dr. H. Keussen (vgl. Bd. YII, S. 321) 
vollendet worden tmd umfasst auch den zu Ende des Jahres 1885 fertig gestell- 
ten siebenten Band der Zeitschrift. Es soil ohne Verzug mit dem Druck begonnen 
werden. Die Vorarbeiten fur die Herausgabe eines Urkundenbuchs von Aachen 
und Burtscheid konnten dagegen nur geringe Forderung erfahren, weil die Ord- 
nungsarbeiten im stadtischen Archiv den vor Allem zur Mitarbeit an dem schonen 
und mitzlichen Unternehmen berufenen Leiter dieser Anstalt vorlaufig vollig in 
Anspruch nebmen. 

Die Zahl der fur 1885 eingetragenen Mitglieder betrug 559, sie ist im 
Laufe des Jahres 1886 durch den Beitritt neuer Mitglieder auf 612 gestiegen. 
Dagegen sind wahrend desselben Zeitraums 42 Mitglieder ausgetreten bezw. 
dem Verein durch den Tod entrissen worden. Unter den letztern befindet sich 
auch ein eifriger und thatiger Mitarbeiter an der Vereinszeitschrift, der am 7. 
Marz 1886 verstorbene Pfarrer von Kohlscheid, Johann Jakob Michel, iiber dessen 
Lebenslauf und Arbeiten einige Nachrichten S. 323 als Anhang zu diesem Berichte 
mitgetheilt werden, welchen sich kurze Angaben iiber das Leben und Wirken 
anderer schon fruher verstorbener Vereinsmitglieder anschliessen. Die Zeitschrift 
wird in Zukunft regelmassig solche biographische Mittheilungen bringen, der 
nachste Band namentlich auch einen dem im Jahre 1884 verstorbenen Vorstands- 
mitglied Dr. Debey gewidmeten Nekrolog enthalten. Das Mitghederverzeichniss 
folgt auf S. 331. 

Die jahrliche Generalversammlung hat, entsprechend einem Beschluss des 
Vorstands, welcher dieselbe fur die Zukunft in den Herbst verlegt, am 18. Okto- 
ber 1886, um 6V» TJhr Abends, im Bernartsschen Saale stattgefunden. Den 
Vorsitz fiihrte der erste Viceprasident Herr Professor Loersch. Nachdem der- 
selbe Tiber die Thatigkeit und die Lage des Vereins berichtet hatte, trug der 
Schatzmeister Herr Dr. Wings die Rechnung des Jahres 1885 vor. 

Danach umfassen die Einnahmen fur 1885: 

1. den Kassenbestand aus dem Vorjahre .... mit 2233 M. 38 Pf. 

2. die Beitrage der Mitglieder 

3. die Zahlung der Buchhandlung Benrath & Vogel- 
gesang fur verkaufte Exemplare der Zeitschrift . 

4. ein zum Besten des Vereins bestimmtes Honorar . „ 5 „ 40 

5. ein riickstandiger Jahresbeitrag aus 1884 . . 

6. Zinsen der Sparkasse „ 63 „ 53 



zusammen 
Die Ausgaben betrugen 



mit 2233 M. 


» 


2228 


ii 


» 


180 


ii 


V) 


5 


ii 


71 
11 


4 
63 


ii 



4714 M. 31 Pf. 
2371 „ 29 „ 



Es verblieb sonach ein Kassenbestand von . . 2343 M. 02 Pf. 

Die am 1. Oktober 1885 gewahlten Revisoren Herr Dr. Lersch und Herr 
Kanzleirath Weitz haben die Kassenverwaltung fur das Jahr 1885 am 28. Sep- 
al 



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322 Chronik des Aacnener Geschichtsvereins 1885/86. 

tember 1886 gepriift Die Versammlung wahlte diese Herren in gleicher Eigen- 
schaft fiir das Jahr 1886 und driickte denselben, sowie dem Scliatzmeister ihren 
Dank aus. 

Nachdein auf Antrag des Vorsitzenden die Herren Stadtverordneter P. Kuet- 
gens und Stadtarchivar Pick mit der Vorbereitung der im Winter wieder auf- 
zunehmenden und regelmassig jeden Monat abzuhaltenden Zusammenkunfte 
beauftragt worden waren, schritt die Generalversammlung zur Wahl des Prasi- 
denten, welche nach § 16 der Statuten durch die Ablehnung des Herrn Ober- 
biirgermeisters Pelzer (vgl. den vorigjahrigen Bericht in Bd. VII, S. 323) nothig 
geworden war. Auf Vorschlag des Herrn Landgerichtsprasidenten Oppenhoff 
wurde der bisherige erste Viceprasident Herr Professor Loersch durch. Zuruf 
gewahlt. Derselbe nahm die Wahl dankend an. 

Von Herrn Stadtarchivar Pick war folgender Antrag eingegangen: 

„Die Generalversammlung wolle eine Kommission von drei Mitgliedern er- 
nennen, welche die Statuten des Vereins einer eingehenden Priifung unterzieht 
und das Ergebniss dei*selben, erforderlichen Falls in formulirten Aendeinngs- und 
Ergiinzungs-Vorschlagen, der niichsten oder einer ausserordentlichen Generalver- 
sammlung zur Begutachtung und Annahme unterbreitet. u 

Nach langerer Besprechung gelangto dieser Antrag zur Annahme. Die 
Kommission wurde auf Vorschlag des Herrn Landraths Dr. Freiherm von Coels 
aus dem Antragsteller und den Herren Oppenhoff und Loersch gebildet, als Zeit- 
punkt fiir die Vorlegung des Ergebnisses ihrer Arbeiten die nachste Generalver- 
sammlung bestimmt. 

In einer an die Generalversammlung sich anschliessenden Sitzung des Vor- 
stands hat dieser, entsprechend dem § 16 der Vereinsstatuten, Herm Stadtarchivar 
Pick zum ersten Viceprasidenten, Herrn Staatsanwaltschafts-Sekretar M. Schollen 
zum zweiten Seki-etar und Hemi Realgj r mnasiallehrer Dr. Greve zum Beisitzer 
gewahlt. Die Gewahlten haben siimmtlich die auf sie gefallene Wahl ange- 
nommen. 



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Nachrichten uber verstorbene Mitglieder des Vereins. 

1. Johann Jakob Michel. 

Am 7. Marz 1886 verschied zu Kohlscheid bei Aachen, wo er seit fast 
fiinfundzwanzig Jahren als Pfarrer wirkte, unerwartet schnell, ein fleissiger Mit- 
arbeiter an dieser Zeitschrift, Johann Jakob Michel. Er war am 12. September 1827 
zu Eupen geboren und bezog, nachdem er in Diiren das Gymnasium absolvirt 
hatte, im Jahre 1848 die Bonner Universitat. Eine Vikariestelle zu Malmedy 
wurde ihm gleich nach seiner Priesterweihe, die er Anfangs September 1852 
empfing, verliehen; von dort kam erim Juni 1862 nach Kohlscheid. 

Michel war eine lebendige, frische Personlichkeit, eine thatkraftige, schaffens- 
freudige Natur. Mit warmem Eifer widmete er sich der Seelsorge, aber auch 
andere Gebiete der Wirksamkeit zogen ihn machtig an. Inmitten einer Bevbl- 
kerung, deren Verhaltnisse von Industrie und Bergbau stark beeinflusst werden, 
hat er sich gern und erfolgreich mit den socialen Fragen beschaftigt, durch Rath 
und That, namentlich in einem von ihm gegriindeten Verein, zu helfen gesucht. 
Fur die in den letzten Jahrzehnten so gliicklich gefbrderten Bestrebungen auf 
dem Felde <ier kirchlichen Kunst zeigte er Sinn und Verstandniss, die er prak- 
tisch durch unablassige Sorge fur den Schmuck seiner Pfarrkirche bewahrte. 
Den von den Gemeindegenossen gespendeten Summen hat er fiir diesen schonen 
Zweck bedeutende Gaben aus eigenen Mitteln hinzugefugt. Ganz besondei*s zog 
ihn aber die Geschichte seiner engern Heimath an; inmitten seiner vielseitigen 
Thatigkeit ist er immer wieder zu deren Studium zuriickgekehrt. Die Archivo 
von Maestricht, Liittich und Briissel besuchte er ofters, um sich ungedrucktes 
Material zu verschaffen, dessen Bearbeitung ihm die Kenntniss der franzbsischen 
und hollandischen Sprache, welche er beide vollkommen beheiTschte, vielfach 
erleichterte. Im Anfang der siebenziger Jahre begann er, ira Feuilleton des 
Aachener Echo der Gegenwart kulturgeschichtliche Bilder in popularer Form zu 
veroffentlichen, kurz nacheinander erschienen z. B. „Christian von Rynckberg 
(Rimburg) und seine Spiessgesellen", „Amt und Burg Wilhelmstein an der AVurm", 
„Zur Geschichte der Kohlenbergwerke im Wurmrevier" und Anderes. 

So ist es erklarlich, dass er der Stiftung des Aachener Geschichtsvereins 
freudige Theilnahme entgegenbrachte und sich an den seiner Gnindung vorher- 
gehenden Besprechungen eifrig betheiligte. Unter den ersten Arbeiten, welche 
fiir die Zeitschrift eingesandt wurden, befand sich eine Abhandlung von Michel 

21* 



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824 Nachrichten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 

iiber Herzogenrath, welche denn auch in den ersten beiden Banden gedruckt 
worden ist. Es ist kein Band der Zeitschrift erschienen, zu welchem er nicht 
einen Beitrag geliefert hatte ; ausser Herzogenrath und Bardenberg war es 
nanientlich die Herrscliaffc Heiden und seine Vaterstadt Eupen, deren Geschichte 
er seine Untersuchungen widmete. In einer langern Abhandlung, die einen Theil 
des vierten Bandes der Zeitschrift fiillt, stellte er das Treiben und den Prozess 
der Bockreiter dar, welche im vorigen Jahrhundert das Land Herzogenrath und 
die benachbarten Gegenden unsicher machten. Die lebendige und ansohauliche 
Schilderung, welche Michel auf Grand der Akten entwarf, hat auch das Ver- 
dienst, manche Fabeln, die in zum Theil ernsthaften Werken Eingang gefunden, 
zu zerstoren. 

Fur den Kohlenbergbau, welcher der Gegend seiner pfarramtlichen Wirk- 
samkeit einen so eigenthumlichen Charakter verleiht, hatte Michel bald grosses 
Interesse gewonnen. Er suchte den Anfangen dieser so wichtigen Industrie und 
den verschiedenen Wandlungen nachzugehen, welche sie in Bezug auf die tech- 
nische wie auf die juristische Seite im Laufe der Jahrhunderte erfahren. Zu 
einer moglichst vollstandigen Geschichte dieser Verhaltnisse hat er ein reiches, 
zum Theil noch vollig unbekanntes archivalisches Material zusammengebracht, 
bei dessen Verwerthung ihm seine an Ort und Stelle erworbene genaue Kenntniss 
der Technik des Bergbaus sehr zu Statten gekommen ist. Die Ergebnisse dieser 
Forschungen hat Michel, so viel man weiss, zu einer abgerandeten Darstellung 
verarbeitet, welche er unter dem Titel „Der Steinkohlenbergbau im Wurmrevier, 
von den altesten Zeiten bis zum Schlusse der Eremdherrschaft (1113 — 1815) in 
seiner geschichtlichen Entwicklung dargestellt" zu veroffentlichen beabsichtigte. 
Im Jahre 1876 hat eine Aachener Buchhandlung zur Subskription auf dieses 
Buch aufgefordert, anscheinend ohne den gewiinschten Erfolg, denn dasselbe ist 
nicht erschienen. Es ware zu beklagen, wenn das Material, welches der]zu friih 
Verstorbene so fleissig gesammelt, ganz unbenutzt bleiben sollte ; eine Veroffent- 
lichung der wichtigsten Stiicke mit einem kurzen, das Wesentliche beriicksich- 
tigenden Auszuge aus seiner Darstellung und seinen Erlauterungen wiirde eine 
mitzliche Bereicherang der diesen Dingen gewidmeten Literatur und ein passendes 
Denkmal fiir Michel selbst sein. Diesen Wunsch konnten die Verwandten, welche 
nunmehr iiber das Manuskript zu verfiigen haben, leicht erfiillen, wenn sie dessen 
Bearbeitung in eine berufene Hand legen wollten. Loersch. 

2. Dr. Heinrich Halm. 

Heinrich Hahn J wurde als Sohn eines Kaufmanns am 29. August 1800 zu 
Aachen geboren. Der Bildungsgang, den er durchmachte, spiegelt die wechselvolle 
Zeit wieder, in die seine Jugend fallt. Der an der Sohule der Vaterstadt be- 
gonnene Gymnasialuntenicht wurde fortgesetzt am kaiserliohen Lyceum zu Bonn, 



*) Eine ausfiihrlichere Biographie erschien in der Monatsachrift „Die katholisohen 
Missionen" 1882, Nr. 7—9 und hieraus abgedruckt als besonderes Schriftchen* 



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Nachriehten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 325 

nach 1815 vollendet am Brusseler Athenaum, dessen Direktor ein Bruder von Hahns 
Vater war. Achtzehn Jahre alt, bezog Hahn die Universitat Gent, wo er sich 
dem Studium der Medioin widmete und im Sommer 1822 die Doktorwiirde erwarb. 
Von der Berechtigung zur Ausiibung seines Berufs im Konigreich der Niederlande 
machte der junge Arzt keinen Gebrauch ; es zog ihn zur Heimath zuriick und er 
zogerte nicht, den Anforderungen zu geniigen, welche die nunmehr hier geltenden 
preussischen Vorschriften und Einrichtungen an ihn stellten. Im November 1822 
begab er sich nach Berlin, urn als einjahrig Freiwilliger der Militarpflicht zu 
geniigen und zugleich das Staatsexamen zu machen, das er im Friihjahr 1824 
mit Auszeichnung bestand. Sechszig Jahre fast hat er dann mit Eifer und Erfolg 
als Arzt in Aachen gewirkt, bis zu den letzten Jahren seines Lebens viel 
beschaftigt, von Einheimischen nicht weniger gesucht wie von den das Bad 
benutzenden Belgiern und Franzosen, mit welchen die in der Jugend angekniipften 
Beziehungen ihn vielfach verbanden. Er war ein strebsamer, die Entwicklung 
seiner Wissenschaft eifrig verfolgender Arzt, dem scharfer Blick und rasches 
Erfassen als gluckliche Naturanlage • zur Seite stand, der durch die eigene Ruhe 
und Sicherheit dem Kranken Vertrauen einflosste und trotz kuhlen Formen und 
etwas trockenem, wortkargem Wesen warme Empfindung fiir die Leidenden sich be- 
wahrte. Bei ausserordentlichen Veranlassungen hat er mehrfach eine hervorragende 
und aufopfernde Thatigkeit entwickelt, so in der Choleraepidemie des Jahres 1832 
und in den Kriegsjahren 1870 und 71. Er war der standige Arzt mehrerer An- 
stalten, namentlich hat er 43 Jahre lang sich dem Josephinischen Institut mit 
grossem Eifer gewidmet. 

Auch literarisch ist Hahn in seiner Wissenschaft thatig gewesen. Eine 
Abhandlung iiber Meningitis tuberculosa trug ihm die goldene Medaille und die 
Ehrenmitgliedschaft der medicinischen Gesellschaft von Bordeaux ein. Die 
Brusseler Akademie der Medicin ernannte ihn zu ihrem Mitglied. Eine geschatzte 
Abhandlung iiber den Gebrauch der Aachener Thermalquellen bekundet sein In- 
teresse fiir das Badewesen, das er auf jede Weise zu fordern bestrebt war, dem 
er auch als Mitglied verschiedener stadtischer Komites und zahlreicher medici- 
nischer Vereine vielfach genutzt hat. 

Nur kurze Zeit hat Dr. Hahn sich am parlamentarischen Leben betheiligt ; 
wahrend der Legislaturperiode 1859 — 61 vertrat er den Kreis Aachen-Eupen im 
Abgeordnetenhaus, wo er sich der Centrumsfraktion anschloss. Um so langer 
war er in den Gemeindeangelegenheiten seiner Vaterstadt thatig ; vom Jahre 1845 
bis zu seiner letzten Krankheit im Jahre 1881 hat er der Stadtverordneten- 
versammlung und zahlreichen aus dieser hervorgehenden Komites und Kuratorien 
angehort. Auch der Griindung und Forderung vieler Vereine und Anstalten 
pohtischer, religioser und socialer Richtung hat er sich gewidmet. Neben der 
Constantia und dem Piusverein sei der Verein des h. Karl Borromaus, dessen 
Vorstand er lange angehorte, und die Anstalt der Frauen vom Guten Hirten er- 
wahnt. Hier leitete ihn eine aufrichtige und tiefe Frommigkeit und eine lebhafte 
Anhanglichkeit an seine Kirche, welche auch bei Andersdenkenden achtungsvolle 



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326 Nachrichten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 

Anerkennung finden musste, weil seine ganze Personlichkeit das Geprage einheit- 
licher Ueberzeugung und innerer Wahrhaftigkeit trug. 

Besonderes Interesse widmete Hahn den Missionen unter den heidnischen 
Volkern. Der vielbeschaftigte Mann hat Jahre lang als Sekretar des Xaverius- 
vereins fungirt und eine Geschichte der katholischen Missionen in fiinf Banden 
verfasst, deren Ertrag er zu einer Stiftung im Berliner St. Hedwigskranken- 
haus verwandte. 

Im Jahre 1871 wurde Hahn der Kronenorden mit dem rothen Kreuze ver- 
liehen, 1857 hatte er schon das Ritterkreuz des Gregoriusordens erhalten; bei 
Gelegenheit seines fiinfzigjahrigen Doktorjubilaums empfing er im Jahre 1872 das 
Kommandeurkreuz desselben Ordens, die Universitat Gent sandte ihm ein erneutes 
Diplom, wahrend die Universitat Lowen ihn honoris causa promovirte. 

Sein Doktorjubilaum hat Hahn noch fast zehn Jahre tiberlebt ; auch in dieser 
letzten Zeit seines Lebens hat er noch unausgesetzt fur das Wohl der Armen 
und Leidenden in ruhiger Heiterkeit gewirkt. Ein Leberleiden zwang ihn im 
Jahre 1881, der gesegneten Thatigkeit eines langen und arbeitsvollen Daseins zu 
entsagen. In frommer Einkehr hat er sich zum Tode vorbereitet und ist am 
11. Marz 1882 entschlafen. Der unabsehbare Trauerzug, der seine sterbliche 
Hulle zum Grabe begleitete, legte Zeugniss ab fiir die dankbare Gesinnung, 
welche die Aachener fiir ihn beseelte. Loerach. 

3. Professor Dr. Arnold FSrster 

wurde am 20. Januar 1810 zu Aachen geboren 1 . Seiner Jugend fehlte es nicht 
an Muhseligkeiten und Entbehrungen aller Art, denn der Ausbildung trefflicher 
Anlagen standen ausser Kranklichkeit so ungunstige Vermogensverhaltnisse ent- 
gegen, dass der talentvolle Knabe schon als Quartaner auf eigenen Erwerb an- 
gewiesen war. Zweiundzwanzig Jahre alt, vollendete Forster seine Gymnasialstudien 
in Aachen, urn im Mai des J. 1832 die Universitat zu Bonn zu beziehen, wo er 
zunachst fiir das Studium der Medicin sich eintragen liess. Sehr bald aber 
wandte er sich der Naturwissenschaft zu, in welcher namentlich Goldfuss, Nees 
von Esenbeck, Treviranus und Noggerath seine Lehrer wurden. Goldfuss nahm 
ihn, in richtiger Wurdigung seiner Befahigung, nicht nur zum Assistenten, son- 
dern auch zum Erzieher seiner Kinder an. In rastloser Thatigkeit erfiillte jetzt 
der junge Mann von fruher Morgenstunde an bis oft tief in die Nacht hinein 
seine Pflichten als Student, Erzieher und Assistent, wobei er von den Freuden des 
Lebens auf der Hochschule wenig genug zu kosten bekam. 

Im Fruhjahr 1836 verliess Forster das naturwissenschaftliche Seminar in 
Bonn und wurde schon am 13. April desselben Jahres Kandidat des hohern 
Schulamts an der 1835 in Aachen gegriindeten hohern Btirgerschule, dem heuti- 



") Geschriebeii unter Benutzung des ausfiihrlichen Nachrufs aus der Feder von 
0. Wackerzapp im Correspondenzblatt Nr. 2 der Verhandlungen des naturhistori- 
schen Vereins der preussischen Eheinlande. Jabrg. XL1II. Bonn 1886. 



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Nachrichten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 327 

gen Realgymnasium. Dieser Anstalt hat er als Lehrer und spater als Oberlehrer 
bis zu seinem Lebensende angehort. Forsters Leistungen als Naturforscher und 
Lehrer blieben nioht ohne reiche Anerkennnng. Im April 1850 erhielt er Rang 
und Stellung eines Oberlehrers ; drei Jahre spater ernannte ihn die philosophische 
Fakultat in Bonn zum Doktor honoris causa; im Jahre 1855 wurde er unter 
dem Kultusminister von Raumer mit dem Professortitel beehrt, ausserdem sand- 
ten ihm im Laufe seiner langjahrigen Wirksamkeit zahlreiche Vereine 1 Ehren- 
mitgliedsdiplome. Nicht lange vor seinem Tode folgte er einer seitens der 
Regierung an ihn ergangenen Aufforderung zur Theilnahme an den Untersuchun- 
gen zur Bekampfung der Reblaus im Ahrthal. In dieser Thatigkeit erkrankte 
. er und starb nach kurzem Krankenlager zu Aachen am 12. August 1884. 

Es ist hier nicht der Ort, auf die ausgezeichneten Charaktereigenschaften 
des in seiner Vaterstadt tief und allgemein betrauerten Gelehrten und Lehrers 
naher einzugehen, auch liegt es den Zielen dieser Zeitschrift fern, naturwissenschaft- 
liche Leistungen eingehend zu besprechen. Erwahnt sei nur, dass Forster in 
sechsundzwanzig 2 Schriften die Ergebnisse seiner meist im Gehiet der engern 
Heimath angestellten naturwissenschaftlichen Forschungen niedergelegt hat; 
ausserdem schrieb er eine auch in ortsgeschichtlicher Hinsicht bemerkenswerthe 
Abhandlung iiber das Leben und Wirken des in Stolberg bei Aachen verstorbenen 
beruhmten Insektenkenners Meigen. Forster besass tiichtige Kenntnisse in der 
Geschichte. Schon wahrend seiner Gymnasialzeit hatte er auf das Studium der 
Geschichte eine besondere Sorgfalt verwandt, und in spaterer lehramtlicher 
Thatigkeit hat er Jahrzehnte hindurch mit der Ertheilung geschichtlichen Unter- 
richts sich befasst. Begreiflicher Weise stand daher Forster, der noch in 
den letzten Lebensjahren erklarte, dass er nur wegen seines vorgeriickten Alters 
auf das griindlichere Studium der Lokalgeschichte Verzicht leiste, Fragen orts- 
geschichtlicher Art nichts weniger als theilnahmlos gegeniiber, aber die rechte 
Warme vermochte ihm, wie AVackerzapp richtig hervorhebt, nur die Natur- 
wissenschaft einzuflossen. Dies andert nichts an der Thatsache, dass dem ver- 
storbenen hervorragenden Gelehrten auch urn die heimathliche Geschichtsforsohung 
nennenswerthe Verdienste zuerkannt werden miissen. Denn die Lokalgeschichts- 
forschung kann, namentlich bei Fragen kulturgeschichtlicher Art, auf eine genauere 
Kenntniss des Bodens, sowie der Pflanzen- und Thierwelt nicht verzichten, und 
deshalb werden Forsters Schriften dauemd auch der heimischen Geschichtskunde 
zu Gute kommen. Ebenso darf nicht iibersehen werden, dass vielfach die Neigung 
zu ortsgeschichtlichen Studien erst dann erwacht, nachdem naturwissenschaftliche 
Studien den Gedanken nahe gelegt haben, die Geschichte einer in etwa natur- 
wissenschaftlich durchforschten Gegend niiher kennen zu lernen. Von diesem 
Gesichtspunkt aus betrachtet, haben zu alien Zeiten Lehrer von Forsters Begabung 
und von seiner warmen Liebe zur Natur durch Wort und Schrift die Darstellung 
ortsgeschichthcher Vergangenheit indirekt nicht unwesentlich gefdrdert. 

Pauls. 

*) Naheres bei Wackerzapp a. a. 0. S. 36. 

a ) Verzeiohniaa bei Waokerzapp a. a. 0. S. 40 f. 



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328 Nachrichten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 

4. Johann Joseph Blum. 

Johann Joseph Blum wurde am 12. August 1802 zu Zingsheim im Kreise 
Schleiden geboren. In der dortigen Volksschule und durch Privatunterricht vorge- 
bildet, kam er 1814 auf das kurz vorher unter P. J. Feys Leitung wiedererrichtete 
Gymnasium zu Miinstereifel, das er aber schon nach zwei Jahren verlassen musste, 
um dem kranklichen Vater in der Ackerwirthschaft zur Seite zu stehen. Nach 
vierjahrigerUnterbrechung nahm er die Gymnasialstudienin Koln wieder auf und be- 
endete sie 1826. Hierauf besuchte er ein Jahr lang die Bonner Universitat und trat 
dann ins Priesterseminar zu Koln, wo er am 22. September 1827 die Priester- 
weihe empfing. Nachdem er noch ein weiteres Jahr seiner wissensohaftiichen 
Ausbildung an der rheinischen Hochschule gewidmet hatte, wurdeeram 10. Sep- 
tember 1828 zum Vikar in Bergstein im Kreise Diiren emannt und im Herbste 
des folgenden Jahres in gleicher Eigenschaft nach Harperscheid im Kreise 
Schleiden versetzt. Die stille, abgeschiedene Lage des kleinen Eifeldorfs mehrte 
in Blum die Neigung zu literarischer Thatigkeit, die er bald mit einigen Bei- 
tragen in dem damals zu Montjoie erscheinenden Blatte „Der Eremit am hohen 
Venn" begann. Am 8. Mai 1830 erfolgte seine Versetzung als Vikar nach 
Nideggen. Hier, an dem romantischsten Punkte des malerischen Roerthals, dichtete 
er „Das Lied von der Roer", das sich einst bei den Anwohnern dieses Flusses 
grosser Beliebtheit erfreute und von dem aus Diiren gebiirtigen Liitticher Pro- 
fessor J. D. Fuss mit Beibehaltung des Versmasses ins Lateinische iibertragen 
wurde. Da das ansprechende Gedicht von den Jetztlebenden wenig mehr gekannt 
und uberhaupt nur selten gedruckt ist, so mag seine Wiedergabe an dieser Stelle 
den zahlreichen Freunden des Dichters nicht unwillkommen sein. 

Vom Hochgebirge hergesandt, 
Durchstromt die Roer ein schones Land; 
Das liegt am Herzen mir so nah, 
Wie ich noch nie ein andres sah. 

Wenn sinnend ich im Thale steh, 

Und um mich her die Berge seh, 

Dann sprech ich aus mit Mund und Hand: 

Es ist doch ein gar herrlich Land. 

Der Burgberg dort, die Neideck hier 
Erheben sich mit Stolz und Zier; 
Ringsum der weite Felsenkranz, 
Wie reizend in der Farbe Glanz. 

Ersteig ich drauf der Berge Dom, 
Welch Luftgefilde langs dem Strom; 
Wo nur die Blicke sich ergehn, 
Ist alles, alles wunderschon. 



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Nachrichten tiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 329 

Der Julichgau fast endlos weit 
Mit Stadten, Dorfern iiberstreut; 
Draus ragt im zarten Nebelflor 
Gar hooh Sankt Annas Thurm hervor. 

Wie liegen auch im Innern schon 
Dort Hausen, Blens und Abenden, 
Marienwald, einst fromm belebt, 
Sich iiber Heimbachs Felsburg hebt. 

Am Abhang kocht die Sonnengluth 
Dort Maubachs kostlich Traubenblut 
Und in den Griinden allseits wallt 
Von Segen schwer der Obstbaumwald. 

Des Wassers und des Feuers Kraft 
Im Thale reges Leben schafft; 
Was Kunst und Fleiss erzeugen hier, 
Man kennts in alien Landen schier. 

Das Volk, das hier im Thale lebt 
Und stillbegliickt nicht eitel strebt, 
Ein braves Volk, voll Lebensmuth, 
"Wers kennt, der ist ihm herzlich gut. 

Auch alter Stamme grosser Nam 
Hier wurzelnd einst den Ursprung nahm; 
Noch wohnt auf Burgen nah und fern' 
Manch alt Geschlecht von deutschem Kern. 

Hier lebt sichs wohl, hier bluht das Gliick, 
Wer kommt, sehnt niemals sich zuriick ; 
Hier ist man ganz nach deutschem Sinn 
Froh, gastlich und so grade hin. 

Und heisst es endlich gute Nacht, 
Zieh aus, o Geist, es ist vollbracht — 
Dann sag ich zu den Freunden nur: 
Gottlob, begrabt mich an der Roer. 

Auch in elegischen Gedichten versuchte sich Blum mit Erfolg. Bekannt 
sind von ihm die beiden Elegien „Die alte Grafenburg Nideggen u und „Steinfeld u , 
die Heydinger in seinen 1853 erschienenen poetischen Fiihrer „Die Eiffel" auf- 
genommen hat. Am 16. Juni 1835 wurde Blum zum Pfarrer von Maubach im 
Kreise Diiren ernannt. Fiinfzehn Jahro wirkte er hier in segensreicher Weise 
als Seelsorger, Schulpfleger und Schriftsteller. Im Jahre 1846 liess er zu Leipzig 
die mit zahlreichen Kupferstichen und Holzschnitten gezierte „Katholische Bilder- 
postille fiir Kirche, Schule und Haus" erscheinen, zugleich gab er mehrere Gebet- 



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330 Nachrichten iiber verstorbene Mitglieder des Vereins. 

und Gesangbiicher heraus, alles Werke, die in kurzer Frist wie'derholte Auflagen 
erlebten. Am 25. Marz 1850 wurde Blum als Oberpfarrer an die Pfarrkirche 
von St. Paul nach Aachen berufen, in welcher Stellung er bis zu seinem Tode 
verblieb. Auch in dem neuen Wirkungskreis wusste er sich bald die Liebe und 
Hochacbtung seiner Pfarreingesessenen zu erwerben ; 1856 wurde er in den Vor- 
stand der Speiseanstalt, 1870 in den Vorstand des Karlsvereins zur Kestauration 
des Ministers gewahlt. Fiir seinen Kunstsinn legt die wurdige Wiederherstellung 
und Ausschmiickung der St. Paulskirche im Innern, Blums eigenstes Werk, ein 
beredtes Zeugniss ab. Der Konig enrte den vielverdienten Mann 1865 durch 
Verleihung des rothen Adlerordens, der Erzbischof 1872 durch Ernennung zum 
Ehrenstiftsherrn an der Kollegiat-Stiftskirche zu Aachen. Sein funfzigjahriges 
Priesterjubilaum beging Blum am 22. September 1877 in stiller Zuriickgezogen- 
heit zu Einsiedeln in der Schweiz. Er starb zu Aachen am 16. September 1884. 

Pick. 



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Verzeichniss 

der 

Mitglieder des Aachener Geschichtsvereins. 

(Geschlossen Ende November 1886.) 



A. Vorstand. 

Ehrenprasident : Reumont, Dr. A. von, Excellenz, Wirklicher Geheimer 

Rath, Kgl. Kammerherr in Burtscheid. 
President: Loersch, Dr. H., ordentlicher Professor der Rechte in Bonn. 
Viceprasidenten : Pick, R., Stadtarchivar in Aachen. 

Reumont, Dr. A., Geheimer SanitStsrath in Aachen. 
Sekretare: Berndt, F., Hauptmann a. D. und Stadtverordneter in Aachen. 

Schollen, M., Sekretar der Staatsanwaltschaft in Aachen. 
Schatzmeister: Wings, Dr. P., Rentner in Aachen. 
Wisseiischaftliche Kommission : Loersch (s. o.). 

Pick (s. o.). 
Berndt (s. o.). 
Beisitzer: Beissel, Ignaz, Rentner in Burtscheid. 

.Co els, Dr. Freiherr von, Landrath des Landkreises Aachen in 

Aachen. 
Furth, Freiherr H. A. von, Landgerichtsrath a. D. in Bonn. 
Greve, Dr. Th., Realgymnasiallehrer in Aachen. 
Gross, H. J., Vikar in Laurensberg. 
Kuetgens, P., Stadtverordneter in Aachen. 
Middeldorf, C, Burgermeister der Stadt Burtscheid in Burtscheid. 
Milz, Professor Dr., Gymnasial-Direktor in Koln. 
Oppenhoff, Th. F., Landgerichts-Prasident in Aachen. 
Pelzer, L., Oberburgermeister der Stadt Aachen und Mitglied des 

Herrenhauses in Aachen. 
Rhoen, C, Architekt in Burtscheid. 

Rovenhagen, Dr. L., Regierungs- und Schulrath in Diisseldorf. 
Scheins, Dr. M., Gvmnasial-Oberlehrer in Koln. 



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332 Verzeiohniss der Mitglieder. 

Schwenger, Dr. H., Gymnasial-Direktor in Aachen. 
Straeter, Dr. A., Arzt in Aachen. 

Weitz, W., Hauptmann a. D. und Kanzleirath in Burtscheid. 
Ehrenmitglied des Vorstands: Weise, L. von, Geheimer Regierungsrath 

und Oberburgermeister a. D. in Aachen. 

B. Mitglieder 1 . 

Abels, H., Chefredakteur in Aachen. 1885. 

Alsters, Dr. N., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 1879. 

Appelrath, F., Kaufmann in lindenthal. 1883. 

Arenberg, Prinz Philipp von, bisch. geistlicher Rath in Eichstatt 1879. 

Aretz, H. A., Landgerichtsrath in Aachen. 1879. 

Aretz, W., Burgermeister in Gevelsdorf. 1879. 

Arnolds, Lehrer in Langerwehe. 1879. 

Bacciocco, Vikar in Kinzweiler. 1879. 

Baecker, J., Architekt in Aachen. 1879. 

Barth, R., Buchhandler in Aachen. 1879. 

Baumeister, H., Apotheker in Inden. 1879. 

Bayer, E., Steuerrath in Aachen. 1883. 

Beaucamp, K., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 

Beck, Dr. A., Seminar-Direktor in Linnich. 1879. 

Becker, J., Notar in Blankenheim. 1879. 

Becker, J., Hulfsgeistlicher in Hallschlag. 1886. 

Behrens, Fabrikbesitzer in Heinsberg. 1886. 

Beissel, August in Aachen. 1885. 

Beissel, Ignaz, Rentner in Burtscheid. 1879. 

Beissel, Dr. J., Arzt in Aachen. 1879. 

Beissel, L., Fabrikant in Aachen. 1879. 

Bellesheim, Dr. A., Kanonikus in Aachen. 1886. 

Bergh von Trips, Graf Max in Hemmersbach. 1879. 

Berndt, F., Hauptmann a. D. und Stadtverordneter in Aachen. 1879. 

Berns, A., Burgermeister a. D. in Linnich. 1879. 

Berns, F., Burgermeister in Linnich. 1879. 

Bertrams, Dr., Rechtsanwalt in Aachen. 1886. 

Bibliothek der Stadt Aachen. 1879. 

Bibliothek der Kasinogesellschaft in Aachen. 1886. 

Bibliothek der Kreissynoden Aachen und Julich. 1881. 

Bibliothek des Landkreises Aachen. 1886. 

Bibliothek des Lesezimmers im Kurhaus in Aachen. 1886. 



') Der Vorstand bittet die verehrlichen Vereinsmitglieder, Verandemngen in 
Stellung und Wohnort dem Herrn Stadtarohivar B. P i ok in Aachen gefalligst anzeigen 
zu wollen. 



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Verzeiohniss der Mitglieder. 333 

Bibliothek der Ritter-Akademie in Bedburg. 1879. 

Bibliothek des Burgermeisteramts in Burtscheid. 1879. 

Bibliothek der Gemeinde Comelimunster. 1879. 

Bibliothek der Stadt Duren. 1879. 

Landesbibliothek in Diisseldorf. 1886. 

Bibliothek des Landrathsamts in Erkelenz. 1879. 

Bibliothek der Universit&t in Gottingen. 1880. 

Bibliothek, Graflich Mirbachsche, auf Schloss Harff. 1879. 

Bibliothek der Lehrer des Kreises Heinsberg. 1879. 

Bibliothek des Burgermeisteramts in Julich. 1879. 

Bibliothek der Lehrer des Progymnasiums in Julich. 1879. 

Bibliothek der Stadt Koln. 1879. 

Bibliothek des Burgermeisteramts in Iinnich. 1879. 

Bibliothek des Gymnasiums in Neuss. 1879. 

Bibliothek des Burgermeisteramts in Rheydt. 1879. 

Binz, Dr. K., Professor und Geheimer Medicinalrath in Bonn. 1886. 

Birkenfeld, R., Seminarlehrer in Iinnich. 1879. 

Blank art, Freiherr von, Burgermeister in Alsdorf. 1879. 

Bleeser, R., Bergassessor in Kohlscheid. 1879. 

Bock, Dr. A., Rentner in Aachen. 1879. 

Boeckeler, Stiftsvikar und Domchordirigent in Aachen. 1882. 

Bo lie, A., Kaufmann in Aachen. 1886. 

Bolten, K., Steuerempfanger in Erkelenz. 1879. 

Bongard, Freifrau von, auf Schloss Paffendorf. 1882. 

Bongartz, G., Apotheker in Herzogenrath. 1879. 

Borne bus ch, 0., Kaufmann in Rothe Erde. 1879. 

Bott, Burgermeister in Eilendorf. 1879. 

Boyer, A., Generalinspektor in Aachen. 1879. 

Brachel, Freiherr von, Rittergutsbesitzer in Julich. 1879. 

Brachel, Freiherr von, Rittergutsbesitzer auf Burg Tetz. 1879. 

Brandenberg, J. in Oberforstbach. 1880. 

Brandt, F., Pfarrer in Gangelt. 1879. 

Brandts, J., Buchdruckereibesitzer in Erkelenz. 1879. 

Braun, Dr. J. W., Domkapitular in Koln. 1879. 

Bretschneider, Karl Wittwe in Aachen. 1883. 

Breuer, J., Oberpfarrer in Blankenheim. 1879. 

Breuer, Direktor der Volksbank in Heinsberg. 1884. 

Broich, Freiherr von, Geheimer Regierungs- und vortr. Rath in Berlin. 1879. 

Bruch, N., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Bruch, R., Fabrikant in Aachen. 1879. 

Bruckner, Dr. K., Arzt in Aachen. 1882. 

Brtiggemann, Feuerversicherungs-Direktor in Aachen. 1879. 

Br tig man n, Fabrikant in Burtscheid. 1879* 

Briill, Dr., Gymnasiallehrer in Koln. 1882. 



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334 "Verzeichniss der Mitglieder. 

Biindgens, Progymnasiallehrer in Trarbach. 1880. 
Bur gel, F. W., Seminar-Direktor in Comelimiinster. 1879. 
Biittgenbach, J., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 
Burggraf, F., Kaufmann in Iinnich. 1879. 
Bylandt, Graf von, Baron zn Rheydt in Bonn. 1879. 
Byns, H., Biirgermeister a. D. in Andemach. 1882. 

Cassalette, E., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Chris'toffel, A., Kaufmann in Montjoie. 1879. 

Claer, E. von, Referendar a. D. in Bonn. 1884. 

Claessen, M. J., Oberregierungsrath a. D. in Aachen. 1879. 

Claessen, Th., Notar in Erkelenz. 1879. 

Clausen, F. J., Biirgermeister in Doveren. 1879. 

CI os set, A., Rentner in Aachen. 1879. 

Cocker ill, A., Rentnerin in Aachen. 1879. 

Cocke rill, J., Rentner in Aachen. 1879. 

Coellen, von, Direktor in Colmar. 1880. 

Co els, Freifrau von, Rentnerin in Aachen. 1879. 

Co els, Freiin M. von, in Aachen. 1879. 

Co els, Dr. Freiherr von, Landrath in Aachen. 1879. 

Cohnen, Lehrer in Dremmen. 1879. 

Compes, Oberpfarrer in Aachen. 1886. 

Corneli, E., Oberst a. D. in Herzogenrath. 1879. 

Cossmann, J., Mobelfabrikant in Aachen. 1879. 

Cremer, P., Rektor in Emmels. 1879. 

Creutz, M., Kbnigl. Rentmeister in Aldenhoven. 1879. 

Creutzer, A., Buchhandler in Aachen. 1879. 

Cron, M., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Ciinzer, L., Privatsekretar in Nideggen. 1879. 

Curio, P., Rentner in Aachen. 1885. 

Curtius, Dr. A., Gymnasiallehrer in Aachen. 1886. 

D ah men, J., Pfarrer in Granterath. 1879. 

Damert, H. F., Professor an der technischen Hochschule in Aachen. 1879. 

Decker, W. J., Ackerer in Muntz. 1879. 

Degen, H., Amtsgerichtsrath in Bonn. 1879. 

Degen, Dr. Pn., Religionslehrer in Aachen. 1879. 

Deli us, K. sen., Fabrikant in Aachen. 1879. 

Deli us, K. jun., Fabrikant in Burtscheid. 1879. 

Deli us, R., Fabrikant in Aachen. 1883. 

Demmer, E., Pfarrer in Eschweiler. 1879. 

Deutz, J., Dechant in Kh'chrath. 1879. 

D ohm en, Dr. H., Arzt in Simmerath. 1879. 

Dorn, P., Rektor in Schaufenberg. 1879. 

Dresemann, Dr. 0. in Aachen. 1885. 



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Verzeichniss der Mtglieder. 385 

Eckart, L., Pfarrer in Uetterath. 1879. 

Eckerts, W., Apotheker in Randerath. 1379. 

Eckertz, Professor Dr. G. in Koln. 1879. 

Endepols, H., Notar in Aachen. 1379. 

Erckens, 0., Kommerzienrath in Burtscheid. 1879. 

Erckens, R., Kommerzienrath und 1. Beigeordneter in Burtscheid. 1879. 

Erdmann, K., Rentner in Julich. 1879. 

Esser, Dr., Kreis-Schulinspektor in Malmedy. 1879. 

Esser, F., Kaufmann in Burtscheid. 1879. 

Esser, J., Fabrikant in Aachen. 1879. 

Esser, W., Biirgermeister in Brachelen. 1879. 

Eynatten, Freiherr von, Hauptmann in Bonn. 1879. 

Eytorff, J. K., Pfarrer in Hochkirchen. 1879. 

Fellinger, Wittwe K., Rentnerin in Aachen. 1879. 

Fey, A., Rektor in Aachen. 1879. 

Fey, J., Gerichtsassistent in Aachen. 1885. 

Fischenich, F., Gutsbesitzer in Gangelt. 1879. 

Fischer, Dr. A., Religionslehrer in Essen. 1879. 

Fischer, B., Landwiiih in Siersdorf. 1879. 

Fischer, J. J., Kaufmann in Haaren. 1879. 

Fisenne, L. von, Rentner in Aachen. 1879. 

Flamm, F. W., Kaufmann in Aachen. 1886. 

Fleuster, W., beigeordneter Biirgermeister in Aachen. 1879. 

Forster, J., Kaufmann in Aachen. 1886. 

Forckenbeck, 0. von, Rentner in Aachen. 1882. 

Franck, Dr. Joh., Professor der germanischen Philologie in Bonn. 1886. 

Frantzen, Fabrikant in Inden. 1879. 

Franz en, A., Biirgermeister in Kempen. 1879. 

Froitzheim, J., Rechtsanwalt in Julich. 1879. 

Fuchs, J. K., Pfarrer in Mechernich. 1879. 

Fiirth, Freiherr H. A. von, Landgerichtsrath a. D. in Bonn. 1879. 

Fiissenich, K., Kaplan in Harff. 1879. 

Fuss, Dr. M., Direktor in Strassburg. 1879. 

Galop in, Wittwe, Rentnerin in Aachen. 1879. 
Gehlen, J. H., Lehrer in Beek. 1879. 
Geller, J., Rentner in Aachen. 1886. 
Genuit, Th., Rentmeister in Ottenfeld. 1879. 
Geuenich, Dr. J., Arzt in Diiren. 1879. 
Geyr, Freifrau von, in Aachen. 1879. 
Geyr, Freiherr von, in Miiddersheim. 1879. 
Giesen, J., Weinhandler in Aachen. 1879. 
Gils, Jakob van, Kaplan in Koln. 1880. 
Gimken, Friedrich, Vikar in Conzen. 1879. 



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336 Verzeichniss der Mitglieder. 

Glasmachers, A., Eegierongs- und Schulrath in Aachen. 1883. 

G oiler, J., Dechant in Simmerath. 1879. 

Gorschen, R. von, Assessor a. D. in Aachen. 1879. 

Goeters, H., Kaufmann in Rheydt. 1884. 

Goltz, Dr. Freiherr von der, Landrath in GeilenMrchen. 1879. 

Gottwald, F., Pfarrer in Miilheim. 1879. 

Grand-Ry, A. von, Rittergutsbesitzer in Eupen. 1884. 

Grebel, E., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Greve, Dr. Th., Realgymnasiallehrer in Aachen. 1879. 

Greven, Dr., Arzt in Morsbach. 1879. 

Gross, H. J., Vikar in Laurensberg. 1879. 

Grubenbecher, L., Pfarrer in Koln. 1879. 

Grubenbecher, Pfarrer in Schmidtheim. 1879. 

Haas, 0., Rentner in Burtscheid. 1879. 

H abets, F., Hotelier in Aachen. 1879. 

Habets, J., Staatsarchivar in Mastricht. 1880. 

Haen, A. de, Restaurateur in Langerwehe. 1879. 

Hauser, P., Verwaltungs-Sekretar in Schleiden. 1879. 

Hal fern, Wittwe von, Rentnerin in Burtscheid. 1879. 

Halfern, F. von, Fabrikant in Burtscheid. 1879. 

Hammels, F., Dechant in Keyenberg. 1879. 

Hammers, H., Photograph in Aachen. 1879. 

Hammers tein, Freiherr von, Generalmajor z. D. in Hildesheim. 1879. 

Hansen, Dr. J., wissenschaftl. Hulfsarbeiter am Staatsarchiv in Koblenz. 1883. 

Han stein, Dr. P., Arzt in Aachen. 1879. 

Harless, Dr. W., Staatsarchivar und Geheimer Archivrath in Dusseldorf. 1879. 

Hasen clever, R. W., Generaldirektor in Aachen. 1879. 

Hauck, H., Amtsgerichtsrath in Gemiind. 1879. 

Havers, Theodor, Rittergutsbesitzer in Wammen. 1879. 

He eking, Dr. A., Arzt in St. Vith. 1879. 

Heimbach, L., Apotheker in Eschweiler. 1879. 

Heine n, W. J., Pfarrer in Zweifall. 1879. 

Henri ci, K., Professor an der technischen Hochschule in Aachen. 1879. 

Hensen, F. in Brachelen. 1879. 

Hens en, J., Landwirth in Hilfarth. 1879. 

Herman, A. jun., Maschinenfabrikant in Burtscheid. 1886. 

Hermeling, E., Hulfsgeistlicher in Nothberg. 1882. 

Hermes, Dr. theol. in Koln. 1879. 

Herze, H., Kaufmann in Randerath. 1879. 

Hetjens, L. H., Rentner in Aachen. 1879. 

Heusch, A. jun. in Aachen. 1885. 

He user, A., Fabrikant in Aachen. 1879. 

He user, E., Fabrikant in Aachen. 1879. 



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Verzeichniss der Mitglieder. 337 

Heydinger, J. W., Pfarrer und Schulinspektor in Schleidweiler. 1879. 

Hilgers, Professor Dr. J., Geheimer Regierungsrath in Aachen. 1879. 

Hilgers, P., Notar in Koln. 1879. 

Hilgers, Freiherr von, Lieutenant in Diisseldorf. 1879. 

Hilgers, Biirgermeister in Gerderath. 1879. 

Hillebrandt, Dr. B., Arzt in Mechernich. 1879. 

Hillemanns, J., Stadtverordneter in Burtscheid. 1883. 

Hilt, K., Bergwerksdirektor in Aachen. 1879. 

Hi ns berg, G., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Hocks-Griindgens, J., Fabrikant in Aachen. 1879. 

Hohlbaum, Dr. K., Stadtarchivar in Koln. 1881. 

Hoeniger, Dr. R., Privatdozent in Berlin. 1882. 

Honinghaus, W., Kauftnann in Aachen. 1879. 

Hoeveler, Dr., Gymnasiallehrer in Koln. 1886. 

Hoffmann, von, Regierungs-Prasident in Aachen. 1879. 

Ho ff summer, C, Fabrikant in Diiren. 1879. 

Hoffsiimmer, CI. A., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Hoffsummer, G., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Hommelsheim, J., Regierungsrath in Berlin. 1879. 

Horsch, Domvikar in Koln. 1879. 

Hosteler, Ch., Kaplan in Heinsberg. 1879. 

Hoster, A., Pfarrer in Uebach. 1879. 

Houx, Lehrer in Elmpt. 1879. 

Hoyer, 0., Hotelbesitzer in Aachen. 1879. 

Hiiffer, Dr. H., Professor der Rechte iftid Geheimer Justizrath in Bonn. 1879. 

Huls, F. W. von, Direktor in Aachen. 1879. 

Humpertz, W., Vikar in Langerwehe. 1879. 

Hupertz, F. W., Bergmeister a. D. in Mechernich. 1879. 

Jan sen, Ingenieur in Diiren. 1879. 
Jans sen, A., Fabrikant in Aachen. 1880. 
Immelen, H., Chefredakteur in Aachen. 1884. 
Jorissen, L., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 
Juchem, Pfarrer in Bouderath. 1882. 
Julich, L. H., Vikar in Simmerath. 1879. 
Jungbluth, Rentner in Aldenhoven. 1879. 
Jungbluth, Dr. B., Arzt in Aachen. 1879. 
Jungbluth, Regierungsrath in Aachen. 1879. 
Jungbluth, L., Notar und Justizrath in Erkelenz. 1879. 

K a hi en bach, P. J., Rektor zu Rollesbroich. 1879. 
Kamp, te, Dr. J. J., Arzt in Monijoie. 1879. 
Kappes, F. J., Pfarrer in Rheydt. 1879. 
Kappes, H., Pfarrer in Burg-Reuland. 1879. 



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338 Verzeichniss der Mitglieder. 

Kauhlen, J. H. H. in Hemmerden. 1882. 

Kaulhausen, W., Fabrikant in Aachen. 1886. 

Kayser, A., Rentner in Aachen. 1879. 

Keller, E., Gerichtsschreiber in Diiren. 1879. 

Keller, W., Rentmeister in Burgau. 1879. 

Kerstgens, Reallehrer in Oberlahnstein. 1880. 

Kessel, Dr. J. H., Kanonikus in Aachen. 1879. 

Kesselkaul, G., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Kesselkaul, R., Kommerzienrath in Aachen. 1879. 

Keussen, Dr. H., Assistent am Stadtarchiv in Koln. 1884. 

Kistermanns, Kaplan in Aachen. 1886. 

Klee, Konigl. Rentmeister in Rotgen. 1879. 

Klein, 0., Lehrer in Wevelinghoven. 1879. 

Kleinen, H., Biirgermeister in Gemund. 1879. 

Klinkenberg, A., Rentner in Valkenburg. 1879. 

Kloth, J., Kaufmann in Aachen. 1886. 

Kniepen, Gymnasiallehrer in Neuss. 1879. 

Knops, F., Tuchfabrikant in Aachen. 1886. 

Koch, H. H., Divisionspfarrer in Frankfurt a. M. 1879. 

Kochs, Dr. Frau in Bonn. 1886. 

Kockerols, K., Gutsbesitzer in Oidtweiler. 1879. 

Konigs, J. H., Landwirth in Vogelsang. 1879. 

Korfer, H., Rektor des Progymnasiums in Erkelenz. 1879. 

Konertz, N., Architekt in Aachen. 1879. 

Korth, Dr. L., Archivsekretar in Kobl. 1884. 

Krabb, H., Tuchfabrikant in Aachen. 1879. 

Krabbel, Chr., Domkapellmeister in Eichstatt. 1879. 

Krafft, Rechtsanwalt in Koln. 1882. 

Krahe, J. A., Biirgermeister in Prummeren. 1879. 

Kreins, F., Rektor in Espeler. 1879. 

Kreutz, L., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Krichel, Dr. A., Regierungs- und Schulrath in Colmar. 1879. 

Kroll, M., Pfarrer in Honningen. 1881. 

Kiiper, W., Vikar in Buir. 1879. 

Kuetgens, H., Rentner auf Gut Neuenhof bei Koln. 1886. 

Kuetgens, P., Stadtverordneter in Aachen. 1879. 

Kux, J., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 

Lamberti, Burgermeister in Nideggen. 1879. 
Lamberts, H., Maschinenfabrikant in Aachen. 1879. 
Lammertz, E., Fabrikant in Aachen. 1883. 
Lammertz, L., Fabrikant in Aachen. 1883. 
Lammertz, L. jun., Gutsbesitzer in Neu-Merberen. 1886. 
Lamprecht, Dr. K., Professor der Geschichte in Bonn. 1879* 



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Verzeichniss der Mitglieder. 339 

La Rue lie, Buchdruckereibesitzer in Aachen. 1886. 

Laurent, J., Stadtbaumeister in Aachen. 1886. 

Lempfried, Gymnasiallehrer in Saargemund. 1879. 

Lennartz, H. J., Domschatzmeister in Aachen. 1879. 

Lenne, Dr. A., Arzt in Diilken. 1879. 

Lersch, Dr. B. M., Arzt und Badeinspektor in Aachen. 1879. 

Ley del, F., Ingenieur in Aachen. 1879. 

Ley k am, Freifrau von, auf Schloss Elsum. 1879. 

Ling ens, Br. J., Abgeordneter in Aachen. 1884. 

Linz, P., Pfarrer und Eektor in Marienstatt. 1881. 

Lob, B., Fabrikant in Aachen. 1879. 

Lob, R., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Loehrer, Pfarrvikar in Elmpt. 1885. 

Loersch, Alb., Tuchfabrikant in Aachen. 1879. 

Loersch, Arth., Tuchfabrikant in Aachen. 1879. 

Loersch, Dr. H., Professor der Rechte in Bonn. 1879. 

Loewe, K., Regierungsrath in Kiel. 1879. 

Longard, S., Landgerichtsrath a. D. in Aachen. 1879. 

Lucas, F., Arzt in Erkelenz. 1879. 

Lucius, K., Rentner in Aachen. 1879. 

Liickerath, W., Kaplan in Waldenrath. 1879. 

Lurken, B., Burgermeister in Aldenhoven. 1879. 

Lurken, J., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 

Ma as, J. B., Rechtsanwalt und Justizrath in Aachen. 1879. 

Macco, H. F., Fabrikant in Aachen. 1884. 

Massion, P., Tuchfabrikant in Aachen. 1886. 

Mathee, W., Kaufmann in Burtscheid. 1879. 

Math one t, F., Kaufmann in St. Vith. 1879. 

Mayer, Dr. G., Geheimer Sanit&tsrath in Aachen. 1879. 

Mayer, K., Hofbuchhandler in Aachen. 1879. 

Mayer, Ph., Rechtsanwalt und Justizrath in Aachen. 1879. 

Melchers, Amtsrichter in Stolberg. 1879. 

Menghius, W., Fabrikant in Aachen. 1886. 

Merc ken, W. J., Antiquitatenhandler in Aachen. 1879. 

Merckens, E., Rentner in Burtscheid. 1879. 

Merkelbach, J., Rentner in Aachen. 1879. 

Merkens, A., Lohgerber in Millich. 1879. 

Meulenbergh, Amtsgerichtsrath in Aachen. 1879. 

Me vis, K., Kaufmann in Schonthal. 1879. 

Me vis, K. in Eschweiler-Pumpe. 1879. 

Meyer, F., Gerichtsschreiber in Diiren. 1879. 

Meyers, F., Vikar in Oberkriichten. 1879. 

Meyers, L., Pfarrer in Oberkriichten. 1879. 



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340 Verzeichniss der Mitglieder. 

Michiels, P. J., Biirgermeister a. D. in Niederknichten. 1879. 

Middeldorf, C, Biirgermeister in Burtscheid. 1879. 

Miessen, M., Hulfsgeistlicher in Cornelimiinstor. 1879. 

Milz, Prof. Dr. H., Gymnasial-Diroktor in Koln. 1879. 

Mischel, J., Hulfsgeistlicher in Barmen. 1879. 

Mohlen, R., Kaplan in Julich. 1879. 

Moller, M., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Mb Her, U., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Mommartz, G. H., Rektor in Heinsberg. 1879. 

Mommer, P., Kaplan in Niederknichten. 1879. 

Monheim, V., Stadtverordneter in Aachen. 1879. 

Monschaw, 0. von, Gerbereibesitzer in St. Vith. 1879. 

Moor en, Biirgermeister und Abgeordneter in Eupen. 1882. 

Mo ore n, Dr., Pfarrer in Wachtendonk. 1879. 

Mosel, F. von der, Oberregierungsrath in Aachen. 1879. 

Miiller, Aeg., Pfarrer in Niirtingen. 1879. 

Mii Her, J., Pfarrer in Blankenheimerdorf. 1879. 

Miiller, Stadtsekretiir in Aachen. 1886. 

Miiller, Religionslehrer in Koln. 1881. 

Mylius, FreiheiT von, auf Haus Iinzenich. 1879. 

Nacken, H., Rentner in Aachen. 1879. 
Nathan, Biirgermeister a. D. in Heinsberg. 1879. 
Nauss, L. J. in Aachen. 1879. 
Nell ess en, Freifrau K. von, in Aachen 1879. 
Nellessen, Th. Wittwe in Aachen. 1885. 
Nellessen, Th., Stadtverordneter in Aachen. 1879. 
Neu, F., Religionslehrer in Aachen. 1881. 
Neuhausen, H., Spediteur in Aachen. 1879. 
Neuhofer, L., Pfarrer in Koln. 1879. 
Neuss, H., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 
Nickes, J., Gutsbesitzer in Forst. 1879. 
Niessen, J., Kaufmann in Stolberg. 1879. 
Nobis, L., Kommunalempfanger in Aachen. 1879. 
Nbthlichs, Dr., Kreisphysikus in Heinsberg. 1879. 
Nothlichs, J. L., Biirgermeister in Dremmen. 1879. 
Niicker, E., Notar in M.-Gladbach. 1879. 
Niittcn, Hoinrich in Aachen. 1885. 
Niitten, Hauptmann in Diisseldorf. 1886. 
Nyssen, C, Polizeiinspektor in Aachen. 1879. 

Offer geld, J., Kommunal-Empfanger in Gangelt. 1879. 
Offergelt, A., Rechtsanwalt in Aachen. 1883. 
Oidtman, E. von, Premier-Lieutenant in Metz. 1879. 



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Verzeichniss der Mitglieder. 341 

Oidtmann, Dr. H., Arzt in Linnich. 1879. 

Oppenhoff, Th. F., Landgerichts-Prasident in Aachen. 1879. 

Oppenhoff, M., Gymnasiallehrer in Aachen. 1886. 

Oslender, W., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 

Otten, G., Lehrer in Schleiden bei Aldenhoven. 1879. 

Over ha mm, Dr. B., Arzt in Gangelt. 1879. 

Palm, F. N., Buchdruckereibesitzer in Aachen. 1879. 

Palm, Dr. J., Arzt in Berlin. 1886. 

Palm, W., Vikar in Brachelen. 1879. 

Para dies, S., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Pastor, A., Kommerzienrath in Burtscheid. 1879. 

Pastor, A. jun., Fabrikant in Burtscheid. 1884. 

Pastor, G., Geheimer Kommerzienrath in Aachen. 1879. 

Patron, A., Pfarrer in Schonberg. 1879. 

Pauls, E., Apotheker in Bedburg. 1879. 

Pauly, Dr. H., Rektor in Montjoie. 1879. 

Pelser-Berensberg, von, in Alt-Valkenburg. 1885. 

Pelser-Berensberg, von, Ingenieur in Kirchrath. 1879. 

Peltzer, G., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Pelzer, L., Oberburgermeister und Mitglied des Herrenhauses in Aachen. 1879. 

Pelzer, P., Kaufmann in Langerwehe. 1879. 

Peppermiiller, H., Bibliothekar an der techn. Hochschule in Aachen. 1886. 

Philippen, J. M., Landwirth in Randerath. 1879. 

Philips, E., Fabrikant in Offenbach. 1879. 

Pick, Edgar, Apotheker in Koln. 1885. 

Pick, R., Stadtarchivar in Aachen. 1882. 

Pieler, F., Bergmeister in Ruda. 1879. 

Planker, S., Oberpfarrer in Aachen. 1879. 

Plum, Burgermeister in Baesweiler. 1879. 

Plum, A., Privatgeistlicher in Aachen. 1879. 

Poetgens, J., Vikar in Gangelt. 1879. 

Pohl, Dr. J., Gymnasial-Direktor in Munsteroifel. 1879. 

Pommer-Esche, von, Geheimer Regierungsrath in Aachen. 1879. 

Pschmadt, J., Realgymnasial-Vorschullehrer in Aachen. 1879. 

Putzer, J., Realschul-Direktor in Aachen. 1879. 

Quadt, M. W., Rektor in Aachen. 1885. 

Radermacher, Dr., Sanitatsrath in Montjoie. 1879. 

Ram eke n, Th., Rechnungsrevisor in Aachen. 1879. 

Ratte, Dr. H., Kreis-Schulinspektor in Aachen. 1879. 

Reichensperger, Dr. A., Appellations-Gerichts-Rath a. D. in Koln. 1885. 

Reiners, F., Rechtsanwalt in Aachen. 1882. 



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342 Verzeichniss der Mitglieder. 

Reinkens, Burgermeister in Erkelenz. 1879. 

Reumont, Dr. A. von, Excellenz, Wirklicher Geheim. Rath in Burtscheid. 1879. 

Reumont, Dr. A., Geheimer Sanitatsrath in Aachen. 1879. 

Reuter, Dr., Arzt in Haaren. 1879. 

Rey, Dr. M., Arzt in Aldenhoven. 1879. 

Rhoen, C, Architekt in Burtscheid. 1879. 

Rhoen, H., Architekt in Aachen. 1886. 

Richartz, Oberpfarrer in Eupen. 1879. 

Richter, J., Stadtbaumeister a. D. in Aachen. 1885. 

Ringemann, F., Rektor in Gangelt. 1879. 

Roerings, E., Stadtverordneter in Aachen. 1879. 

Romen, J. G. und Sonne, Buchdrucker in Roermond. 1882. 

Rosbach, 0., Gymnasiallehrer in Trier. 1879. 

Rothschild, G., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Rottmann, F. W., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Rovenhagen, Dr. L., Regierungs- und Schulrath in Diisseldorf. 1879. 

Riitten, J., Lehrer in Heinsberg. 1879. 

Riittgers n, M., Rechtsanwalt in Aachen. 1886. 

Ruhr, von der, Burgermeister in Gey. 1879. 

Rump en n, K., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 

Sartorius, Major und Bezirks-Kommandeur in Aachen. 1886. 

Saurbier, J., Lehrer in Gemiind. 1879. 

Schadt, "W., Amtsgerichtsrath in Heinsberg. 1879. 

Schaefer, Dr. H., Gymnasiallehrer in Aachen. 1879. 

S chaffer, S. G., General-Prases in Koln. 1879. 

Schaumburg, Landgerichts-Direktor in Aachen. 1885. 

Scheen, Dr., Arzt in Cornelimiinster. 1879. 

Scheibler, Freiherr B. von, Landrath a. D. in Aachen. 1879. 

Scheibler, Wittwe L., Geheime Kommerzienrathin in Aachen. 1879. 

Scheins, Dr. M., Gymnasial-Oberlehrer in Koln. 1879. 

Scherer, J., Wirklicher Geheimer Ober-Justizrath in Aachen. 1879. 

Schervier, A., Kratzenfabrikant in Aachen. 1879. 

Scheuer, L., Notar und Justizrath in Julich. 1879. 

Schiffers, J., Rentner in Aachen. 1879. 

Schlesinger, Redakteur in Aachen. 1885. 

Schleyer, Gymnasiallehrer in Neuss. 1883. 

Schmalen, K., Kommunalempfanger in Oppen. 1879. 

Schmidt, K., Rechnungsrath in Hellenthal. 1879. 

S-chmitz, A., Pfarrer in Herzogenrath. 1879. 

Schmitz, H., Religionslehrer in Eupen. 1885. 

Schmitz, J., Kommunalempfanger in Langerwehe. 1879. 

Schmitz, Amtsrichter in Erkelenz. 1879. 

Schmitz, L., Maler in Mechernich. 1884. 



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Verzeichniss der Mitglieder. 343 

Schmitz, Dr. L., Rechtsanwalt in Aachen. 1883. 

Schmitz, Dr. M., Realgymnasiallehrer in Aachen. 1879. 

Schneider, Dr. J., Professor in Diisseldorf. 1885. 

Schnock, H., Kaplan in Aachen. 1886. 

Schnorrenberg, K., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Sch oiler, B., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Scholler, C, Fabrikant in Duren. 1879. 

Sch oiler, E., Kaufmann in Gemiind. 1879. 

Scholler, F. H., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Scholler, Ph., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Sch on, A., Kaplan in Kelz. 1879. 

Schollen, M., Sekretar der Staatsanwaltschaft in Aachen. 1879. 

Schroder, Dr. F., Pfarrer in Julich. 1879. 

Schiill, R., Fabrikant in Diiren. 1879. 

Schiiller, Dr., Gymnasial-Oberlehrer in Aachen. 1886. 

Schiitz, Dr., Oberstabsarzt a. D. in Nideggen. 1879. 

Schiitz, von, Major a. D. anf Schloss Leerodi 1883. 

Schulz, J., Kaplan in Aachen. 1879. 

Schumacher, Dr. K., Arzt in Aachen. 1879. 

Schuster, Dr. L., Arzt in Aachen. 1879. 

Schwamborn, E., Tuchfabrikant in Aachen. 1879. 

Schwartz, R., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 

Schwenger, A., Notar in Rheydt. 1879. 

Schwenger, Dr. H., Gymnasial-Direktor in Aachen. 1879. 

Sebaldt, 0., Oberforster in Rotgen. 1879. 

Seithiimer, J. M., Pfarrer in Lovenich. 1879. 

Sels, F. W., Cigarrenfabrikant in Rath. 1886. 

Seyler, K., Nadelfabrikant in Aachen. 1879. 

Simons, Verwaltungs-Direktor in Berlin. 1879. 

Sinn, F., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Sittard, K., Lehrer in Stammeln. 1879. 

Sommer, M., Direktor und beigeordneter Biirgermeister in Aachen. 1879. 

Spee, Graf W. von, in Maubach. 1879. 

Spee, Dr., Gymnasiallehrer in Bonn. 1879. 

Spies s, A., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Spies s, H., Notar in Iinnich. 1879. 

Springs fe Id, Rechtsanwalt in Aachen. 1885. 

St art z, A., Stadtverordneter in Aachen. 1879. 

Startz, Konrad, Kommerzienrath in Aachen. 1879. 

St ass en, J., Kaufmann in Susterseel. 1879. 

Statz, F. X., Rechtsanwalt und Justizrath in Aachen. 1879. 

Steenaerts, H., Hofjuwelier in Aachen. 1879. 

Steenaerts, J., Pfarrer in Nettesheim. 1879. 

Steiger, H., Vikar in Lnmerath. 1879. 



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344 Verzeichniss der Mitglieder. 

Steinmeister, W., Kaufmann in Aachen. 1879. 
Sternberg, E., Rechtsanwalt und Justizrath in Aachen. 1879. 
Straeter, Dr. A., Arzt in Aachen. 1879. 
Strerath, Kreis-Thierarzt in Doveren. 1879. 
Stroganoff, Graf Gregor, in St. Petersburg. 1879. 
Strom, M., Oberpfarrer in Heinsberg. 1879. 
Strom, M., Kaufmann in Aachen. 1879. 
Suermondt, B., Rentner in Aachen. 1879. 
Suermondt, K., Rentner in Aachen. 1883. 
Siirth, A., Burgermeister in Roggendorf. 1879. 

Talbot, H., Rentner in Aachen. 1879. 
Terstappen, F., Burgermeister a, D. in Wassenberg. 1879. 
Theisen, Th., Rechtsanwalt in Aachen. 1879. 
Thissen, A., Kaufmann in Aachen. 1879. 
Thonessen, J. J., Notar in Randerath. 1879. 
Thyssen, E., Architekt in Aachen. 1886. 
Thy wis sen, H., Kaufmann in Aachen. 1879. 
Tollhausen, M., Gerichtsvollzieher in Aachen. 1886. 

Ulrich, Dr. Adolf in Hannoyer. 1884. 

Vandenesch, H., Kreis-Schulinspektor in Schleiden. 1879. 

Vasters, H. H., Burgermeister in Beek. 1879. 

Vasters, H. J., Gutsbesitzer in Schonhausen. 1879. 

Vasters, R., Goldschmied in Aachen. 1879. 

Veith, Karl von, Generalmajor z. D. in Bonn. 1886. 

Yelder, A., Gutsbesitzer in Keyenberg. 1879. 

Veling, K., Rechtsanwalt und Justizrath in Aachen. 1879. 

Vielvoye, Oberlandesgerichtsrath in Koln. 1879. 

Vischer, R., Professor an der technischen Hochschule in Aachen. 1886. 

Vogelgesang, E., Buchhandler in Aachen. 1879. 

Yogelgesang, K., Kaufmann in Aachen. 1879. 

Vogt, Burgermeister in Mon^'oie. 1879. 

Vohl, K. J., Beigeordneter in Erkelenz. 1879. 

Vossen, F., Rentner in Aachen. 1879. 

Y os sen, M. J., Lehrer in Uetterath. 1879. 

Yossen, Dr. 0., Arzt in Aachen. 1879. 

Yroon, J. M., Muhlenbesitzer in Inden. 1879. 

W acker, Dr., Gymnasiallehrer in Aachen. 1886. 
"Wagner, E., Geheimer Kommerzienrath in Aachen. 1879. 
"Wangemann, Dr. P., Zahnarzt in Aachen. 1886. 
Weber, F., Rechtsanwalt und Justizrath in Aachen. 1879. 



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Verzeichniss der Mitglieder. 345 

Weiler, K. J», Notar a. D. und Justizrath in Aachen. 1879. 

Weise, L. von, Geh. Regierungsrath u. Oberbiirgerm. a. D. in Aachen. 1879. 

Weisweiler, Dr., Gymnasiallehrer in Koln. 1886. 

Weitz, W., Hauptmann a. D. und Kanzleirath in Burtscheid. 1879, 

Wekbeker, Fraulein Johanna in Diisseldorf. 1879. 

"Werner, F. von, Biirgermeister in Stolberg. 1879. 

Wersch, van, Konigl. Rentmeister in St. Vith. 1879. 

Weyers, R., Buchhandler in Aachen. 1879. 

Wieth, Dr. K., Gymnasiallehrer in Aachen. 1886. 

Wilden, W., Rentner in Aachen. 1879. 

Wilhelms, Dr. K., Arzt in Eschweiler. 1879. 

Wilhelms, K., Rentner in Eschweiler. 1879. 

Wings, Dr. P., Rentner in Aachen. 1879. 

Winkholt, A., Waldhuter und Standesbeamter in Hammer. 1883. 

Winters chladen, Landgerichtsrath in Aachen. 1886. 

Wirtz, F. J., Rentmeister in Harff. 1879. 

Wittenhaus, Dr. K. A., Rektor in Rheydt. 1879. 

Wolff, E., Amtsriohter in Diiren. 1879. 

Wolff, J. A., Vikar in Calcar. 1879. 

Wolff gar ten, Dr. H., Oberlehrer in Aachen. 1882. 

Wiillner, Dr. A., Professor an der technischen Hochschule in Aachen. 1879. 

Zander, Dr., Sanitatsrath in Eschweiler. 1879. 
Zarth, A., Stadtrentmeister in Aachen. 1879. 
Zimmermann, Biirgermeister in Nothen. 1879. 
Zimmermann, J., Fabrikant in Aachen. 1879. 
Zimmermann, K., beigeordneter Biirgermeister in Aachen. 1879. 
Zingsheim, J., Biirgermeister in Roderath. 1879. 



C. Verzeichniss der Mitglieder nach ihren Wohnorten. 

Aachen: Abels. Alsters. Aretz. Baecker. Barth. Bayer. Beaucamp. A. Beissel. 
J. Beissel. L. Beissel. Bellesheim. Berndt. Bertrams. Bibliothek der 
Kasinogesellschaft. Bibliothek der Kreissynoden. Bibliothek des Land- 
kreises. Bock. Boeckeler. Bolle. Boyer. Wwe. Bretschncider. N. Bmch. 
R. Bruch. Bruckner. Biiiggemann. Biittgenbach. Cassalette. Claessen. 
Closset. A. Cockerill. J. Cockerill. Freifrau von Coels. Frhr. von Coels. 
Freiin von Coels. Compes. Cossmann. Creutzer. Cron. Curio. Curtius. 
Damert. Degen. Delius sen. R. Delius. Dresemaiul. Endepols. Esser. 
Fellinger. A. Fey. J. Fey. von Fisenne. Flamm. Fleuster. Forster. von 
Forckenbeck. Wwe. Galopin. Geller. Fi-eifrau von Geyr. Giesen. Glas- 
machers. von Gorschen. Greve. Habets. Hammers. Hanstein. Hasenclever. 
Henrici. Hetjens. Heusch. A. Heuser. E. Heuser. Hilgers. Hilt. Hocks- 



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346 Verzeichniss der Mitglieder. 

Griindgens. Honinghaus. von Hoffmann. Hoyer. von Huls. Janssen. 

Immelen. Jorissen. B. Jungbluth. Jungbluth. Kaulhausen. Kayser. Kessel. 

G. Kesselkaul. K. Kesselkaul. Kistermanns. Kloth. Knops. Konertz. Krabb. 

Kreutz. Kuetgens. Kux. Lamberts. B. Lammertz. L. Lammertz. La Ruelle. 

Laurent. Lennartz. Lersch. Lesezimmer des Kurhauses. Leydel. Lingens. 

B. Lob. R. Lob. Alb. Loersch. Arth. Loersch. Longard. Lucius. Liirken. 

Maas. Macco. Massion. G. Mayer. K. Mayer. Ph. Mayer. Menghius. 

Mercken. Merkelbach. Meulenbergh. M. Moller. U. Moller. Monheim. 

von der Mosel. Muller. Nacken. Nauss. Freifrau von Nellessen. ¥we. 

Th. Nellessen. Th. Nellessen. Neu. Neuhausen. Neuss. Nobis. Niitten. 

Nyssen. Offergelt Th. F. Oppenhoff. M. Oppenhoff. Oslender. Palm. 

Paradies. Pastor. Peltzer. Pelzer. Peppermiiller. Pick. Planker. Plum. 

von Pommer-Esche. Pschmadt. Piitzer. Quadt. Rameken. Ratte. Reiners. 

Reumont. Rhoen. Richter. Roerings. Rothschild. Rottmann. Riittgers. 

Rumpen. Sartorius. Schaefer. Schaumburg. Frhr. von Scheibler. Wwe. 

Scheibler. Scherer. Schervier. Schiffers. Schlesinger. L. Schmitz. M. 

Schmitz. Schnock. Schnorrenberg. Schollen. Schuller. Schulz. Schu- 
macher. Schuster. Schwamborn. Schwartz. Schwenger. Seyler. Sinn. 

Sommer. Spies. Springsfeld. Stadtbibliothek. A. Startz. K. Startz. Statz. 

Steenaerts. Steinmeister. Sternberg. Straeter. Strom. B. Suermondt. K. 

Suermondt. Talbot. Theisen. Thissen. Thyssen. Thywissen. Tollhausen. 

Tasters. Veling. Vischer. E. Vogelgesang. K. Vogelgesang. F. Vossen. 

0. Vossen. Wacker. Wagner. Wangemann. Weber. Weiler. von Weise. 

Weyers. Wieth. Wilden. Wings. Winterschladen. Wolffgarten. Wullner. 

Zarth. J. Zimmermann. K. Zimmermann. 
Aldenhoven: Creutz. Jungbluth. Liirken. Rey. 
Alsdorf : Frhr. von Blankart. 
Alt-Valkenburg: von Pelser-Berensberg. 
Andernach : Byns. 

Baesweiler: Plum. 

Barmen: Mischel. 

Bedburg: Bibliothek der Ritter-Akademie. Pauls. 

B e e k : Gehlen. Vasters. 

Berlin: Frhr. von Broich. Hoeniger. Hommelsheim. Palm. Simons. 

Blankenheim: Becker. Breuer. 

Blankenheimerdorf: Muller. 

Bonn: Binz. Graf von Bylandt. von Claer. Degen. Frhr. von Eynatten. Franck. 

Frhr. von Fiirth. Hiiffer. Kochs. Lamprecht. Loersch. Spee. von Veith. 
Bouderath: Juchem. 
Brachelen: Esser. Hensen. Palm. 
Buir: Kiiper. 
Burgau: Keller. 
Burg-Reuland: Kappes. 



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Verzeichniss der Mitglieder. 347 

Burtscheid: Beissel. Bibliothek des Biirgermeisteramts. Briigmann. Delius. 
0. Erckens. R. Erckens. Esser. Haas. Wwe. von Halfern. F. von Halfern. 
Herman. Hillemanns. Mathee. Merckens. Middeldorf. A. Pastor. A. Pastor 
jun. von Reumont. Rhoen. Weitz. 

Caloar: Wolff. 

Colmar: von Coellen. Krichel. 

Conzen: Gimken. 

Cornelimunster : Biirgel. Gemeinde-Bibliothek. Miessen. Scheen. 

Dover en: Clausen. Strerath. 

D rem men: Cohnen. Nothlichs. 

Diilken: Lenne. 

Diiren: Geuenich. Grebel. Hinsberg. C. Hoffsummer. d. A. Hoffsummer. 

G. Hoffsummer. Jansen. Keller. Meyer. B. Scholler. C. Scholler. F. H. 

Scholler. Ph. Scholler. Schull. StadtbibUothek. Wolff. 
Diisseldorf: Harless. Frhr. von HiTgers. Landesbibliothek. Nutten. Rovenhagen. 

Schneider. Wekbeker. 

Eichstatt: Prinz von Arenberg. Krabbel. 

Eilendorf : Bott. 

Elmpt: Houx. Loehrer. 

El sum: Freifrau von Leykam. 

Emmels: Cremer. 

Erkelenz: Bibliothek des Landrathsamts. Bolten. Brandts. Claessen. Jungbluth. 

Korfer. Lucas. Reinkens. Schmitz. Vohl. 
Eschweiler: Demmer. Heimbach. Dr. K. Wilhelms. K. Wilhelms. Zander. 
Eschweiler-Pumpe: Mevis. 
Espeler: Kreins. 
Essen: Fischer. 
Eupen: von Grand-Ry. Mooren. Richartz. Schmitz. 

Forst: Nickes. 
Frankfurt a. M. : Koch. 

Gangelt: Brandt. Fischenich. Offergeld. Overhamm. Poetgens. Ringemann. 

Geilenkirchen: Frhr. von der Goltz. 

Gemiind: Hauck. Kleinen. Saurbier. Scholler. 

Gerderath: Hilgers. 

Gevelsdorf: Aretz. 

Gey: von der Ruhr. 

Gladbach: Niicker. 

Gottingen: Universitats-Bibliothek. 

Granterath: Dahmen. 



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348 Verzeichniss der Mitglieder. 

Haaren: Fischer. Reuter. 

Hallschlag: Becker. 

Hammer: Winkholt. 

Hannover; Ulrich. 

Harff: Fiissenich. Graflich Mirbachsche Bibliothek. Wirtz. 

Heinsberg: Behrens. Breuer. Hosteler. Lehrerbibliothek des Kreises. Mom- 

martz. Nathan. Nothlichs. Riitten. Schadt. Strom. 
Hellenthal: Schmidt. 
Hemmerden: Kauhlen. 
Hemmersbach: Graf Bergh von Trjp S . 
Herzogenrath: Bongards. Corneli. Schmitz. 
Hildesheim: Frhr. von Hammerstein. 
Hilfarth: Hensen. 
Hochkirchen: Eytorff. 
Honningen: Krdll. 

Immerath: Steiger. 
Indon: Baumeister. Frantzen. Vroon. 

Julie h: Frhr. von Brachel. Erdmann. Froitzheim. Gemeinde-Bibliothek. Lehrer- 
bibliothek des Progymnasiums. Mohlen. Scheuer. Schroder. 

Kelz : Schon. 

Kempen: Franzen. 

Keyenberg: Hammels. Velder. 

Kiel : Loewe. 

Kinzweiler: Bacciocco. 

Kirchrath: Deutz. von Pelser-Bprensberg. 

Koblenz : Hansen. 

Koln: Braun. Brull. Eckertz. van Gils. Grubenbecher. Hermes. Hilgers. Hohl- 

baum. Hoeveler. Horsch. Keussen. Korth. Krafft. Milz. Muller. Neuhofer. 

Pick. Reichensperger. Schaffer. Scheins. Stadtbibliothek. Vielvoye. Weis- 

weiler. 
Kohlscheid: Bleeser. 

Langerwehe: Arnolds, de Haen. Humpertz. Pelzer. Schmitz. 

Laurensberg: Gross. 

Leerodt: von Schiitz. 

Lindenthal: Appelrath. 

Linnich: Beck. A. Berns. F. Berns. Birkenfeld. Burggraf. Gemeinde-Bibliothek. 

Oidtmann. Spiess. 
Haus Linzenich: Frhr. von Mylius. 
L 6 v e n i c h : Seithiimer. 

Malmedy: Esser. 

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Verzeichniss der Mitglieder. S4d 

Marienstatt: Iinz. 

Mastricht: Habets. 

M a u b a c h : Graf von Spee. 

Mechernich: Fuchs. Hillebrandt. Hupertz. Schmitz. 

Metz: von Oidtman. 

Millie h: Merkens. 

Montjoie: Christoffel. te Kamp. Pauly. Radermacher. Vogt. 

Mors bach: Greven. 

Muddersheim : Frhr. von Geyr. 

Mulheim: Gottwald. 

Miinstereifel : Pohl. 

Miintz : Decker. 

Nettesheim: Steenaerts. 

Neuenhof: Kuetgens. 

Neu-Merberen: Lammertz jun. 

Neuss: Gymnasial-Bibliotbek. Kniepen. Scbleyer. 

Nideggen: Cunzer. Lamberti. Scbiitz. 

Niederkriichten: Michiels. Mommer. 

N 6 1 h e n : Zimmermann. 

Nothberg: Hermeling. 

Niirtingen: Muller. 

Oberforstbach: Brandenberg. 
Oberkriichten: F. Meyers. L. Meyers. 
Oberlahnstein: Kerstgens. 
Offenbach: Philips. 
Oidtweiler: Kockerols. 
p p e n : Schmalen. 
Ottenfeld: Genuit. 

Paffendorf: Freifrau von Bongard. 
Prummeren: Krahe. 

Randerath: Eckerts. Herze. Phihppen. Thonessen. 

Rath: Sels. 

Rh e y d t : Bibliothek d. Biirgermeisteramts. Goeters. Kappes. Schwenger.AVittenhaus. 

Roderath: Zingsheim. 

Roermond: Romen. 

Rotgen: Klee. Sebaldt. 

Roggendorf: Siirth. 

Rollesbroich: Kahlenbach. 

Rothe Erde: Bornebusch. 

Ruda : Pieler. 



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350 Verzeichniss der Mitglieder. 

Saargemiind: Lempfried. 

Schaufenberg: Dorn. 

Schleiden: Hauser. Vandenesch. 

Schleiden b. Aldenhoven: Otten. 

Schleidweiler : Heydinger. 

Schmidtheim: Grubenbecher. 

Schonberg: Patron. 

Schonhausen: Vasters. 

Schonthal: Mevis. 

Siersdorf: Fischer. 

Simmeratb: Dohmen. Goller. Julich. 

Stammeln: Sittard. 

Stolberg: Melchers. Niessen. von Werner. 

St. Petersburg: Graf Stroganoff. 

Strassburg: Fuss. 

St. Vith: Hecking. Mathonet. von Monschaw. van Wersch. 

Siisterseel: Stassen. 

Tetz: Frhr. von Brachel. 
Trarbacb: Biindgens. 
Trier: Rosbach. 

Uebach: Hoster. 
Uetterath: Eckart. Vossen. 

Valkenburg: Klinkenberg. 
Vogelsang: Konigs. 

Wachtendonk: Mooren. 
Waldenrath: Liickerath. 
Warn men: Havers. 
Wassenberg: Terstappen. 
Wevelinghoven : Klein. 

Z we if all: Heinen. 

D. Vereine, Gesellschaften, Anstalten nnd Redaktionen, mit welchen 
der Aachener Geschichtsverein in Schriftenaustausch steht. 

1. Aachen. Verein fur Kunde der Aachener Vorzeit. 1886. 

2. Aarau. Redaktion der Vierteljahrsschrift „Vom Jura zum Schwarzwald". 

1886. 

3. A gram. Historischer Verein. 1886. 



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Verzeichniss der Mitglieder. 361 

4. Bayreuth. Historischer Verein fiir Oberfranken. 1886. 

5. Berlin. Reichs-Postmuseum. 1886. 

6. Berlin. Verein fiir die Geschichte Berlins. 1886. 

7. Berlin. Verein fiir Geschichte der Mark Brandenburg. 1886. 

8. Berlin. Verein Herold. 1879. 

9. Berlin. Redaktion der Zeitschrift fiir die Geschichte der Juden in Deutsch- 

land. 1886. 

10. Bern. Bernische Kiinstler-Gesellschaft. 1886. 

11. Bern. Historischer Verein des Kantons Bern. 1886. 

12. Bohmisch-Leipa. Nordbohmischer Excursions-Club. 1886. 

13. Bonn. Verein von Alterthumsfreunden iin Rheinlande. 1879. 

14. Braunsberg. Historischer Verein fiir Ermland. 1886. 

15. Bregenz. Museums-Verein fiir Vorarlberg. 1886. 

16. Breslau. Verein fiir Geschichte und Alterthum Schlesiens. 1886. 

17. Breslau. Schlesische Gesellschaft fiir vaterlandische Cultur. 1886. 

18. Breslau. Verein fiir das Museum schlesischer Altertiimer. 1886. 

19. Briinn. Historisch-statistische Section der k. k. mahr.-schles. Gesellschaft 

fiir Ackerbau, Natur- und Landeskunde. 1886. 

20. Charleroi. Societe paleontologique et archeologique. 1886. 

21. Chemnitz. Verein fur Chemnitzer Geschichte. 1886. 

22. Chur. Historisch-antiquarische Gesellschaft von Graubiinden. 1886. 

23. Compiegne. Societe historique. 1879. 

24. Danzig. "Westpreussischer Geschichtsverein. 1886. 

25. Darmstadt. Historischer Verein fiir das Grossherzogthum Hessen. 1886. 

26. Donaueschingen. Verein fiir Geschichte und Naturgeschichte der Baar 

und der angrenzenden Landestheile. 1886. 

27. Dortmund. Historischer Verein. 1886. 

28. Dresden. Koniglich Saehsischer Alterthumsverein. 1886. 

29. Dresden. Verein fiir Geschichte und Topographic Dresdens und seiner 

Umgebung. 1886. 

30. Dresden. Gebirgsverein fiir die sachsisch-bohmische Schweiz. 1886. 

31. Diisseldorf. Diisseldorfer Geschichtsverein. 1886. 

32. Eisenberg. Geschichts- und altertumsforschender Verein. 1886. 

33. Elberfeld. Bergischer Geschichtsverein. 1879. 

34. Emde n. Gesellschaft fiir bildende Kunst u. vaterlandische Alterthiimer. 1886. 

35. Enghien. Cercle archeologique d'Enghien. 1886. 

36. Erfurt. Verein fiir die Geschichte und Altorthumskunde von Erfurt. 1886. 

37. Essen. Historischer Verein fiir Stadt und Stift Essen. 1881. 

38. Frankfurt a. M. Freies deutsches Hochstift. 1879. 

39. Frankfurt a. M. Verein fiir Geschichte und Alterthumskunde. 1879. 

40. Freiberg i. S. Freiberger Alterthumsverein. 1886. 

41. Freiburg i. Br. Historischer Verein fur den Breisgau. 1879. 

42. Freiburg i. Br. Kirchlich-historisch. Verein fiir d. Erzdiocese Freiburg. 1886. 

43. Freiburg i. Br. Verein Schau-in's-Land. 1886. 



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352 Verzeichniss der Mitglieder. 

44. Friedrichshafen. Verein fur Geschichte des Bodensees und seiner Um- 

gebungen. 1886. 

45. Giessen. Oberhessischer Verein fur Lokalgeschichte. 1886. 

46. Gorlitz. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften. 1886. 

47. Graz. Historischer Verein fur Steiermark. 1886. 

48. Graz. Christlicber Kunstverein der Diozese Seckau. 1886. 

49. Greifswald. Rugisch-pommersche Abtheilung der Gesellschaft fiir pom- 

mersche Geschichte. 1886. 

50. Hanau. Bezirksverein fiir hessiscbe Geschichte und Landeskunde. 1886. 

51. Hannover. Historischer Verein fiir Niedersachsen. 1879. 

52. Hannover. Miinzforscher- Verein. 1886. 

53. Heilbronn. Historischer Verein. 1886. 

54. Hermannstadt. Verein fiir siebenbiirgische Landeskunde. 1886. 

55. Hohenleuben. Vogtlandischer alterturasforschender Verein. 1886. 

56. Jena. Verein fiir thiiringische Geschichte und Altertumskunde. 1879. 

57. Innsbruck. Ferdinandeum. 1886. 

58. Kahla. Verein fiir Gesohichts- und Alterthumskunde. 1886. 

59. Kiel. Gesellschaft fiir Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte. 1886. 

60. Klagenfurt. Kartnerischer Geschichtsverein. 1886. 

61. Koln. Historischer Verein fiir den Niederrhein. 1879. 

62. Koln. Redaktion der Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Koln. 1882. 

63. Leipzig. Museum fiir Volkerkunde. 1886. 

64. Leisnig. Geschichts- und Alterthumsverein. 1886. 

65. Lemberg. Archaologische Gesellschaft. 1886. 

66. Liibeck. Verein fiir hansische Geschichte. 1879. 

67. Liibeck. Verein fiir Lubeckische Geschichte und Alterthumskunde. 1886. 

68. Liineburg. Museums- Verein fiir das Furstenthum Liineburg. 1886. 

69. Liittich. Institut archeologique Iiegeois. 1886. 

70. Luxemburg. Section historique de l'lnstitut luxembourgeois. 1879. 

71. Luzern. Historischer Verein fiir die fiinf Orte Luzern, Uri, Schwyz, 

Unterwalden und Zug. 1879. 

72. Mainz. Verein zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Alter- 

thumer. 1879. 

73. Mannheim. Mannheimer Alterthumsverein. 1886. 

74. Marienwerder. Historischer Verein fiir den Regierun^sbezirk Marien- 

werder. 1886. 

75. Mastricht. Societe historique et archeologique du duche de Iimbourg. 

1879. 

76. Mastricht Redaktion der Zeitschrift „De Maasgouw". 1886. 

77. Meiningen. Hennebergischer alterthumsforschender Verein. 1886. 

78. Meissen. Verein fiir Geschichte der Stadt Meissen. 1882. 

79. Metz. Verein fiir Erdkunde. 1886. 

80. Miinchen. Koniglich Bayerische Akademie der WissensGhaften. 1879. 

81. Miinchen. Historischer Verein von Oberbayern. 1886, 



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Verzeichniss der Mitglieder. 353 . 

82. Mii nc hen. Redaktion des Historischen Jahrbuchs des Gorresvereins. 1882. 

83. M (inch en. Deutsche anthropologische Gesellschaft. 1886. 

84. Munst-er i. W. Verein fiir Geschichte und Alterthumskunde Westfalens. 

1879. 

85. Miinster i. W. Redaktion des Literarischen Handweisers. 1879. 

86. Neuburg a. D. Historischer Verein. 1886. 

87. Neuchatel. Societe Neuchateloise de geographic 1886. 

88. Nivelles. Societe archeologique de rarrondissement de Nivelles. 1886. 

89. Nurnberg. Germanisches Nationalmuseum. 1879. 

90. Nurnberg. Verein fiir Geschichte der Stadt Nurnberg. 1885. 

91. Oberlahnstein. Lahnsteiner Altertums verein. 1883. 

92. Oldenburg. Oldenburger Landesverein fiir Alterthumskunde. 1886. 

93. Osnabruck. Verein fiir Geschichte und Landeskunde. 1879. 

94. PI a u en i. V. Altertumsverein. 1886. 

95. Posen. Historische Gesellschaft fiir die Provinz Posen. 1885. 

96. Prag. Verein fur Geschichte der Deutschen in Bohmen. 1886. 

97. Raigern. Redaktion der „Studien und Mittheilungen" aus dem Benedic- 

tiner- und dem Cistercienser-Orden. 1886. 

98. Regensburg. Historischer Verein fiir Oberpfalz und Regensburg. 1886. 

99. Riga. Gesellschaft fiir Geschichts- und Alterthumskunde der Ostseeprovinzen 

Russlands. 1886. 

100. Rod a. Verein fiir Geschichts- und Alterthumskunde. 1886. 

101. Saarbrticken. Historischer Verein fiir die Saargegend. 1886. 

102. Salzburg. Gesellschaft fiir Salzburger Landeskunde. 1886. 

103. Schmalkalden. Verein fiir Hennebergische Geschichte und Landes- 

kunde. 1886. 

104. Schwabisch-Hall. Historischer Verein fiir das wurttembergische 

Franken. 1886. 

105. Schwerin. Verein fiir meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde . 

1886. 

106. Sigmaringen. Verein fiir Geschichte und Alterthumskunde in Hohen- 

zollern. 1879. 

107. Speyer. Historischer Verein der Pfalz. 1879. 

108. Strassburg i. E. Kaiserliche Universitats- und Landesbibliothek. 1885. 

109. Strassburg i. E. Historisch-litterarischer Zweigverein des Vogesen-Clubs. 

1885. 

110. Strassburg i. E. Redaktion der Revue nouvelle d' Alsace-Lorraine. 1886. 

111. Stuttgart. Koniglich Wurttembergisches statistisches Landesamt. 1879. 

112. Stuttgart. Wiirttembergischer Alterthumsverein. 1879. 

113. Trier. Gesellschaft fiir niitzliche Forschungen. 1879. 

114. Trier. Redaktion der Westdeutschen Zeitschrift fiir Geschichte und Kunst. 

1886. 

115. Ulm. Verein fur Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. 1886. 

116. Utrecht. Historisch genootschap. 1879. 



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354 Verzeichniss der Mitglieder. 

117. "Wernigerode. Harz- Verein fiir Geschichte und Altertumskunde. 1886. 

118. "Wien. K. K. Centralkommission zur Erforschung und Erhaitung der 

Kunst- und historischen Denkmale. 1886. 

119. "Wien. Redaktion der Mittheilungen des K. K. bsterr. Museums fiir Kunst 
" und Industrie. 1885. 

120. "Wien. Dombau- Verein. 1886. 

121. "Wiesbaden. Verein fiir Nassauische Altertbumskunde und Geschichts- 

forschung. 1879. 

122. Winterthur. StadtbibHothek. 1886. 

123. "Wolfenbiittel. Ortsverein fiir Geschichte und Alterthumskunde zu Braun- 

schweig und "Wolfenbiittel. 1886. 

124. "Worms. Altertumsverein. 1886. 

125. Wurzburg. Historischer Verein fiir Unterfranken und Aschaffenburg. 

1879. 

126. Zurich. AUgemeine geschichtsforschende Gesellschaft der Schweiz. 1886. 



Druck von P. N. Palm in Aachett* 



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